Was geschah im Februar 1972

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1.2.1972, Dienstag

Die Polizei stellt einen Teil des Lösegelds von der Entführung des Großkaufmanns Theodor Albrecht sicher. Nach entsprechenden Hinweisen von einem der beiden Entführer werden rd. 2,8 Mio. DM (von insgesamt 7 Mio. DM) in drei Verstecken in Waldstücken im Raum Düsseldorf und Recklinghausen gefunden.

Der CDU-Vorsitzende Rainer Barzel fährt in die USA zu einem Informationsbesuch (seit 25. 1.) in dessen Verlauf er auch von US-Präsident Richard M. Nixon empfangen wird. Anschließend erklärt Barzel gegenüber der Presse, er habe die Überzeugung gewonnen, dass das US-amerikanische Engagement gegenüber den europäischen Bündnispartnern unverändert sei und die US-Truppenstärken in Europa mittelfristig aufrechterhalten würden.

2.2.1972, Mittwoch

Eine Partei- und Regierungsdelegation der DDR unter Leitung des 1. Sekretärs der SED, Erich Honecker, kommt zu einem Freundschaftsbesuch nach Ungarn (bis 3. 2.). Im Mittelpunkt der Gespräche mit führenden ungarischen Politikern steht die Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten.

Die britische Botschaft in Dublin wird von einer aufgebrachten Menge von rd. 25 000 Personen aus Protest gegen die Schießereien in Londonderry am 30. Januar gebrandschatzt.

Im National Theatre in London wird das Bühnenstück “Jumpers” (“Akrobaten”) von Tom Stoppard in einer Inszenierung von Peter Wood uraufgeführt.

Eugène Ionescos “Macbett” wird im Théâtre Rive Gauche in Paris uraufgeführt. Regie führt Jacques Mauclair.

Auf den britischen Yachtclub in Berlin-Gatow wird ein Sprengstoffanschlag verübt, bei dem ein Bootsbauer ums Leben kommt. Die terroristische “Bewegung 2. Juni” übernimmt die Verantwortung für die Tat.

3.2.1972, Donnerstag

Der japanische Kaiser Hirohito eröffnet im Makomanai-Stadion von Sapporo die elften Olympischen Winterspiele. In den 35 Wettbewerben (bis 13. 2.) gehen 1129 Sportlerinnen und Sportler aus 35 Ländern an den Start.

4.2.1972, Freitag

In Wien wird die sechste Verhandlungsrunde der US-amerikanisch-sowjetischen Gespräche zur Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT), die am 15. November 1971 aufgenommen worden war, beendet. In einer Anzahl von Fragen konnten Fortschritte erzielt werden. Die Gespräche sollen am 28. März in Helsinki fortgesetzt werden.

Der neue Staat Bangladesch wird von zahlreichen westlichen und neutralen Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien, völkerrechtlich anerkannt.

Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) appelliert in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung und die Sicherheitsorgane, der terroristischen Gewalttätigkeit Einhalt zu gebieten, erklärt aber zugleich: “Blindes Draufschlagen ist keine Politik, die dem Grundgesetz entspricht”.

Nach schwierigen Verhandlungen erzielen die Delegationen der USA und der EWG in Brüssel eine Einigung über die Grundlagen für eine Verbesserung ihrer angespannten Handelsbeziehungen. Damit ist die Gefahr eines Handelskriegs ausgeräumt. Die Übereinkunft umfasst Konzessionen der EWG bei Agrarprodukten und Abmachungen, die auf längere Sicht zu einer stärkeren Liberalisierung des Welthandels führen sollen.

Der planmäßige Flugverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion wird gemäß dem Luftverkehrsabkommen vom November 1971 durch die Aeroflot mit einem Flug Moskau- Frankfurt am Main aufgenommen. Am folgenden Tag landet erstmalig seit dem Zweiten Weltkrieg eine Lufthansa-Maschine in Moskau. Beide Gesellschaften werden zunächst zwei Dienste pro Woche fliegen.

Die US-Raumsonde Mariner 9 sendet erste Fotos von der Marsoberfläche. Die aufsehenerregenden Bilder zeigen Vulkane und ausgetrocknete Flussbetten auf dem Mars.

5.2.1972, Samstag

Ceylon erlässt ein Einreiseverbot für Hippies, da diese angeblich den Pockenerreger einschleppen und verbreiten würden. Allerdings können die Einreisebehörden nicht genau definieren, wer als “Hippie” aufgefasst wird.

6.2.1972, Sonntag

In Brühl werden fünf Gastarbeiter aus Jordanien von zwei mit Maschinenpistolen bewaffneten Männern erschossen. Die Täter – vermutlich Jordanier – können entkommen. Polizei und Staatsanwaltschaft schließen ein politisches Motiv für die Gewalttat nicht aus.

In der Nacht zum Sonntag wird auf die Hamburger Aggregate-Firma Strüver, die u.a. die Bundeswehr und Streitkräfte von Nahost-Staaten beliefert, ein Sprengstoffanschlag verübt. Die palästinensische Guerilla-Gruppe “Schwarzer September” erklärt sich verantwortlich für den Anschlag. Die Explosion in der Fertigungshalle des Unternehmens verursacht einen Sachschaden in Millionenhöhe.

7.2.1972, Montag

In Großbritannien soll bis 1975 das metrische System für Maße und Gewichte eingeführt werden. Die britische Regierung veröffentlicht ein entsprechendes Weißbuch.

In Köln und Mülheim werden die anarchistische Zeitschrift “Befreiung” sowie Vertriebsmaterialien beschlagnahmt. Durchsucht werden sechs Wohnungen, eine Druckerei und die Räume des Republikanischen Clubs. Es wird u.a. wegen Unterstützung der Baader-Meinhof-Gruppe ermittelt.

Ugandas Präsident Idi Amin Dada kommt zu einem Besuch in die Bundesrepublik Deutschland (bis 11. 2.). Idi Amin, der u.a. von Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP) empfangen wird, regt weitere bundesdeutsche Entwicklungshilfeprojekte für sein Land an. Bisher erhielt Uganda Zusagen für Kapitalhilfe in Höhe von 74,6 Mio. DM davon wurden 39,8 Mio. DM ausgezahlt.

8.2.1972, Dienstag

Bangladesch und Indien vereinbaren den Abzug sämtlicher indischer Truppen aus Bangladesch bis zum 25. März. Darauf haben sich die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi und der Regierungschef von Bangladesch, Mujibur Rahman, bei einem zweitägigen Treffen in Kalkutta verständigt.

Ein Beschluss des Politbüros der SED in der DDR sieht die Sozialisierung von Betrieben mit staatlicher Beteiligung sowie privaten Industrie- und Baubetrieben vor.

Bei der Anhörung zum neuen Tierschutzgesetz vor dem Landwirtschaftsausschuss des Bundestags werden schwere Vorwürfe gegen die moderne Massentierhaltung erhoben. Der Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierschutz, Jürgen Weichert, erklärt, die extremen Intensivhaltungssysteme degradierten das Tier zu einem “Nutzungs- und Ausbeutungsobjekt, wie man es sich schlimmer gar nicht vorstellen kann”.

9.2.1972, Mittwoch

US-Präsident Richard M. Nixon übermittelt dem US-Kongress in Washington seinen Bericht über die Außenpolitik der USA. u.a. äußert sich Nixon über die US-amerikanischen Beziehungen zur VR China und zur Sowjetunion.

Im Deutschen Bundesrat werden in erster Lesung die Ostverträge beraten, die 1970 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion bzw. Polen abgeschlossen worden sind. Mit 21 gegen 20 Stimmen nimmt der Bundesrat eine bedingt ablehnende Entschließung der CDU/CSU-regierten Länder an.

10.2.1972, Donnerstag

Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) reist zu Gesprächen im Rahmen der deutsch-französischen Konsultationen nach Paris (bis 11. 2.), wo er mit dem französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou zusammentrifft. Beide stimmen in der Ostpolitik überein. Ferner werden Vereinbarungen in der Währungspolitik getroffen, die als ein neuer Start in die europäische Wirtschafts- und Währungsunion gewertet werden.

11.2.1972, Freitag

Athen protestiert in einer scharfen Note gegen Waffenimporte Zyperns. Zwischen dem Inselstaat und Griechenland herrschen seit längerem äußerst gespannte Beziehungen, da sich Zypern-Präsident Erzbischof Makarios III. griechischen Plänen, Zypern aufzuteilen, widersetzt.

In einer von der Nachrichtenagentur TASS veröffentlichten Erklärung der sowjetischen Regierung zur Lage in Indochina lehnt Moskau den US-amerikanischen Acht-Punkte-Plan zur Beendigung des Vietnamkriegs ab.

Zehntausende von Bauern protestieren überall in der Bundesrepublik Deutschland mit Sternfahrten und Demonstrationen gegen die von der EG-Kommission vorgeschlagene Erhöhung der Erzeugerpreise für die Landwirtschaft. Die Kommission hatte eine durchschnittliche Anhebung um 8% in zwei Jahren vorgeschlagen. Der Deutsche Bauernverband fordert eine Preiserhöhung um mindestens 12%.

12.2.1972, Samstag

Schwere Schneestürme im Iran haben nach offiziellen Angaben aus Teheran bisher 23 Menschenleben gefordert. Inoffiziellen Berichten zufolge sollen 4000 bis 5000 Dorfbewohner unter den Schneemassen im besonders betroffenen Nordwesten des Landes begraben worden sein. Die Armee unterstützt die Rettungsarbeiten im Katastrophengebiet, aus dem bereits 5000 Menschen evakuiert worden sein sollen.

13.2.1972, Sonntag

Mit einem Appell an alle Völker der Welt, den “Freiheitskampf Indochinas gegen die Vereinigten Staaten zu unterstützen”, geht in Versailles die “Weltversammlung für den Frieden und die Unabhängigkeit der Völker Indochinas” zu Ende. Prominente Teilnehmerin der “Weltversammlung”, an der über 1200 Delegierte aus 84 Ländern teilnehmen, ist die US-amerikanische Filmschauspielerin Jane Fonda, die sich in der Anti-Vietnamkrieg-Kampagne engagiert.

14.2.1972, Montag

Die Briten erleben einen “schwarzen Montag”, nachdem am 10. Februar im Zusammenhang mit dem Bergarbeiterstreik von der Regierung scharfe Krisenmaßnahmen erlassen wurden. Die Stromabschaltungen tauchen das Land in Dunkelheit, viele Betriebe stellen die Produktion ganz oder teilweise ein.

15.2.1972, Dienstag

Im Hamburger Hafen ertrinken 17 Arbeiter nach der Kollision der Barkasse “Cäsar II” mit der Hadag-Fähre “Eppendorf”. Die Barkasse transportierte 45 Schauerleute zur Arbeit.

Zum Abschluss eines zweitägigen Staatsbesuchs des indonesischen Präsidenten Kemusu Suharto auf den Philippinen kündigen Suharto und der Präsident der Philippinen, Ferdinando Edralin Marcos, eine engere Zusammenarbeit ihrer Länder auf dem Verteidigungssektor an.

In Ecuador wird die Regierung unter Präsident José María Velasco Ibarra durch einen unblutigen Militärputsch gestürzt. Eine Militärjunta unter dem Oberbefehlshaber der Armee, Brigadegeneral Guillermo Rodríguez Lara übernimmt die Macht.

Das isländische Parlament beschließt die Erweiterung der Fischereigrenzen von bisher zwölf auf 50 Seemeilen. Ministerpräsident Olafur Jóhannesson erklärt, ein Land, dessen Export bis zu 90% aus Fischen und Fischprodukten bestehe, dürfe eine Fischereigrenze beanspruchen, die den ganzen Festlandsockel einbeziehe.

16.2.1972, Mittwoch

Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt (SPD) erzielt bei Gesprächen mit seinem französischen Amtskollegen Michel Debré in Paris Übereinstimmung über die Serienfertigung des Trainings- und taktischen Kampfflugzeugs Alpha-Jet, das in den Luftwaffen beider Länder gleichzeitig eingeführt werden soll.

17.2.1972, Donnerstag

Das britische Unterhaus in London billigt in zweiter Lesung das Beitrittsgesetz zur EG.

Nach Rücktritt der Mitte-Links-Regierung unter Emilio Colombo (15. 1.) bildet Giulio Andreotti (DC) eine christlich-demokratische Regierung die allerdings schon am 26. Februar wieder zurücktritt, nachdem ihr der Senat das Vertrauen verweigert hatte. Zur Lösung der Regierungskrise werden Neuwahlen angesetzt.

Eine irakische Partei- und Regierungsdelegation unter Führung von Saddam Hussein, Stellvertretender Generalsekretär der Baath-Partei und Stellvertretender Vorsitzender des Rats des Revolutionären Kommandos der Republik Irak, beendet ihren offiziellen Freundschaftsbesuch in der UdSSR (seit 10. 2.). Am 9. April unterzeichnen beide Länder einen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit.

Der VW-Käfer bricht mit über 15 Mio. Exemplaren den Verkaufsrekord des Ford-Erfolgsautos “Tin Lizzie”.

18.2.1972, Freitag

In Münster wird das US-amerikanische Erfolgs-Musical “Jesus Christ Superstar” erstmals in der Bundesrepublik Deutschland aufgeführt. Vor allem Jugendliche begeistern sich derzeit für das neue Idol Jesus.

19.2.1972, Samstag

Das chilenische Parlament nimmt ein verfassungsänderndes Gesetz an, das Verstaatlichungen durch die Regierung erschwert. Künftig kann die Regierung Privateigentum nicht mehr ohne Zustimmung des Kongresses sozialisieren.

Die Volksrepublik Mongolei und Japan nehmen diplomatische Beziehungen auf Botschafterebene auf. Die Mongolei ist das erste kommunistische Land Asiens, das mit Japan diplomatische Vertreter austauscht.

20.2.1972, Sonntag

Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) äußert bei einem Besuch in Berlin (West) die Überzeugung, dass es künftig günstigere Chancen für die Stadt gebe. Es kämen ihr “zusätzliche Aufgaben auf den Feldern der Begegnung” zu.

Der Holländer Ard Schenk, in Sapporo dreifacher Eisschnelllauf-Olympiasieger, gewinnt in Oslo die Weltmeisterschaft im Großen Vierkampf.

21.2.1972, Montag

US-Präsident Richard M. Nixon trifft in Peking zu einem einwöchigen offiziellen Besuch der Volksrepublik China ein.

Im Zusammenhang mit dem Besuch von US-Präsident Richard M. Nixon in der VR China fordert die CDU eine aktive Fernostpolitik der Bundesregierung sowie eine Normalisierung der Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zur VR China.

Palästinensische Terroristen entführen einen Jumbo-Jet der Lufthansa nach Aden in der Volksrepublik Jemen. Bonn kauft die als Geiseln festgehaltenen Bordinsassen (insgesamt 172 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder) frei.

Japan und Australien unterzeichnen ein Abkommen über die friedliche Nutzung der Kernenergie. Das Abkommen sieht den Import australischen Urans nach Japan und die Errichtung einer Uran-Anreicherungsanlage in Australien durch Japan vor.

22.2.1972, Dienstag

In Kongo (Brazzaville) scheitert ein Putschversuch gegen Präsident Marien Ngouabi. An dem Putschversuch sollen Teile des 1. Infanteriebataillons unter Leutnant Ange Diawara beteiligt gewesen sein. Bis zum 26. Februar werden 78 Personen festgenommen, darunter Mitglieder des ZK der kongolesischen Arbeiterpartei sowie Offiziere und Unteroffiziere.

In der Offiziersmesse der 16. Fallschirmjägerbrigade im englischen Aldershot kommen bei einem Bombenanschlag ein britischer Offizier, ein Pfarrer und fünf Frauen ums Leben. 50 weitere Personen werden z.T. schwer verletzt. Die katholische Terrororganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) übernimmt die Verantwortung für den Anschlag.

23.2.1972, Mittwoch

Nach den Reichstagswahlen in Finnland am 4. Januar ernennt Präsident Urho Kaleva Kekkonen nun eine von dem Sozialdemokraten Kustaa Rafael Paasio geführte Minderheitsregierung. Die Verhandlungen über die Bildung einer Koalitionsregierung waren an der Frage der Subventionierung der Landwirtschaft gescheitert.

In Warschau unterzeichnen Vertreter Polens, der UdSSR, Ungarns, der DDR, Bulgariens und der CSSR ein Abkommen über die Gründung einer internationalen Atomorganisation “Interatominstrument”. Hauptaufgabe der Organisation, die am 1. März ihre Arbeit aufnehmen soll, ist die Versorgung der Teilnehmerländer mit hochqualifizierter atomarer Technik.

Der Deutsche Bundestag behandelt in erster Lesung die von der Bundesregierung eingebrachten Ratifizierunggesetze zu den Verträgen der Bundesrepublik Deutschland mit der UdSSR und Polen.

In Rom wird der Prozess gegen den italienischen Anarchisten Pietro Valpreda eröffnet.

24.2.1972, Donnerstag

Der Bayerische Landtag verabschiedet mit CSU-Mehrheit eine umstrittene Novelle zum Rundfunkgesetz.

25.2.1972, Freitag

Der nordirische Staatsminister für innere Angelegenheiten, John Taylor, ein ausgesprochener Kritiker der katholischen Terrororganisation IRA, wird beim Verlassen seines Amtes in Belfast angeschossen und ernstlich verletzt. Die IRA bekennt sich zu dem Attentat.

Der seit 9. Januar andauernde Streik der britischen Bergarbeiter, der das Land in ein Wirtschaftschaos gestürzt hat, wird beendet.

26.2.1972, Samstag

Peter Turrinis Bühnenstück “Der tollste Tag” wird im Landestheater Darmstadt uraufgeführt. Regie führt Gerd Heinz.

27.2.1972, Sonntag

Zum drittenmal innerhalb von drei Tagen stoßen israelische Streitkräfte auf südlibanesisches Gebiet vor. Erstmals wird der Angriff auch auf syrisches Gebiet ausgeweitet. Die israelischen Angriffe richten sich gegen palästinensische Guerillas im Südlibanon.

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Monika Pflug holt sich in Eskilstuna/Schweden die Weltmeisterschaft im Sprint-Vierkampf, die bei den Damen zum ersten Mal offiziell ausgeschrieben sind. Bei den Herren siegt der Finne Leo Linkovesi.

28.2.1972, Montag

Die Außenminister der sechs EG-Staaten und der vier Beitrittskandidaten einigen sich in Brüssel auf eine gemeinsame Gipfelkonferenz im Oktober.

US-Senator Edward M. Kennedy bezeichnet die Tötung von Katholiken in Londonderry als “Großbritanniens My Lai” und fordert den sofortigen Abzug der britischen Truppen aus Nordirland.

Bei seinem inoffiziellen Besuch in Bonn (bis 29. 2.) trifft der dänische Ministerpräsident Jens Otto Krag u.a. mit Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) zusammen. Im Mittelpunkt des Meinungsaustausches der beiden Regierungschefs stehen Fragen der Europäischen Gemeinschaft.

Der Staatssekretär im Bundeswirtschafts- und -finanzministerium, Heinz Haller, kündigt seinen Dienstvertrag fristlos auf. Der renommierte Steuerexperte war im April 1970 vom damaligen Finanzminister Alex Möller (SPD) in das Amt des Staatssekretärs berufen worden, um die Große Steuerreform vorzubereiten.

29.2.1972, Dienstag

Im Zusammenhang mit der sich zuspitzenden Zypern-Krise beschließt der österreichische Ministerrat, dem Kommando der UN-Streitkräfte auf Zypern erstmals eine bewaffnete Einheit zur Verfügung zu stellen. Das Bataillon soll den bisher von britischen Einheiten kontrollierten Westteil der Insel sichern.

In Marokko endet der Prozess gegen 1081 im Zusammenhang mit dem Putschversuch am 10. Juli 1971 Angeklagte, darunter 34 Offiziere und 55 Unteroffiziere, mit einem Todesurteil und mehreren Haftstrafen. Das Gericht in Kenitra spricht jedoch die überwiegende Zahl der Angeklagten frei mit der Begründung, die Soldaten seien von ihren Vorgesetzten in die Irre geführt worden.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Herbert Hupka, tritt wegen seiner ablehnenden Haltung gegenüber den Ostverträgen aus der SPD aus. Am 3. März wird er in die CDU/CSU-Bundestagsfraktion aufgenommen.