Was geschah im Dezember 1906

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Wetterstationen Dezember 1906

1.12.1906, Samstag

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris beschließt mit 290 zu 218 Stimmen die Erhöhung der Diäten von jährlich 9000 Franc (7290 Mark) auf 15 000 Franc (12 150 Mark).

Das österreichische Abgeordnetenhaus in Wien verabschiedet die Wahlreform. Alle Österreicher erhalten das Wahlrecht.

Der Schuhmacher Wilhelm Voigt, der falsche “Hauptmann von Köpenick” wird von der 4. Strafkammer des Landgerichts Berlin II zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre gefordert sowie “die Einziehung der Uniform”, als ob es sich bei Voigt um einen richtigen Hauptmann handle.

Auf dem Parteitag der Deutschkonservativen in Berlin wird die Reichsregierung aufgefordert, die Sozialpolitik nur so weit voranzutreiben, “als es mit der wirtschaftlichen Lage der gesamten deutsch-nationalen Produktion vereinbar ist”.

Die preußischen Behörden reagieren auf den polnischen Schulstreik in den Ostmarken mit der Verstärkung der Gendarmerie in der Provinz Posen. Allein im Kreis Witkowo sind 18 Personen von ihrem Amt als Schulvorsteher abgesetzt worden. Im Zusammenhang mit dem “Aufstand der Knirpse” werden zahlreiche Polen zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Im Deutschen Reichstag in Berlin kommt es bei der Beratung des Nachtragshaushalts für Deutsch-Südwestafrika zu stürmischen Szenen, als der sozialdemokratische Abgeordnete August Bebel der Regierung vorwirft, mit ihrer Kolonialpolitik die Eingeborenen zu “Heloten” zu machen, und von Greueltaten in Kamerun berichtet. Mit einer idealen Kolonisation, die die Eingeborenen als Freunde behandle und die Bodenschätze erschlösse, wäre auch er – der Sozialdemokrat Bebel – einverstanden.

2.12.1906, Sonntag

Der finnische Senat in Helsingfors (Helsinki) weist alle Gouverneure an, “russische Untertanen, die sich wegen eines Verbrechens in Finnland aufhalten”, auf Verlangen der russischen Behörden sofort auszuliefern. In das autonome russische Großfürstentum Finnland flüchten sich zahlreiche russische Revolutionäre.

In Paris wird bekanntgegeben, dass südlich vom Tschadsee ein französischer Militärposten von Eingeborenen überfallen worden sei. Die Eingeborenen hätten vier Mann gefangengenommen und sie verzehrt.

Das Kriegsgericht in Insterburg verurteilt den Leutnant Hans Oelmann vom preusischen Grenadierregiment Friedrich der Grose wegen “Zweikampfs mit tödlichen Waffen” zu fünf Monaten Festungshaft. In dem Duell, das in Giesen stattgefunden hatte, war ein Student durch einen Pistolenschuss verwundet worden.

Streiks, Boykottaktionen und Anschläge sind die zentralen Themen auf der Groß-Berliner Anarchistenversammlung. Attentate, so ein Redner, würden immer durch die Entschließung einzelner durchgeführt, die aus ihrer anarchistischen Gesinnung heraus den Drang fühlten, als “Rächer” aufzutreten.

Der Schweizer Psychiater Auguste Forel, der 1905 das aufsehenerregende Buch “Die sexuelle Frage” veröffentlicht hat, spricht in der überfüllten Berliner Singakademie über “Suggestion im Sexualleben”. Einige Blätter stellen fest, dass im Auditorium “zahlreiche junge Mädchen sitzen” und erblicken darin ein Anzeichen für das Verschwinden der Prüderie.

3.12.1906, Montag

Die Berliner “Welt am Montag” veröffentlicht den “Aufruf zu einer Sammlung für Wilhelm Voigt, Hauptmann von Köpenick a. D.”. Die Spenden sollen dem Mann zugutekommen, “der durch polizeiliche Verfolgung von neuem zum Verbrecher werden musste”.

In Berlin wird die 3. Generalversammlung der Gesellschaft für soziale Reform eröffnet. Zentrales Thema der zweitägigen Veranstaltung ist die Forderung nach dem “friedenstiftenden System der tariflichen Arbeitsregelung” anstelle des “Unternehmerprinzips des Herrn im Hause”.

4.12.1906, Dienstag

In seiner Jahresbotschaft an den Kongress in Washington definiert US-Präsident Theodore Roosevelt, unter welchen Umständen ein Krieg “gerecht” und “für die Seele einer Nation” gut sei.

Der neue Hauptbahnhof in Hamburg und mit ihm die derzeit größte Bahnhofshalle der Welt wird seiner Bestimmung übergeben.

5.12.1906, Mittwoch

Im Königreich Württemberg werden erstmals sämtliche Abgeordnete der Zweiten Kammer vom Volk gewählt.

Antonio Aguilar y Correa Marqués de la Vega de Armijo (liberal) wird spanischer Ministerpräsident als Nachfolger des zurückgetretenen Segismundo Moret y Prendergast (liberal). Es ist der dritte Kabinettswechsel in Spanien in diesem Jahr und der zweite innerhalb von fünf Tagen.

6.12.1906, Donnerstag

Das britische Oberhaus in London genehmigt das vom Unterhaus verabschiedete Schulgesetz mit Änderungen. Dadurch spitzt sich der Streit zwischen dem von den Konservativen dominierten Oberhaus und dem von den Liberalen beherrschten Unterhaus zu. Ziel von Premierminister Hanry Campbell-Bannerman (liberal) ist eine Zurückdrängung des Einflusses des nicht demokratisch gewählten Oberhauses.

7.12.1906, Freitag

Winston Churchill, der Unterstaatssekretär des britischen Kolonialamts, fordert bei einer Rede in Manchester, die britischen Besitzungen in Westafrika müssten allmählich zu einem Ganzen verschmolzen werden.

Der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen (Außenminister), Heinrich Leonhard von Tschirschky und Bögendorff, erklärt im Reichstag in Berlin, die Reichsregierung sehe keinen Anlass zum Eingreifen wegen der französisch-spanischen Flottenaktionen vor Marokko.

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris verabschiedet die Algeciras-Akte.

8.12.1906, Samstag

Das für die Aktion in Marokko zusammengezogene französisch-spanische Geschwader läuft in Cádiz Richtung Tanger aus.

9.12.1906, Sonntag

Der Bund der Landwirte weist in einem in Berlin veröffentlichten Flugblatt den Vorwurf zurück, die Bauern trügen die Schuld an der Fleischteuerung: “Die Grundstücksspekulation treibt die Bodenpreise und damit die Wohnungs- und Ladenmieten in die Höhe. Alle Löhne und sonstigen Betriebskosten steigen fortgesetzt. Der Bauer, der Landwirt, der Landarbeiter hat hiermit nichts zu tun.”

10.12.1906, Montag

In Stockholm und Kristiania (Oslo) werden die Nobelpreise verliehen. Der Friedensnobelpreis wurde dem US-amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt zuerkannt.

Der Deutsche Reichstag in Berlin nimmt die Algeciras-Akte in dritter Lesung endgültig an.

Der französische Kultusminister Aristide Briand ordnet in einem Rundschreiben an die Präfekten an, dass gegen Geistliche u.a. Veranstalter kultureller Zusammenkünfte Strafanzeige zu erstatten sei, wenn sie die gesetzlich vorgeschriebenen Erklärungen nicht unterzeichnet hätten.

Der deutsche Staatssekretär des Innern, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, lehnt nach einer Anfrage über die Fleischteuerung im Reichstag in Berlin eine Öffnung der Grenzen zur Vieheinfuhr sowie eine Herabsetzung der Zölle als “nicht angängig” ab.

Die Sobranje, das bulgarische Parlament in Sofia, genehmigt eine Regierungsvorlage zur Beschränkung der Auswanderung nach Nordamerika und ein Gesetz gegen die Ansiedlung russischer Juden.

Unter der Leitung von Felix Mottl wird in München die Märchenoper “Das Christelflein” von Hans Pfitzner uraufgeführt.

13.12.1906, Donnerstag

Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow löst den Reichstag in Berlin auf, nachdem die Abgeordneten mit 177 zu 168 Stimmen den Nachtragshaushalt für die Kolonie Deutsch-Südwestafrika abgelehnt haben.

Suffragetten veranstalten im Hof des britischen Unterhauses in London lärmende Kundgebungen für das Frauenwahlrecht.

Eine Bande von 20 Terroristen überfällt die Eisenbahnstation Zgierze in Russisch-Polen und raubt die Kasse. Dabei wird ein Offizier getötet. Nach Polizeiangaben handelt es sich bei den Räubern um antizaristische Revolutionäre.

Die ersten uniformierten Kutscherinnen Deutschlands schwingen die Peitsche in Berlin. Es sind die Milchausfahrerinnen der bekannten Meierei Bolle.

In der Volksvertretung des US-Bundesstaats Louisiana wird eine Novelle zum Eheschließungsgesetz eingebracht. Danach soll es keinem jungen Mann vor Vollendung des 24. Lebensjahrs gestattet sein, einem Mädchen den Hof zu machen. Den Eltern des Mädchens dem er sich zu nähern sucht, muss er zuvor von seiner Absicht Kenntnis geben. Ferner soll er vor einem Friedensrichter eidlich erklären, dass er feste Heiratsabsichten hat.

Den Berliner Geschäften, die in den früheren Jahren große Anziehungskraft auf das Publikum dadurch ausübten, dass sie im Schaufenster tanzende Puppen, kleine fahrende Eisenbahnzüge, Luftschaukeln und dergleichen ausstellten, verdirbt die Polizei in diesem Jahr das Geschäft. Sie verbietet diese Zurschaustellung, da die Menschenmassen vor den Schaufenstern ein Verkehrshindernis darstellten.

Ein kulturgeschichtlich hochinteressantes Programm bietet der Zirkus Schumann zu Weihnachten: Der Rest des Stammes der Moki-Indianer führt Adlertanz, Schlangentanz, Lassowurf und wildes Reiten auf indianischen Pferden vor.

In London wird das Abessinien-Abkommen zwischen Großbritannien, Frankreich und Italien unterzeichnet.

Der französische Ministerrat in Paris beschließt das Gesetz zur Sicherung der Ausübung des katholischen Kultus.

Die belgische Abgeordnetenkammer in Brüssel spricht sich für die Übernahme der königlichen Kolonie Kongostaat durch den belgischen Staat aus.

15.12.1906, Samstag

Die Neuwahlen zum Deutschen Reichstag in Berlin werden durch Beschluss des Bundesrats auf den 25. Januar 1907 festgelegt.

Die preußische Regierung unter Bernhard Fürst von Bülow gestattet wegen der Fleischteuerung die Einfuhr von frischem Schweinefleisch aus Dänemark, Schweden und Norwegen. Ähnliche Maßregeln treffen auch Hamburg und Oldenburg.

Mit der Forderung nach Einführung des Achtstundentags und 90 Pfennig Stundenlohn gehen die Berliner Dachdecker in die Verhandlungen mit den Unternehmern. Die stundenlangen Wege zu den Arbeitsstätten in Groß-Berlin rechtfertigen nach Meinung der Dachdecker diesen Stundenlohn.

16.12.1906, Sonntag

In der Nähe der französischen Botschaft in Rom finden trotz eines behördlichen Verbots antiklerikale Demonstrationen von Republikanern und Sozialisten statt. Die Demonstranten, die mehrfach von der Polizei auseinandergetrieben werden, bekunden ihre Solidarität mit der französischen Regierung im Kampf gegen die Kirche.

Die Kommission für den Bau des Panamakanals teilt in Washington mit, dass ausländische Unternehmen von Lieferungen für den Bau des Kanals ausgeschlossen seien. Die Kommission behält sich auch das Recht vor, ausländische Unternehmen zu den öffentlichen Ausschreibungen nicht zuzulassen.

Der Bund der Landwirte erlässt in Berlin einen Aufruf zur Reichstagswahl im Januar 1907: “Wollen wir, mit einem Worte, Weltpolitik betreiben, so können wir das nur auf der Grundlage einer gesunden Heimatpolitik, welche dem deutschen Volke diejenigen Volksschichten und Berufsstände erhält, die seine wahre und unvergängliche Volkskraft bilden.”

17.12.1906, Montag

Winston Churchill, der Unterstaatssekretär im britischen Kolonialamt, kündigt für 1907 eine Verfassung und Selbstregierung für die Oranjekolonie an.

Auf der Germaniawerft in Kiel läuft in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria das Linienschiff Q vom Stapel. Es wird von der Kaiserin auf den Namen “Schleswig-Holstein” getauft.

Die städtische Schuldeputation von Berlin veröffentlicht die neuesten Zahlen über die Kriminalität der Schuljugend. Von 225 237 Schulkindern wurden im Vorjahr 276 gerichtlich bestraft, davon 261 Knaben und 15 Mädchen. 72 Kinder wurden zu Gefängnisstrafen von bis zu sechs Monaten verurteilt. Die Verurteilungen erfolgten wegen Diebstahls, Unterschlagung, Hehlerei und Sachbeschädigung, nur in einem Fall wegen Verstoßes gegen die Sittlichkeit.

18.12.1906, Dienstag

Der italienische Außenminister Tommaso Tittoni unterstreicht vor der Abgeordnetenkammer in Rom, Italien werde weiter am Dreibund mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich festhalten – trotz gelegentlicher Differenzen mit der Donaumonarchie.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz verursachen Schneestürme erhebliche Verkehrsstörungen.

19.12.1906, Mittwoch

Die chinesische Regierung gibt amtlich bekannt, dass die Orte Tschang-Tschun, Kirin, Charbin und Mandschuria als internationale Wohn- und Hafenplätze geöffnet werden.

20.12.1906, Donnerstag

Der russische Ministerrat unter Pjotr A. Stolypin legt die Wahl der Wahlmänner für die zweite Duma (Parlament) auf den 15. Januar, die Wahl der Abgeordneten auf den 5. Februar 1907 fest.

Das Schöffengericht von Hilgers bei Fulda verurteilt einen Lehrer wegen groben Unfugs zu sechs Tagen Haft. Der Lehrer hatte im Sommer 1905 bei einem Rhönausflug mit seinen Schülern ein Sonnenbad genommen und war von einem Pfarrer angezeigt worden.

21.12.1906, Freitag

Den Vertretern des Vatikans im Ausland und den Vertretern der Mächte beim Vatikan wird eine Protestnote von Papst Pius X. gegen die Ausweisung des päpstlichen Geschäftsträgers aus Frankreich und die Hausdurchsuchung in der früheren Pariser Nuntiatur zugestellt.

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris genehmigt mit 338 zu 146 Stimmen das Gesetz über die Ausübung des Kultus. Danach werden die katholischen Kirchen, Pfarreien u.a. verstaatlicht.

Der schweizerische Nationalrat in Bern genehmigt mit 105 zu 4 Stimmen das Gesetz über die Militärreorganisation. Es sieht u.a. eine wesentliche Verlängerung der Zeit auf den Rekruten- und Offiziersschulen vor und enthält die Bestimmung, dass die Familien von einberufenen Männern im Fall wirtschaftlicher Not vom Bund unterstützt werden.

22.12.1906, Samstag

Die als Kanzlerblatt geltende “Norddeutsche Allgemeine Zeitung” bezeichnet Berichte “vereinzelter rechtsstehender Organe” von Plänen der Reichsregierung gegen das allgemeine Wahlrecht als “plumpen Wahlschwindel und weiter nichts”.

23.12.1906, Sonntag

In Deutsch-Südwestafrika unterwerfen sich 120 Männer der Bondelswarts. Damit gilt der Kolonialkrieg in Südwestafrika als beendet. Die deutsche Regierung hatte noch vor zehn Tagen einen Nachtragshaushalt von 29 Mio. Mark zur Fortführung des Kampfs gegen die aufständischen Eingeborenen gefordert. Die Reichstagsmehrheit aus Zentrum und SPD hatte die Bewilligung der Gelder abgelehnt.

Im Zusammenhang mit dem Schulstreik laufen in den preußischen Ostgebieten 250 Strafprozesse. Gegen neun polnische Geistliche in der Provinz Posen ist Anklage erhoben worden wegen “öffentlicher Aufforderung zum Ungehorsam gegen von der Obrigkeit getroffene Anordnungen”.

Die französische Zeitung “Le Matin” meldet aus Rom, Kardinalstaatssekretär Rafael Merry de Val habe den Kulturkampf in Frankreich als “Krieg Gottes” bezeichnet. Es handle sich nicht um einen Krieg zwischen Frankreich und dem Vatikan, sondern um einen Krieg zwischen Frankreich und dem Christentum.

24.12.1906, Montag

Der Kanadier Reginald Aubrey Fessenden sendet per Funk das erste Weihnachtskonzert.

25.12.1906, Dienstag

In Makedonien finden schwere Kämpfe zwischen bulgarischen und griechischen Nationalisten statt.

26.12.1906, Mittwoch

15 Mio. Franzosen beteiligen sich an einer Umfrage der Zeitung “Le Matin” über die größten Männer Frankreichs. Die meisten Stimmen erhält der Chemiker Louis Pasteur, gefolgt von dem Republikaner Léon Gambetta und dem Dichter Victor Hugo. Erst auf Platz vier rangiert Kaiser Napoleon I.

27.12.1906, Donnerstag

Prinz August Wilhelm von Preußen, der vierte Sohn von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria, verlobt sich auf Schloss Glücksburg mit Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg.

Marokkanische Regierungstruppen besetzen Tanger.

Zum Jahresende erhalten die Berliner Grundbesitzervereine die “Generalschutzliste” gegen “faule Mieter”. Diese Liste enthält 10 543 Namen. Die Mieter, vor denen die Grund- und Hausbesitzer gewarnt werden, sind teils zahlungsunfähig oder “böswillige Schuldenmacher”, teils “aus moralischen Gründen wenig empfehlenswert”.

Bei Elliott in der Nähe von Dundee in Schottland fährt ein Expresszug auf einen Personenzug auf. 16 Menschen werden getötet, 40 zum Teil lebensgefährlich verletzt.

29.12.1906, Samstag

In Lodz werden rund 50 000 Fabrikarbeiter ausgesperrt. Es kommt zu blutigen Straßenkämpfen, bei denen mehrere Arbeiter den Tod finden.

Die starken Schneefälle bescheren Hunderten von Arbeitslosen im Deutschen Reich unverhofft Brot. Die Große Berliner Straßenbahn und die städtischen Behörden zahlen Schneekehrern 2,80 Mark pro Tag. Ausbezahlt wird jedoch nur alle fünf Tage.

30.12.1906, Sonntag

Der persische Schah Mosaffar Od Din unterzeichnet in Teheran die Verfassungsurkunde.

Auf dem Bahnhof von Ottersberg in Hannover rast der Schnellzug Hamburg- Köln einem Eilgüterzug in die Flanke. Bei dem Zusammenstoß finden vier Eisenbahnbeamte den Tod und elf werden verletzt, während die Reisenden mit dem Schrecken davonkommen.

31.12.1906, Montag

In Madrid werden die Ratifikationsurkunden der Algeciras-Akte hinterlegt. Die Unterzeichnung der Akte hat die Marokkokrise beendet.

Nach zehnjähriger Zuchthausstrafe verlässt der Mechaniker Koschemann das Zellengefängnis am Lehrter Bahnhof in Berlin. Koschemann war in einem umstrittenen Indizienprozess wegen eines Attentatsversuchs auf einen Polizeiobersten verurteilt worden. Er hatte sich mehrfach vergeblich um ein Revisionsverfahren bemüht.