Was geschah im Februar 1901

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Wetterstationen Februar 1901

1.2.1901, Freitag

In Petersburg (heute Leningrad) gibt das russische Innenministerium Missernten in verschiedenen Landesteilen bekannt. Die Regierung unter Ministerpräsident Iwan N. Durnowo stellt daraufhin 1,5 Mio. Rubel (rd. 3,24 Mio. Mark) zur Unterstützung der notleidenden Gebiete bereit.

Ein reichsgerichtliches Urteil erklärt ein in Lübeck erlassenes Verbot gewerkschaftlicher Streikposten für unzulässig. Nach Angaben der Richter steht es im Widerspruch zu Gewerbeordnung und Strafgesetzbuch. Als Folge des Urteils muss eine entsprechende Polizeiverordnung in Lübeck aufgehoben werden.

Die 34-Jährige berühmte französische Chansonsängerin Yvette Guilbert gastiert unter starkem Publikumsandrang im Berliner Metropol-Theater. Sie wurde bekannt durch ihre gefeierten Auftritte in Pariser Variétes. Ihr Engagement in Berlin dauert einen Monat lang.

Das Reichspostamt in Berlin meldet, dass der Fernsprechverkehr zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich bedeutend erweitert wird. Zwischen Berlin und zwölf französischen Provinzstädten sollen Verbindungen eingerichtet werden.

Die Reichsbank richtet in Würzburg eine neue Reichsbankstelle ein. Außerdem werden weitere Nebenstellen eröffnet (u.a. in Hersfeld und im elsässischen Zabern).

2.2.1901, Samstag

In Mexiko erringen aufständische Yaqui-Indianer einen Sieg über Regierungstruppen.

In London findet das feierliche Leichenbegängnis für die verstorbene britische Königin Victoria statt. Zahlreiche ausländische Herrscher nehmen an der Zeremonie teil. Am 4. Februar wird der Leichnam in der Familiengruft in Frogmore beigesetzt.

Die Berliner Illustrierte “Die Woche” berichtet, wie Automaten den Alltag verändern. Als Beispiele führt die Zeitschrift Inseraten-, Brief- und Lichtautomaten an.

3.2.1901, Sonntag

Eine mehrere Tage andauernde Brandkatastrophe im russischen Erdölgebiet von Baku fordert mehrere hundert Tote.

In Essen tagt die Generalversammlung christlicher Bergleute. Sie spricht sich angesichts hoher Kohlenpreise gegen eine Herabsetzung der Löhne aus und fordert, dass Arbeiter an der Grubenkontrolle beteiligt werden. Der “Gewerkverein christlicher Bergarbeiter” entstand 1894 als eine der ersten katholischen Gewerkschaften auf Betreiben von August Brust.

Im Rahmen der achten Generalversammlung des Internationalen Vereins Kneippscher Ärzte wird in München eine Ausstellung von Kneipp’schen und Wörishofen’schen Heilmitteln eröffnet. Sie zieht innerhalb von drei Tagen insgesamt 10 000 Besucher an.

Mit dem sog. Herrschaftsball erreicht die Faschingszeit in München einen ihrer Höhepunkte.

4.2.1901, Montag

Im preußischen Abgeordnetenhaus beginnt die erste Lesung der heftig umstrittenen sog. Kanalvorlage. Sie sieht u.a. den Bau des Mittellandkanals vor.

In Österreich beginnt die Sitzungsperiode des Reichsrats. Die Abgeordneten wählen Moritz Graf Vetter von der Lilie (Mährische Mittelpartei des Großgrundbesitzes) zum Präsidenten.

Eine Welfen-Versammlung wird in der niedersächsischen Stadt Hildesheim von der Polizei aufgelöst. Auf dem Treffen hatten Welfen-Anhänger zuvor die Wiedereinsetzung des Welfen-Herrschers gefordert. Der König von Hannover, der Welfe Georg V., wurde 1866 im Zuge der preußischen Annexion Hannovers abgesetzt. Wegen seiner antipreußischen Aktivitäten wurde das Privatvermögen des hannoverschen Königshauses beschlagnahmt. Die konservativ-föderalistische Deutsch-Hannoversche Partei, die sog. Welfenpartei, strebt seit 1869 die Restauration der welfischen Dynastie an.

5.2.1901, Dienstag

In Berlin tritt die 29. Vollversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrates unter Vorsitz von Hans Graf von Schwerin-Löwitz zusammen. Die Delegierten fordern von der Reichsregierung die Anerkennung als “öffentlichrechtliche Corporation”. Der Landwirtschaftsrat gilt als konservative Lobbyorganisation.

6.2.1901, Mittwoch

Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Giuseppe Saracco erklärt in Rom ihren Rücktritt. Saracco hatte am 24. Juni 1900 die Nachfolge von Luigi Pelloux angetreten. Sein Nachfolger wird am 15. Februar Giuseppe Zanardelli.

Der Militärausschuss der französischen Abgeordnetenkammer fordert die Regierung auf, die einjährige Militärdienstzeit einzuführen. Bisher gilt offiziell eine dreijährige Dienstzeit.

7.2.1901, Donnerstag

Im Deutschen Reich werden Pläne zur Erprobung elektrischer Schnellbahnen mit Geschwindigkeiten von 200 km/h bekannt.

Die 21-Jährige niederländische Königin Wilhelmina heiratet in Den Haag den Herzog Heinrich von Mecklenburg-Schwerin.

Der britische Außenminister Henry Marquess of Lansdowne erklärt, dass er auf deutsche und japanische Hilfe gegen ein russisch-chinesisches Sonderabkommen über die Mandschurei rechnet. Russland will das Abkommen von China erpressen.

Die umstrittene Kanalvorlage wird vom preußischen Landtag nach dem Ende der ersten Lesung einer 28köpfigen Kommission zur Beratung überwiesen.

8.2.1901, Freitag

Einem Beschluss der britischen Regierung zufolge werden die Truppen im südafrikanischen Burenkrieg um 30 000 Mann starke berittene Einheiten verstärkt.

Im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin wird die Diskriminierung von Juden thematisiert. Kritisiert wird, dass die Regierung Juden im Justizdienst stark benachteilige.

9.2.1901, Samstag

Offizielle britische Stellen bestätigen das Auftreten von Pestfällen im südafrikanischen Kapstadt.

10.2.1901, Sonntag

In München verübt der deutsche Hygieniker Max von Pettenkofer Selbstmord. Der 82-Jährige Pettenkofer, der als Begründer der experimentellen Hygiene gilt, scheidet aus Angst vor geistigem Verfall aus dem Leben.

11.2.1901, Montag

Bei den Nordischen Spielen in Stockholm gewinnt der Schwede Ulrich Salchow die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft vor Gilbert Fuchs aus München. Bester Schnellläufer ist der Finne Franz Frederik Wathen.

Im russischen Kiew wird der sog. Kleine Belagerungszustand verhängt. Der Maßnahme gingen schwere Studentenunruhen voraus.

Die Generalversammlung des einflussreichen konservativen Bundes der Landwirte (BdL) findet in Berlin statt. Wichtigstes Thema ist die Forderung der Landwirte nach einer Erhöhung der Getreidezölle.

12.2.1901, Dienstag

Die Sozialdemokraten Eduard Bernstein und Julius Motteler kehren aus ihrem Londoner Exil ins Deutsche Reich zurück.

13.2.1901, Mittwoch

Auf 30 sozialdemokratischen Volksversammlungen in und um Berlin werden scharfe Resolutionen gegen die geplante Erhöhung der Getreidezölle angenommen.

In Berlin spricht sich Innenminister Georg Freiherr von Rheinbaben gegen die Abschaffung der Theaterzensur aus.

Die belgische Abgeordnetenkammer lehnt einen Beschluss des Senats ab, wonach die Nordseebäder Ostende und Spa ihr Privileg zur Betreibung von Spielbanken behalten sollen. Ein vom Senat bereits verabschiedeter Gesetzentwurf sieht ein Verbot aller Spielbanken mit Ausnahme von Spa und Ostende vor. Bereits Ende Januar gab es im belgischen Parlament heftige Debatten über die Spielbankenfrage.

14.2.1901, Donnerstag

Anlässlich der Eröffnung der britischen Parlamentssitzungen in London kündigt das neue britische Staatsoberhaupt Edward VII. eine Fortsetzung des Burenkrieges bis zur völligen Unterwerfung der Burenrepubliken an. Vertreter der Opposition kritisieren im Oberhaus die Haltung der konservativen Regierung unter Premier Robert Arthur Cecil Marquess of Salisbury. Allerdings sind die oppositionellen Liberalen in der Burenkriegs-Frage gespalten.

Über die spanische Hauptstadt Madrid wird nach schweren Unruhen der Belagerungszustand verhängt. Anlass ist die Hochzeit von Prinz Karl von Bourbon-Caserta mit der Prinzessin von Asturien. Die Spannungen stehen in Zusammenhang mit den massiven sozialen Problemen im Land.

15.2.1901, Freitag

Die deutsche Presse berichtet ausführlich über den Fortgang der Bauarbeiten am Assuan-Staudamm in Ägypten. Das zur Zeit größte Staudamm-Projekt der Welt wird im Jahr 1902 fertiggestellt.

In der ungarischen Hauptstadt Budapest kommt es bei einer Demonstration von Arbeitslosen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Dabei werden drei Personen schwer und 15 leicht verletzt.

Der italienische Politiker Giuseppe Zanardelli bildet in Rom nach dem Rücktritt der Regierung unter Ministerpräsident Giuseppe Saracco am 6. Februar ein neues Kabinett. Wichtigster Politiker wird Innenminister Giovanni Giolitti.

In den Volksschulen der belgischen Hauptstadt Brüssel wird der Religionsunterricht erstmals dem Schulgesetz von 1895 entsprechend erteilt. Dabei versammeln sich die von ihren Eltern nicht vom Religionsunterricht entbundenen Schüler – rund 25 bis 30% – vor und nach den regulären Stunden in gesonderten Räumen. Der Streit um das Schulgesetz hatte in den letzten Jahren für großes innenpolitisches Aufsehen gesorgt.

16.2.1901, Samstag

Das Oberlandesgericht Hamm beendet einen Bestattungsskandal. Zukünftig muss die evangelische Kirchengemeinde Hagen der Beisetzung einer Aschenurne auf einem Familiengrab zustimmen. Die Kirchengemeinde verbot bislang die Beerdigung eines Leichnams, der zuvor im Krematorium von Gotha eingeäschert wurde. Trotz wachsender Anerkennung ist die Feuerbestattung im Deutschen Reich – vor allem bei den Kirchen – noch immer heftig umstritten.

Im Deutschen Reich werden Pläne zur Errichtung einer Brücke über den Kleinen Belt bekannt. Grund für das Projekt ist der ständig wachsende Verkehr zwischen dem Deutschen Reich und Dänemark. Allerdings wird der Plan einer Beltbrücke erst 1935 realisiert.

Im sirmischen Kloster Kruschedol findet die Beisetzung von Milan I. Obrenovic statt, dem früheren König von Serbien (1882- 89). Der am 11. Februar in Wien im Alter von 46 Jahren verstorbene Milan hatte 1889 zugunsten seines Sohnes Alexander I. abgedankt.

Die sozialen Auseinandersetzungen in Frankreich verschärfen sich. In Chalon-sur-Saône (Departement Saône-et-Loire) kommt es zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und französischem Militär. Ende Februar beginnt in Marseille ein Hafenarbeiterstreik.

17.2.1901, Sonntag

Die chinesische Führung unter der Kaiserinwitwe Tz’u Hsi lässt den Alliierten im Boxeraufstand ein Edikt über die Bestrafung zwölf hoher chinesischer Beamter übermitteln. Es sieht u.a. Hinrichtungen und lebenslängliche Einkerkerungen vor.

Mit Preisverleihung und Feuerwerk enden in Stockholm die ersten Nordischen Spiele. Seit dem 9. Februar fanden zahlreiche internationale Wintersportwettbewerbe statt, die teilweise als Weltmeisterschaften ausgetragen. wurden.

Der französische Rennfahrer Maurice Farman gewinnt den Automobil-Preis von Pau über 335 km. Mit seinem Panhard-Levassor ist er durchschnittlich 74,95 km/h schnell.

18.2.1901, Montag

In Belgien wird bekannt, dass die Regierung eine Verlängerung des Kongo-Vertrags vorbereitet. Grund ist das Ablaufen des bisherigen Vertrags vom 3. Juli 1890, der dem Staat Belgien das Recht einräumt, die Kolonie unentgeltlich zu erwerben. Der Kongo zählt zum Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II.

Unter Vorsitz von Reichspostminister Viktor von Podbielski findet in Berlin eine Konferenz von Vertretern der großen Handelsvereinigungen statt. Auf der Tagesordnung stehen Fragen zur Ausweitung des Post- und Telegrafenwesens.

Zwischen den USA und Russland entbrennt ein Zollkrieg. Die US-amerikanische Regierung hatte den Zoll auf russischen Zucker erhöht, worauf Russland mit einer Zollerhöhung für US-amerikanische Maschinen reagierte. Im weiteren dehnt sich der Konflikt auch auf russisches Erdöl aus.

Der Oberbefehlshaber der alliierten Interventionstruppen in China, Alfred Graf von Waldersee, droht mit einer neuen militärischen Aktion gegen China. Unter dem Eindruck der Drohung erklärt die chinesische Regierung am 21. Februar ihre Bereitschaft, die von den Großmächten geforderten Strafen zu vollstrecken. Daraufhin wird der Plan einer militärischen Aktion aufgegeben.

19.2.1901, Dienstag

Offizielle russische Stellen drohen dem Deutschen Reich mit scharfen Handelssanktionen, falls kein deutsch-russischer Handelsvertrag zustandekommen sollte. Zugleich wird deutschen Geschäftsleuten in Russland eine höhere Besteuerung in Aussicht gestellt, sollten die Getreidezölle von der deutschen Regierung angehoben werden.

20.2.1901, Mittwoch

Im Burenkrieg beginnen in Middelburg Friedensverhandlungen zwischen dem südafrikanischen Burengeneral und Staatsmann Louis Botha und dem britischen Oberbefehlshaber Horatio Herbert Kitchener (sog. Middelburger Vorschläge).

In Berlin endet die dritte Tagung des Deutschen Forstwirtschaftsrates. Im Mittelpunkt der zweitägigen Verhandlungen steht die Bedeutung von Kanalbauten für die Forstwirtschaft. Die Delegierten beschließen außerdem, einen Plan für eine forstwirtschaftliche Produktionsstatistik zu erstellen.

21.2.1901, Donnerstag

Im österreichischen Reichsrat in Wien kommt es zu einem Handgemenge zwischen tschechischen Abgeordneten und Alldeutschen. Der Grund: Tschechische Abgeordnete fordern, ihre Muttersprache bei den Parlamentssitzungen zuzulassen. Die Alldeutschen lehnen dies strikt ab.

Das preußische Abgeordnetenhaus in Berlin billigt mit großer Mehrheit den Antrag auf Errichtung einer Handelskammer.

22.2.1901, Freitag

Die russisch-orthodoxe Kirche schließt den Schriftsteller Leo N. Tolstoi aus. Zur Begründung werden kirchenfeindliche Passagen aus Tolstois Roman “Auferstehung” angeführt.

23.2.1901, Samstag

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. stimmt dem Gesetzentwurf über die Errichtung eines speziellen Oberpräsidiums für Berlin zu. Bisher wurde die Reichshauptstadt vom Oberpräsidenten (oberster Beamter) der Provinz Brandenburg verwaltet.

In Abstimmung mit den Königen von Württemberg und Sachsen sowie mit dem Prinzregenten von Bayern ordnet Kaiser Wilhelm II. eine Änderung der Hoheitsabzeichen bei den ostasiatischen Interventionstruppen an. Künftig treten die Abzeichen des Deutschen Reiches an Stelle der von Einzelstaaten.

24.2.1901, Sonntag

Nach heftigen Kämpfen im Rahmen des Burenkrieges scheitert der Burenführer Christiaan Rudolph Dewet mit seiner Invasion in die Kapkolonie. Die britischen Truppen stellen erhebliche Mengen an Waffen sicher.

In Berlin findet die 17. Versammlung des Verbandes deutscher Brieftaubenliebhaber statt. Der Verband zählt insgesamt 783 Vereine und hat über 8000 Mitglieder; die meisten der Vereine 634 sind in Preußen beheimatet.

25.2.1901, Montag

Im britischen Unterhaus wird über die Behandlung von Frauen durch britische Truppen im Burenkrieg debattiert. Der britische Kriegsminister Lord Brodrick bestätigt auf entsprechende Anfragen, dass Burenfrauen deportiert und in Lager interniert werden.

Der neue britische König Edward VII. trifft zu einem Besuch der Kaiserin Friedrich (früher britische Prinzessin Viktoria) in Kronberg (Taunus) ein. Das dortige Schloss Friedrichshof wurde 1889- 93 für die Witwe des am 15. Juni 1888 verstorbenen deutschen Kaisers Friedrich errichtet. Edward VII., der bis zum 2. März im Deutschen Reich bleibt, kommt in Frankfurt am Main auch zu einem offiziellen Gespräch mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. zusammen.

Mit der US Steel Corporation entsteht unter Leitung des Bankiers John Pierpont Morgan d. Ä. der größte Stahlkonzern der Welt.

26.2.1901, Dienstag

Durch eine Verfügung des preußischen Kultusministers Konrad Studt wird die Gleichstellung der Realgymnasien und Oberrealschulen mit dem traditionellen altsprachlichen Gymnasium weiter vorangetrieben.

Im Mittelpunkt der Jahresversammlung des Deutschen Nautischen Vereins in Berlin (seit 25. 2.) stehen technische Fragen. Die Vorträge beschäftigen sich mit Themen wie Lichterführung für Fischereifahrzeuge, Leuchtsignalen und anderen Formen der Kommunikation auf See. Außerdem wird die Einrichtung von Schiffsbibliotheken gefordert.

Vor dem Hintergrund wachsender sozialer Unruhen in Madrid tritt die spanische Regierung unter Ministerpräsident Marcelo de Azcárraga y Palermo zurück. Dessen Nachfolger wird Práxedes Mateo Sagasta.

27.2.1901, Mittwoch

In Rumänien bildet Demetrios Sturdza ein neues Kabinett. Die bisherige, seit dem 20. Juli 1900 amtierende Regierung unter Ministerpräsident Petre P. Carp war am 25. Februar zurückgetreten, weil das rumänische Parlament dem Kabinett Carp mit knapper Mehrheit das Vertrauen verweigerte.

Die europäischen Schutzmächte Kretas (Russland, Frankreich, Großbritannien, Italien) lehnen einen Vorschlag des griechischen Prinzen Georg ab, die Mittelmeerinsel Griechenland anzugliedern. Darüber hinaus sind sie gegen einen Ersatz der internationalen durch griechische Truppen. Kreta ist seit 1898 autonome osmanische Provinz unter dem Hochkommissariat von Kronprinz Georg.

Auf den russische Kultusminister Nikolai P. Bogolepow wird ein Attentat verübt. Der Minister wird dabei verletzt. Das Attentat steht im Zusammenhang mit schweren Studentenunruhen im Zarenreich.

Die sozialdemokratische Fraktion bringt im Reichstag in Berlin das Problem der Misshandlung von Untergebenen im Militärdienst zur Sprache. Militärvertreter lehnen die Diskussion darüber allerdings ab, weil nach ihrer Ansicht diese Frage derzeit keinerlei Aktualität besitze.

In London stimmt das britische Unterhaus mit knapper Mehrheit einem Gesetzentwurf über die Einführung des Achtstunden-Arbeitstages für Bergarbeiter zu. Die Arbeitszeitverkürzung wird allerdings erst sieben Jahre später realisiert.

28.2.1901, Donnerstag

Dem deutschen Bundesrat geht ein Nachtrag zum Reichshaushalt 1901 zu. Darin werden weitere finanzielle Mittel für die deutschen Interventionstruppen in China gefordert. Der Nachtrag sieht neue Ausgaben in Millionenhöhe vor.

Die zweite Kammer des hessischen Parlaments fordert von der Landesregierung, auch den im Staatsdienst beschäftigten Arbeitern das Recht auf Koalitionsfreiheit (d. h. gewerkschaftliche Organisation) zu gewähren. Zugleich billigt sie einen Antrag, mit dem eine statistische Aufstellung über die landesüblichen Höchst- und Mindestlöhne verlangt wird.

Chroniknet