Was geschah im April 1998

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1.4.1998, Mittwoch

Bonn: In Deutschland gilt eine von 15 auf 16% erhöhte Mehrwertsteuer.

Bad Reichenhall: Als Folge des Schengener Abkommens entfallen die Kontrollen an den Grenzübergängen zwischen Deutschland, Österreich und Italien.

Little Rock: US-Präsident Bill Clinton muss sich nicht in einem Zivilprozess wegen angeblicher sexueller Belästigung der früheren Staatsbediensteten Paula Corbin Jones verantworten. Die zuständige Richterin im US-Bundesstaat Arkansas stellt auf Antrag der Clinton-Anwälte das Verfahren ein.

Madrid: Borussia Dortmund verliert das erste Halbfinale in der Champions League bei Real Madrid 0:2. Ein gebrochenes Tor sorgt für eine 75minütige Verspätung. Nach dem 0:0 im Rückspiel scheidet Dortmund aus.

2.4.1998, Donnerstag

Bordeaux: Der französische Nazi-Kollaborateur und spätere Haushaltsminister Maurice Papon wird wegen seiner Mitschuld an Judendeportationen zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Versailles: Wegen Körperverletzung verurteilt das Landgericht den Parteichef der rechtsextremen Front National, Jean-Marie Le Pen, zu drei Monaten Haft auf Bewährung. Le Pen hatte im Mai 1977 eine sozialistische Politikerin geschlagen.

3.4.1998, Freitag

Berlin: Das Landgericht verurteilt die PDS-Politiker Gregor Gysi und Lothar Bisky zu Geldstrafen in Höhe von 8000 bzw. 6000 DM. Aus Protest gegen eine an die PDS gerichtete Steuerforderung in Höhe von 67 Mio. DM hatten sie 1994 die Räume des Bundesinnenministeriums in Berlin besetzt.

4.4.1998, Samstag

London: Der Asien-Europa-Gipfel endet mit der Annahme einer gemeinsamen Erklärung, in der die 25 Staats- und Regierungschefs aus Europa und Asien ihren Willen bekräftigen, die asiatische Finanzkrise in den Griff zu bekommen.

Kiew: Bei einem Grubenunglück im Revier Donezk im Osten der Ukraine kommen mindestens 63 Bergleute ums Leben.

5.4.1998, Sonntag

Kobe: Die mit 3,9 km längste Hängebrücke der Welt wird in Japan für den Verkehr freigegeben.

Minneapolis: Im US-Bundesstaat Minnesota enden die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften nach einwöchiger Dauer. In den Einzelwettbewerben gewannen der 18-Jährige Russe Alexej Jagudin und Michelle Kwan aus den USA. Die einzige Medaille für die Deutsche Eislauf-Union holten Peggy Schwarz/Mirko Müller mit Bronze im Paarlaufen.

6.4.1998, Montag

Moskau: Im Streit um das sog. Beutekunst-Gesetz bereitet das Verfassungsgericht dem russischen Präsidenten Boris Jelzin eine Niederlage. In einem Grundsatzurteil verpflichtet das Moskauer Gericht Jelzin, das Gesetz unverzüglich zu unterzeichnen. Damit werden die im Zuge des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland in die Sowjetunion gebrachten Kulturgüter zum Eigentum Russlands erklärt. Das Gesetz tritt am 21. April 1998 in Kraft.

New York: Die US-Bankholding Citicorp und der Finanzkonzern Travelers geben ihre Fusionsabsicht bekannt. Die Gründung der Citgroup Inc. ist der Startschuss für eine neue Welle von Firmenzusammenschlüssen in den USA.

7.4.1998, Dienstag

Karlsruhe: Bundestagsabgeordnete mit einem Überhangmandat dürfen nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament nicht mehr von einem Ersatzkandidaten über die Landesliste ihrer Partei ersetzt werden, urteilt das Bundesverfassungsgericht.

Brüssel: Die Westeuropäische Union (WEU) verlängert auf einer Tagung in der belgischen Hauptstadt das Mandat für ihre Polizeitruppe in Albanien um ein Jahr bis April 1999. Der WEU-Rat beschließt zugleich, die Zahl der Berater und Ausbilder von 60 auf 100 Mann zu erhöhen.

8.4.1998, Mittwoch

Köln: Kurz nach der Herausgabe einer verbesserten Software des größten deutschen Online-Dienstes T-Online knackt der 16-Jährige Realschüler Aron Spohr erneut das Zugangsprogramm. Bereits Ende März hatten Spohr und sein Mitschüler Marcel Hennig aufhorchen lassen, als sie die Zugangs-Paßwörter von 600 T-Online-Kunden knackten.

Paris: Die Nationalversammlung billigt mit der Mehrheit der Linken ein neues Ausländerrecht. Es sieht schärfere Maßnahmen gegen illegale Einwanderung vor, zugleich sollen aber die Lebensbedingungen für Ausländer, die in Frankreich sind, erleichtert werden.

9.4.1998, Donnerstag

Mekka: Bei einer Panik unter muslimischen Pilgern während der sog. Steinigung des Teufels kommen nach offiziellen Angaben 118 Menschen ums Leben.

Athen: Ein 24stündiger Generalstreik legt das öffentliche Leben in Griechenland weitgehend lahm. Der Protest richtet sich vor allem gegen den Beschluss des Parlaments, die von der Zahlungsunfähigkeit bedrohte nationale Fluggesellschaft “Olympic Airways” im Zuge eines Sparprogramms zu sanieren.

10.4.1998, Freitag

Belfast: Katholiken und Protestanten in Nordirland einigen sich auf einen Friedensplan. Er sieht einen halb-autonomen Status für Nordirland vor, das aber bei Großbritannien bleiben soll. In einem noch zu bildenden nordirischen Parlament soll die Macht zwischen Katholiken und Protestanten geteilt werden.

11.4.1998, Samstag

Peking: Regierungsvertreter aus Nord- und Südkorea treffen sich zu den ersten direkten Gesprächen seit fast vier Jahren. Die Kontakte werden jedoch am 18. April ohne konkretes Ergebnis beendet.

Antalya: Die türkische Armee und Kämpfer der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK liefern sich in der Nähe des Mittelmeer-Badeortes heftige Gefechte, bei denen nach offiziellen Angaben zehn Kurden-Rebellen getötet worden.

12.4.1998, Sonntag

Peine: Bei einem Unfall auf der Autobahn Hannover-Berlin sterben acht Menschen. Ein Fahrer rast mit Tempo 140 in eine Baustelle, gerät auf die Gegenfahrbahn und prallt auf zwei Fahrzeuge.

Augusta: Der 41-Jährige US-amerikanische Golfprofi Mark O´Meara gewinnt das Masters-Turnier im US-Bundesstaat Georgia. Vorjahressieger Eldrick Tiger Woods belegt diesmal den achten Platz.

13.4.1998, Montag

Bonn: Mit meist nur schwacher Beteiligung enden in Deutschland die Ostermärsche der Friedensbewegung. Von Karfreitag bis Ostermontag fanden in 70 Orten Aktionen statt.

Washington: In den USA geben die BankAmerica und die NationsBank ihre Fusion bekannt. Das neue Unternehmen wird das erste die gesamte USA überspannende Finanzhaus sein.

14.4.1998, Dienstag

Wien: Der frühere Wiener Erzbischof Kardinal Hans Hermann Groer kündigt wegen des gegen ihn erhobenen Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen seinen vollständigen Rückzug aus allen kirchlichen Funktionen an.

15.4.1998, Mittwoch

Phnom Penh: Der frühere kambodschanische Diktator Pol Pot stirbt an einem Herzschlag.

Mogadischu: In Somalia werden zehn Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes entführt. Neun Tage später kommen sie wieder frei.

Prag: Das tschechische Abgeordnetenhaus billigt mit 154 von 192 Stimmen den Beitritt des Landes zur NATO. Neben Tschechien will die NATO im Jahre 1999 auch Polen und Ungarn in das Bündnis aufnehmen.

16.4.1998, Donnerstag

Braunschweig: Als erster Geistlicher in Deutschland wird der evangelische Pastor Klaus Geyer wegen Totschlags an seiner Frau zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt.

17.4.1998, Freitag

Helsinki: Der finnische Reichstag billigt mit 135 gegen 61 Stimmen die Teilnahme des Landes an der Europäischen Währungsunion. Finnland ist das einzige der drei nordeuropäischen EU-Länder, das den Euro einführen will.

Straßburg: Estland hinterlegt beim Europarat die Ratifizierungsurkunde zur Abschaffung der Todesstrafe. Von den 40 Mitgliedsstaaten des Europarats haben nun 28 die Todesstrafe offiziell abgeschafft.

Leipzig: Mit 93,01% der Stimmen wählt der SPD-Sonderparteitag Gerhard Schröder zum Kanzlerkandidaten.

18.4.1998, Samstag

Peking: Der chinesische Bürgerrechtler Wang Dan wird aus Gesundheitsgründen vorzeitig aus der Haft entlassen und reist zu ärztlicher Behandlung in die USA. Der 29-Jährige war einer der Organisatoren der Pekinger Studentenproteste von 1989.

Baden-Baden: Mit einem Festakt wird das neue Festspielhaus eröffnet. Der 120 Mio. DM teure Bau ist mit 2500 Plätzen Deutschlands größtes Opernhaus.

19.4.1998, Sonntag

Wien: Thomas Klestil für weitere sechs Jahre zum österreichischen Staatspräsidenten gewählt.

20.4.1998, Montag

Köln: Die terroristische Rote Armee Fraktion (RAF) erklärt sich fast 28 Jahre nach ihrer Gründung für aufgelöst.

Bogotá: Beim Absturz eines Passagierflugzeuges nahe der kolumbianischen Hauptstadt kommen alle 53 Insassen ums Leben.

21.4.1998, Dienstag

Diyarbakir: Der islamistische Istanbuler Bürgermeister Recep Tayyip Erdogan wird von einem Staatssicherheitsgericht zu zehn Monaten Haft verurteilt. Das Gericht lastet ihm an, vor Anhängern zu einem religiös motivierten Aufstand aufgerufen zu haben.

New York: Die UNO-Menschenrechtskommission prangert Verletzungen der Menschenrechte u.a. im Irak, Nigeria, Birma und Afghanistan an. Erstmals findet ein Antrag der USA auf Verurteilung Kubas keine Mehrheit.

22.4.1998, Mittwoch

Kiel: Durch ein 26:21 (Hinspiel 23:25) über Pokalverteidiger SG Flensburg-Handewitt gewinnen die Handballer vom THW Kiel den internationalen EHF-Pokal.

Köln: Deutschland gewinnt das wegen der dortigen Militärdiktatur umstrittene Länderspiel gegen Nigeria 1:0.

Paris: Die französische Nationalversammlung stimmt mit deutlicher Mehrheit für die Teilnahme Frankreichs an der Europäischen Währungsunion.

23.4.1998, Donnerstag

Bonn: Der Bundestag billigt mit 575 gegen 35 Stimmen bei fünf Enthaltungen die Einführung der europäischen Währung Euro.

Neufchâteau: Der Fluchtversuch des Kinderschänders Marc Dutroux löst in Belgien eine Regierungskrise aus. Dem seit August 1996 in Untersuchungshaft einsitzenden Dutroux wirft die Justiz vor, mindestens sechs Mädchen entführt zu haben, von denen nur zwei lebend gefunden wurden. Der Fall Dutroux wurde zum Polizei- und Justizskandal.

Belgrad: Die serbische Bevölkerung lehnt in einem von der Führung in Belgrad veranstalteten Referendum mit offiziell 94,7% eine internationale Vermittlung im Kosovo-Konflikt ab.

Pjöngjang: Die Regierung von Nordkorea gibt erstmals internationalen Fluggesellschaften die Erlaubnis zum Überfliegen ihres Staatsgebiets. Die internationale Luftfahrtbehörde IATA erwartet durch die neuen Überflugrechte jährliche Einsparungen bei den Treibstoffkosten von rd. 125 Mio. US-Dollar (163 Mio. DM).

24.4.1998, Freitag

Edinburgh: Trotz der Proteste von Umweltschützern trifft eine Uranladung aus Georgien in Großbritannien ein und wird in die Wiederaufbereitungsanlage im schottischen Dounreay gebracht. Das Uran stammt aus einem zivilen Forschungsreaktor in Tiflis.

Kigali: Ungeachtet internationaler Proteste werden in der Hauptstadt und in vier weiteren Städten von Ruanda 22 Menschen wegen Beteiligung an Massakern an der Tutsi-Minderheit im Jahr 1994 öffentlich hingerichtet.

Moskau: Die russische Staatsduma bestätigt den von Präsident Boris Jelzin vorgeschlagenen 35-Jährigen Sergej Kirijenko in geheimer Abstimmung als Ministerpräsidenten, nachdem er zuvor zweimal abgelehnt worden war.

25.4.1998, Samstag

Sevilla: Der Bruch eines Auffangbeckens für giftige Abfälle einer Schwefelkiesmine löst in Spanien eine ökologische Katastrophe aus.

Abuja: Unter geringer Beteiligung der Bevölkerung wird in Nigeria ein neues Parlament gewählt. Bei der Wahl waren nur Politiker der fünf von der Regierung anerkannten Parteien zugelassen.

26.4.1998, Sonntag

Magdeburg: Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird die SPD mit 35,9% der Stimmen stärkste Kraft. Die rechtsextreme Deutsche Volksunion (DVU) zieht mit 12,9% der Stimmen erstmals ins Landesparlament ein. Die CDU büßt 12,4% ein und kommt nur noch auf 22,0%. Sie liegt damit nur noch knapp vor der PDS (19,6%).

Mannheim: Durch ein 4:1 im vierten Play-Off-Spiel gegen die Eisbären Berlin verteidigen die Mannheim Adler den Titel eines Deutschen Eishockeymeisters.

27.4.1998, Montag

Havanna: Zum Auftakt seines zweitägigen Besuchs auf Kuba ruft der kanadische Premierminister Jean Chrétien Staatschef Fidel Castro zur Öffnung des Landes auf. Kanada ist einer der wichtigsten Handelspartner Kubas.

Yamaguchi: Japan wird erstmals von einem Gericht zu einer Entschädigungszahlung an Frauen verurteilt, die während des Zweiten Weltkriegs von der japanischen Armee zu Prostitution und Zwangsarbeit gezwungen worden waren. Ein Gericht in der westjapanischen Stadt spricht den drei südkoreanischen Klägerinnen eine Entschädigung in Höhe von jeweils umgerechnet 4100 DM zu.

28.4.1998, Dienstag

Eindhoven: Durch ein 4:3 im Finale gegen Ungarn werden die deutschen Tischtennis-Damen wie 1996 Mannschafts-Europameister.

Luxemburg: Die Krankenkassen müssen ihren Patienten auch Kosten erstatten, wenn diese sich im europäischen Ausland behandeln lassen. Dies entscheidet der Europäische Gerichtshof.

29.4.1998, Mittwoch

London: Die britischen Luxusmarken Rolls-Royce und Bentley sollen nach einer Erklärung des britischen Vickers-Konzerns für umgerechnet rd. 1 Mrd. DM an BMW verkauft werden.

Jerusalem: In Israel beginnen die Feiern zum 50. Jubiläum der Staatsgründung. Zum Auftakt gedenkt die Bevölkerung der etwa 20 000 Soldaten, die seit 1948 in fünf Nahostkriegen ums Leben kamen.

London: Die britischen Luxusmarken Rolls-Royce und Bentley sollen nach einer Erklärung des britischen Vickers-Konzerns für umgerechnet rd. 1 Mrd. DM an BMW verkauft werden.

Ulm: Peter Graf, der Vater der langjährigen Nummer Eins im Welttennis – Steffi Graf, wird vorzeitig aus der Haftanstalt entlassen. Der Rest seiner Freiheitsstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Graf war 1997 wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Durch ein 27:24 gegen den TV Nettelstedt sichert sich Handball-Bundesligist THW Kiel den siebten Deutschen Meistertitel.

30.4.1998, Donnerstag

Washington: Der US-Senat billigt mit 80 gegen 19 Stimmen die Osterweiterung der NATO um Polen, Tschechien und Ungarn. Die Entscheidung ist ein wichtiger Sieg für US-Präsident Bill Clinton.

Berlin: Der Direktor des Wiener Burgtheaters, Claus Peymann, wird neuer Intendant des Berliner Ensembles. Er soll das Amt am 1. August 1999 antreten.