Was geschah im April 2002

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1.4.2002, Montag

Santa Cruz : Bei einem schweren Unwetter auf der kanarischen Urlauberinsel Teneriffa kommen sechs Menschen ums Leben. Nach Behördenangaben gehen vor allem im Norden der Insel sintflutartige Regenfälle nieder. In der Inselhauptstadt Santa Cruz und in mehreren Dörfern im Norden sind die Straßen überflutet. Der Autoverkehr bricht zusammen und auch der Flughafen Los Rodeos nahe Santa Cruz und der Hafen müssen geschlossen werden.

Den Haag : In den Niederlanden tritt das Gesetz zur aktiven Sterbehilfe in Kraft. Somit wird – unter strengen Bedingungen – Sterbehilfe nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Die Niederlande sind das weltweit erste Land, in dem sich unheilbar Kranke den Wunsch nach Sterbehilfe erfüllen können. Nun dürfen Ärzte – ohne sich der Gefahr einer Bestrafung auszusetzen – Sterbehilfe leisten, sofern ein Patient unerträglich leidet, keine Aussicht auf Heilung besteht und er ausdrücklich zu sterben wünscht. Ferner müssen die behandelnden Ärzte, vor der Sterbehilfe den Rat unabhängiger Kollegen einzuholen, die ihre Diagnosen bestätigen müssen.

Ramallah: Israel weitet seine Militäroffensive auf weitere Städte im Westjordanland aus. Panzer rücken in die Städte Kalkilia, Tulkarem und Bethlehem ein. Hier wird die Geburtskirche Christi umstellt, in der sich etwa 150 teils bewaffnete Palästinenser verschanzt haben. Zugleich belagert die Armee weiter den Amtssitz von Palästinenserpräsident Jasir Arafat in Ramallah.

Frankfurt am Main : Der Nahostkonflikt und der Krieg in Afghanistan haben den Ostermärschen der Friedensbewegung neuen Auftrieb gegeben. An den Demonstrationen, Gottesdiensten und Fahrradkorsos in rund 70 Städten beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter seit dem 29. März Zehntausende Menschen und damit wesentlich mehr als im Vorjahr.

2.4.2002, Dienstag

Oberpfaffenhofen : Der Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier reicht beim Amtsgericht Weilheim einen Antrag auf Insolvenz ein. Von den 4300 Arbeitsplätzen des in der Nähe von München ansässigen Unternehmens sind allein 3600 in Deutschland betroffen. Fairchild Dornier begründet seine Finanzprobleme u.a. mit der Luftfahrtkrise nach den Terroranschlägen in den USA. Erst rund zwei Wochen zuvor hatte der Flugzeugbauer den Prototypen des neuen Modells 728 vorgestellt.

Luanda: In Angola beschließt das Parlament einstimmig eine Generalamnestie für die Kämpfer der Rebellenbewegung UNITA. Sie ist ein Teil des am 30. März zwischen Regierung und UNITA nach 27 Jahren Bürgerkrieg vereinbarten Waffenstillstandsabkommens. In dem Konflikt waren seit 1975 mehr als 500 000 Menschen getötet und 4 Mio. Menschen vertrieben worden.

Kabul: Die afghanischen Behörden vereiteln nach eigenen Angaben einen Umsturzversuch gegen die Übergangsregierung von Ministerpräsident Hamid Karsai. Die mutmaßlichen Verschwörer sollen nach Angaben des Innenministeriums Bombenattentate in Kabul und Anschläge auf die internationale Schutztruppe ISAF geplant haben, um Karsai zu stürzen und um die ab Juni tagende Große Ratsversammlung Loya Jirga zu stören, zu deren Aufgaben die Wahl einer weiteren Interimsregierung gehört.

Almelo : Im Prozess um die im Mai 2000 explodierte Feuerwerksfabrik im niederländischen Enschede kommen die beiden angeklagten Direktoren mit milden Strafen davon. Das Gericht verurteilt sie zu jeweils sechs Monaten Haft, davon werden drei Monate zur Bewährung ausgesetzt. Die Katastrophe verwüstete im Mai 2000 einen ganzen Stadtteil, 22 Menschen kamen ums Leben.

Dschenin: Ungeachtet wachsender internationaler Kritik weitet Israel seine Offensive im Westjordanland aus. Israelische Truppen rücken in das Flüchtlingslager im Westjordanland ein. Es wird in tagelangen, heftigen Kämpfen erobert. Dabei werden große Teile des Lagers dem Erdboden gleich gemacht. Die Zahl der palästinensischen Opfer ist umstritten. Zugleich kündigt Israels Ministerpräsident Ariel Scharon an, er wolle Palästinenserpräsident Jasir Arafat aus den Autonomiegebieten verbannen.

Wrestedt: Nach einem Banküberfall auf eine Sparkasse in der niedersächsischen Stadt nehmen drei bewaffnete Männer zwei weibliche Angestellte als Geiseln und fliehen mit einer Beute von ca. 200 000 Euro. Die halsbrecherische Verfolgungsjagd quer durch Deutschland und Polen nimmt nach 22 Stunden in der Ukraine ein unblutiges Ende. Eine Geisel kann bei einem Tankstopp in Ostpolen fliehen, die zweite lassen die als Aussiedler aus Kasachstan schon seit Anfang der 90er Jahre in Lüneburg lebenden Bankräuber nach Verhandlungen mit der ukrainischen Polizei frei.

3.4.2002, Mittwoch

Berlin: Der Papier- und Bürowarenhersteller Herlitz beantragt nach gescheiterten Verhandlungen mit den Banken und den Landesregierungen in Berlin und Brandenburg – angesichts eines Schuldenberges von mehr als 350 Mio. Euro – Insolvenz. Am 18. April sichern die Gläubigerbanken einen Überbrückungskredit und besitzen nun mit 70% die Mehrheit der Herlitz-Aktien. Das Traditionsunternehmen hat rund 3000 Beschäftigte, davon 1900 in Deutschland.

Kabul : Zur Unterstützung der von den USA angeführten Anti-Terror-Einheiten treffen 110 britische Elitesoldaten in Afghanistan ein. Insgesamt will Großbritannien noch 1700 Soldaten nach Afghanistan entsenden. Es handelt sich um das größte britische Auslandskontingent seit dem Golfkrieg 1991.

4.4.2002, Donnerstag

Berlin : Angesichts der drohenden Insolvenz der KirchGruppe denken der Bund und einige Länder darüber nach, die Fußball-Bundesliga mit einer Bürgschaft davor zu bewahren, in den Strudel eines möglichen Konkurses der KirchGruppe gerissen zu werden. Im Fall eines Konkurses drohen der Liga mehr als 200 Mio. Euro Ausfall. Die Vorschläge rufen jedoch nicht nur bei der Opposition, sondern auch im Regierungslager Kritik hervor.

Luanda: Die angolanische Armee und die UNITA-Rebellen beenden mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens offiziell den 27-jährigen Bürgerkrieg. Der Tod von UNITA-Chef Jonas Savimbi am 22. Februar bei Kämpfen mit Regierungstruppen machte den Weg zur Beilegung des Konflikts frei, der das zu den rohstoffreichsten afrikanischen Staaten gehörende Angola wirtschaftlich ruiniert hat. An der von Staatschef Eduardo dos Santos und dem Chef der UNITA, Paulo Lukamba, vorgenommenen Zeremonie nehmen auch Beobachter der Vereinten Nationen und Vertreter der drei Garantiemächte Portugal, USA und Russland teil.

Washington: Nach Tagen des Abwartens schalten sich die USA vermittelnd in den Nahostkonflikt ein. Präsident George W. Bush fordert Israel zum Abzug aus den palästinensischen Autonomiegebieten auf. Zugleich kündigte er an, US-Außenminister Colin Powell in den Nahen Osten zu entsenden. Bush kritisiert erneut, dass Palästinenserpräsident Jasir Arafat den Terror nicht entschieden genug verurteilt habe.

5.4.2002, Freitag

Taschkent : Das Parlament in Usbekistan verlängert die Amtszeit von Präsident Islam Karimow um zwei Jahre und setzt die nächsten Parlamentswahlen für Dezember 2007 an. Die Abgeordneten folgend damit einem Referendum, mit dem sich die Bevölkerung der früheren Sowjetrepublik am 29. Januar 2002 für eine solche Verlängerung der Amtszeit ausgesprochen hatte. Der 64-jährige Ex-Kommunist Karimow steht seit 1991 an der Spitze der zentralasiatischen Republik.

Ramallah : Der US-Sondergesandte Anthony Zinni trifft als erster ausländischer Vermittler mit Palästinenserpräsident Jasir Arafat zusammen, seit dessen Amtssitz eine Woche zuvor von israelischen Soldaten besetzt worden ist. Zinni bemüht sich seit Wochen um eine Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern.

6.4.2002, Samstag

Kairo: Die Außenminister der 22 Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga verständigen sich bei einer Dringlichkeitssitzung auf verstärkten Druck gegenüber den USA im Nahostkonflikt. In ihrer Abschlusserklärung begrüßen sie ferner den Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung.

Lissabon : Drei Wochen nach den Parlamentswahlen in Portugal wird der Chef der liberal-konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD), José Manuel Durao Barroso, als neuer Ministerpräsident vereidigt. Er führt eine Koalition seiner PSD mit der rechtsnationalistischen Volkspartei (CDS/PP).

Leipzig : Mehr als 8000 Menschen demonstrieren gegen einen Aufmarsch von ca. 1000 Neonazis. Der Protest und strenge Polizeikontrollen verhindern den geplanten Marsch der Rechtsextremisten zum Völkerschlachtdenkmal.

7.4.2002, Sonntag

Belgrad : Timo Boll ist neuer Tischtennis-Europameister. Der 21-jährige Deutsche setzt sich im Finale mit 4:2 Sätzen gegen Kalinikos Kreanga aus Griechenland durch. Boll war zuvor bereits Europameister im Doppel geworden und hatte mit dem Team Silber geholt.

München: Hunderte besorgter Bayern melden den Behörden rätselhafte Lichterscheinungen am nächtlichen Himmel, ungewöhnliche Blitze, die mit unglaublichem Tempo über den Himmel geschossen seien. Das Lichtspektakel über Bayern wurde offenbar durch einen Meteoriten verursacht, der über dem Wendelstein-Gebirge in Oberbayern in die Erdatmosphäre eingetreten war und in 80 km Höhe eine glühende Bahn in Richtung Allgäu zog.

Den Haag : Die Vereinten Nationen eröffnen eine internationale Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt. Die etwa 2000 Teilnehmer aus mehr als 180 Staaten beschäftigen sich bis zum 19. April vor allem mit dem Erhalt der Urwälder. Durch wirtschaftliche Maßnahmen soll deren Abholzung gestoppt werden.

San José: Der Kandidat des in Costa Rica regierenden Partido Unidad Social Cristiana (PUSC), Abel Pacheco, gewinnt überlegen die Stichwahl für das Amt des Staatspräsidenten. Der 68-jährige Psychiater und Fernsehmoderator liegt weit vor seinem Kontrahenten Rolando Araya vom sozialdemokratischen Partido Liberación Nacional (PLN). Die Stichwahl – die erste Stichwahl in der Geschichte des mittelamerikanischen Landes – war notwendig geworden, weil im ersten Wahlgang am 3. Februar kein Kandidat die erforderlichen 40% der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Pacheco tritt am 8. Mai die Nachfolge von Miguel Angel Rodríguez an, der nicht wiedergewählt werden durfte.

Budapest : Nach der ersten Runde der Parlamentswahlen in Ungarn liegt die oppositionelle Sozialistische Partei (MSZP) mit ihrem parteilosen Spitzenkandidaten Péter Medgyessy mit 42,1% der Stimmen knapp vor der Allianz aus dem konservativen Bund der Jungen Demokraten (FIDESz) des amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán und dem sozialliberalen Demokratischen Forum (MDF), die 41,3% erreicht. Den gleichfalls oppositionellen Linksliberalen (SzDSz) gelingt mit 5,4% der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Dagegen verfehlt die rechtsextreme Gerechtigkeits- und Lebenspartei (MIEP) den Einzug ins Parlament. Über die endgültige Verteilung der 386 Parlamentssitze entscheidet erst die Stichwahl am 21. April.

8.4.2002, Montag

Algier: Das algerische Parlament billigt einstimmig die Anerkennung der Berbersprache als zweite offizielle Landessprache neben dem Arabischen und erfüllt damit die wichtigste Forderung der Volksgruppe der Berber. Von der Verfassungsänderung erhofft sich die Regierung von Präsident Abdelaziz Bouteflika eine Verbesserung der gespannten Beziehungen zwischen Berbern und Arabern. Unruhen im Siedlungsgebiet der Berber – die Gebirgslandschaft Kabylei im Norden des Lande – haben bislang mehr als 220 Menschenleben gefordert. Die Berber stellen ein Drittel der algerischen Bevölkerung.

München: Die KirchGruppe des Münchener Medienunternehmers Leo Kirch stellt beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft KirchMedia. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt das Gericht den Anwalt Michael Jaffé. Zum Bereich KirchMedia zählt neben dem Filmrechtehandel das Geschäft mit Sportrechten sowie die Filmproduktionsgesellschaft Taurus. Zudem hält KirchMedia 52,5% an dem börsennotierten TV-Konzern ProSiebenSat.1. Das Unternehmen beschäftigt zur Zeit 5500 Mitarbeiter, in der gesamten KirchGruppe sind es knapp 10 000 Beschäftigte. Die KirchGruppe ist mit über als 6,5 Mrd. Euro verschuldet, u.a. mit mehr als 2 Mrd. Euro bei der halbstaatlichen Bayerischen Landesbank. Bei der Insolvenz von KirchMedia handelt es sich um die größte Firmenpleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die TV-Rechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 wurden von KirchMedia zuvor auf die in der Schweiz ansässige, von der Insolvenz nicht betroffene KirchSport übertragen.

Dschalalabad : Bei einem Bombenanschlag auf den afghanischen Verteidigungsminister Mohammed Fahim kommen fünf Menschen ums Leben, 27 werden verletzt. Fahim selbst – er ist Tadschike und gehört zur Nordallianz – überlebt das Attentat.

Berlin: Der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin trifft zu einem sechstägigen Staatsbesuch in Deutschland ein. Anlass ist die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahr 1972. Menschenrechtsorganisationen fordern die Bundesregierung auf, gegenüber dem Gast offensiv die Menschenrechtsverletzungen in China zur Sprache zu bringen.

Karlsruhe : Das Bundesverfassungsgericht stärkt die Rechte von Minderheiten in Untersuchungsausschüssen. Danach war die Ablehnung von Beweisanträgen durch die rot-grüne Mehrheit im Parteispenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages teilweise verfassungswidrig. Die CDU/CSU-Fraktion des Bundestages hatte geklagt, nachdem mehrere Anträge auf Anhörung von Spitzenpolitikern der SPD abgelehnt worden waren. Mit dem Urteil stellen die Karlsruher Richter klar, dass ein Viertel der Ausschussmitglieder ausreicht, um Beweisanträge zu stellen und damit die Vernehmung bestimmter Zeugen durchzusetzen.

Bonn : Der Bonner CDU-Fraktionschef Reiner Schreiber wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall verhaftet. Noch vor der Festnahme erklärt Schreiber schriftlich seinen Rücktritt. Den Ermittlungen zufolge soll Schreiber im Zusammenhang mit der Modernisierung des Heizkraftwerkes Nord in Bonn in seiner früheren Funktion als Chef der Stadtwerke für die Beschaffung des Auftrages von der Firma ABB einen Betrag in Millionenhöhe erhalten haben.

9.4.2002, Dienstag

Jerusalem : Nach dem Tod von 13 israelischen Soldaten kündigt Ministerpräsident Ariel Scharon eine Fortsetzung der Offensive gegen palästinensische Städte an. Die Soldaten wurden bei einem Angriff von Palästinensern im Flüchtlingslager Dschenin getötet. Zuvor hatte sich – angesichts heftiger internationaler Kritik – die israelische Armee aus den autonomen Palästinenserstädten Tulkarem und Kalkilia im Westjordanland zurückgezogen.

Berlin : Die Deutsche Lufthansa stellt – angesichts bestehender schneller Bahnverbindungen – ihre Flüge zwischen Berlin und Hamburg ein. Dagegen nimmt die Fluggesellschaft ab Mai Linienflüge zwischen Rostock und München auf.

Nürnberg : Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im März gegenüber dem Vormonat um 140 000 auf 4,156 Mio. gesunken. Die Arbeitslosenquote sank von 10,4 auf 10,1%, lag damit aber deutlich höher als im März 2001. Der neue Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, sieht darin aber noch kein Anzeichen für eine Trendwende. Es ist der höchste Stand in einem Monat März seit drei Jahren.

Berlin : Das Berliner Abgeordnetenhaus billigt mehrheitlich die milliardenteure Absicherung für die angeschlagene Bankgesellschaft Berlin und sichert somit vorerst den Fortbestand des Institutes mit derzeit noch 16 000 Beschäftigten. Mit der so genannten Risikoabschirmung verpflichtet sich das Land, die Bankgesellschaft und ihre Töchter bis 2032 vor möglichen Verlusten aus Immobilienkrediten und -fonds abzusichern. Dafür wären im schlimmsten Fall 21,6 Mrd. Euro fällig.

10.4.2002, Mittwoch

Madrid: 322 Tage nach dem Endspiel-Triumph in der Champions League über den FC Valencia muss sich der Titelverteidiger Bayern München gegen Real Madrid mit 0:2 (0:0) geschlagen geben. Trotz des 2:1-Siegs im Hinspiel scheiden die Bayern aus dem Wettbewerb aus. Dagegen schafft Bayer Leverkusen nach dem 0:1 aus dem Hinspiel beim FC Liverpool durch einen 4:2-Heimsieg den Einzug ins Champions-League-Halbfinale.

Haifa: Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus kommen in der Nähe der israelischen Hafenstadt mindestens acht Menschen ums Leben. Der militante Flügel der Hamas-Organisation bekennt sich in einem Telefonanruf zu dem Anschlag. Israels Regierungschef Ariel Scharon bekräftigt, die Militäroffensive in den Palästinensergebieten werde erst dann beendet, wenn die Infrastruktur des Terrors gänzlich zerstört sei.

Bern: Der Schweizer Außenminister Joseph Deiss ruft seinen Botschafter Thomas Borer-Fielding aus Deutschland zurück in die Schweiz. Hintergrund sind Presseberichte über eine angebliche Affäre Borer-Fieldings mit einer Berliner Visagistin. Nachfolger von Borer-Fielding wird der bisherige Schweizer Botschafter auf den Philippinen Werner Baumann. Borer und seine Gattin Shawne hatten durch glamouröse Auftritte mehrfach für Schlagzeilen in schweizerischen und deutschen Medien gesorgt. Borer verlässt nach seiner Abberufung den diplomatischen Dienst und wechselt in die Privatwirtschaft.

Den Haag : Die Vereinten Nationen und die niederländische Regierung sind einem 6000 Seiten starken Untersuchungsbericht zufolge mitverantwortlich für das Massaker von Srebrenica im Juli 1995. Die frühere niederländische Regierung unter Ministerpräsident Ruud Lubbers habe unzureichend vorbereitete Soldaten zum Einsatz in die UN-Schutzzone geschickt, heißt es in dem Bericht des Niederländischen Instituts für Kriegsdokumentation. Insbesondere wird den Soldaten vorgeworfen, die muslimische Enklave in Bosnien den bosnisch-serbischen Truppen übergeben zu haben. Die UN hingegen hätten die nötige Unterstützung der 400 niederländischen UN-Soldaten (Dutchbat) nicht gewährleistet. Die Hauptschuld an der Vertreibung und Ermordung von rund 7500 Muslimen trage allerdings eindeutig der bosnisch-serbische General Ratko Mladi c .

Karlsruhe : Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Wehrpflicht in Deutschland für rechtmäßig und weist damit einen entsprechenden Vorlagebeschluss des Landgerichts Potsdam vom März 1999 als unzulässig zurück. Die Potsdamer Richter wollten die Wehrpflicht für verfassungswidrig erklären lassen, weil sie unverhältnismäßig in die Grundrechte junger Männer eingreife. Damit bleibt die Entscheidung über die Zukunft der allgemeinen Wehrpflicht dem Gesetzgeber vorbehalten.

Weimar : Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin erzielen am zweiten und letzten Tag der Regierungskonsultationen eine Einigung über die Altschulden der früheren Sowjetunion gegenüber der DDR. Russland wird demnach einen Betrag von 500 Mio. Euro zahlen, davon zwei Drittel noch im Jahr 2002. Der Betrag der Altschuldenzahlung ist allerdings nur ein Bruchteil der von Deutschland ursprünglich geforderten Summe von rund 7,6 Mrd. Euro.

11.4.2002, Donnerstag

New York : Ungeachtet des Widerstands der USA kann der Internationale Strafgerichtshof (ICC) am 1. Juli seine Arbeit aufnehmen. Bei den Vereinten Nationen wird die 60. Ratifizierungsurkunde hinterlegt, die Bedingung dafür war, dass dieses Gericht international Gültigkeit erlangt. Der Gerichtshof mit Sitz in Den Haag soll nur tätig werden, wenn Länder nicht willens oder nicht in der Lage sind, Fälle von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen zu ahnden. Die USA, Russland und China haben den Vertrag bislang jedoch nicht ratifiziert. Der ICC soll spätestens zum Jahresanfang 2003 seine Arbeit aufnehmen.

Belgrad: Nur wenige Stunden nach der Parlamentsentscheidung über die Auslieferung von Kriegsverbrechern verübt der frühere serbische Innenminister Vlajko Stojiljko vi c einen Selbstmordversuch. Der Vertraute des früheren Machthabers Slobodan Milo c ist selbst vom Haager Kriegsverbrechertribunal angeklagt. Stojiljko vi c schießt sich vor dem Bundesparlament in Belgrad eine Kugel in den Kopf. Zwei Tage später erliegt er seinen Verletzungen.

Belgrad: Das jugoslawische Parlament macht den Weg frei zur Auslieferung von mutmaßlichen Kriegsverbrechern an das UN-Tribunal in Den Haag. Die Abgeordneten stimmten mit großer Mehrheit für ein – bei den Parteien und in der Öffentlichkeit heftig umstrittenes – entsprechendes Gesetz.

Karlsruhe : Das Bundesverfassungsgericht erklärt es mit dem Grundgesetz vereinbar, dass nur Männer zum Pflichtdienst herangezogen werden. Der Wehrdienst verstoße nicht gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung von Mann und Frau. Die Karlsruher Richter weisen damit eine Vorlage des Amtsgerichts Düsseldorf zurück und verweisen auf ihre bisherige Rechtsprechung.

Insel Djerba: Bei der Explosion eines Gastankwagens vor der Synagoge La Ghriba auf der tunesischen Ferieninsel kommen insgesamt 19 Menschen ums Leben, darunter 14 Deutsche. Später erhärtet sich der Verdacht, dass es sich um einen Terroranschlag handelt. Mit einer Großrazzia in mehreren Bundesländern geht die deutsche Polizei knapp zwei Wochen später gegen eine mutmaßliche islamistische Terrorgruppe vor, die Anschläge in Deutschland geplant haben soll. Es handelt sich um Mitglieder der sunnitisch-palästinensischen Bewegung Al Tawhid.

12.4.2002, Freitag

Katmandu : Militante Maoisten überfallen im Westen Nepals zwei Polizeistationen und töten mindestens 34 Polizisten und drei Zivilisten. Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen sogar von mehr als 100 Toten. Die maoistischen Rebellen kämpfen seit 1996 für die Abschaffung der Monarchie und für eine bessere Entwicklung der ländlichen Regionen des Himalaya-Königreichs. Dabei kamen bisher schon über 3500 Menschen ums Leben.

Kabul : Knapp zwei Wochen nach den schweren Erdbeben im Norden Afghanistans, bei denen rund 1000 Menschen starben, erschüttert ein neues Beben die Region. Dabei kommen nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 27 Menschen ums Leben.

Jerusalem : Wenige Stunden nach Gesprächen von US-Außenminister Colin Powell mit Israels Ministerpräsident Ariel Scharon in Jerusalem sprengt sich dort eine palästinensische Selbstmordattentäterin aus dem Flüchtlingslager Dschenin in die Luft und reißt sechs Israelis mit in den Tod. Durch die Explosion an einer Bushaltestelle nahe des Mahane-Jehuda-Marktes werden 89 Menschen verletzt.

Jerusalem: Im Rahmen seiner Nahost-Vermittlungsmission trifft US-Außenminister Colin Powell mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zusammen. Powell will sich – so wörtlich – aggressiv darum bemühen, dass Israelis und Palästinenser wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Dessen ungeachtet geht die israelische Militäroffensive im Westjordanland weiter.

Caracas: Venezuelas seit 1999 regierender Staatspräsident Hugo Chávez tritt auf Druck der Armee nach dreitägigen Streiks und Massenprotesten, bei denen zwölf Menschen getötet und mehr als 100 verletzt wurden, zurück. Die Regierungsgeschäfte übernimmt vorübergehend Pedro Carmona Estanga, der Vorsitzende des Unternehmerverbandes Fedecámaras.

13.4.2002, Samstag

Den Haag : Der Ständige Schiedsgerichtshof fällt sein Urteil zur Beilegung des Grenzstreits zwischen Äthiopien und Eritrea und spricht beiden Staaten einen Teil der umkämpften Landstriche zu. Wegen Grenzstreitigkeiten hatten sich die beiden afrikanischen Länder bis zum Mai 2000 einen zweijährigen Krieg mit mehr als 70 000 Toten geliefert.

Erfurt : Mit einem ökumenischen Gottesdienst wird im Erfurter Dom eine bundesweite “Woche für das Leben” eröffnet. Die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland wollen mit dieser Aktion die Menschen für den Schutz des ungeborenen Lebens sensibilisieren.

Freiburg : In der Kampfabstimmung um die aussichtsreichen vorderen Listenplätze für die Bundestagswahl setzt sich die Grünen-Spitze im Landesverband Baden-Württemberg durch. Parteichef Fritz Kuhn entscheidet die Abstimmung gegen den Haushaltsexperten Oswald Metzger für sich; Bundestags-Fraktionschef Rezzo Schlauch setzt sich gegen den Kriegsgegner Winfried Hermann durch. Zur Spitzenkandidatin wählen die Delegierten die parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium, Uschi Eid.

14.4.2002, Sonntag

Roubaix: Das zum 100. Mal ausgetragene Rennen von Paris nach Roubaix gewinnt der belgische Radprofi Johan Museeuw mit einem Vorsprung von 3:03 Min. vor dem Deutschen Steffen Wesemann und seinem belgischen Landsmann Tom Boonen.

Augusta: Titelverteidiger Eldrick “Tiger” Woods gewinnt zum dritten Mal seit 1997 das US-Masters der Golfprofis. Der Weltranglisten-Erste aus den USA setzt sich auf dem Kurs im US-Bundesstaat Georgia mit 276 Schlägen gegen den Südafrikaner Retief Goosen (279) und den US-Amerikaner Phil Mickelson (280 Schläge) durch und bekräftigt damit einmal mehr seine Ausnahmestellung im Golfsport.

Imola : Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher gewinnt den Großen Preis von San Marino. Der Ferrari-Pilot setzt sich bei seinem dritten Saisonsieg klar gegen seinen brasilianischen Teamkollegen Rubens Barrichello und seinen jüngeren Bruder Ralf im Williams-BMW durch.

Moroni: Der frühere Militärmachthaber Azali Assoumani gewinnt die Präsidentschaftswahl auf den Komoren. Nach Angaben der Übergangsregierung erhält Assoumani 75% der Stimmen. Die Wahlbeteiligung liegt offiziell bei 50%. Die beiden Gegenkandidaten von Assoumani, der im April 1999 nach einem Putsch an die Macht gekommen war und am 21. Januar 2002 das Amt des Staatschefs niedergelegt hatte, beklagten Unregelmäßigkeiten bei den Wahlvorbereitungen und hatten zum Wahlboykott aufgerufen.

Dili: Der frühere Befreiungskämpfer José Alexandre Gusmão geht als klarer Sieger aus den Präsidentschaftswahlen in Osttimor hervor. Gusmão erringt 82,7% der rund 380 000 abgegebenen Stimmen und schlägt damit eindeutig seinen einzigen Herausforderer, den Sozialdemokraten Francisco Xavier do Amaral mit 17,3%. Die Beteiligung an den friedlich verlaufenden Wahlen lag bei 86%. Der neue Staat erhält am 20. Mai 2002 seine staatliche Unabhängigkeit. Die ehemalige portugiesische Kolonie wurde 1975 von Indonesien annektiert und bis 1999 völkerrechtswidrig besetzt gehalten. Gusmão wurde 1992 vom indonesischen Militär gefangen genommen und zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt. 1999 kam er wieder frei.

Bogotá: Nur zwei Tage nach seinem Sturz kehrt der venezolanische Präsident Hugo Chávez an die Macht zurück und übernimmt erneut das Präsidentenamt. Übergangspräsident Pedro Carmona war am 13. April nach gewaltsamen Demonstrationen von Chávez-Anhängern zurückgetreten. Anschließend hatte Chávez’ verfassungsgemäßer Stellvertreter, Vizepräsident Diosdado Cabello, für einige Stunden das Präsidentenamt übernommen. Bei seiner Rückkehr ins Amt gibt Chávez zugleich seinen Rücktritt aus der Führungsetage des staatlichen Erdölkonzerns Petróleos de Venezuela (PdVSA) bekannt.

Hannover : Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eröffnet die Hannover-Messe 2002. Auf der weltgrößten Industrieschau präsentieren vom 15. bis zum 20. April knapp 7000 Aussteller aus 69 Ländern ihre Neuheiten.

15.4.2002, Montag

Düsseldorf : Der italienische Nudelkonzern Barilla will die deutsche Bäckerei-Kette Kamps übernehmen. Das Unternehmen bietet den Kamps-Aktionären 12 Euro pro Anteilschein. Kamps war in den vergangenen Jahren durch rasante Expansion zu Europas führendem Backkonzern aufgestiegen, hatte zuletzt jedoch Gewinneinbrüche hinnehmen müssen. Nachdem Barilla seine Offerte auf 12,50 Euro je Aktie erhöht, gibt die Kamps AG Ende April ihren Widerstand gegen die Übernahme durch den weltweit größten Nudelhersteller auf.

Pusan : Beim Absturz einer Boeing 767 der chinesischen Luftfahrtgesellschaft Air China in Südkorea überleben 38 von 166 Menschen an Bord. Die aus Peking kommende Maschine prallt im Landeanflug auf den Flughafen Gimhae bei der Küstenmetropole in dichtem Nebel gegen einen bewaldeten Berg. Der Absturz ist der erste derartige Unfall für die staatliche chinesische Fluggesellschaft Air.

Ramallah : Marwan Barguti, Chef der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Jasir Arafat, wird von israelischen Elitesoldaten festgenommen. Gegen den 42-Jährigen, der schon vor Monaten in den Untergrund gegangen war, hatte ein israelisches Gericht im Jahr 2001 einen Haftbefehl ausgestellt. Zwar hatte ihm die israelische Regierung bisher keine direkte Beteiligung an Anschlägen gegen Israelis nachweisen können, doch gilt er als Schlüsselfigur des seit fast 19 Monate andauernden Palästinenseraufstands.

Hamburg: Der scheidende VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch kutschiert den 120 km/h schnellen Prototypen des Ein-Liter-Autos persönlich in gut drei Stunden von Wolfsburg zur Hauptversammlung nach Hamburg. Nach Angaben von Volkswagen verbraucht die windschnittige Leichtbau-Studie auf der 230 km langen Strecke durchschnittlich 0,99 l Diesel pro 100 km. Die Karosserie des 3,65 m langen, 1,25 m breiten und etwas mehr als 1 m flachen Fahrzeugs besteht gänzlich aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff.

Frankfurt am Main: Der Weltfußballverband FIFA und das Organisationskomitee für die Fußball-WM in Deutschland 2006 entscheiden sich für die zwölf Stadien in Berlin, Nürnberg, Hamburg, Leipzig, Köln, Gelsenkirchen, Stuttgart, Dortmund, München Kaiserslautern, Hannover und Frankfurt als Spielstätten; Bremen, Düsseldorf und Gladbach gehen leer aus. Die Arenen werden für rund 1,4 Mrd. Euro um- beziehungsweise neugebaut. Vermutlich wird in dem noch zu errichtenden Münchner Stadion das Eröffnungsspiel stattfinden. In München wird auch das Internationale Medienzentrum eingerichtet. Berlin soll Austragungsort des Finales sein.

16.4.2002, Dienstag

Hamburg: Der ehemalige BMW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder rückt als neuer Vorstandsvorsitzender an die Spitze der Volkswagen AG. Sein Vorgänger Ferdinand Piëch wechselt in den VW-Aufsichtsrat.

Rom: Etwa 13 Mio. Menschen beteiligen sich nach Angaben der Gewerkschaften in Italien an einem achtstündigen Generalstreik gegen die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Der Protest richtet sich gegen Pläne, den Kündigungsschutz zu lockern. Der Regierungschef erklärt sich zum Dialog mit den Gewerkschaften bereit, betont aber zugleich die Notwendigkeit von Reformen. Durch den ersten Generalstreik seit 20 Jahren wird das öffentliche Leben in Italien weitgehend lahm gelegt.

Brüssel: Die in der Türkei verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK) schwört offiziell dem bewaffneten Kampf für einen kurdischen Staat ab und gibt sich gleichzeitig einen neuen Namen. Der “Kongress für Freiheit und Demokratie Kurdistans” (KADEK) strebt nach eigenen Angaben Fortschritte für die Kurden nur noch auf demokratischem Weg an. Zum KADEK-Vorsitzenden wird der in der Türkei inhaftierte und zum Tode verurteilte PKK-Chef Abdullah Öcalan bestimmt. Der 15-jährige Guerillakrieg der PKK im Südosten der Türkei hat nach türkischen Angaben mehr als 30 000 Todesopfer gefordert.

Den Haag: Wegen der umstrittenen Rolle niederländischer Blauhelm-Soldaten beim Massaker in der bosnischen Muslim-Enklave Srebrenica im Juli 1995 tritt die niederländische Regierung geschlossen zurück. Das Ende der von dem Sozialdemokraten Wim Kok geführten Koalitionsregierung von Sozialdemokraten (PvdA), Liberalen (VVD) und Linksliberalen (D66) kommt vier Wochen vor den Parlamentswahlen am 15. Mai 2002. Bis dahin bleibt die Regierung auf Wunsch von Königin Beatrix im Amt.

Frankfurt am Main : Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen beginnt vor dem Frankfurter Oberlandesgericht der Prozess gegen fünf mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen. Vier der fünf Algerier im Alter zwischen 26 und 37 Jahren werden beschuldigt, ein Bombenattentat auf den Weihnachtsmarkt oder den Place Kléber in Straßburg geplant zu haben. Als Beweis dient der Bundesanwaltschaft ein knapp 20-minütiger Videofilm, den die Männer zur Vorbereitung ihres Verbrechens gedreht haben sollen. Der fünfte Angeklagte steht nur wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor Gericht.

17.4.2002, Mittwoch

Stuttgart: 45 Tage vor dem Weltmeisterschafts-Auftaktspiel in Sapporo gegen Saudi-Arabien verliert das ohne zwölf Stammspieler angetretene deutsche Nationalteam ein Freundschaftsspiel gegen den ebenfalls stark ersatzgeschwächten WM-Favoriten Argentinien vor knapp 55 000 Zuschauern im Gottlieb-Daimler-Stadion mit 0:1 (0:0).

Den Haag : Nach der niederländischen Regierung tritt auch Heereschef Ad van Baal wegen der Rolle niederländischer Blauhelm-Soldaten bei dem Massaker im bosnischen Srebrenica 1995 zurück. Van Baal war seinerzeit stellvertretender Armeechef.

Jerusalem: US-Außenminister Colin Powell beendet seine Nahostmission ohne erkennbaren Erfolg. Er könne, so Powell, keine Waffenruhe aushandeln, solange Israel nicht seine Militäroperationen gegen die Palästinenser beendet habe. Zugleich übt er deutliche Kritik an Palästinenserpräsident Jasir Arafat, der nicht genug getan habe, um den Terror zu bekämpfen. Gleichzeitig macht er auch Israels Ministerpräsident Ariel Scharon für die Lage verantwortlich, weil dieser die Armee nicht aus den besetzten Gebieten abgezogen habe.

Dresden: Nach mehreren Affären und auf innerparteilichem Druck gibt Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) wie angekündigt sein Amt vorzeitig auf. Biedenkopf regierte in Sachsen seit 1990. Die Nachfolge übernimmt sein Ex-Finanzminister Georg Milbradt.

Marzabotto: Bundespräsident Johannes Rau gedenkt als erstes deutsches Staatsoberhaupt in der norditalienischen Ortschaft der Opfer eines NS-Massakers vor 58 Jahren und bittet um Verzeihung für die Massaker der Nazis im Zweiten Weltkrieg. 1944 hatten deutsche Soldaten dort 955 Zivilisten, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, getötet.

18.4.2002, Donnerstag

Aschaffenburg : Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen qualifiziert sich vorzeitig für die Weltmeisterschaft 2003 in China. Die deutschen Frauen gewinnen ihr Qualifikationsspiel gegen die Niederlande klar mit 6:0 und sind damit nicht mehr von Platz eins ihrer Qualifikationsgruppe zu verdrängen.

Dschenin: Das israelische Vorgehen in dem palästinensischen Flüchtlingslager gerät immer stärker in die internationale Kritik. Eine Delegation der Vereinten Nationen zeigt sich nach einem Besuch in dem Lager schockiert über die angerichteten Zerstörungen, die mit den Verwüstungen nach einem Erdbeben vergleichbar seien. Nach palästinensischen Angaben kamen bei den Kämpfen in Dschenin Hunderte Menschen ums Leben. Israel spricht hingegen nur von 45 getöteten Palästinensern.

Kandahar : In Afghanistan bombardiert die US-Luftwaffe versehentlich kanadische Soldaten. Dabei werden vier Kanadier getötet. Nach Angaben des kanadischen Verteidigungsministeriums wirft ein F-16-Kampfflugzeug irrtümlich mindestens eine lasergesteuerte Bombe auf eine kanadische Einheit ab, die südlich von Kandahar an einer nächtlichen Übung teilnimmt.

Kabul: Nach 29 Jahren im italienischen Exil kehrt der frühere afghanische König Mohammed Sahir Schah in seine Heimat zurück. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen landet das Flugzeug mit dem Ex-König und Übergangsregierungschef Hamid Karsai, der den 87-Jährigen aus Italien abgeholt hatte, in Kabul. Der als Privatmann heimgekehrte Paschtune will im Juni die traditionelle Volksversammlung Loya Jirga eröffnen. Sie soll den Weg Afghanistans zur Demokratie ebnen.

Mailand: Drei Menschen – der 67 Jahre alte italienisch-schweizerische Pilot und zwei Angestellte der lombardischen Regionalregierung – kommen ums Leben, und etwa 90 werden verletzt, als um 17:54 Uhr ein Kleinflugzeug vom Typ Aero Commander zwischen dem 23. und 27. Stock in das 30-stöckige Pirelli-Hochhaus in der Innenstadt hineinrast. Erste Befürchtungen, es könnte sich um einen Anschlag wie auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 handeln, bestätigen sich nicht. Die Behörden schließen einen terroristischen Hintergrund aus. Die Polizei hält vielmehr nach ersten Ermittlungen einen technischen Defekt oder ein gesundheitliches Problem des Piloten für genauso denkbar wie einen Selbstmord auf Grund zu hoher Schulden. In dem Pirelli-Hochhaus – mit 110 m das höchste Gebäude der Stadt – ist die Regionalbehörde der Lombardei untergebracht.

Lahnstein : Der erste große Tarifabschluss des Jahres 2002 wird in der Chemiebranche erzielt. Die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) einigen sich nach zweitägigen Verhandlungen auf 3,3% mehr Gehalt und eine Einmalzahlung von 85 Euro für die 570 000 Beschäftigte in Westdeutschland.

Dresden: Der CDU-Politiker Georg Milbradt ist neuer sächsischer Ministerpräsident und Nachfolger des am Tag zuvor zurückgetretenen Kurt Biedenkopf. Bei der Wahl im Dresdner Landtag erhält der Landesvorsitzende der sächsischen Union 72 Stimmen. 44 Abgeordnete stimmen mit Nein, zwei Abgeordnete enthalten sich. Milbradt – v on November 1990 bis Februar 2001 Finanzminister in Sachsen – hatte keinen Gegenkandidaten. Die CDU verfügt im Sächsischen Landtag über 76 der 120 Sitze.

19.4.2002, Freitag

Frankfurt am Main: Wegen eines Bilanzskandals verbannt die Deutsche Börse den Telematik-Anbieter Comroad mit sofortiger Wirkung vom Neuen Markt. Als Grund für den Ausschluss wird das grob pflichtwidrige Verhalten von Comroad durch inhaltlich unrichtige und unvollständige Angaben im Jahresabschluss 2001 genannt. Das Unternehmen hatte im großen Stil Umsätze ausgewiesen, die zum größten Teil nicht erwirtschaftet, sondern frei erfunden waren.

Crescent City : Ein Autoreisezug der staatlichen US-Eisenbahngesellschaft Amtrak entgleist im Norden Floridas, rund 100 km nördlich von Orlando, mit mehr als 450 Menschen. Dabei werden nach Polizeiangaben mindestens sechs Menschen getötet, etwa die Hälfte der Passagiere – darunter viele Touristen – wird verletzt.

Den Haag: Zum Abschluss der UNO-Konferenz über den Artenschutz billigen mehr als 160 Staaten ein Aktionsprogramm zum Schutz der Urwälder. Darin werden die Regierungen aufgefordert, die ökologische Bewirtschaftung der Wälder zu fördern und den illegalen Holzeinschlag zu bekämpfen.

Sun City: Die Friedensverhandlungen für das Bürgerkriegsland Demokratische Republik Kongo werden nach zwei Monaten ergebnislos vertagt. Die kongolesische Regierung und die beiden wichtigsten Rebellenorganisationen konnten sich weder auf einen Friedensprozess noch auf eine Übergangsregierung einigen. Bei den seit 1998 andauernden Kämpfen wurden Schätzungen zufolge 2,5 Mio. Menschen – zumeist Zivilisten – getötet.

Podgorica : Der seit 1998 amtierende Regierungschef der kleineren jugoslawischen Teilrepublik Montenegro, Filip Vujanovi c, erklärt seinen Rücktritt. Seine Regierung hatte im März im Streit um die Zustimmung zu einem gemeinsamen Staatenbund mit Serbien die Mehrheit im Parlament verloren.

Dschenin: Die israelische Armee rückt nach dreiwöchiger Besetzung aus dem Flüchtlingslager im Westjordanland und der gleichnamigen Stadt ab, erklärt die Region jedoch gleichzeitig zum Sperrgebiet. Der UNO-Sicherheitsrat beschließt einstimmig die Entsendung einer Delegation, die das Vorgehen der israelischen Armee in Dschenin überprüfen soll. Die Palästinenser werfen den Soldaten ein Massaker vor, was Israel bestreitet.

Berlin: Der Fonds “Erinnerung und Zukunft” der Stiftung für die Entschädigung früherer NS-Zwangsarbeiter nimmt nach monatelanger Verzögerung seine Arbeit auf. Der Fonds fördert u.a. Projekte zur Betreuung von Opfern des Nationalsozialismus und deren Nachkommen. Von den rund 5,2 Mrd.Euro zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter hat die Stiftung inzwischen etwa 1,3 Mrd. Euro ausgezahlt. Etwa 650 000 der 1,5 Mio. noch lebenden Zwangsarbeiter haben demnach Gelder erhalten.

Berlin : Als Konsequenz aus den Spendenskandalen bei CDU und SPD beschließt der Bundestag ein neues Parteiengesetz. Danach kann in Zukunft mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden, wer für vorsätzlich unrichtige oder verschleiernde Angaben in den Rechenschaftsberichten verantwortlich ist. Die Annahme von Spenden öffentlicher Unternehmen wird erheblich eingeschränkt. Barspenden sind in Zukunft nur noch bis zu einem Betrag von 1000 Euro pro Person und Jahr möglich. Das Gesetz tritt in seinen wesentlichen Teilen zum 1. Juli 2002 in Kraft.

20.4.2002, Samstag

Danzig : Der in Hamburg lebende Profiboxer Dariusz Michalczewski verteidigt durch einen K.o.-Sieg in der zweiten Runde gegen den US-Amerikaner Joey de Grandis seinen WBO-Weltmeistertitel im Halbschwergewicht.

Buenos Aires : Die Regierung Argentiniens stoppt auf unbestimmte Zeit den Devisenhandel und fast alle Banktransaktionen. Die Geldinstitute und Wechselstuben bleiben vorerst geschlossen. Hintergrund der Entscheidung sind mehrere Gerichtsurteile, in denen die von der Regierung im Dezember 2001 beschlossenen Beschränkungen bei der Abhebung von Bargeld aufgehoben worden sind. Nach Angaben der Banken haben Anleger in Argentinien zuletzt täglich insgesamt mehr als umgerechnet 100 Mio. US-Dollar abgehoben.

Weimar : Mehrere tausend Menschen demonstrieren gegen einen Aufmarsch von Neonazis. Die Stadtverwaltung hatte den Aufmarsch von Rechtsextremisten zunächst verboten, war dann aber am Oberverwaltungsgericht gescheitert. Statt der zunächst angekündigten 2000 rechten Demonstranten kamen aber nur etwa 300 nach Weimar.

21.4.2002, Sonntag

Lüttich: Der italienische Radprofi Paolo Bettini gewinnt das älteste Weltcup-Rennen “Lüttich-Bastogne-Lüttich” und wiederholt seinen Erfolg aus dem Jahr 2000.

Mannheim: Im Kampf um die 82. Deutsche Eishockeymeisterschaft sichern sich die Kölner Haie den Titel. Im entscheidenden fünften Playoff-Finale setzen sich die Kölner beim Titelverteidiger Adler Mannheim mit 2:1 durch. Obwohl sie in der regulären Saison nur Sechster wurden, entscheiden die Kölner damit die “best-of-five”-Serie 3:2 für sich. Zum insgesamt achten Mal geht der Meistertitel nach Köln.

General Santos: Bei einem Bombenanschlag in der philippinischen Stadt werden mindestens 14 Menschen getötet und mehr als 60 verletzt. Nach Angaben der Polizei war die Bombe vor einem Kaufhaus versteckt worden. Der Anschlag wird der durch spektakuläre Geiselnahmen in die Schlagzeilen geratene Rebellengruppe Abu Sayyaf angelastet.

Tokio : Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi besucht überraschend den umstrittenen Schrein zur Ehrung der japanischen Kriegstoten und löst damit in den asiatischen Nachbarstaaten – vor allem in Südkorea und der Volksrepublik China – Kritik aus. In dem Schrein werden auch 14 Gefallene geehrt, die als Kriegsverbrecher gelten.

Budapest: Bei der Wahl in Ungarn kann die bisherige Opposition aus Sozialisten und Liberalen auch die zweite Runde der Parlamentswahlen für sich entscheiden. Die Sozialisten (MSZP) von Péter Medgyessy erreichen 178 der 386 Mandate, gemeinsam mit den 20 Sitzen der Linksliberalen (SzDSz) verfügen sie über eine Mehrheit von zehn Sitzen im ungarischen Parlament. Die regierende konservative Bund Junger Demokraten (FIDESZ) unter Ministerpräsident Viktor Orb á n wird durch eine Wahlallianz mit dem Ungarischen Demokratischen Forum (MDF) mit 188 Sitzen zwar zur mandatsstärksten Kraft, verfügt aber über keine Regierungsmehrheit mehr.

Paris: Im ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahl erreicht der Führer der rechtsextremen Front National, Jean-Marie Le Pen, völlig unerwartet die zweithöchste Stimmenzahl und wird bei der Stichwahl am 5. Mai gegen den amtierenden Staatspräsidenten Jacques Chirac (RPR Neogaullisten) antreten. Der sozialistische Premier Lionel Jospin ist als Drittplatzierter aus dem Rennen um das höchste Staatsamt und erklärt noch in der Wahlnacht seinen Rückzug aus dem politischen Leben.