Was geschah im Februar 1923

  • < 1922
  • 2.1923
  • 1924 >

Wetterstationen Februar 1923

1.2.1923, Donnerstag

Da die Franzosen die Kohlentransporte aus dem besetzten Ruhrgebiet in das unbesetzte Deutsche Reich am 31. Januar verboten haben, entstehen für die deutsche Wirtschaft empfindliche Engpässe bei der Brennstoffversorgung. So muss z. B. der Zugverkehr im Deutschen Reich reduziert werden.

Von Papst Pius XI. werden öffentliche Gebete für die Vermeidung eines neuen Kriegs angeordnet.

Im Berliner Ufa-Palast am Zoo wird der Film “Ein Glas Wasser” uraufgeführt. Die Regie führt Ludwig Berger; in den Hauptrollen sind Lucie Höflich, Hans Brausewetter und Henry Stuart zu sehen.

Als dritter Teil seiner Trilogie erscheint Artur Dinters antisemitischer Roman “Die Sünde wider die Liebe”. Bereits erschienen sind “Die Sünde wider das Blut” (1920) und “Die Sünde wider den Geist” (1921).

Das am 25. Januar 1922 abgebrannte Friedrich-Theater in Dessau wird wiedereröffnet.

Vertreter der deutschen Gewerkschaften richten im Namen von zwölf Millionen Arbeitern einen Appell an den US-amerikanischen Kongress, von dem sie sich Unterstützung in der Ruhrfrage erhoffen.

2.2.1923, Freitag

Der Oberpräsident der Rheinprovinz, Hans Fuchs, wird von der französischen Besatzungsbehörde in das unbesetzte Deutsche Reich ausgewiesen. Ebenfalls ausgewiesen werden am 12. Februar der Regierungspräsident von Wiesbaden, Konrad Haenisch, und am 18. Februar der Regierungspräsident von Düsseldorf, Walther Grützner. Die hohen Beamten haben sich im Rahmen des passiven Widerstands französischen Anordnungen widersetzt.

Für die vergangene Nacht registriert die Berliner Polizei acht Fälle von tödlichen Gasvergiftungen. Als Grund für die Selbstmorde wird die Furcht vor dem Verhungern angegeben.

Im Deutschen Theater Berlin wird Max Mohrs Stück “Improvisationen im Juni” mit Wilhelm Dieterle und Heinrich George in den Hauptrollen uraufgeführt.

Der norwegische Maler und Graphiker Edvard Munch wird Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

3.2.1923, Samstag

Großbritannien und die USA unterzeichnen einen Schuldvertrag. Die Briten akzeptieren eine Schuldsumme von rund vier Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 169 Billionen Mark). Es handelt sich um britische Kriegsschulden bei den Vereinigten Staaten.

Der österreichische Nationalrat beschließt in einer turbulenten Sitzung eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitslosenunterstützung, die Unternehmer und Kommunen aufbringen sollen.

Reichskanzler Wilhelm Cuno (parteilos) tritt eine Informationsreise in das besetzte Ruhrgebiet an, wo er sich bis zum 5. Februar aufhält. Der Reichskanzler führt in verschiedenen Städten Gespräche mit Vertretern der Industrie, der Gewerkschaften und der Behörden.

4.2.1923, Sonntag

Die Franzosen dehnen ihr Besatzungsgebiet am Rhein weiter aus. Die außerhalb des Brückenkopfs Kehl liegenden oberrheinischen Orte Offenburg und Appenweier werden besetzt.

Da keine Einigung zwischen den Alliierten und der Türkei erzielt werden kann, wird die Friedenskonferenz von Lausanne (seit 20.11.1922) abgebrochen. Der britische Delegationsleiter, Außenminister George Nathaniel Marquess Curzon of Kedlestone, reist sofort ab.

Im Nationaltheater in Sofia wird eine Bombe auf die Ministerloge geschleudert, wo der bulgarische Ministerpräsident Alexandar Stamboliski der Vorstellung beiwohnt. Stamboliski, dessen einseitig die Bauern begünstigendes diktatorisches Regime von der übrigen Bevölkerung abgelehnt wird, entgeht unverletzt diesem Attentat.

Im Zusammenhang mit der Machtkonsolidierung der Faschisten in Italien werden zahlreiche Kommunisten verhaftet.

Das Hochwasser der Brinitza (Oberschlesien) verursacht einen Dammbruch, wobei in mehreren Bergwerken erheblicher Schaden entsteht.

6.2.1923, Dienstag

Nach Abbruch der Konferenz von Lausanne (4. 2.) fordert die türkische Regierung die Alliierten ultimativ auf, ihre Kriegsschiffe aus dem Hafen von Smyrna (heute Izmir) zurückzuziehen, die andernfalls beschossen würden. Die Alliierten weigern sich zunächst, der türkischen Forderung nachzukommen, verringern aber dann doch am 27. Februar ihre militärische Präsenz bei Smyrna.

Ein neues Handelsluftfahrt-Unternehmen wird mit der Deutschen Aero Lloyd AG gegründet.

Der österreichische Kabinettsrat setzt das Beamtenabbaugesetz durch Verordnung in Kraft. Vom 1. Januar 1923 bis zum 30. Januar 1924 sollen mindestens 75 000 Beamte aus dem Bundesdienst ausscheiden.

Bei der Parlamentseröffnung in Rom bezieht die faschistische Nationalmiliz Wache am Quirinal und übernimmt die Funktionen der Guardia regia (Königsgarde), die am 31. Dezember 1922 aufgelöst wurde.

Die Regierungskrise in Sachsen – am 30. Januar war Ministerpräsident Wilhelm Buck (SPD) wegen eines kommunistischen Misstrauensantrags zurückgetreten – hält an. Bei der Ministerpräsidentenwahl erhält kein Kandidat die Mehrheit.

Der anlässlich des nationalsozialistischen Parteitags (27. 1.-29. 1.) in München erklärte Ausnahmezustand wird aufgehoben.

7.2.1923, Mittwoch

Der französische Kammerausschuss für auswärtige Angelegenheiten fordert Ministerpräsident Raymond Poincaré auf, über die Ausenpolitik (Orientfrage, Ruhrbesetzung) Bericht zu erstatten, was am 19. Februar geschieht. Die Angelegenheit wird als Opposition des Ausschusses gegen Poincaré aufgefasst.

In 26 niederländischen Städten finden Protestveranstaltungen gegen die Ruhrbesetzung statt.

Wegen französischer Eingriffe in die Eisenbahnverwaltung einerseits und des passiven Widerstands der deutschen Eisenbahner andererseits ist der Ablauf des Zugverkehrs im besetzten Ruhrgebiet stark beeinträchtigt. Als Folge davon treten Zugunglücke gehäuft auf. Auf der Strecke Düsseldorf- Kettwig stoßen z. B. zwei französische Militärzüge zusammen. Bei dem schweren Unglück kommen 28 Soldaten ums Leben.

Die Tagesproduktion der deutschen Notenpresse soll im Laufe des Monats von 45 Milliarden Mark auf 75 Milliarden gesteigert werden. Mit dem Notendruck sind 33 Druckereien und zwölf Papierfabriken beschäftigt. Am Vortag gab die Reichsbank erstmals Scheine im Wert von 50 000 Mark aus.

Am Ende ihrer Konferenz in Washington, die am 4. Dezember 1922 eröffnet wurde, unterzeichnen Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica einen Freundschaftsvertrag.

Im Ruhrgebiet nehmen die Verhaftungen und Ausweisungen durch die französischen Besatzungsbehörden einen immer größeren Umfang und rigorosere Formen an. In Recklinghausen werden z. B. acht Schutzpolizeibeamte verhaftet, weil sie französischen Offizieren den Gruß verweigerten.

Der nationalsozialistische “Völkische Beobachter” wird zur Tageszeitung umgewandelt. Hauptschriftleiter ist Dietrich Eckart.

Reichsinnenminister Rudolf Oeser teilt mit, dass die Ruhrbesetzung bisher zu einer erheblichen Verringerung des Kohlenexports in alliierte Länder geführt habe. Dies sei durch das deutsche Lieferungsverbot verursacht worden.

9.2.1923, Freitag

Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Polen, Metropolit Georg, wird von einem exkommunizierten orthodoxen Geistlichen in Warschau erschossen.

Die Flucht nach Venedig” von Georg Kaiser wird im Nürnberger Intimen Theater uraufgeführt. Kaiser ist der meistgespielte Dramatiker des Expressionismus.

10.2.1923, Samstag

Ein Universitätsgesetz, das eine stärkere Finnisierung der Universität Helsinki bewirken soll, wird vom finnischen Reichstag mit großer Mehrheit verabschiedet.

In Sofia brennt das Nationaltheater ab, nachdem ein Feuer auf der Bühne ausgebrochen war.

11.2.1923, Sonntag

Der Export von Metallprodukten aus dem besetzten Ruhrgebiet in das unbesetzte Deutsche Reich wird von den französischen und belgischen Besatzungsbehörden verboten. Am folgenden Tag wird das Verbot auf alle im Ruhrgebiet hergestellten Produkte ausgeweitet.

12.2.1923, Montag

Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) bereist Süddeutschland (bis 13. 2.). In Karlsruhe warnt er vor dem Gedanken an ein militärisches Eingreifen gegen die Franzosen und plädiert für den begonnenen passiven Widerstand im Ruhrgebiet.

13.2.1923, Dienstag

Die Weigerung der Hotelbesitzer und Kaufleute im Ruhrgebiet, Angehörige der Besatzungsarmee zu bedienen, führt wiederholt zu Plünderungen und Zusammenstößen.

In Bayern wird Englisch statt Französisch als Pflichtfach in den höheren Schulen eingeführt.

Belgische Truppen besetzen die niederrheinischen Städte Emmerich und Wesel, französische Einheiten marschieren in die westfälische Stadt Gelsenkirchen ein.

Die Rheinlandkommission verlegt die deutsche Zollgrenze von der westlichen Reichsgrenze an die Ostgrenze der besetzten Gebiete.

In London eröffnet der britische König Georg V. das Parlament, in dem eine Debatte über die Konferenz von Lausanne, die Besetzung des Ruhrgebiets und die britische Arbeitslosigkeit beginnt (bis 20. 2.). Gegenüber der Kritik der oppositionellen Labour Party an der französischen Ruhrpolitik, betont Premierminister Andrew Bonar Law, die britisch-französische Freundschaft müsse aufrechterhalten werden.

14.2.1923, Mittwoch

In Essen wird der Direktor des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks, Karl Buchmann, verhaftet, weil am Vorabend das Hotel “Kaiserhof”, wo die französische Ingenieurskommission untergebracht ist, ohne Stromversorgung blieb.

15.2.1923, Donnerstag

Reichspostminister Karl Stingl und der preußische Wissenschaftsminister Otto Boelitz besuchen das besetzte Ruhrgebiet, u.a. Essen, Bochum, Düsseldorf.

Polen und Litauen werden vom Botschafterrat der Alliierten ermächtigt, die bisher “neutrale Zone” an der Grenze beider Staaten (Wilnagebiet) zu besetzen. Im Vollzug der Besetzung kommt es zu litauisch-polnischen Grenzkämpfen.

Die “Essener Allgemeine Zeitung” wird wegen Artikeln, welche die Ehre und Würde der Besatzungstruppen verletzt haben sollen, bis zum 2. März verboten.

16.2.1923, Freitag

Reichskanzler Wilhelm Cuno (parteilos) fordert den Deutschen Landwirtschaftsrat auf, den passiven Widerstand im Ruhrgebiet zu unterstützen, und warnt vor Preisspekulationen bei den Grundnahrungsmitteln.

Die alliierte Botschafterkonferenz stimmt der Übergabe des Memelgebiets an Litauen zu, womit sie die von Litauen geschaffene Lage – das Memelgebiet wurde am 10. Januar von litauischen Truppen besetzt – anerkennt.

Wegen des durch die Ruhrbesetzung verursachten Kohlenmangels schränkt die Schweiz den Bundesbahnbetrieb erheblich ein.

Am Berliner Staatstheater findet die Premiere von Friedrich von Schillers “Wilhelm Tell” in einer Inszenierung Leopold Jessners großen Anklang.

17.2.1923, Samstag

Zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Monarchisten und sozialdemokratischen Arbeitern kommt es im 14. Wiener Gemeindebezirk. Bei den Auseinandersetzungen stirbt ein Arbeiter, zwei werden verletzt.

Der Duisburger Oberbürgermeister Karl Jarres wird vom belgischen Kriegsgericht in Aachen zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Zusätzlich hat er die Kosten des Verfahrens zu tragen. Jarres hatte seine Ausweisung durch die französischen Besatzungsbehörden (30. 1.) nicht anerkannt und war am 2. Februar nach Duisburg zurückgekehrt.

18.2.1923, Sonntag

In einer Schweiz wird in einer Volksabstimmung die Übernahme des wirtschaftlichen Hinterlands von Genf durch die französische Zollverwaltung abgelehnt, die im Versailler Vertrag (1919) vorgesehen ist.

Ein US-Dollar ist derzeit an den Börsen 29 850 Mark wert.

19.2.1923, Montag

Die irische Regierung unter William Thomas Cosgrave erlässt einen Aufruf zur Beendigung des Bürgerkriegs an die radikalen Republikaner, die gegen den anglo-irischen Vertrag vom 8. Januar 1922 kämpfen, weil er Irland nur einen eingeschränkt unabhängigen Status verleiht.

Nachfolger des am 9. Februar zurückgetretenen australischen Premierministers William Mornes Hughes wird der Führer der Nationalisten, Stanley Melbourne Bruce.

Bei dem Brand der Staatlichen Irrenanstalt in New York kommen 22 Patienten und drei Schwestern ums Leben. Für viele der Patienten, die in den Isolierzellen verbrennen, kommt jede Hilfe zu spät.

20.2.1923, Dienstag

General Jean Marie Degoutte, Oberbefehlshaber der französischen Besatzungstruppen, verbietet deutschen Ministern den Aufenthalt im besetzten Ruhrgebiet. Bei Zuwiderhandlung drohen Verhaftung und Verurteilung durch ein Kriegsgericht.

Die Rheinlandkommission löst die deutschen Zollbehörden auf und entlässt das gesamte Zollpersonal im seit 1920 aufgrund des Versailler Vertrags besetzten Rheingebiet. Das neu errichtete Comité Directeur d’Importation et d’Exportation übernimmt die Regelung des Im- und Exports sowie der Zölle für das besetzte Gebiet. Diese Maßnahmen sind eine Reaktion auf den passiven Widerstand der deutschen Zollbehörden.

Der österreichische Nationalrat berät über die hohe Arbeitslosigkeit (zur Zeit rund 130 000 Arbeitslose in ganz Österreich) und die Straßenkämpfe zwischen Monarchisten und Sozialdemokraten am 17. Februar.

21.2.1923, Mittwoch

Der Verband Preußischer Polizeibeamter wird durch Zusammenschluss der bisher bestehenden zwei Polizeibeamtenverbände in Berlin gegründet.

Die Lage im besetzten Ruhrgebiet ist nach wie vor angespannt. Fast täglich kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen der deutschen Bevölkerung und den Besatzungstruppen. In Buer (Gelsenkirchen) erschlägt ein Hufschmied mit dem Hammer einen französischen Offizier, nachdem ihn dieser mit einer Reitpeitsche misshandelt hatte.

Vor dem Unterhaus erklärt der britische Premierminister Andrew Bonar Law, die Regierung habe französischen Truppentransporten durch die britische Rheinlandzone (Kölner Gebiet) grundsätzlich zugestimmt.

22.2.1923, Donnerstag

Die deutsche Reichsregierung in Berlin lässt einigen Regierungen (u.a. den USA und Italien) eine Denkschrift zukommen, in der sie die schon früher von deutscher Seite betonte Rechts- und Vertragswidrigkeit der französischen und belgischen Ruhrgebietsbesetzung im einzelnen darlegt.

In einer Protestnote an die alliierten Regierungen erhebt die Sowjetregierung gegen die von der Botschafterkonferenz am 16. Februar anerkannte litauische Einverleibung des Memelgebiets Einspruch. Der Frieden in Osteuropa sei durch sie bedroht.

Reichswirtschaftsminister Johannes Becker appelliert eindringlich an die Spitzenverbände der Industrie, des Handels und des Handwerks, auf eine Senkung des im Januar sprunghaft angestiegenen Preisniveaus hinzuarbeiten.

In Berlin wird der Film “Erdgeist” uraufgeführt. Der Regisseur Leopold Jessner hat als Vorlage Frank Wedekinds gleichnamiges Bühnenstück benutzt. Eine der Hauptrollen, die Lulu, spielt Asta Nielsen.

23.2.1923, Freitag

In Bochum verhaften die Franzosen zahlreiche Stadtverordnete und verhängen den Ausnahmezustand.

Der Reichstag in Berlin stimmt dem “Notgesetz” zu, das die Wucherstrafen bedeutend erhöht. Gleichzeitig wird die Reichsregierung ermächtigt, schärfere Verordnungen gegen die Preistreiberei, den Schleichhandel, den Verstoß gegen Preisbestimmungen und die Verletzung von Ein- und Ausfuhrverboten zu erlassen.

Erbitterung ruft die Unterbringung des französischen 7. Kolonialregiments, das zur Hälfte aus Marokkanern besteht, in Privatquartieren in Velbert, Werden und Kupferdreh (heute Essen) hervor. Die “schwarze Schmach” erregt die deutsche Öffentlichkeit.

Im US-amerikanischen Senat versuchen die Gegner der Vorlage zur Subvention der Handelsflotte, deren Beratung und Abstimmung zu verhindern, indem sie Tag und Nacht das Wort führen. Gespannt verfolgt die Öffentlichkeit dieses Redemarathon wie einen sportlichen Wettkampf.

24.2.1923, Samstag

Das US-amerikanische Repräsentantenhaus stimmt der Rückzahlung der kleineren ausländischen Vermögen, die während des Weltkriegs in die USA beschlagnahmt wurden, zu.

25.2.1923, Sonntag

Französische Truppen besetzen die Gebiete zwischen den seit 1920 besetzten rechtsrheinischen Brückenköpfen von Mainz, Koblenz und Köln. Es handelt sich um die Bereiche von Lorch und Kaub sowie von Königswinter, Ober- und Niederdollendorf.

Für einen US-Dollar müssen nach dem amtlichen Börsenkurs derzeit 22 750 Mark gezahlt werden.

26.2.1923, Montag

Um den Kohlenabtransport aus dem besetzten Ruhrgebiet gegen die Dienstverweigerung der deutschen Eisenbahner und deutsche Sabotageakte zu sichern, erlassen die Franzosen drakonische Strafmaßnahmen gegen die Gefährdung des Eisenbahnverkehrs.

27.2.1923, Dienstag

In einer Note an Paris und Brüssel protestiert die deutsche Reichsregierung gegen die Verhaftung und Ausweisung von Beamten und die Tötung von Privatpersonen in den besetzten Gebieten. Aus dem besetzten Rheingebiet sind bereits 550 Personen ausgewiesen worden.

Wegen ihrer Weigerung, Offiziere der Besatzungstruppen zu grüßen, löst General Jean Marie Degoutte, Oberbefehlshaber der französischen Besatzungstruppen im Ruhrgebiet, die in Essen konzentrierte preußische Schutzpolizei (Schupo) auf und verfügt ihre Ausweisung.

Im französischen Senat wird die Verlängerung der Wehrdienstzeit auf 18 Monate (bisher ein Jahr) debattiert. Als Hauptargument der Befürworter wird die angebliche Feindschaft des Deutschen Reichs angeführt, das mit der Schutzpolizei und anderen Organisationen ein viel größeres Heer als die im Versailler Vertrag festgelegte Stärke von 100 000 Mann unterhalte.

28.2.1923, Mittwoch

Während der Debatte über die Einführung des Amtes eines Staatspräsidenten kommt es im bayerischen Landtag zu einer Schlägerei, nachdem ein kommunistischer Abgeordneter die Antragsteller (Bayerische Volkspartei) als Hochverräter bezeichnet. Der Antrag erhält nicht die für die Verfassungsänderung notwendige Zweidrittelmehrheit.

Während des vergangenen Monats ist ein US-Dollar durchschnittlich 27 900 Mark wert gewesen.

Chroniknet