9. November 1938: Gesteuerte Exzesse in Pogromnacht

9. November 1938: Gesteuerte Exzesse in Pogromnacht
Berliner SA-Männer beim Anbringen von Plakaten, die zum Boykott jüdischer Geschäfte aufrufen, am 1. April 1933. Bundesarchiv, Bild 102-14468 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

+++ VOR 80 JAHREN +++

Das Nazi-Regime lässt gegenüber den jüdischen Mitbürgern die Maske fallen. Die Verzweiflungstat eines 17-jährigen Juden liefert den willkommenen Anlass zu Pogromen.

Als Reaktion auf den Mordanschlag von Herschel Grünspan an dem deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath am 7. November in Paris organisieren in der Nacht auf den 10. November SA-Trupps im gesamten Reichsgebiet vorgeblich spontane Aktionen gegen Synagogen und jüdische Geschäfte. Bürger jüdischen Glaubens werden ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht aus den Betten gerissen, verhöhnt, misshandelt und getötet. Vor den Augen einer weitgehend passiven Bevölkerung wird nach vorher angefertigten Listen vorgegangen.
Insgesamt werden bis zum 11. November 91 Juden getötet und über 26 000 verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Nach einer ersten Bilanz werden 191 Synagogen niedergebrannt, 76 weitere demoliert, 7500 Läden und 171 Wohnhäuser zerstört.
Unmittelbarer Auslöser der »Reichskristallnacht«, wie das Pogrom wegen der Vielzahl zerschlagener Schaufensterscheiben auch genannt wird, ist Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Er erklärt am Abend des 9. November während einer Rede in München, dass nach Auffassung von Reichskanzler Adolf Hitler »spontanen Demonstrationen« gegen Juden nicht entgegengetreten werden sollte.

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Zeitungen zum 09.11.1938