Was geschah im August 1920

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Wetterstationen August 1920

1.8.1920, Sonntag

Der russische Regisseur und Theaterleiter deutscher Abkunft Wsewolod E. Mejerchold (eigtl. Karl Theodor Kasimir Meyerhold) übernimmt in Moskau die Leitung der Theatersektion des sowjetischen Ministeriums für Volksbildung. Mejerchold strebt im Rahmen der Bewegung “Theater-Oktober” eine Revolutionierung des Theaterbetriebes durch proletarische Kunst an. Zu diesem Zweck organisiert er Agitproptheater und Massenschauspiele. Im Oktober 1920 – drei Jahre nach der erfolgreichen Revolution – proklamiert er den “Oktober im Theater”.

In London endet der Gründungskongress der britischen Kommunistischen Partei (seit 31.7.). Schwerpunkte des Parteiprogramms sind das Bekenntnis zum Rätesystem und zur Diktatur des Proletariats. Zugleich spricht sich der Kongress für den Anschluss an die Dritte Internationale aus.

In Leipzig wird das proletarische Massenspiel “Spartacus” in der Inszenierung von Josef von Fielitz aufgeführt.

2.8.1920, Montag

Der bis zum 6. August dauernde internationale Bergarbeiterkongress im schweizerischen Genf spricht sich für die Sozialisierung des Bergbaus in allen Ländern aus. Bereits am 25. Juli hatte eine Vertrauensmännerkonferenz des sog. Alten Verbandes (sozialdemokratisch orientierte deutsche Bergarbeitergewerkschaft) in Bochum von der Reichsregierung die unverzügliche Sozialisierung der deutschen Bergbauunternehmen gefordert.

Die italienische Regierung erkennt in einem in Tirana geschlossenen Abkommen die nationale Integrität und Unabhängigkeit Albaniens an. Im Weltkrieg hatten italienische Truppen albanisches Gebiet besetzt.

3.8.1920, Dienstag

Durch das “Reichsgesetz über die vereinfachte Form der Gesetzgebung für die Zwecke der Übergangswirtschaft” erhält die deutsche Regierung besondere Vollmachten für die Wirtschaftspolitik. Das Gesetz ermächtigt die Regierung – bei Zustimmung des Reichsrats und eines Reichstagsausschusses – bis zum 1. November 1920 zum Erlass entsprechender sog. gesetzvertretender Verordnungen.

In Marburg endet der 15. Freistudententag (seit 31.7.). Dabei wird ein Aktionsprogramm beschlossen, das u.a. die Errichtung politischer Arbeitsgemeinschaften, Bildungsarbeit, Engagement bei der Hochschulreform und Maßnahmen zur wirtschaftlichen Selbsthilfe umfasst. Als Freistudenten werden Studierende bezeichnet, die keiner Korporation angehören. 1900 wurde der Zentralverband der Deutschen Freien Studentenschaften gegründet.

4.8.1920, Mittwoch

Die deutsche Reichsregierung verkündet das sog. Amnestiegesetz. Es sichert fast allen am sog. Kapp-Putsch wie auch an den Märzaufständen beteiligten Personen Straffreiheit zu.

5.8.1920, Donnerstag

Im sog. Volkswirtschaftsausschuss des deutschen Reichstages wird auf Initiative der Reichsregierung eine Herabsetzung der Vieh- und Fleischpreise beschlossen.

6.8.1920, Freitag

In Stettin (heute Szczecin) wird eine Seeschifffahrtsgruppe Ostsee gegründet. Sie vereinigt sämtliche Arbeiter- und Unternehmerorganisationen der Ostseehäfen.

Der elfte Verbandstag des Verbands der Studentinnenvereine Deutschlands findet in Jena statt. Im Mittelpunkt der Beratungen steht die Frage, wie sich der Verband angesichts der zunehmenden politischen Polarisierung an den Hochschulen seine Überparteilichkeit bewahren kann.

7.8.1920, Samstag

Die Reichsregierung verkündet das gegen die Stimmen von USPD, MSPD sowie Teile der DNVP am 5. August beschlossene sog. Entwaffnungsgesetz. Es regelt gemäß Artikel 177 des Versailler Vertrags die Entwaffnung der Zivilbevölkerung.

Das britische Unterhaus billigt in dritter Lesung ein Gesetz über die sog. Wiederherstellung der Ordnung in Irland mit 206 gegen 18 Stimmen. Dadurch wird die Zuständigkeit der Militärgerichte in Irland erheblich erweitert.

In Budapest billigt die ungarische Nationalversammlung in dritter Lesung eine Ausdehnung der Rechte des sog. Reichsverwesers. u.a. erhält er das Recht zur Auflösung des Reichstages und zur Kriegführung auf ausländischem Boden.

8.8.1920, Sonntag

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die Deutsch-Sozialistische Partei und die Deutsche Nationalsozialistische Partei in den Sudetenländern und Österreich kommen in Salzburg zu politischen Gesprächen zusammen.

In Wien wird die Großdeutsche Volkspartei gegründet. Sie geht aus der deutschnationalen Bewegung Österreich-Ungarns hervor. Vorläufer war 1919 – als parlamentarischer Klub – die Großdeutsche Vereinigung. Wichtigstes politisches Ziel der Partei ist der Anschluss der Republik Österreich an das Deutsche Reich.

9.8.1920, Montag

Der am 27. November 1919 im französischen Neuilly-sur-Seine geschlossene Friedensvertrag zwischen Bulgarien und den Alliierten tritt in Kraft. Zusammen mit dem Vertrag von Sèvres zählt der Vertrag von Neuilly zu den fünf sog. Pariser Vorortverträgen (außerdem Verträge von Versailles, St. Germain und Trianon).

10.8.1920, Dienstag

Im sog. Vertrag von Sèvres zwischen den Alliierten und der Türkei wird das ehemalige Osmanische Reich auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe verkleinert. Außerdem verliert das Land seine Finanzhoheit an die Alliierten. Die türkischen Nationalisten unter Mustafa Kemal Pascha (später Kemal Atatürk) erkennen den Vertrag nicht an.

Das vom Deutschen Reich an Frankreich abzuliefernde Luftschiff “L 72” startet zu seinem neuen Heimatstützpunkt in Südfrankreich.

11.8.1920, Mittwoch

Die französische Regierung beschließt die Regierung des weißrussischen Generals Pjotr N. Baron von Wrangel in Südrussland anzuerkennen. Zugleich untersagt sie ihren Vertretern in London jeden Kontakt mit sowjetrussischen Diplomaten.

Die am 16. Mai 1920 gewählte Danziger verfassunggebende Versammlung verabschiedet gegen die Stimmen von USPD, MSPD und Polen eine Verfassung. Diese findet jedoch nicht die erforderliche Billigung des Völkerbunds. Nach mehreren Änderungen, die u.a. den Schutz der polnischen Minderheit betreffen, wird die Verfassung schließlich am 14. Juni 1922 verkündet.

Anhänger der ökumenischen Bewegung (Bewegung für praktisches Christentum [“life and work”]) kommen in Genf zusammen, um über die Einberufung einer Weltkirchenkonferenz zu beraten. Sie beschliesen die Bildung eines Vorbereitungsausschusses.

12.8.1920, Donnerstag

In westdeutschen Betrieben kommt es zu Streiks und Aussperrungen (u.a. bei den Bayer-Farbwerken in Leverkusen sowie den Hoesch-Eisen- und Stahlwerken in Dortmund). Ursache des Konflikts ist ein gesetzlicher Steuerabzug vom Lohn durch Unternehmen, der von den Arbeitern verweigert wird. Ende August kommt es auch in Württemberg zu Protestaktionen, die in einen Generalstreik münden.

Auf den 55-Jährigen griechischen Ministerpräsidenten Eleftherios Weniselos wird im französischen Lyon ein Attentat verübt. Er wird durch fünf Schüsse leicht verletzt. Die Täter, zwei griechische Offiziere, geben politische Gründe für das Attentat an.

13.8.1920, Freitag

Eine in London abgehaltene Konferenz britischer Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen spricht sich in scharfer Form gegen jede Intervention Grosbritanniens im polnisch-russischen Krieg aus. In einem Aufruf, der an das britische Volk gerichtet wird, fordert der Aktionsausschuss der Arbeiterorganisationen am 17. August einen sofortigen Frieden, die Anerkennung der sowjetrussischen Regierung und die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit Moskau.

14.8.1920, Samstag

Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (heute Jugoslawien) schließt einen Beistandspakt mit der Tschechoslowakei. Der Pakt leitet die im Jahr 1921 verwirklichte sog. Kleine Entente ein.

Im estländischen Dorpat (Tartu) wird ein Waffenstillstandsvertrag zwischen Finnland und Sowjetrussland geschlossen. Am 14. Oktober folgt ein Friedensvertrag zwischen beiden Ländern. Im vorangegangenen, am 28. Januar 1918 ausgebrochenen Bürgerkrieg hatten die republikanischen “Weißen” die von Sowjetrussland unterstützten Roten Garden besiegt.

Zwischen dem Deutschen Reich und den Niederlanden wird ein drahtloser Fernsprechverkehr aufgenommen.

Im schwer kriegsbeschädigten Antwerpen werden die VII. Olympischen Spiele, nach einer Olympiapause von acht Jahren, eröffnet. Das Deutsche Reich, Österreich, Ungarn, Bulgarien und die Türkei dürfen als Besiegte des Ersten Weltkrieges nicht teilnehmen. (bis 12.9.)

Der 36-Jährige deutsche Radrennfahrer Walter Rütt gewinnt den Großen Preis von Essen, ein sog. Fliegerrennen für Radprofis. Walter Rütt, der sein 20-Jähriges Bahnjubiläum feiert, ist deutscher Profi-Fliegermeister und gewann im Jahr 1913 auch die Weltmeisterschaft der Profi-Flieger.

15.8.1920, Sonntag

In Darmstadt enden die zweitägigen deutschen Schwimmeisterschaften. Zwei Bestleistungen erzielt der Kölner Bernhard Skamper, im 1500-m-Freistil-Wettbewerb kommt er als einziger von drei Teilnehmern ins Ziel.

Die Schwerpunkte der in Leipzig eröffneten Technischen Messe liegen in der Ausstellung von Produkten des Vereins der deutschen Werkzeugmaschinenfabriken und großer Elektrizitätsunternehmen. Insgesamt beteiligen sich rund 3300 Aussteller an der Messe, die bis zum 21. August dauert.

Im Rahmen der deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Dresden (seit 14.8.) finden erstmals Wettbewerbe für Frauen statt. Dabei sichert sich die Münchner Sportlerin Marie Kießling (TSV 1860) alle Titel.

16.8.1920, Montag

Eine polnische Gegenoffensive bringt die Wende im seit April dauernden polnisch-russischen Krieg. Durch das “Wunder an der Weichsel” werden die sowjetrussischen Truppen zum Rückzug gezwungen.

Parallel zum Fortgang des Krieges beginnen in Minsk Friedensverhandlungen zwischen Polen und Sowjetrussland. Sie werden am 18. September in Riga fortgesetzt und führen am 12. Oktober zum sog. Vorfrieden von Riga.

Polnische Truppen besetzen das ihnen von der Pariser Botschafterkonferenz zugesprochene Gebiet auf dem östlichen Weichselufer. Noch am Vortag hatte die deutsche Regierung gegen die am 11. August durch den alliierten Obersten Rat beschlossene Zuerkennung des östlichen Weichselufers an Polen protestiert. Der deutsche Einspruch wird am 1. Oktober von den alliierten Mächten als unbegründet zurückgewiesen.

Der US-amerikanische Leichtathlet Frank Loomis verbessert bei den Olympischen Spielen in Antwerpen den Weltrekord über 400 m Hürden auf 54,0 sec. Bereits am 26. Juni hat John Norton (USA) in Pasadena den Weltrekord über 440 y Hürden (402,34 m) auf 54,2 sec gestellt.

17.8.1920, Dienstag

Im oberschlesischen Kattowitz (heute Katowice) kommt es nach einer Streikdemonstration deutscher Arbeiter zu schweren Zusammenstößen zwischen Streikenden und französischen Besatzungstruppen. Dabei kommen neun Menschen ums Leben. Die französischen Besatzungsbehörden verhängen den Ausnahmezustand. Mit dem Streik protestieren die Arbeiter gegen französische Waffentransporte für Polen durch Oberschlesien.

In Amsterdam findet ein internationaler Landarbeiterkongress statt. Vertreten sind Landarbeiterverbände u.a. aus Großbritannien, dem Deutschen Reich, Schweden, Österreich und Italien. Die Delegierten verständigen sich auf die Gründung eines Internationalen Landarbeiterbundes.

18.8.1920, Mittwoch

Im Rahmen der Olympischen Spiele in Antwerpen erzielt der Kanadier Earl Thomson in 14,8 sec einen Weltrekord über 110 m Hürden. Seit dem 29. Mai ist Thomson bereits Weltrekordler über 120 y Hürden (14,4 sec in Philadelphia).

19.8.1920, Donnerstag

In Oberschlesien bricht vor dem Hintergrund deutscher Protestaktionen gegen Waffenlieferungen für Polen und den Zusammenstößen in Kattowitz am 17. August der Zweite polnische Aufstand aus.

In London enden die seit dem 6. Juni andauernden britisch-ägyptischen Gespräche über die britische Protektoratsherrschaft in Ägypten. Dabei verschafft sich Großbritannien weitreichende militärische Vorrechte in Ägypten. Im Gegenzug sichert der britische Kolonialminister Alfred Viscount Milner Ägypten die Verteidigung seiner Integrität gegen fremde Angriffe und eine begrenzte diplomatische Autonomie zu. Ägyptische Nationalisten lehnen das Abkommen als nicht weitgehend genug ab. Großbritannien gibt sein Protektorat schließlich 1922 auf, als Ägypten zur unabhängigen parlamentarischen Monarchie wird.

20.8.1920, Freitag

Frank Foss (USA) stellt bei den Olympischen Spielen in Antwerpen einen Weltrekord im Stabhochsprung mit 4,09 m auf. Die bisherige Bestmarke lag bei 4,02 m, gesprungen von seinem Landsmann Marc Wright am 8. Juni 1912.

21.8.1920, Samstag

Hauptthemen einer zweitägigen britisch-italienischen Konferenz in Luzern sind der polnisch-russische Krieg, die Adria-Frage und weitere Probleme der europäischen Politik. Die italienische Regierung wird durch Ministerpräsident Giovanni Giolitti, die britische durch Premierminister David Lloyd George vertreten, auf dessen Initiative die Konferenz in der Schweiz auch zustande kam.

In New York spricht sich die US-amerikanische Socialist Party of America grundsätzlich für die kommunistische Dritte Internationale aus. Gleichzeitig lehnt sie jedoch eine Diktatur des Proletariats nach sowjetrussischem Muster ab.

22.8.1920, Sonntag

Mit einer Aufführung von Hugo von Hofmannsthals “Jedermann” in der Inszenierung des österreichischen Regisseurs Max Reinhardt werden erstmals die Salzburger Festspiele durchgeführt. Zu den Initiatoren der Festspiele zählen – neben Reinhardt und Hofmannsthal – der Theaterkritiker Hermann Bahr und der Komponist Richard Strauss.

Die US-amerikanische 4x-100-m-Staffel verbessert bei den Olympischen Spielen in Antwerpen den Weltrekord um 0,1 sec auf 42,2 sec und gewinnt damit die Goldmedaille vor Frankreich und Schweden. Bisheriger Rekordhalter war seit dem 8. Juli 1912 die Mannschaft des Deutschen Reiches.

23.8.1920, Montag

In Berlin wird die Besetzung der deutschen Botschafterstelle in Rom bekanntgegeben. Vertreter des Deutschen Reiches in der italienischen Hauptstadt wird der Hamburger Bankier und Senator John von Berenberg-Goßler.

24.8.1920, Dienstag

In London findet eine britisch-deutsche Ernährungskonferenz statt an der auch Vertreter Frankreichs, Italiens und Belgiens informell teilnehmen. Die deutsche Delegation wird von Reichsernährungsminister Andreas Hermes (Zentrum) geleitet. Hauptthema der Konferenz sind Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungslage im Deutschen Reich, vor allem die beschleunigte Bereitstellung von Lebensmittelvorschüssen durch die Alliierten.

In Berlin wird die Filmtragödie “Der Januskopf” von Friedrich Wilhelm Murnau uraufgeführt. Murnau zählt zu den bedeutendsten deutschen Regisseuren in den 20er Jahren.

In Gelsenkirchen billigen rund 1200 Vertrauensleute des christlichen Bergarbeiterverbandes die Entschließungen des Internationalen Bergarbeiterkongresses zur Sozialisierungsfrage. Die Gewerkschafter fordern von der Reichsregierung einen Ausschluss privaten Kapitalprofits im Bergbau.

25.8.1920, Mittwoch

In der ungarischen Nationalversammlung in Budapest wird ein Gesetzentwurf zum “Schutz des Vermögens, der Moral und der Person” eingebracht. Er sieht u.a. die Einführung der Prügelstrafe vor und wird am 31. August in modifizierter Form angenommen. Liberale Abgeordnete lehnen die Prügelstrafe als “kulturwidrig” ab. In den meisten zivilisierten Ländern wurde die Prügelstrafe im Laufe des 19. Jahrhunderts abgeschafft (so in Preußen 1848, in Österreich 1867).

26.8.1920, Donnerstag

In Breslau greifen deutsche Demonstranten die polnische und französische konsularische Vertretung an und richten an beiden Gebäuden schwere Verwüstungen an.

Mit der Ratifikation des 19. Verfassungszusatzes wird in den USA das allgemeine Frauenwahlrecht eingeführt. Zuvor hatte sich mit Tennessee der 36. US-Bundesstaat und damit eine Zweidrittelmehrheit aller Staaten für das Frauenstimmrecht ausgesprochen.

27.8.1920, Freitag

Die litauische Regierung schlägt Polen in einer Note die Festlegung einer provisorischen Demarkationslinie vor. Wegen der nach Norden vorrückenden polnischen Truppen drohen militärische Zusammenstöße zwischen Litauen und Polen. Nach dem Scheitern von Verhandlungen am 17. September legt der von beiden Seiten angerufene Völkerbundrat am 18. September eine Grenzlinie fest.

Die Rheinische Metall- und Maschinenfabrik in Düsseldorf muss wegen Kohlenmangels ihre Betriebe teilweise für acht Tage stillegen.

28.8.1920, Samstag

Zu schweren Zusammenstößen kommt es zwischen irischen IRA-Unabhängigkeitskämpfern unter dem Rebellenführer Michael Collins und der als “black and tans” bekannten britischen Polizeispezialtruppe für Irland in Belfast. Dabei sterben 13 Menschen, über 40 werden verwundet. Anlass ist die Verhängung des Kriegsrechts über Irland durch das britische Unterhaus.

In verschiedenen württembergischen Städten – u.a. in der Landeshauptstadt Stuttgart – beginnt ein Generalstreik (bis 3.9.). Konkreter Anlass ist die militärische Sicherung von Großunternehmen im Raum Stuttgart durch die württembergische Landesregierung. Vorausgegangen waren Protestaktionen der Arbeiter gegen einen gesetzlichen Steuerabzug vom Lohn.

Die Bildung einer internationalen Auswanderungskommission wird in Genf bekannt. Nach Informationen des Internationalen Arbeitsamtes hat sie die Aufgabe, die Auswanderung von Arbeitern zu regeln und die Interessen von Arbeitern im Ausland zu schützen.

In Weimar findet der erste Reichsjugendtag der sozialdemokratisch orientierten Arbeiterjugendvereine statt (bis 29.8.). Nach dem Weltkrieg hatte sich die Arbeiterjugendbewegung in einen sozialistischen und einen kommunistischen Flügel gespalten (Gründung der Kommunistischen Jugend Deutschlands 1920; Gründung der Sozialistischen Arbeiterjugend 1922).

29.8.1920, Sonntag

Im Rahmen des Versailler Vertrags liefert das Deutsche Reich das Luftschiff “L 61” an Italien aus. Es hat als erster lenkbarer Zeppelin die Alpen überflogen.

Auf Initiative der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) wird in Friedrichshafen ein sog. demokratischer Bodenseetag abgehalten. Teilnehmer sind DDP-Anhänger aus den deutschen Bodensee-Anrainerländern, darunter Reichswehrminister Otto Geßler. Die Delegationen einigen sich auf die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der drei demokratischen Landtagsfraktionen in Baden, Bayern und Württemberg mit dem Ziel einer engeren politischen Zusammenarbeit.

30.8.1920, Montag

Die schweizerische Regierung in Bern lehnt eine Forderung von Eisenbahnergewerkschaften zur verschärften Überwachung internationaler Transporte – vor allem sog. Polenzüge – hinsichtlich Waffenlieferungen ab. Sie verweist auf ihre bisherige Neutralitätspolitik, die eine Durchfuhr von Waffen und Munition verbietet und entsprechende regelmäßige Kontrollen beinhaltet.

31.8.1920, Dienstag

Nach einem Sturm deutscher Demonstranten auf das französische Konsulat in Breslau (heute Wroclaw) am 26. August verlangt die französische Regierung u.a. eine Bestrafung der beteiligten Personen und eine Ehrenbezeugung der Reichswehr.

In Großbothen bei Leipzig stirbt der deutsche Psychologe und Philosoph Wilhelm Wundt.