Was geschah im Dezember 1943

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1.12.1943, Mittwoch

An der Ostfront erscheint ein Flugblatt mit einem Gedicht des deutschen Exilanten Erich Weinert.

Arthur Liebehenschel wird Nachfolger von Rudolf Höß als Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz.

Benito Mussolini, der Ministerpräsident der faschistischen italienischen Gegenregierung, ordnet an, dass alle Juden des Landes in ein Konzentrationslager eingewiesen werden sollen. Ihr Vermögen wird beschlagnahmt.

Der isländische Althing beschließt die Einführung der Staatsform der Republik zum 17. Mai 1944.

Der im US-Exil lebende deutsche Schriftsteller Bertolt Brecht schreibt an seinen ebenfalls in die USA emigrierten Kollegen Thomas Mann, um ihn von der Wichtigkeit des Widerstands im Deutschen Reich zu überzeugen.

Charlie Rivel spielt die Hauptrolle in dem Film “Akrobat schö-ö-ön”, der in Berlin uraufgeführt wird.

2.12.1943, Donnerstag

Auf dem Balkan beginnt die deutsche Aktion “Kugelblitz” gegen die Partisanen unter der Führung von Josip Broz Tito.

In der Nacht zum 3. Dezember greifen deutsche Bomber die italienische Hafenstadt Bari an. Dabei werden 19 Handelsschiffe mit 73 343 Bruttoregistertonnen zerstört, sieben weitere werden schwer beschädigt.

In New York wird das Musical “Carmen Jones” von Oscar Hammerstein (Buch/Songtexte) mit der Musik von Georges Bizet uraufgeführt.

3.12.1943, Freitag

In der Nacht zum 4. Dezember bombardieren britische Flugzeuge Leipzig; 1182 Menschen finden den Tod.

In Kairo konferieren vier Tage lang US-Präsident Franklin D. Roosevelt, der britische Premierminister Winston Churchill und der türkische Staatspräsident Ismet Inönü.

In Nürnberg wird der Film “Johann” mit Theo Lingen uraufgeführt. Regisseur ist Robert A. Stemmle.

4.12.1943, Samstag

Die Rote Armee tritt westlich von Kritschew zu einem Angriff gegen die 9. deutsche Armee an.

Mit einem Fußballspiel zwischen der Mannschaft des Deutschen Reichs und Mandschukuos, das die Deutschen 3:0 gewinnen, werden die zweitägigen Ostasienspiele in Tokio eröffnet.

5.12.1943, Sonntag

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler ordnet die vordringliche Fertigung des Düsenjägers “Me 262” für den Jagdbombereinsatz an.

In allen Gauen der NSDAP finden Feierstunden zum Thema “Frau und Mutter” statt; auf der Reichsfeier in Würzburg nennt Oberbefehlsleiter Erich Hilgenfeldt “zwei Formen letzter Einsatzbereitschaft: Soldatentum und Mutterschaft”.

6.12.1943, Montag

Die Rote Armee nimmt ihre Angriffe gegen die Truppen der Wehrmacht an der Nahtstelle zwischen der 1. Panzerarmee und der 8. Armee im großen Dnjepr-Bogen wieder auf.

Im Raum von Schitomir eröffnet die 4. deutsche Panzerarmee einen neuen Angriff gegen den sowjetischen Durchbruchskeil westlich von Kiew.

Der Film “War of the Wildcats” (Die Hölle von Oklahoma) mit John Wayne u.a. wird uraufgeführt.

7.12.1943, Dienstag

Im Hauptquartier “Wolfsschanze” empfängt Führer und Reichskanzler Adolf Hitler den niederländischen Regierungschef Anton Adriaan Mussert zu einer längeren Aussprache.

Im Deutschen Reich wird erstmals der “Tag des deutschen Eisenbahners” begangen. 95 Eisenbahner erhalten das Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern, 66 das Kriegsverdienstkreuz ohne Schwerter.

In Weimar findet eine Kriegsarbeitstagung der deutschen Presse statt.

8.12.1943, Mittwoch

Deutsche und rumänische Einheiten zerschlagen den sowjetischen Landekopf auf der Krim bei Eltigen. 2000 Rotarmisten werden bei dem Angriff gefangengenommen.

Die britischen Truppen in Süditalien greifen die deutschen Stellungen an den Osthängen des Majella-Gebirges an.

Im New Yorker Morosco Theatre wird das Theaterstück “The Voice of the Turtle” (Das Lied der Taube) des US-amerikanischen Schriftstellers John William Van Druten uraufgeführt.

9.12.1943, Donnerstag

Reichsinnenminister Heinrich Himmler entschließt sich zur Kontaktaufnahme mit einem US-amerikanischen Gesandten in Stockholm, um über einen möglichen Waffenstillstand zu verhandeln. Das Gespräch kommt jedoch nicht zustande.

Verbände der chinesischen Streitkräfte erobern die Stadt Tschangteh an der japanisch-chinesischen Zentralfront zurück.

10.12.1943, Freitag

Generalfeldmarschall Erwin Rommel meldet von einer Inspektionsreise einen “befriedigenden Zustand” der deutschen Verteidigungsanlagen, die zur Zeit in Dänemark gebaut werden.

Bomber der US-amerikanischen Luftwaffe greifen Sofia an.

Der deutsche Weihnachtsreiseverkehr zwischen dem 15. Dezember und dem 3. Januar 1944 wird untersagt, sofern es keine kriegswichtigen Gründe gibt.

Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Cordell Hull, fordert Ungarn, Rumänien und Bulgarien zum Kriegsaustritt auf.

Eine Delegation des schweizerischen Roten Kreuzes beginnt einen zwölftägigen Besuch bei von Rumänien in die Südukraine deportierten Juden.

12.12.1943, Sonntag

Das Oberkommando der deutschen Wehrmacht gibt eine Beurteilung zur erwarteten Landung der Alliierten im Westen ab.

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler lehnt eine Räumung des Dnjepr-Bogens durch die deutschen Truppen ab.

Die Sowjetunion und die tschechoslowakische Exilregierung mit Staatspräsident Eduard Bene schließen einen Vertrag über die wechselseitige Hilfe und Zusammenarbeit nach Kriegsende.

13.12.1943, Montag

Die Rote Armee tritt zu einem Angriff gegen die 3. deutsche Panzer-Armee im Raum zwischen Witebsk und Newel an.

Die US-Luftwaffe fliegt ihren bisher größten Tagesangriff auf norddeutsche Städte.

Im griechischen Kalavrita werden nach einem Partisanenüberfall auf deutsche Soldaten zur Vergeltung 689 Einheimische erschossen.

Martin Bormann, der Leiter der Kanzlei der NSDAP, untersagt im Auftrag von Führer und Reichskanzler Adolf Hitler Alfred Rosenberg die Gründung einer “Akademie für wehrgeistige Forschung”.

In Berlin tagen die Leiter der Reichspropagandaämter; Reichspropagandaminister Joseph Goebbels betont, dass durch die alliierten “Terrorangriffe” die Widerstandskraft der deutschen Bevölkerung nur gestärkt werden könne.

Laut Pressemeldungen breitet sich in ganz Nordamerika eine Grippeepidemie aus, in einigen Städten der USA entstehen bei der Kriegsproduktion Probleme durch das Fehlen zahlreicher erkrankter Arbeiter.

In München wird der Film “Die keusche Sünderin” mit Joe Stöckel in der Hauptrolle und als Regisseur uraufgeführt.

15.12.1943, Mittwoch

Die Rote Armee tritt südlich von Schlobin mit starken Panzer- und Infanterieverbänden zu einem Angriff an.

US-amerikanische Bomber greifen Innsbruck an, wo es 281 Tote und über 500 Verletzte gibt.

US-amerikanische Truppen landen in Arawe und am 26. Dezember bei Cape Gloucester (Neubritannien).

Die UdSSR erkennt das jugoslawische Volksbefreiungskomitee unter Marschall Josip Tito als jugoslawische Regierung an und löst die Beziehungen zur Exilregierung in Kairo. Die USA und Großbritannien erkennen Tito als “gleichberechtigten alliierten Befehlshaber” an.

Die alliierte “European Advisory Commission” (Europäische Beratende Kommission) nimmt in London ihre Arbeit auf.

Bei den Bundesratswahlen in der Schweiz erhält mit Ernst Nobs erstmals ein Sozialdemokrat einen Sitz in der Bundesregierung.

In der Schweiz wird die Aufhebung der Verdunklung am Heiligen Abend, d. h. in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, verfügt.

In Kansas City (USA) stirbt 39jährig der US-amerikanische Jazzmusiker Fats Waller.

16.12.1943, Donnerstag

Beiderseits von Mignano in Süditalien tritt die 5. US-Armee zum Angriff an; Adolf Hitler erlaubt hier die Zurücknahme der deutschen Front auf eine Riegelstellung.

Britische Bomber greifen Berlin an und werfen 1815 t ihrer tödlichen Fracht auf die Stadt.

Eine schwere Lungenentzündung des britischen Premierministers Winston Churchill führt zu Spekulationen über seinen möglichen Nachfolger.

In Paris eröffnet der Vertreter von Subhas Chandra Bose in Europa eine Dienststelle “Freies Indien”.

Antragsdelikte und Bagatellsachen sollen von der Kriminalpolizei im Deutschen Reich künftig nicht mehr bearbeitet werden.

17.12.1943, Freitag

Der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, Albert Speer, fordert für die Produktion des Düsenjägers vom Typ “Me 262” 3000 Werkzeugmacher, die ihm zunächst für vier Monate aus dem Heer zur Verfügung gestellt werden sollen.

In London wird auf tschechoslowakische Initiative hin ein Panslawisches Komitee zur Förderung der Unabhängigkeit der slawischen Staaten gegründet.

Bei der Kollision zweier Schnellzüge bei Rocky Mount im US-Bundesstaat North Carolina bei dichtem Schneetreiben kommen über 100 Menschen ums Leben.

In Berlin wird der Farbfilm “Immensee” von Veit Harlan mit Kristina Söderbaum, Carl Raddatz, Paul Klinger, Otto Gebühr u.a. uraufgeführt.

18.12.1943, Samstag

Generalfeldmarschall Erwin Rommel bricht zur Inspektion der deutschen Verteidigungsanlagen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden auf.

Das deutsche Unternehmen “Kugelblitz” gegen die Tito-Partisanen auf dem Balkan geht weitgehend erfolglos zu Ende; am selben Tag tritt das 5. SS-Gebirgskorps zu einem neuen Unternehmen (“Schneesturm”) an.

In der sowjetischen Stadt Charkow werden drei Deutsche zum Tode verurteilt und am folgenden Tag öffentlich gehängt.

In den italienischen Städten Turin, Mailand, Venedig und Mestre kommt es zu Arbeiterstreiks.

Bei der Explosion eines deutschen Munitionstransporters in Oslo kommen 35 Menschen ums Leben.

Die Presse im Deutschen Reich wirbt für das Winterhilfswerk 1943/44 mit Sprüchen wie: “Der Sinn unseres Sieges ist: Den Siegeslorbeer einem gesunden, ewig lebensstarken Volke zu reichen! Im Kriegswinterhilfswerk hilfst Du mit, unser Volk lebensstark zu erhalten.”

20.12.1943, Montag

Die deutschen Truppen an der Ostfront räumen den Brückenkopf Cherson am Unterlauf des Dnjepr.

Die US-amerikanische Luftwaffe richtet Tagesangriffe auf Augsburg, Bremen und Innsbruck.

In der Nacht zum 21. Dezember werfen britische Flugzeuge 2070 t Bomben auf Frankfurt am Main.

Die Alliierten beginnen mit einer Reihe von Luftangriffen auf die deutschen Abschussrampen von “Vergeltungs”-Waffen in Westfrankreich.

In der abendlichen Lagebesprechung gibt Führer und Reichskanzler Adolf Hitler seiner Sorge Ausdruck, “dass im Frühjahr der Angriff im Westen kommen wird”.

In Bolivien kommt es zu einem erfolgreichen Putsch; Präsident Enrique Peñaranda y del Castillo wird durch General Gualberto Villaroel abgelöst.

Wegen der Lederknappheit wird die Herstellung von Schuhen im Deutschen Reich neu geregelt; Schuhe aus Ersatzmaterialien wie Schilf und Stroh haben sich aber bislang nicht bewährt.

21.12.1943, Dienstag

Die britischen Truppen in Süditalien nehmen ihre Angriffe im Frontabschnitt an der adriatischen Küste wieder auf.

Arthur Seyß-Inquart wird zum neuen Präsidenten der Deutschen Akademie ernannt.

In Berlin wird der Film “Wildvogel” von Johannes Meyer mit Leny Marenbach, Volker von Collande, Werner Hinz u.a. uraufgeführt.

22.12.1943, Mittwoch

Adolf Hitler befiehlt die Einrichtung eines NS-Führungsstabes beim Oberkommando der deutschen Wehrmacht; er soll der politischen Erziehung der Offiziere dienen.

US-Bomber greifen den Raum Rheine- Münster- Osnabrück an.

Die britische Presse berichtet erstmals ausführlich über eine deutsche “Geheimwaffe”.

Der Rat der Volkskommissare in der UdSSR billigt die neue, patriotische Textfassung der sowjetischen Nationalhymne; sie löst “Die Internationale” ab.

Die deutsche Schriftstellerin Isolde Kurz erhält die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.

23.12.1943, Donnerstag

In der Nacht zum 24. Dezember greift die britische Luftwaffe mit 338 Flugzeugen Berlin an und wirft 1288 t Bomben auf die Reichshauptstadt.

Adolf Hitler beauftragt den Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, Albert Speer, mit dem Wiederaufbau der deutschen Städte.

Reichsjustizminister Otto Georg Thierack untersagt die Durchführung von Hauptversammlungen der Aktiengesellschaften im Deutschen Reich im Jahr 1944; die Amtsdauer der Aufsichtsratsmitglieder wird bis zur nächsten Hauptversammlung verlängert.

24.12.1943, Freitag

An der Straße zwischen Kiew und Schitomir tritt die Rote Armee zu einem neuen Angriff gegen die 4. deutsche Panzerarmee an.

Der US-amerikanische General Dwight D. Eisenhower wird alliierter Oberbefehlshaber für die geplante Invasion in Frankreich.

In Stockholm beginnen geheime sowjetisch-rumänische Waffenstillstandsgespräche.

Reichspropagandaminister Joseph Goebbels wendet sich anlässlich der fünften Kriegsweihnacht mit einer Ansprache zum “deutschesten unter den deutschen Festen” an die Bevölkerung im Deutschen Reich.

US-Präsident Franklin Delano Roosevelt erklärt die Bereitschaft der Alliierten, dem Deutschen Reich nach Kriegsende die Möglichkeit zu geben, “sich friedlich zu einem nützlichen und achtbaren Glied der europäischen Völkerfamilie zu entwickeln”; man werde aber nicht noch einmal den Fehler von 1918 wiederholen und sich frommen Sprüchen hingeben.

25.12.1943, Samstag

Das deutsche Schlachtschiff “Scharnhorst” läuft zusammen mit fünf Zerstörern aus einem Fjord in Nordnorwegen zu einem Angriff auf einen alliierten Geleitzug aus.

Die US-amerikanische Luftwaffe bombardiert Bozen in Tirol.

Das Ernährungshilfswerk im Deutschen Reich fordert die Ablieferung aller Küchenabfälle und Speisereste.

26.12.1943, Sonntag

In Süditalien dringt die 8. britische Armee in den Südteil von Ortona ein, wo sich heftige Straßenkämpfe entwickeln.

Bei einem Angriffsversuch auf einen alliierten Geleitzug im Nordmeer wird das deutsche Schlachtschiff “Scharnhorst” versenkt.

Auf dem Balkan geht die deutsche Operation “Panther” zu Ende.

27.12.1943, Montag

In einer Ergänzung zu der von Adolf Hitler im Vormonat erlassenen strategischen Weisung zur Abwehr einer Invasion im Westen heißt es: “Der feindliche Aufmarsch in Südengland geht seiner Vollendung entgegen … Ab Mitte Februar ist jederzeit mit dem Beginn der feindlichen Großlandung zu rechnen”.

Der US-amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt erteilt angesichts drohender Streiks Innenminister Harold Le Claire Ickes die Vollmacht zur Beschlagnahmung sämtlicher Eisenbahnen des Landes.

Im Deutschen Reich wird eine zentrale Verteilungsstelle für gebrauchte Fässer eingerichtet.