Was geschah im April 1920

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Wetterstationen April 1920

1.4.1920, Donnerstag

In Berlin beschließt die Reichsregierung den Einmarsch von Reichswehreinheiten in das aufständische Ruhrgebiet. Zugleich erörtern die Kabinettsmitglieder mögliche Folgen eines solchen Vorgehens für die dortige entmilitarisierte Zone. Frankreich hatte die Erlaubnis zum Einmarsch verweigert.

Auf einer Delegiertenkonferenz der Arbeiterräte in Essen spricht sich der KPD-Politiker Wilhelm Pieck für den Abbruch der Kämpfe im Ruhrgebiet aus, um blutige Auseinandersetzungen zu verhindern. Die Delegierten plädieren zugleich für eine Auflösung der Roten Ruhrarmee und fordern stattdessen die Bildung einer Volksarmee.

Der sog. Eisenwirtschaftsbund nimmt seine Tätigkeit auf. Das Selbstverwaltungsorgan von Produzenten, Händlern und Verbrauchern – Arbeiter und Unternehmer sind paritätisch vertreten – dient der Ankurbelung der Eisenproduktion.

Im Deutschen Reich wird ein neues Einkommensteuergesetz gültig. Es ist Teil einer Finanzreform, die vom früheren Reichsfinanzminister Matthias Erzberger eingeleitet wurde.

Die sieben Staatseisenbahnen der deutschen Länder werden aufgelöst und in ein reichseinheitliches Bahnsystem überführt. Gleichzeitig wird das Post- und Fernmeldewesen von der Reichsverwaltung übernommen.

2.4.1920, Freitag

Die Reichswehr beginnt mit ihrem Einmarsch ins aufständische Ruhrgebiet. Nach Angaben der Reichsregierung hat sie “volle Freiheit des Handelns, zu tun, was die Lage gebietet”, um die Rote Ruhrarmee aufzulösen.

Auf seiner sog. Pädagogischen Ostertagung (seit 31.3.) kritisiert der Bund entschiedener Schulreformer in Berlin die bestehenden Schulen im Deutschen Reich als “Hort der Gegenrevolution”. Der Bund beeinflusst seit seiner Gründung 1919 durch Paul Oestreich entscheidend die pädagogischen Reformbestrebungen im Deutschen Reich. Allgemein fordert er u.a. praxisorientiertes Lernen, Schulgeldfreiheit sowie Mitspracherechte von Eltern und Schülern.

3.4.1920, Samstag

In Berlin wird die Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD) gegründet. Sie besteht vor allem aus Mitgliedern der ehemaligen Linksopposition der KPD und lehnt unter Verfolgung rätekommunistischer Ziele eine Mitarbeit im Parlament sowie in den bestehenden Gewerkschaften ab.

Im Rahmen des Ruhraufstands kommt es in Bottrop zu einem Gefecht zwischen Freikorpstruppen und Ruhrarmisten. Zugleich besetzen die aus allen Teilen des Deutschen Reiches zusammengezogenen Regierungstruppen weite Teile des Ruhrgebiets.

4.4.1920, Sonntag

In Jerusalem kommt es zu Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern. Die britischen Behörden verhängen daraufhin den Belagerungszustand. Die frühere osmanische Provinzhauptstadt wurde zusammen mit Palästina 1917/18 von Großbritannien erobert. Zionistische Ideen haben seit 1905 sowie verstärkt seit Ende des Weltkrieges zu jüdischen Zuwanderungen geführt.

5.4.1920, Montag

Der Zentralrat der Arbeiterräte im Ruhrgebiet fordert in Barmen die Mitglieder der Roten Ruhrarmee auf, sich vor den Reichswehrtruppen in die von Frankreich besetzte Zone in Sicherheit zu bringen.

In Moskau endet der neunte Kongress der Kommunistischen Partei Sowjetrusslands (seit 29.3.). Im Verlauf der Debatten spricht sich der Volkskommissar für Verteidigung, Leo D. Trotzki, für ein Milizsystem bei der Armee aus. Nach seiner Ansicht kann dadurch verhindert werden, dass die Arbeiterklasse vom Heer geschieden werde.

6.4.1920, Dienstag

Als Protest gegen den Einmarsch von Reichswehrtruppen in die entmilitarisierte ostrheinische Zone werden Einheiten der französischen Armee in die Städte Frankfurt, Darmstadt, Hanau und Dieburg verlegt. Am 7. April wird auch Homburg besetzt.

7.4.1920, Mittwoch

Die Alliierten fordern von der deutschen Regierung die Auflösung der Einwohnerwehren, deren antidemokratischer Charakter vor allem während des Kapp-Putsches offen zutage trat. Die meist militärisch organisierten Freiwilligenverbände waren nach dem Ende des Weltkrieges entstanden. Besonders berüchtigt sind die 1919 als Kampfinstrument gegen die Rätebewegung von Georg Escherich gegründete bayerische Einwohnerwehr sowie die sog. Organisation Escherich, “Orgesch”.

General Anton I. Denikin erklärt seinen Rücktritt vom Oberkommando der antibolschewistischen “weißen” Truppen in Russland. Sein Nachfolger wird General Pjotr N. Baron von Wrangel.

8.4.1920, Donnerstag

Reichskanzler Hermann Müller (MSPD) und Vertreter der einzelnen Ministerien verhandeln zusammen mit Abgesandten politischer Parteien im Ruhrgebiet ergebnislos über die Besetzung des Gebietes südlich der Ruhr durch Reichswehrtruppen.

9.4.1920, Freitag

Der US-amerikanische Senat billigt mit 46 gegen 9 Stimmen einen Gesetzentwurf über die freiwillige Anwerbung für das US-Militär statt einer Dienstpflicht. Danach wird Männern zwischen 18 und 28 Jahren eine viermonatige Ausbildung angeboten. Das Gesetz wird allerdings erst 1922 wirksam.

Mit 243 gegen 150 Stimmen nimmt das US-amerikanische Repräsentantenhaus in Washington nach zweitägiger Debatte eine Entschließung an, in der der Kriegszustand mit dem Deutschen Reich für beendet erklärt wird. Der Senat der USA berät über die – allerdings dann modifizierte – Entschließung am 15. Mai.

10.4.1920, Samstag

In Stuttgart lehnt eine süddeutsche Ministerkonferenz (Bayern, Württemberg, Baden, Sachsen und Hessen) die Auflösung der Einwohnerwehren ab, wie sie die Alliierten am 7. April gefordert haben. Zugleich verurteilt die Konferenz den französischen Einmarsch in Frankfurt am Main und anderen Maingau-Städten.

Auf einer Tagung des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften in Köln wird angesichts des Kapp-Putsches vom 13. März eine Erklärung zugunsten der Weimarer Verfassung abgegeben. Die Christlichen Gewerkschaften repräsentieren rund 1,08 Mio. Mitglieder im Deutschen Reich.

In den USA beginnt ein siebentägiger Eisenbahnerstreik. Die Arbeiter erreichen von der US-Regierung, dass ein sog. Eisenbahnamt zur Schlichtung von Arbeitskonflikten eingerichtet wird.

11.4.1920, Sonntag

Der Groß-Berliner Verband der KPD beschließt in Berlin eine Teilnahme an den bevorstehenden Reichstagswahlen. Dabei wollen die Kommunisten für die Einführung des Rätesystems im Deutschen Reich eintreten.

In Berlin hält die vor wenigen Tagen gegründete Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD) ihre erste Versammlung ab. Dabei werden die bestehenden Gewerkschaften des Verrats an den Zielen des Proletariats bezichtigt. u.a. sprechen sich die Teilnehmer für die Aufstellung einer Roten Armee im Deutschen Reich aus.

12.4.1920, Montag

Mit einem viertägigen Generalstreik wird in Irland gegen die schlechten Haftbedingungen der in London inhaftierten irischen Unabhängigkeitskämpfer protestiert. Der Streik endet am 15. April nach Zugeständnissen der britischen Regierung.

In der französischen Abgeordnetenkammer in Paris beginnt eine Debatte über neue Steuergesetze. u.a. sind eine Erhöhung der Einkommenssteuer, eine Vermögensübertragungsgebühr und verschiedene indirekte Steuern vorgesehen. Die Steuergesetze werden im Parlament am 29. April mit 535 gegen 69 Stimmen angenommen.

Der deutsche Politiker Adolf Köster (MSPD) übernimmt in Berlin das Reichsaußenministerium, das seit der Regierungsneubildung vom 26. März von Reichskanzler Hermann Müller (MSPD) mitverwaltet wurde.

Erstmals seit dem Kapp-Putsch tritt die Nationalversammlung wieder in Berlin zusammen. Bis zu ihrer letzten Sitzung vor den Reichstagswahlen am 6. Juni verabschiedet sie eine Reihe wichtiger Gesetze, u.a. das Reichswahlgesetz und das Gesetz über die Wahl des Reichspräsidenten.

13.4.1920, Dienstag

Der deutsche Jurist und Politiker Otto Meißner wird in Berlin Leiter des Büros beim Reichspräsidenten Friedrich Ebert (MSPD). Später wird Meißner – der 1923 Staatssekretär wird – zum Chef der Präsidialkanzlei Adolf Hitlers berufen (1934- 45).

14.4.1920, Mittwoch

Auf Initiative der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), die auch an der Regierungskoalition beteiligt ist, wird ein Reichsausschuss für Handel, Industrie und Gewerbe gebildet. Vorsitzende sind der Unternehmer Carl Friedrich von Siemens und der Bankier Hjalmar Schacht (später Reichsbankpräsident).

In Berlin wird die erste Jahresversammlung des 1919 gegründeten Reichsverbandes der Industrie von dessen Präsidenten, dem deutschen Wirtschaftsführer Kurt Sorge, eröffnet. Hauptthemen der Unternehmertagung sind die Sozialisierungsfrage im Deutschen Reich sowie Im- und Exportprobleme.

15.4.1920, Donnerstag

Der Mord an zwei Männern während eines Lohngeldraubes in South Braintree (US-Bundesstaat Massachusetts) wird Anlass zum sog. Sacco-Vanzetti-Fall, der weltweites Aufsehen erregt.

Mit 442 704 gegen 377 569 Stimmen sprechen sich die britischen Bergarbeiter in einer Urabstimmung gegen einen Streik aus. Zuvor hatte die britische Regierung in London einen 20%igen täglichen Lohnvorschuss für alle Arbeiter über 18 Jahre zugestanden.

Nach Abschluss der zweitägigen Wahlen zur sog. Konstituierenden Versammlung von Litauen erreichen die Christlichen Demokraten mit 59 von 112 Sitzen die absolute Mehrheit. Zweitstärkste Gruppierung werden die Volkssozialisten (29 Sitze) vor den Sozialdemokraten (14 Sitze). Enttäuschend verlaufen die Wahlen für die nationale Rechte um Staatspräsident Antanas Smetona, die keinen Sitz erringen kann.

Der österreichische Außenminister Karl Renner (SPÖ) kehrt von einem elftägigen Italienbesuch zurück. Hauptthema seiner Gespräche mit der italienischen Regierung ist die Aufnahme von Friedensbeziehungen und die Umsetzung des Vertrages von St. Germain.

16.4.1920, Freitag

Der rechtsradikale deutsche Politiker Wolfgang Kapp, Mitinitiator des nach ihm benannten Putsches vom 13. März, wird in Schweden verhaftet, aber nicht ausgeliefert.

17.4.1920, Samstag

Einem in Paris veröffentlichten Dekret zufolge stellt Frankreich wieder die Handelsfreiheit mit den Ländern Mitteleuropas her, die dem allgemeinen Zolltarif unterworfen sind.

18.4.1920, Sonntag

In Hannover gewinnt Odin Hannover das Endspiel um die deutsche Rugbymeisterschaft gegen Sportklub Frankfurt am Main 1880 mit 8:0 Punkten. Dabei fallen die drei Hannoveraner Treffer erst kurz vor Schluss.

19.4.1920, Montag

In Berlin billigt die deutsche Nationalversammlung abschließend das Gesetz über die Grundschulen und die Aufhebung der Vorschulen. Danach ist die Volksschule in ihren ersten vier Jahrgängen die für alle gemeinsame Grundschule, über die der Weg in die mittleren und höheren Schulen führt.

Das Deutsche Reich und Sowjetrussland unterzeichnen ein Abkommen über die Rückführung von Kriegsgefangenen. Es handelt sich um das erste offizielle Abkommen zwischen beiden Staaten.

Auf einer achttägigen Konferenz des sog. Obersten Rats der Alliierten im italienischen San Remo werden die Mandatsgebiete im Nahen Osten aufgeteilt. u.a. erhält Großbritannien ein Mandat für Palästina, das es 1917/18 erobert hatte. Zugleich stellen die Konferenzteilnehmer fest, dass die deutsche Regierung bisher ihren Verpflichtungen aus dem Versailler Friedensvertrag bei der Entwaffnung und den Reparationsleistungen nicht nachgekommen ist.

20.4.1920, Dienstag

Im Eispalast von Antwerpen (Belgien) beginnen die inoffiziellen Winterwettbewerbe der Olympischen Spiele. Bis Ende des Monats finden hier Eiskunstlauf-Wettbewerbe und ein Eishockey-Turnier statt, das gleichzeitig die erste Weltmeisterschaft dieser Sportart ist. Die offizielle Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele ist für den 14. August terminiert, dem Beginn der Leichtathletik-Wettkämpfe.

Im Verlauf der Ausstellung “Dada-Vorfrühling” findet in Köln die erste dadaistische Veranstaltung statt, an der sich u.a. die Maler Max Ernst und Hans (Jean) Arp beteiligen. Die Polizei lässt die Ausstellung wegen des öffentlichen Skandals zunächst schließen, muss diese Entscheidung nach heftigen Protesten aber wieder rückgängig machen.

In Berlin findet die 48. Vollversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrats statt. In seiner Begrüßungsansprache wendet sich der Vorsitzende der politisch weit rechts stehenden Organisation, der frühere preußische Landwirtschaftsminister Klemens von Schorlemer-Lieser, gegen dirigistische Eingriffe in die Landwirtschaft.

In ihrem Aufruf zur bevorstehenden Reichstagswahl fordert die USPD u.a. die Entwaffnung und Auflösung aller gegenrevolutionären Formationen, die Bestrafung aller am Kapp-Putsch Beteiligten, die Durchführung von Sozialisierungsmaßnahmen und ein hartes Vorgehen gegen Lebensmittelwucher.

21.4.1920, Mittwoch

Der polnische Staatspräsident Josef Klemens Pilsudski schließt mit Simon W. Petljura, nomineller Regierungschef der antibolschewistischen Ukrainischen Volksrepublik, einen Offensivpakt zur Eroberung der Ukraine. Zusammen mit einer drei Tage später vereinbarten Militärkonvention dient das Abkommen der Vorbereitung des polnisch-russischen Krieges.

In Linz beginnt die zweite österreichische Länderkonferenz. Ihre Aufgabe ist eine Verständigung über die Richtlinien für die künftige österreichische Verfassung. Ein neuer, vom Minister für Verfassungs- und Verwaltungsreform, Michael Mayr, ausgearbeiteter Entwurf sieht eine Direktwahl des Bundespräsidenten durch das Volk auf fünf Jahre vor. Während der Diskussion über den Entwurf treten erneut tiefgreifende Differenzen zwischen Sozialdemokraten und Christlich Sozialen auf.

Der NSDAP-Propagandaleiter Adolf Hitler gründet im bayerischen Rosenheim die erste Parteisektion außerhalb Münchens.

An der Matinee-Bühne Junges Deutschland im Deutschen Theater Berlin wird “Himmel und Hölle” uraufgeführt, ein Stück des deutschen Dramatikers Paul Kornfeld. Regie führt Ludwig Berger. Der Theaterkritiker Herbert Ihering schreibt über die Aufführung: “Dieses Schauspiel steht auf der Grenze zwischen aktivistischer Revolutionsliteratur … und in sich selbst schwingender Dichtung. Sie zeigt den Weg, den eine neue Kunst gehen kann.” Kornfeld verfasste 1918 mit “Der beseelte und der psychologische Mensch” eine der wichtigsten Bekenntnisschriften des expressionistischen Theaters.

22.4.1920, Donnerstag

Der sächsische Ministerpräsident Georg Gradnauer (MSPD) tritt nach parteiinternen Meinungsverschiedenheiten zurück. Am 4. Mai wählt die sächsische Volkskammer den MSPD-Politiker Johannes Wilhelm Buck als Chef einer MSPD/DDP-Koalition zum neuen Ministerpräsidenten. Die USPD lehnt auf einem Landesparteitag in Leipzig am 26. April eine Regierungsbeteiligung ab.

23.4.1920, Freitag

In Prag wird die Oper “Die Ausflüge des Herrn Broucek” des tschechischen Komponisten Leoš Janácek uraufgeführt. Der am 3. Juli 1854 in Hochwald (Hukvaldy bei Príbor) geborene Janácek entwickelte auf der Grundlage intensiver Volksliedforschung einen eigenen musikalischen Stil. Zugleich schuf er eine Theorie der Sprachmelodie, die er aus Beobachtungen der Umgangssprache ableitete.

In Paris wird der französische Finanzwissenschaftler und Politiker Joseph Caillaux zu drei Jahren Gefängnis wegen “Begünstigung defätistischer Stimmungen” während des Weltkrieges verurteilt. Er hatte auf eine Beendigung des Krieges gedrängt und war 1918 auf Betreiben von Ministerpräsident Georges Clemenceau verhaftet worden.

Im Rahmen der sog. Reichsexekution lässt die deutsche Reichsregierung die Landesversammlung von Sachsen-Gotha durch Reichskommissar Wilhelm Holle auflösen.

In Berlin verabschiedet die deutsche Nationalversammlung das Reichswahlgesetz, die Reichswahlordnung und das Gesetz über die Wahl des Reichspräsidenten. Nach Artikel 41 der Weimarer Reichsverfassung wird der Reichspräsident für eine Amtszeit von sieben Jahren unmittelbar vom ganzen Volk gewählt. Allerdings bleibt der am 11. Februar 1919 von der Nationalversammlung gewählte Friedrich Ebert aufgrund von Reichstagsbeschlüssen bis zu seinem Tod 1925 im Amt.

Die sog. Große Nationalversammlung des Osmanischen Reichs bildet in Ankara eine türkische Gegenregierung und verkündet eine provisorische Verfassung. Mustafa Kemal Pascha (seit 1934 bekannt als Kemal Atatürk) wird zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt.

24.4.1920, Samstag

In Berlin billigt das preußische Kabinett einen Gesetzentwurf über die Aufhebung der Standesvorrechte. Damit entfallen die auf dem öffentlichen Recht des Staates Preußen beruhenden bisherigen Adelsprivilegien. Die betroffenen Personen werden künftig dem allgemeinen öffentlichen und bürgerlichen Recht unterstellt.

Bei den Betriebsrätewahlen im Ruhrgebiet verzeichnen die Syndikalisten bedeutende Stimmengewinne. Insgesamt stellen sie nach den Sozialdemokraten und noch vor den Kommunisten die zweitstärkste gewerkschaftliche Gruppierung.

In Berlin wird ein Entwurf des preußischen Kultusministeriums zur Neuregelung des Studentenrechts bekannt. Da er im Gegensatz zur bisherigen patriarchalischen Verfassung der Universität demokratische Elemente enthält, wird er von der deutschnationalen Presse heftig kritisiert.

In München wird die erste Einzelausstellung des deutschen Malers und Grafikers George Grosz eröffnet. Der 26-Jährige Dadaist veröffentlicht außerdem 1920 sein Mappenwerk “Gott mit uns”, in dem er mit scharfer Satire die deutsche Bourgeoisie und den Militarismus angreift.

25.4.1920, Sonntag

Der deutsche Flugzeugkonstrukteur Claude Dornier muss auf Forderung der Alliierten das von ihm konstruierte Verkehrsflugboot GS I vernichten. Zuvor hatte er die Maschine in Amsterdam vorgestellt.

26.4.1920, Montag

Unter Führung des polnischen Politikers und Marschalls Jósef Klemens Pilsudski beginnt die polnische Armee mit dem Einmarsch in die Ukraine.

27.4.1920, Dienstag

Der preußische Landtag billigt das Groß-Berlin-Gesetz, das am 1. Oktober in Kraft tritt. Mit den Städten Charlottenburg, Köpenick, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg, Spandau und Wilmersdorf, 59 Dörfern und 29 Gutsbezirken verzeichnet die Reichshauptstadt Berlin dann rund 3,86 Mio. Einwohner und eine Fläche von 878 km².

28.4.1920, Mittwoch

In Washington sprechen sich sowohl das US-amerikanische Repräsentantenhaus als auch der Senat für eine Wiederaufnahme der durch den Weltkrieg unterbrochenen Handelsbeziehungen mit dem Deutschen Reich aus.

Durch einen Streik der Binnenschiffer auf Elbe und Oder wird die Lebensmittelversorgung von Hamburg, Berlin und Dresden erheblich beeinträchtigt.

29.4.1920, Donnerstag

In Aserbeidschan wird eine Sowjetverfassung eingeführt. Vorausgegangen war ein erfolgreicher bolschewistischer Aufstand in der aserbeidschanischen Hauptstadt Baku. Am 27. April wurde Aserbeidschan, in dem bisher Mehmet Emin Resulzade als Präsident des Nationalrates regierte (seit 1918), Sowjetrussland angegliedert.

30.4.1920, Freitag

Die deutsche Reichsregierung wandelt die preußische Gesandtschaft beim Vatikan in eine Reichsbotschaft um. Die Stelle ist seit 1919 mit dem preußischen Gesandten Diego von Bergen besetzt.

In der Pariser Galerie Au Sans Pareil endet eine zweiwöchige Ausstellung des französischen Malers, Grafikers und Dichters Francis Picabia. Der 41-Jährige Künstler spanisch-französischer Abstammung zählt 1920/21 zusammen mit Tristan Tzara zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Pariser Dada-Bewegung.