Was geschah im Februar 1930

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Wetterstationen Februar 1930

1.2.1930, Samstag

In Berlin beginnt die 5. Grüne Woche, die internationale Ausstellung für landwirtschaftliche Produkte, auf einer Ausstellungsfläche von über 55 000 m². Im Mittelpunkt der diesjährigen Landwirtschaftsmesse stehen technische Verfahren zur Bodenverbesserung (Meliorationswesen).

ln Moskau verordnet die sowjetische Regierung unter dem Parteivorsitzenden Josef W. Stalin die Enteignung und Ausweisung der Kulaken (Großbauern) aus Gegenden mit Genossenschaftsbetrieben (Kolchosen).

In Frankfurt findet die Uraufführung von Arnold Schönbergs Oper “Von Heute auf Morgen” unter der musikalischen Leitung von Hans Wilhelm Steinberg statt. Die Regie führt der Österreicher Herbert Graf.

2.2.1930, Sonntag

Reichsinnenminister Carl Severing (SPD) eröffnet in Braunschweig das “Forschungsinstitut für Erziehungswissenschaften”. Aufgabe des Instituts ist die wissenschaftliche Untersuchung des Erziehungsprozesses und eine Verbesserung der Lehrerausbildung im Deutschen Reich.

Das erste Lauberhornrennen geht mit zwei schweizerischen und einem britischen Sieg in Wengen (Schweiz) zu Ende.

3.2.1930, Montag

Mit dem Ziel, ganz Indochina von der französischen Kolonialherrschaft zu befreien, wird in Hongkong die Kommunistische Partei Vietnams gegründet. Unter den Gründungsmitgliedern ist auch Ho Chi Minh.

In den USA tritt William Howard Taft als Vorsitzender des Obersten Gerichtshofes zurück. Taft steuerte als Oberster Bundesrichter einen liberal-konservativen Kurs. Sein Nachfolger wird am 13. Februar der Republikaner Charles Evans Hughes, der sich als US-amerikanischer Außenminister zwischen 1921 und 1925 u.a. für weltweite Rüstungsbeschränkungen eingesetzt hatte.

Zum ersten Mal gelingt es in Indien Angehörigen der Kaste der Unberührbaren (Paria), in ein Lokalparlament in Bengalen gewählt zu werden. Die Parias, die im Hinduismus auch als Unberührbare bezeichnet werden, leben als verachtete Außenseiter in der Gesellschaft der Hindus.

Ein schweres Erdbeben auf Neuseeland fordert 800 Menschenleben, 66 000 Personen werden obdachlos.

Das Leipziger Städtische Schauspielhaus bringt unter der Regie von Detlef Sierck Bernhard Blumes Drama “lm Namen des Volkes” zur Uraufführung.

Unter der musikalischen Leitung des Dirigenten Eugen Jochum werden in Duisburg Günther Raphaels “Variationen über eine schottische Volksweise” uraufgeführt.

4.2.1930, Dienstag

Der preußische Innenminister Albert Grzesinski (SPD) verfügt, dass Mitglieder staatsfeindlicher Parteien und Organisationen keine leitenden Positionen in der Kommunalverwaltung mehr einnehmen dürfen. Die Verordnung richtet sich insbesondere gegen Nationalsozialisten und Kommunisten.

Die Reichsbank senkt den Diskontsatz (von 6,5 auf 6%) und den Lombardsatz (von 7,5 auf 7%). Diese wirtschaftspolitische Maßnahme ermöglicht es den Banken, zinsgünstige Kredite zu vergeben. Damit folgt die Reichsbank der internationalen Entwicklung, durch Zinssenkungen den Geldumlauf zu erhöhen.

5.2.1930, Mittwoch

Das Reichskabinett tritt unter dem Vorsitz von Reichskanzler Hermann Müller (SPD) zu einer ersten Etatberatung für das laufende Jahr zusammen. Der Haushaltsplan soll u.a. eine Finanzhilfe für die hochverschuldeten Länder und Gemeinden enthalten.

Der Reichsrat, die Vertretung der deutschen Länder bei Gesetzgebung und Verwaltung des Reiches, genehmigt den Youngplan. Dabei setzt sich die Mehrheit des Reichsrates über einen bayerischen Vertagungsantrag hinweg, um eine schnelle Verwirklichung der Reparationspläne zu ermöglichen.

Im Deutschen Reich beginnt der Verkauf des neuen “Opel 1930”.

6.2.1930, Donnerstag

In Rom unterzeichnen der österreichische Bundeskanzler Johannes Schober (Schoberblock) und der italienische Ministerpräsident und Duce, Benito Mussolini, einen Freundschafts- und Schiedsgerichtsvertrag.

In einer Sitzung des Mecklenburg-Strelitzschen Landtages plädiert Staatsminister Kurt Artur Freiherr von Reibnitz (SPD) für einen Anschluss des Landes an Preußen, weil das kleine Land seine Finanznotlage nicht allein überwinden könne.

In New York wird die siebzehnjährige Norwegerin Sonja Henie Eiskunstlauf-Weltmeisterin.

7.2.1930, Freitag

Reichsfinanzminister Paul Moldenhauer (DVP) legt den Fraktionsführern und Steuerexperten der Regierungsparteien (DVP, DDP, BVP, Zentrum und SPD) sein Finanzprogramm für das Jahr 1930 vor; es sieht eine Steuererhöhung vor, die für das Reich Mehreinnahmen von 370 Mio. RM bedeutet.

Die Opiumkommission des Völkerbundes in Genf beschließt eine weltweite Begrenzung der Produktion von Rauschgift. Es soll nur noch soviel Rauschgift hergestellt werden, wie für medizinische Zwecke benötigt wird.

8.2.1930, Samstag

Die französische Nationalversammlung in Paris billigt die Vorlage der Regierung unter André Tardieu (Radikalsozialist) zur Einführung einer allgemeinen Sozialversicherung in Frankreich mit 315 gegen 267 Stimmen.

Papst Pius XI. veröffentlicht in Form eines offenen Briefes eine Anklageschrift gegen die Christenverfolgung in der Sowjetunion.

Der Prozess gegen die Fälscher der russischen Tscherwonez-Noten wird überraschend eingestellt, die Angeklagten werden freigesprochen. Das Gericht geht davon aus, dass die Täter nicht aus eigennützigen, sondern aus politischen Motiven gehandelt haben.

Der thüringische Innen- und Volksbildungsminister Wilhelm Frick (NSDAP) verfügt, dass Erich Maria Remarques Roman über den Weltkrieg “Im Westen nichts Neues” (1929) in keiner Schule des Landes mehr gelesen werden darf. Das Werk wird als “pazifistisch-marxistische Propaganda” bezeichnet.

Die politische Komödie “Napoleon greift ein”, in der sich der deutsche Dramatiker Walter Hasenclever mit reaktionären Zeiterscheinungen auseinandersetzt, wird in Frankfurt am Main uraufgeführt. In den Hauptrollen sind Lydia Busch und Martin Kosta zu sehen.

9.2.1930, Sonntag

Das Finale der internationalen Deutschen Hallentennis-Meisterschaften in Bremen gewinnt in fünf Sätzen der Schwede Carl Oestberg gegen den Deutschen Frenz.

Bei einem Wettrennen zwischen einem Flugzeug, einem Motorrad und einem Automobil auf dem zugefrorenen Eibsee in Bayern siegt der deutsche Flieger Ernst Udet. Automobilrennfahrer Hans Stuck geht als letzter durch das Ziel.

Im Berliner Sportpalast siegt die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft 2:1 im Endspiel der Europameisterschaft gegen die Schweiz.

Der estnische Staatspräsident Otto Strandmann besucht Polen, um mit dem polnischen Ministerpräsidenten Kazimierz Bartel über eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden osteuropäischen Staaten zu beraten.

In Nanking tritt der Außenminister der Nationalregierung, Wang Ch’ung-hui, zurück, nachdem ihm die Regierung Kompetenzüberschreitungen beim Abschluss des sowjetisch-chinesischen Protokolls am 22. Dezember 1929 vorgeworfen hat. Das Vertragswerk von Chaborowsk beinhaltet u.a. ein Abkommen über die Ost-China-Bahn, die eine Verbindung zwischen den mandschurischen Städten Tsitsikar und Harbin mit der sowjetischen Hafenstadt Wladiwostok herstellt.

10.2.1930, Montag

Rektor und Senat der Universität Köln beschließen das vorläufige Verbot der Kölner Hochschulgruppe des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) bis zum Abschluss eines Disziplinarverfahrens. Bei einer NSDStB-Versammlung am 7. Februar wurden Hochschullehrer und jüdische Studenten tätlich angegriffen.

Der bisherige päpstliche Nuntius im Deutschen Reich, Kardinal Eugenio Pacelli (später Papst Pius XII.), wird Kardinalstaatssekretär des Papstes. Zu Pacellis neuen Aufgaben gehört u.a. die Beratung des Papstes in politischen Fragen.

11.2.1930, Dienstag

Der Reichstag nimmt die Debatte über den Youngplan zu den deutschen Reparationszahlungen auf. Außenminister Julius Curtius (DVP) betont die wesentlichen politischen und finanziellen Verbesserungen gegenüber dem Dawesplan, der seit 1924 galt.

Gustav Hartung legt die Leitung des Berliner Renaissance-Theaters nieder. Wegen der finanziellen Krise mussten schon sechs Bühnen in der Reichshauptstadt schließen.

Im Hafen von New York wird das deutsche Passagierschiff “München” durch einen Brand völlig zerstört.

12.2.1930, Mittwoch

In Kolumbien wird der Liberale Enrique Olaya Herrera zum Staatspräsidenten gewählt. Olaya tritt sein Amt am 7. August an.

Nachdem die Leitung der Opel-Werke in Rüsselsheim Mitglieder des Betriebsrates entlassen hat, kommt es auf dem Werksgelände zu Krawallen von Belegschaftsmitgliedern. Die Unruhen werden durch Einsatz von Polizei beendet.

13.2.1930, Donnerstag

In Berlin wird der “Reichsverband der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften – Raiffeisen e. V.” gegründet. Dieser einheitliche Genossenschaftsverband soll mit Hilfe eines sanierten und rationalisierten Genossenschaftswesens zur Verbesserung der Lage der notleidenden Landwirtschaft beitragen. Ins Präsidium wird u.a. Andreas Hermes gewählt.

14.2.1930, Freitag

Auf dem Württembergischen Städtetag in Stuttgart protestieren die Städte gegen einen Gesetzentwurf der Landesregierung unter Eugen Bolz (Zentrum), der nach Ansicht der Städtevertreter große Gemeinden ungleich mehr belastet als die kleinen Kommunen.

In Kalkutta legt der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, Mohandas Karamchand (Mahatma) Gandhi, dem Arbeitsausschuss des Allindischen Kongresses einen Aktionsplan vor, in dem er u.a. die Steuerverweigerung der Inder gegenüber der britischen Kolonialmacht in bestimmten Distrikten Indiens befürwortet.

15.2.1930, Samstag

Der thüringische Minister für Volksbildung, Wilhelm Frick (NSDAP), enthebt den Weimarer Schulleiter Dr. Siefert des Amtes, weil dieser seinen Schülern die Mitgliedschaft in dem rechtsgerichteten Jugendbund “Adler und Falken” verboten hat. Siefert berief sich bei seinem Verbot auf die staatliche Schulordnung, die nicht wahlmündigen Schülern die Mitgliedschaft in politischen Vereinigungen untersagt.

Die Regierung der Sowjetunion beschließt, die Warenbörsen und Fondsabteilungen abzuschaffen. Die Devisen- und Wertpapierkurse werden von nun an durch die Staatsbank der Sowjetunion festgelegt. Damit ist ein weiteres privatwirtschaftliches Element in der Sowjetunion beseitigt.

Der österreichische Kultusminister Heinrich Ritter von Srbik gibt einen “Erlass über die neue Nationalhymne” heraus. Danach soll bei offiziellen Anlässen ausschließlich die von Josef Haydn komponierte “Kaiser-Hymne” mit einem Text von Ottokar Kernstock gesungen werden. Srbik reagiert mit seinem Erlass auf ausländische Kritik, der Text der Nationalhymne erinnere immer noch an die im Jahre 1918 aufgelöste Donaumonarchie.

In Saint Louis wählt der US-amerikanische Tennisverband William Tatem (“Big Bill”) Tilden zum zehnten Mal hintereinander zum besten Tennisspieler der Vereinigten Staaten. Tilden gewann 1920 als erster US-Amerikaner in Wimbledon. Er gilt seitdem weltweit als die herausragende Persönlichkeit des “weißen Sports”.

16.2.1930, Sonntag

Unter der Regie von Leopold Jessner wird im Staatlichen Schauspielhaus Berlin das Stück “Die Südpolexpedition des Kapitäns Scott” des deutschen Schriftstellers Reinhard Goering uraufgeführt.

Auf einer Pressekonferenz in Moskau wendet sich das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, der Metropolit Sergius, gegen den Vorwurf ausländischer Zeitungen, in der Sowjetunion würden die Christen vom Staat verfolgt.

17.2.1930, Montag

In Paris tritt die Regierung des radikalsozialistischen Ministerpräsidenten André Tardieu nach einer Abstimmungsniederlage im Parlament zurück. Der Rücktritt hat zur Folge, dass Außenminister Aristide Briand seine Arbeit auf der Londoner Flottenkonferenz vorzeitig abbrechen muss.

In Genf beginnt die sog. Zollfriedenskonferenz des Völkerbundes, an der u.a. Vertreter von 26 europäischen Staaten teilnehmen. Wichtigstes Ziel der Konferenz ist der langfristige Abbau internationaler Handelsschranken. Die Konferenz geht am 24. März mit der Unterzeichnung einer Zollkonvention zu Ende.

Reichspräsident Paul von Hindenburg lehnt es ab, seine Zustimmung zu den Gesetzen über die deutschen Reparationszahlungen zu verweigern. Der Vorsitzende der deutschnationalen Volkspartei (DNVP), Alfred Hugenberg, und ihr Fraktionsvorsitzender im Reichstag, Ernst Oberfohren, hatten bei einer Audienz in Berlin versucht, ihn zu diesem Schritt zu bewegen.

18.2.1930, Dienstag

Ein Erlass des preußischen Innenministers Albert Grzesinski (SPD) und des Finanzministers Hermann Höpker-Aschoff (Staatspartei) schreibt eine verstärkte Kontrolle der kommunalen Finanzwirtschaft in Preußen vor. Kredite dürfen von Städten und Gemeinden künftig nur dann aufgenommen werden, wenn sie auch von den örtlichen Kreditausschüssen genehmigt worden sind.

Die sächsische Landesregierung unter Ministerpräsident Wilhelm Bünger (DVP) wird durch einen Misstrauensantrag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) gestürzt. Die Regierung war wegen ihrer positiven Haltung zum Youngplan in die Kritik geraten.

In Warschau unterzeichnen deutsche und polnische Regierungsvertreter einen Vertrag über die Regelung der Roggenausfuhr beider Staaten. Das Abkommen soll einen Konkurrenzkampf der beiden Staaten um den Roggenexport in die skandinavischen Länder verhindern.

19.2.1930, Mittwoch

Da der französische Außenminister Aristide Briand wegen der Regierungskrise in Paris zurückgerufen wurde, wird die Londoner Konferenz über internationale Flottenabrüstung bis zum 26. Februar vertagt.

20.2.1930, Donnerstag

Reichsfinanzminister Paul Moldenhauer (DVP) wird durch das Reichskabinett ermächtigt, die Zölle für Kaffee und Tee ab 5. März zu erhöhen. Pro Doppelzentner erhöht sich der Zoll für gebrannten Kaffee von 173 auf 300 und für Tee von 220 auf 350 Reichsmark.

Die Leitung der Gutehoffnungshütte AG in Oberhausen beantragt beim Regierungspräsidenten der preußischen Provinz Rheinland in Düsseldorf wegen der schlechten Absatzlage die Entlassung von 2000 Bergarbeitern.

In der Dortmunder Tageszeitung “Tremonia” macht der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer (Zentrum) auf die finanziellen Schwierigkeiten der Städte und Gemeinden aufmerksam. Er appelliert an die Reichsregierung, die Kommunen finanziell stärker zu entlasten.

21.2.1930, Freitag

In Paris bildet Camille Chautemps (Radikalsozialist) eine neue französische Regierung. An der Koalition sind neben den Radikalsozialisten die Parteien der gemäßigten bürgerlichen Linken beteiligt.

Der italienische Ministerpräsident und Duce, Benito Mussolini, erlässt eine Amnestie für inhaftierte deutschsprachige Südtiroler. Die deutschsprachigen Südtiroler wehren sich gegen eine Italienisierung ihres Landes, das nach dem Weltkrieg an Italien fiel. Die Amnestie wird als eine erste positive Auswirkung des österreichisch-italienischen Freundschaftsvertrages vom 6. Februar gewertet.

Das Verkehrsministerium der Nationalchinesischen Republik und die Deutsche Luft-Hansa schließen in Nanking einen Vertrag über die Gründung einer transkontinentalen Postlinie zwischen dem Deutschen Reich und dem Fernen Osten.

22.2.1930, Samstag

Der österreichische Bundeskanzler Johannes Schober (Schoberblock) trifft zu einem Staatsbesuch in Berlin ein. Im Verlauf seiner Gespräche mit Reichskanzler Hermann Müller (SPD) kommt es zur Einigung über einen deutsch-österreichischen Handelsvertrag, der am 12. April unterzeichnet wird.

Auf einer Ausstellung der Kommunistischen Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur werden das Bild “Christus mit der Gasmaske” und weitere Werke des Malers George Grosz beschlagnahmt. Gegen Grosz wird Anklage wegen “Beschimpfungen von Einrichtungen der christlichen Kirche” erhoben. Der Prozess vor dem Zweiten Strafsenat des Reichsgerichts beginnt am 27. Februar und endet am 3. Dezember.

Im Folkwangmuseum in Essen wird die erste geschlossene Ausstellung des Bauhauses, der 1919 von dem deutschen Architekten Walter Gropius in Weimar gegründeten Hochschule für Gestaltung, eröffnet. Sie stellt die pädagogische und produktive Organisation der seit 1925 nach Dessau verlegten Hochschule dar und wird durch Bilder und Fotos von dort lehrenden Künstlern wie Paul Klee und Lyonel Feininger ergänzt.

23.2.1930, Sonntag

In Berlin erliegt der Nationalsozialist Horst Wessel einer Schussverletzung, die ihm bei einem Überfall eines kommunistischen Rollkommandos am 14. Januar zugefügt wurde. Wessel ist der Dichter des nach ihm benannten “Horst Wessel-Liedes” (“Die Fahne hoch”) und wird von den Nationalsozialisten nach seinem Tod zum Märtyrer der “Bewegung” stilisiert.

Die Schülerzahl pro Volksschulklasse wird vom Berliner Magistrat von 34 auf 36 erhöht. Dadurch können in Berlin 387 Lehrkräfte entlassen werden. Viele Städte im Deutschen Reich versuchen mit ähnlichen Sparmaßnahmen, ihre Haushalte zu entlasten.

24.2.1930, Montag

Der Landtag des deutschen Freistaates Schaumburg-Lippe lehnt in dritter Lesung den Antrag der Landesregierung unter Heinrich Lorenz (SPD) auf Anschluss des Landes an Preußen ab. Der Anschluss sollte die Finanznöte des kleinen Landes beseitigen.

Faisal I., König des Irak, und Abd Al Asis Ibn Saud, König der Hedschas (Teil Saudi-Arabiens), unterzeichnen in Basra einen Friedens- und Freundschaftsvertrag, der die jahrelange Feindschaft beider Königreiche beenden soll.

25.2.1930, Dienstag

Die erst seit dem 21. Februar amtierende französische Regierung unter dem radikalsozialistischen Ministerpräsidenten Camille Chautemps muss zurücktreten, weil sie im Parlament keine Mehrheit findet. Der Vorgänger Chautemps, André Tardieu, wird erneut mit der Bildung der Regierung beauftragt.

26.2.1930, Mittwoch

Auf einer Konferenz mit den Führern der malaysischen Sektion der chinesischen Nationalpartei Kuomintang (KMT) kündigt der neue britische Gouverneur für die malaysischen Staaten, Sir Geil Clementi, an, dass er in Zukunft öffentliche Aktivitäten der KMT wie z. B. Versammlungen verbieten will.

Der Ski-Weltverband beschließt in Oslo die Einführung von internationalen Wettkämpfen in den alpinen Ski-Disziplinen Abfahrts- und Slalomlauf. Bisher wurden in diesen Disziplinen nur Wettkämpfe auf nationaler Ebene ausgetragen.

27.2.1930, Donnerstag

Der II. Parteitag der Kommunistischen Partei (KP) Ungarns findet bei Moskau statt. In Ungarn, das von dem Reichsverweser Miklós Horthy autoritär regiert wird, ist die Partei verboten.

28.2.1930, Freitag

Überraschend tritt in Berlin der preußische Innenminister Albert Grzesinski (SPD) zurück. Grzesinski, der wegen seines Privatlebens von der rechtsradikalen Presse angegriffen wurde, gibt als Rücktrittsgrund seine angeschlagene Gesundheit an.