Was geschah im April 1930

  • < 1929
  • 4.1930
  • 1931 >

Wetterstationen April 1930

1.4.1930, Dienstag

In Essen kündigt das Aufkaufkonsortium der Großeisenkonzerne die endgültige Stilllegung der Betriebe des Stahlwerkes Becker AG an. Am 12. April einigen sich die Betriebsleitung und die Belegschaft jedoch darauf, den Betrieb nur teilweise stillzulegen.

Der neugewählte Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum) gibt im Reichstag seine Regierungserklärung ab. Für den Fall, dass das Parlament nicht mit seiner Regierung kooperiert, droht der Kanzler mit Auflösung des Abgeordnetenhauses.

In Bayreuth stirbt die Witwe des Komponisten Richard Wagner, Cosima Wagner im Alter von 92 Jahren. Nach dem Tod des Komponisten 1883 übernahm sie bis 1906 die künstlerische und organisatorische Leitung der Bayreuther Festspiele.

In Kopenhagen bricht der deutsche Forscher Alfred Wegener zu einer Grönlandexpedition auf, die das grönländische Inlandeis und das Klima erkunden soll. Das Inlandeis bedeckt 1,834 Mio. km² Grönlands und ist bis zu 3400 m dick.

Im Berliner Ufa-Palast wird der Film “Der blaue Engel” mit Marlene Dietrich, Emil Jannings und Hans Albers uraufgeführt. Die Regie des Filmes nach dem Roman “Professor Unrat” von Heinrich Mann führt der in den USA lebende Josef von Sternberg.

2.4.1930, Mittwoch

In Addis Abeba stirbt die äthiopische Kaiserin Zäuditu. Die Kaiserin hat seit 1916 zusammen mit dem Regenten Täfäri Mäkwännen das nordafrikanische Land regiert. Der westlichen Einflüssen aufgeschlossene Regent wird am 2. November als Haile Selassie I. zum Kaiser gekrönt.

3.4.1930, Donnerstag

Im Reichstag wird ein Misstrauensantrag von SPD und KPD gegen die neue Reichsregierung unter Heinrich Brüning (Zentrum) mit 252 gegen 187 Stimmen abgelehnt. Eine Überraschung ist die Unterstützung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) für die Regierung.

In Großbritannien wird die “Kohlenbill” der Labour-Regierung unter James Ramsey MacDonald in dritter Lesung mit 277 gegen 234 Stimmen angenommen. Die Regierung hofft, durch die Verkürzung der Arbeitszeit und die Einführung von Förderquoten neue Arbeitsplätze in der britischen Kohleindustrie zu schaffen.

Im thüringischen Landtag wird ein Misstrauensantrag, den die SPD gegen den nationalsozialistischen Innen- und Bildungsminister Wilhelm Frick gestellt hat, mit 25 Stimmen der Rechtsparteien gegen 25 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten abgelehnt. Die SPD wirft Frick den Missbrauch seiner Ämter vor.

Der deutsche Theaterregisseur Erwin Piscator übernimmt zusammen mit seiner Schauspielgruppe, dem sog. Piscatorkollektiv, das Berliner Wallner-Theater. Piscator versucht, u.a. mit Hilfe von mehrgeschossigen Spielflächen sowie Foto- und Filmprojektionen, neue Formen des modernen Theaters zu entwickeln.

4.4.1930, Freitag

Der österreichische Nationalrat nimmt das Gesetz zum Schutz der Arbeits- und Versammlungsfreiheit (Antiterrorgesetz) an. Das Gesetz richtet sich vor allem gegen die bewaffneten Selbstschutzorganisationen der Parteien, die besonders seit 1929 die Öffentlichkeit durch gewalttätige Aktionen beunruhigen.

Der Oberbefehlshaber der chinesischen Nordtruppen, General Yen Hsi-schan erklärt in Peking der Nationalregierung der Republik China unter Chiang Kai-shek den Krieg. Diese Kriegserklärung bildet den Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen dem Norden und dem Süden Chinas. Yen strebt die Errichtung einer selbständigen nordchinesischen Regierung an.

5.4.1930, Samstag

König Albert I. von Belgien unterzeichnet ein Gesetz, das die Flämisierung der Universität Gent einleitet. Das Gesetz kommt der flämischen Minderheit in der belgischen Bevölkerung entgegen, die ihre Sprache und Kultur gegenüber der französisch sprechenden, wallonischen Mehrheit bewahren wollen.

In Gießen findet in Anwesenheit des hessischen Ministerpräsidenten Bernhard Adelung die Einweihung der Heilstätte Seltersburg statt, des ersten Sanatoriums für Kehlkopftuberkulose im Deutschen Reich.

Der Fernsprechverkehr zwischen dem Deutschen Reich und Moskau wird in Berlin eröffnet. Gespräche von Pressevertretern aus Moskau werden jedoch durch die sowjetische Regierung untersagt, da alle Nachrichten aus der Sowjetunion der Zensur unterliegen.

6.4.1930, Sonntag

In der indischen Stadt Dandi beginnt der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung Mohandas Karamchand “Mahatma” Gandhi nach einem 300 km langen Marsch, dem sog. Salzmarsch, mit der Salzgewinnung. Er verstößt damit gegen das von den Briten beanspruchte Salzmonopol.

Bei einer Volksabstimmung in der Schweiz nehmen die Stimmberechtigten eine Revision des schweizerischen Alkoholgesetzes an, das den Verkauf von Kartoffel- und Obstschnaps hinter ein staatliches Alkoholmonopol stellt und hoch besteuert.

7.4.1930, Montag

In Monte Carlo gewinnt der Franzose René Dreyfus in 3:41:02,6 h auf Bugatti den Großen Preis von Monaco. Die zwei deutschen Teilnehmer, Ernst Günther Burggaller (Bugatti) und Hans Stuck (Austro-Daimler) mussten vorzeitig aufgeben.

Das Reichskabinett nimmt die Debatte über das Agrarprogramm von Ernährungsminister Martin Schiele (DNVP) auf, der mit seinem Programm der unter Absatzschwierigkeiten leidenden deutschen Landwirtschaft helfen will.

In Wiesbaden zeigt der Nassauische Kunstverein die Frühjahrsausstellung “Deutsche Kunst unserer Zeit” mit Arbeiten deutscher Künstler u.a. von Max Liebermann und Oscar Schlemmer.

8.4.1930, Dienstag

Parteivorstand und Parteivertretung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) sprechen Alfred Hugenberg als dem Parteivorsitzenden einstimmig das Vertrauen aus. Hugenbergs Stellung wurde am 3. April erschüttert, als der Politiker sich mit seiner regierungsfeindlichen Haltung innerhalb der DNVP-Fraktion im Reichstag nicht durchsetzen konnte.

9.4.1930, Mittwoch

Das lettische Parlament wählt seinen Vizepräsidenten, Albert Kviesis, zum neuen Staatspräsidenten. Kviesis wird Nachfolger von Gustav Zemgals. Er ist Abgeordneter des Lettischen Bauernbundes.

In Berlin wird die 50. Vollversammlung des deutschen Industrie- und Handelstages von ihrem Präsidenten Franz von Mendelssohn eröffnet. Im Mittelpunkt des Kongresses, an dem-auch Wirtschaftsminister Hermann Robert Dietrich (DDP) teilnimmt, stehen die wachsenden Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft angesichts der weltweiten Krise.

10.4.1930, Donnerstag

Im Reichstag beginnt die zweite Lesung der Deckungsvorlagen zur Finanzierung der Arbeitslosenversicherung. Der Plan des Reichskanzlers Heinrich Brüning (Zentrum), die Industrie steuerlich zu entlasten, wird von der SPD heftig angegriffen.

11.4.1930, Freitag

Der frühere österreichische Bundeskanzler Ignaz Seipel legt sein Amt als Parteiführer der Christlich-sozialen Partei (CP) u.a. wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinen Parteigenossen nieder. Seipel, der u.a. mit der Heimwehr, einer rechtsgerichteten Frontkämpfervereinigung, gegen die sozialdemokratische Opposition agitierte, ist mit seinem anti-marxistischen Kurs in seiner Partei auf Widerstand gestoßen.

In London veröffentlicht die Zeitung “Daily Express” als erste Tageszeitung täglich einen Überblick über das Fernsehprogramm.

12.4.1930, Samstag

Der thüringische Innen- und Volksbildungsminister Wilhelm Frick (NSDAP) erlässt eine Verfügung gegen die “Negerkultur”, mit der er gegen “fremdrassige Einflüsse” auf die deutsche Kultur vorgehen will.

Auf der Themse bei London gewinnt der Universitätsachter von Cambridge das traditionelle jährliche Ruderwettrennen gegen Oxford. Für Cambridge ist es der achte Sieg in Folge.

Die Oper “Aus einem Totenhaus” von Leos Janácek wird im Brünner Nationaltheater uraufgeführt. Der am 12. August 1928 verstorbene Janácek hat sich bei der Komposition des Werkes auf eine von ihm entwickelte Theorie der Sprachmelodie gestützt.

In Berlin wird ein deutsch-österreichischer Handelsvertrag unterzeichnet. Der Vertrag sieht u.a. Erleichterungen für den Import österreichischer Industrieerzeugnisse ins Deutsche Reich vor. Reichsaußenminister Julius Curtius (DVP) beurteilt den Vertrag als einen Schritt auf dem Weg zur Vereinigung beider Länder.

13.4.1930, Sonntag

In Den Haag schließt die Internationale Konferenz zur Kodifizierung des Internationalen Rechts des Völkerbundes mit der Unterzeichnung einer Schlussakte, die u.a. einen Staatsangehörigkeitsvertrag beinhaltet.

In New York demonstrieren Frauen gegen das Verbot von Herstellung, Transport und Verkauf alkoholischer Getränke (sog. Prohibition), das in den USA seit 1920 per Bundesgesetz verhängt ist.

Die Berliner Städtischen Elektrizitätswerke (Bewag) erhalten von dem New Yorker Bankhaus Dillon, Read & Co einen Kredit über 15 Mio. US-Dollar (rd. 62,8 Mio. RM). Die Stadt Berlin benötigt im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen ihres Finanzhaushaltes diese Anleihe zur Sicherstellung der öffentlichen Versorgung.

Der italienische Autorennfahrer Tazio Nuvolari gewinnt in Italien das Automobilrennen “1000 Meilen von Brescia” auf Alfa Romeo. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 100,45 km/h verbessert Nuvolari gleichzeitig den Streckenrekord, der bisher bei 90 km/h lag.

14.4.1930, Montag

Der russische Dichter Wladimir W. Majakowski begeht in Moskau Selbstmord. Majakowski war Mitbegründer des russischen Futurismus, der den Bruch mit Traditionen und die Umgestaltung aller Bereiche der Kultur und des öffentlichen Lebens fordert.

Der Reichstag verabschiedet in dritter Lesung mit nur vier Stimmen Mehrheit die neuen Steuergesetze und das Agrarprogramm der Reichsregierung. Erhöht werden u.a. die Umsatz- und die Biersteuer sowie einige Zölle.

In der indischen Stadt Allahabad wird Jawaharlal Nehru, der Präsident des Allindischen Kongresses, verhaftet. Nehru hatte den sog. Salzmarsch Mohandas Karamchand “Mahatma” Gandhis unterstützt.

15.4.1930, Dienstag

Bei der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung sind 2 937 000 Arbeitssuchende gemeldet. Sie werden im Durchschnitt mit 81 RM im Monat unterstützt.

16.4.1930, Mittwoch

Regierungsvertreter von Großbritannien und der Sowjetunion unterzeichnen in London einen Handelsvertrag der u.a. der Sowjetregierung das Recht einräumt, in Großbritannien eine Handelsvertretung einzurichten. Seit der Oktoberrevolution 1917 hatte es zwischen beiden Staaten keine normalen Handelsbeziehungen mehr gegeben.

17.4.1930, Donnerstag

Im Konflikt zwischen dem Reich und Thüringen um nationalsozialistische Angehörige der thüringischen Landespolizei gibt das Reichsinnenministerium nach, als die thüringische Landesregierung versichert, keine Nationalsozialisten mehr in die Landespolizei aufzunehmen. Reichsinnenminister Joseph Wirth (Zentrum) hebt die Sperre über die Polizeikostenzuschüsse für Thüringen auf.

In Dessau legt der Ministerpräsident des Freistaats Anhalt, Heinrich Deist (SPD) dem Landtag den Abschlusbericht über das vergangene Haushaltsjahr vor. Mit einem Überschuss von knapp 1 Mio. RM bildet Anhalt die Ausnahme unter den übrigen meist hochverschuldeten deutschen Ländern.

18.4.1930, Freitag

China und Großbritannien unterzeichnen in Nanking ein Abkommen, das die Rückgabe des Territoriums des britischen Konzessionshafens von Wei-hai-wei (Schantung) an die chinesische Zentralregierung ohne Gegenleistung vorsieht. Der Hafen war von China 1898 an Großbritannien verpachtet worden.

In der indischen Stadt Chittagong kommt es zu schweren Ausschreitungen von Anhängern des Führers der indischen Unabhängigkeitsbewegung Mohandas Karamchand “Mahatma” Gandhi gegen die britische Kolonialmacht. Seit dem Ende von Gandhis Salzmarsch haben die britischen Kolonialbehörden mehr als 150 Inder verhaftet.

In Chicago schließen die beiden rivalisierenden Bandenchefs Al(fonso) Capone (“Narbengesicht”) und “Bugs” Moran ein Abkommen, das die Stadt in zwei Interessensphären teilt und etwaige Kämpfe zwischen den Mitgliedern der beiden Banden vermeiden soll. Die Polizei steht dem verbrecherischen Treiben der Gangstersyndikate weitgehend machtlos gegenüber.

19.4.1930, Samstag

In Berlin wird der Film “Das lockende Ziel” von und mit dem britischen Sänger österreichischer Abstammung Richard Tauber uraufgeführt. Regie führte Max Reichmann, die Musik schrieb Paul Dessau.

Die deutschen Weizen- und Gerstenzölle werden zum Schutz der ostdeutschen Landwirtschaft von 12 RM auf 15 RM je Doppelzentner erhöht. Mit dieser Maßnahme soll der Absatz deutscher Erzeugnisse auf dem inländischen Markt gefördert werden.

20.4.1930, Sonntag

Beim kommunistischen Reichsjugendtag in Leipzig kommt es zu Krawallen. Dabei werden mehrere Demonstranten und Polizisten getötet. Die politische Radikalisierung im Deutschen Reich führt immer häufiger zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen radikalen Organisationen beider Flügel und der Polizei.

Der Essener Gruga-Park, der anlässlich der Großen Ruhrländischen Gartenbau-Ausstellung 1929 angelegt wurde, wird als Eigentum der Stadt Essen der Öffentlichkeit übergeben.

21.4.1930, Montag

In der sowjetischen Stadt Charkow geht ein politischer Prozess gegen ukrainische Intellektuelle zu Ende. Die Hauptangeklagten, denen eine “gegenrevolutionäre Verschwörung” zur Last gelegt wird, werden zu Haftstrafen von zehn Jahren verurteilt. Das Moskauer Regime unter Josef W. Stalin verfolgt politische Gegner und Andersdenkende, die zur Abschreckung in öffentlichen Verfahren meist zu langjährigen Haftstrafen verurteilt werden.

Charles Lindbergh, der 1927 als erster im Alleinflug den Atlantik überflog, stellt einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die Strecke von Los Angeles nach New York auf. Für die rund 4000 km lange Strecke benötigt der US-amerikanische Flieger 14:45 Stunden.

22.4.1930, Dienstag

Mit der Vertragsunterzeichnung durch die Delegation Großbritanniens, Japans, Frankreichs, Italiens und den USA endet die seit drei Monaten andauernde Londoner Flottenkonferenz. Mit einer Begrenzung der Flottenrüstung sollen internationale Spannungen abgebaut werden.

Mit 39 gegen 34 Stimmen beschließt der US-Senat in Washington die Aufhebung der sog. nationalen Ursprungsklausel, die bisher die Anteile der Nationalitäten an der Einwandererzahl festgesetzt hat.

Auf der ersten, noch nicht offiziellen Sitzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wird Pierre Quesnay, der Direktor der Bank von Frankreich, zum Generaldirektor der neugeschaffenen Institution gewählt. Die BIZ ist u.a. für die Abwicklung der Reparationszahlungen des Deutschen Reiches zuständig.

23.4.1930, Mittwoch

Das Provinzialschulkollegium von Berlin und Brandenburg verurteilt in einer Verfügung an die Schulbehörden die Aufhetzung Jugendlicher gegen die demokratische Staatsform der Weimarer Republik. Damit wendet sich das Kollegium vor allem gegen die Agitation kommunistischer und nationalsozialistischer Jugendorganisationen.

Die Behörden der Türkei veranstalten am zehnten Jahrestag des Zusammentritts der türkischen “Großen Nationalversammlung” in Ankara einen “Tag der Kindersouveränität”.

24.4.1930, Donnerstag

Das französische Parlament in Paris nimmt mit 547 zu 29 Stimmen das Gesetz über die Sozialversicherung an, das u.a. eine Alters-, Kranken- und Invalidenversicherung für Arbeitnehmer einführt.

Lion Feuchtwangers Komödie “Wird Hill amnestiert?” wird im Staatlichen Schauspielhaus in Berlin uraufgeführt. Die Regie führt Leopold Jessner.

Die älteste Tochter des italienischen Ministerpräsidenten und Duce, Benito Mussolini, Edda Mussolini, heiratet in Rom Galeazzo Ciano, Graf von Cortellazzo.

25.4.1930, Freitag

Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) unter Alfred Hugenberg fordert von der Regierung Sofortmaßnahmen zur Rettung der Landwirtschaft. Vielen deutschen Landwirten droht die Versteigerung ihrer Betriebe, weil sie ihre Schulden aufgrund der sinkenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten nicht zurückzahlen können.

Die preußische Regierung erlässt neue Bestimmungen zum Tierschutz u.a. über Versuche am lebenden Tier (Vivisektion); danach dürfen diese Versuche nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt werden.

Das erste deutsche Postflugzeug landet in Konstantinopel (Istanbul). Die deutsche Luft Hansa baut durch Verträge mit Ländern, die für das Deutsche Reich von besonderem Interesse sind, ihr Streckennetz ständig aus.

26.4.1930, Samstag

Im Londoner Wembley-Stadion wird der Fußballclub FC Arsenal London durch einen 2:0-Sieg gegen Huddersfield Town erstmals englischer Cup-Sieger.

Um 6.02 Uhr startet das deutsche Luftschiff “Graf Zeppelin” mit 13 Fluggästen an Bord von Friedrichshafen zum ersten Friedensflug eines Zeppelins über London, wo es am Nachmittag um 17.15 Uhr landet.

König Albert I. von Belgien eröffnet die “Internationale Ausstellung für Kolonialwesen und Schifffahrt” in Antwerpen, mit der die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen des Staates Belgien eingeleitet werden.

27.4.1930, Sonntag

Das preußische Landwirtschaftsministerium verbietet das Tragen politischer Schülerabzeichen in den Landwirtschaftsschulen. Anlass ist die zunehmende Beteiligung von Schülern an republikfeindlichen Organisationen, die zu Unruhen in den Schulen führen.

In Oberammergau wird in Gegenwart des bayerischen Ministerpräsidenten Heinrich Held (BVP) und des Münchner Kardinals Michael von Faulhaber das erweiterte Passionstheatergebäude eingeweiht.

28.4.1930, Montag

In Paris werden die Verträge über die Ostreparationen von den Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Rumäniens, der Tschechoslowakei, Jugoslawiens und Ungarns unterzeichnet. Die Verträge regeln die Reparationen, die von den osteuropäischen Bündnispartnern des Deutschen Reiches im Weltkrieg an die Siegermächte zu zahlen sind.

Im US-Staat Kalifornien ist eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten.

29.4.1930, Dienstag

Das erste Interview der Fernsehgeschichte gibt die britische Schauspielerin Peggy O’Neil einem Zeitungsjournalisten in Southampton.

Die niederländische Königin Wilhelmina eröffnet in der Hafenstadt IJmuiden die größte Schleuse der Welt.

Berlins populärste Einbrecher, die Gebrüder Franz und Erich Saß, werden bei einem vermeintlichen Einbruch von der Polizei verhaftet.

30.4.1930, Mittwoch

Aus dem Direktorium der Reichsbank scheiden die sieben ausländischen Mitglieder aus, deren Aufgabe seit 1924 die Absicherung der deutschen Reparationszahlungen war. Die Neuregelung der Reparationen durch den Youngplan sieht keine ausländische Kontrolle der Reichsbank mehr vor.

Chroniknet