Was geschah im Dezember 1919

  • < 1918
  • 12.1919
  • 1920 >

Wetterstationen Dezember 1919

In Elsass-Lothringen wird das französische Strafgesetzbuch eingeführt.

In Österreich werden wegen des Preisverfalls und der Staatsverschuldung die Post- und Telegraphengebühren um durchschnittlich 100% erhöht.

Der Komponist und Dirigent Richard Strauss übernimmt die Leitung der Wiener Staatsoper.

Bei der Eröffnung der neugewählten italienischen Abgeordnetenkammer in Rom durch König Viktor Emanuel III. kommt es zu einem Eklat, als die sozialistische Fraktion beim Erscheinen des Monarchen die Kammer verläßt.

2.12.1919, Dienstag

Die alliierten und assoziierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs laden Ungarn zur Friedenskonferenz nach Neuilly-sur-Seine bei Paris ein.

3.12.1919, Mittwoch

Die Berliner Nachrichtenagentur Wolffs Telegraphen-Bureau (WTB) veröffentlicht den Inhalt des deutsch-polnischen Abkommens über die Räumung der Abtretungsgebiete und die Übergabe der Zivilverwaltung an Polen. Sie soll zonenweise erfolgen, in West- und Ostpreußen innerhalb von 19, in Posen und Schlesien innerhalb von drei Tagen.

Reichsfinanzminister Matthias Erzberger (Zentrum) erläutert vor der Deutschen Nationalversammlung in Berlin die Grundzüge der von ihm angestrebten Steuerreform.

In Cagnes-sur-Mer stirbt der französische Maler, Grafiker und Bildhauer Auguste Renoir im Alter von 78 Jahren.

4.12.1919, Donnerstag

Papst Benedikt XV. erlässt eine Enzyklika über das Missionswesen der katholischen Kirche. Er warnt die Missionare, sich von nationalen und materiellen statt von geistlichen Interessen leiten zu lassen.

Der sowjetische Politiker Karl Radek wird nach einem Dreivierteljahr Schutzhaft in Berlin nach Sowjetrussland abgeschoben. Radek war mit dem Auftrag der sowjetischen Führung gekommen, die KPD zu unterstützen.

5.12.1919, Freitag

Der VII. Allrussische Sowjetkongress in Moskau beschließt, während des Bürgerkriegs in Russland den westlichen Siegermächten die Aufnahme von Friedensgesprächen anzubieten.

In Innsbruck kommt es zu Hungerkrawallen, bei denen Lebensmittelläden und das Kartoffellager der Hauptstadt von Tirol geplündert werden.

Aus Belgrad wird die Unterzeichnung eines Vertrages zwischen dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien) und dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel (Istanbul) bezüglich der von Serbien annektierten Gebiete gemeldet. Danach werden das Gebiet von Strumica sowie Bosnien und die Herzegowina dem serbischen Patriarchen unterstellt. Das ökumenische Patriarchat gestattet ferner gegen eine Entschädigungszahlung die Union der unabhängigen montenegrinischen mit der serbischen Kirche.

Die preußische Staatsregierung hebt den am 3. März über Groß-Berlin verhängten Belagerungszustand auf.

6.12.1919, Samstag

Am letzten Tag des außerordentlichen USPD-Parteitags in Leipzig werden Arthur Crispien und Ernst Friedrich Däumig zu Parteivorsitzenden gewählt.

Der Vorarlberger Landtag in Bregenz nimmt mit 20 zu sieben Stimmen einen Antrag an, nach dem der Landtag von der österreichischen Staatsregierung in Wien verlangen soll, dass Selbstbestimmungsrecht des Landes Vorarlberg anzuerkennen. Diese Forderung soll er auch beim Obersten Rat der Alliierten in Paris zur Sprache bringen.

In einer Rede in Manchester appelliert der britische Premierminister David Lloyd George an alle Parteien, den politischen Burgfrieden aufrechtzuerhalten. Die nationale Einigkeit müsse fortbestehen, um den Frieden sicherzustellen.

Der zwölfjährige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach gibt das Startsignal zur Jungfernfahrt der ersten Lokomotive aus der Nachkriegsproduktion der Essener Krupp-Werke.

7.12.1919, Sonntag

Die deutsche Reichsregierung in Berlin erhält eine Denkschrift der Alliierten, in der die deutsche chemische Industrie unter Berufung auf den Versailler Friedensvertrag aufgefordert wird, Auskunft über Fabrikationsgeheimnisse zu geben. Das Hauptinteresse der Alliierten richtet sich auf Spreng- und Giftstoffe.

Die Bewohner der Insel Föhr, die bei der Abstimmung in Schleswig mitentscheiden sollen, ob sie künftig zum Deutschen Reich oder zu Dänemark gehören, bekennen sich auf Wahlversammlungen mit großer Mehrheit zum Deutschen Reich. Die entsprechenden Veranstaltungen des dänischen Wählerverbands sind nur spärlich besucht.

Im deutschen Reichsministerium des Innern in Berlin wird der Vorentwurf für ein Gesetz über die Einführung der Filmzensur besprochen. Unterstaatssekretär Theodor Lewald verlangt, das Kino müsse “ein brauchbares Volksbildungs- und Unterhaltungsmittel” werden.

8.12.1919, Montag

Der Oberste Rat der Alliierten in Paris legt die Curzon-Linie als provisorische Ostgrenze Polens fest; sie verläuft von der Bahnlinie Dünaburg-Grodno über Brest bis Przemysl und von dort weiter Richtung Süden. Sie ist benannt nach dem britischen Politiker George Nathaniel Curzon.

Der Regisseur und Theaterleiter Max Reinhardt eröffnet im Untergeschoss des Großen Schauspielhauses in Berlin sein Kabarett “Schall und Rauch”.

Bei der Eröffnung der neuen Sitzungsperiode der französischen Abgeordnetenkammer in Paris wird die Rückkehr der Vertreter Elsass-Lothringens als “Beginn einer neuen Ära in der Geschichte Frankreichs” gefeiert.

9.12.1919, Dienstag

Die hessische Volkskammer in Darmstadt nimmt den Entwurf einer endgültigen Verfassung für den Volksstaat Hessen an.

Das deutsche Auswärtige Amt in Berlin veröffentlicht eine vierbändige Aktensammlung zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs unter dem Titel “Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch”.

Der spanische Ministerpräsident Joaquín Sánchez de Toca tritt zurück. Dies ist der dritte Kabinettswechsel in diesem Jahr im von inneren Unruhen erschütterten Spanien. Am 13. Dezember bildet Manuel Allendesalazar eine Koalitionsregierung.

Nach Pressemeldungen hat der Verband deutscher Reichsangehöriger in Mexiko 50mal 5000 Mark überwiesen, die dafür bestimmt sind, “darbende deutsche Kinder und Frauen zum Weihnachtsfeste mit Geld, Kleidung, Lebensmitteln und Heizstoffen zu versehen”. Das Geld soll durch Vertrauensleute der Behörden verteilt werden “ohne Unterschied von Partei und Glauben”.

10.12.1919, Mittwoch

In der schwedischen Hauptstadt Stockholm vergibt die Schwedische Akademie der Wissenschaften die Nobelpreise.

11.12.1919, Donnerstag

Der erste Flug von Großbritannien nach Australien geht nach 27 Tagen erfolgreich zu Ende.

Der große Bergarbeiterstreik in Indianapolis, der am 1. November begonnen hat, wird auf der Grundlage von Vorschlägen des US-Präsidenten Woodrow Wilson beigelegt; Wilson sprach sich u.a. für 40% Lohnerhöhungen aus.

In Madrid beginnt ein zweitägiger außerordentlicher Parteitag der spanischen Sozialisten. Bei der Abstimmung entscheiden sich die Delegierten mit geringer Mehrheit für den Anschluss an die neugegründete, reformistisch ausgerichtete (Genfer) Zweite Internationale und damit gegen die (Moskauer) Dritte Internationale.

Der Tiroler Landtag in Innsbruck nimmt einen Dringlichkeitsantrag an, nach dem Verhandlungen mit der österreichischen Staatsregierung in Wien aufgenommen werden sollen über den Zusammenschluss von Tirol und dem Deutschen Reich zu einem Wirtschaftsgebiet.

Der Volksrat des deutschen Volksstaats Reuß in Gera nimmt den Vertrag über die Abfindung des ehemaligen Fürstenhauses an. Von den auf 64 Millionen Mark bewerteten Besitztümern müssen u.a. Forsten, Schlösser, Parks, das ehemalige Hoftheater und die Hofkapelle im Gesamtwert von 30 Millionen Mark an den Staat abgetreten werden.

In London beginnen viertägige Gespräche zwischen dem britischen Premierminister David Lloyd George und dem französischen Ministerpräsidenten Georges Benjamin Clemenceau.

12.12.1919, Freitag

Im Budapester Terroristenprozess werden 14 Männer wegen mehrerer Morde während der Zeit der Räterepublik zum Tod durch den Strang verurteilt. Die Urteile werden am 18. Dezember vollstreckt.

Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien) ordnet die sofortige Entlassung aller österreichischen und ungarischen Kriegsgefangenen an.

13.12.1919, Samstag

Die Deutsche Nationalversammlung in Berlin nimmt den Gesetzentwurf über die Verfolgung von Kriegsverbrechen und Kriegsvergehen an. Das Gesetz sieht die Verpflichtung der Behörden zur Verfolgung von Kriegsstraftaten auch für den Fall vor, dass die Tat im Ausland begangen wurde.

In Leipzig wird der Parteitag der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) eröffnet.

Der Oberste Rat der Alliierten beschließt in London, die Unterstützung der “Weißen”, antisowjetischen Armeen in Russland einzustellen.

14.12.1919, Sonntag

Bei den Stadtverordnetenwahlen in Danzig erhalten die Polen nur fünf Mandate bzw. 8% der Stimmen. Die anderen Mandate gehen an die vereinigte SPD (20), an die DNVP (14), die Wirtschaftliche Vereinigung (10), die DDP (9) und das Zentrum (8).

Am Jahrestag der Ermordung des portugiesischen Diktators Sidónio Bernadino Cardoso da Silva Pais kommt es zu Unruhen in Lissabon und Porto, nachdem die republikanische Regierung alle Gedächtnisfeiern verboten hat.

Das Schloss von Compiègne in der Picardie wird durch eine Feuerbrunst stark beschädigt.

15.12.1919, Montag

Der Nationalrat in Fiume stimmt den Vorschlägen der italienischen Regierung für eine Übergangsregelung zu. Danach wird Fiume von italienischen Truppen besetzt.

Der Landtag von Mecklenburg-Schwerin in Schwerin nimmt gegen die Stimmen der Sozialdemokraten den Abfindungsvertrag zwischen dem Freistaat und dem ehemaligen Großherzog Friedrich Franz IV. an. Der Großherzog erhält außer seinem Privatvermögen vier Güter im Wert von 2,122 Millionen Mark, ausgedehnte Waldungen, zwei Schlösser mit Nebengebäuden und Gärten, drei Sommerwohnungen, ein Kavaliergehöft und sechs Millionen Mark in bar.

Das Volksgericht am Landgericht München I verurteilt die Landtagsmörder vom 21. Februar zu hohen Freiheitsstrafen. Der Hauptangeklagte, der Metzger Lindner, erhält 14 Jahre Zuchthaus. Ihm wird “niedrige Gesinnung” nachgewiesen.

Die preußische Landesversammlung in Berlin stimmt einem Gesetzentwurf zu, der eine Erweiterung des Stadtkreises Hannover um Linden vorsieht.

Papst Benedikt XV. ernennt in einer Kardinalsversammlung, einem geheimen Konsistorium, im Vatikan sieben neue Kardinäle, darunter den Fürstbischof von Breslau, Adolf Johannes Bertram.

In der preußischen Landesversammlung in Berlin beginnen dreitägige Beratungen über den Antrag der Regierungsparteien auf Schaffung eines deutschen Einheitsstaates ohne Länderparlamente. Angesichts des wirtschaftlichen Elends, so die Regierung, könne sich das Deutsche Reich nicht länger 168 Minister und 3000 Abgeordnete leisten.

16.12.1919, Dienstag

Der US-Bundesgerichtshof weist Klagen gegen das Gesetz über das Alkoholverbot ab und erklärt es für verfassungsmäßig.

Nach einer Meldung der französischen Zeitung “Journal des débats” haben die französischen Truppen die Verwaltung des türkischen Kilikien in Südost-Anatolien übernommen.

Der Volksrat des künftigen Freistaats Thüringen, zu dem sich mehrere deutsche Länder, darunter die sächsischen und die Schwarzburger Staaten, zusammenschließen, tritt in Weimar zusammen.

Die Rückführung der deutschen Truppen aus dem Baltikum ist mit der Ankunft des Detachements “Roßbach” auf deutschem Boden beendet.

Der Landtag von Salzburg nimmt einen Antrag an, nach dem der Landesrat den Obersten Rat der Alliierten in Paris ersuchen soll, den wirtschaftlichen Anschluss Salzburgs an das bayerische Wirtschaftsgebiet zu ermöglichen.

Die Rote Armee, die auf dem Vormarsch gegen die sog. Weißen Truppen ist, erobert die ukrainische Hauptstadt Kiew.

17.12.1919, Mittwoch

Die österreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien verabschiedet die Gesetzesvorlage über die Einführung des Achtstundentags in allen gewerblichen Betrieben des Landes.

Die Deutsche Nationalversammlung in Berlin verabschiedet das Reichsnotopfergesetz. Es sieht eine einmalige Vermögensabgabe zur teilweisen Abdeckung der Reichsschulden vor. Große Teile der Bevölkerung werden zur Zahlung des Notopfers herangezogen. Finanzminister Matthias Erzberger (Zentrum) sieht im Reichsopfer auch ein “Sühneopfer für den mammonistischen Geist” vieler Deutscher.

Der preußische Kultusminister Konrad Haenisch (MSPD) fordert in einem Erlass zur Pflege der plattdeutschen Sprache auf.

18.12.1919, Donnerstag

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung in der Türkei erzielen die nationalistischen Parteien große Stimmengewinne.

Das finnische Parlament in Helsingfors (Helsinki) nimmt ein Amnestiegesetz an, durch das alle früheren Rotgardisten begnadigt werden.

Die Deutsche Nationalversammlung in Berlin verschärft die bisher geltenden Bestimmungen des Strafgesetzbuchs über das Glücksspiel. Hintergrund dieser Maßnahme ist eine starke Ausbreitung von Spielkasinos und Glücksspielveranstaltungen.

Das Gesetz über die Sozialisierung (Verstaatlichung) der Elektrizitätswirtschaft wird von der Deutschen Nationalversammlung in Berlin angenommen.

19.12.1919, Freitag

In Dublin wird auf John Denton Pinkstone French, den britischen Lord Lieutenant in Irland, ein erfolgloses Bombenattentat verübt.

Der frühere Volksbeauftragte und erste Reichsministerpräsident, Philipp Scheidemann (MSPD), wird zum Oberbürgermeister von Kassel gewählt.

Der bayerische Landtag in München genehmigt mehrere Anträge über den Ausbau von Wasserkraftwerken. So soll das Bayernwerk nach den Plänen Oskar von Millers ausgebaut werden.

Die im bayerischen Landtag vertretenen Parteien lehnen die von den preußischen Regierungsparteien geforderte Schaffung eines deutschen Einheitsstaats ohne Länder entschieden ab.

20.12.1919, Samstag

Die badische Regierung in Karlsruhe erhebt Einspruch gegen die von den preußischen Mehrheitsparteien vorgeschlagene Schaffung eines deutschen Einheitsstaats. Die Länder sehen ihre Interessen durch die Schaffung eines Einheitsstaats gefährdet.

21.12.1919, Sonntag

Das britische Unterhaus in London verabschiedet das neue Fremdengesetz, das an die Stelle der bisher gültigen Kriegsbestimmungen tritt. Danach können alle Ausländer, auch solche aus den mit Großbritannien verbundenen Ländern, als unerwünscht von der Einreise ausgeschlossen werden, wenn ihre Anwesenheit “nachweislich von Schaden ist”.

22.12.1919, Montag

Im britischen Unterhaus in London gibt Premierminister David Lloyd George die mit Spannung erwarteten Pläne der Regierung zur Lösung der irischen Frage bekannt.

Vertreter aller nichtsozialistischen deutschen Parteien in Böhmen überreichen dem tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Wlastimil Tusar in Prag eine Denkschrift mit der Forderungen der Deutschen im Vielvölkerstaat. Verlangt wird u.a. die Auflösung der Nationalversammlung und die Ausschreibung von Neuwahlen zu einer verfassunggebenden Nationalitätenversammlung.

Die sowjetische Regierung ersucht Polen um unmittelbare Einleitung von Friedensverhandlungen.

Das US-amerikanische Repräsentantenhaus in Washington genehmigt das Einwanderungsgesetz, das die Deportation aller Ausländer vorsieht, die anarchistischen Organisationen angehören. Einen Tag später werden auf dem Marinetransportschiff “Busard” 249 “Anarchisten” von New York nach Sowjetrussland abgeschoben. Das Justizministerium erklärt, die sowjetrussischen Staatsangehörigen seien eine Gefahr für Gesetz und Ordnung.

23.12.1919, Dienstag

Der britische König Georg V. betont in London den Willen der britischen Behörden, die für Indien vorgesehene Verfassungsreform durchzuführen.

Die gothaische Landesversammlung in Gotha nimmt die Verfassung des nach der Novemberrevolution von 1918 entstandenen Freistaats an.

Der lippische Landtag in Detmold nimmt den Vergleich mit dem ehemaligen Fürsten an. Dieser erhält das frühere Residenzschloss in Detmold, das Jagdschloss Lopshorn, Gestüt und Teile des Jagdbezirks Lopshorn, die Oberförsterei Berlebeck, an Grundbesitz insgesamt 3527 ha; ferner eine Million Mark bar, einige Fonds in Höhe von rund 900 000 Mark und Teile des Hausschmucks.

Das Kopenhagener Pressebüro des baltischen Staats Lettland veröffentlicht Berichte über den Abschluss eines lettisch-litauischen Militärpakts.

24.12.1919, Mittwoch

Die deutsche Reichsregierung unter Gustav Bauer (MSPD) übermittelt den deutschen Kriegsgefangenen die Weihnachtsgrüße des “deutschen Vaterlandes”.

Im Deutschen Reich wird die erste “Friedensweihnacht” seit 1914 gefeiert.

25.12.1919, Donnerstag

Von Rhein, Mosel, Saar und Main wird Hochwasser gemeldet, das in den folgenden Tagen noch ansteigt. In Köln tritt der Rhein über die Werftmauern und überflutet mehrere Straßen; der Hafenverkehr muss eingestellt werden. In Heidelberg ist der Neckar über die Ufer getreten und hat zahlreiche Gassen unter Wasser gesetzt.

26.12.1919, Freitag

In Genf beginnt der Internationale Kongress der sozialistischen Studenten (bis zum 29. Dezember). Die Frage des Anschlusses an die reformistisch orientierte Zweite (Genfer) oder Dritte (Moskauer) Internationale oder die Gründung einer internationalen Vereinigung der revolutionären Studenten führt zur Spaltung des Kongresses.

Der sowjetische Rat der Volkskommissare in Moskau erlässt das Dekret über die Abschaffung des Analphabetentums. Die sowjetische Führung sieht in der Beseitigung des verbreiteten Analphabetentums die einzige Möglichkeit zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.

27.12.1919, Samstag

In Berlin beginnt der zwölfte Kongress der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften (Syndikalistenkongress). Der bis zum 30. Dezember tagende Kongress “erklärt sich solidarisch mit der russischen Sowjetrepublik”.

28.12.1919, Sonntag

Die deutsche Mark fällt an den internationalen Devisenmärkten auf den tiefsten Stand seit Jahresbeginn.

Die deutsche Reichshauptstadt Berlin leidet unter strengem Frost. Temperaturen von bis zu 14 Grad unter dem Gefrierpunkt beeinträchtigen den Verkehr und verschlimmern die ohnehin kritische Lage in der Brennstoffversorgung.

29.12.1919, Montag

Im deutschen Reichsministerium des Innern wird das Amt für künstlerische Beratung des Reichs geschaffen. Die Leitung als “Reichskunstwart” übernimmt der Kunsthistoriker Edwin Redslob.

30.12.1919, Dienstag

Das rumänische Parlament in Bukarest ratifiziert die Verordnungen König Ferdinands I. über die Eingliederung aller “befreiten” Gebiete (Bessarabien, Bukowina, Siebenbürgen, Maramures).

31.12.1919, Mittwoch

Sowjetrussland und Estland schließen in Dorpat einen Waffenstillstand. Auch die anderen Baltenstaaten verhandeln mit Moskau.

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris beschließt eine drastische Erhöhung der Eisenbahntarife: Um 55% für die erste, 50% für die zweite und 45% für die dritte Klasse. Warentransporte sollen um 115% teurer werden.