Was geschah im Dezember 1913

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Wetterstationen Dezember 1913

1.12.1913, Montag

In Köln wird eine Frau unter der Anschuldigung verhaftet, für einen größeren Kundenkreis Abtreibungen – die nach 218 Reichsstrafgesetzbuch verboten sind – vorgenommen zu haben. Eine schwangere Frau war während der Abtreibung gestorben.

Die russische Botschaft in Konstantinopel (heute Istanbul) drückt ihr Misstrauen gegenüber dem osmanischen Großwesir Said Halim Pascha aus. Den Anlass bildet der von der Regierung des Osmanischen Reiches bekanntgegebene angebliche Selbstmord eines Häftlings, dessen Auslieferung Russland verlangt.

2.12.1913, Dienstag

Auf einer Versammlung in Straßburg anlässlich der sogenannten Zabern-Affäre fordern die Bürgermeister elsass-lothringischer Städte vom deutschen Kaiser Wilhelm II. einen Schutz vor willkürlichen Übergriffen des deutschen Militärs.

Aufgrund einer Abstimmungsniederlage in der Frage des Steuerprivilegs bei Staatsanleihen tritt in Paris das von Ministerpräsident Louis Barthou geleitete, gemäßigt-konservative Kabinett zurück. Neuer französischer Ministerpräsident und gleichzeitig Außenminister wird der zu den Radikalen zählende Gaston Doumergue.

Die sechs europäischen Großmächte einigen sich auf den deutschen Prinzen Wilhelm zu Wied als künftigen Fürsten von Albanien. Weiterhin besteht aber Unklarheit über die Grenzziehung in dem neugeschaffenen südosteuropäischen Staat, der zum Spielball europäischer Machtpolitik geworden ist.

In Österreich-Ungarn wird das 65-Jährige Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs mit zahlreichen Gottesdiensten und öffentlichen Feiern begangen.

Die Regierung des Osmanischen Reiches ernennt den deutschen Generalleutnant Otto Liman von Sanders zum Korpskommandanten der osmanischen Armee sowie zum Mitglied des osmanischen Kriegsrates. Die am 14. Dezember mit von Sanders’ Eintreffen in Konstantinopel (heute Istanbul) beginnende deutsche Militärmission im Osmanischen Reich führt Anfang 1914 zu einer internationalen Krise.

3.12.1913, Mittwoch

Bei schweren Überschwemmungen im südlichen Teil des US-amerikanischen Bundesstaates Texas kommen 20 Menschen ums Leben. Der Schaden beläuft sich auf eine Million US-Dollar (4,2 Millionen Mark).

4.12.1913, Donnerstag

Der deutsche Reichstag spricht Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg die Missbilligung wegen seiner Politik anlässlich der Übergriffe deutscher Offiziere in der elsässischen Garnisonsstadt Zabern aus. Das Votum bleibt allerdings folgenlos, da allein der deutsche Kaiser Wilhelm II. über eine Absetzung des Reichskanzlers zu entscheiden hat.

Ein Sturm beschädigt den höchsten deutschen Funkturm bei Rilvese (Provinz Hannover) so schwer, dass die Versuche mit drahtlosen Ferngesprächen nach den Vereinigten Staaten von Amerika bis Anfang 1914 eingestellt werden müssen. Das gesamte Antennennetz wird durch einen herabstürzenden Holzmast lädiert.

5.12.1913, Freitag

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. ordnet in Donaueschingen die vorübergehende Verlegung der beiden in Zabern stationierten Bataillone des 99. Infanterieregiments auf die Truppenübungsplätze Oberhofen (bei Hagenau) und Bitsch an. Die Verlegung wird am 6. und 7. Dezember vollzogen.

6.12.1913, Samstag

Die britische Regierung verfügt ein Verbot der Waffeneinfuhr nach Irland, um die Versorgung der protestantischen, mit Unterstützung des nordirischen Bürgertums gegen die Selbstverwaltung Irlands kämpfende Ulster Volunteer Force mit Waffen zu unterbinden.

7.12.1913, Sonntag

Auf 17 von der SPD initiierten Versammlungen zur sogenannten Zabern-Affäre kritisieren die Teilnehmer die Willkürherrschaft des deutschen Militärs und fordern den Rücktritt des deutschen Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg und des preußischen Kriegsministers Erich von Falkenhayn.

Der Hamburger Senat wählt turnusgerecht Max Bredöhl zum Ersten Bürgermeister und Werner von Melle zum Zweiten Bürgermeister für das Jahr 1914.

8.12.1913, Montag

Der neue französische Ministerpräsident Gaston Doumergue stellt in Paris sein vor allem aus Anhängern der Radikalen bestehendes Kabinett vor. Am 11. Dezember erläutert er im französischen Parlament sein Regierungsprogramm.

Nach einer öffentlichen Kampagne gegen die Einwanderung von indischen Arbeitern untersagt die kanadische Regierung bis zum 31. März 1914 eine weitere Immigration von Arbeitern und Handwerkern in die kanadische Provinz Britisch-Kolumbien, da der dortige Arbeitsmarkt angeblich übersättigt sei.

In London besiegt der Franzose Georges Carpentier in einem nur 75 Sekunden dauernden, zur Boxeuropameisterschaft erklärten Kampf den Briten Billy Wells durch K. o.

9.12.1913, Dienstag

Der mexikanische Kongress erklärt die Präsidentschaft Victoriano Huertas für ungültig und setzt Präsidentschaftswahlen für den 6. Juli 1914 an. Huerta wird bis zu diesem Zeitpunkt zum provisorischen Präsidenten erklärt. Im Norden Mexikos erobern die gegen das Regime Huertas kämpfenden Rebellen die Stadt Chihuahua.

Auf der Strecke Ostende-Middelkerke in Belgien erreicht der französische Rennfahrer Duray mit einer 1000-m-Zeit von 16,9 sec – das entspricht einer Geschwindigkeit von 211,661 km/h – einen Auto-Geschwindigkeitsweltrekord.

10.12.1913, Mittwoch

In Stockholm und Oslo werden zum 13. Mal die Nobelpreise für Physik, Chemie, Medizin und Physiologie, Literatur sowie der Friedensnobelpreis verliehen. Mit dem indischen Schriftsteller Rabindranath Tagore erhält erstmals ein Nicht-Europäer den Nobelpreis für Literatur verliehen.

Publikum und Pressekritiker beurteilen die US-amerikanische Erstaufführung der 1911 entstandenen Oper “Der Rosenkavalier” des deutschen Komponisten Richard Strauss in der New Yorker Metropolitan Opera zurückhaltend.

11.12.1913, Donnerstag

Die 110köpfige Reichstagsfraktion der SPD wählt in Berlin den sozialdemokratischen Politiker Philipp Scheidemann als Nachfolger des am 13. August verstorbenen August Bebel zu ihrem Vorsitzenden. Scheidemann gehört dem Reichstag seit 1903 und dem SPD-Parteivorstand seit 1911 an.

Das Straßburger Kriegsgericht bestraft zwei Rekruten des 99. Infanterieregiments in Zabern mit drei bzw. sechs Wochen Militärarrest. Die beiden Rekruten hatten beleidigende Äußerungen des deutschen Leutnants Günter Freiherr von Forstner über die elsässische Bevölkerung – sie bildeten den Anlass der sogenannten Zabern-Affäre – öffentlich bestätigt.

Die schweizerische Bundesversammlung wählt mit 180 von 194 möglichen Stimmen den seit 1911 dem Bundesrat angehörenden Abgeordneten Arthur Hoffmann zum Bundespräsidenten für 1914.

12.12.1913, Freitag

Die deutsche Reichsbank in Berlin setzt den Diskontsatz von 5,5% auf 5% und den Lombardsatz von 6,5% auf 6% herab, um der Kapitalknappheit im Deutschen Reich entgegenzuwirken.

In Berlin gründet die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände eine Zentrale für Streikversicherung.

An der Berliner Universität beginnt ein siebentägiger Streik der Zahnheilkundestudenten, mit dem diese ihrer Forderung nach Einführung eines Doktortitels für ihren Studiengang Nachdruck verleihen. Den Hintergrund des Streiks – dem sich Studenten anderer Universitäten anschließen – bilden Sorgen um die berufliche Perspektive der deutschen Zahnheilkundler.

Aufgrund des Hinweises eines Antiquitätenhändlers entdeckt die Polizei in der italienischen Stadt Florenz bei dem 31-Jährigen Dekorationsmaler Vincenzo Perugia aus Dumenza (Provinz Como) das am 22. August 1911 aus dem Pariser Kunstmuseum Louvre gestohlene Gemälde “Mona Lisa” des italienischen Künstlers Leonardo da Vinci.

Aus Enttäuschung über die Nichtberücksichtigung des österreichischen Schriftstellers Peter Rosegger bei der diesjährigen Vergabe des Literatur-Nobelpreises fordern der deutsche Schulverein und der deutsch-österreichische Lehrerbund, Rosegger eine deutsche Volksausgabe zu widmen.

Zwischen der deutschen Funkstation in Nauen (bei Berlin) und der 5400 km entfernt liegenden Station in Kamina (Togo, seit 1884 sogenanntes deutsches Schutzgebiet) wird der Funkverkehr aufgenommen, nachdem die technischen Arbeiten in der Station Kamina zum großen Teil beendet sind.

13.12.1913, Samstag

Im Zusammenhang mit militär-strategischen Plänen der Dreibundstaaten Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Italien trifft der deutsche Botschafter in Wien, Heinrich von Tschirschky und Boegendorff, in der österreichischen Hauptstadt mit dem Generalstabschef Österreich-Ungarns, Franz Freiherr Conrad von Hötzendorf, zusammen.

In Frankfurt am Main weiht die Freie literarische Gesellschaft ein von ihr initiiertes Denkmal für den sozialkritischen deutschen Dichter Heinrich Heine ein. Es handelt sich um das erste öffentliche Denkmal für den vor 57 Jahren gestorbenen Heine.

14.12.1913, Sonntag

Zehn Tote und mehr als 30 Verletzte fordert ein Zugunglück auf der Strecke Roßwein- Chemnitz, als ein aufgrund orkanartiger Schneestürme einstürzender Tunnel bei Braunsdorf einen Personenzug unter sich begräbt.

Eine zehnköpfige deutsche Militärmission (sogenannte Liman-Sanders-Mission) trifft in der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul) ein. Unter Leitung von General Otto Liman von Sanders soll sie den deutschen Einfluss im Osmanischen Reich verstärken; sie bewirkt allerdings gleichzeitig Anfang 1914 eine diplomatische Krise in Europa.

Ein Schaden von zwei Millionen Mark entsteht bei einem Brand im architekturgeschichtlich bedeutenden großherzoglichen Schloss von Schwerin, bei dem die Südwestseite des Gebäudes zerstört wird. Ursache des Feuers ist eine defekte Heizungsanlage. Bei dem Bau des zwischen 1845 und 1857 entstandenen Schlosses wurden alte Bauteile aus dem 16. Jahrhundert mitverwendet.

15.12.1913, Montag

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. ernennt den 53-Jährigen General Paul von Lettow-Vorbeck – 1920 wegen seiner Beteiligung am Kapp-Putsch bekanntgeworden – zum Kommandeur der sogenannten Schutztruppe in der deutschen Kolonie Kamerun. Lettow-Vorbeck löst den wegen eines Konfliktes mit der Zivilverwaltung umstrittenen bisherigen Schutztruppenkommandanten ab.

16.12.1913, Dienstag

Die Teilnehmer einer unter Leitung des französischen Präsidenten Raymond Poincaré in Paris abgehaltenen Ministerratssitzung – unter ihnen der neue französische Ministerpräsident Gaston Doumergue – beschließen, einen Gesetzentwurf über Steuerprivilegien bei Staatsanleihen zurückziehen. Vor 13 Tagen musste das Kabinett Louis Barthou nach einer Abstimmungsniederlage in dieser Frage zurücktreten.

Nach der Vertagung des mexikanischen Kongresses bis zum 2. April 1914 amtiert der diktatorisch regierende mexikanische Präsident Victoriano Huerta offiziell mit Sondervollmachten.

17.12.1913, Mittwoch

Auf Antrag des deutschen Militärgeneralkommandos in Straßburg beschlagnahmt die dortige Polizei eine von der Grammophonfirma Cromer und Schrack hergestellte Schallplatte, die in Dialogen – untermalt von Trommelwirbel – die Vorgänge anlässlich der Zabern-Affäre dokumentiert. Außerdem stellt das Straßburger Generalkommando Strafantrag wegen Beleidigung deutscher Offiziere.

Auf der Danziger Schichau-Werft läuft der 35 000 BRT große Fracht- und Passagierdampfer “Columbus” für die Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd vom Stapel. Die Schiffstaufe nimmt die mit dem deutschen Kronprinzen Friedrich Wilhelm verheiratete Cecilie von Mecklenburg-Schwerin vor.

Durch eine Kohlenstaub-Explosion werden 40 Bergarbeiter in der “Vulcan”-Grube in Newcastle (US-amerikanischer Bundesstaat Colorado) verschüttet. Nur zwei von ihnen können lebend geborgen werden.

18.12.1913, Donnerstag

In der Berliner Stadtverordnetenversammlung findet ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion auf Bewilligung von 500 000 Mark zur Unterstützung Arbeitsloser nur wenig Zustimmung. Statt dessen plädiert der Berliner Magistrat in einer Petition an den deutschen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg für die gesetzliche Einführung einer Arbeitslosenversicherung.

Der Vatikan und die italienische Regierung einigen sich in Rom auf eine Steuerbefreiung für die im vatikanischen Dienst stehenden Beamten und Prälaten. Zum Ausgleich zahlt der Vatikan eine jährliche Pauschale von 60 000 Lire (48 000 Mark) an den italienischen Fiskus.

Die Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd eröffnet einen Frachtdienst von Bremen über Antwerpen nach Ostasien, der von vier 12 000 BRT großen Dampfern betrieben werden soll.

Am mesopotamischen, zum Osmanischen Reich gehörenden Fluss Euphrat wird oberhalb Hindijjas ein neuer Staudamm eingeweiht.

19.12.1913, Freitag

Eine Erfindung des italienischen Ingenieurs und Physikers Guglielmo Marconi erlaubt den Richtungsnachweis von drahtlosen Wellen.

Im russischen Blagowetschensk wird der westliche Teil der seit 1908 im Bau befindlichen Amurbahnlinie in Betrieb genommen. Die als Teil der Transsibirischen Eisenbahn insgesamt rund 2000 km lange, zwischen Karymskoje und Chabarowsk verlaufende Amurbahn (Fertigstellung: 1916) wird von der russischen Regierung zur Umgehung der Ostchinesischen Bahn gebaut.

In Paris verteidigt der US-Amerikaner Jack Johnson seinen Titel als Boxweltmeister im Schwergewicht erfolgreich durch ein Unentschieden nach zehn Runden gegen Jim Johnson (USA).

20.12.1913, Samstag

Nachdem sich die Geschäftsleitung der Deutschen Bank in Berlin weigert, ihren Angestellten das Recht zur gewerkschaftlichen Organisation schriftlich zu bestätigen, verkünden die Freien Gewerkschaften einen Boykott des Bankinstitutes. Gleichzeitig sollten nach gewerkschaftlicher Ansicht bei Geldgeschäften Banken bevorzugt werden, die ihren Mitarbeitern ein Recht auf gewerkschaftliche Organisation garantieren.

21.12.1913, Sonntag

Durch ihre Athener Konsulate teilen die europäischen Großmächte der griechischen Regierung mit, dass sie die im Verlauf des Balkankriegs erfolgte Annexion der Insel Kreta durch Griechenland anerkennen.

22.12.1913, Montag

In Wien überreicht der Staatsminister für Galizien, Ladislaus von Dlugosz, dem österreichischen Ministerpräsidenten Karl Graf Stürgkh, sein Entlassungsgesuch. Dlugosz wird von österreichischen Abgeordneten Bestechung vorgeworfen.

Ein am 13. Dezember in der preußischen Stadt Bitterfeld (bei Halle) aufgestiegener und nach Perm (Russland) geflogener bemannter Freiballon stellt einen Dauer- und Entfernungsweltrekord auf. Der 1600 m große Ballon bleibt 87 Stunden in der Luft und legt eine Strecke von 2800 km zurück.

23.12.1913, Dienstag

Ein zwischen dem Deutschen Reich und der Republik China abgeschlossener Vertrag sieht vor, dass im nördlichen China die Anlagen für zwei Bahnlinien mit deutschem Kapital, Material und unter Leitung deutscher Ingenieure erstellt werden. Der Kapitalbedarf wird auf etwa 75 Millionen Mark geschätzt.

In der Berliner Fachzeitschrift “Illustrierter Sport” erscheint ein – am 30. Dezember fortgesetzter – zweiteiliger Leitartikel, der die Bedingungen für Breiten- und Spitzensport in den Vereinigten Staaten von Amerika und im Deutschen Reich vergleicht.

24.12.1913, Mittwoch

In Straßburg wird Eugen Jung, ein Redakteur der französischen Zeitung “Journal d’Alsace-Lorraine”, wegen Beleidigung von preußischen Offizieren und Kommandobehörden zu einer dreiwöchigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Nach einer statistischen Untersuchung hat sich die Zahl der Elektrizitätswerke von 1909 bis 1913 im Deutschen Reich mehr als verdoppelt.

Die britische Marine kauft das Patent des vom österreichischen Konstrukteur Raimund Ninführ erfundenen automatischen Kipp- und Sturzschutzes für Flugzeuge für 500 000 Kronen (425 000 Mark). Die österreichisch-ungarische Militärverwaltung hatte das Patent zuvor bereits abgelehnt.

25.12.1913, Donnerstag

Weil er beim Abspielen der Kaiserhymne auf seinem Platz sitzen blieb, verurteilt eine Gerichtskammer in der russischen Stadt Kiew den russischen Journalisten Brasul Bruschkowski zu einer Strafe von einem Jahr Gefängnis.

26.12.1913, Freitag

In der Nähe der Faröer-Inseln nördlich von Großbritannien ertrinken 19 Fischer, als sie in ihren drei Booten von einem Sturm überrascht werden und kentern.

Das Weihnachtsfest im Deutschen Reich verläuft im allgemeinen ruhig. In den meisten Städten wird ein breites Unterhaltungsprogramm angeboten. Die Wintersportorte sind gut besucht.

27.12.1913, Samstag

Im Kieler Hafen läuft der deutsche Turbinenkreuzer “Dresden” zu einer Fahrt in die mexikanischen Gewässer mit dem Auftrag aus, angesichts der sozialen Unruhen in Mexiko gegebenenfalls die deutschen Interessen wahrzunehmen.

Im Anschluss an Filmaufführungen in einem Pariser Lichtspieltheater kommt es zu Kundgebungen gegen die deutsche Großmachtpolitik. Die Filme zeigten deutsche Kommandanten bei Truppen des Osmanischen Reiches und preußische Militärparaden.

28.12.1913, Sonntag

Nach einer in Berlin veröffentlichten, ab 1. Januar 1914 geltenden Luftverkehrsordnung müssen zukünftig Flugzeuge, Luftschiffe und Freiballons mit einem besonderen Kennzeichen versehen werden. Die vom Deutschen Luftfahrer-Verband ausgearbeiteten Bestimmungen regeln außerdem den Erwerb von Führerscheinen für den Luftverkehr, Fahrt- und Verkehrsbestimmungen und Fragen der Materialprüfung.

29.12.1913, Montag

Die Dreibundmächte Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Italien erklären sich in der Antwort auf einen entsprechenden Vorschlag des britischen Außenministers Edward Grey damit einverstanden, dass griechische Truppen bis zum 18. Januar 1914 im südlichen Albanien bleiben, um Unruhen zu verhindern.

In Paraguay wird zunächst für drei Jahre eine aus acht Offizieren bestehende deutsche Militärmission eingerichtet. Der südamerikanische Staat befindet sich nach der 1870 gescheiterten Eroberung der Südprovinzen Brasiliens aufgrund der Kriegsfolgen in einer politischen und wirtschaftlichen Krise.

30.12.1913, Dienstag

In Laibach (heute Ljubljana) wird der Slowenische Klub von der Landesregierung des österreichisch-ungarischen Kronlandes Krain (heute Kransjka) mit der Begründung aufgelöst, dass er unerlaubte Verbindungen zu anderen Staaten unterhalte.

31.12.1913, Mittwoch

Wegen des anhaltenden Unwetters im Ostseeraum ist die gesamte Schifffahrt an der dänischen, norwegischen und schwedischen Küste unterbrochen und ein großer Teil des Eisenbahnverkehrs durch Überschwemmungen gestört. Die Zugverbindungen mit dem Deutschen Reich müssen in Warnemünde und Gedser unterbrochen werden.

Zahlreiche Silvesterveranstaltungen bieten zum Ende des Jahres 1913 in der deutschen Hauptstadt Berlin – gegen Eintrittsgeld – Unterhaltung und Zeitvertreib an. Dabei behindern starke Schneefälle den Silvesterverkehr.