Was geschah im April 1966

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1.4.1966, Freitag

In mehreren Städten Nordvietnams demonstrieren Zehntausende von Buddhisten gegen das Militärregime in Saigon. Die Protestaktionen stehen am Beginn eines zweimonatigen blutigen Bürgerkriegs.

In der Hamburger Universität werden die Preisträger des erstmalig ausgetragenen Wettbewerbs “Jugend forscht” ausgezeichnet.

In einer in Freising veröffentlichten Erklärung warnt die Deutsche Bischofskonferenz vor dem “Missverständnis”, zu glauben, die Mischehe sei “ein Weg zur beschleunigten Annäherung der Kirchen”.

Der Naturwissenschaftler und Philosoph Robert Havemann wird wegen seiner Kritik an der SED-Führung aus der Ostberliner Akademie der Wissenschaften ausgeschlossen.

2.4.1966, Samstag

In Frankreich protestieren zahlreiche Intellektuelle gegen das Verbot des Films “Suzanne Simonin, die Nonne Diderots”, der wegen seiner vermeintlich kirchenfeindlichen Aussage vom Informationsministerium abgesetzt wurde.

Die US-amerikanische Zeitschrift “Fortune” veröffentlicht eine Aufstellung über die Einnahmen von Bestseller-Autoren in den USA. An der Spitze steht Truman Capote, der allein für sein Buch “Kaltblütig” mindestens 2 Mio. US-Dollar (8 Mio. DM) erhalte. James Michener wurde von seinem Verleger mit 700 000 US-Dollar (2,8 Mio. DM) für den Roman “Die Quelle” entlohnt.

3.4.1966, Sonntag

Auf dem Parteitag der KPdSU in Moskau wird bekanntgegeben, dass der Fischreichtum des Asowschen Meeres, des Baikalsees, der Wolga und des Don durch Fabrikabwässer gefährdet sei. Allein an bestimmten Kontrollpunkten in der Wolga seien 842 000 verendete Störe und 735 000 andere tote Fische gezählt worden.

4.4.1966, Montag

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Bistum Berlin warnt angesichts der jüngsten Wahlerfolge der NPD vor dem Anwachsen des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik.

Zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin wird eine “Vieh-Luftbrücke” eingerichtet, auf der per Flugzeug Schweine und Kühe nach Tegel transportiert werden. Insgesamt 350 Milchkühe und 3800 Schweine sollen auf diesem Weg nach West-Berlin gelangen. Die DDR hat den Transit lebender Tiere aus Furcht vor Einschleppung der Maul- und Klauenseuche streng verboten.

Mit der Placierung der Mondsonde “Luna 10” in der Umlaufbahn des Erdtrabanten gelingt der sowjetischen Raumfahrt nach der weichen Landung von “Luna 9” auf der Mondoberfläche ein weiterer Erfolg. Die Umlaufzeit beträgt drei Stunden. Die Sonde sendet regelmäßig Informationen über die Beschaffenheit der Mondoberfläche zur Erde.

Teile des US-Bundesstaats Florida werden durch einen orkanartigen Sturm verwüstet. In Tampa, der zweitgrößten Stadt des Staates, werden sieben Tote aus Häusertrümmern geborgen; mindestens hundert Personen sind zum Teil schwer verletzt.

5.4.1966, Dienstag

Im Hinblick auf den zwischen SED und SPD geplanten Redneraustausch warnt der CDU-Abgeordnete Werner Marx vor einer “Euphorie gesamtdeutscher Gespräche”. Bei solchen Unterredungen müssten auf jeden Fall die Themen “Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl” von westdeutscher Seite aufgebracht werden.

Laut Mitteilung der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg ist die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik einschließlich West-Berlins im März um 94 388 auf 141 428 zurückgegangen.

Mit 99 Teilnehmern reist die bisher größte Jugendgruppe aus Berlin (West) für 14 Tage nach Israel. Auf dieser vom Ring politischer Jugend veranstalteten Reise sollen vor allem die Kontakte zur israelischen Jugend ausgebaut werden.

6.4.1966, Mittwoch

Am baden-württembergischen Staatstheater endet die Stuttgarter Ballettwoche, die unter Leitung des britischen Choreographen John Cranko erstmals ausschließlich vom Ensemble des Hauses bestritten wurde.

Mit 143 gegen 112 Stimmen spricht sich das kanadische Unterhaus für eine Beibehaltung der Todesstrafe bei Mord aus.

Das CSU-Organ “Bayern-Kurier” richtet scharfe Kritik gegen die Vorschläge von Vizekanzler Erich Mende (FDP) zur Liberalisierung der Deutschlandpolitik und fordert Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) auf, personalpolitische Konsequenzen zu ziehen. Mende, der zugleich Minister für gesamtdeutsche Fragen ist, hatte auf einer Pressekonferenz geäußert, er halte es für möglich, dass die Bundesrepublik Deutschland eines Tages im Auftrag der vier Siegermächte mit der DDR Verhandlungen aufnehmen werde.

In einer Fünf-Punkte-Erklärung besteht die Bundesregierung darauf, dass Frankreich auch nach dem Ausscheiden aus dem Nordatlantischen Verteidigungsbündnis (NATO) seine Truppen nicht aus der Bundesrepublik abziehe, da diese “Bestandteil der gemeinsamen Verteidigung” sein müssten.

US-Außenminister Robert McNamara kündigt vor Pressevertretern in Washington den Abzug von 15 000 Soldaten der 7. US-Armee aus Europa an. Die Soldaten sollen im Vietnamkrieg eingesetzt werden.

7.4.1966, Donnerstag

Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden gibt bekannt, dass 40% der in der Bundesrepublik verübten Ladendiebstähle von Kindern begangen würden. Außerdem hätten 1965 mehr als 50 000 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 14 Jahren Delikte begangen, die von kleineren Entwendungen bis zum Mord reichten.

8.4.1966, Freitag

In Moskau endet der 23. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), auf dem die Reformen des früheren ersten ZK-Sekretärs und Ministerpräsidenten Nikita S. Chruschtschow widerrufen und damit eine teilweise Rehabilitierung der Stalin-Ära besiegelt wird.

9.4.1966, Samstag

Die britische Regierung wird vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) ermächtigt, notfalls mit Waffengewalt gegen Tanker vorzugehen, die trotz des Handelsembargos, das über Rhodesien (heute Simbabwe) verhängt wurde, weiterhin in Moçambique Öl für das Regime in Salisbury löschen.

Im Gedenken an die biblische Fußwaschung am Vorabend der Kreuzigung reinigt Papst Paul VI. acht Jungen in Rom die Füße. Zwei der Kinder sind blind, zwei körperbehindert, zwei Waisen und zwei Söhne von Strafgefangenen.

Die italienische Schauspielerin Sophia Loren und der Filmproduzent Carlo Ponti feiern in Paris ihre zweite Hochzeit.

10.4.1966, Sonntag

In der Bundesrepublik demonstrieren 145 000 Menschen auf insgesamt 19 Ostermärschen und Kundgebungen für Frieden und Abrüstung. Die “Kampagne für Abrüstung” hatte zu der Aktion aufgerufen, die nun auch erstmals von den Gewerkschaften sowie von Jugend- und Studentenorganisationen unterstützt wird. Die Ostermarschbewegung wurde in den 50er Jahren in Großbritannien ins Leben gerufen. In der Bundesrepublik fand 1960 der erste Ostermarsch statt.

In der senegalesischen Hauptstadt Dakar beginnen die ersten “Weltfestspiele der schwarzen Kunst”, die von Senegals Staatspräsident Léopold Sédar Senghor initiiert wurden.

11.4.1966, Montag

Zwei 18-Jährigen Thüringern gelingt die Flucht nach Bayern. Die beiden Männer können alle Sperren unverletzt passieren, bevor sie die Saale schwimmend durchqueren.

Im Gebiet von Haftaph im südlichen Iran stoßen Archäologen auf eine 33 500 Jahre alte Stadt.

Der Entdecker des Laserstrahls, der US-Amerikaner Theodore Maiman, teilt in Santa Monica (US-Bundesstaat Kalifornien) mit, es sei ihm gelungen, einen Laserstrahl herzustellen, der eine Lichtintensität von 250 Billionen Watt habe, wenn er auf einen Punkt mit einem Durchmesser von 2,5 cm konzentriert werde. Bei der gleichen Konzentration der Lichtintensität habe die Sonne nur eine Helligkeit von 100 Watt pro Quadratzentimeter.

12.4.1966, Dienstag

Ein 25-Jähriger Ukrainer steckt sich vor einem Moskauer Gefängnis selbst in Brand, weil ihm die sowjetischen Behörden nicht gestattet hatten, als Kriegsfreiwilliger nach Vietnam zu gehen. Der Mann erliegt seinen Verletzungen. Die UdSSR unterstützt Nordvietnam nur durch Entsendung von Kriegsmaterial.

Das Bundesverkehrsministerium in Bonn gibt bekannt, dass bei dem unerwartet starken Reiseverkehr zu Ostern 153 Personen ums Leben gekommen und 5000 verletzt worden seien.

13.4.1966, Mittwoch

Bei einem Überfall von etwa 30 Vietcong auf den Flughafen von Saigon werden sieben US-Amerikaner und ein Südvietnamese getötet. 130 Personen werden verletzt, 33 Flugzeuge zerstört oder schwer beschädigt. Der Flughafen ist einer der wichtigsten Stützpunkte der US-amerikanischen Luftstreitkräfte in Südvietnam.

Der irakische Staatspräsident Abd As Salim Muhammad Arif kommt bei einem Flugzeugunglück ums Leben. Sein Bruder Abd Ar Rahman Arif übernimmt vier Tage später die Nachfolge.

14.4.1966, Donnerstag

Der Primas der Katholischen Kirche Polens, Kardinal Stefan Wyszynski, eröffnet in Gnesen die 1000-Jahr-Feiern der Christianisierung seines Landes. Ausländischen Episkopatsvertretern wurde die Einreise durch die Regierung in Warschau untersagt.

Der Schweizer Pharmakonzern Sandoz, einziger Hersteller der Droge LSD, stellt in den USA die Auslieferung des Narkotikums ein, das nur noch für medizinische Zwecke verwendet werden darf. Die noch vorhandenen Bestände werden der US-Regierung übergeben.

15.4.1966, Freitag

Der nordrhein-westfälische Landtagspräsident Wilhelm Johnen (CDU) tritt von seinem Amt zurück. Er hatte in angetrunkenem Zustand das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Politische Beobachter berichten aus Havanna, dass seit dem 1. Dezember 1965 insgesamt 14 000 Menschen Kuba verlassen haben. Regierungschef Fidel Castro legalisierte an diesem Tag die Auswanderung in die USA, um seinen Inselstaat “von Konterrevolutionären zu befreien”.

Timothy Leary, Harvard-Professor für Psychologie und “LSD-Papst”, wird in New York festgenommen und wegen illegaler Drogenexperimente zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.

16.4.1966, Samstag

Die niederländische Regierung in Den Haag beschließt, den ehemaligen SS-Standartenführer Andreas von Koskull, gegen den in der Bundesrepublik ein Haftbefehl vorliegt, an die deutschen Behörden auszuliefern. Koskull, der am 28. Februar auf den niederländischen Antillen verhaftet wurde, soll in den Jahren 1941 und 1942 an der Erschießung zahlreicher Juden beteiligt gewesen sein.

17.4.1966, Sonntag

Bei der Eröffnung des zweitägigen Parteitags der bayerischen NPD erklärt deren Vorsitzender, Franz Florian Winter, Ziel der Landtagswahlen im Herbst sei es, die FDP aus dem Landtag in München zu verdrängen, damit wieder “eine konstruktive Opposition dort einziehen” könne.

In Washington werden bisher geheimgehaltene Kongressprotokolle einer Sitzung des Fernost-Ausschusses veröffentlicht. Dabei hat US-Außenminister Dean Rusk in einem Zehn-Punkte-Programm die neuen Richtlinien für die Fernostpolitik der USA formuliert. Oberstes Ziel sei es, Taiwan vor militärischen Übergriffen der Volksrepublik China zu schützen.

Zum ersten Mal seit 1955 landet eine Verkehrsmaschine der Lufthansa in Moskau. Die von einem führenden Touristikunternehmen gecharterte Boeing 707 fliegt mit 50 Personen in einem Nonstop-Flug zu ihrem Reiseziel.

Aus Japan wird gemeldet, dass der Bakteriologe Mitsuru Suzuki mindestens 270 Personen absichtlich mit Ruhr- und Typhusbazillen infiziert habe, die er Lebensmitteln beigab. Als Tatmotiv gibt Suzuki an, er habe sich seinen Kollegen gegenüber zurückgesetzt gefühlt.

18.4.1966, Montag

Die Münchner Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass bei ihr derzeit ein Ermittlungsverfahren gegen die rechtsextreme “National- und Soldatenzeitung” laufe. In letzter Zeit war vermehrt ein Verbot des Blatts gefordert worden, da dort u.a. behauptet wurde, die Zahl der unter dem Nationalsozialismus ermordeten Juden sei bei weitem nicht so hoch gewesen wie bisher angenommen.

In Frankfurt a. M. wird die erste jüdische Schule in der Bundesrepublik mit zunächst zwei Klassen eröffnet. Die “Philantropin” genannte Lehranstalt wurde bereits 1864 gegründet, jedoch 1941 von den Nationalsozialisten geschlossen. Von Anfang an nahm sie auch Kinder christlichen Glaubens auf, um eine Brücke zwischen beiden Religionen zu schlagen. An der neugegründeten Schule sind bisher nur zwei christliche Kinder zum Unterricht angemeldet.

Im US-Fernsehen wird die Oscar-Verleihung erstmals in Farbe ausgestrahlt. “Doktor Schiwago” von David Lean und “Meine Lieder – meine Träume” von Robert Wise erhalten jeweils fünf Auszeichnungen. Julie Christie und Lee Marvin werden als beste Schauspieler des Jahres gekürt, Christie für ihre Darstellung in “Darling”, Marvin für “Cat Ballou”.

19.4.1966, Dienstag

Die taiwanesische Zeitung “Chen Huin” meldet, der 72-Jährige chinesische KP-Vorsitzende Mao Zedong sei schwer erkrankt und werde in einem Krankenhaus außerhalb von Peking von vier Ärzten ständig betreut. Die Gerüchte über eine Erkrankung Maos häufen sich in letzter Zeit, da dieser seit Monaten nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen wurde.

In der Tschechoslowakei werden 15 Bergleute bei einer Grubenexplosion auf einer Zeche in Mährisch-Ostrau getötet.

Jacqueline Kennedy, die Witwe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, beantragt beim US-Kongress, die Bürospesen, die ihr jährlich für die Erledigung ihrer Korrespondenz bewilligt werden, von 50 000 (200 000 DM) auf 30 000 US-Dollar (120 000 DM) zu senken. Sie müsse jetzt “nur” noch wöchentlich rund 1000 Briefe beantworten.

20.4.1966, Mittwoch

Im Ersten Deutschen Fernsehen wird eine fiktive Dokumentation über die Wiedervereinigung ausgestrahlt. Ihr Autor, der Journalist Rüdiger Altmann, wird von der CDU, in der er selbst Mitglied ist, für seine Vision heftig kritisiert.

Der Hamburger Innensenator Heinz Ruhnau (SPD) gibt den Bezug von Zeitungen und anderen Publikationen aus der DDR in der Hansestadt frei. Ruhnau begründet seine Initiative damit, dass die “besten Argumente gegen die Kommunisten ihre eigenen Zeitungen” seien. Die Freigabe solle dazu beitragen, “die Sprache derer zu verstehen, mit denen die Deutschen in Rostock und Leipzig leben” müssten.

Im sog. zweiten Südtiroler Sprengstoffprozess werden Haftstrafen bis zu 30 Jahren gegen Mitglieder des “Befreiungsausschusses Südtirol” (BAS) ausgesprochen. Sie hatten seit mehreren Jahren vom österreichischen Nordtirol aus Terroranschläge gegen italienische Einrichtungen in Südtirol verübt.

21.4.1966, Donnerstag

Rund 200 indonesische Studenten besetzen in Jakarta das chinesische Konsulat und hissen statt der chinesischen Flagge die indonesische. Die amtliche Nachrichtenagentur “Antara” meldet, die neue Regierung unter Kemusu Suharto, die eine scharfe Abkehr vom prochinesischen Kurs des früheren Staatspräsidenten Achmed Sukarno vorgenommen hat, habe bereits 44 chinesische Schulen in Westjava schließen lassen.

Bei einem “Deutschland-Gespräch” unter Vorsitz von Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) diskutieren Vertreter der Bundesregierung und der im Bundestag vertretenen Parteien gemeinsame Richtlinien in der Deutschlandpolitik.

US-Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnet eine Resolution des US-amerikanischen Kongresses, mit der ein Lebensmittel-Hilfeprogramm für Indien im Wert von 500 Mio. US-Dollar (2 Mrd. DM) gebilligt wird. Das von einer Hungersnot bedrohte Land erhält im Rahmen dieses Programms u.a. 3,5 Mio. t Weizen.

22.4.1966, Freitag

Der ukrainische Schriftsteller Iwan Swetlitschny wird verhaftet, weil er Werke “antisowjetischen Inhalts” in den Westen geschmuggelt haben soll. Der Termin des Gerichtsverfahrens wird nicht bekanntgegeben.

Der Korrespondent der “New York Times” in Südafrika, Joseph Lelyveld, wird zum Verlassen des Landes binnen einer Woche aufgefordert. Lelyvelds kritische Berichte über die Rassenprobleme in der Kaprepublik hatten mehrfach das Missfallen der Behörden erregt. Zuvor wurden schon zwei Berufskollegen aus denselben Gründen des Landes verwiesen.

Dem US-amerikanischen Gefäßchirurgen Michael de Bakey gelingt in Houston (Bundesstaat Texas) erstmals die Einpflanzung eines künstlichen Herzens. Der Patient überlebt 100 Stunden.

23.4.1966, Samstag

Der SPD-Vorsitzende und Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, warnt in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” vor Illusionen im Zusammenhang mit dem von SED und SPD anvisierten Redneraustausch. Damit würden “die Berge, die der Wiedervereinigung entgegenstehen kaum in Bewegung gesetzt”.

24.4.1966, Sonntag

Der niedersächsische Innenminister Otto Bennemann (SPD) weiht auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen ein neues Dokumentenhaus ein.

25.4.1966, Montag

In München wird eine soziologische Untersuchung veröffentlicht, nach der bei den Aufnahmeprüfungen zu Gymnasien, Real- und Handelsschulen Waisen im Vergleich zu den übrigen Prüflingen am schlechtesten abschneiden. 35% der Kinder ohne Eltern hätten die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium nicht geschafft. Ebenso hoch liege die Quote bei Kindern von geschiedenen Eltern.

In Rom wählt das Internationale Olympische Komitee (IOC) München zum Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1972.

Der kambodschanische Staatspräsident Norodom Sihanouk kündigt einen Vertrag seines Landes mit Nordvietnam und den Vietcong an. Sihanouk erklärt in Phnom Penh, die kommunistische “Nationale Befreiungsfront” Südvietnams sei der “einzige authentische Vertreter” des südvietnamesischen Volkes.

26.4.1966, Dienstag

Der rhodesische Ministerpräsident Ian Smith erklärt in einem Interview mit der Tageszeitung “Die Welt”, er sei zu Verhandlungen über die Lösung der Krise mit Großbritannien bereit. Smith hatte am 16. April die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien abgebrochen.

Bei einem Erdbeben kommen in der usbekischen Landeshauptstadt Taschkent vier Menschen ums Leben, 150 werden schwer verletzt.

27.4.1966, Mittwoch

In Ludwigsburg wird der ehemalige Kommandant, der “SS-Leibstandarte Adolf Hitler”, Joseph Dietrich, beigesetzt. Zu der Trauerfeier haben sich 5000 ehemalige Angehörige der NSDAP und der SS eingefunden.

Der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko wird als erstes Mitglied einer sowjetischen Regierung zu einer Privataudienz im Vatikan empfangen, wo Papst Paul VI. ihn auffordert, im Vietnam-Konflikt zu vermitteln.

Die Eisenbahngesellschaften New York Central und Pennsylvania Railroads schließen sich zur größten Gesellschaft in den USA zusammen. Das Unternehmen verfügt über 4 Mrd. US-Dollar (16 Mrd. DM) Anlagekapital und 19 000 Meilen Gleisanlagen. Es befördert ein Achtel des gesamten Eisenbahn-Frachtaufkommens in den USA. Die Fusion wird im Januar 1968 vom Obersten Bundesgericht verboten.

28.4.1966, Donnerstag

Der demokratische US-Senator William J. Fulbright kritisiert auf einer Tagung der US-amerikanischen Zeitungsverleger scharf die psychologischen Begleiterscheinungen des Vietnamkriegs in den USA. Er beobachte “Anzeichen eines tödlichen Hochmuts jener Überbetonung von Macht und Sendungsbewusstsein, die das alte Athen, das Frankreich Napoleons und das Deutschland Hitlers in Trümmer” gelegt hätten.

29.4.1966, Freitag

Das Auswärtige Amt legt ein Weißbuch über “Die Bemühungen der deutschen Regierung und ihrer Verbündeten um die Einheit Deutschlands 1955- 1966” vor. In der Bestandsaufnahme heißt es: “Die bisherige Politik hat noch nicht zum Erfolg geführt … Aber der Weg … ist der richtige … Die deutsche Einheit in Freiheit zu vollenden, bleibt das oberste Ziel der deutschen Politik.”

30.4.1966, Samstag

Mit einem Tumult endet eine Kundgebung der NPD in Bremen, als der Parteivorsitzende Adolf von Thadden zur “Selbstbesinnung auf die gesunden Blutskräfte des Volkes” auffordert, die deutsche Unterstützung für Vietnam sowie Wiedergutmachungsgelder für Israel ablehnt. Erst das Eingreifen von Polizeibeamten setzt den Handgreiflichkeiten zwischen Saalordnern und vorwiegend jüngeren Besuchern ein Ende.