7. Januar 1979: Vietnam stürzt Pol Pot

7. Januar 1979: Vietnam stürzt Pol Pot
Das Tuol-Sleng-Genozid-Museum ist das ehemalige Gefängnis S-21 der Roten Khmer und dient der Erinnerung an die dort begangenen Verbrechen während des Genozids in Kambodscha zwischen 1975 und 1979 - © Foto Josef Höckner, München

+++ VOR 40 JAHREN +++

Der Einmarsch vietnamesischer Truppen in Kambodscha beendet die Gewaltherrschaft der Roten Khmer unter dem Massenmörder Pol Pot.

Nach einem zweiwöchigen Blitzkrieg erobern vietnamesische Truppen die kambodschanische Hauptstadt. Die Truppen Pol Pots, der 1998 stirbt, ziehen sich in die Berge im Westen Kambodschas zurück.

In vielen Teilen des Landes entdecken die einrückenden Vietnamesen Massengräber mit Opfern des barbarischen Regimes. Der Invasion der Vietnamesen waren monatelange Grenzgefechte zwischen den beiden sozialistischen Staaten vorausgegangen. Am 10. Januar proklamiert die wenige Wochen zuvor gegründete »Nationale Einheitsfront Kampucheas« die vietnamfreundliche sog. Volksrepublik Kampuchea. Als Vorsitzender des Revolutionsrates amtiert Heng Samrin.

Das Tuol-Sleng-Genozid-Museum: Fotos der ehemaligen Gefangenen - © Foto Josef Höckner, München

Das Tuol-Sleng-Genozid-Museum: Fotos der ehemaligen Gefangenen – © Foto Josef Höckner, München

Vietnam belässt 100 000 Soldaten in Kambodscha. In den Nachbarstaaten Vietnams wächst indes die Angst vor einer vietnamesischen Großmachtpolitik, als deren Ergebnis ein von Hanoi beherrschtes Groß-Indochina entstehen könnte. Vor allem die Volksrepublik China sieht sich durch den »Emporkömmling« herausgefordert.

Rückblick: Genozid am eigenen Volk

Totenschädel im Innern des Stupa von Choeung Ek, ehemaliger chinesischer Friedhof etwa 17 Kilometer südlich von Phnom Penh, ist das bekannteste der sogenannten Killing Fields.

Totenschädel im Innern des Stupa von Choeung Ek, ehemaliger chinesischer Friedhof etwa 17 Kilometer südlich von Phnom Penh, ist das bekannteste der sogenannten Killing Fields.

Die schreckliche Bilanz der vierjährigen Herrschaft Pol Pots sind Millionen von Toten und ein vom Hungertod bedrohtes Volk. Mit einem großangelegten Programm der gewaltsamen Umerziehung wollten die Roten Khmer unter Pol Pot nach ihrem militärischen Sieg im Bürgerkrieg (17.4.1975) ihre Schreckensherrschaft auf lange Sicht sichern. Sie versuchten, das Land nach dem Muster eines Agrarkommunismus zu verändern. Die Industrieproduktion wurde eingestellt, Geld und Privateigentum abgeschafft.

Nach Beseitigung der meisten Offiziere, Soldaten und Beamten der früheren Regierung und ihrer Familien wurde mit der systematischen Ausrottung von ethnischen Minderheiten und Intellektuellen begonnen. Von den über 7 Mio. Einwohnern Kambodschas sollen bis zu drei Mio. ermordet worden sein, Zehntausende Überlebende wurden körperlich und psychisch gefoltert.

Pol Pot und die Roten Khmer führten eine gewaltsame und sofortige Umsiedlung der städtischen Bevölkerung auf das Land durch und veranlassten systematische Umsiedlungsoperationen unter der Landbevölkerung, wodurch zahllose Menschen entwurzelt und ins Elend gestoßen wurden.

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Zeitungen zum 07.01.1979