Was geschah im Februar 1924

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Wetterstationen Februar 1924

1.2.1924, Freitag

Erich Kleiber, seit 1923 Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, dirigiert erstmals ein Konzert mit den Berliner Philharmonikern.

In der Comédie-Française in Paris wird die Tragödie “Das Grab des Unbekannten Soldaten” (“Le tombeau sous l’Arc de Triomphe”) von Paul Raynal uraufgeführt. Das in der Folgezeit rund 9000mal gespielte Antikriegsstück verschafft dem französischen Dramatiker Weltruhm.

Der Architekt Oswald Eduard Bicker und der Maler, Radierer und Milieu-Zeichner Heinrich Zille werden Mitglieder der Preußischen Akademie der Künste.

2.2.1924, Samstag

Reichspräsident Friedrich Ebert ernennt den bisherigen Geschäftsträger Leopold von Hoesch zum Botschafter in Paris. Als die Franzosen im Januar 1923 in das Ruhrgebiet einmarschierten, war der damalige Botschafter Wilhelm Mayer-Kaufbeuren unter Protest abberufen worden.

Die Zeitschrift “Die Umschau” greift die wissenschaftliche Diskussion der 1923 veröffentlichten Theorien über die bemannte Weltraumfahrt von Raumfahrtpionier Hermann Oberth auf. Das Thema Weltraumfahrt findet im Deutschen Reich einen ständig wachsenden Interessenkreis.

Die britische Labour-Regierung erkennt die Sowjetunion diplomatisch an. Damit ist die bisherige außenpolitische Isolation der Sowjetunion überwunden. Binnen kurzem folgen andere westliche Staaten dem britischen Beispiel, so u.a. Italien am 7. und Österreich am 25. Februar.

3.2.1924, Sonntag

Woodrow Wilson, US-Präsident von 1913 bis 1921, stirbt 67jährig in Washington (District of Columbia). Wilson wurde 1920 für seine Bemühungen um eine Friedensordnung nach dem Weltkrieg mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Calvin Coolidge, amtierender US-Präsident, ordnet eine 30-tägige Nationaltrauer an.

Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Russlands (später KPdSU) leitet eine umfassende Heeresreform für 1924/25 ein, mit der die Kommandostruktur wieder nach dem Führungsprinzip ausgerichtet werden soll.

Aus Bridgeport/Connecticut wird ein Großfeuer bei dem weltberühmten Zirkus Barnum und Bailey gemeldet. Außer einem Stier können alle Tiere gerettet werden.

4.2.1924, Montag

In Chamonix-Mont-Blanc werden die I. Olympischen Winterspiele abgeschlossen (seit 25. 1.).

In Berlin endet das elfte Sechstagerennen mit einem deutschen Sieg.

Manfred Noas Film “Der Untergang Trojas” wird in Berlin uraufgeführt. Es handelt sich um ein zweiteiliges Filmwerk, das einiges Aufsehen erregt. Bereits am 21. Januar wurde als erster Teil “Der Raub der Helena” uraufgeführt.

In Honduras bricht ein Aufstand gegen Präsident López Gutiérrez aus, der am 10. März überraschend stirbt. Nur wenige Tage hält sich die Übergangsregierung unter Fausto Dávila. Am 1. April übernimmt General Vincente Tosta die Regierung. Erst Anfang Mai wird der Frieden unter Vermittlung der USA wiederhergestellt.

Mohandas Karamchand (genannt Mahatma) Gandhi, Führer der indischen Nationalisten, wird wegen seines schlechten Gesundheitszustandes vorzeitig aus der Haft entlassen. Am 18. März 1922 war Gandhi wegen Beteiligung an der indischen Unabhängigkeitsbewegung zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Nach einer Meldung der “Frankfurter Zeitung” haben Separatisten das Stadthaus in Pirmasens besetzt, um die Auszahlung der Erwerbslosenunterstützung zu erzwingen.

5.2.1924, Dienstag

In ihrer Note an die französische Regierung erhebt die Reichsregierung scharfen Protest gegen die Unterstützung für das Separatistenregime in der Pfalz von seiten Frankreichs.

Mit dem Rücktritt von Postminister Cesaro scheidet das letzte nichtfaschistische Mitglied aus dem italienischen Kabinett aus. Für die am 6. April stattfindenden Parlamentswahlen hatte Cesaros demokratisch-soziale Partei eine eigene Wahlliste aufgestellt, was zu erheblichen Spannungen mit Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini führte.

Eine Währungs- bzw. Geldreform (Dekret vom 5. und 22. Februar) in der Sowjetunion vereinheitlicht das im Umlauf befindliche Geld und schafft eine stabile Währung.

Bei Dreharbeiten einer Berliner Filmgesellschaft für den Film “Quo vadis?” in der Nähe von Rom brechen vierzig dressierte Löwen aus. Schauspieler und 400 Statisten ergreifen die Flucht; ein alter Mann wird von einem der Löwen angefallen und zerrissen.

6.2.1924, Mittwoch

Nach dem Rücktritt von Eleftherios Weniselos bildet Georg Kafándaris, ein gemäßigter Weniselist, die neue griechische Regierung. Weniselos war während einer Debatte im Parlament am 29. Januar in Ohnmacht gefallen und hatte wegen seines schlechten Gesundheitszustands seinen Rücktritt eingereicht.

In einem Interview mit dem “Journal des Débats” erklärt der Industrielle Fritz Thyssen, eine Entspannung der deutsch-französischen Beziehungen sei vor Räumung des Ruhrgebiets nicht zu erwarten.

7.2.1924, Donnerstag

In Paris unterzeichnet Spanien das mit Großbritannien und Frankreich am 18. Dezember 1923 abgeschlossene Tangerabkommen. Die marokkanische Hafenstadt steht seit 1912 unter internationaler Kontrolle.

Im Zusammenhang mit der diplomatischen Anerkennung der Sowjetunion durch Italien werden in Rom ein italienisch-sowjetischer Handels- und Zollvertrag mit Meistbegünstigungsklausel und ein Schifffahrtsvertrag unterzeichnet.

8.2.1924, Freitag

Im Staatsgefängnis von Nevada/USA in Carson City wird erstmals ein Todesurteil mit Giftgas vollstreckt.

9.2.1924, Samstag

Das polnische Parlament in Warschau verabschiedet ein Gesetz über die Einführung einer zweijährigen Militärdienstpflicht. Polen hat damit von allen europäischen Staaten die längste Wehrpflicht.

An ihrem 100. Todestag wird Anna Katharina Emmerick in Rom seliggesprochen. Über ihre religiösen Visionen verfasste der Dichter Clemens Brentano um 1818 ein Buch, das damals allgemeines Aufsehen erregte. Brentano lebte 1819 bis 1824 bei der Nonne in Dülmen bei Münster.

In Miami schwimmt Sybil Bauer (USA) mit 3:03,8 min Weltrekord über 200 m Rücken.

10.2.1924, Sonntag

Bei den Bürgerschaftswahlen in Lübeck verliert die SPD elf von bisher 39 Sitzen. Auch bei den Landtagswahlen in Thüringen büßt die bisher regierende SPD elf Mandate ein (vorher 28), während der “Ordnungsblock” der bürgerlichen Parteien mit 35 Sitzen stärkste Fraktion wird.

Die mexikanischen Bundestruppen erringen den entscheidenden Sieg über die aufständischen Truppen unter General Adolfo de la Huerta. Die Schlacht bei Ocotlán verläuft für beide Seiten äußerst verlustreich.

11.2.1924, Montag

Der schwedische Schwimmer Arne Borg schwimmt in Honolulu Weltrekord über 800 m Freistil in 10:43,6 min.

Während der Aufführung von Ernst Tollers Bühnenstück “Hinkemann” im Wiener Raimundtheater versuchen Nationalsozialisten vergeblich, den Haupteingang zu stürmen. Das Theater wird von mehreren hundert Polizisten geschützt. In Dresden musste das pazifistische Stück wegen NS-Störungen abgesetzt werden.

Stanley Baldwin, bis Januar britischer Premierminister, wird von der Konservativen Partei einstimmig in seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigt.

12.2.1924, Dienstag

Nach einer antiseparatistischen Demonstration wird das Bezirksamt in Pirmasens, eine Schlüsselbastion der Separatisten in der Südpfalz, gestürmt. Da das französische Militär nicht eingreift, gelingt den aufgebrachten Bürgern die Vertreibung der Separatisten. Bei dem Kampf kommen sechs Angreifer und 14 Separatisten ums Leben.

Per Verordnung überführt die Reichsregierung die bisher vom Reich verwaltete Reichsbahn in den Betrieb und die Verwaltung des neuen, finanziell selbständigen Unternehmens “Deutsche Reichsbahn”. Dies ist eine der Maßnahmen zur Wirtschafts- und Währungsstabilisierung.

Im Beisein von 16 Archäologen wird der Sarkophag des ägyptischen Pharaos Tutanchamun geöffnet. Die sensationelle Entdeckung des Grabs im Tal der Könige bei Luxor im November 1922 hat ein weit über Archäologenkreise hinausgehendes Interesse entfacht.

In der New Yorker Aeolian Hall wird “Rhapsody in blue” von und mit George Gershwin uraufgeführt. Gershwin verbindet Jazzelemente mit Konzertmusik zum sog. sinfonischen Jazz.

13.2.1924, Mittwoch

In Kaiserslautern kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Separatisten und einer erregten Menschenmenge, in die auch französische Truppeneinheiten eingreifen. Drei Personen, darunter ein Separatist, werden getötet.

Mit einer Reichsschuldenordnung wird die Aufnahme von Kreditmitteln für das Deutsche Reich neu geregelt.

Um die Beiträge und Leistungen im Sozialversicherungswesen an die stabilisierten Währungsverhältnisse anzupassen, erlässt die Reichsregierung die Verordnung über die Fürsorgepflicht (Sozialhilfe) und die Verordnung über Erwerbslosenfürsorge (Arbeitslosenversicherun).

14.2.1924, Donnerstag

In Stuttgart wird das Schauspiel “Der Arme Konrad” von Friedrich Wolf uraufgeführt. Der sozialistische Dramatiker setzt sich in dem Stück mit der deutschen Novemberrevolution von 1918 auseinander.

Die 3. Steuernotverordnung der Reichsregierung sieht die Besteuerung von Gewinnen aus der Inflation von 1923 (“Aufwertungssteuer”) vor. Hausbesitzer haben künftig eine Hauszinssteuer zu entrichten, die den Wohnungsbau finanzieren soll.

Auf der Grundlage einer Übereinkunft der französischen, belgischen und britischen Regierung schliest die Interalliierte Rheinlandkommission mit dem Pfälzischen Kreisausschuss das sog. Speyrer Abkommen. Damit wird die Separatisten-Herrschaft in der Pfalz beendet; der Kreisausschuss tritt an die Spitze der Verwaltung.

Der Film “Siegfried” wird im Ufa-Palast am Zoo (Berlin) uraufgeführt. Es handelt sich um den ersten Teil von Fritz Langs Filmepos “Die Nibelungen”. Im Mai wird “Kriemhilds Rache” (2. Teil) uraufgeführt.

15.2.1924, Freitag

Das Lenin-Institut in Moskau wird zur einzigen staatlichen Sammelstelle für den Nachlass des am 21. Januar verstorbenen Revolutionsführers Wladimir I. Lenin und für die Dokumentation seiner Biographie erhoben.

In den Räumen der “Wilden Bühne” in Berlin, die im Januar geschlossen wurde, eröffnet Wilhelm Bendow das Kabarett “tü-tü”.

Ein deutsch-tschechoslowakisches Wirtschaftsabkommen stellt die gegenseitige Meistbegünstigung beider Vertragspartner sicher.

16.2.1924, Samstag

In Warschau beginnt die zweitägige Randstaatenkonferenz, an der Estland, Finnland, Lettland und Polen teilnehmen. Wegen Spannungen mit Polen bezüglich des Wilnagebiets fehlt Litauen. Vorwiegend werden Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit erörtert.

Nach gescheiterten Lohnverhandlungen bricht in London ein Dockerstreik aus. Die rasche Beilegung des Arbeitskampfes am 20. Februar steigert das Ansehen der Labour-Regierung in der britischen Öffentlichkeit.

Da sein satirisches Mappenwerk “Ecce homo” die öffentliche Moral verletze und die inneren Werte des deutschen Volkes in den Schmutz ziehe, verurteilt das Berliner Landgericht III den Maler und Grafiker George Grosz zu 6000 Mark Strafe. Durch den Prozess wird Grosz erst einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

In großer Aufmachung berichten die “London News” über die 160. Ausstellung der Royal Society of British Artists in London.

17.2.1924, Sonntag

Bei einer Volksabstimmung in der Schweiz wird eine vorübergehende Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 auf 54 Stunden mehrheitlich abgelehnt.

Die Österreicherin Herma Planck-Szabó wird in Oslo zum dritten Mal hintereinander Weltmeisterin im Eiskunstlauf der Damen.

Johnny Weissmuller schwimmt in Miami/Florida in 57,4 sec Weltrekord über 100 m Freistil.

Bei Ludwigsstadt entgleist der Gütereilzug München- Berlin beim Überqueren einer Brücke. Teile des Zugs, der in Brand gerät, stürzen in die Tiefe. Drei Personen, darunter der Lokomotivführer, kommen bei diesem schweren Eisenbahnunglück ums Leben.

Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Schwerin kommt es zu einem Rechtsruck. Die Sozialdemokraten verlieren ihre Mehrheit; die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) wird mit 19 Sitzen stärkste Fraktion.

Bei einem von der Bayerischen Volkspartei (BVP) initiierten Volksbegehren stimmt die Mehrheit der Stimmberechtigten für eine vorzeitige Auflösung des Landtags und eine Verfassungsänderung.

18.2.1924, Montag

Der Konflikt zwischen der Reichsregierung und Bayern über die Befehlsgewalt in der Reichswehr wird beigelegt. Otto von Lossow, umstrittener Reichswehrgeneral in Bayern, nimmt seinen Abschied.

US-Marineminister Edwin N. Denby muss wegen seiner Verwicklung in den sog. Teapot-Dome-Skandal zurücktreten. In den Bestechungsskandal sind auch führende US-Politiker verwickelt. Immer mehr Details werden über die Korruption unter dem früheren US-Präsidenten Warren Gamaliel Harding bekannt.

Bei vier Wiener Großbanken treten die Beamten in den Ausstand. Der Arbeitskampf weitet sich rasch aus und kann erst nach knapp drei Wochen beendet werden.

19.2.1924, Dienstag

Trotz umfangreicher Löscharbeiten wird der sog. Neue Bau in Ulm, eines der bedeutendsten historischen Gebäude der Stadt, durch ein Großfeuer fast vollständig zerstört.

20.2.1924, Mittwoch

Der Reichstag nimmt den Gesetzentwurf über ein Rechtsschutz- und Rechtshilfeabkommen mit Österreich einstimmig an. Ebenso werden Gesetzentwürfe über Danziger und Memelländische Rechtsangelegenheiten angenommen.

In der Türkei wird die Luftlinie zwischen Konstantinopel (Istanbul) und Angora (Ankara) eröffnet.

21.2.1924, Donnerstag

Nachdem die bisher in Thüringen regierende SPD bei den Landtagswahlen am 10. Februar schwere Verluste hinnehmen musste, wählt der Landtag eine bürgerliche Regierung. Ministerpräsident wird Richard Leutheußer (DVP).

In seinem 12. Monatsbericht legt Alfred Zimmermann, Generalkommissar des Völkerbundes für Österreich, die bereits erzielten Erfolge bei der Währungssanierung dar. Zugleich betont er jedoch die Notwendigkeit weiterer Einsparungen im Verwaltungsbereich.

22.2.1924, Freitag

In Magdeburg wird mit dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ein Kampfverband republikanischer Frontsoldaten gegründet. Ziel der Organisation, der in der Mehrzahl SPD-Mitglieder angehören, ist der Schutz der Republik und ihrer Institutionen gegenüber den Rechtsverbänden. Vorsitzender wird Otto Hörsing (SPD).

23.2.1924, Samstag

Nach mehrtägiger Debatte nimmt die französische Abgeordnetenkammer die von der Regierung zum Schutz des rapide sinkenden Franc vorgelegte Finanzreform an. Vorgesehen sind u.a. 20%ige Steuererhöhungen.

Im Schauspielhaus Leipzig wird die Tragikomödie “Wer weint um Juckenack” von Hans José Rehfisch uraufgeführt.

Nach einem Berliner Urteil stellen Strohhalme kein Verkehrshindernis dar. Gegen einen Kaufmann, dem beim Entladen seines Wagens einzelne Strohhalme auf die Straße gefallen waren, hatte ein Schupobeamter eine entsprechende Anzeige erstattet.

24.2.1924, Sonntag

In Anwesenheit von Reichspräsident Friedrich Ebert, Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) und verschiedener Reichsminister findet im Plenarsaal des Reichstags eine Kundgebung für den “gefährdeten deutschen geistigen Mittelstand” statt. In den Redebeiträgen wird u.a. auf die Notlage der Universitäten und Forschungsstätten hingewiesen.

25.2.1924, Montag

Der österreichische Bundeskanzler Ignaz Seipel unternimmt einen Vorstoß zur Beilegung des Streiks der Wiener Bankbeamten und – angestellten. Seipel unterbreitet beiden Seiten Vermittlungsvorschläge, die jedoch am 27. Februar an der Frage der Verlängerung des Schalterdienstes in den Nachmittagsstunden scheitern. Erst am 6. März wird eine Einigung erzielt.

26.2.1924, Dienstag

Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) verteidigt vor dem Reichstag die von seiner Minderheitsregierung erlassenen Notverordnungen als unentbehrliches Reformwerk. Er droht mit der Auflösung des Reichstags, wenn die oppositionelle Reichstagsmehrheit auf ihren Anträgen zur Aufhebung oder Änderung der Verordnungen bestehe.

Vor dem Volksgericht München I beginnt der Hochverratsprozess gegen NSDAP-Führer Adolf Hitler, Weltkriegsgeneral Erich Ludendorff und andere am Münchner Hitlerputsch vom 8./9. November 1923 Beteiligte. Der Prozess stößt auf großes öffentliches Interesse im Deutschen Reich und im Ausland.

27.2.1924, Mittwoch

Nach der Ablehnung eines französisch-belgischen Handelsabkommens durch die belgische Abgeordnetenkammer erklärt die Regierung unter Georges Theunis, die mit der Abstimmung die Vertrauensfrage verbunden hatte, ihren Rücktritt. Am 11. März bildet Theunis eine neue Regierung, der als Außenminister Paul Hymans angehört.

Helene Engelmann und Alfred Berger gewinnen in Manchester die Weltmeisterschaft im Eiskunstlauf der Paare.

28.2.1924, Donnerstag

Da sich eine politische und wirtschaftliche Stabilisierung im Deutschen Reich abzuzeichnen beginnt, hebt Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) den militärischen Ausnahmezustand auf, der seit dem 26. September 1923 besteht. Auch die Generalermächtigung für den Chef der Heeresleitung, Hans von Seeckt, wird beendet.

General a. D. Erich Ludendorff greift vor dem Volksgericht München I den “hohen Klerus” wegen seiner angeblich judenfreundlichen Haltung an und kritisiert zugleich die “deutschfeindliche” Einstellung des Vatikans. Ludendorff steht wegen Teilnahme am Hitlerputsch vor Gericht.

Preußen unterbreitet der ehemaligen königlichen Familie zur Frage der Vermögensauseinandersetzung ein weiteres Angebot. Die Hohenzollern sollen u.a. die besten Güter aus dem 1918 beschlagnahmten Hofkammerbezirk erhalten. Dieser Staatsvorschlag wird jedoch nicht akzeptiert.

In Wien wird Emmerich Kálmáns Operette “Gräfin Mariza” mit großem Erfolg uraufgeführt.

29.2.1924, Freitag

Nach Aufhebung des militärischen Ausnahmezustands im Deutschen Reich am Vortag erlässt Generaloberst Hans von Seeckt, Chef der Heeresleitung, einen Befehl an die Reichswehr, in dem er derselben Dank und Anerkennung für ihre Tätigkeit zur Wiederherstellung der Reichsautorität ausspricht.

Durch K.-o.-Sieg über Hans Breitensträter wird Paul Samson-Körner im Berliner Sportpalast Deutscher Boxmeister im Schwergewicht.