Was geschah im Januar 1903

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Wetterstationen Januar 1903

1.1.1903, Donnerstag

Das Amt des schweizerischen Bundespräsidenten übernimmt Adolf Deucher, der damit nach 1886 und 1897 zum dritten Mal diese Funktion innehat. Deucher löst Joseph Zemp ab.

Graf Karl von Wedel tritt das Amt des Botschafters des Deutschen Kaiserreiches in Wien an. Er ist der Nachfolger des aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld.

Ein deutsches Zentralarbeitersekretariat nimmt seine Arbeit auf; den Posten des Sekretärs übernimmt der Sozialdemokrat Robert Schmidt.

In Delhi wird König Eduard VII. von Großbritannien und Irland zum Kaiser von Indien gekrönt. Der feierlichen Zeremonie wohnt im Auftrag des britischen Monarchen Arthur von Connaught bei.

In den deutschsprachigen Ländern Schweiz, Österreich und dem Deutschen Reich tritt die 1901 beschlossene Orthographiereform für den amtlichen Gebrauch in Kraft.

2.1.1903, Freitag

König Karl von Portugal eröffnet in Lissabon die Cortes, das portugiesische Parlament. Themen seiner Rede sind u.a. die hohe Verschuldung des Landes und Maßnahmen zur besseren Nutzung der Kolonie Macau in China.

Wegen Beleidigung wird der Theaterkritiker der in Berlin erscheinenden “Täglichen Rundschau” zu 14 Tagen Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt.

3.1.1903, Samstag

In Wien beginnt die deutsch-tschechische Ausgleichskonferenz; Hauptthema ist die Sprachenregelung in Böhmen und Mähren.

Großbritannien, das Deutsche Reich und Italien verschärfen ihre Seeblockade gegen Venezuela. Sie wollen künftig feindliches Eigentum beschlagnahmen. Die Besatzung eines deutschen Kriegsschiffes landet im venezolanischen Puerto Cabello und besetzt das dortige Zollamt.

Auf der Tagung des Landesvereins preußischer Volksschullehrerinnen in Berlin fordern die Teilnehmerinnen eine Reform des Lehrerbesoldungsgesetzes und protestieren gegen die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern in diesem Beruf.

Der erste offizielle Skikurs wird in der Schweiz eröffnet.

4.1.1903, Sonntag

In einer Stellungnahme zur Diskussion über die Duellfrage erklärt das preußische Kriegsministerium u.a., dass es jedem selbst überlassen werden solle, seine Ehre zu wahren, denn jeder einzelne sei der Träger und Hüter seiner Ehre.

5.1.1903, Montag

Der ehemalige spanische Ministerpräsident Práxedes Mateo Sagasta stirbt in Madrid. Der 76-Jährige trat im Herbst des Vorjahres von seinem Amt zurück.

Der neue Außenminister Serbiens, Simeon Lozani c, tritt in Belgrad sein Amt an.

6.1.1903, Dienstag

Auf ihrem Parteitag in Prag sprechen sich die Alldeutschen für eine enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Volkspartei und die Unterstützung der Los-von-Rom-Bewegung aus. Die 1897 gegründete Bewegung propagiert eine Lösung vom “undeutschen Katholizismus”.

In Bern heiratet Albert Einstein Mileva Maric. Der 23-Jährige Physiker ist seit dem Sommer des Vorjahres beim Schweizer Patentamt angestellt.

7.1.1903, Mittwoch

Das “Berliner Tageblatt” veröffentlicht ein von 1600 Arbeitern der Vulkanwerft in Stettin gebilligtes Schreiben an den Deutschen Kaiser, in dem sie erklären, dass sie von ihren Meistern zu einer falschen Loyalitätserklärung gegenüber dem Monarchen gezwungen worden seien.

In der Abendausgabe veröffentlicht das “Berliner Tageblatt” ein Interview mit der jungen US-amerikanischen Tänzerin Isadora Duncan.

Die Oper “L’Etranger” von Vincent d’Indy wird in Brüssel uraufgeführt.

8.1.1903, Donnerstag

In einer Petition an den britischen Kolonialminister Joseph Chamberlain der sich in Südafrika aufhält, fordern ehemalige Burenführer eine allgemeine Amnestie für die gegen Großbritannien kämpfenden Teilnehmer des Burenkrieges.

Am letzten Tag seines Jagdaufenthaltes im Saupark bei Hannover gelingt Kaiser Wilhelm II. der Abschuss von 35 großen Sauen.

9.1.1903, Freitag

In der sächsischen Stadt Gera treten die Kassenärzte in den Streik, um so der Forderung nach besserer Bezahlung durch die Krankenkassen Nachdruck zu verleihen.

10.1.1903, Samstag

Argentinien und Chile schließen ein Abkommen über eine beiderseitige Reduzierung ihrer Kriegsflotten und Armeen.

11.1.1903, Sonntag

Der katholische Priester Adolf von Berlichingen beginnt in Würzburg mit einer Vortragsreihe über die Reformation, die vom Evangelischen Kirchenvorstand aufs heftigste kritisiert wird. Der Geistliche, der sich selbst als den Berlichingen mit dem eisernen Mundwerk bezeichnet, erklärt z. B., dass Sickingen, Hutten und die “abgefeimten Halunken von Humanisten dem unerfahrenen Mönch [Luther] eine teuflische Falle” gelegt hatten.

Im Berliner Kunstsalon Schulte wird eine Ausstellung mit Werken des Münchener Künstlers Franz Stuck eröffnet. Insgesamt sind 22 Bilder – darunter neun noch unbekannte – und sieben plastische Arbeiten zu sehen.

Die Pforte, die Regierung des Osmanischen Reichs, ernennt eine Anzahl neuer Justizbeamter für die europäischen Gebiete. Da sich unter ihnen auch einige Christen befinden, sieht man in Konstantinopel (Istanbul) darin ein Zugeständnis an die Forderung nach umfassenden Reformen in den Balkanstaaten.

12.1.1903, Montag

Das Exekutivkomitee der tschechischen Reichsrats- und Landtagsabgeordneten lehnt die von der österreichisch-ungarischen Regierung unterbreiteten Vorschläge zur Sprachenregelung in Böhmen und Mähren ab, da diese deutschfreundlich und für die Tschechen diskriminierend seien.

Vor dem Berliner Amtsgericht beginnt ein Prozess gegen den bekannten Künstler Max Klinger. Der Bildhauer Ernst Moritz Geyger beschuldigt ihn der Verleumdung. Klinger behauptete in einem Zeitungsartikel, dass Geyger Stiftungsgelder unterschlagen wollte. Der Prozess endet mit einer Verurteilung Klingers wegen Beleidigung.

In Köln werden von der preußischen Regierung unterstützte Meisterkurse der Rheinprovinz feierlich eröffnet. Die Kurse verfolgen den Zweck, die Qualität des deutschen Handwerks und das Ansehen gegenüber der Industrie zu heben.

13.1.1903, Dienstag

Unter dem Titel “Babel und Bibel” erläutert der deutsche Archäologe Friedrich Delitzsch neue, bei Grabungen in Babylon gewonnene Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen der assyrischen Kultur und dem Alten Testament.

Die Wahl des Sozialisten Jean Jaurès zum Vizepräsidenten der französischen Abgeordnetenkammer stößt in nationalistischen Kreisen Frankreichs auf heftige Kritik, da Jaurès sich offiziell für einen endgültigen Verzicht auf Elsass-Lothringen und für Abrüstung ausgesprochen hat.

Aus Prag wird berichtet, dass im Verlauf der vergangenen sechs Wochen Hunderte Menschen an Typhus erkrankt sind.

14.1.1903, Mittwoch

Die britische Regierung protestiert gegen die Fahrt eines russischen Torpedobootes durch die Dardanellen, denn aufgrund eines internationalen Abkommens dürfen Kriegsschiffe die Meerenge zwischen dem Marmarameer und dem Mittelmeer nicht passieren.

Vor dem Karlsruher Schwurgericht wird in dem von der deutschen Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgten Prozess gegen den Chemiestudenten Fritz Ruff das Urteil gefällt. Er hatte am 7. Oktober 1902 den Jurastudenten Karl Reiß im Duell getötet.

König Alexander I. von Serbien spricht anlässlich des 25. Jubiläums der Unabhängigkeit Serbiens über die außenpolitischen Ziele seiner Regierung. Seine Rede schließt er mit dem Satz: “Alle Welt muss die Überzeugung erlangen, dass niemand auf dem Balkan nur ein Fußbreit erwerben kann, ohne dass auch Serbien seinen Anteil erhält”.

Das preußische Abgeordnetenhaus wählt die bisherigen Mitglieder des Präsidiums, den Konservativen Jordan von Krächer, Klemens von Heeremann vom Zentrum sowie den Nationalliberalen Paul Georg Christoph Krause, wieder in ihre Ämter.

15.1.1903, Donnerstag

Die preußische Regierung verfügt in einer dem Haushaltsplan angefügten Denkschrift finanzielle Zuwendungen für Beamte in der Ostmark, den gemischtsprachigen Gebieten der Provinz Westpreußen.

Dem preußischen Landtag wird ein Gesetzentwurf für die Neuordnung der Landestrauer vorgelegt, mit dem das offizielle Trauerzeremoniell vereinfacht wird.

Der Schweizer Bundesrat fordert die Kantone Waadt und Wallis auf, den Aufenthalt von aus Frankreich übergesiedelten geistlichen Orden aus ihren Gebieten zu beenden. Die Anordnung, keine von der französischen Regierung geschlossenen Orden in der Schweiz aufzunehmen, war bereits am 14. August des Vorjahres getroffen worden.

Das US-amerikanische Repräsentantenhaus in Washington genehmigt eine vorübergehende Änderung des Einfuhrzolls auf Kohlen. Sie soll solange Gültigkeit behalten, bis der Kohlenmangel, der in den USA infolge eines monatelangen Bergarbeiterstreiks in Pennsylvania herrscht, ein Ende hat.

Auf ihrer Tournee durch Deutschland gastiert Georgette Leblanc-Maeterlinck im Berliner Lessing Theater mit dem Schauspiel “Monna Vanna” von ihrem Ehemann Maurice Maeterlinck.

16.1.1903, Freitag

Der deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm trifft zu einem achttägigen Besuch am russischen Zarenhof in Petersburg ein.

Erfolgreich beendet wird die Erprobung einer elektrischen Beleuchtung von Eisenbahnwagen auf der Strecke zwischen Frankfurt am Main und Wiesbaden.

In der Nähe der marokkanischen Stadt Tanger kommt es zwischen Truppen des Sultans und aufständischen Berberstämmen zu Kämpfen.

Das französische Parlament verabschiedet mit 339 gegen 185 Stimmen das Gesetz über ein Verbot der bretonischen Sprache im Religionsunterricht.

Zum Anlass des 200. Jubiläums der ersten gedruckten Zeitung in Russland, “Moskowskija Wjedomoski”, erlässt die Russische Sozialdemokratische Arbeiterpartei einen Aufruf, worin sie die Einführung der Pressefreiheit in Russland fordert.

17.1.1903, Samstag

Im Secessionsgebäude in der Wiener Friedrichstraße wird die XVI. Ausstellung der Wiener Secession eröffnet. Besondere Aufmerksamkeit schenken die Besucher den hier gezeigten Bildern der französischen Impressionisten.

Die Verwaltung des deutschen Heeres fordert in einer Denkschrift an den Deutschen Reichstag die Einrichtung einer militärtechnischen Hochschule. Im Vorjahr war dieses Ansinnen vom Parlament bereits abgewiesen worden.

In Peking findet in Anwesenheit führender Vertreter des chinesischen Hofes und des diplomatischen Korps die Enthüllung eines Denkmals für Klemens Freiherr von Ketteler statt. Der ehemalige deutsche Gesandte war am 20. Juni 1900 von aufständischen Chinesen ermordet worden.

18.1.1903, Sonntag

Im österreichischen Parlament beginnt die erste Lesung des am 6. November 1902 vorgelegten Wehrgesetz-Entwurfs.

Zar Nikolaus II. von Russland kündigt disziplinarische Maßnahmen gegen Finnen an, die den Antritt zum Wehrdienst in der russischen Armee verweigern. Die Zahl der Verweigerer betrug im Vorjahr 14 798.

Mit zehn gegen neun Stimmen lehnt die Synode der reformierten niederländischen Kirche die Zulassung einer Frau für das Predigeramt ab.

Der Ausschuss der Deutschen Turnerschaft veröffentlicht einen Beschluss, worin die Teilnahme von Frauen und Mädchen an den Deutschen Turnfesten abgelehnt wird. Eine Teilnahme der weiblichen Jugend entspreche nicht den geltenden gesellschaftlichen Anschauungen.

19.1.1903, Montag

In einer Note an die Regierungen der ausländischen Mächte erklärt die chinesische Führung, sie sei nicht in der Lage, die für den Boxeraufstand geforderten Entschädigungszahlungen zu leisten.

Das Oberverwaltungsgericht in Berlin bestätigt das Aufführungsverbot für das Drama “Maria Magdalena” von Paul Heyse. In der Begründung heißt es, dieses Stück stelle einen Angriff auf die Religion dar.

20.1.1903, Dienstag

Die in Wien stattfindende Verständigungskonferenz über die Sprachenregelung zwischen Deutschen und Tschechen wird ergebnislos abgebrochen.

Der italienische Ingenieur Guglielmo Marchese Marconi bestätigt offiziell das Gelingen der ersten drahtlosen Nachrichtenübermittlung über den Atlantik.

Der französische Schauspieler Benoist Constant Coquelin, genannt Coquelin d. Ä., gastiert an drei Abenden im Berliner Schauspielhaus.

In einem Feuilletonbeitrag im “Berliner Tageblatt” äußert sich der Schriftsteller Theodor Wolff über den neuesten aus den USA eingeführten Gesellschaftstanz, den “Cakewalk”.

Deutsche Zeitungen berichten von einem regen Handel mit Doktordiplomen. Vor allem Zahnärzte sollen an einigen US-amerikanischen Universitäten ihre Titel käuflich erwerben.

Unter der Überschrift “Babel, Bibel, Bebel” polemisiert der Kommentator des “Berliner Tageblattes” gegen eine Propagandaaktion konservativer Kirchenkreise, bei der wissenschaftliche Erkenntnisse zur Religionsgeschichte mit sozialdemokratischem Denken gleichgesetzt werden.

21.1.1903, Mittwoch

Deutsche Kanonenboote bombardieren das venezolanische Fort San Carlos. Am gleichen Tag beginnt in Washington die internationale Venezuela-Konferenz, auf der die Botschafter Großbritanniens, des Deutschen Reichs und Italiens mit dem US-amerikanischen Verhandlungsbeauftragten über die Voraussetzungen für ein Ende der Seeblockade gegen Venezuela beraten.

In London hat das Stück “For Sword or Song” Premiere. Die Ausstattung dieses poetischen Dramas von drei jungen Gegenwartsautoren besorgte der bekannte Theoretiker des modernen Theaters, Edward Gordon Craig.

22.1.1903, Donnerstag

US-Präsident Theodore Roosevelt legt dem Senat in Washington den von beiden Vertragsparteien unterschriebenen Hay-Herrán-Vertrag über den Bau des Panamakanals vor. In dem Abkommen gibt Kolumbien seine Zustimmung zum Kanalbau.

23.1.1903, Freitag

Ein Londoner Gericht verurteilt den irischen Journalisten Arthur Alfred Lynch zum Tode, da er während des südafrikanischen Kriegs zwischen Großbritannien und den Buren gegen die Briten gekämpft hatte.

Das Storting, das norwegische Parlament, spricht sich in Christiania (Oslo) für die Schaffung eines eigenen, von Schweden getrennten Konsularwesens aus.

Im Berliner Kleinen Theater findet die deutsche Erstaufführung von Maxim Gorkis Drama “Nachtasyl” statt. Die Inszenierung von Richard Vallentin ist der erste große Erfolg für die Bühne Unter den Linden, deren Leitung Max Reinhardt am 1. Januar offiziell übernommen hat.

Reichstagspräsident Franz Xaver Graf von Ballestrem tritt aufgrund eines in der konservativen “Kreuzzeitung” erschienenen Artikels mit kritischen Bemerkungen über seine Amtsführung zurück. Nach der Neuwahl zum Präsidium am 29. Januar übernimmt der Zentrumspolitiker jedoch erneut das Präsidentenamt.

24.1.1903, Samstag

Eine Versammlung ehemaliger liberaler Minister Spaniens in Madrid verabschiedet ein neues Parteiprogramm u.a. mit folgenden Hauptpunkten: Freiheit des Vereinsrechts, allgemeines obligatorisches Wahlrecht, Unvereinbarkeit eines Abgeordnetenmandats mit anderen Ämtern, Nichteinmischung in europäische Streitfragen und engere Bindung an Portugal sowie das spanischsprachige Südamerika.

25.1.1903, Sonntag

Bei einer internationalen Meisterschaft im Eiskunstlauf in Davos erringt das Wiener Paar Szabo/Euler den ersten Platz, bei den Herren überzeugt der Schwede Ulrich Salchow.

26.1.1903, Montag

Aus dem Südosten Europas kommen Nachrichten über Angriffe von Wolfsrudeln auf Menschen. Infolge starker Schneefalle dringen die Wölfe bis in die Dörfer vor. Auch im Schnee steckengebliebene Züge sind attackiert worden.

27.1.1903, Dienstag

Anlässlich des 44. Geburtstags Kaiser Wilhelms II. finden im Deutschen Reich unzählige Feiern statt.

Am ersten Tag der wiedereröffneten Kammern in Belgien geht den Mitgliedern der Häuser eine Regierungsvorlage über eine Alters- und Krankenversicherung zu.

Auf dem zweitägigen Parteitag des bayerischen Zentrums in München bekräftigen die Delegierten ihre oppositionelle Haltung gegenüber einer Bevormundung durch das preußische Kaiserhaus.

28.1.1903, Mittwoch

Der schweizerische Bundesrat berät über das Einfuhrverbot von Brieftauben. Der Import soll künftig nur nach Genehmigung der Militärbehörden möglich sein.

29.1.1903, Donnerstag

Während der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses in Berlin kommt es zu einer Kontroverse zwischen dem Bund der Landwirte und Landwirtschaftsminister Viktor von Podbielski. Die Landwirte verlangen höhere Getreidezölle und halten das im Dezember verabschiedete Zolltarifgesetz für nicht ausreichend.

Die russische Regierung in Petersburg veröffentlicht die neuen Zolltarife für die europäischen Grenzen des Zarenreichs. u.a. ist dies eine Reaktion auf das im Dezember 1902 verabschiedete neue Zolltarifgesetz des Deutschen Reiches.

Ein seit zwei Tagen andauernder Eisenbahnerstreik in den Niederlanden führt zu ernsthaften Transportproblemen innerhalb des Landes. Anlass des Ausstands ist die Solidarisierung mit streikenden Hafenarbeitern. Die Eisenbahner weigern sich, die von Streikbrechern ausgeladenen Waren aus den Hafenstädten weiterzutransportieren.

Bei Zusammenstößen zwischen Militär und streikenden Arbeitern werden in den spanischen Industriestädten Rëus, Cadiz, Barcelona und Corunna mehrere Menschen schwer verletzt.

30.1.1903, Freitag

Die in Kattowitz erscheinende Zeitung “Gornoslazak” veröffentlicht einen Artikel über die nationalen Pflichten der Polen. u.a. wird darin zum Widerstand gegen die Germanisierungspolitik Preußens aufgerufen.

31.1.1903, Samstag

In zweiter Lesung genehmigt der Deutsche Reichstag den Gesetzentwurf über gewerbliche Kinderarbeit. Zugleich fordert er eine Untersuchung über landwirtschaftliche Kinderarbeit.

Der Reichstag verabschiedet ein Abkommen über gegenseitigen Patent-, Muster- und Markenschutz zwischen dem Deutschen Reich, Österreich und der Schweiz.

Chroniknet