Was geschah im April 1972

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1.4.1972, Samstag

Eine Regierungsdelegation der DDR unter Leitung des Mitglieds des Politbüros und Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten, Horst Sindermann, hat während ihres Moskaus-Besuchs (27. 3. bis 1. 4.) mit sowjetischen Politikern Gespräche über die Koordinierung der Wirtschaftplanung u.a. geführt.

2.4.1972, Sonntag

Der Premierminister von Malta, Dominic Mintoff, stattet der VR China einen offiziellen Besuch ab (bis 8. 4.). China sichert Malta dabei politische und wirtschaftliche Unterstützung zu.

Der österreichische Skirennfahrer Karl Schranz, der wegen Verstoßes gegen das Amateurstatut von den Olympischen Winterspielen ausgeschlossen wurde, unterschreibt bei der PR-Firma Mark McCormack (USA) einen Fünfjahres-Vertrag.

3.4.1972, Montag

Überraschend empfängt der sowjetische Ministerpräsident Alexei N. Kossygin den scheidenden Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Moskau, Helmuth Allardt, zu einem Abschiedsgespräch. Dabei weist Kossygin auf die Konsequenzen einer Nichtratifizierung der Ostverträge hin. Das “zwischen Bonn und Moskau geschaffene Vertrauenskapital” könne dadurch “empfindlich geschädigt oder zerstört werden”. Allardt scheidet aus Altersgründen aus, sein Nachfolger ist Ulrich Sahm, bisher Ministerialdirektor im Bundeskanzleramt.

4.4.1972, Dienstag

Im Verlauf ihrer am 30. März begonnenen Großoffensive gegen Südvietnam greift die vorrückende nordvietnamesische Armee Gebiete im Nordwesten der Hauptstadt Saigon an.

Der Präsident von Zypern, Erzbischof Makarios III., erklärt seine Bereitschaft zu erneuten Verhandlungen mit Vertretern der rd. 140 000 Türken auf Zypern. Bisherige Verhandlungen waren an Meinungsverschiedenheiten über Art und Ausmaß der von den türkischen Zyprioten geforderten autonomen Befugnisse gescheitert.

5.4.1972, Mittwoch

In einer Rundfunk- und Fernsehansprache bezeichnet der südvietnamesische Präsident Nguyên Van Thiêu die schweren Kämpfe seit Beginn der nordvietnamesischen Offensive gegen Südvietnam als entscheidend für die Existenz seines Landes. Er habe die USA um ein “Höchstmaß an Feuerunterstützung” gebeten.

6.4.1972, Donnerstag

In Reaktion auf die nordvietnamesische Invasion in Südvietnam nehmen die USA den seit 1968 unterbrochenen Luftkrieg gegen Nordvietnam wieder auf.

Der sowjetische Ministerpräsident Alexei N. Kossygin trifft zu einem fünftägigen offiziellen Besuch im Irak ein. Kossygin eröffnet am 7. April das mit sowjetischer Hilfe errichtete Ölfeld in Nord-Rumaila im Süden des Irak und unterzeichnet am 9. April zusammen mit dem irakischen Präsidenten Ahmad Hasan Al Bakr einen sowjetisch-irakischen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit.

Altbundespräsident Heinrich Lübke stirbt im Alter von 77 Jahren in Bonn. Der Sauerländer wird nach einem Pontifikalamt in Köln in seinem Heimatort Enkhausen beigesetzt.

7.4.1972, Freitag

Scheich Abeid Amani Karume, Erster Vizepräsident von Tansania und Präsident des Revolutionsrats von Sansibar, wird auf Sansibar ermordet. Hintergrund des Attentats auf Karume, der das mit Tansania vereinigte Inselreich Sansibar seit 1964 wie ein absoluter Fürst regiert, ist möglicherweise eine Affäre aus dem Jahr 1970. Damals sorgte Karume für Schlagzeilen, als er und andere Mitglieder des Revolutionsrats junge Mädchen aus der indischen und pakistanischen Gemeinde zwangen, mit ihnen ohne Einwilligung der Eltern die Ehe einzugehen. Nachfolger Karumes wird Aboud Mwinyi Jumbe.

In Moskau wird ein langfristiges deutsch-sowjetisches Handelsabkommen paraphiert. Es ist der erste Vertrag mit der Sowjetunion, der entsprechend dem Berlin-Abkommen vom 3. September 1971 Berlin (West) in seinen Geltungsbereich einbezieht.

Bei der Durchsuchung mehrerer linker Verlage und Buchhandlungen in Frankfurt am Main und Bremen werden im Frankfurter Verlag Roter Druckstock größere Mengen von Raubdrucken beschlagnahmt. Der Inhaber wird vorübergehend festgenommen. Die ebenfalls beschlagnahmte Korrespondenz geht später auf dem Amtsweg von der Polizei zur Staatsanwaltschaft “verloren”.

Das argentinische Bundesgericht hebt die Anklage wegen Verrats gegen den früheren Staatspräsidenten Juan Domingo Perón auf. Damit ist die Voraussetzung für die Rückkehr Peróns geschaffen, der seit seinem Sturz 1955 im spanischen Exil lebt.

8.4.1972, Samstag

In der nordirischen Hauptstadt Belfast wird eine schwangere Frau von IRA-Angehörigen geschlagen, geteert und gefedert. Die IRA beschuldigt sie der Kollaboration mit der Polizei.

US-Präsident Richard M. Nixon unterzeichnet ein Gesetz, das die leihweise Überlassung von zehn Zerstörern und sechs U-Booten der USA an Spanien, Italien, Griechenland, die Türkei und Südkorea vorsieht.

Der schwedische Stabhochspringer Kjell Isaksson überquert in Austin 5,51 m und verbessert eine Woche später in Los Angeles diesen Weltrekord auf 5,54 m.

9.4.1972, Sonntag

Das südamerikanische Land Guyana schließt ein Abkommen über technische Hilfe mit der VR China, wonach Guyana einen zinslosen Fünfjahreskredit von 26 Mio. US-Dollar (rd. 83 Mio. DM) erhalten wird. Seit 1965 erhielt das Land ausländische Hilfe in Höhe von 70 Mio. US-Dollar (rd. 224 Mio. DM) hauptsächlich von den USA, Großbritannien, Kanada, der Weltbank und UN-Organisationen.

10.4.1972, Montag

In Washington, London und Moskau unterzeichnen Vertreter der USA, Großbritanniens und der Sowjetunion sowie von insgesamt über 70 Staaten die UN-Konvention über das Verbot der Entwicklung, Produktion und Lagerung bakteriologischer (biologischer) und toxischer Waffen sowie deren Vernichtung. Auch die Bundesrepublik Deutschland und die DDR gehören zu den Unterzeichnern.

Im Iran fordern mehrere Erdbeben mit Stärken von sieben bis 9,5 Punkten auf der Richter-Skala nach amtlichen Angaben mindestens 5044 Tote und 1336 Schwerverletzte. Das Erdbeben ereignete sich in der südiranischen Provinz Fars und richtete in einem Umkreis von 120 km² schwere Verwüstungen an. 58 Ortschaften wurden völlig zerstört.

Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung wird der britische Filmschauspieler Charlie Chaplin mit dem “Ehren-Oscar” ausgezeichnet.

Der Strafrechts-Sonderausschuss des Bundestags veranstaltet eine dreitägige Sachverständigen-Anhörung zur geplanten Reform des 218.

Im Rahmen der befristeten Besuchsregelung für Ostern haben nach Angaben der DDR-Behörden 449 597 Westberliner den Ostteil der Stadt besucht. Solche Besuche werden im Vorgriff auf später in Kraft tretende Regelungen auch über Pfingsten (17.- 24. 5.) ermöglicht.

11.4.1972, Dienstag

Die USA und die Sowjetunion unterzeichnen in Moskau ein Abkommen über den Austausch auf wissenschaftlichem, technischem, pädagogischem und kulturellem Gebiet für die Jahre 1972 und 1973. Es handelt sich um das achte Abkommen seit 1958. U.a. ist ein Studentenaustausch vorgesehen.

12.4.1972, Mittwoch

Der sowjetische Ausenminister Andrei A. Gromyko erläutert vor den beiden in Moskau tagenden ausenpolitischen Ausschüssen des Obersten Sowjet den deutsch-sowjetischen Vertrag vom 12. August 1970. Gromyko setzt die Ausschussmitglieder über den “Brief zur deutschen Einheit” in Kenntnis. Zugleich erklärt Gromyko, bei Nichtratifizierung des deutsch-sowjetischen Vertrags werde das Berlin-Abkommen vom 3. September 1971 nicht in Kraft treten.

Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) empfängt den Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU, Rainer Barzel, und andere Oppositionspolitiker zu Gesprächen über die bevorstehende Ratifizierung der Ostverträge. Dabei übergibt Barzel Brandt angeblich authentische Auszüge “aus den Protokollen zum Moskauer Vertrag”, die er von anonymer Seite erhalten hat. Die Bundesregierung bezeichnet sie am 17. April als Bruchstücke und in Einzelfällen gefälscht. Barzel fordert im Zusammenhang mit der “Protokollaffäre” erneut Einsicht in die Protokolle der Verhandlungen über den Vertrag.

13.4.1972, Donnerstag

Auf der dritten Weltkonferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) der Vereinten Nationen (UNO) in Santiago de Chile (bis 21. 5.) wird das Welthandels- und -währungssystem von seiten der Entwicklungsländer scharf kritisiert.

In einer von der CDU/CSU-Fraktion gebilligten Fünf-Punkte-Erklärung wird die Ratifizierung der Ostverträge in der vorliegenden Form wegen ihrer “Doppeldeutigkeit” und “Unausgewogenheit von Leistung und Gegenleistung” abgelehnt.

Vertreter eines internationalen Bankenkonsortiums einerseits und der ägyptischen Regierung andererseits unterzeichnen in Kairo ein Abkommen über den Bau einer Erdölpipeline von Suez nach Alexandrien. An dem Projekt beteiligen sich verschiedene westliche Länder, Ägypten, Saudi-Arabien und Kuwait.

14.4.1972, Freitag

US-Präsident Richard M. Nixon ernennt Martin Hillenbrand, bisher Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium, zum Nachfolger von Kenneth Rush als Botschafter der USA in der Bundesrepublik Deutschland.

15.4.1972, Samstag

Der IG-Metall-Vorsitzende Otto Brenner stirbt im Alter von 64 Jahren in Frankfurt am Main. Brenner, der die IG Metall seit 1952 leitete, war eine der bestimmenden Figuren in der Nachkriegsgeschichte der bundesdeutschen Gewerkschaften. Brenners Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Eugen Loderer.

In einem DFB-Urteil im Zusammenhang mit dem Bundesligaskandal wird der DSC Arminia Bielefeld in die Regionalliga-West zurückgestuft.

16.4.1972, Sonntag

Die Gewichtheber der UdSSR stellen bei ihren Landesmeisterschaften in Reval (Tallinn) an fünf Wettkampftagen 20 Weltrekorde auf – fünf davon allein der Superschwergewichtler Wassili Alexejew (u.a. Drücken 236,5 kg, Stoßen 237,5 kg, Dreikampf 645,0 kg).

Die komische Kriminaloper “Noch ein Löffel Gift, Liebling?” von Peter Hacks wird an der Komischen Oper in Berlin uraufgeführt.

Der japanische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger von 1968, Jasunari Kawabata, begeht in Kamakura Selbstmord.

Erstmals seit November 1968 bombardieren US-Kampfflugzeuge wieder die nordvietnamesischen Städte Hanoi und Haiphong.

Das US-amerikanische Raumschiff Apollo 16 startet mit drei Astronauten an Bord zu einer weiteren Mondlandemission. Am 21. April betreten die Astronauten John W. Young und Charles M. Duke den Mond. Apollo 16 kehrt am 27. April zur Erde zurück.

17.4.1972, Montag

Der Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, Nikolai W. Podgorny, beendet seinen Staatsbesuch in der Türkei (seit 11. 4.), in dessen Verlauf eine “Deklaration über die Prinzipien der gutnachbarlichen Beziehungen” abgeschlossen wird. Darin verpflichten sich beide Teile, ihr Territorium nicht für Aggressionsakte und subversive Tätigkeiten gegen andere Staaten zur Verfügung zu stellen.

Die nordirische Abgeordnete des britischen Parlaments und Bürgerrechtskämpferin Bernadette Devlin wird von einem Gericht in Nordirland zu einer sechsmonatigen Haftstrafe wegen Teilnahme an einem verbotenen Protestmarsch im Februar 1972 verurteilt. Am 26. April hebt Nordirland-Minister William Whitelaw das Verbot für Demonstrationen und Prozessionen in Nordirland auf und erlässt eine Amnestie für alle wegen Übertretung des Verbots Verurteilten, unter die auch Bernadette Devlin fällt.

18.4.1972, Dienstag

Zwei Tschechoslowaken entführen ein tschechoslowakisches Verkehrsflugzeug auf einem Inlandflug nach Nürnberg, wo sie von der Polizei festgenommen werden. Bei einem Schusswechsel während des Flugs wurde der Kopilot verletzt. Die Entführer wollen um politisches Asyl in der Bundesrepublik Deutschland nachsuchen.

19.4.1972, Mittwoch

In Florenz unterzeichnen Vertreter der sechs EG-Staaten eine Konvention zur Gründung einer Europäischen Universität in Florenz.

Unter Vorsitz von Bundeswirtschafts- und -finanzminister Karl Schiller (SPD) tagt in Bonn erstmals die deutsch-sowjetische Kommission für wirtschaftliche und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit. Die Einrichtung dieser Kommission hatten Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) und KPdSU-Chef Leonid I. Breschnew im September 1971 vereinbart.

Mit der Ernennung des farbigen Generalmajors Frederic Ellis Davison zum Kommandanten der 8. Infanterie-Division in Europa kommandiert erstmals in der Geschichte der USA ein Schwarzer eine Division der US-Armee.

Auf dem in Villach seit dem 17. April tagenden Parteitag der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) wird Bundeskanzler Bruno Kreisky als Parteivorsitzender bestätigt.

Das britische Unterhaus in London lehnt in der Nacht zum Mittwoch einen Antrag konservativer Abgeordneter ab, die ein Referendum über den Beitritt Großbritanniens zur EG gefordert hatten. Die Antragsteller sind Beitrittsgegner.

20.4.1972, Donnerstag

Der Sicherheitsberater von US-Präsident Richard M. Nixon, Henry A. Kissinger, trifft zu vorher geheimgehaltenen Gesprächen in Moskau ein (bis 24. 4.). Der Besuch Kissingers, der mit KPdSU-Chef Leonid I. Breschnew und dem sowjetischen Außenminister Andrei A. Gromyko zusammentrifft, dient der Vorbereitung des geplanten Nixon-Besuchs in der Sowjetunion.

Studentenproteste in den USA gegen die Wiederaufnahme der US-amerikanischen Bombardierungen Nordvietnams führen auch in den folgenden Tagen zu schweren Ausschreitungen und zahlreichen Festnahmen.

Die griechische Regierung fordert die Abberufung des Botschafters der Bundesrepublik in Athen, Peter Limbourg, weil dieser bei der “Entführung” des oppositionellen Jeorjios Mangakis mit Hilfe eines Bundeswehrflugzeugs aus Griechenland mitgewirkt habe.

21.4.1972, Freitag

US-amerikanische B-52-Fernbomber bombardieren den nordvietnamesischen Hafen Thanh Hoa, der als einer der Nachschubhäfen Nordvietnams gilt.

22.4.1972, Samstag

Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) beendet einen dreitägigen offiziellen Besuch in Großbritannien. Bei den Gesprächen mit seinem britischen Amtskollegen Edward Heath ging es vor allem um die britische EG-Mitgliedschaft und die Zukunft der EG.

Mit einem Galakonzert wird der langjährige Generalintendant der Metropolitan Opera New York, Rudolf Bing, verabschiedet.

Gastgeber Tschechoslowakei gewinnt die Eishockey-Weltmeisterschaft vor Titelverteidiger UdSSR. Absteiger ist (nach zwei Niederlagen gegen Deutschland) die Schweiz.

23.4.1972, Sonntag

Bei der Volksabstimmung in Frankreich über den Beitritt von vier Staaten zur EG stimmt die Mehrheit (68,31%) dafür (Gegenstimmen: 31,68%). Allerdings nehmen nur 60,24% der Stimmberechtigten an der Abstimmung teil.

Mit dem Austritt des FDP-Bundestagsabgeordneten Wilhelm Helms aus der FDP verliert die Bundesregierung faktisch die absolute Mehrheit im Bundestag.

Mit dem Wahlsieg der CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg, die mit 53% erstmals die absolute Mehrheit erreicht (Ergebnis bei der Landtagswahl 1968: 44,2%), verliert die sozialliberale Koalition im Bundesrat faktisch die Mehrheit.

24.4.1972, Montag

Nach neuen militärischen Erfolgen im zentralen Hochland von Südvietnam rücken die Truppen Nordvietnams nun gegen die Provinzhauptstadt Kontum vor. Nach Saigoner Berichten befinden sich Tausende von Menschen auf der Flucht vor den anrückenden Nordvietnamesen und Vietcong.

Die Bundestagsfraktion der CDU/CSU beschließt fast einstimmig, gegen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) unter Berufung auf Artikel 68 des Grundgesetzes einen konstruktiven Misstrauensantrag einzubringen und den CDU-Vorsitzenden Rainer Barzel zum neuen Bundeskanzler wählen zu lassen.

25.4.1972, Dienstag

Mit knapper Mehrheit billigt der Auswärtige Ausschuss des Deutschen Bundestags die Ostverträge und empfiehlt dem Plenum ihre Ratifizierung. Dabei überstimmen die 17 Mitglieder der SPD/FDP-Koalition die 16 Vertreter der CDU/CSU.

26.4.1972, Mittwoch

In einer Fernseh- und Rundfunkansprache kündigt US-Präsident Richard M. Nixon trotz schwerer Kämpfe in Südvietnam einen weiteren Abzug von US-Truppen an. Die Truppen sollen bis 1. Mai auf 69 000 Mann reduziert werden.

Der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Egon Bahr (SPD), und der Staatssekretär beim Ministerrat der DDR, Michael Kohl, schließen in Berlin (Ost) ihre Verhandlungen über einen Verkehrsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR erfolgreich ab. Unterzeichnet wird der Vertrag, der erhebliche Reiseerleichterungen im Verkehr zwischen beiden Staaten bringt, erst nach Ratifizierung der Ostverträge.

Mit dem Bundesfilmpreis werden Hans-Jürgen Syberbergs “Ludwig II. – Requiem für einen jungfräulichen König” (1972) und Johannes Schaafs “Trotta – Die Kapuzinergruft” (1971) ausgezeichnet.

Das Fußball-Länderspiel Schweiz gegen Schweden endet in Genf 1:1.

Durch einen 11:6-Punktsieg im Finale gegen den hochfavorisierten Roman Marsageschwili (UdSSR) wird der Freiburger Adolf Seeger bei den Europameisterschaften der Freistilringer in Kattowitz Sieger in der Klasse bis 75 kg (Weltergewicht).

27.4.1972, Donnerstag

Bei der Abstimmung des Deutschen Bundestags über den Misstrauensantrag der CDU/CSU-Opposition gegen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) erleidet die Opposition überraschend eine Niederlage. Der Antrag verfehlt um zwei Stimmen die notwendige absolute Mehrheit (249 Stimmen).

28.4.1972, Freitag

Der Etat des Bundeskanzlers und des Bundeskanzleramts wird vom Deutschen Bundestag mit 247 zu 247 Stimmen abgelehnt. Damit ist es nach Abbröckeln der Regierungsmehrheit erstmals zu einer Pattsituation zwischen SPD/FDP-Koalition und CDU/CSU-Opposition gekommen.

Der Ministerrat der DDR sowie SED- und FDGB-Spitzengremien beschließen sozialpolitische Maßnahmen und Verbesserungen vor allem für berufstätige Mütter, kinderreiche Familien und Rentner.

29.4.1972, Samstag

Im zentralafrikanischen Burundi wird ein Putschversuch niedergeschlagen. Im Verlauf des Putsches wird Ex-König (Mwami) Ntare V. getötet. Es entbrennt ein Bürgerkrieg zwischen den verfeindeten Hutu-Stämmen und den (herrschenden) Tussi-Völkern.

30.4.1972, Sonntag

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind seit 1950 insgesamt 719 999 Personen als Aussiedler bzw. Rückkehrer aus den ehemals deutschen Ostgebieten und osteuropäischen Staaten in die Bundesrepublik Deutschland gekommen.

Erstmals gewinnt eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf englischem Boden. Das Spiel gegen England in London endet 3:1.