Was geschah im April 1921

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Wetterstationen April 1921

1.4.1921, Freitag

In Ungarn scheitert ein Restaurationsversuch Karls I., des letzten Kaisers von Österreich, der gleichzeitig als König Karl IV. in Ungarn regierte.

In allen Kohlerevieren Großbritanniens beginnt ein Streik von etwa 1 Mio. Bergarbeitern gegen angekündigte Lohnkürzungen.

Die christlich-nationale Zeitschrift “Der Deutsche” erscheint erstmals in Berlin. Sie wird vom Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Adam Stegerwald (Zentrum), herausgegeben. Die Zeitschrift, die DGB-Organ wird, erscheint in einer Auflage von 60 000 Exemplaren.

Hans Bredow übernimmt als Technischer Staatssekretär die Leitung des Telegrafen-, Fernsprech- und Funkwesens im Reichspostministerium in Berlin.

2.4.1921, Samstag

Die Reparationskommission in Paris bewilligt die Errichtung einer Zollgrenze im Rheinland, wo seit März Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort von den Alliierten besetzt sind.

Der französische Vertreter beim Völkerbund, Réné Viviani, richtet auf einer Reise durch die Vereinigten Staaten ein Gesuch an die US-amerikanische Regierung, Frankreich finanziell zu unterstützen, da die Deutschen mit ihren Reparationsleistungen weit im Rückstand seien. In diesem Zusammenhang meldet die französische Zeitung “Temps”, dass das Deutsche Reich im März mit seinen Kohlelieferungen um 220 000 Tonnen im Rückstand geblieben sei.

3.4.1921, Sonntag

In Amsterdam tritt eine internationale Gewerkschaftskonferenz zusammen, die sich mit dem Scheitern der Londoner Reparationsverhandlungen im März befasst. Die Versammlung fordert die sofortige Aufnahme des Deutschen Reiches in den Völkerbund und die Errichtung eines internationalen Reparationsinstituts, das mit der technischen Organisation und der finanziellen Verwaltung der Wiederaufbauarbeit betraut werden soll.

Die Reichsregierung beschließt in Berlin, rückwirkend zum 1. April die Rationierung von Zeitungspapier aufzuheben. Damit entfällt auch die bisherige amtliche Preisfestlegung für Papier.

Bei einem Galopprennen in Berlin-Karlshorst kommt es zu einem Skandal, als alle vier Pferde so langsam laufen, dass die Höchstzeit überschritten wird. Trotz der Disqualifikation der Pferde müssen die Wetten ausgezahlt werden.

4.4.1921, Montag

Nordwestlich der türkischen Stadt Eskisehir erleidet die griechische Armee eine ihrer schwersten Niederlagen im seit 1920 andauernden Krieg mit der Türkei. Über 4000 griechische Soldaten werden getötet.

Emir Abdallah, der zukünftige König Transjordaniens, äußert gegenüber einem Journalisten der “Times”, dass der Zionismus keine Gefahr für die Palästinenser darstelle.

In Weimar wird die Staatliche Hochschule für Bildende Künste gegründet. Neben dem 1919 von Walter Gropius gegründeten Staatlichen Bauhaus ist sie die zweite Kunsthochschule in Weimar.

Im Schauspielhaus in Köln wird das Drama “Der Ketzer” von Paul Bourfeind uraufgeführt.

5.4.1921, Dienstag

Die “Oppelner Nachrichten”, eine in Oberschlesien erscheinende deutsche Zeitung, werden von der Interalliierten Kommission wegen eines Artikels über den polnischen Terror unter deutschen Einwohnern im Kreis Tarnowitz für vier Tage verboten.

Die 1920 ins Leben gerufene Brüsseler Wirtschaftsmesse findet zum zweiten Mal statt. Auf der Messe, die eine Woche lang dauert, sind 2291 Aussteller aus 20 Ländern vertreten.

Die “Chicago Tribune” meldet, dass die USA als Gläubiger Europas gegenwärtig jede Woche eine Goldsendung zur Tilgung der Kriegsschulden der alliierten Verbündeten erhalten. Frankreich allein habe seit dem 15. Januar zwei Mrd. Francs (rund 10 Mrd. Mark) zurückgezahlt.

6.4.1921, Mittwoch

Der ungarische Ministerpräsident Pál Graf Teleki tritt zurück, weil er einen Aufruf Karls IV., in dem dieser seinen Restaurationsversuch zur Wiedererlangung der Königswürde rechtfertigte, in den Budapester Zeitungen veröffentlichen ließ.

Aufgrund betriebsinterner Auseinandersetzungen sperrt der Autohersteller Fiat in Turin alle 13 000 Arbeiter aus.

7.4.1921, Donnerstag

Die sowjetische Regierung in Moskau erlässt ein Dekret über die Verbrauchergenossenschaften, die gleichzeitig mit den Handwerks- und Kleingewerbegenossenschaften als Mittler zwischen Landwirtschaft und Stadt eingesetzt werden. Angesichts der extremen wirtschaftlichen Probleme soll so die Versorgung der Städte verbessert werden.

Der chinesische Revolutionsführer Sun Yat-sen, der 1913 nach Japan ins Exil verbannt wurde, wird wieder an die Spitze der Regierung im südchinesischen Kanton wählt.

Die deutschen Firmen Siemens & Halske, AEG sowie Felten & Guilleaume gründen unter Beteiligung der Deutschen Reichspost in Berlin die Deutsche Fernkabel Gesellschaft (DFKG). Ihr Ziel ist der baldige Ausbau des deutschen Fernkabelnetzes, worunter der Telegrafen-, Fernsprech- und Funkverkehr fallen.

Der von Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau nach der Romanvorlage von Rudolf Stratz gedrehte Film “Schloss Vogelöd” wird in Berlin uraufgeführt. Mit der Hauptrolle in diesem Gruseldrama beginnt die Schauspielerin Olga Tschechowa ihre Filmkarriere.

Tizians Gemälde “Der Mann mit dem Falken” (16. Jh.) wird vom New Yorker Auktionshaus Duveen Brothers für 300 000 US-Dollar (19,2 Mio. Mark) gekauft.

9.4.1921, Samstag

Der preußische Landtag wählt den bisherigen preußischen Wohlfahrtsminister und Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Adam Stegerwald (Zentrum), zum neuen Ministerpräsidenten. Er wird Nachfolger des seit 1920 amtierenden Sozialdemokraten Otto Braun.

10.4.1921, Sonntag

In Erwin Piscators Proletarischem Theater in Berlin wird Franz Jungs Drama “Die Kanaker” uraufgeführt.

11.4.1921, Montag

Das östlich des Kaspischen Meeres gelegene Turkestan, das 1918 als erster Sowjetstaat in Mittelasien gegründet wurde, wird als Autonome Sowjetrepublik in die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) eingegliedert.

Die letzte deutsche Kaiserin, Auguste Viktoria, die Frau Wilhelms II., stirbt im Alter von 63 Jahren im niederländischen Exil. Sie wird am 19. April unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Potsdam beigesetzt.

12.4.1921, Dienstag

Die sowjetische Regierung in Moskau schickt eine Protestnote an Rumänien, in der die sofortige Entfernung der rumänischen Kriegsschiffe aus der Dnjestr-Mündung am Schwarzen Meer gefordert wird. Rumänien hatte dort Teile seiner Flotte zusammengezogen, um sich die Zufahrt zum Meer zu sichern. Gleichzeitig wird die Bildung einer gemischten Kommission zur Ausarbeitung eines sowjetisch-rumänischen Schifffahrtsstatuts vorgeschlagen.

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) und der Allgemeine freie Angestelltenbund (AfA) schließen in Berlin einen Vertrag über die Zusammenarbeit in wirtschaftlichen und sozialen Fragen. Den Schwerpunkt in dem Abkommen bildet der Ausbau betrieblicher Mitbestimmung.

Das expressionistische Drama “Kräfte” von August Stramm wird in der Regie von Max Reinhardt in den Berliner Kammerspielen uraufgeführt.

13.4.1921, Mittwoch

Die Lloyds Bank in Großbritannien kauft das private Bankunternehmen Fox, Fowler & Co. auf. Es war das letzte Geldinstitut in Großbritannien, das seine Banknoten noch selbst druckte.

Der US-amerikanische Senator und frühere Außenminister Philander Chase Knox legt dem Senat eine Entschließung vor, die den Abschluss eines Friedensvertrags mit dem Deutschen Reich und Österreich vorsieht.

14.4.1921, Donnerstag

Der preusische Landtag debattiert bis zum 18. April über den kommunistischen Aufstand in Mitteldeutschland im März und bildet einen Ausschuss zur Untersuchung der polizeilichen Maßnahmen während der Revolte.

Das US-amerikanische Hilfswerk für notleidende europäische Kinder stellt seine Lebensmittellieferungen an das Deutsche Reich ein.

Der Film “Die Bergkatze”, ein groteskes Lustspiel von Ernst Lubitsch, wird im Ufa-Palast am Berliner Zoo mit Pola Negri, Victor Janson und Hermann Thimig in den Hauptrollen uraufgeführt.

15.4.1921, Freitag

In Großbritannien scheitert die Bergarbeitergewerkschaft mit ihrer Absicht, zusammen mit anderen Arbeitnehmervertretungen den Generalstreik auszurufen.

Die sowjetische Regierung ratifiziert den am 18. März in Riga geschlossenen Friedensvertrag mit Polen.

Gegen die italienischen Einwanderer Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti wird im US-Staat Massachusetts das Todesurteil wegen Raubmords verhängt.

Die Operette “Der Vetter aus Dingsda” des Komponisten Eduard Künnecke wird in Berlin uraufgeführt.

16.4.1921, Samstag

Der kommunistische Revolutionär Max Hölz, der maßgeblich an den “Märzunruhen” beteiligt war, wird in Berlin verhaftet.

17.4.1921, Sonntag

Unter Vorsitz von Marschall Ferdinand Foch tritt in Paris eine Kommission von Vertretern der Alliierten zusammen, um Maßnahmen für den Fall zu diskutieren dass das Deutsche Reich seinen Reparationszahlungen nicht nachkommt. Ein Plan, der die Besetzung des Ruhrgebiets vorsieht, soll dem Obersten Rat vorgelegt werden.

Auf dem Wiener Rathausplatz finden Kundgebungen statt, die einen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich fordern. Die Demonstranten halten die 1918 gebildete Österreichische Republik für nicht überlebensfähig. Bundeskanzler Michael Mayr (Christlich-Soziale Partei) bittet die Bevölkerung, von solchen Forderungen zumindest solange abzusehen, bis die Alliierten Österreich Kredite zum wirtschaftlichen Wiederaufbau gewährt haben.

18.4.1921, Montag

Die Interalliierte Kommission in Oppeln hebt die Verhängung des Ausnahmezustandes über Kattowitz (Katowice), Königshütte (Chorzów), Pleß (Pszczyna) und den Kreis Rybnik auf. Dieser war am 20. März verhängt worden, um bei der Volksabstimmung über die Staatszugehörigkeit zum Deutschen Reich oder Polen Ruhe und Ordnung zu gewährleisten.

Die Ernährungsminister der deutschen Länder tagen in Bremen. Sie beschließen, die staatliche Rationierung von Milch und Fleisch, die seit 1916 besteht, so bald wie möglich fallenzulassen.

Zur finanziellen Förderung von Akademikern wird in Leipzig eine gemeinnützige Wirtschaftsgemeinschaft der Universität ins Leben gerufen. Sie will bedürftige Studenten aus Spendenmitteln unterstützen.

In Worms findet eine große Feier anlässlich des 400. Jahrestags des Wormser Edikts statt. Darin war 1521 über Martin Luther die Reichsacht ausgesprochen worden. Die Durchführung des Edikts scheiterte am Widerstand der evangelischen Reichsstände.

19.4.1921, Dienstag

Das Reichsfinanzministerium in Berlin veröffentlicht einen Überblick über den Reichshaushalt für das Rechnungsjahr 1921. Das Deutsche Reich, das in den nächsten Wochen mit dem Beginn hoher Reparationsverpflichtungen zu rechnen hat, muss für den außerordentlichen Haushalt noch Anleihen im Umfang von über 33 Mrd. Mark aufbringen.

Der oberste Richter Chinas, Wang Chung-hui, befindet sich mit neun weiteren Gesandten seines Landes auf dem Weg nach Genua, wo die Delegation mit Vertretern des Völkerbunds über die außenpolitischen Probleme Chinas beraten will. Auf einer Zwischenstation im kanadischen Vancouver erklärt Wang, dass China niemals den Völkerbund anerkennen werde, wenn dieser sich nicht für die Befreiung Chinas von der japanischen Herrschaft einsetzen werde.

20.4.1921, Mittwoch

Die Reparationskommission in Paris beschließt, die Zahlungsverpflichtungen des Deutschen Reiches an Italien nicht, wie ursprünglich erklärt, ab dem 27. Mai 1916 zu veranschlagen, sondern ab dem 27. Mai 1915. An diesem Tag wurden erstmals zwei deutsche Soldaten von italienischen Truppen an der österreichischen Grenze gefangengenommen.

Im französisch besetzten Rheinland tritt ein Verbot der deutschen Zeitschriften “Französischer Courier”, “Jugend” und “Das freie Wort” für drei Monate in Kraft. Zwischen 1920 und 1922 werden im Rheinland insgesamt 103 Zeitungen wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Schädigung des Ansehens der Besatzungsmacht verboten.

Der seit zwei Monaten amtierende KPD-Vorsitzende Heinrich Brandler und neun seiner Parteigenossen werden wegen Beteiligung an den “Märzaufständen” verhaftet.

Der 12 000 Tonnen schwere Dampfer “Hindenburg”, derzeit das größte Schiff in deutschem Besitz, tritt seine erste Reise von Hamburg nach Südamerika an.

Der Magistrat der Stadt Buer (Gelsenkirchen) bewilligt die Einrichtung eines Schulfilm-Archivs. Volksschülern sollen zukünftig im Kino kostenlos Filme, die Unterrichtszwecken dienen, vorgeführt werden.

21.4.1921, Donnerstag

Der Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, erlässt eine neue Bestimmung zur genauen Erfassung des vorhandenen Wohnraums. Zahl und Größe der Räume einer Wohnung sind in Zukunft anzugeben. Räume, die nach dem 1. Oktober 1914 nur zu Wohnzwecken benutzt wurden, dürfen nicht mehr gewerblich vermietet werden.

Die Dadaisten Johannes Baader, George Grosz und Wieland Herzfelde werden wegen Beleidigung der Reichswehr in der Mappe “Gott mit uns” von der Strafkammer des Berliner Landgerichts zu einer Geldstrafe verurteilt.

Nach Berichten der japanischen Verwaltungsbehörden in den Häfen Osaka und Kobe ist der Handel mit dem Deutschen Reich stark angestiegen. In den ersten drei Monaten des Jahres kauften die Japaner deutsche Waren im Wert von rund einer Mio. Mark.

Der US-Senat ratifiziert einen Vertrag mit der Republik Kolumbien, in dem sich die USA zur Zahlung von 25 Mio. US-Dollar (1,6 Mrd. Mark) in fünf Raten verpflichten und Kolumbien gleiche Rechte am Panama-Kanal gewährleisten. Die US-Regierung strebt damit eine Verbesserung des Verhältnisses zu Kolumbien an, das gestört war, seitdem die Vereinigten Staaten Panama 1903 bei der Abspaltung von Großkolumbien unterstützt hatten.

Zwischen Polen, Danzig und dem Deutschen Reich wird das sog. Korridorabkommen abgeschlossen. Es regelt den Durchgangsverkehr zwischen Ostpreußen und dem übrigen Deutschen Reich.

Die Reichsregierung in Berlin bittet die US-Regierung in einer Note um Vermittlung in der Reparationsfrage. Sie erklärt sich bereit, die Entscheidung von Präsident Warren G. Harding bedingungslos zu akzeptieren.

In Moskau erklärt der Volkskommissar für Verteidigung, Leo D. Trotzki, die sowjetische Rote Armee befinde sich in solch gutem Zustand, dass sie jederzeit einen Revanchekrieg gegen Polen beginnen könne.

22.4.1921, Freitag

Die US-amerikanische Regierung lehnt den Vorschlag des Deutschen Reiches ab, in der Reparationsfrage eine Vermittlerrolle zwischen dem Reich und der Entente einzunehmen und plädiert für eine neue Konferenz zur endgültigen Regelung der Zahlungen.

Das Exekutivkomitee des Völkerbundrats in Genf erklärt, dass von einem militärischen Vorgehen der Alliierten im Ruhrgebiet abgesehen werden solle. Diese haben ein solches Vorgehen angedroht für den Fall, dass das Deutsche Reich seinen Reparationszahlungen nicht nachkommt. Der Völkerbundrat hingegen plädiert für eine Lösung des Reparationsproblems durch Schiedsspruch.

23.4.1921, Samstag

Die Tschechoslowakei und Rumänien schließen ein Defensivabkommen mit dem Ziel, die sog. Kleine Entente auszubauen. Zu diesem Bündnis gehört außerdem Jugoslawien.

Der US-amerikanische Läufer Charles Paddock stellt mit 10,4 sec über 100 m einen Weltrekord auf.

24.4.1921, Sonntag

Bei einer Volksabstimmung in Tirol entscheiden sich 98,8% der Wahlbeteiligten für den Anschluss an das Deutsche Reich.

Bei einem Trachtenfest in Bozen kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Faschisten und Tiroler Bauern.

Bei den Kommunalwahlen in Belgien dürfen die Frauen zum ersten Mal zu den Wahlurnen gehen.

25.4.1921, Montag

Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) gibt unter Gegenzeichnung von Justizminister Rudolf Heinze (DVP) Anweisung, dass die Sondergerichte zur Verurteilung der kommunistischen Aufständischen in den sog. “Märzunruhen” auch einen Strafaufschub gewähren dürfen. Die Maßnahme wird angesichts der großen Anzahl jugendlicher Angeklagter vorgenommen.

In Moskau erklärt die sowjetische Regierung, dass alle Ausländer mit Ausnahme von Diplomaten zum Arbeitsdienst herangezogen werden dürfen.

26.4.1921, Dienstag

In Übereinstimmung mit den Beschlüssen Großbritanniens, Frankreichs (19.3.) und Belgiens (22.3.) beschließt das rumänische Parlament in Bukarest, die Einfuhr deutscher Güter mit einem 50%igen Zoll zu belegen.

Der ägyptische Widerstandskämpfer Sad Saghlul bezeichnet die Regierung seines Landes als eine Gruppe von “Marionetten der Briten” und prophezeit deren baldigen Umsturz. Ägypten ist seit 1914 britisches Protektorat.

Vor dem Berliner Landgericht wird ein Gastwirt zu 20 000 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er Lebensmittel ohne Marken an alliierte Soldaten verkauft und die Sperrstunde häufig überschritten hat.

27.4.1921, Mittwoch

Die Reparationskommission in Paris modifiziert ihre Zahlungsforderung an das Deutsche Reich. Der neue Entwurf legt die Höhe der Reparationsschuld verbindlich auf insgesamt 132 Mrd. Goldmark fest. Zugleich wird für Anfang Mai eine Konferenz anberaumt, in der ein offizielles Protokoll mit der genauen Regelung des Zahlungsmodus verfasst werden soll.

Der Industrielle Hugo Stinnes wird wegen der Einrichtung einer Konkurrenzlinie von Danzig (Gdansk) nach Südamerika nicht mehr in den Aufsichtsrat der Hamburg-Amerika-Linie gewählt. Die Versammlung wählt den Unternehmer Karl Haniel als neues Mitglied. Der Einfluss von Stinnes auf die deutsche Schifffahrt nimmt hierdurch zusehends ab.

28.4.1921, Donnerstag

Der christlich-soziale Politiker Karl Vaugoin wird Heeresminister in Österreich. Während seiner Amtszeit in 15 Kabinetten (1921 und 1922- 33) schafft er seiner Partei im bisher eher sozialdemokratisch gesinnten Bundesheer eine feste politische Position.

Bei der Schachweltmeisterschaft in der kubanischen Hauptstadt Havanna schlägt der Kubaner José Raúl Capablanca y Graupera den deutschen Titelverteidiger Emanuel Lasker, der seit 1894 ununterbrochen Weltmeister war.

29.4.1921, Freitag

Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) dankt dem US-amerikanischen Wirtschaftsminister Herbert C. Hoover, der Vorsitzender des US-amerikanischen Hilfsfonds für europäische Kinder ist, für die bisherigen Spenden.

Der britische Schatzkanzler Robert S. Horne teilt mit, dass Großbritannien durch den seit Monatsbeginn andauernden Bergarbeiterstreik bisher 3,5 Mio. Pfund Sterling (847 Mio. Mark) verloren habe.

30.4.1921, Samstag

Die britische Tageszeitung “Daily Mail” des Verlegers Alfred Northcliffe feiert ihr 25-Jähriges Bestehen.