Was geschah im April 2000

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1.4.2000, Samstag

Wiesbaden: In Deutschland stirbt erneut ein Patient am tropischen Lassa-Fieber. Drei Monate nach dem Tod einer jungen Frau in Würzburg erliegt ein 57 Jahre alter Nigerianer der gefährlichen Krankheit. Nach Angaben der Behörden war der Mann schon Ende März mit einem Rettungstransport zur Behandlung nach Deutschland gebracht worden.

Birmingham: In der mittelenglischen Stadt demonstrieren mehrere zehntausend Menschen gegen die Pläne des deutschen Autokonzerns BMW, seine britische Tochtergesellschaft Rover zu verkaufen. Der Protest richtet sich besonders gegen den geplanten Verkauf des Rover-Werkes Longbridge an die britische Firma Alchemy. Dadurch würden rund 4000 Arbeitsplätze bei Rover und indirekt rund 50 000 Jobs in der Region gefährdet.

Berlin: Der in Hamburg lebende ukrainische Profiboxer Witali Klitschko verliert seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht des Verbandes WBO. Der 28-Jährige, der bislang jeden seiner 27 Profikämpfe durch K.o. gewann, unterliegt dem US-Amerikaner Chris Byrd überraschend durch technischen K.o. Klitschko gibt wegen einer Schulterverletzung in der zehnten Runde auf.

2.4.2000, Sonntag

Grosny: Die UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson fordert bei ihrer Reise im Nordkaukasus die Aufklärung aller Kriegsverbrechen in Tschetschenien. Für Unmut sorgt die russische Entscheidung, Robinson einen Besuch in mehreren von ihr gewünschten Gefangenen-Lagern zu verweigern. Die russische Seite gibt als Grund schlechtes Wetter an.

Tokio: Nach einem Schlaganfall wird der japanische Regierungschef Keizo Obuchi in ein Krankenhaus eingeliefert. Der 62-Jährige liegt im Koma und wird auf der Intensivstation künstlich beatmet. Obuchi ist seit 1998 Ministerpräsident.

Nanking: Bei einem Raubüberfall in der ostchinesischen Stadt werden ein deutscher Automobilmanager und seine Familie ermordet. Der Mann war für DaimlerChrysler in einem deutsch-chinesischen Gemeinschaftsprojekt tätig. Unmittelbar nach der Tat nahm die Polizei die vier Täter im Alter zwischen 19 und 23 Jahren fest.

Nizza: In der südfranzösischen Stadt gehen die Weltmeisterschaften der Eiskunstläufer zu Ende. Sie wurden überschattet von einem Messerattentat auf den französischen Paarläufer Stephane Bernadis am 28. März. Die Titel gehen an den Russen Alexej Jagudin und Michelle Kwan (USA) sowie an das russische Paar Maria Petrowa/Alexej Tichonow im Paarlaufen. Die Franzosen Marina Anissina/Gwendal Peizerat erringen erstmals den Weltmeistertitel im Eistanz.

Hamburg: Durch ein 26:25 über die SG Flensburg-Handewitt gewinnt der THW Kiel zum dritten Mal in Folge den Pokal des Deutschen Handball-Bundes.

3.4.2000, Montag

Berlin: Wenige Tage vor dem CDU-Parteitag in Essen sorgt der scheidende Vorsitzende Wolfgang Schäuble mit heftigen Vorwürfen an Parteifreunde für Unruhe in der Union. Ohne Namen zu nennen, spricht er in einem Gespräch mit dem TV-Sender “Phoenix”, das am 6. April ausgestrahlt wird, im Zusammenhang mit seinem Rücktritt von Intrigen “mit kriminellen Elementen”. Altbundeskanzler Helmut Kohl, der an diesem Tag 70 Jahre alt wird, begeht seinen Geburtstag – abgeschirmt von der Presse – in einem elsässischen Landgasthof.

Berlin: Joachim Gauck, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, erklärt gegenüber der “Süddeutschen Zeitung”, Stasi-Akten über Abhöraktionen bei Westpolitikern auf Anforderung des Untersuchungsausschusses zur CDU-Parteispendenaffäre als Informationsmaterial herauszugeben. Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) will die Veröffentlich der ihn betreffenden Telefon Abhörprotokolle mit allen juristischen Mitteln verhindern. Am selben Tag bestätigt das Bundesinnenministerium, dass nach einem Kabinettsbeschluss vom Mai 1990 Stasi-Akten über die Telefonüberwachung westdeutscher Politiker vernichtet worden seien.

Kairo: Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union kommen in der ägyptischen Hauptstadt zum ersten europäisch-afrikanischen Gipfeltreffen mit ihren Kollegen aus Afrika zusammen. Die zweitägige Konferenz soll den Weg zu einer neuen Partnerschaft zwischen beiden Kontinenten bereiten. Im Mittelpunkt der Tagung stehen die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen sowie die Entwicklungshilfe.

Pale: Fünf Tage vor den Kommunalwahlen in Bosnien verhaftet die Friedenstruppe KFOR den als Kriegsverbrecher gesuchten früheren bosnisch-serbischen Parlamentspräsidenten Momcilo Krajisnik. Damit wird erstmals ein Politiker aus dem höchsten Führungskreis um den ebenfalls gesuchten Serbenführer Radovan Karadzic gefasst. Er wird in die Niederlande gebracht und im Gefängnis von Scheveningen inhaftiert. Die Anklageschrift macht Krajisnik für die Ermordung von rund 1300 Menschen verantwortlich.

Washington: Der weltgrößte Software-Produzent Microsoft wird wegen Verstoßes gegen die US-Kartellgesetze schuldig gesprochen. In dem von der US-Regierung und 19 Einzelstaaten angestrengten Verfahren befindet Richter Thomas Penfield Jackson, Microsoft habe seine Marktmacht beim PC-Betriebssystem Windows zur Verdrängung von Konkurrenten aus dem Internet-Geschäft missbraucht.

4.4.2000, Dienstag

Kalavrita: Während seines Staatsbesuchs in Griechenland besucht Bundespräsident Johannes Rau gemeinsam mit dem griechischen Staatspräsidenten Konstantinos Stephanopoulos das Dorf Kalavrita. Am 13. Dezember 1943 hatten deutsche Besatzungssoldaten in einer Vergeltungsaktion für Partisanenangriffe die gesamte männliche Bevölkerung des Ortes, bis zu 1300 Menschen, getötet. Er sei gekommen, um die Erinnerung in Deutschland an die Ereignisse wach zu halten, sagt der Bundespräsident.

Berlin: Die designierte CDU-Vorsitzende Angela Merkel schlägt den nordrhein-westfälischen Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz offiziell als Kandidaten für ihre Nachfolge als Generalsekretär vor. Der 53-Jährige Jurist wird zum liberalen Flügel der CDU gerechnet.

Berlin: Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes werden in Deutschland die Rechtsradikalen immer gewaltbereiter, erklärt Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bei der Vorlage des Verfassungsschutzberichtes für 1999. In diesem Jahr seien 746 Gewalttaten von Rechtsextremen registriert worden, 5,4% mehr als im Vorjahr.

Kairo: Europa und Afrika wollen gemeinsam den Kampf gegen die Armut und die Schuldenkrise in den Ländern Afrikas aufnehmen. Dabei sollen gleichzeitig Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gefördert werden. Dies besagt ein Aktionsplan, den die rd. 60 Staats- und Regierungschefs zum Abschluss des ersten EU-Afrika-Gipfeltreffens in der ägyptischen Hauptstadt verabschiedeten. Weitgehend bestimmt wurde die zweitägige Konferenz vom Thema Schuldenerlass.

Tokio: Das japanische Kabinett tritt geschlossen zurück und macht damit den Weg zur Wahl eines Nachfolgers für den lebensgefährlich erkrankten Regierungschef Keizo Obuchi frei. Der 62-Jährige Obuchi, der am 2. April einen Schlaganfall erlitten hatte, liegt weiter im Koma und wird künstlich beatmet.

5.4.2000, Mittwoch

Frankfurt am Main: Der geplante Zusammenschluss von Deutscher und Dresdner Bank zur größten Bank der Welt ist gescheitert. Die Dresdner Bank gibt den Abbruch der Fusionsverhandlungen bekannt und begründet dies mit der Forderung der Deutschen Bank, die Investmentbank-Tochter Dresdner Kleinwort Benson – entgegen früheren Erklärungen – nun doch verkaufen zu wollen. Am folgenden Tag kündigt der Chef der Dresdner Bank, Bernhard Walter, seinen Rücktritt zum Monatsende an. Nachfolger wird sein Vorstandskollege Bernd Fahrholz.

Berlin: Nach jahrelangem Tauziehen übergeben Kuriere des US-Geheimdienstes CIA den ersten Teil von Kopien der Stasi-Agentenkartei an die Bundesregierung. Die Kartei war nach dem Mauerfall von der CIA unter dem Decknamen “Rosenholz” unter dubiosen Umständen aus der DDR geschmuggelt worden. Von den gespeicherten Informationen wird die Enttarnung weiterer Stasi-Agenten erwartet.

Berlin: Der in New York lebende deutsche Künstler Hans Haacke darf sein umstrittenes Kunstwerk im Berliner Reichstag verwirklichen. Der Bundestag stimmt mit 260 gegen 258 Stimmen bei 31 Enthaltungen für das Projekt und beendet damit einen wochenlangen Streit. Damit kann Haacke seine Erdinstallation “Der Bevölkerung” in einem der Lichthöfe im Reichstag verwirklichen. Geplant ist, dass jeder der 669 Bundestagsabgeordneten Erde aus seinem Wahlkreis nach Berlin bringen soll, die wie auf einem Blumenbeet aufgeschüttet wird.

Tokio: Drei Tage nach dem Schlaganfall von Keizo Obuchi wählt das japanische Parlament Yoshiro Mori zum neuen Regierungschef. Er werde die Politik seines Vorgängers vor allem in Wirtschaftsfragen fortsetzen, kündigte der 62-Jährige Politiker von der Liberaldemokratischen Partei LDP an. Die Regierung war am Vortag geschlossen zurückgetreten, um den Weg für die Neuwahl des Ministerpräsidenten freizumachen.

Ankara: Im türkischen Parlament scheitert eine Verfassungsänderung, die dem Staatspräsidenten Süleyman Demirel eine zweite Amtszeit ermöglicht hätte.

Istanbul: Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen britischen und türkischen Fußballanhängern einen Tag von dem UEFA-Cup-Spiel Galatarasay Istanbul gegen den englischen Klub Leeds United werden zwei Briten erstochen. Elf weitere Personen, darunter sechs Briten, werden nach Polizeiangaben mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Das Spiel wird am folgenden Tag trotz des Zwischenfalls ausgetragen, Galatasaray siegt mit 2:0.

6.4.2000, Donnerstag

Berlin: Der Untersuchungsausschuss zur CDU-Parteispendenaffäre beantragt mit der Mehrheit von SPD und Grünen Beugehaft gegen den früheren CDU-Abteilungsleiter im Kanzleramt, Hans Terlinden. Er hatte in seiner zweiten Anhörung vor dem Ausschuss erneut die Aussage verweigert. Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geisler sowie sein Nachfolger Volker Rühe bestreiten vor dem Ausschuss, von schwarzen Kassen ihrer Partei gewusst zu haben. Geissler wirft Ex-Kanzler Helmut Kohl allerdings eigenmächtiges Finanzgebaren vor. Er habe diesen auch mehrfach auf Ungereimtheiten bei den CDU-Finanzen hingewiesen.

Straßburg: Die Parlamentarische Versammlung des Europarats entzieht den russischen Abgeordneten mit 78 gegen 69 Stimmen bei acht Enthaltungen wegen des Tschetschenien-Kriegs das Stimmrecht. Daraufhin verlässt die russische Delegation geschlossen den Plenarsaal.

Karatschi: In Pakistan wird der vom Militär gestürzte Regierungschef Nawaz Sharif zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Staatssicherheitsgericht spricht ihn des Terrorismus und der Luftpiraterie schuldig. Die Anklage des Mordversuchs wird fallengelassen. Sharif wird vorgeworfen, dem Flugzeug, in dem der jetzige Militärmachthaber Pervez Musharraf am 12. Oktober 1999 nach Pakistan zurückkehrte, die Landung verweigert zu haben.

Monastir: Der frühere tunesische Staatspräsident Habib Bourguiba stirbt im Alter von 96 Jahren. Der Führer der Unabhängigkeitsbewegung hatte 1955 in Verhandlungen mit Frankreich die Autonomie und ein Jahr später die Unabhängigkeit des Landes erreicht. Er galt deshalb als “Vater Tunesiens”. Der einstige “Präsident auf Lebenszeit” der sozialistischen Destur-Partei war im November 1987 wegen “Amtsunfähigkeit” abgesetzt worden.

Rockville: Ein Privatunternehmen in den USA, die Celera Corporation im US-Bundesstaat Maryland, beansprucht im internationalen Wettrennen um die Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes den Sieg für sich. Die dortigen Forscher hätten die chemischen Buchstaben eines Menschen zu 99% identifiziert. Die Erforschung des menschlichen Genoms hatte 1990 mit der Gründung des Human Genome Project begonnen. Das internationale Projekt mit Beteiligung von 50 Ländern hat bis 1999 rd. 6 Mrd. DM gekostet.

Moskau: Nach zwei Tagen Flug docken zwei russische Kosmonauten mit ihrem Sojus-Raumschiff an die stillgelegte Raumstation “Mir” an. Die Kosmonauten Sergej Saletin und Alexander Kaleri sollen die 14 Jahre alte und seit 222 Tagen unbemannte “Mir” wieder in Betrieb nehmen und auch ein kleines Leck suchen, durch das Luft entweicht. Der US-amerikanische Millionär Walt Anderson und andere Investoren erwägen, die “Mir” als Abenteuerhotel oder Laboratorium im Weltall zu reaktivieren.

7.4.2000, Freitag

Münster: Zum Auftakt des dreitägigen PDS-Bundesparteitages kündigt Parteichef Lothar Bisky an, nach acht Jahren im Amt nicht noch einmal für den Vorsitz zu kandidieren.

London: Die Medienkonzerne Bertelsmann und Pearson TV wollen durch die Zusammenlegung ihrer Fernseh- und Hörfunkgeschäfte zur RTL Group Europas größte Fernsehstation schmieden. Das geplante Unternehmen soll einen Jahresumsatz von rd. 4 Mrd. Euro haben. Zu dem neuen Konzern würden u.a. 22 Fernsehsender und 18 Radiostationen von CLT-UFA sowie etwa 160 Fernsehprogramme von Pearson-TV zählen.

Caltassinetta: Ein Berufungsgericht in Sizilien verurteilt 29 Bosse der sizilianischen Cosa Nostra wegen Beteiligung an der Ermordung des Mafia-Jägers Giovanni Falcone zu lebenslanger Haft. Der Richter, seine Ehefrau und drei Leibwächter waren am 23. Mai 1992 bei einer Autofahrt in Palermo durch eine ferngezündete Bombe getötet worden.

Washington: Einen Tag nach seiner Ankunft in den USA wird Juan Miguel Gonzalez, der Vater des kubanischen Flüchtlingsjungen Elían, von US-Justizministerin Janet Reno empfangen. Nach dem Willen der Regierung soll der Junge seinem Vater zurückgegeben werden.

Miami: Ein Gericht im US-Bundesstaat Florida spricht erkrankten Rauchern Schadensersatz und Schmerzensgeld in Millionenhöhe zu und macht damit den Weg frei für weitere mögliche massive Strafen gegen die Tabakindustrie. Zwei krebskranke Raucher und die Hinterbliebenen einer an Lungenkrebs gestorbenen Frau erhalten insgesamt 12,7 Mio US-Dollar. Die Krebserkrankungen sind nach ihrer Meinung zweifelsfrei auf das Rauchen zurückzuführen.

Hamburg: Das Polarlicht, ein in Deutschland selten zu sehendes Schauspiel, sorgt zwischen Mitternacht und 3 Uhr früh für rotes, blaues und grünes Licht am nächtlichen Himmel.

Füssen: Der bayerische “Märchenkönig” Ludwig II. feiert in Sichtweite seines weltberühmten Schlosses Neuschwanstein seine Wiederauferstehung als Musical-Held. Etwa 1 400 Ehrengäste erleben die Uraufführung des Musicals “Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies”.

8.4.2000, Samstag

Istanbul: Zum Abschluss seines dreitägigen Staatsbesuches fordert Bundespräsident Johannes Rau die Türkei erneut auf, die ökonomischen und politischen Voraussetzungen für einen EU-Beitritt zu schaffen. Eine Reihe von Gesetzen habe die Regierung in Ankara bereits auf den Weg gebracht, vieles bleibe aber noch zu tun.

Sarajevo: Zum zweiten Mal seit Ende des Krieges im Jahre 1995 finden in Bosnien-Herzegowina Kommunalwahlen statt. Etwa 2,5 Mio. Muslime, Kroaten und Serben sind aufgerufen, über 3300 Bürgermeister und Stadträte in 145 Städten und Gemeinden zu bestimmen. Gemäßigte Kräfte können sich nur in muslimisch dominierten Städten gegen die nationalistischen Parteien durchsetzen. In den mehrheitlich kroatischen Gebieten bleibt die nationalistische Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) stärkste Kraft; in der Republik der bosnischen Serben behauptet die radikale Serbische Demokratische Partei (SDS) ihre führende Rolle.

9.4.2000, Sonntag

Münster: Auf dem Parteitag der PDS kündigt nach Parteichef Lothar Bisky auch der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gregor Gysi, den Rückzug aus seinen Ämtern an. Zuvor hatten die Delegierten einen Antrag des Vorstands abgelehnt, militärische UNO-Einsätze unter bestimmten Umständen zu dulden.

Schiffweiler: 13 Monate nach seinem Rücktritt als SPD-Vorsitzender und Bundesfinanzminister entschuldigt sich Oskar Lafontaine bei der Partei und den Wählern für sein damaliges Verhalten. Er habe manches falsch eingeschätzt und sei an den Wahlniederlagen im Saarland und in anderen Bundesländern mit schuld, sagt Lafontaine auf dem Landesparteitag der saarländischen SPD.

Athen: Mit einer hauchdünnen Mehrheit gewinnen die regierenden Sozialisten unter Führung von Ministerpräsident Kostas Simitis die Parlamentswahlen in Griechenland. Die Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK) erreicht 43,79% der Stimmen, die konservative Neue Demokratie (ND) des Herausforderers Konstantinos Karamanlis kommt auf 42,73%. Die Kommunisten (KKE) erreichen 5,53%, das Bündnis der Linken (SYN) 3,2% und die Demokratische Sozialbewegung (DIKKI) 2,69% der Stimmen.

Peru: Bei der umstrittenen Präsidentenwahl in Peru verfehlt Amtsinhaber Alberto Fujimori im ersten Wahlgang die nötige absolute Mehrheit gegen seinen schärfsten Mitbewerber Alejandro Toledo. Bei den gleichzeitig stattfinden Wahlen der 120 Abgeordneten des Parlaments büßt Fujimoris Bewegung “Peru 2000” ihre absolute Mehrheit ein, bleibt aber mit 52 Sitzen die stärkste Fraktion. Zweitstärkste Fraktion wird die Bewegung “Peru Posible” des Herausforderers Toledo, die 29 Sitze erzielt. Die anderen Mandate verteilen sich auf acht Parteien und Gruppen, die jeweils weniger als zehn Abgeordnete stellen.

Tiflis: Eduard Schewardnadse wird mit einem deutlichen Sieg bei den Präsidentenwahlen in Georgien für weitere fünf Jahre als Staatschef im Amt bestätigt. Sein schärfster Rivale, der frühere Kommunistenchef Dschumber Patiaschwili, liegt abgeschlagen auf dem zweiten Platz, wirft der Regierung aber zugleich massiven Wahlbetrug vor.

Imola: Ferrari-Pilot Michael Schumacher gewinnt den Großen Preis von San Marino und somit das dritte Rennen der Formel-1-Saison 2000 in Folge.

10.4.2000, Montag

Essen: Angela Merkel wird mit 95,94% Ja-Stimmen zur neuen Chefin der CDU gewählt. Sie ist Nachfolgerin des zurückgetretenen Wolfgang Schäuble. Als neuer Generalsekretär wird Ruprecht Polenz gewählt. Zu Merkels vier Stellvertretern bestimmen die Delegierten Annette Schavan, Christian Wulff, Jürgen Rüttgers und Volker Rühe. Neuer Schatzmeister ist der frühere Bankmanager Ulrich Cartellieri als Nachfolger von Matthias Wissmann.

Berlin: Die Bundesregierung sucht mit Hilfe des Internets nach jüdischen Besitzern von Nazi-Beutekunst. Eine Liste mit 2.200 herrenlosen Kunstwerken wird unter www.LostArt.de ins Internet gestellt. In ihr sind Kunstwerke verzeichnet, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht an die Eigentümer zurückgegeben werden konnten und derzeit im Besitz des Bundes sind.

Seoul: Erstmals seit der Teilung vor 55 Jahren kündigen die verfeindeten koreanischen Staaten ein historisches Gipfeltreffen an. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung wird vom 12. bis 14. Juni zu einem Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il nach Pjöngjang reisen. Die beiden seit 1945 getrennten koreanischen Staaten hatten von 1950 bis 1953 gegeneinander Krieg geführt, der mit einem Waffenstillstandsabkommen beendet wurde.

11.4.2000, Dienstag

Frankfurt am Main: In einem Brief an die Mitarbeiter der Deutschen Bank stellen sich der Vorstand und Aufsichtsrat des Kreditinstitutes hinter Vorstandssprecher Rolf-Ernst Breuer. Nach dem Scheitern der Fusion mit der Dresdner Bank war über eine Ablösung Breuers spekuliert worden.

London: Der britische Historiker David Irving verliert in London eine Verleumdungsklage gegen die US-Wissenschaftlerin Deborah Lipstadt, die ihn in einem 1994 erschienen Buch als einen Leugner des Holocaust bezeichnet hatte. Der Richter des High Court, Charles Gray, nennt Irving in seinem Urteil einen “Antisemiten und Rassisten”.

12.4.2000, Mittwoch

Straßburg: Vor den Abgeordneten des Europäischen Parlaments wirbt der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil für das Aussetzen der Sanktionen gegen sein Land, welche die EU-Partner wegen der Regierungsbeteiligung der rechtsgerichteten FPÖ verhängt hatten.

Havanna: Beim Gipfeltreffen der G77-Gruppe ruft deren Vorsitzender, Nigerias Präsident Olusegun Obasanjo, die Entwicklungs- und Schwellenländer zu engerer Zusammenarbeit auf. Bei dem Treffen in Kubas Hauptstadt, an dem 42 Staatschefs teilnehmen, geht es um die Globalisierung, das Verhältnis zwischen Nord und Süd sowie den Zugang der Entwicklungsländer zur Hochtechnologie.

Manila: Ein schweres Schiffsunglück im Süden der Philippinen fordert mindestens 130 Menschenleben. 70 Menschen werden gerettet. Die hölzerne Fähre war nur für den Frachttransport zugelassen.

13.4.2000, Donnerstag

Berlin: Der frühere CDU-Chef Wolfgang Schäuble sagt vor dem Untersuchungsausschuss zur Parteispendenaffäre aus. Er erneuert seine Vorwürfe gegen die frühere Schatzmeisterin der Partei, Brigitte Baumeister, und lastet ihr unwahre Angaben zur Übergabe einer 100 000-DM-Spende des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber vor. Laut Schäuble wurde die Spende in einem verschlossenen Umschlag zunächst von ihm selbst angenommen, dann aber direkt an die Ex-CDU-Schatzmeisterin weitergeleitet mit der Bitte, das Geld zu verbuchen.

Berlin: Zu heftigen Wortgefechten führen im Bundestag die Pläne der Regierung, für eine begrenzte Zeit ausländische Computerspezialisten ins Land zu holen. Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) wirft dem CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, Verhetzungsparolen vor. Unter dem Motto “Ausbildung statt Einwanderung” hatte Rüttgers eine umstrittene Kampagne gegen die sog. Green Card gestartet.

Berlin: Im Bundestag scheitert die von SPD, Grünen, FDP und PDS beantragte Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel ins Grundgesetz. Die für eine Verfassungsänderung nötige Zwei-Drittel-Mehrheit scheiterte am fast geschlossenen Widerstand der CDU/CSU-Fraktion. 22 Stimmen fehlten zur nötigen Mehrheit.

Seoul: Bei den Parlamentswahlen in Südkorea bleibt die größte Oppositionspartei stärkste Fraktion. Die konservative Große Nationalpartei (GNP) verfehlt mit 133 Sitzen nur knapp die absolute Mehrheit in dem 273 Sitze zählenden Parlament. Die regierende Demokratische Millenniumspartei (MDP) von Präsident Kim Dae-Jung erreicht 115 Mandate.

Lima: Bei der Präsidentenwahl in Peru hat Amtsinhaber Alberto Fujimori nach offiziellen Angaben mit 49,8% die absolute Mehrheit knapp verfehlt und muss sich einer Stichwahl gegen Herausforderer Alejandro Toledo (40,3%) stellen. In den Tagen zuvor hatten Tausende gegen Fujimori demonstriert und ihm Wahlbetrug vorgeworfen.

Kolding: In der Stadt treffen sich die Regierungschefs des Ostseerates. Dem 1992 gegründeten Gremium gehören die fünf nordeuropäischen und die drei baltischen Länder an, ferner Deutschland, Polen, Russland und die Europäische Union.

Köln: In Deutschland läuft der erste Film um die Pokémon-Figuren des japanischen Spieleherstellers Nintendo an. Mit dem Streifen “Pikachus Vacation & Pokémon, der Film” geht der Kult um die japanischen Knuddel-Monster weiter.

14.4.2000, Freitag

Berlin: Einen Tag nach der Aussage des ehemaligen Parteichefs Wolfgang Schäuble bekräftigt die frühere CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister vor dem Bundestagsausschuss zur CDU-Spendenaffäre ihre Version der Geldübergabe der 100 000-DM-Spende des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber an die CDU.

Berlin: Der Bundestag bringt mit Zustimmung aller Fraktionen die Entschädigung von Zwangs- und Sklavenarbeitern im Nationalsozialismus auf den parlamentarischen Weg. Mit der mit 10 Mrd. DM dotierten Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” will sich Deutschland zu seiner moralischen Verantwortung für das NS-Unrecht bekennen. Bisher haben sich mehr als 1000 deutsche Firmen zu Zahlungen bereit erklärt.

Berlin: Der SPD-Abgeordnete Willfried Penner wird mit 424 gegen 77 Stimmen bei 42 Enthaltungen vom Bundestag zum neuen Wehrbeauftragten gewählt. Er ist Nachfolger von Claire Marienfeld (CDU), die nicht noch einmal kandidierte.

München: Liedermacher Konstantin Wecker bleibt wegen seines Drogenkonsums das Gefängnis erspart. In der Neuauflage seines Drogen-Prozesses verurteilt ihn das Landgericht zu einer Strafe von 20 Monaten Haft auf Bewährung. Außerdem muss er 100 000 Mark an soziale Einrichtungen zahlen. Wecker war 1996 wegen Kokainmissbrauchs zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil war 1999 aufgehoben worden.

Moskau: Drei Wochen nach der Wahl von Wladimir Putin zum neuen Präsidenten macht das russische Parlament mit der Ratifizierung des START-II-Vertrags den Weg für die weitere nukleare Abrüstung frei. Nach siebenjähriger Blockade durch Kommunisten und Nationalisten billigt die Duma die Ratifizierung des 1993 mit den USA geschlossenen Abkommens. START II sieht eine Halbierung auf 3 000 Atomsprengköpfe für Russland und 3 500 für die USA bis zum Jahr 2007 vor.

Rom: Der führende europäische Luft- und Raumfahrtriese EADS, an dem auch die DaimlerChrysler-Tochter Dasa beteiligt ist, vereinbart mit der italienischen Alenia die Gründung eines Joint Ventures zum Bau von Militärflugzeugen, das Anteile von jeweils 50% für EADS und die italienische Gruppe vorsieht. Damit entsteht der viertgrößte Militärflugzeughersteller nach Lockhee-Martin sowie Boeing und BÄ Systems (früher British Aerospace).

Havanna: Mit der Forderung nach Gleichbehandlung der weniger entwickelten Länder endet in der kubanischen Hauptstadt das Gipfeltreffen der in der Organisation der G-77 zusammengeschlossenen Staaten. Die Teilnehmer verabschieden eine Erklärung, in der sie u.a. fordern, die Vorzüge der Globalisierung allen Ländern dieser Welt zugutekommen zu lassen. An dem Gipfel der 1964 gegründeten G-77 nahmen 42 Staats- und Regierungschefs sowie 122 Delegationen teil.

Belgrad: Auf der ersten großen Demonstration der Oppositionsbewegung im Jahr 2000 protestieren in der jugoslawischen Hauptstadt mindestens 100 000 Menschen gegen Präsident Slobodan Miloševic und für vorgezogene Wahlen. Die lange verfeindeten Oppositionspolitiker Zoran Djindjic und Vuk Draškovic reichen sich auf einer Kundgebung demonstrativ die Hände.

15.4.2000, Samstag

Hannover: Der Hamburger Profiboxer Dariusz Michalczewski verteidigt seinen Weltmeistertitel der WBO gegen den Berliner Graciano Rocchigiani durch Technischen K.O. in der zehnten Runde. Der Herausforderer gibt nach der neunten Runde auf. Für Michalczewski ist es der 42. Sieg und die 17. erfolgreiche Titelverteidigung im Halbschwergewicht.

16.4.2000, Sonntag

Bergen-Belsen: Mit Gedenkfeiern gedenken ehemalige KZ-Häftlinge sowie Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft der Befreiung der Konzentrationslager Bergen-Belsen, Sachsenhausen und Ravensbrück vor 55 Jahren. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, warnt in Bergen-Belsen vor einem Leugnen der Judenvernichtung.

Kiew: Die Wähler in der Ukraine billigen mit überwältigender Mehrheit eine Ausweitung der Machtbefugnisse des Präsidenten Leonid Kutschma zu Lasten des Parlaments. Kutschma erhält u.a. die Möglichkeit, das Parlament aufzulösen, sofern die Abgeordneten nicht innerhalb eines Monats eine regierungsfähige Mehrheit bilden oder den Haushalt verabschieden. Künftig soll das Parlament zwei Kammern haben und die Zahl der Abgeordneten soll von 450 auf 300 verringert werden.

Rom: Der Ausgang der Regionalwahlen stürzt Italien in eine neue Regierungskrise. Wahlsieger ist das Mitte-Rechts-Bündnis um den Oppositionschef und früheren Regierungschef Silvio Berlusconi, das in acht von 15 Regionen die Mehrheit gewinnt. Die Mitte-Links-Parteien von Ministerpräsident Massimo D’Alemas Koalition stellen nur noch sieben statt bislang elf Regionalpräsidenten.

Washington: Mit Straßenblockaden und Kundgebungen protestieren mehr als 10 000 Menschen gegen die negativen Folgen der Globalisierung und versuchen, die gemeinsame Konferenz von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) zu verhindern. Die Polizei nimmt etwa 1300 Demonstranten fest. Auf der Tagung fordert der IWF eine schnellere Entschuldung der Entwicklungsländer.

17.4.2000, Montag

Frankfurt am Main: Die Aktien der Telekomtochter T-Online erleben ihr Debüt an der Börse. Aufgrund eines Kurseinbruchs für Technologiewerte wurde der Ausgabepreis auf 27 Euro und damit deutlich niedriger als erwartet festgelegt. Die Emission war 20-fach überzeichnet. Am ersten Börsentag steigt das Papier auf 37,50 Euro.

Düsseldorf: Der Mannesmann-Aufsichtsrat billigt den Verkauf der Techniksparte Atecs für 9,6 Mrd. Euro an die Unternehmen Siemens und Bosch. Um Atecs hatte auch ThyssenKrupp geworben. Atecs beschäftigt 90 000 Mitarbeiter und erzielte 1999 rd. rund 24 Mrd. DM Umsatz.

Luxemburg: Die Landwirtschaftsminister der Europäischen Union einigen sich auf eine Regelung zur Etikettierung von Rindfleisch. Danach wird die Ware in der Ladentheke ab dem 1. September 2000 mit dem Schlachtort und einer Identifizierungsnummer gekennzeichnet, mit der die Herkunft des Tieres ermittelt werden kann. Ab dem 1. Januar 2002 können die Verbraucher auf dem Etikett auch Geburtsort und Mastbetrieb des Rindes erfahren.

Grosny: Die vom Krieg zerstörte tschetschenische Hauptstadt wird zweieinhalb Monate nach der Eroberung durch russische Truppen wieder für Flüchtlinge geöffnet. Vor den beiden Tschetschenien-Kriegen hatte die Stadt mehr als 350 000 Einwohner.

Hamburg: Im Internet wird die erste Deutsche Moorhuhn-Meisterschaft eröffnet. Die Moorhuhnjagd, von der Werbeagentur Phenomedia für das Whisky-Label “Johnny Walker” entwickelt, hat sich zum liebsten Zeitvertreib in deutschen Büros entwickelt.

18.4.2000, Dienstag

Berlin: Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute bezeichnen in ihrem Frühjahrsgutachten die Konjunkturaussichten als so günstig wie lange nicht. Für 2000 und 2001 prognostizieren sie ein Wachstum von jeweils 2,8% und einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 270 000 beziehungsweise 330 000. Die Inflationsrate erwarten die Wissenschaftler bei 1,5 bzw. 1,3%.

Pristina: Der spanische General Juan Ortuño übernimmt die Führung der Friedenstruppe KFOR im Kosovo. Er löste den deutschen General Klaus Reinhardt ab. Die Zeremonie des Kommandowechsels wird von Gewalttaten überschattet: In Pristina waren zuvor bei zwei Anschlägen innerhalb weniger Stunden ein Mann getötet und mehrere verletzt worden.

Harare: Bei den Landbesetzungen in Simbabwe wird zum zweiten Mal ein weißer Farmer getötet. Am 15. April war erstmals in dem seit zwei Monaten schwelenden Konflikt ein weißer Farmer von schwarzen Besetzern entführt und getötet worden. In einer Rede zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit äußert Präsident Robert Mugabe Bedauern über die Gewalttaten. Ein Ende der Farmbesetzungen ordnet er jedoch trotz einer Aufforderung des Obersten Gerichtes nicht an. Seit Februar haben in Simbabwe vor allem Veteranen aus dem Befreiungskrieg fast 1000 Farmen besetzt.

Rom: Die Vereinten Nationen fordern 2 Mio. t Nahrungsmittelhilfen für die Hungernden am Horn von Afrika. Allein in Äthiopien seien nach anhaltender Dürre 8 Mio. Menschenleben bedroht; in ganz Afrika benötigten 16 Mio. Menschen Nahrungsmittelhilfe.

19.4.2000, Mittwoch

Brüssel: Ein zwischen Großbritannien und Spanien ausgehandeltes Grundsatzabkommen über Gibraltar regelt die Beziehungen des 27 000 Einwohner zählenden Gebiets zu den EU-Ländern, ohne an dem Souveränitätsanspruch Spaniens auf die Besitzung zu rütteln. Zugleich macht die Einigung den teilweisen Beitritt Großbritanniens zum Schengener Abkommen über den Abbau der Grenzkontrollen in Europa möglich. Ferner wird die Blockade zahlreicher EU-Vorhaben beendet, die wegen des Gibraltar-Konflikts auf Eis lagen.

Brüssel: Die Europäische Kommission billigt die Erweiterung des Hamburger Airbus-Werksgeländes zum Bau des Großraumflugzeugs Airbus A 3-X-X in ein Naturschutzgebiet hinein. Betroffen von der Brüsseler Entscheidung ist das “Mühlenberger Loch”, ein Feuchtgebiet von mehr als 700 ha Größe, in dem vom Aussterben bedrohte Vogel- und Pflanzenarten leben.

Rom: Drei Tage nach einem Wahldebakel des Regierungslagers bei den Kommunalwahlen in Italien tritt der seit Oktober 1998 amtierende Ministerpräsident Massimo D’Alema zurück. Die neue Mitte-Links-Regierung unter dem parteilosen Ministerpräsident Giuliano Amato wird am 26. April vereidigt. Es ist die 58. Nachkriegsregierung Italiens.

Moskau: Nach der Duma ratifiziert auch das russische Oberhaus den Start-II- Abrüstungsvertrag mit den USA. Das 1993 ausgehandelte Abkommen sieht die schrittweise Reduzierung der Atomsprengköpfe auf 3500 in den USA und 3000 in Russland vor.

Davao: Beim schwersten Flugzeugabsturz in der Geschichte der Philippinen kommen alle 131 Insassen der Maschine, darunter 22 Kinder und sieben Besatzungsmitglieder, ums Leben. Die Boeing 737-200 der Air Philippines war auf dem Weg von Manila nach Davao im Süden der Philippinen. Kurz vor der Landung stürzt die Maschine auf der Insel Samal ab.

Quevért: Bei einem Anschlag auf ein McDonald’s-Restaurant bei Dinan in der Bretagne kommt eine 27-Jährige Serviererin ums Leben. Franzosische Behörden vermuten als mögliche Täter die sog. Revolutionäre Bretonische Armee (ARB).

Paris: Eines der größten Rätsel der französischen Geschichte ist gelöst: Der Gen-Test eines Kinderherzens durch belgische und deutsche Experten hat definitiv ergeben, dass ein 1795 an Tuberkulose gestorbener Knabe der Sohn von König Ludwig XVI. und Königin Marie-Antoinette war. Das während der Französischen Revolution hingerichtete Königspaar blieb somit ohne Nachfahren.

20.4.2000, Donnerstag

Erfurt: Bei einem Brandanschlag auf die Synagoge der jüdischen Gemeinde entsteht leichter Sachschaden. Der Brand kann schnell gelöscht werden, verletzt wird niemand. Die Täter nennen sich “Die Scheitelträger” und hinterlassen ein Bekennerschreiben mit rechtsgerichtetem Inhalt. Am 26. April werden drei junge Rechtsradikale im Alter von 17 und 18 Jahren gefasst. Sie gestehen die Tat.

La Paz: Die bolivianische Regierung hebt den am 8. April verhängten Ausnahmezustand auf. Präsident Hugo Banzer wollte damit eine Welle sozialer Proteste unterbinden. Bei den Unruhen wurden nach offiziellen Angaben mindestens fünf Menschen getötet und 40 verletzt.

Nairobi: Die nach zehn Tagen zu Ende gehende Artenschutzkonferenz in der kenianischen Hauptstadt bestätigt den strengen Schutz für Wale und Meeresschildkröten. Die Delegierten aus 150 Ländern lehnen Anträge Norwegens und Kubas ab, den Handel mit Walfleisch und der bedrohten Karettschildkröte zu legalisieren. Besonders kontrovers wurde über den Elfenbeinhandel diskutiert, den einige afrikanische Staaten zum Teil wieder freigeben wollten.

Leeds: Im Halbfinale des Fußball-UEFA-Cups erreicht Galatarasay Istanbul durch ein 2:2 gegen Leeds United als erste türkische Mannschaft ein Europacup-Finale. Gegner im Endspiel am 17. Mai in Kopenhagen ist Arsenal London. Wie schon vor dem 2:0-Sieg der Türken im Hinspiel kommt es zu Ausschreitungen. Dabei werden mehrere Menschen verletzt, unter ihnen zwei Journalisten der BBC. Die britischen Behörden hatten mehr als 350 Polizisten in Leeds zusammengezogen.

21.4.2000, Freitag

Moskau: Nach vier Jahren Verzögerung ratifiziert die russische Staatsduma mit 298 gegen 74 Stimmen bei drei Enthaltungen den internationalen Atomteststoppvertrag. Der Vertrag zum Verbot von Nukleartests gilt neben dem Atomwaffensperrvertrag als eines der wichtigsten Instrumente der Rüstungskontrolle. Der US-Senat hatte im Oktober 1999 eine Ratifizierung des von Präsident Bill Clinton unterstützten Abkommens abgelehnt.

Sarajevo: Die Bosnien-Schutztruppe KFOR verhaftet mit Dragan Nikolic den am längsten gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher des Bosnien-Kriegs. Der 43-Jährige bosnische Serbe wird im Nordosten Bosniens gestellt und sofort zum UNO-Kriegsverbrechertribunal nach Den Haag gebracht. Nikolic wird vorgeworfen, als Kommandant eines Gefangenenlagers in Susica im Sommer 1992 schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Er soll mindestens acht Muslime ermordet und zahlreiche Gefangene gefoltert haben.

Moskau: Russlands Staatschef Wladimir Putin reagiert zurückhaltend auf die vom tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow ausgerufene einseitige Waffenruhe. Verhandlungen mit Maschadow seien nur möglich, wenn dieser gemeinsam mit den russischen Truppen die Rebellen in Tschetschenien bekämpfe, sagt Putin. Darüber hinaus müssten die Kommandeure der Rebellen ausgeliefert werden.

Kattowitz: 17 Monate nach dem Abstieg ist das deutsche Eishockey wieder erstklassig. Durch einen 5:0 Erfolg gegen Großbritannien sicherte sich die deutsche Auswahl den Sieg bei der B-Weltmeisterschaft in Polen.

22.4.2000, Samstag

Miami: Beamte der US-Einwanderungsbehörde INS und der Polizei holen den kubanischen Flüchtlingsjungen Elián in einer Blitzaktion mit Waffengewalt aus dem Haus der Verwandten im US-Bundesstaat FIorida und setzen den Sechsjährigen in ein Flugzeug nach Washington, wo er vorerst seinem Vater übergeben wird. Damit erreicht der knapp fünf Monate lange Sorgerechtsstreit mit Verwandten Elians seinen Höhepunkt. In Miami kommt es zu Protesten von Exilkubanern. Elians Mutter und Stiefvater waren am 23. November 1999 auf der Flucht nach Florida ertrunken.

London: Die britische Regierung macht ein Ende der Gewalt gegen weiße Farmer in Simbabwe zur Bedingung für finanzielle Hilfe bei einer Landreform. Am Tag zuvor hatten die Präsidenten Südafrikas, Namibias und Mosambiks bei einem Krisengipfel in Victoria Falls den Westen, vor allem die frühere Kolonialmacht Großbritannien, aufgerufen, finanzielle Hilfe für eine Landreform in Simbabwe zu leisten. Dort halten seit Ende Februar schwarze Veteranen des Befreiungskrieges etwa 500 Farmen der weißen Minderheit besetzt.

Porto Seguro: Überschattet von Unruhen beginnen in Brasilien die Feiern zur Entdeckung des Landes durch portugiesische Seefahrer vor 500 Jahren. Hunderte von Polizisten und Demonstranten liefern sich in der historischen Gemeinde Porto Seguro im Bundesland Bahia Straßenschlachten mit Indios, landlosen Bauern und Schwarzen. In Porto Seguro hatten die Portugiesen am 22. April 1500 erstmals die Küste Brasiliens gesichtet.