Was geschah im Dezember 1902

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Wetterstationen Dezember 1902

1.12.1902, Montag

Das Publikationsorgan der Deutschen Kolonialgesellschaft, “Die Deutsche Kolonialzeitung”, veröffentlicht die Zahlen der im Vorjahr ausgewanderten Deutschen.

Der Rottenburger Bischof Paul Wilhelm Keppler wendet sich gegen die modernen Bestrebungen der “Reformkatholiken”.

Die US-amerikanische Regierung spricht sich gegen eine Anleihe zugunsten Venezuelas aus. Sie wolle auf jeden Fall vermeiden dass die Vereinigten Staaten in die finanziellen Schwierigkeiten des venezolanischen Staates verwickelt würden.

2.12.1902, Dienstag

Mit 216 gegen 75 Stimmen spricht sich der Deutsche Reichstag für die vom Führer der Freikonservativen Wilhelm von Kardorff, vorgeschlagene zusammenfassende Abstimmung der wichtigsten Positionen des Zolltarifgesetzes aus.

Aufgrund der Proteste des Erzbischofs von Besançon und vier weiterer französischer Bischöfe gegen das Kongregationsabkommen laßt die Regierung in Paris deren Gehaltszahlungen sperren.

Bei den Wahlen zum griechischen Abgeordnetenhaus erhalten die Delijannisten 82 Sitze, woraufhin Parteiführer Theodoros Delijannis mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt wird.

Aus Petersburg (heute: Leningrad) treffen Berichte über neue Arbeiterunruhen in Russland ein. Zwei Tote und sieben Schwerverletzte sind die Folge eines Militäreinsatzes gegen streikende Arbeiter in der Stadt Rostow am Don.

3.12.1902, Mittwoch

Erstmals seit Bestehen des Deutschen Reichstages wird ein Abgeordneter von der Sitzung des Plenums ausgeschlossen. Anlass ist die Diskussion um den von Wilhelm von Kardorff eingebrachten Vorschlag einer Änderung der Geschäftsordnung. Sie soll die reibungslose Verabschiedung des umstrittenen Zolltarifgesetzes gewährleisten. Als der sozialdemokratische Abgeordnete Paul Singer heftig dagegen polemisiert und sich auch nicht unterbrechen lassen will, verweist ihn Vizepräsident Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode aus dem Sitzungssaal.

Heftige Stürme über der Nordsee richten an der friesischen Küste umfangreichen Sachschaden an. Vor der Jade- und Wesermündung sinkt ein Frachter während eines Schneesturms, die Besatzung kann durch eine sofort eingeleitete Aktion der “Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger” gerettet werden. Zur gleichen Zeit wird aus den Ostseegebieten anhaltende strenge Kälte gemeldet, in Ostpreußen herrschen Temperaturen bis unter -20 C.

4.12.1902, Donnerstag

Klerikale Abgeordnete fordern in einem Antrag an das belgische Parlament schärfere Bestrafung bei Verletzungen der Schamhaftigkeit und Sittlichkeit. Bei der Diskussion darüber kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Sozialisten und Klerikalen.

In Wien konstituiert sich ein Verein unter dem Namen “Allgemeine Antiduelliga für Österreich”.

Das britische Unterhaus genehmigt mit 286 gegen 134 Stimmen die Unterrichtsvorlage; das Herrenhaus stimmt ihr tags darauf zu. Das neue Gesetz ermöglicht u.a. einen stärkeren Einfluss der Kirche auf die Schulen.

Die kirchlichen Organisationen und Parteien Italiens überreichen dem Parlament eine von 3,5 Mio. Italienern unterschriebene Eingabe gegen das von der Regierung eingebrachte Ehescheidungsgesetz.

Neue Uniformen in der bisher in Europa unbekannten Farbe “Olive drab” werden in der US-amerikanischen Armee eingeführt. Der Stoff in der Mischfarbe aus braun, grün und grau löst den zu auffälligen khakifarbenen ab.

5.12.1902, Freitag

Während eines Empfangs einer Abordnung von Arbeitern in Breslau richtet Kaiser Wilhelm II. mahnende Worte an die Arbeiter und warnt sie vor sozialistischen Einflüssen. Wilhelm II. befindet sich auf der Rückfahrt von einem Jagdurlaub in Schlesien; auf dem Breslauer Bahnhof hatte er lediglich einen kurzen Zwischenaufenthalt.

Das Abkommen zwischen dem Vatikan und dem Deutschen Reich über die Errichtung einer katholisch-theologischen Fakultät an der Universität in Straßburg gelangt zum Abschluss.

Paul Cassirer stellt in seinem Berliner Kunstsalon Werke von Josef Israel und Wilhelm Trübner aus, darunter das Bild “Thoraschreiber” von Israel.

6.12.1902, Samstag

Aufgrund erneuter heftiger Angriffe der Opposition gegen den spanischen Ministerpräsident Práxedes Mateo Sagasta gibt dieser den Rücktritt seines Kabinetts bekannt. Sein Nachfolger Francisco Silvela y Le Vielleuze bildet eine konservative Regierung.

Bei der Diskussion um vorbeugende Polizeimaßnahmen gegen den im Mai aufgedeckten Millionenschwindel der Familie Humbert kommt es in der französischen Kammer zu so heftigen Auseinandersetzungen, dass die Sitzung unterbrochen werden muss.

7.12.1902, Sonntag

Zu Ehren ihres verstorbenen Arbeitgebers finden für die Belegschaften aller Krupp-Werke in Essen, Bochum und Kiel Gedächtnisveranstaltungen statt. Die Versammlung in Bochum sendet Telegramme an den Kaiser und Frau Krupp, worin es u.a. heißt: “Tief empört über die von ruchloser Seite gegen unsern allzeit gütigen Herrn Chef ausgestreuten Verleumdungen wissen wir Ew. Majestät untertänigst Dank für das tatkräftige Eintreten für die Ehre und den makellosen Namen des Heimgegangenen”.

8.12.1902, Montag

Die Vertreter des Deutschen Reiches und Großbritanniens überreichen der venezolanischen Regierung in Caracas ein Ultimatum. Darin fordern sie die sofortige Zahlung eines Teils der finanziellen Forderungen, die Unternehmen beider europäischer Staaten geltend machen. Sollte dies nicht geschehen drohen London und Berlin mit einer Seeblockade.

9.12.1902, Dienstag

Der Schweizer Nationalrat genehmigt die Konzessionsvorlage für den Juradurchschnitt Frasne-Valloche als internationale Zufahrtslinie zum Simplon.

10.12.1902, Mittwoch

In Stockholm findet die Verleihung der diesjährigen Nobelpreise statt. Zu den Ausgezeichneten gehören der deutsche Historiker Theodor Mommsen (Literatur) und der Deutsche Chemiker Emil Hermann Fischer.

Sechs Kilometer südlich von der Stadt Assuan in Oberägypten wird der Nil-Staudamm eingeweiht. Er hat eine Breite von 2 km und staut einen See von 175 km Länge.

11.12.1902, Donnerstag

Aus Protest gegen die Androhung einer britisch-deutschen Blockade vor der Küste Venezuelas greifen Venezolaner in Caracas das Gebäude der deutschen Botschaft an und verbrennen die deutsche Flagge.

Als Nachfolger des im Oktober verstorbenen Walter Hauser wird Ludwig Forrer zum neuen schweizerischen Bundesrat gewählt.

Eine Dynamitexplosion auf der Zeche Gneisenau in Derne bei Dortmund fordert 13 Menschenleben.

12.12.1902, Freitag

Trotz Einspruchs von US-amerikanischer Seite verhaften Venezolaner in der Hafenstadt Puerto Cabello alle in der Stadt sich aufhaltenden Briten und Deutsche, darunter auch die Konsuln.

In Rom werden die zwischen Abessinien und Italien abgeschlossenen Verträge veröffentlicht. Sie regeln die Gebietsansprüche beider Staaten in Eritrea.

13.12.1902, Samstag

Deutsche und britische Kriegsschiffe bombardieren die Stadt Puerto Cabello in Venezuela. Die militärische Aktion wird mit antideutschen und antibritischen Handlungen von Venezolanern gerechtfertigt.

Durch ihren Botschafter in Konstantinopel fordert die russische Zarenregierung den Sultan des Osmanischen Reiches auf, in Makedonien Reformen zugunsten der dort lebenden Christen (zumeist Bulgaren) durchzuführen. Nur so könne man die dortigen Unruhen beenden. Die Serben und Bulgaren warnt man vor einer Fortsetzung der breit angelegten antitürkischen Propaganda.

14.12.1902, Sonntag

Die Mehrheit des Deutschen Reichstages, 202 gegen 100 Stimmen, votiert für die Erhöhung der Zolltarife, womit das neue Zollgesetz des Deutschen Reiches endgültig verabschiedet ist.

In Berlin wird eine neue Station der am 15. Februar eingeweihten Untergrundbahn eröffnet: “Am Knie” (heute Ernst-Reuter-Platz).

In Reaktion auf die Unruhen in Makedonien und in Hinblick auf die internationalen Forderungen nach Reformen wehrt sich die Regierung des Osmanischen Reiches in Konstantinopel (heute: Istanbul) gegen die Vorwürfe der nachlässigen Behandlung dieser Angelegenheiten und kündigt baldige Verwaltungsreformen und deren Realisierung in den türkischen Gebieten der Balkanhalbinsel an.

15.12.1902, Montag

Nobelpreisträger Theodor Mommsen veröffentlicht in der Zeitschrift “Nation” einen Beitrag über das Zolltarifgesetz, worin er ein enges Bündnis zwischen Sozialdemokraten und Liberalen empfiehlt. Nur so könne ein Umsturz durch die Mehrheitsparteien im Deutschen Reichstag verhindert werden.

Wie in Berlin bekannt wird, trug Kaiser Wilhelm II. Reichskanzler Bernhard Graf von Bülow als Dank für die Durchsetzung des Zolltarifgesetzes am Tag zuvor die Erhebung in den Fürstenstand an. Graf Bülow bat jedoch Seine Majestät, davon Abstand zu nehmen.

Marga Krupp, Witwe des am 22. November verstorbenen Industriellen Friedrich Alfred Krupp, zieht die Beleidigungsklage gegen den sozialdemokratischen “Vorwärts” zurück. Krupp hatte sich gegen die Behauptung der Zeitung verwahrt, dass er homosexuell sei.

In Paris wird der diesjährige Autosalon eröffnet (bis 26. Dezember).

16.12.1902, Dienstag

Karl Goldmarks Oper “Berlichingen Götz” gelangt in Budapest zur Uraufführung.

Die württembergische Zweite Kammer lehnt mit 62 gegen sieben Stimmen den vom Landtag befürworteten Antrag auf Beseitigung des Religionsunterrichts in der Volksschule ab.

Die vom italienischen Parlament eingesetzte Kommission zur Beratung des von der Regierung vorgelegten Familiengesetzentwurfs lehnt das Ehescheidungsgesetz ab.

Nachdem auch die italienische Regierung keine Garantie für eine Schuldenrückzahlung von Venezuela erhält, droht sie wie Großbritannien und das Deutsche Reich ultimativ mit einer Seeblockade bei ausbleibender Zahlung.

Der Beschluss von Regierung und Parlament in London, in der Venezuelafrage ein Bündnis mit dem Deutschen Reich einzugehen, stößt auf Kritik in der britischen Presse. Schließlich hätte sich das Deutsche Reich im Burenkrieg als Feind Großbritanniens gezeigt.

17.12.1902, Mittwoch

Nach der Zusage seitens der französischen Regierung zur Ausarbeitung einer neuen Seemannsordnung nehmen die Hafen- und Seeleute in Marseille ihre Arbeit wieder auf. Damit endet auch der seit Tagen andauernde Generalstreik in der Hafenstadt.

Zu einem Publikumserfolg wird die Premiere von Frank Wedekinds “Erdgeist” am Kleinen Theater Berlin. Die Regie über das Reinhardt-Ensemble führt Richard Vallentin.

Durch ein Erdbeben wird die Stadt Ansischan in Turkestan fast völlig zerstört. Betroffen sind von der Katastrophe nicht nur die 50 000 Einwohner der Stadt, sondern auch die 300 000 Menschen der umliegenden Region. Die Zahl der Toten wird auf 2500 geschätzt.

18.12.1902, Donnerstag

Die US-amerikanische Regierung erklärt sich bereit, in der Auseinandersetzung zwischen Venezuela und dem Deutschen Reich, Großbritannien sowie Italien die Schiedsrichterrolle zu übernehmen.

Der von den Republikanern eingebrachte Antrag an das italienische Abgeordnetenhaus auf Räumung des afrikanischen Gebietes Eritrea wird mit Mehrheit abgelehnt.

19.12.1902, Freitag

In der Stadt Harrison (US-Bundesstaat New Jersey) kommen erstmals elektrische Weihnachtsbaumkerzen auf den Markt. Hersteller ist die Firma Edison Electric & Co.

Die Regierung des russischen Zarenreichs veröffentlicht in der Zeitung “Nowaja Wremja” eine Darlegung der gegenwärtigen Asienpolitik Russlands. Darin wird von offizieller Seite das Expansionsinteresse an der Mandschurei dementiert. Die Tatsache, dass die russischen Truppen trotz des Vorhabens, sich aus der Mandschurei zurückzuziehen, noch immer dort seien, hätte seine Ursachen in der unsicheren innenpolitischen Lage Chinas.

Das Reichsmarineamt in Berlin unter der Leitung von Alfred von Tirpitz erteilt der Schiffswerft “Blohm & Voss” den Auftrag für den Bau eines neuen deutschen Kreuzers, der “Ersatz Deutschland”.

Im Finanzhaushaltsplan des Deutschen Reiches für 1903 werden die Einnahmen aus dem chinesischen Schutzgebiet Kiautschau auf etwa 0,5 Mio., die notwendigen Ausgaben für den Aufbau der Region hingegen auf etwa 12,5 Mio. Mark festgelegt.

20.12.1902, Samstag

Das Deutsche Reich, Großbritannien und Italien beginnen die Seeblockade gegen Venezuela. Nicht davon betroffen sind US-amerikanische Schiffe, da die USA sich mit der aggressiven Haltung der drei Mächte nicht einverstanden erklärt und diese Maßnahme nicht akzeptiert. Die US-Regierung sieht darin eine Handlung, die den Prinzipien der Monroe-Doktrin entgegensteht.

Die wegen Millionenbetrugs gesuchte französische Familie Humbert wird in Madrid festgenommen.

Am Carl Theater in Wien wird die Operette “Der Rastelbinder” von Franz Lehár uraufgeführt.

21.12.1902, Sonntag

Die deutschen Truppen beginnen mit der Räumung der chinesischen Hafenstadt Schanghai. Sie war während des Boxeraufstandes von Soldaten ausländischer Mächte besetzt worden.

Der erste Verkehrspolizist in Berlin bezieht seinen Posten an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße.

22.12.1902, Montag

Der russische Außenminister Wladimir N. Graf Lamsdorf beginnt eine Reise zu Gesprächen mit den Regierungen in Belgrad, Sofia und Wien. Thema der Unterredungen ist die Balkanproblematik.

23.12.1902, Dienstag

Infolge der Auseinandersetzung um das neue Zolltarifgesetz zwischen dem Bund der Landwirte und den Mehrheitsparteien des Deutschen Reichstages tritt Wilhelm von Kardorff aus dem Bund der Landwirte aus. – Kardorff war wesentlich an der Durchsetzung des Gesetzes beteiligt. Die Landwirte zeigen sich enttäuscht über die ihrer Meinung nach zu niedrigen Einfuhrzölle.

In einer Stellungnahme zu dem von den Christdemokraten Italiens vorgelegten Gesetzentwurf zur Ehescheidung bezeichnet Papst Leo XIII. den Entwurf als eine Erschütterung der christlichen Ordnung.

24.12.1902, Mittwoch

Zur Eröffnung der griechischen Nationalversammlung in Athen kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den oppositionellen Theotokisten und der nationalistischen Regierungspartei, den Delijannisten.

Am Nachmittag findet wie gewohnt die Weihnachtsfeier der deutschen kaiserlichen Familie im Neuen Palais von Potsdam statt.

Die niederländische Regierung verkündet die absolute Neutralität des Landes in der Venezuelafrage. Sie ist auch nicht gewillt, Dienstleistungen für die an der Blockade beteiligten Schiffe zu übernehmen, z. B. wird sie keinem der Kriegsschiffe das Bunkern von Kohle in Curaçao gestatten.

25.12.1902, Donnerstag

Die Oper des russischen Komponisten Nikolai A. Rimski-Korsakow, “Der unsterbliche Katschej”, wird in Moskau uraufgeführt.

Eine im Ruhrgebiet einmalige Varieté-, Revue- und Operettenbühne wird im Olympia Theater Dortmund eröffnet.

Während der Weihnachtstage über Nordeuropa herrschende Stürme haben insbesondere an den deutschen Küsten von Nord- und Ostsee schwere Schäden angerichtet.

26.12.1902, Freitag

US-Präsident Theodore Roosevelt lehnt das Ansinnen der Regierungen des Deutschen Reiches und Großbritanniens ab, persönlich die Schiedsrichterfunktion in der Venezuelafrage zu übernehmen. Entscheidend in den folgenden Vermittlungsverhandlungen im kommenden Jahr bleibt dennoch die US-Regierung.

In einem Leichtgewichts-Boxkampf in Hot Springs siegt der 20 Jahre alte, aus Dänemark eingewanderte Battling Nelson (eigentl. Oscar Nielson) nach insgesamt 42 Niederschlägen durch K. o. in der 17. Runde gegen Christy Williams.

27.12.1902, Samstag

Nachdem das japanische Parlament die von der Regierung geforderte Erhöhung der Grundsteuer ablehnt, wird das Abgeordnetenhaus aufgelöst.

Der Sultan von Marokko, Abd Al Asis, sendet etwa 10 000 Soldaten in den Kampf gegen die aufständischen Berberstämme. Die Kabylen sind inzwischen bis in die Nähe der Stadt Fès vorgerückt.

In der US-amerikanischen Presse verstärken sich die Angriffe gegen das Vorgehen Großbritanniens und des Deutschen Reiches in Venezuela. Allgemein wird unterstellt, Deutschlands eigentliches Ziel sei die Eroberung neuer Kolonien in Mittel- und Südamerika.

28.12.1902, Sonntag

In Anwesenheit des britischen Vizekönigs von Indien, George Nathaniel Curzon, und des aus London angereisten Arthur von Connaught beginnen in Delhi die pompösen Feierlichkeiten zur Proklamation König Eduard VII. von Großbritannien zum Kaiser von Indien. Die offizielle Erhebung des König von Großbritannien in den Kaiserstand erfolgt am 1. Januar 1903.

Wilhelm II. präsentiert mehreren geladenen Malern, Bildhauern und Architekten die neu gestalteten Räume des Königlichen Schlosses in Berlin. Zu den veränderten Bereichen in dem historischen Gebäude der Hohenzollern gehört u.a. der Weiße Saal.

Der neue Intendant der Königlichen Schauspiele Berlin, Georg von Hülsen-Haeseler, tritt sein Amt an und löst damit den aus Altersgründen zurückgetretenen Bolko Graf von Hochberg ab.

29.12.1902, Montag

Österreich-Ungarn kündigt den Handelsvertrag mit Italien, so dass die laufenden Abmachungen mit dem 31. Dezember 1903 außer Kraft treten. Die Verhandlungen über Folgeverträge beginnen im Januar 1903.

In Magdeburg beginnt der zweite preußische Lehrertag. Bis zum Sonntag beraten die 1600 Delegierten hauptsächlich über die Besoldungsverhältnisse bei den Volksschullehrern, die allgemein als unbefriedigend bezeichnet werden.

30.12.1902, Dienstag

Aufgrund der Kabylenaufstände in Marokko entsendet die spanische Regierung Kriegsschiffe in die nordafrikanische Küstenstadt Tanger und hält Truppen zum Eingreifen in Marokko bereit.

31.12.1902, Mittwoch

Zwischen der zisleithanischen (österreichischen) Reichshälfte Österreich-Ungarns und Transleithanien wird ein Abkommen über den Fortbestand des gemeinsamen Wirtschaftsgebietes geschlossen.

Unter der Regie von Konstantin Stanislawski wird das Schauspiel “Nachtasyl” von Maxim Gorki am Moskauer Künstlertheater uraufgeführt.