Was geschah im August 1991

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1.8.1991, Donnerstag

Mit einer Feier auf der Rütliwiese am Vierwaldstätter See erreichen die Feiern zum 700-Jährigen Bestehen der Schweizerischen Eidgenossenschaft ihren Höhepunkt.

Helmut Schlesinger wird als Nachfolger von Karl Otto Pöhl Chef der Deutschen Bundesbank. Er war seit 1982 Vizepräsident der Institution.

2.8.1991, Freitag

Mit dem Ziel, die Alleinherrschaft von Präsident Daniel Arap Moi zu beenden, schließen sich in Kenia zahlreiche Oppositionspolitiker zu einem Forum der Wiederherstellung der Demokratie zusammen. Unter ihnen ist auch der frühere Vizepräsident Oginga Odinga.

Von schweren Gewittern begleitete sintflutartige Regenfälle richten in Südostbayern bis zum 4. August Sachschäden in Millionenhöhe an. Mindestens fünf Menschen kommen ums Leben. Besonders betroffen ist die Region um Passau.

In Moskau beginnt der zweitägige Gründungskongress der Demokratischen Partei der Kommunisten Russland (DPKR). Sie ist aus der reformkommunistischen Bewegung um den russischen Vizepräsidenten Alexander Ruzkoj hervorgegangen und spaltet sich von der Russischen Kommunistischen Partei (RKP) ab.

3.8.1991, Samstag

Die Armee von Sri Lanka befreit einen von Kämpfern der Tamilischen Freischärler eingeschlossenen Armeeposten. Bei dieser größten Militäroperation im Verlauf des Bürgerkrieges werden nach offiziellen Angaben innerhalb von drei Wochen fast 2000 Rebellen und über 150 Regierungssoldaten getötet.

Stefan Kuntz, Kapitän des deutschen Fußballmeisters 1. FC Kaiserslautern, wird von den Sportjournalisten zum “Fußballer des Jahres 1991” gewählt. Kuntz wechselte 1989 von Bayer Uerdingen auf den Betzenberg.

4.8.1991, Sonntag

Mit 16 gegen drei Stimmen entscheidet sich die israelische Likud-Regierung für die Beteiligung an der für Oktober geplanten Nahost-Friedenskonferenz. Die Zustimmung erfolgt unter dem Vorbehalt, dass Unstimmigkeiten über die Teilnahme der gemischten jordanisch-palästinensischen Delegation zur Zufriedenheit Israels gelöst werden.

Die Regierung Bulgariens beschließt, den 1967 geschlossenen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion nicht zu verlängern, sondern ein neues Abkommen ausarbeiten zu lassen.

Vor der Küste Südafrikas sinkt der griechische Luxusdampfer “Oceanos”. Alle 571 Passagiere und Besatzungsmitglieder können gerettet werden.

5.8.1991, Montag

Der Irak gibt das in Kuwait erbeutete Gold im Wert von 1,2 Mrd. DM zurück. Die Führung in Bagdad gesteht zugleich ein, bis Herbst 1990 Experimente mit biologischen Waffen durchgeführt zu haben.

In Kuba wird das Mindestalter für Auslandsreisen und Emigration auf das 20. Lebensjahr gesenkt. Bisher galt eine Altersgrenze von 55 Jahren für Männer und 50 Jahren für Frauen.

6.8.1991, Dienstag

In Berlin feiern rd. 200 000 Berliner und Gäste den 200. Jahrestag der Einweihung des Brandenburger Tores mit der restaurierten Quadriga auf dem Wahrzeichen der Stadt.

Das österreichische Bundesheer zieht die an die Grenze zu Slowenien verlegten 7500 Soldaten nach sechswöchigem Einsatz wieder zurück.

Der seit dem 26. Februar 1979 im Exil in Frankreich lebende frühere Ministerpräsident des Iran, Schahpur Bachtiar, und sein Sekretär werden in Suresnes bei Paris ermordet. Einer der drei mutmaßlichen Täter wird am 21. August in der Schweiz festgenommen.

Die türkische Luftwaffe bombardiert bis zum 12. August Stützpunkte und Lager kurdischer Separatisten auf irakischem Gebiet. Ein 5 km tiefes Grenzgebiet im Norden des Irak wird zu einer Pufferzone erklärt, um den Nachschub für kurdische Aufständische zu unterbinden.

Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg (CDU) legt seine geänderten Planungen für die Bundeswehr vor: Statt der ursprünglich vorgesehenen 213 Standorte sollen nur noch 116 aufgegeben werden.

7.8.1991, Mittwoch

Das jugoslawische Staatspräsidium ordnet eine Feuerpause im Bürgerkrieg zwischen Serben und Kroaten an. Alle Kampftruppen sollen sich aus der Reichweite der gegnerischen Waffen zurückziehen. Die Kämpfe in den von Serben bewohnten und von Serbien beanspruchten Gebieten in Kroatien gehen jedoch unvermindert weiter.

Ein am 26. Juli in Gelsenkirchen entführter elfjähriger türkischer Junge, für dessen Freilassung 1 Mio. DM gefordert und 700 000 DM gezahlt wurden, wird in Herne tot aufgefunden. Die Entführer – fünf Türken – werden in Deutschland und in der Türkei festgenommen.

Die US-Sprintstaffel läuft in Zürich mit 37,67 Sek. Weltrekord über 4×100 m.

8.8.1991, Donnerstag

Wegen seiner früheren Mitarbeit für den DDR-Staatssicherheitsdienst tritt der stellvertretende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Gerd Brunner (FDP), zurück. Am 13. August gibt Landwirtschaftsminister Otto Mintus (CDU) wegen ähnlicher Verfehlungen sein Amt auf.

10 000 albanische Flüchtlinge landen an Bord eines Frachters in der italienischen Hafenstadt Bari. Sie werden in einem Fußballstadion interniert und nach einigen Tagen zurückgebracht.

Der seit dem 17. April 1986 von der proiranischen Gruppe Islamischer Heiliger Krieg in Beirut als Geisel gefangen gehaltene britische Fernsehjournalist John McCarthy wird freigelassen.

9.8.1991, Freitag

Nach mehr als einwöchiger Gefangenschaft werden zehn von türkischen Kurden entführte Deutsche freigelassen. Sie waren am 1. August in der Provinz Bitlis entführt worden. Die sog. Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARKG) bekennt sich zu der Tat, mit der auf die Verfolgung der Kurden in der Türkei aufmerksam gemacht werden soll.

10.8.1991, Samstag

Ohne eine Annäherung bleibt ein Besuch des japanischen Premiers Toshiki Kaifu in Peking. Kaifu war der erste westliche Regierungschef, der seit der Niederschlagung der Studentenproteste 1989 China besucht.

Unbekannte Täter ermorden neun Menschen in einem buddhistischen Tempel in der Nähe von Phoenix (US-Bundesstaat Arizona). Das Motiv bleibt unbekannt.

In der madagassischen Hauptstadt Antananarivo werden bei einem Protestmarsch von rd. 200 000 Demonstranten gegen den Präsidenten Didier Ratsiraka mindestens 10 Menschen von Regierungstruppen getötet. Ratsiraka hatte am 8. August Guy Willy Razanamasy zum Regierungschef ernannt, der erstmals kleinere Oppositionsparteien an seinem Kabinett beteiligte. Die Protestbewegung gegen Ratsirakas diktatorisches Regime kam dadurch jedoch nicht zum Stillstand.

11.8.1991, Sonntag

Die pro-iranische Gruppe “Organisation der Revolutionären Gerechtigkeit” lässt in der libanesischen Hauptstadt Beirut zwei Geiseln frei; der US-Amerikaner Edward Tracy war fünf Jahre, der Franzose Jerome Leyraud vier Tage in Gefangenschaft.

12.8.1991, Montag

Die Regierung der UdSSR erklärt den direkten Warenaustausch zwischen einzelnen Republiken für unzulässig.

In New York erhält die drittgrößte US-amerikanische Fluglinie Delta Air Lines (Atlanta) vom Bundeskonkursgericht den Zuschlag für wesentliche Teile der Fluggesellschaft Pan American.

13.8.1991, Dienstag

In Stuttgart beginnen die bis zum 25. August dauernden Rad-Weltmeisterschaften.

14.8.1991, Mittwoch

Die deutsche Bundesregierung beschließt, 15 Beamte des Bundesgrenzschutzes für eine halbjährige UNO-Friedensmission in die Westsahara zu entsenden.

In Koblenz erklärt das Oberverwaltungsgericht die Spielshow “Glücksrad” des privaten Fernsehsenders SAT 1 zur Werbesendung. Nach Auffassung des Gerichts ist die redaktionelle Eigenleistung aufgrund der Präsentation der als Gewinne in Aussicht gestellten Produkte dem werblichen Aspekt untergeordnet.

Das Bundesgesundheitsamt in Berlin lässt fluoridiertes Salz zu, das mehr Schutz vor Karies bieten soll.

Den Admiral’s Cup für Hochseesegler gewinnt im südenglischen Cowes die Mannschaft von Frankreich. Das deutsche Team belegt nur den fünften Platz.

15.8.1991, Donnerstag

Der von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorgelegte Verfassungsschutzbericht 1990 verzeichnet ein zunehmendes Gewaltpotential bei Neonazis.

Der Zentralbankrat der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main beschließt, den Diskontsatz von 6,5% auf 7,5% und den Lombardsatz von 9% auf 9,25% zu erhöhen. Dies ist der höchste Stand seit August 1983. Ziel der Anhebung ist eine Bekämpfung der Inflation.

Das Parlament von Laos wählt den 70 Jahre alten früheren Ministerpräsidenten und Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Kaysone Phomvihane, zum neuen Staatspräsidenten. Die Verfassung von 1975 wird geändert und der Sozialismus nicht mehr als Staatsziel genannt.

Das armenische Parlament hebt den 1990 verhängten Ausnahmezustand auf.

16.8.1991, Freitag

Die südafrikanische Regierung vereinbart in Genf mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der UNO (UNHCR) eine Generalamnestie für alle politischen Exilanten. Ihre Rückkehr ist eine Vorbedingung der Farbigenorganisation ANC für die Aufnahme von Verfassungsgesprächen.

In der letzten Etappe seiner 52. Pastoralreise besucht Papst Johannes Paul II., von Polen kommend, die Republik Ungarn.

Der UNO-Sicherheitsrat erteilt dem Irak die Erlaubnis, Erdöl im Wert von 1,6 Mrd. US-Dollar (2,9 Mrd. DM) zu veräußern, um damit dringend benötigte Lebensmittel und Medikamente zu kaufen.

17.8.1991, Samstag

Die Sarkophage der Preußenkönige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. werden nach Potsdam überführt.

Einem australischen Biotechnik-Unternehmen ist es erstmals gelungen, blaue Rosen zu züchten. Nach vierjährigen Forschungsarbeiten gelang es mit Hilfe der Gentechnik, ein für die Blaufärbung verantwortliches Gen in einer Petunienart zu isolieren.

18.8.1991, Sonntag

Die Regierung Algeriens verfügt die Freilassung von 329 der 2976 Häftlinge, die seit Verhängung des Ausnahmezustands am 5. Juni inhaftiert worden waren. Dennoch lehnt die fundamental-musilimische Islamische Heilsfront einen Dialog mit der Regierung weiterhin ab.

Der Präsident von Georgien, Swiad Gamsachurdia, entlässt seinen Ministerpräsidenten Tengis Sigua. Die Opposition wirft Gamsachurdia diktatorische Neigungen vor.

Bei den Parlamentswahlen in Mexiko erhält die seit 1929 regierende Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) 61,4% der Stimmen; die Opposition wirft der PRI Wahlbetrug vor.

Der russische Präsident Boris Jelzin setzt sich in Kasachstan für eine autonome Wolgarepublik ein.

19.8.1991, Montag

In der Sowjetunion versucht ein achtköpfiges Notstandskomitee Staatspräsident Michail Gorbatschow zu stürzen. Der russische Präsident Boris Jelzin ruft die Bevölkerung zum zivilen Ungehorsam auf. Der Putsch bricht am 21. August zusammen.

Die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt vereinbaren in einem Staatsvertrag die Beteiligung von Sachsen-Anhalt an der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB).

20.8.1991, Dienstag

Staatsanwaltschaft und Polizei durchsuchen in mehreren Städten Räumlichkeiten der PDS, die unter den Verdacht geraten ist, unerlaubt Vermögenswerte transferiert zu haben, um sie dem Zugriff der Treuhandanstalt zu entziehen.

Die Baltenrepublik Estland erklärt ihre Unabhängigkeit.

22.8.1991, Donnerstag

Nach dem gescheiterten Umsturzversuch kehrt Staatspräsident Michail Gorbatschow von der Krim nach Moskau zurück.

In Moskau wird das Denkmal des ersten KGB-Chefs Felix Dserschinski demontiert.

Der Präsident von Kasachstan, Nursultan Nasarbajew, tritt aus dem Politbüro und dem Zentralkomitee der KPdSU aus. Am folgenden Tag vollzieht der Präsident von Usbekistan, Islam Karinow, den gleichen Schritt.

Die Treuhandanstalt teilt mit, dass die SPD gegen eine Zahlung von 75 Mio. DM auf ihre Eigentumsansprüche an ehemaligen SED-Zeitungen verzichtet. Mit der Summe beteiligt sich die SPD zu 40% an der in Dresden erscheinenden “Sächsischen Zeitung”, die im Besitz des Hamburger Verlages Gruner + Jahr ist.

23.8.1991, Freitag

Der russische Präsident Boris Jelzin verbietet alle Aktivitäten der Kommunistischen Partei in der Republik Russland.

In Tokio beginnen die dritten Leichtathletik-Weltmeisterschaften, die bis zum 1. September dauern.

24.8.1991, Samstag

Rechtsradikale Jugendliche überfallen ein Asylantenheim in Wurzen bei Leipzig. Ähnliche Anschläge wurden bereits aus Aschersleben (Sachsen-Anhalt) und Uckermünde (Mecklenburg-Vorpommern) gemeldet.

Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow tritt als Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) zurück.

Das Parlament der Ukraine beschließt mit 346 von 450 Stimmen den Austritt aus der Sowjetunion und die Gründung eines unabhängigen Staates mit eigener Währung und Armee.

25.8.1991, Sonntag

Bei einer Offensive gegen die Befreiungsbewegung POLISARIO erobert die marokkanische Armee die Stadt Bir Lahlou in der Westsahara. Am 20. August hatte König Hassan II. das Inkrafttreten eines Waffenstillstands gemäß den Plänen der UNO abgelehnt. Seit 1975 kämpfen die Sahauris um einen eigenen Staat in der Westsahara.

Weißrussland erklärt sich für unabhängig und verbietet vorübergehend die Kommunistische Partei des Landes.

Der US-Amerikaner Carl Lewis gewinnt bei der Leichtathletik-WM in Tokio den 100-m-Lauf in der Weltrekordzeit von 9,86 Sek..

Mit sieben Gold-, zwei Silber- und drei Bronzemedaillen ist Deutschland bei den Ruderweltmeisterschaften in Wien die erfolgreichste Nation.

Acht Gold-, und jeweils vier Silber- und Bronzemedaillen erringt der Deutsche Kanu-Verband bei den Weltmeisterschaften in Vaires sur Marne (Frankreich).

26.8.1991, Montag

In Leipzig wird der erste gesamtdeutsche Duden seit 40 Jahren präsentiert.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” berichtet über ungesetzliche Praktiken bei Organtransplantationen in dem Ostberliner Krankenhaus Charité.

Island vereinbart als erster westlicher Staat diplomatische Beziehungen mit den drei baltischen Staaten.

Gegen den Willen von Staatspräsident Étienne Gnassingbé Eyadéma wählt in Togo eine Nationalkonferenz einen Oppositionspolitiker zum Premierminister.

27.8.1991, Dienstag

Karl Otto Pöhl wird mit einer Feierstunde in der Frankfurter Paulskirche als Präsident der Deutschen Bundesbank verabschiedet.

Die zu zwei Dritteln von Rumänen bewohnte Sowjetrepublik Moldawien ruft ihre Unabhängigkeit aus und erklärt, sie werde den neuen Unionsvertrag für die UdSSR nicht unterschreiben.

Als erster ausländischer Botschafter überreicht der dänische Diplomat Otto Borch in der lettischen Hauptstadt Riga sein Beglaubigungsschreiben.

Der neue sowjetische Verteidigungsminister Jewgeni Schaposchnikow erlaubt allen litauischen Soldaten, in ihre Heimat zurückzukehren. Den Spezialtruppen des sowjetischen Innenministeriums befiehlt er den Abzug aus den baltischen Staaten.

Die Bürgerkriegsparteien in Kambodscha einigen sich auf einer Tagung in Pattaya (Thailand) auf eine Reduzierung ihrer Kampftruppen um 70%. Damit ist eine weitere wichtige Voraussetzung für ein Friedensabkommen erfüllt.

Die Philippinen und die USA einigen sich auf einen neuen Stützpunktvertrag. Der Marinestützpunkt Subic Bay wird für weitere zehn Jahre genutzt, der Luftwaffenstützpunkt Clark Air Base im September 1992 aufgegeben.

28.8.1991, Mittwoch

In Bonn unterzeichnen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und seine Amtskollegen aus Estland, Lettland und Litauen einen Vertrag zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Die EG-Außenminister drohen den Konfliktparteien in Jugoslawien mit Wirtschaftssanktionen, falls nicht bis zum 1. September ein Waffenstillstand geschlossen wird. Das Ultimatum bleibt erfolglos.

Auf Antrag von Staatspräsident Michail Gorbatschow entzieht der Oberste Sowjet Ministerpräsident Valentin Pawlow das Vertrauen. Übergangsweise führt der russische Regierungschef Iwan Silajew die Amtsgeschäfte.

In Libyen weiht Revolutionsführer Muammar al Gaddafi eine 1900 km lange Pipeline ein, durch die Süßwasser aus einem riesigen Grundwassersee unter der Wüste in die unfruchtbare Küstenregion transportiert werden soll. Auf diese Weise werden 60 000 ha Land bewässert.

29.8.1991, Donnerstag

Das sowjetische Parlament verbietet vorläufig die Tätigkeit der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) in der gesamten UdSSR.

Die Robotron Büromaschinenwerk AG im thüringischen Sömmerda kündigt bis zum 31. Dezember 1991 den 4800 Mitarbeitern.

In Jugoslawien finden Demonstrationen gegen den Bürgerkrieg statt. In Belgrad und Zagreb versammeln sich, wie auch in anderen Städten, Hunderte von Soldatenmüttern und -ehefrauen.

Nach zehnmonatigem Asyl in der französischen Botschaft in Beirut geht der ehemalige christliche Milizenführer Michel Aoun ins Exil nach Frankreich. Im Oktober 1990 hatte Aoun vor der Übermacht der libanesischen Armee und der Syrer kapitulieren müssen.

Die Bundesanwaltschaft leitet gegen den früheren DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski ein Ermittlungsverfahren wegen Spionageverdachts ein.

30.8.1991, Freitag

Der polnische Ministerpräsident Jan Krzysztof Bielecki erklärt den Rücktritt seiner Regierung; das Parlament lehnt das Gesuch ab. Bielecki stößt mit seinem radikalen marktwirtschaftlichen Programm angesichts schrumpfender Produktion und wachsender Arbeitslosigkeit auf zunehmende Schwierigkeiten.

Der Republiksowjet von Aserbaidschan billigt eine Erklärung über die Wiederherstellung der Unabhängigkeit, die bereits zwischen 1918 und 1920 bestanden hatte. Die KP von Aserbaidschan verlässt die KPdSU.

Der ehemalige Spionagechef der DDR, Markus Wolf, verlässt die Sowjetunion.

In Berlin wird die internationale Funkausstellung eröffnet. Sie dauert bis zum 8. September.

Mike Powell (USA) stellt bei der Leichtathletik-WM in Tokio mit 8,95 m einen Weitsprungrekord auf.

31.8.1991, Samstag

Die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer unterzeichnen in Bonn den ersten gesamtdeutschen Rundfunkstaatsvertrag. Ab 1992 ist für Westdeutschland eine Erhöhung der Rundfunkgebühren um 4,80 DM auf monatlich 23,80 DM vorgesehen, dies entspricht einer Steigerung von 25,3%.

Die Sowjetrepublik Kirgisien erklärt sich für unabhängig.

Die Sowjetrepublik Usbekistan erklärt sich für unabhängig.

Der Präsident von Tadschikistan, Kachar Machkamow, tritt zurück, nachdem ihm das Parlament wegen seiner Unentschlossenheit während des Putsches in Moskau das Vertrauen entzogen hat.