Was geschah im April 2001

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1.4.2001, Sonntag

Belgrad: Ein halbes Jahr nach dem Verlust seiner politischen Macht wird Jugoslawiens am 5. Oktober 2000 gestürzter früherer Präsident Slobodan Milo c verhaftet und inhaftiert. Nach Angaben des Innenministeriums leistet der 59-jährige Ex-Diktator keinen Widerstand. Vorausgegangen war eine 26 Stunden dauernde Belagerung von Milo c s Villa, nachdem am Vorabend der erste Festnahmeversuch gescheitert war. Die jugoslawische Regierung will über eine mögliche Auslieferung Milo c s an das internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag erst nach einem Prozess wegen Amtsmissbrauch und Korruption entscheiden.

Berlin : In Deutschland werden Autofahrer härter bestraft, wenn sie sich alkoholisiert ans Steuer setzen oder im Auto ohne eine sog. Freisprecheinrichtung ein Handy benutzen. Wer mit 0,5 Promille ertappt wird, muss seinen Führerschein für einen Monat abgeben und ein Bußgeld von 500 DM zahlen. Bislang wurden Fahrverbote erst ab 0,8 Promille Alkohol im Blut verhängt.

Amsterdam : Im Rathaus der Stadt werden die ersten standesamtlichen Trauungen von homosexuellen Paaren offiziell vollzogen. Vier Paare geben sich kurz nach Mitternacht das Jawort. Unmittelbar zuvor war ein entsprechendes Gesetz in Kraft getreten, welches den homosexuellen Paaren auch die Adoption von Kindern erlaubt. Die weltweit bisher einzigartige Möglichkeit der Eheschließung ist allein Trauwilligen vorbehalten, von denen wenigstens ein Partner seinen ständigen Wohnsitz in den Niederlanden hat.

2.4.2001, Montag

Wien : Österreich beginnt mit der Auszahlung von Entschädigungen für Opfer des Nationalsozialismus. Die ersten 60 Antragsteller erhalten als Abgeltung für enteignete Wohnungen und für Ansprüche aus eingezogenem Vermögen pauschal jeweils 7 000 US-Dollar. Insgesamt wird mit 21 000 Anträgen gerechnet.

3.4.2001, Dienstag

Burgsteinfurt: Wegen des dringenden Verdachts auf einen Ausbruch der hoch ansteckenden Viruskrankheit Maul- und Klauenseuche wurden in der Gemeinde Horstmar-Haltern im Münsterland 100 Ferkel eines Bauernhofes getötet. Der MKS-Verdacht erhärtet sich jedoch nicht, ebenso wenig wie bei zwei Höfen in Hessen.

4.4.2001, Mittwoch

Berlin : Die für den 14. Juli geplante Love Parade in Berlin kann auf der traditionellen Strecke durch den Tiergarten nicht stattfinden, weil diese von einer früher angemeldeten Gegendemonstration von Umweltschützern belegt ist.

Düsseldorf : Im Prozess um den Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge im Oktober 2000 wird ein Deutscher marokkanischer Herkunft zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Bereits im März war ein 19 Jahre alter Komplize zu eineinhalb Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Nach eigenen Aussagen wollten die beiden Täter ein Zeichen gegen die Gewalt der Israelis im Nahen Osten setzen.

5.4.2001, Donnerstag

Luxemburg : Die EU-Verkehrsminister beschließen die Entwicklung des europäischen Satelliten-Navigationssystems “Galileo”. Das 3,3-Mrd.-Euro-Projekt soll mit 30 Satelliten im Jahre 2008 europaweit u.a. auf den Meter genaue Standort-Bestimmungen etwa für Autofahrer möglich machen.

Berlin : Die Bürger in Deutschland werden immer häufiger heimlich belauscht oder gefilmt. Dies geht aus dem Tätigkeitsbericht des Bundessdatenschutzbeauftragten Joachim Jacob hervor. Jacob fordert vom Gesetzgeber, die Veröffentlichung von Tonmitschnitten und heimlich gemachten Bildaufnahmen unter Strafe zu stellen.

6.4.2001, Freitag

Islamabad : Das höchste Gericht Pakistans hebt die Korruptionsurteile gegen die ehemalige Ministerpräsidentin Benazir Bhutto und deren Ehemann Asif Ali Zardari auf und ordnet ein neues Verfahren an. Wegen Korruption war Bhutto im April 1999 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, hatte jedoch vor der Urteilsverkündung das Land verlassen. Ihr Mann sitzt seit 1996 in Haft.

Berlin : Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) fordert von den Arbeitsämtern ein härteres Vorgehen gegen Arbeitslose, die einen angebotenen Job ablehnen. “Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft”, sagt der SPD-Vorsitzende in einem Interview mit der “Bild”-Zeitung.

7.4.2001, Samstag

Cincinnati: Tödliche Schüsse von Polizeibeamten auf einen 19-jährigen Schwarzen lösen in der Großstadt im US-Bundesstaat Ohio mehrtägige, schwere Rassenunruhen aus. Der Getötete war bei einer Polizeikontrolle geflüchtet. Ein Beamter schoss, weil er annahm, dass der junge Mann einen Revolver zücken wollte.

Cape Canaveral : Die US-Weltraumbehörde NASA bringt nach zwei gescheiterten Missionen eine neue Sonde auf den Weg zum Planeten Mars. “Mars Odyssey 2001” soll den “Roten Planeten” nach sechs Monaten erreichen und den Mars dann zweieinhalb Jahre bis zum Juli 2004 zu geologischen Studien umkreisen. Hauptziele sind die Suche nach Wasser und nach einem geeigneten Landeplatz.

8.4.2001, Sonntag

Suzuka : Katja Poensgen aus Heppenheim geht als erste Frau in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft an den Start eines 250 ccm-Rennens. Die Aprilia-Pilotin erreicht Rang 22 und lässt damit alle Kritiker verstummen.

London: Sophie, als Gemahlin von Prinz Edward Herzogin von Wessex, gibt den Rückzug aus ihrer Londoner PR-Agentur mit. Es ist das vorläufige Ende von “Sophiegate”, einer Affäre um freimütige Äußerungen über Politiker und Angehörige des Königshauses. Sie war einem angeblichen Scheich auf den Leim gegangen und hatte u.a. Cherie Blair, die Frau des britischen Premiers Tony Blair, als “scheußlich, scheußlich, scheußlich” und Oppositionsführer William Hague als “deformiert” bezeichnet. Der gesamte Dialog wurde in der Zeitung “News of the World” veröffentlicht.

9.4.2001, Montag

St. Petersburg : Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sichert Russlands Präsidenten Wladimir Putin die volle Unterstützung Deutschlands auf dem Weg zu einer europäischen Werte- und Wirtschaftsordnung zu. Das Treffen erfolgt im Rahmen des zweitägigen sog. Petersburger Dialogs, an dem mehr als 130 deutsche und russische Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur teilnehmen.

10.4.2001, Dienstag

Palma de Mallorca : Auf Mallorca und den übrigen Balearen-Inseln müssen Urlauber künftig eine Ökosteuer bezahlen. Ungeachtet der Proteste aus der Reisebranche beschließt das Regionalparlament mit den Stimmen der regierenden rot-grünen Koalition eine Abgabe von durchschnittlich einem Euro pro Person und Tag.

Philippsburg: Erstmals seit 1998 wird wieder deutscher Atommüll nach Frankreich gebracht. Brennelemente aus Kernkraftwerken in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg werden zunächst nach Rheinland-Pfalz transportiert und dort für die Weiterfahrt nach La Hague zusammengekoppelt. Bei Protestaktionen im baden-württembergischen Philippsburg nimmt die Polizei 15 Greenpeace-Aktivisten fest. Sie hatten versucht, sich auf Bahngleisen festzuketten.

11.4.2001, Mittwoch

Johannesburg: Bei einer Massenpanik in einem Fußballstadion kommen 43 Menschen ums Leben, mindestens 85 Fußballfans werden bei dem Unglück verletzt. Einige tausend Menschen waren in das mit 60 000 Zuschauern schon überfüllte Ellis-Park-Stadion gedrängt, um das Erstliga-Spiel zwischen den Kaizer Chiefs und Orlando Pirates zu sehen.

Ankara: Bei einer Massendemonstration gegen die türkische Regierung kommt es in der Hauptstadt zu schweren Straßenschlachten. Die Polizei geht mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, als diese versuchen, Polizeisperren zu durchbrechen und zum Parlament zu marschieren. Im Zentrum der Proteste steht wegen der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise Ministerpräsident Bülent Ecevit, der Forderungen nach seinem Rücktritt zurückweist.

Berlin : Ein Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses zur Spendenaffäre der Landes-CDU nimmt seine Arbeit auf. Er soll prüfen, ob es zwischen der 40 000-DM-Spende einer Immobilienfirma an die Berliner CDU und einem umstrittenen Kredit der Berliner Bankgesellschaft einen Zusammenhang gibt. Im Mittelpunkt der Affäre steht CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky, Vorstand des betroffenen Tochterunternehmens der Berliner Bankgesellschaft.

12.4.2001, Donnerstag

Washington : Die von China freigelassene Besatzung des am 1. April nach einem Zusammenstoß mit einem chinesischen Kampfjet auf der Insel Hainan notgelandeten US-Spionageflugzeugs trifft auf Hawaii ein. Dort sollen die 21 Männer und drei Frauen medizinisch untersucht werden. China hatte die Crew nach elf Tagen diplomatischen Tauziehens freigelassen, nachdem die USA ihr Bedauern über den Zwischenfall geäußert hatten.

13.4.2001, Freitag

Belgrad : Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milo c wird auf Anordnung des Untersuchungsrichters nach zwei Tagen aus dem Krankenhaus zurück in seine Gefängniszelle gebracht. Die Ärzte waren zu der Auffassung gelangt, Milo c könne das Krankenhaus trotz seiner Herzbeschwerden verlassen.

Rom : Zum ersten Mal in seiner 22-jährigen Amtszeit nimmt Papst Johannes Paul II. wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nicht an der traditionellen Kreuzweg-Prozession beim Kolosseum teil. Nur zum Abschluss der Prozession trägt der gebrechlich wirkende Papst das Kreuz einige Meter auf den letzten beiden Stationen.

14.4.2001, Samstag

Ankara : Die türkische Regierung legt ein ihr mit Spannung erwartetes Sanierungsprogramm zur Überwindung der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise vor. Vorgesehen sind u.a. Privatisierungen, eine Reform des Bankensystems sowie die Senkung der Staatsausgaben. Die Regierung erwartet, dass die türkische Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 3% schrumpfen wird. In Istanbul und anderen Städten demonstrieren erneut mehrere tausend Menschen gegen die Regierung.

Moskau : Beim bisher einzigen unabhängigen nationalen Fernsehsender Russlands, NTW, übernimmt die vom Staatskonzern Gazprom eingesetzte Führung handstreichartig die Kontrolle und entlässt sofort einige missliebige Redakteure. Der Sender war Anfang April bei einer umstrittenen Aktionärsversammlung unter die Verwaltung des staatlich kontrollierten Gaskonzerns Gasprom gestellt worden, der die gesamte Direktion auswechselte.

15.4.2001, Sonntag

Reims : In Nordfrankreich werden 55 Tonnen Giftgas-Munition aus dem Ersten Weltkrieg mit einem aufwendigen Transport in das Militärdepot Suippes im Department Marne gebracht. Wegen des desolaten Zustands der offen gelagerten Munition hatten am Karfreitag und Ostersamstag etwa 13 000 Menschen im Raum Vimy ihre Häuser verlassen müssen.

Rom : In seiner traditionellen Osterbotschaft ruft Papst Johannes Paul II. zum Frieden in der Welt auf. Vor rd. 100 000 Gläubigen auf dem Petersplatz wünscht der Papst in 61 Sprachen Gläubigen in aller Welt ein frohes Osterfest.

16.4.2001, Montag

Frankfurt am Main: Mehrere zehntausend Menschen nahmen nach Schätzungen der Veranstalter an den diesjährigen Ostermärschen der Friedensbewegung teil.

17.4.2001, Dienstag

Hamburg : Italien fordert die deutsche Justiz auf, den seit 56 Jahren unbehelligt in Hamburg lebenden ehemaligen SS-Chef von Genua, Friedrich Engel, vor Gericht zu stellen. Engel war kurz zuvor von Fernsehjournalisten ausfindig gemacht und interviewt worden. Den heute 92-Jährigen hatte ein Militärgericht in Turin 1999 in Abwesenheit wegen der Ermordung von 246 italienischen Zivilisten in den Jahren 1944/45 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Köln: Das Bundesamt für Verfassungsschutz startet ein Aussteigerprogramm für Rechtsextremisten. Dazu gehören Hilfen bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz sowie einer Wohnung. Vor allem Führungskräfte der rechten Szene sollen damit angesprochen werden. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hatte die Initiative Anfang Januar angekündigt.

Düsseldorf: Der nordrhein-westfälische Minister für Europa- und Bundesangelegenheiten, Detlev Samland (SPD), tritt wegen einer Steueraffäre zurück. Samland hatte rd. 100 000 DM aus Aufsichtsratsbezügen bei der Rheinbraun AG nicht versteuert.

18.4.2001, Mittwoch

Bujumbara : Im ostafrikanischen Staat Burundi scheitert ein Militärputsch. Eine bisher unbekannte “Patriotische Jugendfront” von Soldaten der Armee nimmt den staatlichen Rundfunk ein und erklärt Präsident Pierre Buyoya für abgesetzt. Der Staatschef hält sich in Gabun auf. Dort wird über ein Ende des seit siebeneinhalb Jahren andauernden Bürgerkriegs in Burundi beraten.

Berlin: Die PDS-Führung erkennt erstmals den Zusammenschluss von KPD und SPD zur SED im Jahr 1946 als Zwangsvereinigung an und entschuldigt sich dafür. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering nennt die Entschuldigung überfällig.

19.4.2001, Donnerstag

Cap Canaveral : Die US-Raumfähre ” Endeavour ” startet zur Internationalen Raumstation ISS. An Bord sind sieben Astronauten, darunter mit dem Italiener Umberto Guidoni erstmals ein Raumfahrer der europäischen Weltraumbehörde ESA. Zur Ladung gehört ein fast 18 m langer Roboterarm, der an der ISS montiert werden soll.

Frankfurt am Main: Der Flugverkehr über Deutschland ist in der vorangegangenen Nacht ohne Probleme auf neue Flugrouten geleitet worden. Mit den seit Mitternacht geltendenden neue Routen will die Deutsche Flugsicherung für mehr Platz am Himmel sorgen. Die neuen Flugrouten wurden im Rahmen der Neuordnung des gesamten europäischen Luftraums eingeführt.

Pretoria: Nach sechswöchiger Verhandlungsdauer ziehen 39 internationale Pharmakonzerne im Streit um billigere Aids-Medikamente ihre Klage gegen die Regierung von Südafrika zurück. Die Anwälte der Unternehmen erklären, dass die Industrie für die Prozesskosten aufkommen werde. Bei dem Rechtsstreit ging es um ein Gesetz, das die Einfuhr oder die Herstellung billiger Versionen patentierter Medikamente ermöglicht, um die Aids-Kranken im Land mit Medikamenten zu versorgen. Die Pharmakonzerne hatten Südafrika vorgeworfen, mit der Zulassung sog. Generika Patentrechte zu verletzen.

20.4.2001, Freitag

Berlin: Der italienische Dirigent Giuseppe Sinopoli stirbt im Alter von 54 Jahren in der Deutschen Oper Berlin bei einer Aufführung der Oper “Aida” an einem Herzinfarkt. Sinopoli war mit diesem Gastspiel nach mehr als zehn Jahren wieder nach Berlin zurückgekehrt. Der aus Venedig stammende Dirigent leitete seit 1992 die Staatskapelle Dresden.

Brüssel : Die EU-Kommission untersagt dem Dualen System Deutschland (DSD), generell Gebühren für Produktverpackungen mit dem sog. Grünen Punkt zu erheben. Die vom Produkthersteller zu zahlende Abgabe sei nur dann gerechtfertigt, wenn das Duale System die Packungen auch wirklich wiederverwerte oder entsorge. Sofern andere Unternehmen den Abfall beseitigten, dürfe das DSD keine Lizenzgebühren mehr erheben.

21.4.2001, Samstag

Berlin : Knapp ein Jahr nach dem tödlichen Angriff von Kampfhunden auf einen kleinen Jungen in Hamburg tritt das “Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde” in Kraft. Neben Einfuhrverboten für vier Hunderassen sind darin auch Strafen für die Züchtung bestimmter Rassen vorgesehen. Bei Verstößen können die Hunde eingezogen werden.

22.4.2001, Sonntag

Quebec: Die Staats- und Regierungschefs von 34 amerikanischen Staaten beschließen in der kanadischen Stadt, ihre geplante Freihandelszone von Alaska bis Feuerland bis spätestens Dezember 2005 zu schaffen und nur für Demokratien zu öffnen. Die dreitägige Konferenz war von gewalttätigen Protesten überschattet. Globalisierungsgegner und Polizei hatten sich wiederholt Straßenschlachten geliefert. Nach Polizeiangaben wurden mehr als 400 Demonstranten festgenommen.

23.4.2001, Montag

Frankfurt am Main: Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) steht nicht mehr unter dem Verdacht der uneidlichen Falschaussage. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen den Vizekanzler offiziell ein. Zeugen hätten Fischers Aussage aus dem Frankfurter OPEC-Prozess erhärtet, er habe mit der ehemaligen RAF-Terroristin Margrit Schiller nie in einer Wohnung zusammen gewohnt. Fischers Zeugenaussage vom 16. Januar sei somit “nicht falsch”.

24.4.2001, Dienstag

Berlin: Der frühere CDU-Schatzmeister Walter Leisler Kiep hat seiner Partei 1 Mio. DM überwiesen, wie CDU-Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann mitteilt. Kiep erklärte in einem vom 21. März datierten Brief, das Geld gehöre nicht zu seinem Privatvermögen und müsse wohl Eigentum der Partei sein. Wenige Tage später muss die CDU-Führung einräumen, dass sie schon vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 25. März über die Kiep-Million informiert war. Kiep war 21 Jahre lang Schatzmeister der CDU und gilt als eine der Schlüsselfiguren der Parteispendenaffäre.

Stuttgart : Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot startet der erste Atommülltransport seit 1998 von Deutschland in die britische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield.

Tokio: Der als Reformer geltende Junichiro Koizumi wird mit klarer Mehrheit zum Chef der in Japan regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) gewählt. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Parlament wird der 59-jährige Koizumi am 26. April mit großer Mehrheit vom Unterhaus des Parlaments zum Regierungschef bestimmt. Koizumi tritt die Nachfolge des unbeliebten Yoshiro Mori an, der nach einer Reihe parteiinterner Skandale und politischer Schnitzer zurückgetreten war. Traditionell ist bei der LDP, die in Japan mit kurzen Unterbrechungen Japan seit 1955 regiert, der Parteivorsitzende auch Regierungschef.

25.4.2001, Mittwoch

Karlsruhe: In einem Grundsatzurteil entscheidet das Bundesverwaltungsgericht, dass die Deutsche Telekom der Konkurrenz den direkten Zugriff auf die Anschlussleitung der Kunden ohne zusätzliche technische Extras oder Zusätze gewähren muss. Nur so könne, so die Richter, für nicht marktbeherrschende Mitbewerber Chancengleichheit im Wettbewerb hergestellt werden.

Manila : Der frühere philippinische Präsident Joseph Estrada wird in seiner Residenz verhaftet. Er soll Bestechungsgelder entgegengenommen, öffentliche Mittel veruntreut und Freunde vor Strafverfolgung geschützt haben. Das Gericht ordnet auch die Festnahme acht weiterer Freunde Estradas an. Estrada war am 20. Januar in einem Volksaufstand gestürzt worden.

Berlin: Die Schere zwischen arm und reich geht in Deutschland immer weiter auseinander. Dies ergab der von Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) vorgestellte erste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Laut dem Report “Lebenslagen in Deutschland” konzentrieren sich 42% des Privatvermögens auf ein Zehntel der westdeutschen Haushalte. Zugleich muss sich die Hälfte der dortigen Bevölkerung mit einem Anteil von 4,5% zufrieden geben. Im Osten besitzt das obere Zehntel sogar 48% des Privatvermögens. Die Zahl der Einkommensmillionäre wird auf 13 000 beziffert. Dagegen leben 2,88 Mio. Menschen von Sozialhilfe, etwa ein Fünftel der Bevölkerung gilt als Geringverdiener.

26.4.2001, Donnerstag

Kiew : In der Ukraine, Russland und WeißRussland gedenken die Menschen mit Trauermärschen und Gottesdiensten der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986. Damals starben nach amtlichen Angaben 4 000 der bei den Rettungsarbeiten eingesetzten Helfer den Strahlentod. Insgesamt leiden rd. 3,4 Mio. Ukrainer an den Folgen der Katastrophe, darunter 1,2 Mio. Kinder.

Berlin: Der Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, für das Jahr 2000 weist eine um 12% auf 2030 angestiegene Zahl von Rauschgiftopfern aus. Dies ist die höchste Zahl in Deutschland seit 1992. Zum deutlichen Anstieg hätten vor allem junge Aussiedler beigetragen. Vor allem die Einnahme von Kokain und der Medikamentenmissbrauch seien ansteigend, der Heroinkonsum ging dagegen leicht zurück. Der Alkoholkonsum bewegt sich im europäischen Vergleich weiter auf einem “sehr hohen Niveau”.

27.4.2001, Freitag

Abuja : Staats- und Regierungschefs mehrerer Staaten Afrikas beschließen einen gemeinsamen Aktionsplan gegen die Immunschwächekrankheit AIDS. Zum Abschluss des zweitägigen Gipfeltreffens der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in der nigerianischen Hauptstadt verständigen sie sich darauf, die Zollgebühren für AIDS-Medikamente aufzuheben und mindestens 15% ihres Jahreshaushalts für die Verbesserung des Gesundheitswesens auszugeben.

28.4.2001, Samstag

Baikonur : Der erste Weltraum-Tourist Dennis Tito startet zur Internationalen Raumstation ISS. Der US-Multimillionär und die beiden russischen Kosmonauten Talgat Musabajew und Juri Baturin heben mit ihrer Sojus-Rakete planmäßig vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ab. Für seine private Reise ins All hatte der 60 Jahre alte Tito 20 Mio. US-Dollar bezahlt.

Rockville: Die US-Firma Celera Genomics hat nach eigenen Angaben das Erbgut der Maus komplett entschlüsselt und stellt ihre Daten gegen Bezahlung zur Verfügung.

29.4.2001, Sonntag

Lubumbashi : Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Fußballfans fordern in der Demokratischen Republik Kongo mindestens zehn Todesopfer. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens werden sie zu Tode getrampelt oder erstickten, als in der Provinz Katanga bei einem Spiel zwischen dem FC Lupopo und le Tout Puissant Mazembe eine Massenpanik ausbricht. Im Stadion, das 40 000 Zuschauer aufnehmen kann, sollen sich über 60 000 Fans aufgehalten haben.

Washington : Nach Angaben der Weltbank leben mehr als 1,2 Mrd. Menschen in bitterer Armut. Ihnen steht weniger als ein US-Dollar am Tag zur Verfügung. Die ärmsten Länder sind danach die afrikanischen Staaten Äthiopien, Burundi und Sierra Leone mit einem Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 130 Dollar im Jahr.

30.4.2001, Montag

Baikonur . Als erster Privatmann macht der US-Multimillionär Dennis Tito an Bord der Internationalen Raumstation ISS Urlaub im All. Die russische Sojus-Kapsel mit Tito dockt nach einem zweitägigen Flug wie geplant an die Raumstation an. Der Hobby-Raumfahrer verbringt sechs Tage in der ISS und bezahlt dafür 20 Mio. US-Dollar an die Russen.

Cotonou : Nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF und der Regierung des westafrikanischen Staates Benin befanden sich auf dem zwei Wochen zuvor nach längerer Irrfahrt in den Hafen von Cotonou eingelaufenen Schiff “Etireno” doch Kindersklaven. Mehrere der 43 Minderjährigen an Bord seien von ihren Eltern verkauft worden, um in Gabun zu arbeiten. Der Besitzer des Schiffes, der beim VfL Wolfsburg tätige nigerianische Fußballprofi Jonathan Akpoborie, wird vom Bundesligisten bis auf weiteres vom Spiel- und Trainingsbetrieb suspendiert. Der Stürmer weist jegliche Verwicklung in Kinderhandel zurück.

Berlin : Unter dem Druck wachsender öffentlicher Kritik räumt CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer erstmals ein, die Parteispitze hätte die Überweisung von 1 Mio. DM durch Ex-Schatzmeister Walter Leisler Kiep schon nach der Vorstandssitzung am 23. April der Öffentlichkeit mitteilen sollen.