Was geschah im April 1919

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Wetterstationen April 1919

1.4.1919, Dienstag

In Württemberg beginnt der bürgerliche Abwehrstreik gegen den am Vortag von den Spartakisten ausgerufenen Generalstreik.

Gemäß dem Beschluss der Delegiertenkonferenz der revolutionären Bergarbeiter in Essen beginnt im Ruhrrevier erneut ein Generalstreik.

Norwegen, Schweden und Dänemark heben die Ausfuhrverbote ins Deutsche Reich auf.

Die hessische Volkskammer in Darmstadt streicht die Zivilliste des früheren Großherzogs in Höhe von 1,41 Millionen Mark.

In Bayern nimmt das neuerrichtete Staatsministerium für Land- und Forstwirtschaft seine Tätigkeit auf. Leiter wird Martin Steiner vom Bayerischen Bauernbund.

Der Landtag von Schwarzburg-Sondershausen in Sondershausen verabschiedet die Verfassung des Freistaats.

Die französischen Sozialisten veröffentlichen ein Grundsatzmanifest über die Politik der Partei. Gefordert wird u.a. eine neue Verfassung, die Einziehung der Kriegsgewinne, die Verstaatlichung von Eisenbahnen, Transport- und Verkehrswesen und Lebensversicherungen sowie die Herabsetzung der Arbeitszeit.

In der sowjetrussischen Parteizeitung “Prawda” erscheint ein aufsehenerregender “Offener Brief” an den sowjetischen Regierungs- und Parteichef Wladimir I. Lenin über die “unglaublichen Bedingungen”, unter denen die Intelligenz unter dem Sowjetsystem leben muss.

2.4.1919, Mittwoch

Die deutsche Völkerrechtskommission bestätigt das Todesurteil, das am 27. April 1916 an dem britischen Kapitän Charles Fryatt vollstreckt worden war. Fryatt, der nicht der britischen Marine angehörte, war für schuldig befunden worden, am 28. März 1915 mit seinem Dampfer “Brussels” einen Rammversuch gegen das deutsche U-Boot “U 35” unternommen zu haben.

Die britische Admiralität gibt die Auflösung der Großen Flotte bekannt.

3.4.1919, Donnerstag

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris fordert die Regierung auf, sich bei der Friedenskonferenz dafür einzusetzen, “dass Deutschland weder eine Armee noch eine militärische Organisation noch irgendeine Art der Bewaffnung beibehalten darf”.

Die deutschösterreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien nimmt das Gesetz über die Landesverweisung der Habsburger an.

In Deutschösterreich wird die Todesstrafe abgeschafft.

Die Adelstitel und Adelsprivilegien werden in Deutschösterreich aufgehoben.

Der ungarische Revolutionäre Regierende Rat in Budapest erlässt eine Verordnung über die Sozialisierung des Grundbesitzes: “Der Boden Ungarns ist Eigentum der arbeitenden Gesellschaft”.

Im Ruhrrevier befinden sich von 375 300 Bergarbeitern 250 700 im Ausstand.

4.4.1919, Freitag

Der gemeinsame Landtag der beiden Freistaaten Reuß jüngere Linie und Reuß ältere Linie beschließt die Verschmelzung der Freistaaten zum Volksstaat Reuß mit Hauptstadt Gera. Der Landtag führt nach der Annahme der provisorischen Verfassung die Bezeichnung Volksrat.

Das britische Unterhaus in London nimmt eine Gesetzesvorlage zur rechtlichen Gleichstellung der Frau an.

Antanas Smetona wird zum ersten Staatspräsidenten des Freistaats Litauen gewählt.

Der deutsche Reichsminister ohne Geschäftsbereich Matthias Erzberger (Zentrum) und der französische Marschall Ferdinand Foch unterzeichnen in Spa in Belgien das Abkommen über den Durchzug polnischer Truppen durch das Deutsche Reich. Ab Mitte April werden zwei Monate lang polnische Truppen von Westen über Koblenz, Gießen und Kassel sowie über Frankfurt am Main, Bebra, Erfurt und Leipzig in ihre Heimat zurückziehen.

Der bayerische Zentralrat in München teilt mit, dass er die Einberufung des Landtags für den 8. April rückgängig gemacht habe. Die Einberufung des Landtags gilt als gegenrevolutionäre Maßnahme. Am 4. April protestiert der Ältestenrat des Landtags gegen das Vorgehen des Zentralrats und fordert die Bevölkerung auf, sich hinter die Regierung und den gewählten Landtag zu stellen.

5.4.1919, Samstag

Die deutsche Reichsregierung verhängt wegen der anhaltenden Streiks über das ganze Ruhrgebiet den verschärften Belagerungszustand.

Der polnische Landtag in Warschau nimmt einen Antrag auf Eingliederung der Stadt Danzig, Ermelands (Ermland) und des preußischen Masuren einstimmig an.

6.4.1919, Sonntag

Truppen der sowjetischen Regierung besetzen die Stadt Odessa an der Nordwestküste des Schwarzen Meeres.

Die deutsche Reichsregierung in Weimar genehmigt einen Gesetzentwurf, der die Verankerung des Rätesystems in der Verfassung vorsieht.

Die Flugreise von Berlin nach Weimar wird für 450 Mark angeboten, der Hin- und Rückflug kostet 700 Mark. Von Berlin nach Breslau kosten Hin- und Rückflug 750 Mark.

7.4.1919, Montag

Der am 31. März von den Spartakisten ausgerufene Generalstreik in Württemberg bricht zusammen. Die Arbeit wird überall wieder aufgenommen.

In München wird die Räterepublik ausgerufen.

8.4.1919, Dienstag

Robert Leinert (MSPD), der Vorsitzende des Zentralrats der Deutschen sozialistischen Republik, eröffnet in Berlin den zweiten Kongress der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte Deutschlands. Der Kongress dauert bis zum 14. April.

Der Bühnenvolksbund, eine christlich und national orientierte Vereinigung, wird gegründet.

9.4.1919, Mittwoch

In Braunschweig übernimmt der spartakistische Revolutionäre Aktionsausschuss die Gewalt.

Die deutsche Sozialisierungskommission, die sich mit Möglichkeiten der Verstaatlichung wichtiger Industrieunternehmen befasst, tritt wegen unüberbrückbarer Meinungsunterschiede mit dem Wirtschaftsministerium zurück.

Das britische Unterhaus in London nimmt das Gesetz über die Errichtung eines Gesundheitsministeriums an.

10.4.1919, Donnerstag

Der mexikanische Revolutionär Emiliano Zapata wird in Süd-Mexiko von Regierungssoldaten ermordet.

Die belgische Abgeordnetenkammer in Brüssel nimmt einen Gesetzentwurf zur Wahlrechtsreform an. Danach wird das einfache gleiche Wahlrecht ab dem 21. Lebensjahr für Männer eingeführt. Bei den Frauen wird nur Witwen und Müttern gefallener Soldaten das Wahlrecht zuerkannt. Linksliberale und Sozialisten hatten die Einführung des Frauenwahlrechts heftig bekämpft. Die Klerikalen hatten es befürwortet, weil sie sich davon die Sicherung ihrer parlamentarischen Mehrheit erhofften.

In Braunschweig beginnt der Gegenstreik von Bürgertum und Beamtenschaft gegen den am Vortag von Spartakisten proklamierten Generalstreik.

11.4.1919, Freitag

Der deutsche Reichsminister der Finanzen, Eugen Schiffer (DDP), der zugleich Stellvertreter von Reichsministerpräsidenten Philipp Scheidemann (MSPD) ist, erklärt seinen Rücktritt “wegen Meinungsverschiedenheiten grundsätzlicher Art, die bei der Aufstellung des Etats zutage traten”.

Die sächsische Volkskammer in Dresden billigt die Errichtung einer Landesstelle für Gemeinwirtschaft beim Wirtschaftsministerium. Sie hat die Aufgabe, die Volkswirtschaft zu erforschen, um für das Wirtschaftsministerium Vorschläge zur Einführung einer gemeinwirtschaftlichen Ordnung zu erarbeiten.

12.4.1919, Samstag

Kriegsbeschädigte ermorden in Dresden den sächsischen Kriegsminister Gustav Neuring (MSPD).

Im Depot des Moskauer Rangierbahnhofs findet der erste kommunistische Subbotnik (freiwillige Arbeit ohne Bezahlung) statt.

In Berlin wird der Reichsverband der deutschen Industrie gegründet. Er ist der Spitzenverband der wirtschaftspolitischen Unternehmerverbände.

13.4.1919, Sonntag

Britische Soldaten eröffnen im Amritsar in Britisch-Indien das Feuer auf eine illegale Protestversammlung.

In der Nacht auf den 13. April putschen Teile der Münchner Garnison gegen die Räteregierung, verhaften mehrere Mitglieder des Zentralrats und erlassen am Morgen des 13. eine Proklamation, in der die Bevölkerung zur Unterstützung der nach Bamberg entflohenen sozialdemokratischen Regierung unter Johannes Hoffmann aufgerufen wird.

Die kommunistischen Arbeiter- und Soldatenräte Münchens erklären am Vormittag den bisherigen Zentralrat für “erledigt” und übertragen die gesetzgebende Gewalt einem vierköpfigen Vollzugsrat unter der Leitung von Max Levien und Eugen Leviné. Es ist die sog. Vierte Revolution in München.

Mit der Erstürmung des Münchner Hauptbahnhofs nach schweren Straßenkämpfen durch die Kommunisten ist die eintägige Diktatur der Münchner Garnison beendet.

In der Republik Baden findet erstmals im Deutschen Reich eine Volksabstimmung statt.

Auf einer gemeinsamen Tagung genehmigen die Landesversammlung der deutschen Freistaaten Coburg und Gotha einen Staatsvertrag, der die seit 1826 bestehende gemeinsame Verwaltung aufhebt: “Die Freistaaten Coburg und Gotha regeln ihre Angelegenheiten unabhängig voneinander”.

In Berlin findet der erste Parteitag der 1918 gegründeten rechtsliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) statt.

14.4.1919, Montag

Der französische Gewerkschaftsbund Confédération Générale du Travail (C.G.T.), der fast zwei Millionen Mitglieder zählt, veröffentlicht einen Aufruf, in dem der Abschluss eines “wahren Friedens, dem alle Völker zustimmen könnten” gefordert wird.

Der Münchner Vollzugsrat proklamiert den Generalstreik, der erst am 22. April abgebrochen wird.

Der Münchner Stadtkommandant, der Matrose Rudolf Eglhofer, ordnet die Entwaffnung des Bürgertums an. Bürger, die innerhalb von zwölf Stunden ihre Waffen nicht abgegeben haben, sollen erschossen werden. Zugleich wird das Proletariat bewaffnet.

Die spanische Regierung unter Alvaro Figueroa y Torres Graf Romanones tritt zurück. Am selben Tag wird Antonio Mauray Montomer, der Führer der spanischen Konservativen, zum vierten Mal zum Ministerpräsident gewählt.

15.4.1919, Dienstag

In Bochum hat Franz Grillparzers Trauerspiel “Des Meeres und der Liebe Wellen” in der Inszenierung von Saladin Schmitt Premiere.

Der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen beschließt die Veranstaltung von sog. Kampfspielen.

Die Weimarer Nationalversammlung beschließt, den 1. Mai zum allgemeinen Nationalfeiertag zu erheben.Der Antrag der USPD, auch den 9. November als Jahrestag der Ausrufung der Republik zum allgemeinen Feiertag zu erklären, wird abgelehnt.

16.4.1919, Mittwoch

Der bisherige Stadtkommandant von München, der Matrose Rudolf Eglhofer, wird Kommandeur der Roten Armee in München.

Der Schriftsteller Ernst Toller, einer der Frontabschnittskommandeure der Roten Armee, durchbricht in der Schlacht bei Dachau den Ring aus preußischen, württembergischen und bayerischen Regierungstruppen (Weiße Garde), die gegen München marschieren.

Der in Braunschweig am 9. April ausgerufene Generalstreik bricht zusammen. In der Nacht auf den 17. April besetzen Truppen unter General Georg Maercker auf Anordnung von Reichswehrminister Gustav Noske (MSPD) Braunschweig.

Die tschechoslowakische Nationalversammlung in Prag nimmt das Gesetz über die Beschlagnahmung des Großgrundbesitzes im Lande an.

Karl Deichmann, MSPD-Abgeordneter der Weimarer Nationalversammlung, wird zum Ersten Bürgermeister von Bremen gewählt.

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris nimmt die Gesetzesvorlage über die grundsätzliche Einführung des Achtstundentags an.

In den USA gründen mehrere Filmstars, darunter Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks und Regisseur David Wark Griffith die Film Produktions- und Verleihgesellschaft United Artists.

18.4.1919, Freitag

Der Oberste Rat der alliierten und assoziierten Mächte in Paris lädt die deutsche Delegation offiziell zur Entgegennahme der Friedensbegingungen nach Versailles ein.

Der deutschösterreichische Kabinettsrat in Wien beschließt die völlige Aufhebung des während des Ersten Weltkriegs verhängten Ausnahmezustands.

19.4.1919, Samstag

Polnische Kavallerie erobert die von Sowjets besetzte litauische Hauptstadt Wilna. Der polnische Staatspräsident Jósef Klemens Pilsudski erlässt wenig später eine Proklamation, in der er die Einsetzung einer polnischen Zivilverwaltung im eroberten litauischen Gebiet bekanntgibt. Sowjetrussland wertet die Eroberung Wilnas durch Polen als Kriegsfall.

Der deutsche Reichspräsident Friedrich Ebert (MSPD) ernennt Bernhard Dernburg (DDP) zum Reichsminister der Finanzen als Nachfolger des zurückgetretenen Eugen Schiffer (DDP). Dernburg wird zugleich Stellvertreter des Reichsministerpräsidenten Philipp Scheidemann (MSPD).

20.4.1919, Sonntag

Bayerische und württembergische Regierungstruppen besetzen im Kampf gegen die Rote Armee Augsburg.

Der zentrale Soldaten-, Arbeiter- und Bauernrat der Räterepublik Ungarn in Budapest beschließt zur Verteidigung der Errungenschaften der Proletarierdiktatur den Verteidigungskrieg. Er ordnet an, dass die Hälfte der Arbeiterschaft aller Betriebe gegen die tschechischen, rumänischen und südslawischen Truppen zu den Waffen greifen soll.

In Belgrad, der Hauptstadt des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien), beginnt der viertägige Gründungsparteitag der Sozialistischen Arbeiterpartei Jugoslawiens.

21.4.1919, Montag

Wegen der Streiks im Ruhrgebiet stehen über die Ostertage vielerorts die Räder still. Die Straßenbahnen bleiben im Depot, die Fahrkartenschalter der Bahnhöfe sind geschlossen, den Bürgern wird das Gas gesperrt, spätestens um 22 Uhr sollen alle Lichter gelöscht sein. Die “räderlosen” Ostertage werden für Spaziergänge genutzt, die Droschkenkutscher verzeichnen Vollbeschäftigung.

In Berlin-Karlshorst wird die erste Pferderennsaison nach dem Ersten Weltkrieg eröffnet.

22.4.1919, Dienstag

Die französischen Sozialisten verabschieden ihr neues Parteiprogramm. Sie fordern u.a. eine neue Verfassung, Arbeitszeitverkürzung und Verstaatlichungsmaßnahmen.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika erkennt das Protektorat Großbritanniens über Ägypten an.

23.4.1919, Mittwoch

Nach blutigen Unruhen während der Ostertage wird über Hamburg, Altona und Wandsbek der Belagerungszustand verhängt.

24.4.1919, Donnerstag

Ostkarelische Bauern und finnische Freischärler erobern die Stadt Olonez in Sowjetrussland und bilden eine provisorische Regierung, die so lange im Amt bleiben soll, bis eine Nationalversammlung aufgrund des Selbstbestimmungsrechts über das Schicksal Ostkareliens entscheidet.

In Reval wird die Verfassunggebende Nationalversammlung der Republik Estland eröffnet. Die Sozialdemokraten mit 41 und die Arbeitspartei mit 30 Abgeordneten haben die absolute Mehrheit.

In Basel wird die dritte schweizerische Mustermesse eröffnet.

Die italienische Delegation verlässt wegen des Konflikts in der Fiumefrage die Pariser Friedenskonferenz. Der italienische Ministerpräsident Vittorio Emanuele Orlando wird in Rom begeistert empfangen, in ganz Italien finden antiamerikanische Demonstrationen statt.

25.4.1919, Freitag

Die bayerische Regierung des nach Bamberg geflohenen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann (MSPD) proklamiert für das rechtsrheinische Bayern das Standrecht.

Die deutschösterreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien nimmt das Gesetz über die Erklärung des 12. November und des 1. Mai zu allgemeinen Ruhe- und Feiertagen an.

Die deutschösterreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien nimmt das Invaliden- und Hinterbliebenenversorgungsgesetz an.

Die provisorische Landesversammlung von Vorarlberg beschließt die Durchführung einer Volksabstimmung über den Anschluss an die Schweiz.

26.4.1919, Samstag

Die württembergische Landesversammlung in Stuttgart nimmt die Verfassung des Freistaats an.

27.4.1919, Sonntag

Das Schauspiel “Die Wupper” von Else Lasker-Schüler wird am Deutschen Theater in Berlin unter der Regie von Max Reinhardt uraufgeführt.

Das finnische Parlament in Helsingfors (Helsinki) lehnt eine monarchische Regierungsform ab.

Bei den Wahlen zur Landesversammlung von Vorarlberg erhalten die Christlich Sozialen 22 und die Sozialdemokraten fünf Mandate. Gewählt werden ferner zwei Freiheitliche und ein Kandidat der Unabhängigen Bauernpartei.

28.4.1919, Montag

Die Pariser Friedenskonferenz verabschiedet die Völkerbundsatzung.

Im Deutschen Reich wird die Sommerzeit eingeführt; am 15. September werden die Uhren wieder zurückgestellt.

29.4.1919, Dienstag

Die deutsche Friedensdelegation trifft in Versailles ein; Reichsaußenminister Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau leitet die Delegation.

In München wird die Diktatur der Roten Garde errichtet. Die oberste Gewalt übt der 21-Jährige desertierte Matrose Rudolf Eglhofer aus.

In die Kämpfe gegen die Münchner Räterepublik greifen mehrere Freikorps ein, in denen sich viele rechtsgerichtete ehemalige Kaiserliche Soldaten zusammengeschlossen haben.

Der polnische Landtag in Warschau lehnt einen Dringlichkeitsantrag der Sozialisten über die Proklamation des 1. Mai als Arbeiterfeiertag zum allgemeinen Ruhe- und Festtag ab. Angenommen wird dagegen ein Antrag, der den 3. Mai als den Jahrestag der polnischen Verfassung von 1791 zum Nationalfeiertag erklärt.

30.4.1919, Mittwoch

Soldaten der Roten Garde erschießen in München zehn Geiseln, um die vorrückenden Regierungstruppen vor einem weiteren Vormarsch abzuschrecken. Am gleichen Tag erobern bayerische Regierungs- und Reichstruppen Dachau, den stärksten Stützpunkt der revolutionären Münchner Roten Armee.

Das im November 1918 als Reichsamt für wirtschaftliche Demobilmachung unter Oberstleutnant Joseph Koeth gegründete und am 13. Februar 1919 in ein Reichsministerium umgewandelte Demobilmachungsamt in Berlin wird nach der Durchführung der Demobilmachung im Deutschen Reich aufgelöst.

Die hessische Volkskammer in Darmstadt billigt die Vereinbarungen mit dem ehemaligen Großherzog Ernst Ludwig und dem hessischen Volksstaat. Ernst Ludwig erhält jährlich 440 000 Mark und eine Abfindungssumme von 10,9 Millionen Mark sowie das Jagdschloss Wolfsgarten, Schloss Rumrod und das Dominialgrundstück von Schloss Kranichstein. Das Neue Palais in Darmstadt ist Privateigentum des ehemaligen Großherzogs, das Hoftheater geht an den hessischen Staat über.

Der Deutsche Museumsbund erlässt die Erklärung “An unsere Gegner”, in der er sich gegen die Entfernung von Kunstschätzen aus deutschen Museen durch die alliierten Siegermächte wendet.

Die Ballets Russes von Sergei Diaghilew, die bei einem Gastspiel in London u.a. Werke von Igor Strawinsky zur Aufführung bringen, werden vom Publikum begeistert aufgenommen.