Was geschah im April 1900

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Wetterstationen April 1900

Das III. Bayerische Armeekorps mit Sitz in Nürnberg wird gebildet. Kommandeur wird Heinrich Ritter von Xylander, der am selben Tag zum General der Infanterie befördert wird.

Otto von Sarwey, seit 1885 württembergischer Kultusminister, stirbt in Stuttgart. Nachfolger wird Karl Freiherr von Weizsäcker.

In Spanien treten umstrittene Steuergesetze in Kraft. Bei einem Einkommen bis 1500 Pesetas jährlich (knapp 1000 Mark) müssen 10% Steuern gezahlt werden. Der Spitzensteuersatz von 20% beginnt bei einem Einkommen von 12 500 Pesetas (rund 8300 Mark).

Im Deutschen Reich tritt eine neue Fernsprechgebührenordnung in Kraft.

2.4.1900, Montag

Die Regierung der Südafrikanischen Republik bestimmt, dass alle britischen Staatsangehörigen binnen 48 Stunden Johannesburg, Bocksburg und Krügersdorf verlassen müssen. Die anderen britischen Staatsbürger müssen das Land bis zum 5. April verlassen.

Das italienische Abgeordnetenhaus in Rom wählt den am 31. März zurückgetretenen Parlamentspräsidenten Giuseppe Colombo mit 265 zu 158 Stimmen erneut zum Präsidenten.

Durch Ministerialverordnung wird in Österreich die Verwendung von Surrogaten statt des Hopfens bei der Biererzeugung verboten.

Die russische Regierung bestätigt eine 1899 erlassene einstweilige Bestimmung, nach der Abiturienten nur an der Universität ihres Lehrbezirks studieren dürfen. Dadurch sollen die Studenten gleichmäßig auf die Universitäten des Landes verteilt werden.

3.4.1900, Dienstag

Die italienische Abgeordnetenkammer in Rom beschließt eine Abänderung der Parlamentsgeschäftsordnung, die Störungen des parlamentarischen Betriebs verhindern soll. Aus Protest verlässt die linke Opposition den Sitzungssaal.

Der portugiesische Außenminister erklärt vor dem Abgeordnetenhaus in Lissabon, die Beförderung britischer Soldaten mit der Eisenbahn auf portugiesischem Gebiet zwischen Beira und Rhodesia sei vorher der Regierung der Südafrikanischen Republik mitgeteilt worden und stelle keine Verletzung der Neutralität Portugals im Burenkrieg dar.

Die Evangelischen Arbeitervereine treten mit ihren 60 000 Mitgliedern dem Deutschen Flottenverein bei, der nun rund 600 000 Mitglieder hat.

Die Niederlande genehmigen die Konvention über das Internationale Schiedsgericht in Den Haag.

4.4.1900, Mittwoch

Auf dem Bahnhof in Brüssel wird ein Attentat auf den Prinzen von Wales, Albert Eduard, verübt.

Die britische Königin Victoria besucht bis 24. April Irland. Bei ihrer Ankunft in Dublin sind fast nur die Staatsgebäude beflaggt.

Der französische Außenminister Théophile Delcassé äußert sich bei einer Rede im Senat in Paris positiv über die Entwicklung der französischen Kolonien nach dem Sieg über die Tuareg in der Sahara. Es sei nun an der Zeit, “die Reichtümer der neuen Kolonien mit dem Kapital des alten Frankreich auszunützen”.

5.4.1900, Donnerstag

Der französische Ministerpräsident Pierre Waldeck-Rousseau untersagt den katholischen Bischöfen, bei Predigten und Pfarrkindermissionen Angehörige eines von der Regierung nicht genehmigten Ordens einzusetzen, da dies Ruhestörungen auslösen könne.

Die britische Presse macht die in den Zeitungen des Kontinents angeblich betriebene Hetze gegen Großbritannien verantwortlich für das Attentat auf den Prinzen von Wales am 4. April in Brüssel.

6.4.1900, Freitag

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris genehmigt mit einer Mehrheit von 365 zu 161 Stimmen die Schaffung einer Kolonialarmee.

Der deutsche Maler und Illustrator Anton von Werner feiert unter großer Anteilnahme der bildenden Künstler im Deutschen Reich sein 25-Jähriges Jubiläum als Direktor der Berliner Akademie der Künste.

In Sebastopol (Sewastopol) auf der Halbinsel Krim werden 25 höhere Beamte und Offiziere wegen sog. Durchstecherei – Kopieren von Zeichnungen durch Nadelstiche – bei Marinelieferungen zu Gefängnis und Verbannung nach Sibirien verurteilt.

Das US-Repräsentantenhaus in Washington verabschiedet eine Flottenvorlage, nach der die US-Flotte auf 18 Linienschiffe und acht Panzerkreuzer aufgestockt werden soll.

Der deutsche Handelstag in Berlin spricht sich für die Verstärkung der Flotte, gegen das neue Fleischbeschaugesetz und gegen die geplante Einführung einer Sondersteuer für Warenhäuser (Kaufhäuser) aus.

7.4.1900, Samstag

Das Deutsche Reich und Belgien schließen ein Abkommen über Erleichterungen im grenzüberschreitenden Fabrikverkehr. Danach wird die ungehinderte und abgabenfreie Ein- und Ausfuhr von Rohprodukten sowie von Halb- und Ganzfabrikaten von Spinnerei-, Walkerei- und Färbereibetrieben garantiert.

Coriolano Graf Ponza di San Martino wird neuer italienischer Kriegsminister als Nachfolger des am 8. Januar 1900 wegen seiner angeblichen Verbindungen zur Mafia zurückgetretenen Giuseppe Mirri.

Der Berliner Mordprozess Gönczi endet mit der Verurteilung des Angeklagten zum Tode.

8.4.1900, Sonntag

In Albanien, das zum Osmanischen Reich (Türkei) gehört, finden Versammlungen von Separatisten statt.

9.4.1900, Montag

Im Deutschen Reich tritt ein Gesetz in Kraft, das die “Entziehung elektrischer Arbeit” unter Strafe stellt.

Leopold II., König der Belgier seit 1865 und Souverän des Kongostaats seit 1885, feiert seinen 65. Geburtstag. Er wurde am 9. April 1835 in Laeken bei Brüssel geboren.

10.4.1900, Dienstag

Bei der Werft Blohm + Voss in Hamburg läuft der für die Deutsche Ostafrika-Linie gebaute Doppelschraubendampfer “Kronprinz” vom Stapel.

11.4.1900, Mittwoch

In dem böhmischen Dorf Klappai, in dem 1898 durch ein Erdbeben 30 Häuser zerstört wurden, kommt es erneut zu Erdbewegungen. Von den rund 160 Häusern des Orts werden bis zum 12. April durch Erdverschiebungen 52 völlig zerstört, weitere 20 werden so beschädigt, dass Einsturzgefahr besteht.

Anlässlich seines 65. Geburtstags schenkt der belgische König Leopold II. die Schlösser Laeken und Tervueren, das Schloss in Ostende, ein Schloss in den Ardennen, die Farm in Ravenstein und die Jagdschlösser im Wald von Soigines dem belgischen Staat.

12.4.1900, Donnerstag

Der US-Kongress in Washington verabschiedet das Foraker-Gesetz. Danach wird Puerto Rico durch einen vom US-Präsidenten zu ernennenden Gouverneur regiert.

Nach Mitteilung der Münchner “Allgemeinen Zeitung” verschlimmert sich die wirtschaftliche Lage der russischen Bauern wegen des Sinkens der Sittlichkeit drastisch: Alkoholismus, Hang zum Luxus und Müßiggang seien die Hauptlaster der Russen. Ein weiterer Grund sei die mangelnde Bildung.

13.4.1900, Freitag

Schauplatz des in diesem Monat ausgebrochenen Bürgerkriegs in Kolumbien ist neben den Grenzprovinzen die Gegend des Isthmus. An der Spitze der Aufständischen steht Vizepräsident José Manuel Marroquín, der gegen Präsident Manuel Antonio Sanclemente rebelliert.

14.4.1900, Samstag

Der französische Staatspräsident Emile Loubet eröffnet die Pariser Weltausstellung.

15.4.1900, Sonntag

In Genf beginnt der II. Kongress des Auslandsbundes der russischen Sozialdemokraten. Auf der bis zum 19. April dauernden Tagung trennen sich die Anhänger der von Georgi W. Plechanow geführten Gruppe “Befreiung der Arbeit” von den “Ökonomisten”.

Ein Edikt verbietet in China die christen- und fremdenfeindliche Geheimgesellschaft der Boxer. – Die zur Bestrafung der Boxer ausgesandten regulären chinesischen Truppen sympathisieren mit den Boxern, in Peking und in der nordostchinesischen Stadt Tientsin schließen sich kaiserliche Soldaten den Boxern an.

Dmitri S. Sipjagin wird zum russischen Innenminister ernannt als Nachfolger des im November 1899 amtsenthobenen Iwan L. Goremykin.

16.4.1900, Montag

In Magdeburg findet die erste öffentliche Aufführung von Johannes Schlafs Drama “Meister Oelze” statt. Das schon 1892 im Druck erschienene Werk gilt als Musterdrama des konsequenten Naturalismus, findet jedoch keinen Anklang beim Publikum.

Die dänische Presse meldet, dass die USA mit Dänemark über den Erwerb der dänischen Besitzungen in Westindien Verhandlungen aufzunehmen versuchten, aber abgewiesen wurden.

17.4.1900, Dienstag

In Brüssel werden zehn Kaufleute wegen Massenmords im Kongostaat angeklagt.

18.4.1900, Mittwoch

Durch Gesetz wird der preußische Finanzminister ermächtigt, zur Vermeidung von Doppelbesteuerung mit anderen Staaten Vereinbarungen zu treffen, durch welche die Heranziehung zu den direkten Staatssteuern abweichend von den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften geregelt wird.

Die von Georg Ritter von Schönerer in Wien herausgegebenen “Unverfälschten Deutschen Worte”, das Organ der Bewegung “Los von Rom”, veröffentlichen eine Statistik von Austritten aus der römisch-katholischen Kirche. Danach haben bei Schönerer allein im Monat März 5519 Personen aus Böhmen, 2134 aus Niederösterreich und 1398 aus der Steiermark ihren Kirchenaustritt angezeigt.

19.4.1900, Donnerstag

In der bayerischen Abgeordnetenkammer beginnt eine dreitägige Debatte über die Lex Heinze. Während sich Liberale und Sozialdemokraten gegen die Strafrechtsnovelle für Sittlichkeitsdelikte aussprechen, erklären sich die Mehrheit der Abgeordneten und die Regierung mit den Beschlüssen der Reichstagskommission für einverstanden.

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung bewilligt 50 000 Mark für die Ausschmückung einer Feststraße beim Besuch des österreichischen Kaisers Franz Joseph.

20.4.1900, Freitag

Der Verband von Hochschullehrern des Deutschen Reiches für volkstümliche Kurse hält in München seine erste Generalversammlung ab.

Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. und sein Bruder, Prinz Heinrich von Preußen, treffen in Altona mit Albert Eduard, dem Prinzen von Wales, zusammen, der von Kopenhagen nach London reist.

21.4.1900, Samstag

Unter der Regie von Otto Brahm findet am Deutschen Theater in Berlin eine rein naturalistische Inszenierung des Dramas “Gespenster” von Henrik Ibsen statt.

23.4.1900, Montag

Im böhmischen Landtag in Prag beginnen viertägige Beratungen über die Staatssprache. Die Tschechen fordern die Gleichstellung ihrer Sprache mit der deutschen bei den böhmischen Gerichts- und Staatsbehörden.

Der deutsche Reichskanzler und preußische Ministerpräsident, Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, reist zur Pariser Weltausstellung.

24.4.1900, Dienstag

In London beginnt eine internationale Konferenz über den Tierschutz in Afrika. An der bis zum 21. Mai dauernden Tagung nehmen das Deutsche Reich, Frankreich, Großbritannien, Italien, der Kongostaat, Portugal und Spanien teil.

Das preusische Abgeordnetenhaus in Berlin genehmigt einen Antrag auf Gewährung eines Reichskostenzuschusses an Handwerker, Landwirte und gewerbliche Arbeiter zum Besuch der Pariser Weltausstellung.

Der Deutsche Reichstag in Berlin genehmigt die Urheberrechtskonvention mit Österreich-Ungarn.

25.4.1900, Mittwoch

Eine Abteilung von 200 japanischen Matrosen übernimmt einen von der Vulkan-Werft in Bredow bei Stettin für Japan gebauten Panzerkreuzer.

Die dänischen Kammern in Kopenhagen das Landsting und das Folketing, genehmigen in der letzten Sitzung der Reichstagssession die Vorlage zur Einrichtung einer Dampffährverbindung zwischen Gjedser und Warnemünde (Rostock).

Der Landtag des österreichischen Kronlands Galizien in Lemberg (Lwow/ UdSSR) fordert die österreichische Regierung auf, eine genaue Statistik über die im Ausland arbeitenden galizischen Landarbeiter zu führen und sie vor Ausbeutung durch ausländische Arbeitgeber zu schützen.

26.4.1900, Donnerstag

Bei einer Dynamitexplosion in der Gießerei Begbie in Pretoria, der Hauptstadt der Südafrikanischen Republik (Transvaal) kommen 65 Menschen ums Leben, mehrere werden schwer verletzt. Die Gießerei wurde von den gegen die Briten kämpfenden Buren als Waffenarsenal und Munitionsdepot benutzt.

Im preußischen Abgeordnetenhaus findet die erste Beratung des Gesetzes über die Zwangserziehung von Minderjährigen statt. Der preußische Innenminister Georg von Rheinbaben betont, die Frage der religiösen Erziehung sei außerordentlich wichtig, müsse jedoch nicht unbedingt gesetzlich geregelt werden. Das Abgeordnetenhaus verweist den Entwurf an die zuständige Kommission.

27.4.1900, Freitag

König Christian IX. von Dänemark genehmigt in Kopenhagen den Rücktritt des Kabinetts Hugo Egmont Hørring. Neuer dänischer Ministerpräsident wird Hannibal Sehested.

Die kanadische Hauptstadt Ottawa wird durch einen Großbrand weitgehend zerstört.

Der deutsche Generaloberst Alfred Graf von Waldersee feiert sein 50-Jähriges Dienstjubiläum. Kaiser Wilhelm II. beglückwünscht ihn per Kabinettsorder und verleiht ihm in Anerkennung seiner Verdienste die Brillanten zum Orden vom Schwarzen Adler.

28.4.1900, Samstag

Nach einer Meldung des “Leipziger Tageblatts” sind evangelische Kadetten und Soldaten in der katholischen Hofkirche zu Dresden zur Kniebeugung vor dem Allerheiligsten gezwungen worden. Nach heftigen Protesten von evangelischen Synoden und mehreren Zeitungen untersagt eine königlich-sächsische Verordnung Anfang Juni die Anwendung dieser Kniebeugungsorder.

29.4.1900, Sonntag

In der belgischen Hauptstadt Brüssel demonstrieren rund 60 000 Arbeiter für die Einführung von Arbeiterpensionen.

Berliner Finanzkreise bringen unter dem Vorsitz des deutschen Reichsbankpräsidenten Richard Koch 400 000 Mark zur Unterstützung der Notleidenden Indiens auf. – In der Presse wird diese Sammlung vielfach als überflüssige und übertriebene englandfreundliche Kundgebung bezeichnet.

Hawaii erhält eine neue Verfassung als Territorium der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die spanische Zeitung “Siglo Futuro” veröffentlicht in Madrid einen Aufruf der Union national (Vereinigte Handelskammern) zur allgemeinen Steuerverweigerung. Die Zeitung wird beschlagnahmt.

Auf dem Gelände der Pariser Weltausstellung stürzt eine Fußgängerbrücke ein. Mehrere Menschen kommen ums Leben.

30.4.1900, Montag

Die preußische Regierung legt dem Landtag in Berlin einen Nachweis über die Verwendung von fünf Millionen Mark zur Errichtung von Getreidehäusern vor. Ob und in welchem Umfang die von Getreidelagerhäusern erhofften Vorteile – bessere Organisation der Lagerung und des Angebots von inländischem Getreide sowie eine höhere Verwertung dieses wichtigen landwirtschaftlichen Erzeugnisses – eintreten werden, lasse sich erst in einigen Jahren abschätzen.

Aus Lübeck wird gemeldet, dass der Senat der Hansestadt eine Verfügung erlassen hat, wonach das Streikpostenstehen mit einer Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft geahndet wird.

Der russische Innenminister Dmitri S. Sipjagin verbietet den Juden, sich ohne Sondererlaubnis weniger als 40 Werst von der deutschen oder der österreichischen Grenze niederzulassen. Die Verordnung dient der Eindämmung des Schmuggels.