7. November 2000: Bush gewinnt Präsidentenwahl

7. November 2000: Bush gewinnt Präsidentenwahl
George W. Bush (2003), By White house photo by Eric Draper. [Public domain], via Wikimedia Commons

+++ EREIGNISSE VOR 20 JAHREN +++

.
Zeitungen zum 07.11.2000
Die Wahl des 43. US-Präsidenten geht als die bisher dramatischste in die Geschichte ein.

Nach Schließung der Wahllokale wissen weder der demokratische Vizepräsident Al Gore noch der republikanische Gouverneur von Texas, George W. Bush, ob sie Anlass zum Jubeln haben. Erst nach mehr als fünf Wochen eines immer erbitterteren politischen und juristischen Tauziehens steht fest, dass Bush am 20. Januar 2001 vor dem Kapitol in Washington als US-Präsident vereidigt wird.

Letztlich entscheidet nicht der Wille der Gesamtheit der Wähler, sondern der Oberste Gerichtshof der USA in Washington über die Präsidentschaft: Die neun Richter des Supreme Court stellen am Abend des 12. Dezember fest, dass die vom Obersten Gericht Floridas angeordneten Handauszählungen verfassungsrechtlich »ernstlich problematisch« seien und die Zeit nicht mehr ausreiche, Handzählungen in korrekter Weise durchzuführen. Damit hat Gore keine Chance mehr, den Rückstand auf Bush aufzuholen.

Zwar hat Gore beim »popular vote«, der Addition aller abgegebenen Wählerstimmen in den USA, einen Vorsprung von rd. 300 000 Stimmen, doch bei den – entscheidenden – Elektoren Stimmen liegt sein Rivale vorn. In seiner ersten Fernsehrede als gewählter Präsident verspricht Bush den Bürgern: »Ich werde daran arbeiten, Ihren Respekt zu verdienen.«. In dem teuersten US-Wahlkampf hätte Vizepräsident Gore vor dem Hintergrund des längsten Wirtschaftsaufschwungs der US-Nachkriegsgeschichte und eines lange Zeit für undenkbar gehaltenen Haushaltsüberschusses über einen soliden Vorsprung verfügen müssen. Dass er ihn nicht besaß, dass sogar sein Heimatstaat Tennessee an Bush fiel, zeigt die Schwäche von Gore.

HINTERGRUND: Auszählkrimi Die USA erleben den knappsten Wahlausgang seit 1960. Das Au und Ab der Meldungen angesichts des unklaren Wahlausgangs ist vor allem auf die Tatsache zurückzuführen, dass es in den USA keine Wahlforschung im europäischen Sinne gibt. Der Voters News Service in New York ist die einzige Stelle, die bei nationalen Wahlen die Stimmen mit modernen technischen Mitteln addieren und gewichten kann. Dies birgt die Gefahr der Manipulation: Der Zeitpunkt der Veröffentlichung aktueller Trends kann-wegen der verschiedenen Zeitzonen – Wähler im Westen der USA in ihrem Stimmverhalten beeinflussen zudem gibt es keine unabhängig Kontrollinstanz, die auf der eigener Daten andere und möglicherweise korrektere Vorhersagen treffen könnte.