Was geschah im Januar 1900

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Wetterstationen Januar 1900

1.1.1900, Sonntag

Walter Hauser löst Eduard Müller turnusmäßig als Bundespräsident der Schweiz ab. Hauser ist nach 1892 zum zweiten Mal Bundespräsident.

Die Jahrhundertfeier, die der deutsche Kaiser Wilhelm II. im Berliner Zeughaus veranstaltet, trägt rein militärischen Charakter. In seiner programmatischen Neujahrsansprache fordert der Kaiser die Reorganisation der Flotte.

Der österreichische Nervenarzt Sigmund Freud begründet die wissenschaftliche Traumdeutung mit seiner gleichnamigen Abhandlung. Die Analyse von Träumen und Fehlhandlungen sowie die Methode der freien Assoziation, die verdrängte seelische Inhalte bewusst machen und eine Abreaktion ermöglichen sollen, stellen wesentliche Bestandteile der Freud’schen Psychoanalyse dar.

Durch Verordnung des deutschen Kaisers Wilhelm II. wird auf der seit 1890 preußischen Insel Helgoland das deutsche Personenstandsgesetz eingeführt. Die Eheschließung muss nun durch einen Standesbeamten erfolgen. Helgoland wurde 1714 von Dänemark und 1807 von Großbritannien besetzt. Im Helgoland-Sansibar-Vertrag hatte das Deutsche Reich 1890 u.a. die britische Kolonialherrschaft über Sansibar anerkannt und dafür Helgoland, das durch Reichsgesetz preußisch wurde, erhalten.

Großbritannien ordnet seinen Kolonialbesitz am Niger neu.

In 57 Städten und über 100 Gemeinden Böhmens in Österreich-Ungarn stellen die tschechischen Bezirksvertretungen ihre Tätigkeit ein wegen der Aufhebung der Sprachenverordnung, die den Gebrauch des Deutschen und des Tschechischen bei Gerichten und Verwaltungsbehörden vorsah.

Im Deutschen Reich tritt das Invalidenversicherungsgesetz in Kraft.

In Österreich wird die Kronenwährung, eine Goldwährung, ausschließliches Zahlungsmittel. Sie ersetzt die bisherige Guldenwährung.

König Umberto I. von Italien erlässt anlässlich der Jahrhundertwende eine Amnestie für Verbrechen gegen die öffentliche Sicherheit und die Pressegesetze, für Vergehen gegen die Freiheit der Arbeit und für politische Straftaten.

Im Deutschen Reich treten das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Handelsgesetzbuch (HGB) in Kraft.

2.1.1900, Montag

In Wien erscheint die erste Nummer der “Österreichischen Kronen-Zeitung”. Gründer dieser Tageszeitung ist Gustav Davis.

Der portugiesische König Karl eröffnet in Lissabon die Cortes, die Versammlung des Senats und der Abgeordnetenkammer. In seiner Thronrede bekräftigt er die Absicht, die portugiesischen Besitzungen in Afrika zu erhalten und zu verteidigen.

3.1.1900, Dienstag

Der französische Staatsgerichtshof in Paris verurteilt den Dichter und Politiker Paul Déroulède wegen Hochverrats zu zehn Jahren Verbannung.

Im Baskenland in Spanien werden Waffenlager von Karlisten entdeckt. Die Karlisten, Anhänger des Thronprätendenten Don Carlos María de los Dolores de Borbón y Austria-Este, fordern die Rückkehr zur absolutistischen Monarchie.

4.1.1900, Mittwoch

Der deutsche Reichspostdampfer “General” wird in Aden von britischen Soldaten nach Kriegsmaterial durchsucht. Die Briten vermuten Waffen für die Burenrepubliken Südafrikanische Republik (Transvaal) und Oranjefreistaat an Bord. Einen Tag später kann der Dampfer seine Fahrt fortsetzen.

Bei einem Streik der Weber in Saint-Etienne in Frankreich kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Streikenden, der Polizei und dem Militär.

Ein Erdbeben zerstört zehn Dörfer im russischen Gouvernement Tiflis. Etwa 900 Menschen kommen ums Leben.

5.1.1900, Donnerstag

Der preußische Minister für öffentliche Arbeiten, Karl von Thielen, erlässt neue Bestimmungen über die Dienst- und Ruhezeiten der Eisenbahnbetriebsbeamten.

6.1.1900, Freitag

Im Burenkrieg in Südafrika besiegen die Buren bei Colesberg einen Teil der Division des britischen Generalleutnants John Denton Pinkstone French. Am selben Tag versuchen die Buren vergeblich Ladysmith, die von den Briten besetzte drittgrößte Stadt Natals, zu erobern.

In Berlin wird die Gesellschaft für soziale Reform gegründet. Vorsitzender dieser internationalen Vereinigung, die u.a. eine Ausweitung des gesetzlichen Arbeiterschutzes anstrebt, wird der preußische Sozialpolitiker Hans Hermann Freiherr von Berlepsch.

In München wird am Dreikönigstag erstmals seit sieben Jahren wieder der traditionelle Schäfflertanz aufgeführt.

7.1.1900, Samstag

Britische Kriegsschiffe bringen den deutschen Kreuzer “Kondor” auf dem Weg zur ostafrikanischen Delagoa-Bucht auf. Das Schiff wird in den Hafen von Durban in die britisch-südafrikanische Kolonie Natal überführt und nach Waffenlieferungen für die Buren durchsucht. Auf dem Dampfer befinden sich die Mitglieder der zweiten Hilfsexpedition der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz sowie einer Ambulanztruppe, die von einer Privatgesellschaft in Antwerpen ausgerüstet worden ist.

8.1.1900, Sonntag

Der italienische Kriegsminister Giuseppe Mirri tritt wegen der ihm nachgesagten Verbindungen zur Mafia zurück.

Aus Bayern werden starke Schneefälle gemeldet. Im Bayerischen Wald liegen bis zu 3 m Schnee.

9.1.1900, Montag

Der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichskanzler Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst eröffnet in Berlin den ersten preußischen Landtag im neuen Jahrhundert mit einer Thronrede von König Wilhelm II.

In Paris treten die französischen Kammern zur Neuwahl ihrer Präsidenten zusammen. Der Senat wählt Armand Fallières, den Vizepräsidenten der Republikanischen Linken, die Abgeordnetenkammer wählt den Publizisten und unabhängigen Republikaner Paul Deschanel.

Der russische Revolutionär Wladimir I. Lenin verlässt mit seiner Frau Nadeschda K. Krupskaja das sibirische Schuschenskoje, wo er seit 1897 in der Verbannung gelebt hat, und übersiedelt nach Pleskau in den europäischen Teil Russlands.

Prinzessin Heinrich (eigentlich Irene von Hessen), die Frau des Prinzen Heinrich von Preußen, wird in Kiel von einem Knaben entbunden. Der jüngste Spross der Hohenzollerndynastie hat zwei Brüder sowie zahlreiche Vettern, nämlich die sechs Söhne des deutschen Kaisers Wilhelm II. – darunter Kronprinz Wilhelm und die jeweils drei Söhne der Prinzen Friedrich Leopold und Albrecht. In keinem regierenden europäischen Fürstenhaus gibt es so viele Prinzen wie bei den Hohenzollern.

Auf der Jahrhundertfeier der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg wird Prinz Heinrich von Preußen zum Ehrendoktor mit dem Titel Doktor-Ingenieur ernannt, der erstmals verliehen wird.

10.1.1900, Dienstag

In Stettin findet in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. der Stapellauf des Doppelschrauben-Schnelldampfers “Deutschland” statt.

Mit der Verstaatlichung der Iwangorod-Dombrowa-Eisenbahn ist die Verstaatlichung der Eisenbahnen in Russland im Wesentlichen abgeschlossen.

Der preußische Finanzminister Johannes von Miquel legt dem Landtag in Berlin den Staatshaushalt für 1900 zur Beratung vor.

Der im Dezember 1899 zum Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Südafrika ernannte Feldmarschall Frederick Sleigh Roberts trifft mit seinem Generalstabschef Horatio Herbert Lord Kitchener in Kapstadt ein.

11.1.1900, Mittwoch

Lieferungen von Kriegsmaterial der Essener Firma Krupp an Großbritannien sorgen in der deutschen Presse für Schlagzeilen.

12.1.1900, Donnerstag

Kanada entsendet 400 Mann Kavallerie, die auf britischer Seite im Burenkrieg in Südafrika kämpfen sollen. Bereits im Dezember 1899 hat das britische Dominion Kanada 1300 Mann nach Südafrika geschickt.

Die österreichische Delegation in Wien debattiert über die Ausweisung österreichischer Arbeiter aus dem Deutschen Reich.

Die Deutsche Reichsbank in Berlin senkt den Diskontsatz von der bisherigen Höchstmarke 7% auf 6%.

Der Deutsche Reichstag in Berlin verlangt mit großer Mehrheit die Einrichtung einer Witwen- und Waisenversicherung analog zur Invalidenversicherung.

Unter der Schirmherrschaft des Erbgroßherzogs Peter von Oldenburg wird in Berlin der Deutsche Schulschiffsverein gegründet. Ziel ist die Ausbildung junger Männer, um den Nachwuchs an Seeleuten für die Handelsflotte zu fördern.

13.1.1900, Freitag

Der österreichische Kaiser Franz Joseph äußert sich beim Empfang der österreichischen und der ungarischen Delegation – der gesetzgebenden Körperschaft Österreich-Ungarns – in Wien ungehalten über die Frage, ob die tschechische Sprache in Teilen der Armee verwendet werden dürfe: “Ich bin imstande, das Standrecht proklamieren zu lassen, wenn sich das Volk in der Sache nicht fügt.”

Der russische Finanz- und Verkehrsminister Sergei J. Witte legt Zar Nikolaus II. in Petersburg (Leningrad) den Haushaltsentwurf für das Jahr 1900 vor und berichtet über die Entwicklung der russischen Landwirtschaft und die Auswirkungen der Missernte von 1899.

In Berlin finden die Meisterschaften von Deutschland im Eiskunst- und Eisschnelllauf statt.

15.1.1900, Sonntag

In Böhmen und Mähren streiken rund 70 000 Kohlenarbeiter, weil die von ihnen geforderte Verkürzung der Arbeitszeit und eine Lohnerhöhung von 20% abgelehnt werden. Der Streik dauert bis März an.

Das Oberkommando der Marine in Berlin weist darauf hin, dass Anmeldungen zur Ausbildung im Kadettenkorps nur noch bis zum 1. Februar möglich sind.

Die Franzosen Fernand Foureau und François Joseph Amédée Lamy erreichen das Nordwestufer des Tschadsees. Mit ihrer Durchquerung der Sahara und des Sudan schaffen Foureau und Lamy die Grundlagen für die Kolonialisierung des südlichen Teils von Nordafrika durch Frankreich.

16.1.1900, Montag

Der österreichisch-ungarische Außenminister, Agenor Maria Adam Graf Goluchowski, erklärt in Wien, Ungarn sei berechtigt, die Schifffahrtstarife für das Eiserne Tor zu erhöhen.

In Danzig, der Hauptstadt der preußischen Provinz Westpreußen, wird die Zentralstelle zur Förderung industrieller Unternehmungen in den preußischen Ostprovinzen gebildet. An der Gründung sind zahlreiche Banken sowie die Oberpräsidenten der preußischen Provinzen Westpreußen und Posen beteiligt.

Bei einer Explosion in der Dynamitfabrik von Avigliana bei Turin kommen zehn Menschen ums Leben, 30 werden zum Teil schwer verletzt.

17.1.1900, Dienstag

Aus Durban, der Hafenstadt der britisch-südafrikanischen Kolonie Natal, wird gemeldet, dass bei der Durchsuchung des Ende 1899 von Großbritannien beschlagnahmten deutschen Dampfers “Bundesrat” kein für die Buren bestimmtes Kriegsmaterial gefunden und die Freigabe des Schiffs angeordnet wurde.

Die Oper “Kain” von Eugen d’Albert wird in Berlin uraufgeführt.

18.1.1900, Mittwoch

König Oskar II. von Schweden und Norwegen eröffnet in Stockholm den schwedischen Reichstag. In der Thronrede wird die Notwendigkeit betont, trotz der Ersten Haager Friedenskonferenz von 1899, deren Abkommen 1900 in Kraft treten, die Verteidigung zu Lande und zu Wasser zu verstärken.

19.1.1900, Donnerstag

Ernest von Koerber löst als neuer österreichischer Ministerpräsident die Übergangsregierung von Heinrich Ritter von Wittek ab.

Der preußische Kultusminister Konrad Studt gibt einen Erlass betreffend das Züchtigungsrecht der Lehrer heraus. Die Lehrer werden aufgefordert, jeglichen Missbrauch zu vermeiden.

Die britische Sozialdemokratie erlässt einen Aufruf an alle Genossen, eine Friedensbewegung zu bilden und nicht zuzulassen, dass sich Kameraden als Freiwillige für den Burenkrieg melden. “Unser Feind ist nicht Transvaal”, heißt es, “sondern die englische Aristokratie.”

In Ägypten gerät der Mahdisten-Feldherr Osman Digna durch Verrat in britische Gefangenschaft. Dadurch wird der Besitz des Sudan für Ägypten und Großbritannien gesichert.

20.1.1900, Freitag

Der russische Generalgouverneur von Warschau, Alexandr Konstantinowitsch Fürst Imeretinski, erlässt im russischen Teil des ehemaligen Königreichs Polen Bestimmungen gegen Kohlenspekulationen.

21.1.1900, Samstag

Im königlichen Schloss zu Berlin findet in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. die Feier anlässlich der Jahrestage der Gründung des Deutschen Kaiserreichs (am 18. Januar 1871) und der ersten Königskrönung in Preußen (am 18. Januar 1701) statt.

22.1.1900, Sonntag

Das Storting in Oslo, die reichständige Abgeordnetenversammlung von Norwegen, berät einen Gesetzentwurf über die Einführung der allgemeinen Invaliditätsversicherung.

23.1.1900, Montag

Russland verlegt mehrere Regimenter aus dem Kaukasus nach Kuschk an die Grenze zu Afghanistan. Der russische Einfluss und die russische Präsenz im Raum Afghanistan-Persien sollen verstärkt werden.

Der preußische Unterrichtsminister Konrad Studt erteilt der Technischen Hochschule zu Aachen das Recht, Diplome auszustellen.

24.1.1900, Dienstag

General Redvers Henry Buller, der Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Natal während des Burenkriegs, erleidet am Spionskop eine schwere Niederlage gegen die Buren, bei der er 2300 Mann verliert.

Der französische Gerichtshof in Paris verfügt die Auflösung des römisch-katholischen Mönchsordens der Assumptionisten, eines Zweigs des Augustinerordens. Die Assumptionisten sind in den vergangenen Jahren durch politische Agitation und durch die hohen Spenden, die sie von den rechtskonservativen Ultramontanen erhalten haben, in die Schlagzeilen geraten. – Das Urteil verschlechtert die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Staat und Kirche in Frankreich.

25.1.1900, Mittwoch

Dem Deutschen Reichstag in Berlin geht eine neue Flottenvorlage zu, das nach Alfred Tirpitz benannte sog. Zweite Tirpitzsche Flottengesetz. Es sieht bis 1917 faktisch eine Verdoppelung der deutschen Hochseeflotte vor.

In Dresden stirbt Herzogin Friedrich, eigentl. Adelheid, geborene Prinzessin von Hohenlohe-Langenburg, die Witwe des früheren Herzogs Friedrich Christian August von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und Mutter der deutschen Kaiserin Auguste Viktoria.

26.1.1900, Donnerstag

Die Bayerische Abgeordnetenkammer in München genehmigt einen Antrag, wonach die Vorschriften über die Sonntagsruhe den Kanzleien der staatlichen Behörden noch einmal ausdrücklich einzuschärfen sind. Der Bürodienst am Sonntag, vor allem während des Hauptgottesdienstes, ist zu untersagen, wenn das öffentliche Interesse nicht eine Ausnahme erfordert.

27.1.1900, Freitag

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. wird 41 Jahre alt. Infolge der Hoftrauer wegen des Todes der Kaiserinmutter Herzogin Friedrich wird der Geburtstag ohne die sonst üblichen Festlichkeiten begangen.

In Würzburg werden deutsche Fahnen, die anlässlich des Geburtstags von Kaiser Wilhelm II. an öffentlichen Gebäuden gehisst worden sind, wieder eingeholt. In Bayern dürfen öffentliche Gebäude nur an bayerischen Festtagen beflaggt werden.

Die Deutsche Reichsbank in Berlin senkt zum zweiten Mal in diesem Monat den Diskontsatz, von 6 auf 5,5%.

In Helsingfors (Helsinki) wird der Landtag des russischen Großfürstentums Finnland eröffnet. In der Thronrede des russischen Zaren Nikolaus II. werden Gesetzentwürfe zur “Forderung des Wohles des Landes” angekündigt.

Die Gesandten der europäischen Mächte Japans und der USA fordern die chinesische Regierung auf, die Missionen vor Übergriffen des christen- und fremdenfeindlichen Geheimbunds der Boxer zu schützen.

28.1.1900, Samstag

Das Sobranie in Bukarest, die Nationalversammlung des Fürstentums Bulgarien, verabschiedet Steuergesetze, die den drohenden Staatsbankrott verhindern sollen.

Bei den Erneuerungswahlen zum französischen Senat verzeichnen die Liberalen Republikaner und die Nationalisten die grössten Gewinne.

In Leipzig wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gegründet.

29.1.1900, Sonntag

Zwischen Russland und Persien wird ein Anleihevertrag unterzeichnet, der in Russland als Beginn einer “friedlichen Eroberung” Persiens betrachtet wird.

30.1.1900, Montag

In ihrer Thronrede anlässlich der Parlamentseröffnung in London geht die britische Königin Victoria I. auf den Burenkrieg und das deutsch-britische Wettrüsten zur See ein. In der Rede bringt die Regierung ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, den Krieg gegen die Buren unter Aufgebot aller Mittel fortzusetzen.

Die französische Regierung legt der Abgeordnetenkammer Gesetzentwürfe über die Vermehrung der Flotte, den Ausbau der Häfen und die Verteidigung der Küsten und Kolonien vor. Die dafür erforderlichen 900 Millionen Francs (720 Millionen Mark) sollen auf mehrere Haushaltsjahre verteilt werden. – Die Marinevorlage wird am 30. Juni angenommen.

Die seit 1895 bestehende Spaltung der irischen Home-Rule-Partei wird aufgehoben.

31.1.1900, Dienstag

Der Fall der Italienerin Silvia Genelli, die in einen türkischen Harem gebracht worden ist, erregt international Aufsehen. Das türkische Justizministerium verweigert die Freilassung des Mädchens, das nach türkischem Gesetz als Volljährige zum Islam übergetreten ist. Italien beharrt auf dem Standpunkt, dass Silvia Genelli der väterlichen Gewalt untersteht, weil sie nach italienischem Recht minderjährig ist.