Was geschah im Februar 1999

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1.2.1999, Montag

Rotterdam: Dem Chef der Kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, wird die Landung mit seinem Privatjet in der niederländischen Stadt verweigert.

Paris: Die französischen Großbanken Societe Generale und Paribas kündigen ihre Fusion an. Der neue Bankriese, der SG Paribas heißen soll, ist mit einem Börsenwert von 21 Mrd. Euro (41 Mrd. DM) und zusammen 78 000 Mitarbeitern die größte Bank Frankreichs. Die neue Bankengruppe verdrängt die Credit Agricole SA als Branchenprimus in Frankreich.

Barcelona. Der Franzose Zinedine Zidane wird als “Weltfußballer des Jahres 1998” ausgezeichnet. Die Plätze dahinter belegen der Brasilianer Ronaldo und Davor Suker aus Kroatien.

Washington: Im Mayflower-Hotel sagt Bill Clintons Ex-Geliebte Monica Erklärung von Clintons Rechtsanwälten lässt Clinton Lewinsky wissen, es tue dem Präsidenten leid, “was Sie haben durchmachen müssen.”

2.2.1999, Dienstag

Jerusalem: Avi Primor, Israels Botschafter in Bonn, erhält eine Rüge, nachdem er in einem Interview erklärt hatte, die in Israel mitregierende Schas-Partei entscheide nicht nach “demokratischen Grundsätzen”, sondern “nach den Worten der Rabbiner”.

Caracas: Der neue Präsident von Venezuela, Hugo Chávez, tritt sein Amt an. In seiner Antrittsrede verlangt er außerordentliche Befugnisse zur Überwindung der Wirtschaftskrise.

Vail: Beim ersten Rennen der alpinen Skiweltmeisterschaften holen erstmals in der Sportgeschichte zwei Rennläufer Gold: Hermann Maier (Österreich) und der Norweger Lasse Kjus gewinnen zeitgleich den Super-G.

3.2.1999, Mittwoch

Bonn: Die rot-grüne Bundesregierung ist 100 Tage im Amt. Während sich die Koalition selbst einen durchweg erfolgreichen Start attestiert, fällt das Urteil in den Medien zurückhaltend bis negativ aus.

Tokio: Der US-Reifenhersteller Goodyear Tire & Rubber und die japanische Sumitomo vereinbaren eine strategische Allianz, die mit einem Marktanteil von 22,6% die bisherigen Weltmarktführer im Reifengeschäft, Michelin (Frankreich) und Bridgestone (Japan) überflügeln soll.

4.2.1999, Donnerstag

Belgrad: Zwei Tage nach der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK billigt auch das serbische Parlament die Teilnahme an der Kosovo-Friedenskonferenz im französischen Rambouillet.

Lausanne: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will bis zu den Olympischen Spielen 2000 in Sydney eine unabhängige Doping-Agentur gründen. Zum Abschluss der am 2. Februar eröffneten Welt-Dopingkonferenz legt das IOC eine entsprechende Erklärung vor. In dieser “Deklaration von Lausanne” wird ferner ein neues Anti-Doping-Gesetz vorgeschlagen. Dopingsünder sollen danach in der Regel für zwei Jahre gesperrt werden. In “besonderen” Fällen sollen die internationalen Fachverbände aber Ausnahmen machen dürfen.

Baikonur: Das Weltraumexperiment, mit einem Sonnenspiegel die Nacht in einigen Regionen der Erde zum Tag zu machen, scheitert vorerst. Der Mannschaft der russische Raumstation Mir gelingt es in zwei Versuchen nicht, den auf einen unbemannten Raumtransporter montierten Folienspiegel vollständig aufzuspannen. Er wird aufgegeben und verglüht am folgenden Tag in der Atmosphäre.

Frankfurt am Main: Die Deutsche Bank teilt als Ergebnis von Forschungen des hausinternen Historischen Instituts mit, dass sie den Bau des Konzentrationslagers Auschwitz mitfinanziert habe. Danach hat die Filiale der Bank in Kattowitz (Oberschlesien) Kredite für Bauleistungen auf der Baustelle des IG Farben-Konzerns in Auschwitz gewährt. Auch für die Lager der Waffen-SS hat die Bankfiliale Geld vorgestreckt.

5.2.1999, Freitag

Karlsruhe: Zweieinhalb Wochen nach dem Beschluss zur Steuerentlastung für Familien spricht das Bundesverfassungsgericht auch kinderreichen Beamten mehr Geld zu. Die Besoldung von Beamten mit mehr als zwei Kindern soll um 120 – 260 DM steigen, sofern der Bundestag bis zum Jahresende keine Neuregelung erläßt. Nach ersten Schätzungen des Deutschen Beamtenbundes belastet der Beschluss die Staatskasse mit rd. 1,3 Mrd. DM pro Jahr.

Amman: König Hussein von Jordanien ist klinisch tot. Der 63-Jährige wird auf der Intensivstation künstlich am Leben erhalten. Sein Tod wird aber erst am 7. Februar offiziell erklärt, nachdem die Beatmungsgeräte auf Anordnung der Familie abgestellt worden sind.

München: BMW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder gibt sein Amt auf und wird von Produktionsvorstand Joachim Milberg abgelöst. Das wird nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates bekannt. Ihm wird u.a. eine falsche Modellpolitik im Zusammenhang mit dem Kauf des britischen Autoherstellers Rover angelastet.

Rockville: Der amerikanische Schwergewichtsboxer Mike Tyson muss wieder ins Gefängnis. Ein Gericht im US-Bundesstaat Maryland verurteilte den ehemaligen Weltmeister wegen zwei Fällen von Körperverletzung zu insgesamt vier Jahren Haft. Davon muss er ein Jahr absitzen. Die Reststrafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

6.2.1999, Samstag

Paris: Auf Schloss Rambouillet beginnen unter Vermittlung der USA, Russlands und der EU die Verhandlungen zwischen den Serben und den Kosovo-Albanern über den zukünftigen Status des Kosovo.

Jacksonville: Die deutsche Fußball-Nationalelf verliert in Florida das Freundschaftsspiel gegen die USA 0:3.

7.2.1999, Sonntag

Wiesbaden: Bei den Landtagswahlen in Hessen kommt es zu einem Machtwechsel: CDU und FDP erreichen eine Mehrheit von zwei Sitzen gegenüber der bisherigen rot-grünen Koalition. Die CDU erreicht 43,4% der Stimmen (1995: 39,2%). Die FDP schafft mit 5, l (7,4%) knapp den Einzug ins Parlament. Die SPD gewinnt mit 39,4% (1995: 38,0%) leicht hinzu. Ihr Koalitionspartner Bündnis 90/Die Grünen fällt auf 7,2% (11,2%). Im neuen hessischen Landtag haben die CDU 50, SPD 46, die Grünen acht und FDP sechs Sitze.

Cape Canaveral: Auf dem Weltraumbahnhof in Florida startet die Sonde “Stardust” ins All. Sie soll als erstes Raumfahrzeug einen Kometen ansteuern, dessen Staub einsammeln und nach einer ungefähr 6 Mrd. km langen Reise zur Erde zurückbringen. Den Kometen “Wild 2” soll “Stardust” am 2. Januar 2004 erreichen. Am 15. Januar 2006 sollen die Partikel in einer Kapsel per Fallschirm auf einem Militärgelande im US-Bundesstaat Utah landen.

Amman: Jordaniens Herrscher König Hussein stirbt im Alter von 63 Jahren. Sein ältester Sohn Abdallah wird vom Parlament als neuer König vereidigt. Am 5. Februar war Hussein nach dem Ausfall lebenswichtiger Organe als klinisch tot bezeichnet. Er hatte sich in den USA einer mehrwöchigen Krebsbehandlung unterzogen. Zuletzt war eine Knochenmark-Transplantation gescheitert.

8.2.1999, Montag

Amman: Mehr als 40 Staats- und Regierungschefs nehmen an der Beisetzung von König Hussein in der jordanischen Hauptstadt teil.

Bonn: Die Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post legt fest, dass private Gesellschaften der Telekom monatlich 25,40 DM Leitungsmiete für jeden Kunden zahlen müssen, der auch mit seinen Ortsgesprächen zu einem Privatanbieter wechselt. Mehrere Telekom-Konkurrenten wollen gegen die Entscheidung klagen.

9.2.1999, Dienstag

Münster: Nach einer Entscheidung des nordrhein-westfälischen Verfassungsgerichtshofs muss die bundesweit einmalige Zusammenlegung von Innen- und Justizministerium in Nordrhein-Westfalen rückgängig gemacht werden. Die von Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) verfügte Ressortfusion verletzt nach Auffassung des Gerichts die Rechte des Landtags. Damit gibt das Gericht einer Klage der CDU-Opposition statt.

Budapest: Das ungarische Parlament ratifiziert den Vertrag über den Beitritt zur NATO sowie den Nordatlantischen Vertrag von 1949. Am 17. Februar billigt der polnische Sejm den Beitritt des Landes zur NATO. Am 26. Februar werden die Ratifikationsabkommen von Tschechien und Polen unterzeichnet.

Chamonix: In den französischen Alpen kommen in den Dörfern Tour und Montroc zwölf Menschen durch einen Lawinenabgang ums Leben. Nach den schwersten Schneefällen in den Alpen seit vielen Jahren sitzen vor allem in der Schweiz und Osterreich mehrere zehntausend Touristen in den Bergdörfern für mehrere Tage fest.

Miami: In einem Freundschafts-Länderspiel in Miami trennen sich die Fußball-Nationalteams von Deutschland und Kolumbien 3:3.

10.2.1999, Mittwoch

Salt Lake City: In einem 300 Seiten starken Bericht der Ethikkommission des olympischen Organisationskomitees von Salt Lake City (SLOC) werden zehn weitere und damit insgesamt 24 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) als verdächtig genannt, in den Bestechungsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 verwickelt zu sein.

Berlin: Zum Start der 49. Internationalen Filmfestspiele wird im Zoo-Palast mit “Aimée und Jaguar” erstmals seit 1995 wieder ein deutscher Film gezeigt. Im Wettbewerb um die goldenen und silbernen Bären konkurrieren bis zum 21. Februar 25 Filme aus dem In- und Ausland.

Jakarta: Nach einem Appell von UN-Generalsekretär Kofi Annan entlässt Indonesien den Rebellenführer von Ost-Timor, Alexandre Jose Xanana Gusmao, aus dem Gefängnis und stellt ihn unter Hausarrest. Der langjährige Führer des bewaffneten Widerstands gegen Indonesien war 1992 festgenommen und zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Die frühere portugiesische Kolonie Ost-Timor war 1976 von Indonesien annektiert worden.

11.2.1999, Donnerstag

New York: Ein Gericht macht erstmals die US-Waffenindustrie für Schießereien und Gewaltverbrechen mit Schusswaffen mitverantwortlich. Einem 19-Jährigen, der eine Schießerei schwer verletzt mit einer Kugel im Kopf überlebte, wird ein Schmerzensgeld von 520 000 US-Dollar zugesprochen.

San Francisco: Der Tabakkonzern Philip Morris soll nach dem Urteil einer Geschworenenjury in Kalifornien einer krebskranken Ex-Raucherin einen Rekordbetrag von insgesamt 51,5 Mio. Dollar zahlen. Das ist mit Abstand die höchste Summe, die jemals in einem Urteil gegen die Tabakindustrie verhängt wurde.

12.2.1999, Freitag

Washington: Der Senat, in dem die Republikaner 55 und die Demokraten 45 Sitze haben, spricht Präsident Bill Clinton von den Vorwürfen des Meineids und der Behinderung der Justiz in der Affäre um die ehemalige Praktikantin Monica Lewinsky frei. Das von den Republikanern betriebene Amtsenthebungsverfahren ist damit gescheitert. Der Anklagepunkt Meineid wird mit 55 gegen 45 Stimmen zurückgewiesen wird, beim Anklagepunkt Behinderung der Justiz lautet das Ergebnis 50 zu 50. Für die Absetzung Clintons hätte es einer Zweidrittelmehrheit bedurft.

Bremen: Mit der International University Bremen (IUB) wird eine der größten internationalen Privatuniversitäten in Deutschland gegründet. Die Hochschule, die gemeinsam mit der Rice-University (Houston/Texas) geplant wurde, soll im Herbst 2000 den Studienbetrieb mit zunächst 60 bis 100 Studierenden aufnehmen.

13.2.1999, Samstag

Auschwitz: Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping besucht zusammen mit Soldaten der Bundeswehr das frühere Vernichtungslager. Mit einer Kranzniederlegung gedenken die deutschen Besucher der Ermordeten. Es ist der erste offizielle Besuch einer Bundeswehr-Delegation in Auschwitz.

Guben: Auf der Flucht vor rechtsradikalen Jugendlichen wird in der brandenburgischen Kleinstadt ein 28-Jähriger algerischer Asylbewerber tödlich verletzt. Beim Sprung durch eine Scheibe durchtrennt sich der gejagte Mann eine Schlagader und verblutet.

14.2.1999, Sonntag

Jerusalem: Rund 200.000 ultra-orthodoxe Juden demonstrieren gegen das nicht religions-gebundene israelische Justizsystem. Sie werfen den obersten Richtern des Landes vor, sich in Angelegenheiten der Rabbiner einzumischen.

Kontiolahti: Erfolgreichste Nation bei den Biathlon-Weltmeisterschaften in Finnland ist Deutschland mit viermal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze in sechs Entscheidungen. Mit drei Medaillen ist Martina Zellner (Schleching) die erfolgreichste WM-Starterin.

Vail: Überragender Teilnehmer der nach zweiwöchiger Dauer zu Ende gehenden alpinen Ski- Weltmeisterschaften ist der Norweger Lasse Kjus: Er holt in allen fünf Disziplinen Edelmetall, und zwar zweimal Gold und dreimal Silber. Der Deutsche Skiverband (DSV) ging diesmal leer aus. Zum ersten Mal seit 1982 in Schladming mussten die deutschen Läuferinnen und Läufer ohne Medaille nach Hause fahren.

15.2.1999, Montag

Magdeburg: Die Fraktion der rechtsextremen Deutschen Volksunion (DVU) im Landtag von Sachsen-Anhalt verliert vier ihrer 16 Mitglieder durch Ausschluss oder Austritt.

Nairobi: Der Vorsitzende der Kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, wird nach mehr als fünfmonatiger Odyssee durch mehrere Länder von einem türkischen Kommando in die Türkei entführt. In der kenianischen Hauptstadt hatte er sich zwölf Tage in der griechischen Botschaft aufgehalten. In zahlreichen europäischen Städten kommt es daraufhin zu gewaltsamen Protesten seiner Anhänger.

16.2.1999, Dienstag

Bonn: Bei einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verständigen sich die Chefs von zwölf führenden deutschen Unternehmen, die im Zweiten Weltkrieg von Zwangsarbeitern profitierten, auf die Einrichtung eines Stiftungsfonds, aus dem rd. 200 000 bis 300 000 Überlebende eine Unterstützung in noch nicht bekannter Höhe erhalten sollen. Damit sollen weitere Sammelklagen gegen deutsche Unternehmen abgewendet werden.

Bonn: Die SPD nominiert den früheren nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau offiziell für das Amt des Bundespräsidenten. Die Bundesversammlung wählt am 23. Mai ein neues Staatsoberhaupt.

17.2.1999, Mittwoch

Berlin: Bei dem Versuch, das israelische Generalkonsulat zu stürmen, werden drei Kurden von israelischen Sicherheitskräften erschossen. Ein vierter erliegt zehn Tage später seinen Schussverletzungen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärt dazu in Tel Aviv, die Sicherheitskräfte hätten aus Notwehr gehandelt.

Warschau: Das polnische Parlament billigt mit den Stimmen von 409 der 420 anwesenden Abgeordneten den Beitritt des Landes zur NATO. Zusammen mit Tschechien und Ungarn soll Polen am 12. März in das Nordatlantische Bündnis aufgenommen werden.

18.2.1999, Donnerstag

Böblingen: Ein Streik in der Metall- und Elektroindustrie von Baden-Württemberg wird in der Schlichtung abgewendet. Unter Vorsitz des ehemaligen SPD-Chefs Hans-Jochen Vogel einigen sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf einen Tarifabschluss. Die rd. 840 000 Beschäftigten erhalten für die Monate Januar und Februar pauschal 350 DM und ab März linear 3,2% mehr Lohn und Gehalt. Einmalig wird 1% Jahreslohns gezahlt. Der Vertrag soll 14 Monate gelten.

Immenstadt: Ein Zugunglück im Oberallgäu fordert zwei Tote und 34 Verletzte. Im Bahnhof von Immenstadt entgleist ein Intercity an einer Weiche. Zwei Waggons reißen ab und streifen einen entgegenkommenden InterRegio.

19.2.1999, Freitag

Nadschaf: Der ranghöchste Geistliche der Schiiten im Irak, Ayatollah Sadeq as-Sadr, und seine beiden Söhne kommen bei einem Anschlag ums Leben. Nach Bekanntwerden des Attentats brachen in mehreren irakischen Städten schwere Unruhen aus.

Wiesbaden: Nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache waren 1998 Maria und Lukas für Deutschlands Eltern die beliebtesten Vornamen.

20.2.1999, Samstag

Rambouillet: Auf der Kosovo-Konferenz verlängert die Balkan-Kontaktgruppe das Ultimatum für eine Einigung bis zum 23. Februar nachmittags. Die Serben lehnen es nach wie vor ab, dass NATO-Truppen in der südserbischen Provinz stationiert werden sollen, um dort die mehrheitlich albanische Bevölkerung vor serbischen Übergriffen zu schützen.

Abuja: Die People’s Democratic Party (PDP) von Präsidentschaftsfavorit Olusegun Obasanjo erreicht bei den Parlamentswahlen eine absolute Mehrheit sowohl der 360 Sitze im Repräsentantenhaus als auch der 109 Senatorenposten. Nach fast 16 Jahren der Militärdiktatur stehen die Bürger des bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes damit vor dem vierten Demokratie-Versuch seit der Erlangung der Unabhängigkeit: 1966 und 1983 hatte das Militär sich an die Macht geputscht, 1993 wurden freie Wahlen annulliert.

21.2.1999, Sonntag

Lahore: Indien und Pakistan vereinbaren vertrauensbildende Maßnahmen, zu denen auch eine Kontrolle der Nuklearwaffen beider Seiten gehören soll. Beim Versöhnungstreffen der Regierungschefs Atal Behari Vajpayee und Nawaz Sharif wird in der pakistanischen Stadt außerdem vereinbart, die Verhandlungen über die umstrittene Unruheregion Kaschmir voranzutreiben. In einer “Erklärung von Lahore” versprechen beide Staaten, die Grundsätze der weltweiten Abrüstung und einer Nicht-Angriffs-Politik einzuhalten.

Evolène: Im Schweizer Bergdorf kommen bei einem Lawinenunglück zwölf Menschen ums Leben. Bischofshofen: Das Springen auf der Großschanze bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft endet mit einem zweifachen deutschen Erfolg. Martin Schmitt aus Furtwangen gewann den Wettbewerb vor Sven Hannawald aus Hinterzarten. Dritter wird der Japaner Hideharu Miyahira.

Berlin: Mit der Vergabe des Goldenen Bären an den US-Film “The Thin Red Line” (“Der schmale Grat”) von Terrence Malick gehen die 49. Internationalen Filmfestspiele nach zwölftägiger Dauer zu Ende.

22.2.1999, Montag

Brüssel: 50 000 Landwirte demonstrieren gegen die umstrittene EU-Agrarreform. Die Bauern wenden sich gegen massive Einkommensverluste und ein drohendes Höfesterben. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, im Rahmen der “Agenda 2000” die Garantiepreise für Milch, Getreide und Rindfleisch bis um 30% zu kürzen.

23.2.1999, Dienstag

Rambouillet: Die Kosovo-Konferenz endet ohne Einigung. Serben und Kosovo-Albaner wollen am 15. März zu einer neuen Konferenz in Frankreich zusammenkommen.

Bischofshofen: Die deutschen Skispringer gewinnen bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Ramsau erstmals den Titel im Teamwettbewerb von der Großschanze. Weltmeister Martin Schmitt, Vizeweltmeister Sven Hannawald, Dieter Thoma und Christof Duffner setzen sich mit 1,9 Zählern Vorsprung auf Olympiasieger Japan durch. Bronze geht an Österreich.

Ankara: Der Führer der Kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, wird auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmara-Meer des Hochverrats angeklagt. Die Staatsanwaltschaft fordert nach der richterlichen Anhörung die Todesstrafe für den Kurden-Führer.

24.2.1999, Mittwoch

Galtür: An diesem und am vorangegangenen Tag sterben bei zwei schweren Lawinenunglücken im österreichischen Paznauntal in Galtür und im nahegelegenen Weiler Valzur insgesamt 38 Menschen, darunter 21 deutsche Urlauber. Insgesamt kommen in diesem Winter in den Alpen bis Ende Februar mehr als 80 Menschen durch Lawinen ums Leben.

Florence: Der 35-Jährige Deutsche Karl LaGrand wird im Staatsgefängnis von Arizona durch eine Giftinjektion hingerichtet. Trotz eindringlicher Appelle der deutschen Bundesregierung und von Menschenrechtsorganisationen lehnt es der Gnadenausschuss im US-Bundesstaat Arizona ab, LaGrand zu begnadigen. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Walter hatte er 1982 eine Bank in Arizona überfallen und den Filialleiter erstochen. Am 3. März 1999 wird Walter LaGrand trotz gerichtlicher Schritte der Bundesregierung in der Gaskammer von Florence hingerichtet.

Bonn: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Heinz Dürr, legt überraschend sein Amt nieder. Als sein Nachfolger wird der Ex-Vorstandschef der Thyssen AG, Dieter Vogel, benannt.

Los Angeles: Die US-Rapperin Lauryn Hill gewinnt bei den Grammy- Verleihungen die Rekordzahl von fünf Auszeichnungen. Für den Titanic-Song “My Heart Will Go On” wird Celine Dion mit einem Grammy belohnt.

25.2.1999, Donnerstag

Bonn: Der Bundestag stimmt mit 556 gegen 42 Stimmen bei zehn Enthaltungen der Bereitstellung von rd. 5000 Bundeswehrsoldaten für eine internationale Friedenstruppe unter Führung der NATO im Kosovo zu.

Köln: In den deutschen Kinos läuft der von großem Medienrummel begleitete Film “Late Show” von Regisseur Helmut Dietl mit Harald Schmidt, Thomas Gottschalk und Veronica Ferres in den Hauptrollen an.

26.2.1999, Freitag

Bonn: Die Reform der Europäischen Union bleibt auch einen Monat vor dem entscheidenden EU-Sondergipfel in Berlin ungewiß. Bei dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs auf dem Petersberg bleiben bei den entscheidenden Themen der Agrar- und Regionalpolitik sowie der Finanzreform sichtbare Fortschritte aus.

New York. Der Weltsicherheitsrat beschließt ein Ende der 1997 begonnenen UNO-Friedensmission in Angola (Monua). Damit reagieren die Vereinten Nationen auf das Wiederaufflammen der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der Rebellenorganisation Unita, die praktisch ein Scheitern des Friedensabkommens von 1994 bedeuten. Zuletzt waren noch etwa 1100 UN-Blauhelmsoldaten in Angola stationiert.

Moskau: Die sog. Vierer-Union der GUS-Mitgliedsstaaten Russland, Weißrussland, Kasachstan und Kirgisien wird mit der Aufnahme Tadschikistans erweitert. Gleichzeitig unterzeichnen die Staatschefs der fünf Länder einen Vertrag über eine Zollunion und einen gemeinsamen Wirtschaftsraum.

27.2.1999, Samstag

Stuttgart: Die Tarifpartner für den öffentlichen Dienst einigen sich auf Einkommensverbesserungen von 3, l%. Der Abschluss gilt vom 1. April an. Für die Monate Januar bis März werden jeweils 100 DM gezahlt. Die Laufzeit des Abschlusses für die 3,2 Mio. Arbeiter und Angestellten beträgt 15 Monate.

Frankfurt an der Oder: Zollfahnder stellen am deutsch-polnischen Grenzübergang 316 kg Heroin im Schwarzmarktwert von 25 Mio. DM sicher. Drogenhunde entdecken das Rauschgift bei einer Routinekontrolle im doppelten Boden eines türkischen Lkw.

Abuja: Der frühere Militärherrscher Olusegun Obasanjo geht aus den Präsidentenwahlen in Nigeria als Gewinner hervor. Auf den Ex-General entfallen nach Angaben der Wahlkommission 62,78% aller gültigen Stimmen. Sein einziger Gegenkandidat, der frühere Finanzminister Olu Falae, erringt nur 37,22%.

28.2.1999, Sonntag

Innsbruck: In einem Trauergottesdienst nehmen rd. 800 Menschen Abschied von den 38 Opfern der Lawinenunglücke im Tiroler Paznauntal. Der österreichische Bundeskanzler Viktor Klima dankte den internationalen Helfern und sagte, die Tragödie bewege ganz Österreich.

Addis Abeba: Äthiopien gibt nach fünftagigen schweren Gefechten im Rahmen der gegen die Truppen Eritreas geführten Offensive die Rückeroberung des umstrittenen Badme-Dreiecks bekannt. Die Kämpfe zwischen den beiden Ländern waren an mehreren Fronten am 6. Februar erneut ausgebrochen.

Ramsau: Mit zweimal Gold sowie je einmal Silber und Bronze feiern die deutschen Athleten bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften den größten Erfolg seit 1985 in Seefeld. Erfolgreichster Teilnehmer der Weltmeisterschaften ist der finnische Langläufer Mika Myllylä mit dreimal Gold und einmal Silber.