Deutschland 1938: Im Reich brennen Synagogen

Deutschland 1938: Im Reich brennen Synagogen
Die orthodoxe Synagoge Ohel Jakob in der Münchner Herzog-Rudolf-Straße nach dem Brandanschlag am 9. November 1938 - Bundesarchiv, Bild 146-1970-041-46 / Unknown
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/ CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

+++ VOR 80 JAHREN +++

Die Ausschaltung der Juden aus dem öffentlichen Leben, bis dahin vorwiegend durch Verwaltungsakte vollzogen, wird zu einem physischen Vernichtungsfeldzug.

Judenpogrom:
Die planmäßigen Pogrome gegen Juden in der sog. Reichskristallnacht richten sich vorwiegend gegen jüdische Geschäftsleute. Sie sind Teil eines Planes, der die Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vorbereiten und den Druck zur Auswanderung erhöhen soll.
Am 12. November 1938 wird jüdischen Gewerbebetrieben auferlegt, den in der Pogromnacht entstandenen Schaden in Höhe von 1 Mrd. Mark auf eigene Kosten zu beseitigen. Gleichzeitig wird den Juden der Betrieb von Einzelhandelsverkaufsstellen, Versandgeschäften, Handwerksbetrieben und das Feilbieten von Waren verboten. Auf Anweisung von Generalfeldmarschall Hermann Göring können sich Juden »freikaufen«. Die Entlassung der in den Konzentrationslagern Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen inhaftierten Juden wird von der Ablieferung möglichst vieler Wertsachen abhängig gemacht. 1938 verlassen 46 000 Juden das Reich.

Wehrmacht gesäubert:
Am 4. Februar werden der Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Werner von Blomberg, und Werner Freiherr von Fritsch, der Oberbefehlshaber des Heeres, entlassen. Ihnen werden die Ehe mit einer ehemaligen Prostituierten und, im Falle von Fritsch, homosexuelle Affären angelastet. Hintergrund des üblen Intrigenspiels ist die Absicht, die Wehrmachtsführung von Offizieren zu säubern, die Hitlers Kriegsplänen ablehnend gegenüber stehen. Hitler übernimmt per Erlass die alleinige Führung der Wehrmacht.
Von Ossietzky tot:
Der Publizist und Pazifist Carl von Ossietzky stirbt am 4. Mai im Alter von 48 Jahren in Berlin an den Folgen der Haft in Konzentrationslagern. Der Symbolfigur des Widerstandes gegen die Nazi-Diktatur wurde 1936 der Friedensnobelpreis verliehen.

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Zeitungen zum 12.11.1938

VW entsteht:
Reichskanzler Adolf Hitler legt am 26. Mai zwischen Fallersleben und dem Dorf Wolfsburg den Grundstein zum Bau des Volkswagenwerkes. Nach dem Willen Hitlers soll hier die größte Automobilfabrik der Welt entstehen. Der » Volkswagen«, mit dem auch Kleinverdiener an der Motorisierung teilhaben sollen, kostet ab Werk 990 Reichsmark.
Rosemeyer verunglückt:
Bei einem Rekordversuch auf der Autobahn Frankfurt – Darmstadt kommt am 28. Januar der Rennfahrer Bernd Rosemeyer ums Leben. Bei einer Geschwindigkeit um 430 km/h wird sein Wagen, ein Auto-Union, von einer Windbö erfasst und von der Fahrbahn geschleudert.
Max Schmeling By Wm. C. Greene - New York World-Telegram and the Sun [Public domain], via Wikimedia Commons

Max Schmeling By Wm. C. Greene – New York World-Telegram and the Sun [Public domain], via Wikimedia Commons

Schmeling K.o.:
Im Kampf um die Weltmeisterschaft der Boxprofis im Schwergewicht unterliegt der Herausforderer Max Schmeling in New York Joe Louis (USA) durch K.o. in der ersten Runde. Damit ist Louis die Revanche für die k.o.-Niederlage in einem Nicht-Titelkampf am 19. August 1936 gelungen.

Leni Riefenstahl (1933 als Darstellerin im Film SOS Eisberg), By Невідомо [Public domain], via Wikimedia Commons

Leni Riefenstahl (1933 als Darstellerin im Film SOS Eisberg), By Невідомо [Public domain], via Wikimedia Commons

Olympia-Film:
Der monumentale Film über die Olympischen Spiele 1936 »Fest der Völker, Fest der Schönheit« der Regisseurin Leni Riefenstahl wird am 20. April in Berlin uraufgeführt.