Was geschah im April 1929

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Wetterstationen April 1929

1.4.1929, Montag

Die Türkei tritt dem Litwinow-Protokoll vom 9. Februar bei und akzeptiert damit vor dessen Inkrafttreten den Briand-Kellogg-Pakt zur Ächtung des Krieges.

Der Freistaat Waldeck gibt seine Selbständigkeit auf und schließt sich dem Land Preußen an.

2.4.1929, Dienstag

Der seit dem 7. Juli 1928 vermisste dänische Reichstagsabgeordnete Nis Nissen wird in Hamburg aufgefunden. Der schwerkranke Parlamentarier, der zum größten Teil sein Gedächtnis verloren hat, wird in seine Heimat zurückgebracht.

Papst Pius XI. ordnet an, dass in der Kirche der heiligen Theresa in Lisieux täglich ein Gebet für Russland gesprochen werden soll, “damit das moralische Elend in Osteuropa und in Nordasien gemildert werde”.

Der Tauentzien-Kinopalast in Berlin wird wegen Unrentabilität geschlossen.

Die Länder Preußen, Bayern, Hessen, Baden und Oldenburg übergeben dem Reichstag in Berlin eine Denkschrift über die Situation in den westlichen Grenzgebieten. Sie drängen auf eine Räumung der noch von alliierten Truppen besetzten Rheinlandzonen.

3.4.1929, Mittwoch

Der österreichische Bundeskanzler Ignaz Seipel (Christlichsoziale Partei) tritt nach koalitionsinternen Auseinandersetzungen überraschend mit seinem Kabinett zurück.

Persien (Iran) tritt dem Litwinow-Protokoll bei und verpflichtet sich damit, den Bestimmungen des Briand-Kellogg-Kriegsächtungspaktes bereits vor dessen Inkrafttreten Folge zu leisten.

Die Schwärmer” heißt ein Drama von dem Österreicher Robert Musil, das in Berlin uraufgeführt wird.

4.4.1929, Donnerstag

Die “Berliner Illustrirte” beginnt mit dem Vorabdruck des Romans “Menschen im Hotel” der österreichischen Unterhaltungsschriftstellerin Vicki Baum.

Deutscher Box-Schwergewichtsmeister wird im Berliner Sportpalast Ludwig Haymann durch einen Sieg nach Punkten über Rudi Wagner.

Der Automobilpionier Carl Benz stirbt im Alter von 84 Jahren in Ladenburg bei Heidelberg.

Der italienische Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini hat in Florenz eine Unterredung mit dem britischen Außenminister Joseph Austen Chamberlain. Die beiden Politiker stellen Übereinstimmung zwischen Großbritannien und Italien in wesentlichen Fragen der internationalen Politik fest.

Die Zentralstelle für die Gliederung des Deutschen Reichs, die 1920 ins Leben gerufen worden ist, wird aufgelöst.

Die Regierung von Mecklenburg-Schwerin leitet eine Unterstützungsaktion für die Domänenpächter ein. Betriebs- und Umschuldungskredite sollen den Pächtern bereits bei der Frühjahrsbestellung finanzielle Hilfe bringen.

Der Landtag von Schaumburg-Lippe beschließt die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Preußen über einen Anschluss des Freistaates.

5.4.1929, Freitag

Das Genfer Protokoll zur Ächtung des Giftgaskrieges wird vom Deutschen Reich ratifiziert.

Die Finanzsachverständigen der Regierungsfraktion im Deutschen Reichstag einigen sich über Einsparungen in allen Ressorts und Verbrauchssteuererhöhungen, um das Defizit im Reichshaushalt 1929 auszugleichen.

Litauen tritt dem Litwinow-Protokoll bei.

Der Sportausschuss des Verbandes Deutscher Faustkämpfer suspendiert den Trainer des Profiboxers Max Schmeling, Arthur Bülow, von seinem Amt, nachdem es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Schmeling und Bülow gekommen ist, weil dieser nicht die für Schmeling erforderliche Starterlaubnis in den USA besorgt hat.

6.4.1929, Samstag

Das Drama “Die Trojaner” von Curt Corinth wird in Berlin uraufgeführt.

Der zwölfjährige Geiger Yehudi Menuhin gastiert zum zweiten Mal in Berlin. Er tritt mit dem Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Fritz Busch in der Philharmonie auf und erntet begeisterte Kritiken.

7.4.1929, Sonntag

Der sozialdemokratische Verkehrsstadtrat im Berliner Senat, Ernst Reuter, legt ein Konzept zum Ausbau des U-Bahn-Netzes vor.

Die österreichische Fußball-Nationalmannschaft schlägt die italienische Auswahl in Wien 3:0.

8.4.1929, Montag

Reichskanzler Hermann Müller (SPD) führt mit Vertretern der Regierungsparteien in Berlin Gespräche über den Ausgleich des Reichshaushalts und die Umbildung des Kabinetts.

Bei einem Anschlag auf das indische Parlament in Delhi, mit dem die Attentäter gegen die britische Kolonialpolitik protestieren wollen, entsteht Sachschaden und mehrere Personen werden verletzt.

Heinrich Langkopp, ein ehemaliger ostafrikanischer Farmer, der 1928 mit einer Höllenmaschine ins Berliner Entschädigungsamt eingedrungen war, um seinen finanziellen Forderungen Nachdruck zu verleihen, wird von einem Berliner Gericht wegen Nötigung und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 50 Reichsmark verurteilt.

Zu den Beratungen der Christlich Sozialen Partei Österreichs in Wien über die Beilegung der Regierungskrise wird erstmals der Führer der rechtsgerichteten paramilitärischen Heimwehren, Richard Steidle, hinzugezogen.

9.4.1929, Dienstag

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bekräftigt ihren Beschluss, auch dann gegen den geplanten Bau des Panzerkreuzers A zu stimmen, wenn die Vorlage vom sozialdemokratischen Reichskanzler Hermann Müller und den SPD-Ministern in der Reichsregierung gebilligt wird.

10.4.1929, Mittwoch

Angesichts der schweren Kabinettskrise appelliert die Reichsregierung an die Abstimmungsdisziplin der Fraktionen der Regierungskoalition im Deutschen Reichstag.

Der Maler George Grosz und sein Verleger Wieland Herzfelde werden in Berlin in zweiter Instanz vom Vorwurf der Gotteslästerung freigesprochen, nachdem sie in erster Instanz zu eine Geldstrafe von jeweils 2000 Reichsmark verurteilt worden waren.

Der Dramatiker Bertolt Brecht heiratet in Berlin die Schauspielerin Helene Weigel.

11.4.1929, Donnerstag

In Berlin-Neukölln kommt es zu einem spektakulären Kaufhausbrand, bei dem jedoch keine Menschen zu Schaden kommen.

Das Deutsche Reich lehnt ein Einreisegesuch des sowjetischen Oppositionellen Leo Trotzki, der aus der Sowjetunion ausgewiesen worden ist, ab. Auch ein Kuraufenthalt im Reichsgebiet wird Trotzki verweigert.

Die US-amerikanische Schifffahrtslinie United Line gibt bekannt, dass an Bord ihrer zehn transatlantischen Ozeandampfer künftig außerhalb der US-Hoheitsgewässer Spirituosen an die Passagiere verkauft würden; nur so könne der ausländischen Konkurrenz begegnet werden. In den USA besteht Alkoholverbot.

12.4.1929, Freitag

Der britische Vizekönig von Indien, Edward Wood Lord Irwin of Kirby Underdale, hebt das Recht des indischen Parlamentspräsidenten, Gesetzentwürfe von der Tagesordnung abzusetzen, auf. Am Vortag war eine Novelle zur inneren Sicherheit von der Tagesordnung gestrichen worden. Hintergrund der Kontroverse ist das Attentat vom 8. April.

13.4.1929, Samstag

Nach einer Kabinettsumbildung, mit der die Regierungskrise im Deutschen Reich beendet wird, gehören der Reichsregierung drei Zentrumsminister an: Joseph Wirth, Theodor von Guérard und Adam Stegerwald.

Die Oper “Maschinist Hopkins” von Max Brand hat in Duisburg Premiere.

Auf der Pariser Sachverständigenkonferenz zur endgültigen Regelung der Reparationsfrage legen die Alliierten ihre Vorschläge über die Zahlungen des Deutschen Reichs an die Siegermächte des Weltkriegs vor.

14.4.1929, Sonntag

Mit der Begründung, dass die Mitführung von Hakenkreuzfahnen in ein Gotteshaus nicht statthaft sei, verweigert der Pfarrer der Bochumer Propsteikirche den Nationalsozialisten, die am Rande des Parteitags der NSDAP des Rheinlands und Westfalens an einem Gottesdienst teilnehmen wollen, den Zutritt.

Kazimierz Switalski, bisher Kultusminister, wird als Nachfolger von Kazimierz Bartel polnischer Ministerpräsident. Starker Mann im Hintergrund bleibt Kriegsminister Jósef Klemens Pilsudski.

Die Aufführung eines Stücks von Elenore Kalkowska über den Justizfall Jakubowski an der Berliner Volksbühne endet mit einem Skandal: Die Streichung der Schlussszene durch die Volksbühne führt zu lautstarken Protesten der Verfasserin, der Zuschauer und der Liga für Menschenrechte, der Elenore Kalkowska nahesteht.

Die Frankfurter Frühjahrsmesse, die vorerst letzte, wird eröffnet (bis 17.4.). In den folgenden Jahren finden in Frankfurt nur noch Spezialmessen statt.

In einem Fußball-Länderspiel in Bern unterliegt die Schweiz Ungarn 4:5.

Den ersten Großen Preis von Monaco gewinnt der britische Automobilrennfahrer William C. F. Grover-Williams auf Bugatti.

15.4.1929, Montag

Die Errichtung des Menschheitsfriedens nach dem Bauplan des gesunden Menschenverstandes” lautet der Titel einer Rede, die der britische Schriftsteller H. G. Wells im Berliner Reichstag hält.

Der konservative britische Politiker Winston Churchill hält seine Abschiedsrede als Schatzkanzler vor dem britischen Unterhaus in London.

Eine “Krise der Jugend” beschwört der preußische Kultusminister Carl Heinrich Becker während der Beratung des Etats seines Ministeriums im preußischen Landtag in Berlin. Er spricht sich dagegen aus, zu vielen jungen Menschen eine Hochschulbildung zu ermöglichen.

16.4.1929, Dienstag

Ein Gesetz, das finanzielle Hilfe für die ostpreußische Landwirtschaft vorsieht, wird vom Deutschen Reichstag in Berlin in dritter Lesung verabschiedet. Für das Gesetz stimmt eine breite Mehrheit von SPD bis DNVP.

Die thüringische Landesregierung tritt nach Auseinandersetzungen zwischen der Wirtschaftspartei und den anderen Regierungsparteien über Möglichkeiten zur Deckung des Fehlbetrags im Haushalt 1929 zurück. Sie bleibt jedoch bis zum 7. Mai geschäftsführend im Amt. Danach wird sie in gleicher Zusammensetzung erneut vereidigt, da die Differenzen beigelegt werden können.

Eine am 11. April ausgebrochene Regierungskrise in Mecklenburg-Schwerin über den Etat 1929 kann beigelegt werden.

17.4.1929, Mittwoch

Der Vertreter des Deutschen Reichs bei den Sachverständigenverhandlungen über die Neuregelung der Reparationsfrage in Paris, Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, legt ein Referendum vor, in dem er eine Revision der deutsch-polnischen Grenze und eine Rückgabe der Kolonien als Vorbedingungen für die Reparationsregelung formuliert.

Auf dem Deutschen Industrie- und Handelstag in Berlin führt der Vorsitzende der Organisation, der Industrielle Franz von Mendelssohn, die hohe Arbeitslosigkeit im Deutschen Reich auf den Kapitalmangel zurück, der wiederum aus den hohen Reparationslasten resultiert. Der Wirtschaftsführer zeichnet ein düsteres Bild von der Lage der Weltwirtschaft.

18.4.1929, Donnerstag

Die Pariser Sachverständigenkonferenz zur Reparationsfrage wird in Reaktion auf das Referendum von Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht vom Vortag abgebrochen. Am 19. April einigen sich die Teilnehmer darauf, dass es sich nicht um einen Abbruch, sondern um eine Unterbrechung handeln soll.

Der konservative britische Premierminister Stanley Baldwin, 1. Earl Baldwin of Bewdley, kündigt in einer programmatischen Wahlkampfrede in London einen Steuernachlaß für die Eisenbahnen, eine Erleichterung der Auswanderung in die Dominions und Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft an.

19.4.1929, Freitag

Unter dem Titel “Die Ohnmacht des Geistigen” erscheint ein Artikel von Friedrich Sternthal in der Zeitschrift “Literarische Welt”, die seit ihrem ersten Erscheinen im Oktober 1925 von dem Kritiker Willy Haas herausgegeben wird.

In Berlin wird die Ausstellung “Gas und Wasser” eröffnet, die bis zum 21. Juli einen Überblick über die Nutzung dieser Energieformen gibt.

Nachdem die Regierungsvorlage über die Beamtengehälter im finnischen Reichstag keine Mehrheit gefunden hat, wird das Parlament aufgelöst. Neuwahlen werden für den 1. Juli angesetzt.

20.4.1929, Samstag

Der türkische Außenminister Tewfik Ruschdi Bey trifft in Berlin ein. Die deutsch-türkischen Verhandlungen über einen Freundschaftsvertrag werden während seines Aufenthalts im Deutschen Reich zum Abschluss gebracht.

Italien erhält ein neues Staatswappen mit dem faschistischen Rutenbündel.

In seiner Thronrede zur Eröffnung des am 24. März in einer Scheinabstimmung gewählten neuen italienischen Parlaments betont der italienische König Viktor Emanuel III. in Rom den faschistischen Charakter der Regierung.

21.4.1929, Sonntag

Das 100-Jährige Bestehen des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches wird festlich begangen.

Das justizkritische Stück “Staatsräson. Ein Denkmal für Sacco und Vanzetti”, das die Hinrichtung der beiden italo-amerikanischen Anarchisten Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti 1927 in den USA zum Thema hat, wird in Berlin uraufgeführt. Verfasser des Dramas ist der anarchistische Schriftsteller Erich Mühsam.

22.4.1929, Montag

Die Tarifverhandlungen im Ruhrbergbau enden mit der Vereinbarung, die Löhne der Bergarbeiter um 3,2 bis 5,45% zu erhöhen.

Während eines Orkans über Japan, von dem insbesondere die Nordwestküste betroffen ist, werden acht Menschen getötet und 26 verletzt, etwa 3000 Häuser werden beschädigt.

23.4.1929, Dienstag

Der Theaterintendant Max Reinhardt eröffnet in Wien das Reinhardt-Seminar zur Ausbildung von Schauspielern.

Im Zentrum der Tagung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion in Moskau (seit 16.4.) steht die Diskussion um die Kollektivierung der Landwirtschaft.

Geschäftsführender Fraktionsvorsitzender der Zentrumsfraktion im Deutschen Reichstag wird Ludwig Perlitius, da der bisherige Fraktionsvorsitzende Adam Stegerwald am 13. April als Reichsverkehrsminister in die Reichsregierung eingetreten ist.

Nach einer Rede des 1928 aus der Haft entlassenen Kommunisten Max Hölz kommt es in der Städtischen Festhalle von Karlsruhe zu Tumulten, da sich 300 Nationalsozialisten in die Versammlung eingeschlichen haben.

Die am 19. April unterbrochenen Pariser Verhandlungen über die Neuregelung der Reparationsfrage werden wiederaufgenommen. Die deutschen Vertreter haben in der Zwischenzeit der Reichsregierung in Berlin Bericht erstattet.

24.4.1929, Mittwoch

Ein Konsortium von deutschen Großbanken gewährt dem Deutschen Reich, das sich in akuten Finanznöten befindet, einen Dreimonatskredit in Höhe von 70 Millionen Reichsmark und ermöglicht so die Auszahlung der Beamtengehälter.

25.4.1929, Donnerstag

Ein Abkommen über den deutsch-französischen kleinen Grenzverkehr wird in Paris unterzeichnet. Der beiderseitigen Grenzbevölkerung wird die für ihr Wirtschaftsleben notwendige Bewegungsfreiheit zugesichert.

Der dänische Ministerpräsident Thomas Madsen-Mygdal tritt zurück, nachdem seine bürgerliche Regierung am Vortag bei den Wahlen ihre parlamentarische Mehrheit verloren hat.

Schah Resa Pahlawi von Persien (Iran) spricht am dritten Jahrestag seiner Krönung der Regierung des Nachbarstaates Irak und König Faisal I. von Irak die diplomatische Anerkennung aus.

Der Vatikan gibt seinen Beschluss bekannt, eigene Geldstücke zu prägen, und zwar Münzen zu 20 und zu 5 Lire. Die Eintrittspreise für die Museen und der Preis für Briefmarken des Vatikans werden nach dieser Münze berechnet. Die Angestellten des Vatikans erhalten, um das ständige Wechseln zu ersparen, ihr Gehalt weiterhin in italienischer Währung.

Der Diskontsatz der Reichsbank wird in Reaktion auf Devisenverluste von über einer Milliarde Reichsmark innerhalb weniger Tage von 6,5 auf 7,5% heraufgesetzt; der Lombardsatz wird von 7,5 auf 8,5% angehoben.

Der in Breslau tagende Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie telegrafiert der deutschen Delegation bei der Sachverständigenkonferenz in Paris, dass die schwierige Wirtschaftslage des Deutschen Reiches bei der Reparationsfrage unbedingt zu berücksichtigen sei, und warnt vor zu hohen Lasten für das Deutsche Reich.

Bei einer Explosion in der Bleistiftfabrik Staedtler in Nürnberg kommen sieben Arbeiterinnen ums Leben.

26.4.1929, Freitag

In Kairo unterzeichnen Vertreter des Deutschen Reichs und des Königreichs Saudi-Arabien einen Freundschaftsvertrag. Der saudische König Ibn Saud, Abd Al Asis, hatte Mitte April die jahrelangen Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Stammesherren zu seinen Gunsten entschieden.

27.4.1929, Samstag

Josef Bernstein, verantwortlicher Redakteur des “Tagebuchs”, wird in Berlin vom Vorwurf der Beleidigung freigesprochen. Reichsanwalt Wilhelm Jorns, der sich durch einen Artikel im “Tagebuch” beleidigt sah – ihm wurde darin vorgeworfen, er habe die Voruntersuchung gegen die Mörder von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht verschleppt – hatte Strafantrag gegen Bornstein gestellt.

In Dresden wird das Drama “Jürg Jenatsch” von Heinrich Keminski nach der gleichnamigen Erzählung von Conrad Ferdinand Meyer uraufgeführt.

Durch einen 2:0-Sieg über den FC Portsmouth gewinnt die Mannschaft von Bolton Wanderers im Londoner Wembley Stadion zum dritten Mal den britischen Fußballcup.

Die linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) erläutert auf einer Tagung in Leipzig ihre Vorstellungen zur Reichsreform. Sie strebt einen zentralisierten Einheitsstaat an.

28.4.1929, Sonntag

Der Berliner Polizeipräsident Karl Friedrich Zörgiebel (SPD) bekräftigt das Demonstrationsverbot für den 1. Mai. Die Situation in Berlin eskaliert.

In Oppeln (Oberschlesien) kommt es zu Ausschreitungen von Nationalsozialisten gegen eine dort gastierende polnische Schauspielertruppe.

Die ungarischen Geldfälscher, die 1925 in großem Stil französische Francs gefälscht hatten, werden in Budapest zu zwei Jahren Haft und hohen Geldstrafen verurteilt. Die Verurteilten, die monarchistischen Kreisen nahestehen, wollen das Geld für politische Propaganda verwenden.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft schlägt Italien in Turin 2:2 (1:1). Das Spiel wird im Rundfunk direkt übertragen. Reporter ist Paul Laven.

29.4.1929, Montag

In Brüssel wird die Oper “Der Spieler” des russischen Komponisten Sergei S. Prokofjew nach dem gleichnamigen Kurzroman von Fjodor M. Dostojewski uraufgeführt.

30.4.1929, Dienstag

Die “Rote Fahne”, das Organ der KPD, ruft trotz Verbots. zur unbewaffneten Teilnahme an der Maidemonstration in Berlin auf.

Der Senat der Freien Stadt Danzig beschließt den Beitritt zum Litwinow-Protokoll, mit dem der Angriffskrieg geächtet wird.

Neuer dänischer Ministerpräsident wird der Sozialdemokrat Thorvald Stauning. Die beiden Linksparteien, der Sozialdemokratische Bund und die Demokraten, die bei den Parlamentswahlen am 24. April zusammen 77 von 149 Sitzen errungen haben, bilden eine Koalition.

Die Umkehr”, ein Stück von Arnold Zweig, wird im Frankfurter Schauspielhaus uraufgeführt.