8. Juli 1990: Titel für Deutschland

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Zeitungen zum 08.07.1990
Mit dem dritten Titel nach 1954 und 1974 sowie den Vize-Weltmeisterschaften 1966, 1982 und 1986 ist das deutsche Team die erfolgreichste Mannschaft der WM-Geschichte.

Die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland schlägt im Finale der XIV. Fußball-Weltmeisterschaften Titelverteidiger Argentinien mit 1:0. Das entscheidende Tor erzielt Andreas Brehme durch einen Foul-Elfmeter in der 85. Minute.

In dem insgesamt schwachen Endspiel konnte die von Franz Beckenbauer betreute deutsche Mannschaft ihre spielerische Überlegenheit zunächst nicht in Tore ummünzen. Der Elfmeter ist umstritten, zumal die Zeitlupe zu beweisen scheint, dass Rudi Völler am Strafraum ohne Einwirkung des Gegners zu Boden fällt.

Spielerische Akzente setzte die deutsche Mannschaft um Kapitän Lothar Matthäus u.a. beim 4:1-Sieg gegen Jugoslawien in der Vorrunde und beim 2:1 gegen Europameister Niederlande im Achtelfinale. Einem 1:0 im Viertelfinale gegen die Tschechoslowakei folgte im Halbfinale ein Fußballkrimi gegen England. Mit 5:4 nach Elfmeterschießen behielten die Deutschen die Oberhand.

Die WM lebt von vielen Überraschungen – so dem frühen Ausscheiden des Mitfavoriten Brasilien im Achtelfinale gegen Argentinien oder dem Vordringen Kameruns bis ins Viertelfinale. Für einen Skandal sorgt der Niederländer Frank Rijkhaard, der Rudi Völler im Viertelfinale bespuckte und zusammen mit seinem Kontrahenten vom Platz gestellt wurde. Der kolumbianische Torhüter José-René Higuita übernimmt mit seinen Ausflügen bis zur Mittellinie zeitweise die Rolle des Liberos und wird dafür im Achtelfinale gegen Kamerun mit einem Gegentreffer von Roger Milla bestraft.

Der 38-jährige »Fußball-Opa« Milla macht nicht nur durch sein Alter von sich reden, sondern auch durch seine Lambada-Einlagen an der Eckfahne nach jedem seiner insgesamt vier WM-Treffer. Zu den herausragenden Spielern gehört auch der englische Torhüter Peter Shilton, der mit 40 Jahren der älteste Teilnehmer des Turniers ist.

Torschützenkönig wird mit sechs Treffern der Italiener Salvatore »Toto Schillaci«. Mit insgesamt 115 Toren, im Schnitt 2,21 pro Spiel, wird ein historischer Tiefstand erreicht. 18 rote und 163 gelbe Karten bedeuten dagegen WM-Rekord.

Das Turnier ist mit 2,5 Mio. verkauften Eintrittskarten die bisher bestbesuchte WM. Aus dem Kartenverkauf erwirtschaften die Organisatoren einen Umsatz von rd. 240 Mio. DM. Trotz starker Sicherheitsmaßnahmen, zeitweisem Alkoholverbot sowie dem Einsatz von 45 000 Karabinieri können während der WM Krawalle vor allem britischer und deutscher Hooligans nicht verhindert werden.