Was geschah im Februar 1919

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Wetterstationen Februar 1919

2.2.1919, Sonntag

Die MSPD wird klar stärkste Fraktion bei den Wahlen zur sächsischen Volkskammer.

Aus den in der Pfalz stattfindenden Wahlen zum bayerischen Landtag geht die MSPD mit neun Mandaten als Siegerin hervor; die Bayerische Volkspartei (BVP) erhält acht Sitze, die USPD kein Mandat.

Bei den Landtagswahlen im Freistaat Reuß ältere Linie erhält die USPD sieben, die Deutsche Demokratische Partei (DDP) vier, die MSPD zwei und die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) ebenfalls zwei Mandate.

Durch Verordnung des französischen Staatspräsidenten Raymond Poincaré wird die Verwaltung der französischen Privatbahnen vom Staat wieder den Besitzern übertragen (Vorkriegsstand).

3.2.1919, Montag

Die oberste Heeresleitung (OHL) unter Paul von Hindenburg und Wilhelm Groener übernimmt den deutschen Ostschutz.

In der Reichshauptstadt Berlin beginnen dreitägige preußisch-polnische Verhandlungen über die Lage in der von Polen besetzten preußischen Provinz Posen. Die Polen lehnen die Einstellung der Kampfhandlungen ab.

Die erste Internationale Sozialistenkonferenz nach dem Ende des Krieges findet in Bern statt.

US-Präsident Woodrow Wilson wird in der französischen Abgeordnetenkammer in Paris feierlich empfangen.

4.2.1919, Dienstag

Der Zentralrat der Sozialistischen Republik Deutschland, der sich u.a. mit sozial- und arbeitspolitischen Fragen befasst, überträgt seine Macht der Weimarer Nationalversammlung.

Die Freikorps-Division Gerstenberg zerschlägt die Räterepublik Bremen. Auf Anordnung der deutschen Reichsregierung wird noch am selben Tag eine provisorische Regierung gebildet, der fünf Mitglieder der MSPD angehören.

6.2.1919, Donnerstag

Die USPD lehnt eine Regierungsbeteiligung ab, “bis die gegenwärtige Gewaltherrschaft beseitigt ist und bis sämtliche Mitglieder der Regierung nicht nur das Bekenntnis abgeben, sondern auch den entschlossenen Willen bestätigen, die demokratischen und sozialistischen Errungenschaften der Revolution gegen die Bourgeoisie und gegen die Militärautokratie sicherzustellen”.

Die erste staatliche regelmäßige Luftpostverbindung zwischen Berlin und Weimar wird in Betrieb genommen.

Die rheinisch-westfälischen Arbeiter- und Soldatenräte fordern von der Reichsregierung die Anerkennung ihrer Sozialisierungskommission.

Die Weimarer Nationalversammlung wird eröffnet.

7.2.1919, Freitag

Eduard Heinrich Rudolph David (MSPD) wird zum Präsidenten der Weimarer Nationalversammlung gewählt. Der frühere Reichstagspräsident Konstantin Fehrenbach (Zentrum) wird einer der drei Vizepräsidenten.

Der deutsche Staatssekretär des Innern, Hugo Preuß (DDP), eröffnet in Weimar die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die vorläufige Reichsgewalt.

Zwölf Vertreter Elsass-Lothringens beantragen in Weimar vergeblich die Zulassung zur Nationalversammlung. Gegen die Zulassung wenden sich vor allem der Volksbeauftragte Friedrich Ebert (MSPD) und Matthias Erzberger (Zentrum). Erzberger, der Vorsitzende der deutschen Waffenstillstandskommission, befürchtet für den Fall der Zulassung eine Erschwerung der Friedensverhandlungen.

Zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten wird im belgischen Spa ein Abkommen über Lebensmittellieferungen an das Deutsche Reich im Wert von 100 Millionen Mark unterzeichnet. Die Alliierten haben sich außerdem bereit erklärt, auf Wunsch der Deutschen Regierung die weitere Lebensmittelversorgung Deutschlands bis zur nächsten Ernte “in Erwägung zu ziehen”.

In Glasgow findet eine Versammlung von Streikenden statt, die von der Polizei gewaltsam aufgelöst wird.

Im Wiener Burgtheater wird die Tragödie “Dies irae…” von Anton Wildgans uraufgeführt, Beispiel des “Wiener Expressionismus”.

9.2.1919, Sonntag

Bei den Wahlen zur Gesetzgebenden Landesversammlung für den deutschen Staat Koburg erhält die MSPD sieben und die DDP drei Mandate. Der Bund der Landwirte ist mit einem Abgeordneten vertreten.

Bei den Bürgerschaftswahlen in Lübeck erringen die Sozialdemokraten mit 42 Mandaten die absolute Mehrheit. Die DDP erhält 29, die DNVP sechs Abgeordnetensitze, die DNVP-nahen Landbewohner sind mit drei Abgeordneten vertreten.

10.2.1919, Montag

Die Weimarer Nationalversammlung nimmt gegen die Stimmen der USPD und weniger anderer Abgeordneter den Gesetzentwurf über die vorläufige Reichsgewalt an (vorläufige Verfassung). Danach überträgt der Rat der Volksbeauftragten, die bisherige provisorische deutsche Regierung, ihre Macht der Nationalversammlung.

Der britische König Georg V. eröffnet in London das Parlament. In seiner Thronrede weist er wiederholt auf die militärischen Leistungen der Alliierten während des Ersten Weltkriegs hin.

Der am 26. Januar gewählte Landtag von Lippe tritt in Detmold zur Konstituierenden Sitzung zusammen. Am selben Tag stellt der Lippesche Volks- und Soldatenrat seine Tätigkeit ein. Am 13. Februar nimmt der Landrat den Verfassungsentwurf an, nach dem das frühere Fürstentum in einen Freistaat umgewandelt wird, dessen gesetzgebende Verwaltung beim Landtag liegt.

Im Landschaftlichen Haus wird der am 22. Dezember 1918 gewählte Landtag von Braunschweig eröffnet. Am 11. Februar nimmt er gegen die Stimmen der USPD den Antrag an, die Bildung eines nordwestdeutschen Freistaats nicht mehr zu fördern, sondern die Bildung eines Freistaats Niedersachsen vorzubereiten, der auch Hannover umfassen soll.

In Braunschweig tagt bis zum 11. Februar der Zweite Kongress zur Gründung einer nordwestdeutschen Bundesrepublik. 85 Vertreter der Arbeiter- und Soldatenräte Westdeutschlands nehmen an der Versammlung teil.

11.2.1919, Dienstag

Die Weimarer Nationalversammlung wählt den früheren Volksbeauftragten Friedrich Ebert (MSPD) zum ersten deutschen Reichspräsidenten.

Der deutsche Reichspräsident Friedrich Ebert (MSPD) beauftragt Philipp Scheidemann (MSPD) mit der Regierungsbildung.

Der durch das Gesetz über die vorläufige Reichsgewalt errichtete Staatenausschuss, die Vertretung der deutschen Länder, hält in Weimar seine erste Sitzung ab.

Der Volksrat der Republik Hessen in Darmstadt löst sich auf und überträgt der Volkskammer die gesetzgebende Gewalt.

12.2.1919, Mittwoch

Der sowjetische Politiker Karl Radek wird in Charlottenburg bei Berlin wegen kommunistischer Agitation verhaftet.

Die deutschösterreichische Regierung in Wien protestiert in einer Note an die Alliierten gegen den Abtransport von Kunstgegenständen aus Wien.

Die alliierten Mächte USA, Großbritannien, Frankreich und Italien beschlagnahmen in Spanien deutsch-österreichische Schiffe, mit denen sie Waren “zum Zweck der Erleichterung der Lebensmittelnot in einem großen Teil Europas” transportieren wollen.

13.2.1919, Donnerstag

Der finnische General und Reichsverweser Carl Gustaf Emil Freiherr von Mannerheim besucht die schwedische Hauptstadt Stockholm.

In Darmstadt konstituiert sich die hessische Volkskammer.

In München beginnt die Landeskonferenz der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte Bayerns. Als Ministerpräsident Kurt Eisner (USPD) zu Beginn der bis zum 20. Februar dauernden Tagung die Presse beschimpft, verlassen zahlreiche Journalisten die Konferenz.

Im ersten Kabinett Philipp Scheidemann sind sieben MSPD-Minister, je drei aus der DDP und dem Zentrum und ein Parteiloser.

Die Weimarer Nationalversammlung wählt den früheren Volksbeauftragten Philipp Scheidemann (MSPD) zum deutschen Reichsministerpräsidenten.

14.2.1919, Freitag

Konstantin Fehrenbach (Zentrum) wird zum Präsidenten der Weimarer Nationalversammlung gewählt als Nachfolger von Eduard Heinrich Rudolph David (MSPD), der als Minister ohne Geschäftsbereich in das Kabinett Philipp Scheidemann (MSPD) eingetreten ist.

Der deutsche Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg trifft mit der Obersten Heeresleitung (OHL) aus Wilhelmshöhe bei Kassel in Kolberg ein. Das Große Hauptquartier wird nach Osten verlegt. Hindenburg erlässt den Appell “An Deutschlands Söhne”.

15.2.1919, Samstag

US-Präsident Woodrow Wilson tritt die Heimreise von Frankreich in die Vereinigten Staaten an. In Brest schifft er sich auf dem US-amerikanischen Dampfer “George Washington” ein, am 24. Februar landet er in Boston.

Die tschechoslowakische Regierung beschließt die Umbenennung von Preßburg in Bratislava.

Die “Wiener Zeitung” veröffentlicht Angaben des Kriegsministeriums über Verlustzahlen der ehemaligen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn während des Ersten Weltkriegs. Danach fielen bis Ende September des Jahres 1918 687 543 Soldaten, 855 283 gelten als vermisst, 1 229 289 sind in Gefangenschaft geraten.

Das ungarische Bodenreformgesetz wird veröffentlicht. Es geht davon aus, dass die arbeitende Bevölkerung auf den Boden, den sie bearbeitet, Eigentumsrecht hat. Am 20. Februar beginnt in Gödöllö die Bodenverteilung der ehemaligen Krongüter.

16.2.1919, Sonntag

In Deutschösterreich finden die Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung statt.

Der tschechoslowakische Außenminister Eduard Benes teilt aus Paris mit, dass die USA 50% und Großbritannien und Frankreich je 25% der Verpflegung der tschechoslowakischen Länder übernehmen.

Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg protestiert in einem Schreiben an den deutschen Reichsministerpräsidenten Philipp Scheidemann (MSPD), der General Erich Ludendorff am 13. Februar in der Weimarer Nationalversammlung als “Hasardeur” bezeichnet hatte. Scheidemann stellt in seiner Antwort am 19. Februar klar, dass er von diesem Wort nicht abgehen könne: “Hazardeur nenne ich den Mann, der alles auf eine Karte setzt, ohne die Folgen zu bedenken, die ein Versagen dieser Karte nach sich zieht.”

Der französische Ministerpräsident und Vorsitzende der Pariser Friedenskonferenz, Georges Benjamin Clemenceau, empfängt in Paris eine Delegation der Berner Arbeiter- und Sozialistenkonferenz, die ihm eine Friedensentschließung überreicht.

Stärkste Fraktion bei den Wahlen zur Landesversammlung von Schaumburg-Lippe wird die MSPD mit acht Mandaten. Vertreten sind ferner die DNVP (2), die DVP (1), die DDP (2) und zwei Parteilose.

Der Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Deutschen Reich wird auf unbestimmte Zeit verlängert.

17.2.1919, Montag

Aufgrund des am Vortag unterzeichneten Waffenstillstandsvertrags stellen deutsche Truppen die militärischen Aktionen gegen Polen ein. Polnische Einheiten setzen ihre Angriffe jedoch fort.

Der französische General Maurice Pellé übernimmt den Oberbefehl des tschechoslowakischen Heeres.

In Berlin findet die 26. Generalversammlung des Bundes der Landwirte statt.

18.2.1919, Dienstag

Die Vertretung der deutschen Länder in Weimar beschließt, die Traditionsfarben Schwarz-Rot-Gold als deutsche Nationalfarben einzuführen.

Die Regierung in Braunschweig, der ausschließlich von USPD-Mitgliedern besetzte Rat der Volksbeauftragten unter August Merges, tritt geschlossen zurück. Sie will so die Bildung einer Koalition unter Beteiligung der MSPD ermöglichen.

In Zürich beginnt die Jüdisch-orthodoxe Weltkonferenz. Vertreter aus 14 Ländern fordern auf der bis zum 26. dauernden Veranstaltung u.a. die Anerkennung Palästinas als das Land, in dem Israel “berufen ist, seine nationalen Aufgaben gemäß der jüdischen Tradition zu verwirklichen”.

19.2.1919, Mittwoch

Im rheinisch-westfälischen Industriegebiet streiken etwa 120 000 Bergleute für die Sozialisierung der Bergbaubetriebe.

Bei den Beratungen des Staatenausschusses, der Vertretung der deutschen Länder in Weimar, verzichtet Bayern auf die Herausgabe eigener Briefmarken und auf eigene Gesandtschaften im Ausland.

In Paris beginnt der Panafrikanische Kongress, auf dem u.a. über Maßnahmen zum Schutz und zur Besserstellung der Eingeborenen beraten wird.

Estland erklärt alle Rittergüter des Landes zu Staatseigentum.

Als erste Frau spricht Marie Juchacz (MSPD) vor der Weimarer Nationalversammlung.

Französische Zeitungen berichten über einen Beschluss des Obersten Alliierten Kriegsrats in Paris, der deutschen Regierung den Friedensvertrag erst vorzulegen, wenn er ganz fertiggestellt ist.

In Paris wird ein Revolverattentat auf den französischen Ministerpräsidenten Georges Benjamin Clemenceau verübt, der aber nur leicht verletzt wird.

20.2.1919, Donnerstag

Habib Ullah Khan, Emir von Afghanistan seit 1901, wird in Kallagusch im Laghmantal von dem Obersten Ali Raza ermordet.

Die Weimarer Nationalversammlung nimmt gegen die Stimmen von USPD und Deutschnationaler Volkspartei (DNVP) die von der Regierung Philipp Scheidemann (MSPD) eingebrachte Kreditvorlage in Höhe von 25,3 Milliarden Mark an.

Das bayerische Gesamtministerium unter Kurt Eisner (USPD) in München billigt den Entwurf eines neuen vorläufigen Staatsgrundgesetzes des Freistaats Bayern, das an die Stelle des vorläufigen Staatsgrundgesetzes vom 4. Januar treten soll.

Die deutsch-österreichischen Sozialdemokraten beschließen in Wien ein Aktionsprogramm gegen die Monarchie und ihre Anhänger.

21.2.1919, Freitag

Der am Vortag zurückgetretene hessische Ministerpräsident Karl Ulrich (MSPD) wird von der Volkskammer erneut gewählt. Ulrich war zurückgetreten, nachdem sein Verfassungsentwurf vom verfassungsgebenden Ausschuss der Volkskammer abgelehnt worden war.

Der deutschen Reichsregierung unter Ministerpräsident Philipp Scheidemann (MSPD) wird in der Weimarer Nationalversammlung das Vertrauen ausgesprochen. Der Arbeitsplan, den die Regierung vorgelegt hat, wird bei der Abstimmung ausdrücklich gebilligt.

Die Weimarer Nationalversammlung nimmt das Diätengesetz an, das die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Abgeordneten sicherstellen soll.

Der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner (USPD) wird auf dem Weg zur Eröffnung des Landtags in München von dem Reserveleutnant Graf Anton von Arco-Valley ermordet.

Kommunisten und andere linke Gruppierungen besetzen die Münchner Zeitungshäuser. Es kommt zur sog. zweiten Revolution in Bayern. Die politische Führung übernimmt ein aus MSPD, USPD und KPD sowie aus Mitgliedern der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte gebildeter Aktionsausschuss; leitendes Organ ist der elfköpfige Zentralrat.

22.2.1919, Samstag

Eine Versammlung von Vertretern der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte in München beschließt die Bewaffnung des Proletariats und die Errichtung einer bayerischen Räterepublik.

Die USPD und die KPD proklamieren in Mannheim die Räterepublik Baden.

Der Landtag der Republik Braunschweig nimmt den Entwurf einer vorläufigen Verfassung an und wählt den Rat der Volksbeauftragten neu. An der Spitze der Regierung steht nun Sepp Oerter (USPD) als Nachfolger von August Merges (USPD).

23.2.1919, Sonntag

In Preußen finden Stadtverordnetenwahlen, in Oldenburg und Gotha Landtagswahlen statt.

Die deutsche Reichsregierung unter dem Ministerpräsidenten Philipp Scheidemann (MSPD) beschließt die Errichtung einer besonderen Abteilung für elsass-lothringische Fragen im Reichsamt des Innern.

Aus Rom wird gemeldet, dass König Viktor Emanuell III. eine weitgehende Amnestie für Heeres- und Marineangehörige und deren Familienmitglieder erlassen hat, die während des Ersten Weltkriegs wegen politischer oder wirtschaftlicher Delikte, wegen Verrats oder unerlaubter Spekulationen verurteilt worden waren.

24.2.1919, Montag

Der deutsche Reichsminister des Innern, Hugo Preuß (DDP), begründet vor der Weimarer Nationalversammlung den Entwurf der Reichsverfassung.

25.2.1919, Dienstag

In Weimar beginnen Vorverhandlungen über den Anschluss der Republik Deutschösterreich an das Deutsche Reich.

Im bayerischen Landtag in München tritt der Kongress der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte Bayerns zusammen. Er wird von Ernst Niekisch, dem Vorsitzenden des Zentralrats der bayerischen Republik, eröffnet.

26.2.1919, Mittwoch

Die Sowjetregierung in Kiew proklamiert die Förderation der Ukraine mit Sowjetrussland.

Die Arbeiterschaft Leipzig proklamiert für den 27. Februar den Generalstreik, um die Bergleute in Mitteldeutschland in ihrem Streik für die Sozialisierung zu unterstützen. Auch im rheinisch-westfälischen Industriegebiet wird gestreikt.

27.2.1919, Donnerstag

Die Weimarer Nationalversammlung nimmt in dritter Lesung gegen die Stimmen der USPD den Gesetzentwurf über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr an.

Aus Peking wird gemeldet, dass Unbekannte das Sühnetor, das die chinesische Regierung nach dem Boxeraufstand 1901 zur Erinnerung an den von den Boxern ermordeten deutschen Gesandten Klemens Freiherr von Ketteler errichten musste, beschädigt haben. Die Regierung ließ daraufhin das Gedenkzeichen entfernen. An einer anderen Stelle in Peking ist nun das Denkmal zur Erinnerung an den “Sieg des Rechts über die Macht” errichtet worden.

800 Delegierte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern beraten im britischen Westminister über die Schaffung einer Organisation zur Verhinderung von Streiks.

Der österreichische Schauspieler und Regisseur Max Reinhardt inszeniert am Deutschen Theater in Berlin William Shakespeares Komödie “Wie es euch gefällt”.

28.2.1919, Freitag

Auf dem Schlossplatz in Braunschweig wird die Räterepublik und die Diktatur des Proletariats proklamiert; der Landtag der Republik Braunschweig wird für aufgelöst erklärt.

Der deutsche Reichswehrminister Gustav Noske (MSPD) lässt den Präsidenten der Republik Oldenburg und Ostfriesland, den Obermatrosen Bernhard Kuhnt, als Mitverantwortlichen für einen Kommunistenaufstand in Wilhelmshaven am 27./28. Januar verhaften.

Der Kongress der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte Bayerns in München lehnt den Antrag des Schriftstellers Erich Mühsam ab, die Räterepublik auszurufen; der Kongress proklamiert sich selbst zum provisorischen Nationalrat des freien Volksstaates Bayern.

Die sächsische Volkskammer in Sachsen nimmt das vorläufige Grundgesetz für den Freistaat Sachsen an. Angenommen wird ferner der Antrag auf “Sozialisierung der Wirtschaft”.

Der Emir von Afghanistan, Aman Ullah, verkündet die staatliche Unabhängigkeit seines Landes.