7. Mai 1945: Menschen entwurzelt

7. Mai 1945: Menschen entwurzelt
Im Krematorienhof konfrontieren US-Soldaten die Bürger von Weimar mit den dort gefundenen Leichen. Dies war das erste Foto von Buchenwald, das veröffentlicht wurde. es erschien in der London Times am 18. April 1945. - Walter Chichersky, U.S. Signal Corps [Public domain]

+++ EREIGNISSE VOR 75 JAHREN +++

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Zeitungen zum 07.05.1945
Über den Kontinent ziehen Flüchtlingsströme: Dazu zählen Vertriebene, Ausgebombte, ehemalige Soldaten und Kriegsgefangene.

Aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten östlich der Oder-Neiße-Linie wird die deutsche Bevölkerung vertrieben. Insgesamt verlieren 12 Mio. Deutsche ihre Heimat. Nach Kriegsende sind 40% aller Deutschen auf der Flucht oder auf dem Weg in die Kriegsgefangenschaft. Opfer des Krieges sind auch die 9,5 Mio. ins Reich verschleppten Zwangsarbeiter. Hunderttausende ehemalige Kriegsgefangene und Internierte aller Nationalitäten befinden sich auf dem Weg in ihre Heimat.

Kriegsgefangene: In den Westzonen leben als ehemalige Kriegsgefangene, Internierte und Zwangsarbeiter: 1,5 Mio. Sowjetbürger, 600 000 Polen, 350 000 Italiener, 200 000 Niederländer, 200 000 Belgier, 100 000 Jugoslawen, 60 000 Tschechen, 100 000 Luxemburger, 10 000 Griechen, 10 000 Dänen und 10 000 Norweger. Unmittelbar vor und nach der Kapitulation versuchen Reste der Wehrmacht, sich nach Westen abzusetzen, um der Gefangennahme durch die Rote Armee zu entgehen.

So gelingt es am 7. Mai Teilen der 9. und der 12. Armee, bei Tangermünde die Elbe zu überqueren und sich in US-Kriegsgefangenschaft zu begeben. Insgesamt gehen am Tag der Kapitulation 7,5 Mio. deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft.

Ostgebiete: Nach der Verschiebung« Polens bis zur Oder-Neiße-Linie, die auf der Konferenz von Potsdam (17.7.1945) offiziell bestätigt wurde, verläuft die polnische Westgrenze rd. 200 km westlich der Grenze von 1939. In den Gebieten östlich von Oder und Neiße, in Schlesien, Ostpommern, Ostbrandenburg und Ostpreußen, lebten vor Ausbruch des Krieges rd. 9,5 Mio. Deutsche. Etwa 5 Mio. flohen in den letzten Kriegsmonaten vor der Roten Armee nach Westen. Durch den Einsatz der deutschen Kriegsmarine konnten noch vor Kriegsende rd. 1,5 Mio. Zivilisten und 500 000 Soldaten aus Ostpreußen, Pommern und Kurland nach Dänemark und Schleswig-Holstein evakuiert werden. Nach der deutschen Kapitulation beginnen die polnischen Behörden mit der Vertreibung der verbliebenen deutschen Bevölkerung. Dabei kommt es zu Misshandlungen. Sudetenland: Nach der Befreiung der Tschechoslowakei von deutscher Besatzung am 9. Mai kommt es zu Übergriffen an Sudetendeutschen (15.3. 1939). Viele Tschechen nehmen Rache für die nationale Demütigung und vertreiben bis Oktober 1946 rd. 2,8 Mio. Deutsche über die Grenzen nach Österreich und Deutschland. Der Besitz der Deutschen wird enteignet und aufgeteilt.