Was geschah im August 1970

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1.8.1970, Samstag

Bei einem Fährunglück zwischen den Antilleninseln St. Kitts und Nevis kommen 150 Menschen ums Leben.

In Hamm-Uentrop beginnt der Bau eines Thorium-Hochtemperatur-Kernreaktors (THTR).

2.8.1970, Sonntag

Über die Ursachen der Zunahme der Leukämieerkrankungen in Industrieländern diskutiert der 13. Internationale Kongress für Hämatologie in München (bis 8. 8.). An dem Kongress nehmen 2500 Ärzte aus 55 Ländern teil.

Frauen der katholischen Bevölkerungsminderheit in Nordirland organisieren eine Großdemonstration in Belfast, um ihrer Empörung über die Brutalität der britischen Streitkräfte, die während der zahlreichen Straßenkämpfe zwischen Protestanten und Katholiken eingesetzt wurden, Ausdruck zu verleihen. Auf Transparenten werden die britischen Soldaten mit der deutschen SS verglichen.

Renate Meißner (später Stecher; DDR) erreicht in Berlin als dritte Läuferin die Weltrekordzeit von 11,0 sec über 100 m.

Durch seinen Sieg beim 32. Großen Automobil-Preis von Deutschland, der erstmals auf dem Hockenheimring ausgetragen wird, baut der österreichische Rennfahrer Jochen Rindt seinen Vorsprung in der Formel-I-Weltmeisterschaft auf 20 Punkte aus.

3.8.1970, Montag

Die deutschen Tennisspieler gewinnen im indischen Poona das Daviscup-Interzonen-Halbfinale gegen Indien unerwartet klar mit 5:0.

4.8.1970, Dienstag

In Ostpakistan fordert eine Hochwasserkatastrophe über 300 Todesopfer.

5.8.1970, Mittwoch

In Wien wird ein neues langfristiges Abkommen über den Waren- und Zahlungsverkehr zwischen Österreich und der Sowjetunion unterzeichnet. Künftig sind keine Kontingente für den Warenverkehr mehr vorgesehen. Die beiderseitigen Zahlungen erfolgen in frei konvertierbarer Währung.

6.8.1970, Donnerstag

DDR-Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht fordert die Staatsoberhäupter von nicht-paktgebundenen und NATO-Staaten zur Anerkennung der DDR auf.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und Spanien unterzeichnen Vereinbarungen, die den USA weiterhin vier militärische Stützpunkte in Spanien einräumen und das Land indirekt mit der NATO verbinden.

7.8.1970, Freitag

Der deutsch-sowjetische Vertrag wird in Moskau nach Abschluss der offiziellen Verhandlungen, die seit dem 27. Juli geführt wurden, von Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP) und seinem sowjetischen Amtskollegen Andrei A. Gromyko paraphiert.

Israel und Ägypten geben eine dreimonatige Waffenruhe entlang der Waffenstillstandslinie am Suezkanal bekannt, die um 24.00 Uhr in Kraft tritt.

Mit einem blutigen Drama endet die versuchte Befreiung von drei schwarzen Angeklagten im Gerichtssaal von San Rafael im US-Bundesstaat Kalifornien. Da sich die Polizei nicht an das zugesicherte freie Geleit hält, kommt es zu einer Schießerei bei der vier Menschen sterben. Die Polizei fahndet nach der US-amerikanischen Bürgerrechtskämpferin Angela Y. Davis. Sie wird beschuldigt, den Plan für die Aktion erarbeitet und die Waffen besorgt zu haben, wird später aber freigesprochen.

In Uruguay wird der US-amerikanische Landwirtschaftsberater Claude L. Fly von den Stadtguerillas (Tupamaros) entführt.

Nach den Wahlen am 19. April übernimmt Misael Pastrana Borrero das Präsidentschaftsamt in Kolumbien.

Zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt ein Saarbrücker Schwurgericht die Hauptangeklagten im sog. Lebach-Prozess, den Bankkaufmann Hans Jürgen Fuchs und den früheren Justizangestellten Wolfgang Ditz, wegen vierfachen Mordes beim Überfall auf ein Munitionsdepot der Bundeswehr bei Lebach am 20. Januar 1969. Ein mitangeklagter Zahntechniker erhält wegen Beihilfe zu diesem und anderen Delikten eine sechsjährige Freiheitsstrafe.

In Italien übernimmt die neue Mitte-Links-Regierung unter dem Christdemokraten Emilio Colombo die Amtsgeschäfte.

8.8.1970, Samstag

Um eine Ausbreitung der Cholera, die in der Türkei und dem Nahen Osten grassiert, zu verhindern, sperrt die Sowjetunion bestimmte Gebiete am Schwarzen Meer und an der Wolga für ausländische Touristen.

Drei Bürgern der CSSR gelingt die Flucht nach Wien durch Entführung eines tschechoslowakischen Verkehrsflugzeugs.

Die italienische staatliche Stahlholding Finsider und die UdSSR unterzeichnen in Moskau ein Abkommen über die Lieferung von 1,1 Mio. t geschweißter und nahtloser Röhren für Erdgasleitungen in der Sowjetunion.

9.8.1970, Sonntag

Wie nun bekannt wird, wollen die sechs deutschen Autofirmen Audi/NSU, BMW, Daimler-Benz, Ford, Opel und VW gemeinsam ein europäisches Sicherheitsauto bauen. Es soll so beschaffen sein, dass seine Insassen einen Frontalzusammenstoß bei 80 km/h und einen Überschlag bei 112 km/h überleben können.

In Hunderten von Kirchen im Osten Australiens beten die Gläubigen um Regen. Zwar fallen wenige Stunden nach dem Gebet im Gebiet von Armidale einige Tropfen Regen, die Meteorologen haben jedoch wenig Hoffnung auf ein Ende der anhaltenden Dürre. Drei Millionen Schafe sollen bereits verendet sein, viele Farmer stehen vor dem Bankrott.

Bei einem Zusammenstoß von zwei Zügen in einem Vorortbahnhof von Bilbao (Spanien) werden mehr als 50 Reisende getötet und etwa 200 verletzt. Einer der beiden Züge hatte irrtümlich freie Fahrt bekommen.

In Cuzco in Peru stürzt eine Verkehrsmaschine ab, wobei 96 Insassen ums Leben kommen.

Bei einem Sportwagenrennen im schwedischen Karlkoga fliegen trotz eines 1,80 m hohen Schutzwalls zwei Sportwagen nach einer Kollision in die Zuschauermenge. Fünf Personen kommen bei dem Unglück ums Leben, und 25 werden z.T. schwer verletzt.

10.8.1970, Montag

Vier US-amerikanische Astronauten treffen zu einem dreitägigen “geologischen Feldtraining” im Meteorkrater Nördlinger Ries ein. Sie werden bei ihrer geplanten Landung im Fra-Mauro-Krater auf dem Mond vermutlich ein Trümmerfeld vorfinden, das den geologischen Strukturen im Nördlinger Ries vergleichbar ist.

Als Teil der griechischen Liberalisierungsbemühungen ordnet Ministerpräsident Georgios Papadopoulos die Freilassung von 500 politischen Häftlingen, darunter 22 Frauen, aus den Internierungslagern bis Ende August an. Die meisten von ihnen waren am 21. April 1967, am Tag des Militärputsches, als linke Regimegegner verhaftet worden. Nach Mitteilung des Athener Regimes befinden sich gegenwärtig noch 1096 Personen in den Lagern.

In Uruguay setzt das Parlament die Verfassung weitgehend außer Kraft und überträgt dem Präsidenten Jorge Pacheco Areco für 20 Tage diktatorische Vollmachten. Damit soll eine wirksame Bekämpfung der Stadtguerillas ermöglicht werden.

11.8.1970, Dienstag

Das SED-Zentralorgan “Neues Deutschland” begrüßt in einer ersten Stellungnahme den Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion, der am 12. August in Moskau unterzeichnet werden soll. Die Tageszeitung bezeichnet den deutsch-sowjetischen Vertrag als bedeutenden Erfolg der sowjetischen Politik.

Nach Schätzungen des Bundeswissenschaftsministeriums in Bonn werden im Wintersemester 1970/71 rd. 400 000 Studenten an den Hochschulen der Bundesrepublik studieren. Die Auswertung der von Bund und Ländern durchgeführten Abiturientenumfrage hat ergeben, dass mit rd. 65 000 Studienanfängern gerechnet werden muss. Nach Einschätzung des Ministeriums wird es vorerst nicht zu einer Überfüllung der Hochschulen kommen.

12.8.1970, Mittwoch

In Moskau unterzeichnen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD), der sowjetische Ministerpräsident Alexej N. Kossygin sowie die Außenminister beider Länder den deutsch-sowjetischen Vertrag (“Moskauer Vertrag”). Zugleich wird der “Brief zur deutschen Einheit” von Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP) überreicht.

Der US-Senat in Washington stimmt einer Erweiterung des US-amerikanischen Raketenabwehrsystems zu.

13.8.1970, Donnerstag

Israel wirft Ägypten die Verletzung der Waffenruhe durch Verlegung von Raketen in die Suezkanalzone vor. Nachdem Ägypten die Zurückziehung der Raketen abgelehnt hat, kommen die Nahostfriedensgespräche unter Leitung des UN-Sonderbeauftragten Gunnar Jarring ins Stocken.

14.8.1970, Freitag

Die USA und die Sowjetunion vertagen ihre in Wien geführten geheimen Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT) bis zum Spätherbst. Beide Seiten bezeichnen die Gespräche, die in der finnischen Hauptstadt Helsinki fortgesetzt werden sollen, in einem Schlusskommuniqué als “nützlich”.

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss der bremischen Bürgerschaft zur Klärung der Baulandaffäre in der Hansestadt legt einen Abschlusbericht vor. Die Ausschussmitglieder der CDU veröffentlichen eine eigene Stellungnahme. Beide Berichte weisen zahlreiche Vorwürfe gegen den Grundstücksmakler Wilhelm Lohmann sowie gegen Politiker und Beamte in Bremen als begründet aus. Allein bei Spekulationen mit Grundstücken im Hollerland, wo der Bau von mehreren tausend Sozialwohnungen geplant ist, hat Lohmann nach Rechnung des Ausschusses Gewinne von über 4,5 Mio. DM gemacht.

15.8.1970, Samstag

In der Nacht zum Sonntag explodiert in der nordirischen Hauptstadt Belfast eine Bombe in einem Rekrutierungsbüro der Marine. Zwei Personen werden verletzt, die Vorderfront des Gebäudes wird erheblich beschädigt. Fast täglich kommt es in Belfast zu derartigen Bombenanschlägen und Angriffen auf Polizeibeamte.

16.8.1970, Sonntag

Staatssekretär Egon Bahr (SPD) vom Bundeskanzleramt reist nach Washington, um die US-Regierung durch Gespräche mit Henry Kissinger, dem außenpolitischen Berater von US-Präsident Richard M. Nixon, über den deutsch-sowjetischen Vertrag und seine Folgen zu unterrichten.

Bei den Bahn-Rad-Weltmeisterschaften im britischen Leicester gewinnen Sportler aus der Bundesrepublik drei Titel: Die Tandemfahrer Jürgen Barth/Rainer Müller (Berlin), Udo Hempel (Düsseldorf), Peter Vonhoff (Berlin), Günter Haritz (Oberhausen) und Ernie Claußmeyer (Dortmund) bei der Vierer-Verfolgung und Ehrenfried Rudolph (Dortmund) bei den Profi-Stehern.

17.8.1970, Montag

In einem Interview mit der Tageszeitung “Die Welt” nimmt der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Schütz (SPD), Stellung zu Möglichkeiten und Grenzen einer Berlin-Regelung, von der die Ratifizierung des deutsch-sowjetischen Vertrags abhängt. Schütz geht dabei von einer Intensivierung der laufenden Berlin-Verhandlungen der vier Mächte aus.

Der libanesische Wirtschaftsminister Sulaiman Farandschija wird vom Parlament zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Er tritt am 23. September sein Amt an.

Nach längeren informellen Gesprächen einigen sich eine schweizerische und eine US-amerikanische Delegation auf einen Entwurf für ein Rechtshilfeabkommen, das nun den Regierungen beider Länder zur Beschlussfassung unterbreitet wird. Darin erkennt die Schweiz nur bei organisiertem Verbrechen, das internationale Auswirkungen hat, eine Auskunftspflicht der schweizerischen Banken an.

Wie nun bekannt wird, muss nach einem außergerichtlichen Vergleich der Automobilkonzern General Motors dem US-amerikanischen Anwalt Ralph Nader rd. 1,5 Mio. US-Dollar (rd. 5,5 Mio. DM) Schadensersatz zahlen. General Motors hatte Nader 1965 durch Privatdetektive bespitzeln lassen. Der Anwalt hatte dem Konzern in seinem aufsehenerregenden Buch “Unsicher bei jeder Geschwindigkeit” lebensgefährliche Konstruktionsmängel bei dem Heckmotor-Kompaktwagen Chevrolet-Corvair nachgewiesen.

Die sowjetische Raumsonde “Venus 7” wird erfolgreich gestartet. Sie soll den sonnennäheren Nachbarplaneten der Erde Mitte Dezember erreichen.

18.8.1970, Dienstag

Nach Meldung von Radio Bagdad entzieht der Irak nach Verhandlungen zwischen PLO-Chef Jasir Arafat und der Führung der Baath-Partei in Bagdad seine in Jordanien stationierten 12 000 Soldaten dem Oberbefehl des jordanischen Königs Hussein II. und stellt sie den palästinensischen Freischärlern zur Verfügung. Die Truppen sollen die Palästinenser in ihrem bewaffneten Kampf gegen die jordanischen Regierungstruppen unterstützen.

Laut Reuter verlassen die letzten indischen Militäreinheiten Nepal. 1969 hatte Nepal den Abzug der Inder verlangt, die seit 1962 im Land stationiert sind. Die Forderung hatte heftige Auseinandersetzungen ausgelöst, war aber im September 1969 von Indien akzeptiert worden.

Die Bundesregierung in Bonn beschließt Maßnahmen zur Liberalisierung der Einfuhren aus den Staaten des Ostblocks. Bei rd. 4760 Warenpositionen wird die bisher erforderliche Genehmigungspflicht aufgehoben.

19.8.1970, Mittwoch

Die 31. Filmfestspiele in Venedig werden eröffnet (bis 1. 9.), an denen sich 13 Länder, darunter allerdings nicht die Bundesrepublik, mit 18 Filmen beteiligen. Wie bereits im Vorjahr findet kein Wettbewerb statt. Allerdings erhält Orson Welles den “Gran Premio Nostra 70”.

Fünf junge Polen entführen ein polnisches Verkehrsflugzeug vom Typ Iljuschin 14 nach der dänischen Insel Bornholm. Sie bitten in Dänemark um politisches Asyl.

20.8.1970, Donnerstag

Auf einer Konferenz der Partei- und Regierungschefs der Staaten des Warschauer Pakts in Moskau begrüßen diese den am 12. August unterzeichneten deutsch-sowjetischen Vertrag, der als wichtiger Schritt zur Entspannung bezeichnet wird. Ferner befürworten sie erneut eine gesamteuropäische Sicherheitskonferenz.

Die erste deutsche Sex-Messe “Intima 70” wird in Offenbach eröffnet.

21.8.1970, Freitag

In meist stummem Protest begehen die Bürger der Tschechoslowakei den zweiten Jahrestag des Einmarsches sowjetischer Truppen in ihr Land. Nach Mitteilung der Prager Sicherheitspolizei werden 6217 Menschen verhaftet.

Weite Teile Süd- und Westjapans werden vom Taifun “Anita” verwüstet. Die Katastrophe fordert 16 Todesopfer, 260 Personen werden verletzt. Durch die Zerstörung von rd. 56 000 Häusern werden Tausende obdachlos.

Uwe Seeler (Hamburger SV) wird zum dritten Mal (nach 1960 und 1964) zum Fußballspieler des Jahres gewählt.

22.8.1970, Samstag

In einem Interview mit dem Süddeutschen Rundfunk deutet der Staatssekretär für Post- und Fernmeldewesen, Kurt Gscheidle (SPD), die Möglichkeit privater Rundfunksender an.

Nach Berichten der britischen Zeitung “Sunday Times” sollen Amtsträger der katholischen Kirche im indischen Staat Kerala mittellose indische Mädchen “unter Druck” als Novizinnen gegen Prämien von rd. 2500 DM an europäische Klöster vermittelt haben.

23.8.1970, Sonntag

Die israelische Regierung bestimmt Außenminister Abba Solomon Eban zum Vertreter Israels bei den Nahostfriedensgesprächen in New York unter der Leitung des UN-Sonderbeauftragten Gunnar Jarring.

Anlässlich des 200. Geburtstags des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel wird in Berlin (Ost) der 8. Internationale Hegelkongress veranstaltet.

Der 44-Jährige US-Amerikaner Louis B. Russel lebt bereits seit zwei Jahren mit einem fremden Herzen und ist damit der Patient, der bisher eine Herztransplantation am längsten überlebt hat. Russel wurde am 24. August 1968 im Medical College in Richmond im US-Bundesstaat Virginia operiert.

24.8.1970, Montag

Zu einem inoffiziellen Meinungsaustausch in der schwedischen Stadt Arvika trifft laut “Die Welt” der schwedische Ministerpräsident Olof Palme mit Bundeskanzler Willy Brandt (SPD), dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky und dem SPD-Fraktionschef im Bundestag in Bonn, Herbert Wehner, zusammen. Fragen der Entspannung zwischen Ost und West, die europäische Sicherheitskonferenz und der deutsch-sowjetische Vertrag werden behandelt.

Zu den seit Jahren heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Hippies und der Polizei kommt es in Amsterdam, nachdem den Hippies das Übernachten auf dem Dam-Platz untersagt worden war (sog. Schlafsack-Krieg).

25.8.1970, Dienstag

Die niedersächsische Regierung beschließt den Bau neuer Universitäten in Osnabrück und in Oldenburg. Bei der in den kommenden Jahren zu erwartenden Explosion der Studentenzahlen bemühen sich die Bundesländer um rasche Erweiterung der Kapazitäten.

26.8.1970, Mittwoch

Das CDU-Präsidium bekräftigt auf einer Sitzung die Bedenken der Partei gegen den am 12. August unterzeichneten Moskauer Vertrag und die Ostpolitik der Bundesregierung. Die CDU kritisiert, dass das Recht der Deutschen auf Selbstbestimmung gefährdet sei, die Grenzfestlegungen einem Friedensvertrag vorbehalten bleiben müssten, keine konkreten Verbesserungen für die DDR-Bürger erzielt worden seien und die Berlin-Frage noch ungeklärt sei.

Die britische Regierung beschließt in Erfüllung einer entsprechenden Zusage an die Bundesregierung, die Stärke der britischen Truppen in der Bundesrepublik durch Entsendung des 2. Bataillons des Königlichen Luftwaffenregiments noch vor Ende August zu erhöhen.

27.8.1970, Donnerstag

Mehr als 150 000 meist jugendliche Besucher kommen zu einem Pop-Festival auf die britische Insel Wight.

28.8.1970, Freitag

Das neue US-amerikanische Raketenabwehrsystem Safeguard wird erstmalig mit Erfolg erprobt.

Der 29. Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main wird dem ungarischen Philosophen und Literaturwissenschaftler Georg Lukács verliehen.

29.8.1970, Samstag

Im Auftrag von US-Präsident Richard M. Nixon hat Vizepräsident Spiro T. Agnew die südostasiatischen Länder Südkorea (24./25. 8.), Taiwan (26. 8.), Südvietnam (27. 8.), Kambodscha (28. 8.) und Thailand (28./29. 8.) besucht, um die politische Situation zu erörtern und die Entschlossenheit der USA zu bekräftigen, ihre vertraglichen Verpflichtungen in Südostasien zu erfüllen.

Außenseiter Kickers Offenbach wird in Hannover durch 2:1 gegen den 1. FC Köln DFB-Pokalsieger.

30.8.1970, Sonntag

In Karlsruhe wird die 22. Deutsche Therapiewoche eröffnet, an der 5000 Ärzte aus aller Welt teilnehmen (bis 5. 9.). Die Themen reichen von der Insektenbekämpfung über die Krebstherapie bis zur Sexwelle. Umstritten ist die Frage, ob Pornographie die Jugend schädige.

Die Mannschaft der DDR siegt beim Europapokalfinale der Leichtathleten in Stockholm mit 102 Punkten vor der UdSSR (92,5 Punkte) und der Bundesrepublik (91 Punkte).

31.8.1970, Montag

Einen Tag vor dem Staatsbesuch des indonesischen Präsidenten Kemusu Suharto besetzen militante Gegner der indonesischen Regierung die indonesische Botschaft in Den Haag. Die Besetzer erschießen dabei einen niederländischen Polizisten.

Rainer Candidus Barzel, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, besucht im Verlauf einer Informationsreise Paris, London und Washington.

Beim Davis-Pokal-Finale in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio unterliegt die bundesdeutsche Mannschaft mit Wilhelm Bungert (Düsseldorf) und Christian Kuhnke (Köln) Titelverteidiger USA deutlich mit 0:5.