Was geschah im August 1914

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Wetterstationen August 1914

1.8.1914, Samstag

Kriegserklärung und Generalmobilmachung lösen im Deutschen Reich eine Welle nationalistischer Hysterie aus. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. erklärt von seinem Berliner Schloss aus der aufgeputschten Menge: “In dem jetzt bevorstehenden Kampfe kenne Ich in Meinem Volke keine Parteien mehr. Es gibt unter uns nur noch Deutsche.”

Um 17 Uhr verfügt der deutsche Kaiser Wilhelm II. die Generalmobilmachung im Deutschen Reich. Zwei Stunden später erfolgt in Petersburg (heute Leningrad) die deutsche Kriegserklärung an Russland.

Der italienische Ministerrat beschließt in Rom die Neutralität des mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn zum Dreibund gehörenden Italiens im Krieg zwischen den Großmächten. Nach einer am 3. August veröffentlichten offiziellen Erklärung ist für Italien der Bündnisfall nicht gegeben, da seiner Ansicht nach Österreich-Ungarn einen Angriffskrieg führt.

Um 16 Uhr wird in Frankreich unter dem Druck einer ultimativen “Anfrage” der deutschen Regierung vom Vortag die Generalmobilmachung angeordnet.

2.8.1914, Sonntag

Deutsche Truppen besetzen das seit 1867 neutrale Großherzogtum Luxemburg. Damit wird die auf dem sog. Schlieffenplan basierende deutsche Westoffensive vorbereitet.

In einem Bündnisvertrag mit der deutschen und österreichisch-ungarischen Regierung erklärt sich das Osmanische Reich zur Unterstützung der sog. Mittelmächte bei einem Krieg gegen Russland bereit.

Der britische Außenminister Sir Edward Grey versichert in London zum wiederholten Mal, dass Großbritannien – gemäß einer 1912 vereinbarten Konvention – die französische Nordküste schützen werde. Am Vortag war die britische Flotte vollständig mobilisiert worden.

Die britischen Sozialisten rufen in London zum Generalstreik auf. In einem Manifest wird dem Militarismus der Kampf angesagt.

3.8.1914, Montag

Um 18 Uhr erklärt die deutsche Regierung Frankreich den Krieg. Zuvor hatte die belgische Regierung die vom Deutschen Reich geforderte Erlaubnis zum Truppendurchmarsch unter Hinweis auf seine Neutralität abgelehnt.

In einer offiziellen Erklärung gibt die italienische Regierung in Rom ihre Neutralität im Kriegsfall bekannt. Sie wirft ihren Bündnispartnern Deutsches Reich und Österreich-Ungarn ein “abgekartetes Spiel” vor.

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beschließt in Berlin, den von der deutschen Regierung geforderten Kriegskrediten in Höhe von fünf Milliarden Mark auf der Reichstagssitzung am 4. August zuzustimmen. Eine Minderheit der Abgeordneten um Karl Liebknecht spricht sich allerdings gegen eine Unterstützung der deutschen Kriegspolitik aus.

Auf einer Vorstandskonferenz in Berlin vereinbaren die deutschen Gewerkschaften eine Unterstützung der Reichsregierung u.a. bei der bevorstehenden Mobilmachung und bei einem eventuellen kriegsbedingten Lohnstopp.

In Berlin gründet der Bund deutscher Frauenvereine einen sog. Nationalen Frauendienst.

4.8.1914, Dienstag

Der deutsche Reichstag billigt einstimmig die von der deutschen Regierung unter Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg geforderten Kriegsgesetze. Sie beinhalten u.a. Kredite für Kriegszwecke in Höhe von fünf Milliarden Mark. Damit gilt die innenpolitische “Burgfriedenspolitik” der deutschen Regierung als vorläufig gesichert.

Deutsche Truppen marschieren in Belgien ein und beginnen mit dem Angriff auf Lüttich. Dabei leistet die belgische Armee heftigen Widerstand. Mit dem Einfall in Belgiell beginnt die auf dem Schlieffenplan basierende deutsche Westoffensive.

Großbritannien bricht die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab. Der Schritt ist gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung. Zuvor hatte die britische Regierung – Garant der Neutralität Belgiens – das Deutsche Reich ultimativ aufgefordert, die belgischen Grenzen zu respektieren.

US-Präsident Woodrow Wilson erklärt, dass die Vereinigten Staaten in dem ausbrechenden Krieg neutral bleiben werden und bietet seine Dienste für eine Friedensvermittlung an.

5.8.1914, Mittwoch

Der 24-Jährige britische Sprinter William Applegarth stellt in Kopenhagen den Weltrekord im 100-m-Lauf mit 10,6 sec ein. Die Zeit war erstmals von dem US-Amerikaner Donald Lippincott am 6. Juli 1912 in Stockholm erzielt. Trotz des Krieges werden in Kopenhagen noch Leichtathletikwettkämpfe ausgetragen, da Dänemark politisch neutral ist.

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. erneuert den preußischen Orden des Eisernen Kreuzes.

6.8.1914, Donnerstag

Die österreichisch-ungarische Regierung erklärt Russland den Krieg. Gleichzeitig erfolgt die Kriegserklärung Serbiens an das Deutsche Reich.

Der 64-Jährige britische Feldmarschall Horatio Herbert Kitchener, Earl Kitchener of Karthoum and of Broome, wird zum britischen Kriegsminister ernannt. Er war seit 1911 Generalkonsul in Ägypten. Nach dem Rücktritt des bisherigen Amtsinhabers John Seely am 30. März hatte Premierminister Herbert Henry Asquith das Ressort verwaltet.

Jósef Klemens Pilsudski, Führer der Revolutionären Fraktion in der Sozialistischen Partei Polens (PPS), lässt Kompanien seiner als “Schützen” bezeichneten antirussischen Befreiungsorganisation die russische Grenze nördlich bei Krakau überschreiten. Sie besetzen den zu Russland zählenden Ort Kielce.

Im Deutschen Reich sind Frauen nach den kriegsbedingten Einberufungen zunehmend in bisher von Männern dominierten Berufen tätig.

7.8.1914, Freitag

Nach heftigem Widerstand der belgischen Verteidiger besetzen deutsche Truppen die strategisch wichtige Stadt Lüttich.

Im Deutschen Reich werden die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 1916 – als Austragungsort ist Berlin vorgesehen – eingestellt. Eine offizielle Rückgabe des Auftrages zur Abhaltung der Wettkämpfe erfolgt jedoch nicht.

8.8.1914, Samstag

In einer sog. Kriegssitzung des russischen Reichstages (Duma) in Petersburg (heute Leningrad) billigt die Mehrheit der Abgeordneten die russische Kriegspolitik und stimmt Preis- und Steuererhöhungen sowie der Ausgabe von Schatzanweisungen zur Finanzierung des Krieges zu. Lediglich die Sozialisten wenden sich scharf gegen den Krieg und werfen allen beteiligten Staaten vor, ihn als Mittel imperialistischer Eroberungspolitik zu benutzen.

Der sog. Kriegsausschuss der deutschen Industrie fordert in Berlin eine Zusammenarbeit von Staat und Unternehmen bei der Organisation der deutschen Kriegswirtwirtschaft.

9.8.1914, Sonntag

Österreichisch-ungarische Truppen beginnen ihren Einmarsch in die von Russland beherrschten Gebiete Polens.

Der Wirtschaftsverband bildender Künstler ruft als Dachorganisation der Kunstschaffenden in Berlin die deutschen Künstler und Künstlerinnen zur Teilnahme an der Erntearbeit auf. Der Verband will damit ausdrücklich die deutsche Kriegspolitik unterstützen.

10.8.1914, Montag

Deutsche Truppen besiegen nahe Mühlhausen ein französisches Korps, das die zu den sog. Reichslanden Elsass-Lothringen zählende Stadt zuvor besetzt hatte.

Der schwedische Reichstag in Stockholm bewilligt 50 Millionen Kronen (56,25 Millionen Mark) zur Verbesserung der Landesverteidigung. Die Verwendung der Mittel wird von einem zwölfköpfigen Geheimausschuss kontrolliert, dem Mitglieder aller im Parlament vertretenen Parteien angehören.

11.8.1914, Dienstag

Frankreich erklärt Österreich-Ungarn den Krieg; Großbritannien folgt mit einer Kriegserklärung am 12. August.

12.8.1914, Mittwoch

Serbische Truppen wehren eine erste Offensive der österreichisch-ungarischen Armee an der Drina, einem Nebenfluss der Save (heute zu Jugoslawien), ab.

13.8.1914, Donnerstag

Der Vorabdruck des Romans “Der Untertan” von Heinrich Mann in der Münchner Zeitschrift “Zeit im Bild” wird eingestellt. Nach Ansicht der Redaktion ist die Veröffentlichung des gesellschaftskritischen Werkes im Deutschen Reich nicht angebracht.

Auf Initiative u.a. des deutschen Industriellen und AEG-Vorstandsmitglieds Walther Rathenau wird im Deutschen Reich eine sog. Kriegsrohstoffabteilung eingerichtet. Als Monopolgesellschaft soll sie die Versorgung der Industrie mit Rohstoffen sicherstellen.

14.8.1914, Freitag

Aufgrund einer Anordnung des Berliner Polizeipräsidenten Traugott von Jagow werden alle Rummelplätze der Stadt geschlossen. Nach seiner Ansicht steht das Treiben auf den Vergnügungsstätten angesichts des Krieges nicht in Einklang mit der Stimmung in der Bevölkerung.

15.8.1914, Samstag

Die deutsche Regierung ordnet die Einziehung des gesamten Landsturmes an. Zum Landsturm zählen alle Wehrpflichtigen vom 17. bis 45. Lebensjahr, die nicht im aktiven Dienst stehen. In den deutschen Grenzbezirken war der Landsturm bereits zu Beginn des Krieges aufgerufen worden.

Der russische sog. Höchstkommandierende Großfürst Nikolaj Nikolajew sagt in einem Manifest der polnischen Bevölkerung die Wiedervereinigung unter dem russischen Zaren, Wahrung ihres Glaubens und ihrer Sprache sowie Selbstverwaltung zu. Damit sollen die Polen zur Rebellion gegen die deutsche Herrschaft aufgefordert werden.

In Zentralamerika wird nach jahrelangen technischen und politischen Problemen der 81,6 km lange Panamakanal offiziell eröffnet. Die unter Hoheit der USA stehende, als “Jahrhundertbauwerk” geltende künstliche Wasserstraße verbindet den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean.

An der Berliner Universität endet das diesjährige Sommersemester. Bis zum letzten Tag werden sog. Notprüfungen vorgenommen, um einberufenen Soldaten einen Abschluss zu ermöglichen.

16.8.1914, Sonntag

Die deutsche Führung errichtet ihr sog. Großes Hauptquartier in Koblenz nahe der Westfront. Neben dem deutschen Kaiser Wilhelm II. halten sich dort die Vertreter zahlreicher militärischer Dienststellen auf.

In Mexiko übernimmt Rebellenführer Venustiano Carranza mit seiner sog. Konstitutionalistischen Armee nach dem Einzug in die Hauptstadt Mexiko-Stadt die Regierungsgewalt. Der seit dem 15. Juli amtierende Präsident Francisco Carbajal war vier Tage zuvor geflüchtet.

17.8.1914, Montag

In allen Berliner Schulen findet wieder regulärer Schulunterricht statt, nachdem am Vortag bereits der Sonntagsunterricht wieder aufgenommen wurde. Nach Ausbruch des Krieges hatten die Behörden den Schulunterricht zunächst unterbrochen.

Angesichts vermehrter Einquartierungen von Soldaten in Berlin verfügt Polizeipräsident Traugott von Jagow einen Erlass zur verschärften Kontrolle unsittlichen Verhaltens. Danach werden Frauen, die sich durch “herausforderndes Benehmen” der Prostitution verdächtig machen, verhaftet und unter sittenpolizeiliche Aufsicht gestellt.

18.8.1914, Dienstag

In Sofia trifft der osmanische Innenminister Talaat Bey zu dreitägigen Gesprächen mit der bulgarischen Regierung ein. Bei dem Besuch wird u.a. die Frage eines neuen, gegen Russland gerichteten Balkanbundes erörtert. Beide Länder werden bisher vom Deutschen Reich politisch unterstützt.

Die italienische Regierung in Rom trift Vorkehrungen, um die Heimkehr der im Ausland befindlichen Italiener zu beschleunigen. Die Maßnahmen dienen vorsorglich der Sicherung des Armeemannschaftsbestandes.

19.8.1914, Mittwoch

Die österreichisch-ungarische Armee bricht ihre am 12. August begonnene Offensive gegen Serbien an der unteren Drina und an der Save (heute zu Jugoslawien) ab. Die Heeresleitung benötigt inzwischen zusätzlich Truppen für den Krieg gegen Russland an der Ostfront.

In Jena veröffentlichen die deutschen Philosophen Ernst Haeckel und Rudolf Eucken eine Erklärung gegen den Kriegseintritt Großbritanniens. Darin heißt es u.a.: “England kämpft zugunsten einer halbasiatischen Macht [Russland] gegen das Germanentum, es kämpft auf der Seite nicht nur der Barbarei, sondern auch des moralischen Unrechts”. Das Pamphlet ist ein Dokument der unter dem deutschen Bildungsbürgertum weitverbreiteten chauvinistischen und militaristischen Grundeinstellung.

20.8.1914, Donnerstag

Die dreitägige sog. Schlacht von Lothringen beginnt; in ihrem Verlauf drängen deutsche Truppen die Südgruppe der französischen Armee zurück, ohne allerdings einen entscheidenden Sieg zu erzielen.

Beim ostpreußischen Gumbinnen endet die erste bedeutende Schlacht an der deutsch-russischen Grenze zwischen der vorrückenden 1. russischen Armee und der 8. deutschen Armee (sog. Schlacht von Gumbinnen). Um einer Einkesselung zu entgehen, bricht der Oberbefehlshaber der 8. Armee, Generaloberst Max von Prittwitz und Gaffron, die am Vortag eröffnete Schlacht ab und befiehlt den Rückzug der deutschen Truppen hinter die Weichsel.

Papst Pius X. stirbt im Alter von 79 Jahren in Rom. Das seit 1903 amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche galt als autoritärer Gegner reformerischer Strömungen.

21.8.1914, Freitag

Der deutsche Industrielle August Thyssen setzt sich in einer dem deutschen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg zugeleiteten Denkschrift für eine Annexion des französischen Erzbeckens Longwy-Briey ein. Thyssen wünscht eine Verbreiterung der deutschen Rohstoffbasis, um die Importabhängigkeit der deutschen Schwerindustrie zu verringern.

In weiten Teilen Europas ist eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. In der deutschen Hauptstadt Berlin kann am frühen Nachmittag für rund zweieinhalb Stunden eine Teilfinsternis verfolgt werden.

22.8.1914, Samstag

Aufgrund seines Rückzugsbefehls im Verlauf der Schlacht von Gumbinnen entlässt die deutsche Oberste Heeresleitung den Oberbefehlshaber der 8. deutschen Armee, Generaloberst Max von Prittwitz und Gaffron. Sein Nachfolger wird der reaktivierte 67-Jährige Paul von Beneckendorff und von Hindenburg. Neuer Generalstabschef bei der 8. Armee wird der 49-Jährige Generalmajor Erich Ludendorff. Die Berufung der beiden hat weitreichende politische und militärstrategische Folgen.

In Berlin treffen die ersten Transporte mit an der Front verwundeten deutschen Soldaten ein. Die Verletzten werden in Lazarette eingeliefert, die u.a. in der Universität, im Luna-Park und im Freibad am Müggelsee eingerichtet worden sind.

23.8.1914, Sonntag

Japan erklärt dem Deutschen Reich den Krieg. Zuvor hatte die deutsche Regierung ein Ultimatum Japans vom 17. August unbeantwortet gelassen. Darin wurde der Abzug aller deutschen Flottenverbände aus japanischen und chinesischen Gewässern sowie die Aufgabe der seit 1898 währenden deutschen Kolonialherrschaft im chinesischen Kiautschou gefordert.

24.8.1914, Montag

Trotz einzelner Siege gegen alliierte Truppen an der Westfront zwischen dem 22. und 24. August bei Dinant, Neufchâteau und Longwy sowie an der Sambre gelingt den deutschen Streitkräften kein entscheidender Durchbruch. Der Übergang an der Sambre wird nur unter schweren, verlustreichen Kämpfen, die erwartete Umfassung des Gegners gar nicht erreicht. Damit droht die gesamte Westoffensive zu scheitern.

25.8.1914, Dienstag

Weltweite Empörung wird durch das rücksichtslose Vorgehen deutscher Besatzungstruppen gegen die Zivilbevölkerung der belgischen Stadt Löwen ausgelöst. Im Verlauf der viertägigen Terrorherrschaft werden insgesamt 209 Einwohner ermordet. Zugleich zerstören die deutschen Besatzer zahlreiche wertvolle Kulturdenkmäler in der historischen Altstadt von Löwen. Die Ereignisse gehen als “Fall Löwen” in die Geschichte ein.

Der deutsche Generalfeldmarschall Colmar Freiherr von der Goltz wird zum Generalgouverneur der besetzten Teile Belgiens ernannt. Die Zivilverwaltung der besetzten Gebiete wird gleichzeitig dem Regierungspräsidenten von Aachen unterstellt.

Nach einem Bericht der sozialdemokratischen Zeitung “Vorwärts” beträgt die Zahl der arbeitslosen Gewerkschaftsmitglieder in Berlin derzeit 57 188 Personen. Das bedeutet eine geschätzte Gesamtarbeitslosenzahl von über 100 000. Seit Kriegsbeginn haben u.a. die Kündigung von Aufträgen und Krediten, die Schließung kleiner und mittlerer Betriebe sowie die Umrüstung zahlreicher Großbetriebe auf Heeresproduktion zu Massenentlassungen geführt.

26.8.1914, Mittwoch

Die 1. deutsche Armee (nördlicher Umfassungsflügel) unter Befehl von Generaloberst Alexander von Kluck besiegt bei Le Cateau (Belgien) sechs Divisionen des britischen Expeditionskorps. Der drohenden Einkesselung können sich die britischen Truppen anschließend jedoch entziehen.

27.8.1914, Donnerstag

In Frankreich wird ein sog. Kabinett der nationalen Einheit gebildet. Zuvor war der sozialistische Ministerpräsident René Viviani zurückgetreten; Präsident Raymond Poincaré beauftragte ihn jedoch erneut mit der Regierungsbildung. Die neue Ministerliste umfasst auch konservative Politiker; Außenminister wird der frühere Botschafter in Russland, Théophile Delcassé, Justizminister wird Aristide Briand.

Die von dem Nationalrevolutionär Josef Klemens Pilsudski geführten sog. Schützen – Verbände einer polnischen Befreiungsorganisation – werden dem österreichisch-ungarischen Heer eingegliedert. Die umstrittene Eidesleistung für den österreichisch-ungarischen Kaiser Franz Joseph I. führt aber im September zu ihrer organisatorischen Auflösung.

28.8.1914, Freitag

Auf seiner ersten Kriegstagung fordert der Geschäftsführende Ausschuss des Alldeutschen Verbandes in Berlin eine expansionsorientierte deutsche Kriegszielpolitik. Der politisch einflussreiche Verband verlangt u.a. weitgehende Annexionen im Westen, zusätzliches Siedlungsland im Osten sowie die Bildung eines großen Kolonialreiches in Mittelafrika. Das Kriegszielprogramm des Alldeutschen Verbandes repräsentiert die Interessen von Schwerindustrie und Landwirtschaft.

29.8.1914, Samstag

Der politisch rechtsorientierte Reichsverband gegen die Sozialdemokratie teilt mit, dass er seine agitatorische Tätigkeit angesichts der positiven Haltung der Sozialdemokraten zum Krieg einstellen werde. Dabei drückt er die Hoffnung aus, dass künftig eine Bekämpfung der Sozialdemokratie aus politischen Gründen nicht mehr notwendig sein werde.

30.8.1914, Sonntag

Die vorrückende 2. deutsche Armee unter Befehl von Generaloberst Karl von Bülow wehrt nach zweitägigen Kämpfen nur mit Mühe eine Gegenoffensive der Franzosen in der Nähe der nordfranzösischen Stadt Saint-Quentin ab.

31.8.1914, Montag

In der am 26. August begonnenen sog. Schlacht von Tannenberg (westliches Masuren) besiegt die 8. deutsche Armee unter Generaloberst Paul von Beneckendorff und von Hindenburg die 2. russische Armee unter General Alexandr W. Samsonow. Die Schlacht wird von der deutschen Kriegspropaganda zur Glorifizierung Hindenburgs ausgenutzt.

Nachdem bereits die 3. und 4. deutsche Armee unter Generaloberst Max Freiherr von Hausen bzw. Generalfeldmarschall Herzog Albrecht von Württemberg die Maas überschritten haben, erreicht auch die 5. Armee unter dem Oberbefehl des deutschen Kronprinzen Wilhelm von Preußen nach verlustreichen Kämpfen das westliche Maasufer. Die französischen Truppen ziehen sich ohne große Verluste zurück.