Was geschah im August 1921

  • < 1920
  • 8.1921
  • 1922 >

Wetterstationen August 1921

1.8.1921, Montag

Die ersten Donaueschinger Kammermusiktage zur Förderung zeitgenössischer Tonkunst werden eröffnet. Auf dem Programm stehen Werke von Paul Hindemith, Ernst Krenek und Karl Horwitz.

Max Amann, ein Gefolgsmann Adolf Hitlers, übernimmt die Geschäftsführung der NSDAP. Amanns Kompetenzen im Presse- und Verlagsbereich der Partei werden in den nächsten Jahren stetig erweitert.

Der Funkverkehr zwischen dem Deutschen Reich und den USA wird erleichtert. Bisher waren nur unverschlüsselte Handelstelegramme in deutscher und englischer Sprache zugelassen. Von nun an dürfen Telegramme in allen zum Funkverkehr zugelassenen Sprachen verfasst werden, auch in kodierter Form. Ein nach New York gefunktes Wort kostet jetzt 18 Mark.

Seit Wochen herrscht eine extreme Hitze in Europa. Aus Breslau werden Temperaturen bis zu 37 aus Prag bis zu 36 gemeldet.

Das Berliner Milchamt meldet Probleme bei der Milchversorgung. In den vergangenen drei Wochen war ein Rückgang von fast 150 000 l pro Tag zu verzeichnen. Die Verknappung wird durch die anhaltende Hitzewelle verursacht.

2.8.1921, Dienstag

In New York findet eine Parade von 15 000 Schwarzen statt, die für die Verbesserung der Lage der Schwarzen in der ganzen Welt demonstrieren. Ihr Vorsitzender, Marcus Garvey, der sich selbst Provisorischer Präsident Afrikas nennt, erklärt, dass nach dem Willen von 400 Mio. Schwarzen “Afrika den Afrikanern” gehöre.

Der Reichsausschuss für Leibesübungen hat in Berlin einen Gesetzentwurf über die körperliche Ausbildungspflicht der Jugend erarbeitet. Danach ist die Jugend bis zur Volljährigkeit zu körperlichen Übungen verpflichtet. In den Schulen muss Sport in den Lehrplan aufgenommen werden.

Die Salzburger Festspiele, die bis zum 23. August dauern, werden mit der Uraufführung eines bisher unbekannten Stückes von Wolfgang Amadeus Mozart eröffnet.

In Neapel stirbt der Operntenor Enrico Caruso.

Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, Wladimir I. Lenin, bittet die Industrienationen um Hilfe für die Hungernden in Sowjetrussland.

3.8.1921, Mittwoch

Die Hamburger Polizei veranstaltet eine Razzia im sog. Chinesenviertel, bei der sie in den Hinterräumen einer Wäscherei und eines Gemüsegeschäfts “Opiumhöhlen” entdeckt. Insgesamt werden 100 Personen beim Drogenkonsum ertappt. Das Rauschgift und die Opiumpfeifen werden beschlagnahmt.

Der Zentralrat der Deutschen Gewerkvereine fordert in Berlin aufgrund der Steigerung der Lebenshaltungskosten eine Lohnerhöhung, die im gesunden Verhältnis zur Steigerung der Preise steht.

Auf Initiative des NSDAP-Parteivorsitzenden Adolf Hitler wird der NSDAP-“Versammlungsschutz” in München in eine paramilitärische Kampforganisation umgewandelt, die im November in Sturmabteilung (SA) umbenannt wird.

Die Botschafter Großbritanniens, Frankreichs und Italiens, Edgar Vincent d’Abernon, Auguste Laurent und Vittorio Frascati, werden beim deutschen Außenminister Friedrich Rosen (parteilos) mit einer gemeinsamen Note vorstellig. Darin wird das Deutsche Reich ersucht, den Transport alliierter Truppen zu erleichtern. Diese sollen nach Oberschlesien geschickt werden, wo seit Anfang Mai polnische Aufständische mit dem sog. deutschen Selbstschutz kämpfen.

4.8.1921, Donnerstag

Die alliierte Reparationskommission in Paris gibt bekannt, dass das Deutsche Reich trotz seiner wirtschaftlichen Probleme gemäß Artikel 238 des Versailler Vertrages in den nächsten sechs Monaten 29 400 Pferde, 130 000 Schafe und 175 000 Rinder an die Siegermächte des Weltkriegs abzuliefern habe, sofern nicht mit einzelnen Staaten Sonderregelungen getroffen wurden. Artikel 238 regelt die Wiedergutmachung für im Weltkrieg beschädigte Güter und Gegenstände.

An der Universität Königsberg (Kaliningrad) wird der erste Lehrstuhl für Sexualwissenschaft eingerichtet, der mit dem Dermatologen S. Jeßner besetzt wird. Bisher bestand lediglich an der Universität Breslau (Wroclaw) ein Lehrstuhl für Sexualpädagogik.

5.8.1921, Freitag

Die seit dem 14. Juli andauernde Konferenz von Vertretern der britischen Dominions (Kronländer) und Indiens geht in London zu Ende. Ein umfangreicher offizieller Bericht wird vorgelegt, der die Rechtslage der Dominions im Verhältnis zum britischen Mutterland erläutert. Die Dominions sollen maßgeblich an der Außenpolitik des Empire beteiligt werden. Außerdem wird hervorgehoben, dass die Kooperation mit den USA der wichtigste Grundsatz der britischen Außenpolitik sein müsse.

Eine Kommission des Internationalen Roten Kreuzes ruft alle Regierungen, den Völkerbund und die Hilfsorganisationen Europas und Amerikas auf, sich an einer gemeinsamen humanitären Aktion für das hungernde Sowjetrussland zu beteiligen.

In Dayton im US-Bundesstaat Ohio wird das erste Auto ohne Fahrer, das nur mit Funkfernsteuerung gelenkt wird, erfolgreich getestet.

6.8.1921, Samstag

Die bayerische Staatsregierung in München verfügt aufgrund der andauernden Hitzewelle eine vorübergehende Zwangsbewirtschaftung für Heu. Die Viehhaltung ist durch die große Trockenheit vor große Probleme gestellt.

Bei einer Leichtathletikveranstaltung in Berlin stellt Frieda Grasse aus Niederlehme mit 9,30 m beim Kugelstoßen der Frauen einen deutschen Rekord auf.

7.8.1921, Sonntag

In Bingen erreicht Gustav Steinbrenner aus Frankfurt am Main beim Diskuswurf mit 44,61 m einen deutschen Rekord.

In allen größeren Städten der Niederlande sind die Kellner seit vier Tagen im Streik. Das Ziel der organisierten Kellnerschaft ist die Abschaffung der Trinkgelder und die Sicherung fester Löhne.

8.8.1921, Montag

In Paris tritt der Oberste Rat der Alliierten bis zum 12. August zusammen, um über die Teilung Oberschlesiens und die Zukunft des besetzten Rheinlandes zu beraten.

US-Präsident Warren G. Harding lädt die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Japans und Chinas zu einer Abrüstungskonferenz in Washington im November ein. Der Plan geht auf den US-amerikanischen Außenminister Charles E. Hughes zurück, der ein Wettrüsten zwischen den USA, Großbritannien und Japan aufgrund des seit 1916 forcierten US-amerikanischen Marinebauprogramms vermeiden will.

Papst Benedikt XV. fordert “alle Christen und zivilisierten Völker der Welt” auf, der hungernden sowjetischen Bevölkerung zu helfen.

In Berlin wird die deutsche Herbstmodewoche eröffnet. Besondere Attraktion ist eine schauspielerisch aufbereitete Pelzvorführung.

9.8.1921, Dienstag

Ein Schöffengericht in Frankfurt am Main entscheidet, dass Arbeitgeber sich strafbar machen, wenn sie ihre Angestellten länger als acht Stunden am Tag beschäftigen, auch bei Einwilligung der Angestellten. Der Besitzer eines ortsansässigen Kaffeehauses wird zu 100 Mark Strafe verurteilt, weil er die Achtstundenregelung nicht eingehalten hat.

10.8.1921, Mittwoch

Der Oberste Rat der Alliierten, der am 8. August zusammengetreten ist, berät das Problem des 1919 begonnenen griechisch-türkischen Krieges. Es wird beschlossen, Neutralität zu bewahren. Der Waffenhandel mit beiden Ländern soll jedoch keinen Einschränkungen unterworfen werden.

Der Journalist Dietrich Eckart wird Schriftleiter des NSDAP-Organs “Völkischer Beobachter”. Von 1918 bis 1921 gab er die antisemitische und antirepublikanische Zeitschrift “Auf gut deutsch” heraus.

12.8.1921, Freitag

In seiner Schlusssitzung beschließt der Oberste Rat der Alliierten, der am 4. August 1921 zusammengetreten ist, die Zölle im seit März besetzten Rheinland zum 15. September 1921 aufzuheben.

Im Einklang mit der von Wladimir I. Lenin initiierten Neuen Ökonomischen Politik (NEP) billigt der sowjetische Rat der Arbeit und der Verteidigung die Grundsätze über Maßnahmen zum Wiederaufbau der Großindustrie und zur Hebung und Entwicklung der Produktion. Der Rat gesteht die Unabhängigkeit der Industrieunternehmungen von unmittelbarer Staatskontrolle zu.

In Berlin gründet der KPD-Politiker Wilhelm Münzenberg die Internationale Arbeiterhilfe für Russland.

13.8.1921, Samstag

Der spanische Ministerpräsident Manuel Allende Salazar (konservativ) wird durch den Liberalen Antonio Maura abgelöst, der damit zum fünften Mal Ministerpräsident wird. Die Gebietsgewinne der aufständischen Rif-Kabylen in Marokko hatten eine Regierungskrise ausgelöst und den Rücktritt Allende Salazars herbeigeführt.

14.8.1921, Sonntag

In Fünfkirchen (Pécs) im ungarischen Verwaltungsbezirk Baranya wird die “Serbisch-Ungarische Republik von Baranya” proklamiert und ein Exekutivkomitee unter Petar Dobrovic eingerichtet.

Der vorläufige Präsident der irischen Republik, Eamon de Valera, weist die Vorschläge des britischen Premierministers David Lloyd George zurück, Irland zukünftig den Status eines Dominion (Kronland) innerhalb des Commonwealth zu geben.

15.8.1921, Montag

An der Frankfurter Devisenbörse kommt es zu einem dramatischen Kursverfall der deutschen Mark. Die Reichsbank hatte im großen Umfang Deviseneinkäufe getätigt, die den Wert der Goldreserven des deutschen Reiches überstiegen. Der Wert des US-Dollar steigt auf 88 Mark an.

16.8.1921, Dienstag

Nach dem Tod von König Peter I. tritt Alexander I. seine Nachfolge im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien) an.

Der irische Präsident Eamon de Valera lehnt in Dublin weitere Verhandlungen mit der britischen Regierung über die Unabhängigkeit Irlands ab. Großbritannien erkennt die Republik Irland nicht an, sondern billigt ihr lediglich den Status eines Freistaates (Dominion) innerhalb des Commonwealth zu.

17.8.1921, Mittwoch

Die Medizinische Fakultät der Universität Königsberg verleiht dem früheren General Erich Ludendorff die Ehrendoktorwürde. In der Schlacht von Tannenberg Ende August 1914 habe “der Meister der Feldherrnkunst … die ostpreußische Heimaterde reingefegt von plündernden und sengenden russischen Horden”.

Auf dem Kolonial- und Schifffahrtstag im Rahmen der Hamburger Sport- und Kulturwoche bekräftigt der frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Schnee, das Recht des Deutschen Reiches auf den Besitz von Kolonien. Wie kein anderes Volk habe man den Afrikanern Frieden, Ordnung, Sicherheit und Kultur gebracht.

18.8.1921, Donnerstag

Der italienische Faschistenführer Benito Mussolini tritt als Parteivorsitzender zurück, nachdem einzelne regionale Verbände seiner Organisation sich der Vereinbarung mit den Sozialisten über den Verzicht auf Gewaltanwendung widersetzt haben.

In Berlin wird das Drama “Notruf” von Hermann Sudermann uraufgeführt.

19.8.1921, Freitag

Reichsfinanzminister Joseph Wirth (Zentrum) legt in Berlin den Entwurf eines neuen Steuergesetzes vor. In diesem Entwurf sind eine Verdoppelung von Zöllen und Verbrauchssteuern und eine Verzehnfachung der Kraftfahrzeugsteuer vorgesehen. Weiterhin sind eine Vermögenssteuer, eine Vermögens-Zuwachssteuer und eine Nachkriegsgewinnsteuer geplant.

Die Sozialistische Gewerkschaftsjugend veranstaltet bis zum 20. August in Kassel ihre erste Jugendkonferenz. In diesem Verband sind mit 300 000 Jugendlichen rund 20% der arbeitenden Jugend im Deutschen Reich organisiert.

Der Spielfilm “Nacht ohne Morgen” von Karl Grune wird mit Eugen Klöpfer und Albert Steinrück in den Hauptrollen in Berlin uraufgeführt.

20.8.1921, Samstag

Die am 14. August ausgerufene “Serbisch-ungarische Republik von Baranya” wird vom größten Teil der serbischen Bevölkerung geräumt. Ungarische Truppen ziehen in das Gebiet ein.

Die Angestellten des öffentlichen Dienstes und die Beamten fordern in Berlin von der Reichsregierung die Zahlung einer jährlichen Teuerungszulage von 70%.

In Hamburg werden die zweitägigen Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften eröffnet.

21.8.1921, Sonntag

Nach Protestkundgebungen gegen die steigende Geldentwertung in zahlreichen polnischen Städten kommt es in Posen zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.

In Kopenhagen findet der Internationale demokratische Jugendkongress statt, auf dem Vertreter aller westeuropäischen und skandinavischen Staaten anwesend sind. Bei der Abschlusskundgebung fordern sowohl der deutsche als auch der französische Sprecher, einen Schlussstrich unter die Feindschaft der Völker zu ziehen.

22.8.1921, Montag

Im Rheinland werden von den französischen Militärbehörden Geldstrafen bis zu 1000 Mark gegen Bürger verhängt, welche die alte kaiserliche Reichsflagge Schwarz-Weiß-Rot an ihren Häusern gehisst haben.

Friseure im US-Bundesstaat Connecticut werden verpflichtet, nur mit behördlicher Genehmigung ihren Kundinnen einen Bubikopf zu frisieren.

In Berlin wird der Arbeiter Karl Graßmann verhaftet. Er soll 20 Frauen getötet haben.

Eine Feier der rechtsgerichteten Organisation Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten wird in Magdeburg von einem kommunistischen Demonstrationszug gesprengt.

In Jena wird der Parteitag der KPD eröffnet, der bis zum 26. August dauert. Paul Levi, der frühere Vorsitzende, wird aus der Partei ausgeschlossen.

23.8.1921, Dienstag

In Südindien kommt es zu blutigen Aufständen gegen die britischen Kolonialbehörden, die für die schlechte Versorgungslage verantwortlich gemacht werden.

Faisal I. wird in Bagdad zum König des Irak ausgerufen. Der Sohn des Scherifen von Mekka aus der Familie der Haschimiden wird von der britischen Regierung protegiert.

Die Film-Oberprüfstelle in Berlin verbietet den Film “Die schwarze Schmach”. Der propagandistische Streifen bezichtigt die farbigen französischen Besatzungssoldaten im Rheinland zahlreicher Sittlichkeitsverbrechen.

24.8.1921, Mittwoch

In Großbritannien explodiert bei Hull das britische Luftschiff “ZR 2” während einer Probefahrt. 41 der 47 Besatzungsmitglieder werden dabei getötet.

Auf dem deutschen Astronomentag wird in Potsdam der Einstein-Turm eingeweiht, in dem ein astrophysikalisches Laboratorium eingerichtet ist.

Bei einer Veranstaltung der rechtsgerichteten Soldatenverbände Nationalverband deutscher Offiziere und Verband nationalgesinnter Soldaten in Berlin sagt der frühere General Rüdiger Freiherr von der Goltz, dass die Losung “Mit Gott für Kaiser und Reich” bald wieder Geltung haben werde.

Im griechisch-türkischen Krieg kommt es zu einer Schlacht am Fluss Sakarya, die für die Türken siegreich endet.

Zwischen Österreich und den Vereinigten Staaten wird in Wien ein Friedensvertrag abgeschlossen, mit dem der Weltkrieg offiziell beendet wird.

Die schweizerische Regierung in Bern verlängert die Aufenthaltsgenehmigung für die Familie des ehemaligen Kaisers Karl I. von Österreich, da Dänemark, Schweden, Frankreich und Spanien die Aufnahme der Habsburger abgelehnt haben.

25.8.1921, Donnerstag

Reichsaußenminister Friedrich Rosen (parteilos) und der US-amerikanische Geschäftsträger in Berlin, Ellis L. Dresel, unterzeichnen den Friedensvertrag zwischen den USA und dem Deutschen Reich.

Der frühere Kommandeur der deutschen Kolonialtruppen in Deutsch-Ostafrika, Paul von Lettow-Vorbeck, wird in der mitteldeutschen Stadt Zeitz von mehreren hundert Demonstranten zur Abreise gezwungen, als er einen Vortrag “Über den Kampf in Afrika” halten wollte.

Bei Unruhen in der britischen Kronkolonie Indien kommen mehr als 1000 Inder ums Leben. Anlass der Auseinandersetzungen war die Verhaftung eines hinduistischen Priesters.

26.8.1921, Freitag

Der bayerische Schriftsteller Ludwig Thoma stirbt in Rottach am Tegernsee im Alter von 54 Jahren.

Der Film “Seefahrt ist not” nach dem gleichnamigen, 1913 erschienenen Roman von Gorch Fock wird erstmals in den deutschen Kinos gezeigt.

In Chemnitz werden sämtliche Polizisten der Landespolizei entlassen, weil sie sich geweigert hatten, im Stahlhelm zu einer Übung auszurücken.

Bei einer von den Gewerkschaften organisierten Demonstration gegen Hunger und Teuerung in München, an der 50 000 Menschen teilnehmen, kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Der Reichstagsabgeordnete des Zentrums und frühere Reichsfinanzminister Matthias Erzberger wird in Bad Griesbach im Schwarzwald von zwei Mitgliedern der rechtsradikalen Organisation Consul ermordet.

27.8.1921, Samstag

Das Reichsministerium des Innern in Berlin verbietet die für den folgenden Tag geplante sog. Tannenbergfeier, auf der nationalistische Kreise des deutschen Siegs über die russischen Truppen 1914 gedenken wollten. Angesichts der von den Gewerkschaften angekündigten Gegendemonstrationen seien gewalttätige Auseinandersetzungen nicht auszuschließen.

In Anwesenheit des päpstlichen Nuntius Eugenio Pacelli, des späteren Papstes Pius XII., wird in Frankfurt am Main der 61. Katholikentag eröffnet, der bis zum 30. August dauert.

28.8.1921, Sonntag

Die im Vertrag von Trianon festgelegte Abtretung des Burgenlandes an Österreich führt zum bewaffneten Widerstand der ungarischen Bevölkerung gegen die einrückenden österreichischen Truppen.

In Stuttgart findet bis zum 7. September ein erster internationaler anthroposophischer Kongress statt.

29.8.1921, Montag

Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) verhängt nach dem Mord an Matthias Erzberger den Ausnahmezustand über das Deutsche Reich. Unter Anwendung des Art. 48 der Verfassung werden in Einzelfällen die Presse- und die Versammlungsfreiheit eingeschränkt.

30.8.1921, Dienstag

Das vom Obersten Rat der Alliierten eingesetzte Komitee zur Bekämpfung des Hungers in Sowjetrussland wird von der Sowjetregierung aufgelöst und des Landes verwiesen. Diese beschuldigt die “französischen Imperialisten und russischen Weißgardisten”, das Komitee zu politischen Zwecken missbraucht zu haben.

Der Aachener Wolfgang Klemperer stellt mit 13 min über 7 km einen Weltrekord im Segelfliegen auf.

31.8.1921, Mittwoch

Am Tag der Beerdigung von Matthias Erzberger finden im ganzen Reich Protestdemonstrationen gegen rechtsgerichtete Kreise statt.

Im Widerspruch zu den von der Reichsregierung in Berlin erlassenen Ausnahmegesetzen können in Bayern weiterhin rechtsradikale Zeitungen erscheinen.