Was geschah im April 1939

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1.4.1939, Samstag

Beim Stapellauf des Schlachtschiffs “Tirpitz” (35 000 t) in Wilhelmshaven kritisiert Führer und Reichskanzler Adolf Hitler die Westmächte.

Im nationalspanischen Heeresbericht wird der Bürgerkrieg für beendet erklärt.

Japan annektiert die Spratleyinseln zwischen Taiwan und Indochina.

Das “Großdeutsche” Reich wird durch Inkrafttreten des Zollgesetzes vom 20. März 1939 ein einheitliches Zollgebiet.

Durch das Inkrafttreten der Verordnung zur Erhöhung der Förderleistung und des Leistungslohnes im Bergbau wird die Schichtzeit unter Tage um 45 Minuten auf 8 Stunden erhöht.

Im Saargebiet beginnt eine Untersuchung von Pensionären sowie Empfängern von Invalidenrenten bis zu 65 Jahren auf ihre Verwendungsfähigkeit in der gewerblichen Wirtschaft. Für pensionierte Beamte und Angestellte gilt eine Altersgrenze von 70 Jahren.

Im Deutschen Reich wird die für den 1. April vorgesehene Aufhebung der Baukreditsperre für Wohnbauten auf unbestimmte Zeit verlängert. Grund ist der Mangel an Arbeitskräften und Rohstoffen wegen des Ausbaues der Westbefestigungen und verschiedener Städte.

Die Reichsgaragenordnung vom 17. Februar 1939 tritt in Kraft. Überall dort, wo abgestellte Fahrzeuge den fließenden Verkehr behindern, müssen Garagen oder Einstellplätze gebaut werden.

Im Straßendienst wird für die deutsche Polizei eine grüne Uniform obligatorisch.

Durch Inkrafttreten eines Erlasses vom 14. Januar wird das deutsche Medizinstudium auf zehn Semester verkürzt.

Im “Großdeutschen” Reich gibt es 12 415 121 Rundfunkempfänger, davon im Altreich und im Sudetenland 11 653 644.

In der Hamburger Staatsoper wird das Ballett “Tanz um Liebe und Tod” von Paul Höffer (Handlung von Helga Swedlund) uraufgeführt.

Im Zürcher Schauspielhaus wird die Operette “Der schwarze Hecht” von Paul Burkhard uraufgeführt (Lieder: “Kleines schwarzes Pony” und “Oh, mein Papa”). Das Stück erlebt elf Aufführungen.

In Moskau stirbt im Alter von 51 Jahren der Pädagoge Anton S. Makarenko.

Beim 91. Ruderrennen zwischen den Achtern von Oxford und Cambridge auf der Themse siegt Cambridge.

2.4.1939, Sonntag

Zum Abschluss der fünftägigen dritten Reichstagung des Nationalsozialistischen Lehrerbundes für Geschichte in Eger erklärt NS-Reichsleiter Alfred Rosenberg, die Zeit der Kirchen und Dynastien sei vorbei, man stehe am Beginn einer Epoche der Völker und Rassen.

Aus den Wahlen zur belgischen Kammer und zum Senat gehen Katholiken (Kammer 73 Mandate/vorher 63, Senat 38 Mandate/vorher 34) und Liberale (33 und 16/vorher 23 und 11 Mandate) als Gewinner hervor. Zu den Verlierern gehören Sozialdemokraten und Rexisten.

In Zürich besiegt die Fußball-Nationalmannschaft der Schweiz Ungarn 3:1 (1:0).

Beim Automobilrennen um den Großen Preis von Pau siegt der deutsche Fahrer Hermann Lang (Mercedes-Benz).

3.4.1939, Montag

In einer Weisung an die Wehrmacht ordnet Führer und Reichskanzler Adolf Hitler die Vorbereitung des Angriffs auf Polen an (“Fall Weiß”). Er soll “ab 1. 9. 1939 jederzeit möglich sein”.

Durch Erlass von Reichsinnenminister Wilhelm Frick werden die Kommunen aufgefordert, Juden von allen öffentlichen Einrichtungen auszuschließen.

Der Schweizer Bundesrat erlässt eine Verordnung über die Hilfsdienstpflichtigen. In allen Bereichen des Hilfsdienstes können Frauen eingesetzt werden.

US-Präsident Franklin Delano Roosevelt unterzeichnet den Administrative Reorganization Act, durch den die Durchführung zahlreicher seiner Verwaltungsreformen gesichert wird.

4.4.1939, Dienstag

König Ghasi I. von Irak stirbt bei einem Autounfall. Nachfolger wird sein 1935 geborener Sohn Faisal II.

Aus den Neuwahlen zum dänischen Parlament gehen die Sozialdemokraten von Staatsminister Thorvald Stauning trotz des Verlustes von vier Mandaten mit 64 Sitzen als stärkste Partei hervor.

5.4.1939, Mittwoch

Konstantin Freiherr von Neurath übernimmt in Prag die Geschäfte des Reichsprotektors von Böhmen und Mähren.

Der Exilvorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade) lehnt in Paris ein kommunistisches Angebot über einen gemeinsamen Kampf gegen die Kriegsgefahr ab.

Die französische Nationalversammlung wählt in Versailles Albert Lebrun erneut zum Präsidenten.

Das Schweizer Volkswirtschaftsdepartement ruft dazu auf, Haushaltsvorräte für zwei Monate anzulegen.

In der Schweiz wird durch einen Bundesbeschluss die kulturelle Stiftung ” Pro Helvetia” geschaffen.

6.4.1939, Donnerstag

Vor dem Unterhaus gibt der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain bekannt, das sich seine Regierung mit dem in London weilenden polnischen Außenminister Józef Beck über den Abschluss eines Beistandspaktes geeinigt habe.

Das Reichspropagandaministerium erklärt der Presse: “Die Tür gegenüber Polen darf nicht zugeschlagen werden, damit noch ein Spalt für eventuelle weitere Verhandlungen offen bleibt.”

Die Schweizer Bundesversammlung erlässt einen Bundesbeschluss über die Förderung des Ackerbaus. Die Ackerfläche soll 1939 um 25 000 ha vergrößert werden, die Pflichtanbaufläche der ersten Etappe 1939/40 umfasst 208 102 ha.

Eine Änderung der Straßenverkehrszulassungsordnung regelt die Autokennzeichen im Deutschen Reich neu.

In der Sowjetunion hat der Film “Lenin im Jahr 1918” (Lenin w 1918 godu) Premiere. Die Regie führt Michail J. Romm.

8.4.1939, Samstag

Einige evangelische Landeskirchen billigen Grundsätze der nationalkirchlichen Einigung Deutsche Christen.

9.4.1939, Sonntag

In Flims im Schweizer Kanton Graubünden fordert ein Bergsturz 20 Tote. Die in einer Breite von 800 m herabstürzenden Felsbrocken hatten ein Kinderheim mit 28 Insassen verschüttet.

In Berlin wird der VK Engelmann Wien mit 1:0 (0:0, 0:0, 1:0) über den Berliner SC deutscher Eishockeymeister.

Der Belgier Emile Masson gewinnt das zum 40. Mal ausgetragene Radrennen Paris- Roubaix mit 1:30 min Vorsprung vor seinem Landsmann Marcel Kint.

10.4.1939, Montag

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) verzeichnet für das Deutsche Reich 162 734 Insassen von Konzentrationslagern, 27 396 politische Angeklagte und 112 432 politische Häftlinge.

Italien spricht eine Garantie für die staatliche Integrität Griechenlands aus.

11.4.1939, Dienstag

Das Oberkommando der deutschen Wehrmacht erlässt eine Weisung für den Angriff auf Polen (“Fall Weiß”). Darin ist u.a. ein Handstreich auf die Freie Stadt Danzig vorgesehen.

Die deutsche Reichspost beginnt mit dem Verkauf von Glückwunsch-Bildtelegrammen, die an Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zu dessen 50. Geburtstag am 20. April geschickt werden sollen. Die Gebühr beträgt 1,50 Reichsmark.

Das Weimarer Nationaltheater führt bei den Osterfestspielen (6.- 11. 4.) erstmals Otto C. A. zur Neddens Schauspiel in fünf Akten “Der Jude von Malta” nach Christopher Marlowe auf.

12.4.1939, Mittwoch

Eine Nationalversammlung in Tirana bietet Italiens König Viktor Emanuel III. die albanische Krone an.

Die Berliner Zeitschrift “Adresse und Anzeige” teilt mit, dass Juden nicht mehr in Adreßbücher aufgenommen werden.

Mit dem Motorschiff “Schwabenland” trifft die am 17. Dezember 1938 ausgelaufene deutsche Antarktisexpedition wieder in Hamburg ein.

13.4.1939, Donnerstag

Durch Reichsgesetz erhalten die Memeldeutschen zwei Sitze im “Großdeutschen Reichstag”. Im Reichsprotektorat Böhmen und Mähren vertritt ein Abgeordneter jeweils 60 000 Deutsche.

Großbritannien und Frankreich sichern Griechenland, Rumänien und Polen Hilfe im Verteidigungsfall zu.

Im Guild Theatre in New York hat das Schauspiel “Mein Herz ist im Hochland” (My Heart’s in the Highland) des US-Amerikaners William Saroyan Premiere.

14.4.1939, Freitag

Der italienische Ministerrat billigt die Personalunion zwischen Italien und Albanien, wo Italien durch einen Generalstatthalter vertreten wird.

In einer Rede vor der Panamerikanischen Union in Washington versichert US-Präsident Franklin Delano Roosevelt die panamerikanischen Staaten der Hilfe der Vereinigten Staaten zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Freiheit.

US-Präsident Franklin Delano Roosevelt fordert Führer und Reichskanzler Adolf Hitler auf, für 31 Staaten Angriffsverzichtserklärungen abzugeben. Ein ähnliches Schreiben erhält Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini.

Das Reichspropagandaministerium erlässt eine Weisung über die Behandlung des Roosevelt-Briefes vom Vortag: “Roosevelt ist ein zweiter Wilson. Erst Hetzer dann Friedensapostel … Dummes Ablenkungsmanöver, um seine und der Demokratien Einwirkung zu verwischen.”

Großbritannien ersucht die UdSSR um die Abgabe einer öffentlichen Erklärung, dass die Sowjetunion im Falle eines Angriffs auf einen ihrer europäischen Nachbarn Hilfe leiste, wenn dies gewünscht werde.

Das Gewerbeaufsichtsamt Wuppertal meldet dem Reichsarbeitsministerium Fälle von kollektiven Lohnforderungen, auf die Betriebsführer mit Entlassungsdrohungen reagiert hätten.

16.4.1939, Sonntag

Am Ende seiner mehrwöchigen Italien- und Libyenreise trifft Generalfeldmarschall Hermann Göring in Rom Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini.

Reichsjugendführer Baldur von Schirach weiht von Fulda aus 64 neue Häuser für die Jugend ein.

Die Verordnung über militärische Sondergerichte in Böhmen und Mähren vom 15. März wird außer Kraft gesetzt.

König Viktor Emanuel III. von Italien nimmt die albanische Krone an.

Auf Wunsch des Innenministeriums sagt der französische Fußballverband die für den 23. April vereinbarten Länderspiele gegen Mannschaften des Altreichs und der Ostmark ab.

17.4.1939, Montag

Aufgrund des am selben Tag erlassenen Gesetzes über einmalige Sonderfeiertage erklärt Reichsinnenminister Wilhelm Frick den 20. April (Führergeburtstag) zum nationalen Feiertag.

Gegenüber dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ernst Freiherr von Weizsäcker, weist der Sowjetbotschafter in Berlin, Alexei N. Merekalow, auf Chancen für verbesserte Beziehungen hin.

Als Antwort auf die britische Anfrage vom 15. April schlägt die UdSSR Großbritannien und Frankreich einen dreiseitigen Vertrag über Hilfe im Fall eines Angriffs durch das Deutsche Reich sowie einen Militärpakt vor.

Durch k. o. in der 1. Runde über Jack Ropper in Los Angeles bleibt Joe Louis (USA) Boxweltmeister im Schwergewicht.

18.4.1939, Dienstag

Hubert Graf Pierlot bildet ein belgisches Kabinett mit den aus den Parlamentswahlen vom 2. April gestärkt hervorgegangenen Liberalen und Katholiken.

19.4.1939, Mittwoch

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erklärt dem rumänischen Außenminister Grigore Gafencu in Berlin in bezug auf die britische Garantie für Polen: “Nun gut, wenn England den Krieg will, so soll es ihn haben … Und es wird ein Zerstörungskrieg werden, wie keine Phantasie ihn sich ausmalen kann.”

Der Luftraum über Berlin wird ab 19 Uhr bis zum 20. April 20 Uhr gesperrt.

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erklärt das erste Teilstück der Ost-West-Achse in Berlin für vollendet.

Im Deutschen Reich findet die Verpflichtung der Geburtsjahrgänge 1928/29 für die Hitlerjugend (HJ) statt.

In Le Havre gerät der französische Passagierdampfer “Paris” in Brand und sinkt nach Ende der Löscharbeiten.

In Wien wird der Film “Prinzessin Sissy” von Fritz Thiery uraufgeführt.

Durch eine Amnestie werden im Konzentrationslager Buchenwald rund 2300 Häftlinge entlassen.

Im Deutschen Reich tritt die am Vortag erlassene Verordnung über die Erschwerung einer Kündigung von Miet- und Pachtverhältnissen in Kraft.

Durch eine Verordnung können Hausbesitzer im Deutschen Reich verpflichtet werden, Wohnungen an kinderreiche Familien zu vermieten.

21.4.1939, Freitag

Reichsinnenminister Wilhelm Frick erlässt eine Verordnung über die Errichtung einer Volkskartei.

Ein Rund-Erlass von Reichswirtschaftsminister Walther Funk legt fest, dass jüdische Auswanderer nur solche Sachen als Umzugsgut mitnehmen dürfen, die vor dem 1. Januar 1933 erworben wurden. Für später gekaufte Sachen ist in der Regel ein Betrag in Höhe des Anschaffungspreises an die Reichskasse zu zahlen.

Der französische Ministerrat verabschiedet 28 Erlasse zur Förderung der Landesverteidigung mit einem Finanzvolumen von 15 bis 17 Milliarden Franc (1,05 bis 1,19 Milliarden Reichsmark).

Transportminister Leslie Burgin wird zum ersten britischen Minister für Kriegsmateriallieferungen ernannt.

Für den am 7. April verstorbenen Joseph Aloys Lyons wird Robert Gordon Menzies Premierminister von Australien.

Der Schweizer Bundesrat beantwortet die deutsche Anfrage, ob die Schweiz sich bedroht fühle, mit dem Hinweis auf die von der eigenen Wehrkraft verteidigte Neutralität. Nach der Botschaft des US-Präsidenten (14. 4.) hatte die Reichsregierung derartige Anfragen an die genannten Länder gerichtet.

22.4.1939, Samstag

Wegen des Arbeitermangels im Reichsgebiet dürfen auf Erlass des Reichsministeriums des Innern polnische Arbeiter auch ohne Papiere einreisen. Für ihre Abfertigung sorgen Grenzarbeitsämter.

In Teheran beginnen dreitägige Feiern anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Mohammed Resa Pahlawi und Prinzessin Fawzia von Ägypten.

In Stuttgart wird die dritte Reichsgartenschau eröffnet.

Trotz eines 1:2 gegen Charlton Athletic wird der FC Everton vorzeitig zum fünften Mal englischer Fußhallmeister.

Zwischen London und Warschau wird eine direkte Flugverbindung errichtet.

24.4.1939, Montag

Einen Tag nach Rückkehr des britischen Botschafters Neville Meyrick Henderson trifft der am 20. März zurückberufene französische Botschafter Robert Coulondre wieder in Berlin ein.

Die spanische Regierung erstattet dem ehemaligem König Alfons XIII. das ihm von der Republik entzogene Vermögen.

Boliviens Staatspräsident Oberst Germán Busch Becerra setzt die Verfassung des Landes außer Kraft.

25.4.1939, Dienstag

Die Reichssender Köln und Hamburg beginnen nach der Erweiterung ihres englischsprachigen Programms mit Nachrichten in Arabisch und Afrikaans.

Die Leitung der Deutschen Oper Berlin ruft die Mitarbeiter auf, zur Ablegung des Gelöbnisses auf den Führer am 1. Mai im Zuschauerraum zu erscheinen. Dies sei “Dienst und Pflicht eines jeden”.

Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten verbietet alle Frankreichreisen deutscher Sportler.

26.4.1939, Mittwoch

Der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain kündigt die Einführung einer beschränkten Dienstpflicht für 20 und 21-Jährige Männer (Military Training Bill) und ein vereinfachtes Verfahren zur Mobilmachung (Reserve and Auxiliary Forces Bill) an.

Der Exilvorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade) in Paris berät über einen Aufruf im Falle eines Kriegsausbruchs. Fritz Tarnow lehnt einen Appell an die deutschen Soldaten zur Sabotage ab.

Auf einer Messerschmitt Me 109 R stellt Fritz Wendel mit 755,11 km/h einen Geschwindigkeitsweltrekord auf.

In Bochum nimmt die erste Westfälische Schauspielschule ihre Arbeit auf.