Was geschah im April 1903

  • < 1902
  • 4.1903
  • 1904 >

Wetterstationen April 1903

1.4.1903, Mittwoch

Der Ausschuss des Wahlkomitees der katholischen Zentrumspartei in Bochum gibt bekannt, dass eine Zusammenarbeit mit dem polnischen Komitee gescheitert ist. Eine gemeinsame Vorbereitung der Reichstagswahlen sei aufgrund überzogener Forderungen seitens der Polen unmöglich.

Im gesamten Deutschen Reich tritt das am 8. Juni 1900 beschlossene Fleischbeschaugesetz in Kraft.

Durch die Eingemeindung von Schalke, Heßler, Bismarck, Bulmke, Hüllen und Ückendorf rückt Gelsenkirchen mit nunmehr 138 000 Einwohnern in die Reihe der deutschen Großstädte auf.

In Straßburg erscheint die erste Nummer der Halbmonatsschrift “Der Merker”, herausgegeben von René Schickele und Otto Flake. Die literarisch-kulturelle Zeitschrift ist das Nachfolgeblatt des “Stürmers”.

Während des Bergrennens Nizza- La Turbie verunglückt der russische Fahrer Graf Louis Zborowski tödlich mit seinem “Mercedes”.

2.4.1903, Donnerstag

Bei einem Unglück in der Kohlengrube “Königin Luise” in Oberschlesien kommen 30 Bergleute ums Leben.

In einer Rede in Chicago bekräftigt US-Präsident Theodore Roosevelt die Auffassung, dass die Monroedoktrin auch weiterhin eine Basis der US-amerikanischen Außenpolitik sei.

Steuerliche Erleichterungen für die russischen Bauern werden durch eine Verordnung der kaiserlichen Regierung Russlands eingeführt. Mit dieser Maßnahme hofft man in Petersburg, die Unzufriedenheit der Bauern zu besänftigen und damit die ständig drohende Gefahr größerer Aufstände zu mildern.

Die französische Nationalversammlung verabschiedet ein Gesetz, wonach die Gemeinden zum Bau von Schulen verpflichtet werden. Damit soll die Verweltlichung des Unterrichts beschleunigt werden.

Ein von den sozialistischen Gewerkschaften ausgerufener Generalstreik für eine sozialere Gesetzgebung beginnt in Rom. Obwohl es zu keinen bemerkenswerten Zusammenstößen mit der Polizei kommt, müssen die Arbeiter aufgrund von Uneinigkeiten in den eigenen Reihen den Streik nach sieben Tagen ergebnislos abbrechen.

König Eduard VII. von Großbritannien trifft zu einem bis 7. April dauernden Besuch Portugals in Lissabon ein. König Karl von Portugal und sein Gast betonen in den offiziellen Trinksprüchen die Verbundenheit beider Staaten. Wie es inoffiziell heißt, war zudem die Verschuldung des iberischen Landes Gesprächsthema.

In mehreren spanischen Städten kommt es zu Studentenunruhen. Anlass ist die Missachtung vorangegangener Proteste seitens der Regierung. Sie richteten sich gegen die Misshandlung von Kommilitonen durch die Polizei – in Salamanca waren mehrere Studenten während eines Polizeieinsatzes getötet worden. Die Unruhen setzen sich in den folgenden Tagen vor allem in Madrid, Burgos und Saragossa fort.

Der Deutsche Kaiser Wilhelm II., der von der Dichtergruppe “Das jüngste Elsass” unterstützt wurde, trifft zu einem viertägigen Besuch König Christians IX. von Dänemark in Kopenhagen ein.

3.4.1903, Freitag

Unter der Regie von Max Reinhardt hat am Berliner Neuen Theater “Pelléas und Mélisande” von dem belgischen Autor Maurice Maeterlinck Premiere. Die Kostüme für die Aufführung entwarf der Maler Lovis Corinth.

Die französische Regierung sperrt die Gehälter von Pfarrern in der Bretagne, die trotz Verbots in der bretonischen Sprache predigen. Der Bischof von Quimper fordert die Geistlichen auf, ihre bisherige Haltung trotzdem nicht aufzugeben. Die Katholiken der westlichen Halbinsel Frankreichs zählen zur stärksten Gegnerschaft der antiklerikalen Politik der gegenwärtigen Regierung in Paris.

4.4.1903, Samstag

Die Künstlervereinigung “Berliner Secession” eröffnet im kleinen Haus in der Kantstraße ihre siebente Ausstellung. Die Exposition, der erstmals die Münchener Secessionisten fernbleiben, wird von Max Liebermann eröffnet. Erwähnt werden in der Presse vorrangig die Bilder Liebermanns, Max Slevogts, Walter Leistikows, Wilhelm Trübners und Lovis Corinths.

Die erste Lokomotive durchfährt den großen Albulatunnel der Albulabahn, die von Thusis nach St. Moritz im Engadin führt.

5.4.1903, Sonntag

Der sich ausbreitende Bürgerkrieg in der Dominikanischen Republik veranlasst deutsche, US-amerikanische, italienische und niederländische Kriegsschiffe zur Landung im Hafen der Hauptstadt Santo Domingo. Wie es offiziell heißt, verbleiben die Schiffe so lange dort, bis die Gefahr für die Konsulatsangehörigen in der Dominikanischen Republik vorüber ist. Der Inselstaat vor den Toren der Vereinigten Staaten geriet in den vergangenen Jahren immer stärker in Abhängigkeiten von den USA.

6.4.1903, Montag

Im französischen Parlament fordert der Sozialist Jean Jaurès eine erneute Untersuchung der Dreyfus-Affäre, da neue Fakten bekanntgeworden seien. So sollen die Nationalisten seinerzeit Dokumente gefälscht haben. Die Diskussion darüber zieht sich über mehrere Wochen hin, führt jedoch zu keinen neuen Ergebnissen.

Die niederländischen Eisenbahner legen die Arbeit aus Protest gegen das von der Regierung angestrebte Anti-Streikgesetz nieder. Die Regierung lässt daraufhin die Bahnanlagen von Militär bewachen und droht mit der Entlassung von Streikenden. Der Ausstand endet nach der Verabschiedung des Gesetzes am 9. April.

7.4.1903, Dienstag

Der Versuch König Alexanders I. von Serbien, die Verfassung vom 6. April 1901 außer Kraft zu setzen und damit z. B. Presse- und Versammlungsfreiheit aufzuheben, scheitert. Zunächst jedoch kündigt der König zugleich die Auflösung des Parlaments an.

Der Vorstand der kirchlichen Landeskonferenz von Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin spricht sich gegen einen Zusammenschluss zu einer deutschen evangelischen Landeskirche aus. Pro und kontra in der Frage einer Verbindung der Landeskirchen bestimmen das gesamte Jahr über die Diskussionen in den entsprechenden Gremien des Deutschen Reiches.

8.4.1903, Mittwoch

Anlässlich der vor einem Jahr unterschriebenen Verpflichtung zum Abzug aller russischen Truppen aus der Mandschurei werden russische Soldaten an die Bahnlinie von und nach Port Arthur (Lüta) verlegt. Endgültig verlassen werden sie China jedoch nicht.

9.4.1903, Donnerstag

In der zum Osmanischen Reich gehörenden albanischen Stadt Mitrowica stirbt der russische Konsul an den Folgen eines Attentats. Er war Ende März von einem Albaner niedergeschossen worden.

Die Zweite niederländische Kammer genehmigt das Antistreikgesetz. Tags darauf wird es von der Ersten Kammer verabschiedet und tritt nach der Erteilung der Sanktion durch die Königin sofort in Kraft.

10.4.1903, Freitag

In einem Rundschreiben an die Bischöfe des Landes ordnet die französische Regierung in Paris den Ausschluss aller den Kongregationen angehörenden Geistlichen vom Predigeramt an.

Beim Scherl Verlag in Berlin erscheint das Buch “Eine empfindsame Reise im Automobil” von Otto Julius Bierbaum. Der Schriftsteller schildert hier seine Erlebnisse während seiner 1902 unternommenen Autoreise nach Italien.

Der Schriftsteller schildert hier seine Erlebnisse während seiner 1902 unternommenen Autoreise nach Italien.

11.4.1903, Samstag

Der österreichische Ministerpräsident Ernest von Koerber weist in einem Erlass über die Handhabung der Theaterzensur darauf hin, dass dem nationalen Moment auf diesem Gebiet eine keineswegs geringe Bedeutung zukomme und daher leichtfertige Provokationen von der Bühne herab vermieden werden müssten.

Großes Aufsehen in der Presse erregt die Tötung eines Soldaten durch seinen Offizier in Essen. Der Soldat hatte seinen Vorgesetzten nicht gegrüßt und wurde von diesem deshalb verhaftet. Als der Soldat zu fliehen versucht, ersticht ihn der Offizier.

12.4.1903, Sonntag

In Bordeaux beginnt der zweitägige französische Sozialistenkongress. u.a. beschließt die Mehrheit der Delegierten, dass der frühere Handelsminister Alexandre Millerand in der Partei verbleiben darf. Einige Gruppierungen forderten seinen Ausschluss, da er als Handelsminister Entscheidungen mitgetragen habe, die den Prinzipien der Sozialisten widersprechen.

Auf einer Massenversammlung in Madrid befürworten 15 000 Republikaner den Zusammenschluss unter der Führung von Nicolás Salmerón. Das Vorhaben, dem sich auch die republikanischen Gruppen Barcelonas anschließen, zerschlägt sich allerdings schon in den nächsten Tagen, als es in Valencia zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen einzelnen republikanischen Gruppierungen kommt.

13.4.1903, Montag

Der Sultan von Marokko entlässt alle in Fès angestellten Europäer. Mit dieser Maßnahme hofft er, die Sympathien der rebellierenden Berberstämme und seiner moslemischen Untertanen wiederzugewinnen.

14.4.1903, Dienstag

In Rom beginnt der bis zum 17. April dauernde internationale landwirtschaftliche Kongress. Wichtigster Tagesordnungspunkt ist eine internationale Regelung für Getreidepreise.

Die Stellung der Frau in der kirchlichen und bürgerlichen Gemeinde ist Thema der in Berlin beginnenden Tagung der freien kirchlich-sozialen Konferenz.

Reichsinnenminister Arthur Graf von Posadowsky-Wehner eröffnet in Bremen den bis 17. April dauernden internationalen Kongress gegen Alkoholismus.

15.4.1903, Mittwoch

Durch einen Erlass Zar Nikolaus’ II. von Russland wird die Verfassung Finnlands außer Kraft gesetzt.

16.4.1903, Donnerstag

Das kanadische Parlament beschließt die Erhebung von Einfuhrzöllen auf deutsche Waren und löst damit einen Zollkrieg zwischen Kanada und dem Deutschen Reich aus.

26 Kongregationen in Paris wird von der Verwaltung der Befehl zur Auflösung zugestellt, mehrere Kapellen werden sofort von der Polizei gesperrt. Trotzdem weigern sich die meisten der betroffenen Orden, dieser Anordnung Folge zu leisten. Die daraufhin von der Polizei gewaltsam durchgeführte Vertreibung stößt auf heftigen Widerspruch der kirchentreuen Bevölkerung.

Unter dem Salut britischer, italienischer und spanischer Kriegsschiffe landet der französische Staatspräsident Emile Loubet im Hafen von Algier zu einer Inspektionsreise durch die Kolonien Algerien und Tunesien. Am 29. April kehrt er von Tunis aus nach Marseille zurück.

König Eduard VII. von Großbritannien trifft auf seiner Europareise zu einem Besuch in Malta ein. Nach einem kurzem Aufenthalt dort reist er weiter nach Italien.

17.4.1903, Freitag

Die polnischen und deutschen Gruppen der Sozialdemokraten in Oberschlesien beschließen die Aufstellung gemeinsamer Kandidaten für die Reichstagswahlen im Juni.

Um die weitere Ausbreitung einer Typhusepidemie zu verhindern, werden im holsteinischen Neustadt an der Ostsee alle Schulen geschlossen.

Die Bewohner des Tessin feiern das 100-Jährige Bestehen des Tessin als eigenständigem Kanton der Schweiz und die damit verbundene Gleichberechtigung mit den übrigen Kantonsgebieten der schweizerischen Republik.

18.4.1903, Samstag

Die Erzbischöfe von Paris, Reims und Lyon protestieren gegen die Schließung von Kapellen und gegen ein von der Regierung ausgesprochenes Verbot für einige Prediger, ihr Amt auszuüben. Eine solche Entscheidung, so die Kirchenfürsten, sei allein die Angelegenheit der Kirche.

19.4.1903, Sonntag

In der russischen Stadt Kischinew (Kischinjow) und ihrer Umgebung kommt es zu brutalen Ausschreitungen der christlichen Bevölkerung gegen die dort lebenden Juden. Während des drei Tage dauernden Pogroms am russischen Osterfest werden 49 Menschen getötet, mehrere hundert verletzt und unzählige obdachlos.

Bei Demonstrationen von arbeitslosen Landarbeitern in der apulischen Stadt Galatina kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit dem Militär, bei denen einige Menschen getötet und weitere schwer verletzt werden.

An Bord der Yacht “Saphir” treffen der deutsche Kronprinz Wilhelm und sein Bruder Eitel Friedrich aus Griechenland kommend im Hafen von Neapel ein.

20.4.1903, Montag

Zar Nikolaus II. von Russland befürwortet eine Reform des höheren Schulwesens, bei der besonderes Augenmerk auf die technische Ausbildung zu legen sei.

In einem Interview mit der Londoner Tageszeitung “Daily Mail” wendet sich König Alexander I. von Serbien gegen das Gerücht, er würde die Verwandten seiner Frau Draga zu Thronerben bestimmen wollen. Da er erst 27 Jahre alt ist, sei dies überflüssig.

Nach dem vollständigen Abflauen der Streikbewegung bei der niederländischen Eisenbahn bestimmt ein königlicher Erlass den Rückzug der Militäreinheiten von den Einrichtungen der Eisenbahnen.

21.4.1903, Dienstag

Gegen die Stimmen der Reichspartei sowie der Konservativen verabschiedet der Deutsche Reichstag ein Gesetz zum Schutz des Wahlgeheimnisses.

Erstmals erscheint in Berlin das vom kaiserlichen statistischen Amt herausgegebene “Reichs-Arbeitsblatt”. Es soll vorwiegend über Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt informieren.

Der italienische Außenminister Giulio Prinetti tritt aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit der Regierung Giuseppe Zanardellis zurück. Als sein Nachfolger übernimmt am 23. April der bisherige Marineminister Enrico Konstantino Morin sein Amt.

Der Berliner Magistrat erlässt eine Baupolizei-Verordnung für die Vororte, die am 1. Mai in Kraft tritt. Sie enthält u.a. eine Konkretisierung des Begriffs Landhaussiedlung. u.a. soll damit eine zu dichte Bebauung bestimmter Außenbezirke vermieden werden.

Die offiziöse “Norddeutsche Allgemeine Zeitung” dementiert entschieden Gerüchte über Heiratspläne von Kronprinz Wilhelm. Der Londoner “Daily Telegraph” hatte geschrieben, der deutsche Kronprinz beabsichtige, die britische Prinzessin Alexandra von Cumberland zu ehelichen.

22.4.1903, Mittwoch

Ein Gesetz über die Herstellung von Zündwaren verabschiedet der Deutsche Reichstag. Danach darf künftig kein weißer oder gelber Phosphor für die Fabrikation der Zündhölzer verwendet werden.

Die kaiserliche chinesische Regierung verkündet eine Reform des Finanzwesens durch die Einführung einer einheitlichen Währung in ganz China.

23.4.1903, Donnerstag

Während der Haushaltsdebatte im britischen Unterhaus informiert Finanzminister Charles Th. Ritchie die Abgeordneten über die Gesamtkosten für den Burenkrieg in Südafrika sowie für den Einsatz britischer Truppen im chinesischen Boxerkrieg. Sie betragen 217 Mio. Pfund (4,34 Mrd. Mark).

24.4.1903, Freitag

Die Zarenregierung veröffentlicht eine Neufassung des russisch-chinesischen Handelsvertrages, wodurch sich Russland faktisch die wichtigsten Handelsprivilegien für die Mandschurei sichert.

Zu einem kurzen Erholungsurlaub trifft Wilhelm II. auf der Wartburg in Thüringen ein. Gleich nach seiner Ankunft besichtigt er den Stand der Arbeiten an den Mosaiken in der Kemenate der heiligen Elisabeth, die Seine Majestät selbst in Auftrag gegeben hat.

25.4.1903, Samstag

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung findet in Venedig die Grundsteinlegung für den Neubau des Campanile von San Marco statt. Das Wahrzeichen der Lagunenstadt auf dem Markusplatz war am 14. Juli 1902 eingestürzt.

Am Schluss der zweitägigen Debatte über die Ernennung von Regierungspräsidenten nimmt die Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses eine entsprechende Regierungsvorlage an. Im Verlauf der Diskussion kam es zu Kontroversen zwischen Sozialdemokraten, Liberalen und Teilen des Zentrums sowie den Konservativen über ungleiche Beförderungschancen. Preußens Innenminister Hans Freiherr von Hammerstein-Loxten die Bevorzugung von Adligen und Korpsstudenten bestritt.

26.4.1903, Sonntag

Die in Berlin tagende Landeskonferenz der preußischen Sozialdemokraten fasst mehrere Beschlüsse für die Beteiligung an den Landtagswahlen. u.a. wird festgelegt, dass auch in Staaten mit bestehendem Dreiklassenwahlrecht wie Preußen Abmachungen mit bürgerlichen Parteien nicht ohne Zustimmung des Zentralwahlkomitees der SPD getroffen werden dürfen.

Die Versammlung der Vertrauensmänner tschechischer Parteien spricht der Regierung in Wien das Vertrauen ab, da sie sich den hegemonistischen Ansprüchen der Deutschen in Böhmen und Mähren füge.

Bei den Wahlen zum spanischen Abgeordnetenhaus (zur Cortes) erhalten die Ministeriellen den größten Anteil der Stimmen; in Madrid allerdings erlangen die Republikaner die Mehrheit.

27.4.1903, Montag

Das preußische Abgeordnetenhaus genehmigt den weiteren Erwerb von Eisenbahnen für die preußische Staatsbahn. Es handelt sich hierbei u.a. um zahlreiche kleine Privatstrecken.

Zu einem zweitägigen Besuch trifft König Eduard VII. von Großbritannien in Rom ein. Er kommt zu Gesprächen mit Viktor Emanuel III. von Italien zusammen und wird von Papst Leo XIII. in einer Audienz empfangen.

28.4.1903, Dienstag

Wie das “Berliner Tageblatt” mitteilt, hat der deutsche Reichskanzler Bernhard Graf von Bülow vorläufig nicht vor, die Aufhebung des Paragraphen 2 des Jesuitengesetzes dem Bundesrat vorzulegen.

29.4.1903, Mittwoch

Die Mönche der Grande Chartreuse, nördlich von Grenoble gelegen, müssen ihr Stammkloster aufgrund einer behördlichen Anweisung der französischen Regierung verlassen.

Bulgarische Unabhängigkeitskämpfer in Makedonien verüben einen Bombenanschlag auf die Filiale der Ottomanbank in Saloniki. Bei diesem und weiteren Sprengstoffanschlägen werden mehrere Menschen getötet.

In Bückeburg heiraten der 26-Jährige Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar und die 19-Jährige Prinzessin Karoline von Reuß ä. L.

30.4.1903, Donnerstag

Der Reichstag verabschiedet eine Novelle zum Krankenversicherungsgesetz, die von den sozialdemokratischen Abgeordneten jedoch als ungenügend bezeichnet wird. Sie fordern u.a. die Ausdehnung der Krankenversicherung auf die Hausindustrie, die Hausangestellten sowie auf die Arbeiter der Land- und Forstwirtschaft.

Am Vorabend des internationalen Arbeiterkampftages gibt die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ihre Parolen für den Wahlkampf der am 16. Juni stattfindenden Reichstagswahlen bekannt. Das Ziel ist die “Herbeiführung der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung gegründet auf gesellschaftlichem Eigentum an den Arbeitsmitteln und der Arbeitspflicht all ihrer Glieder”.

Im Abgeordnetenhaus von Transleithanien, dem mehrheitlich ungarischen Teil Österreich-Ungarns, scheitert die Verabschiedung des Haushalts. Ursache dafür ist der Streit zwischen der Regierung in Wien und den Ungarn um das Wehrgesetz.