Was geschah im Januar 1905

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Wetterstationen Januar 1905

1.1.1905, Sonntag

Paul Freiherr Gautsch von Frankenthurn wird österreichischer Ministerpräsident als Nachfolger des am 27. Dezember 1904 zurückgetretenen Ernest von Koerber.

Beim Neujahrsempfang des diplomatischen Korps in Berlin schlägt Kaiser Wilhelm II. US-Botschafter Charlemagne Tower einen Gelehrtenaustausch vor. Gelehrte aus den USA sollten an deutschen Universitäten Vorlesungen halten; umgekehrt sollten deutsche Professoren US-amerikanische Hochschulen besuchen und dort deutsches Wissen verbreiten. Dies würde zur gegenseitigen Völkerverständigung beitragen.

Der französische Komponist und Organist Gabriel Fauré wird als Nachfolger von Théodore Dubois Direktor des Conservatoire de Paris, der Pariser Hochschule für Musik.

Schwere Stürme und der bisher kälteste Winter des Jahrhunderts führen in ganz Europa zu mehr als einem Dutzend Todesfällen.

Auf Initiative des Belgiers Henri Oedenkoven wird in Ascona die “Vegetabilische Gesellschaft des Monte Verità” gegründet. Ihr Ziel sind möglichst naturnahes Essen, Wohnen und Kleiden.

Das seit dem 12. Jahrhundert bestehende Kondominium (gemeinsame Oberhoheit) der Länder Baden und Hessen über die 1450 Einwohner zählende Landgemeinde Kürnbach wird aufgehoben. Die Gemeinde, von der bisher 128 Häuser zu Hessen und 90 zu Baden gehören, wird komplett dem Großherzogtum Baden zugeschlagen. Hessen erhält als Abfindung ein Stück Wald sowie 175 000 Mark.

In Berlin wird auf Initiative von Helene Stöcker der “Bund für Mutterschutz” gegründet. Nach einem in der Presse veröffentlichten Aufruf will er “Heimstätten schaffen, in welchen alle gesunden und arbeitswilligen unehelichen Mütter willkommen sind, die den ernsten Wunsch haben, ihre Kinder zu gesunden und nützlichen Menschen selbst zu erziehen”. Dem leitenden Komitee des Bundes gehören u.a. Marie Stritt, Hedwig Dahn, Friedrich Naumann und Ernst Müller-Meiningen an.

Marc-Emile Ruchet löst turnusmäßig Robert Comtesse als Bundespräsident der Schweiz ab.

Die bisher “Togoland” genannte deutsche Kolonie in Westafrika wird in “Togo” umbenannt, die Hauptstadt “Klein-Popo” erhält wieder ihren Eingeborenennamen Aného. Am selben Tag tritt eine Verordnung in Kraft, die in allen Schulen außer den Landessprachen nur die deutsche Sprache zuläßt.

2.1.1905, Montag

Die russische Festung Port Arthur kapituliert vor japanischen Truppen.

Kaiser Wilhelm II. teilt Zar Nikolaus II. und dem japanischen Tenno Mutsuhito mit, dass er dem Verteidiger von Port Arthur, General Anatoli M. Stössel, und dem Eroberer, General Maresuke Graf Nogi, den Orden Pour le mérite verleihen werde.

3.1.1905, Dienstag

Der marokkanische Thronprätendent Bu Hamara schlägt bei Oujda die Truppen von Sultan Abd Al Asis.

Im deutschen Pachtgebiet Tsingtau (China) werden mehrere russische Torpedoboote, die nach der Übergabe von Port Arthur an die Japanern entkommen sind, entwaffnet.

4.1.1905, Mittwoch

Während des Hottentottenkriegs in Deutsch-Südwestafrika erobern deutsche Schutztruppen die Festung Groß-Nabas.

Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. löst als König von Ungarn das Abgeordnetenhaus in Budapest auf. Die nationalistische magyarische Opposition verhindert durch einen Tumult die Verlesung der königlichen Thronrede.

Ein dem US-Repräsentantenhaus in Washington vorgelegter Bericht fordert eine massive Förderung der einheimischen Handelsmarine und der Postdienste sowie eine Tonnagebesteuerung für ausländische Schiffe.

In Genf erscheint die erste Ausgabe des “Vpered” (Vorwärts) als neues Organ des bolschewistischen Flügels der russischen Sozialdemokratie. Herausgeber ist Wladimir I. Lenin, der seit 1900 in der Emigration lebt.

5.1.1905, Donnerstag

Sultan Abd Al Hamid II. entsendet 18 000 Soldaten in den Jemen zur Bekämpfung des Aufstands von Imam Hamid Ad Din Jahja, der 1904 die jemenitische Hauptstadt Sana von den Osmanen erobert hatte.

6.1.1905, Freitag

Der linksliberale Parteiführer Friedrich Payer, der Präsident der Württembergischen Abgeordnetenkammer, proklamiert auf der Landesversammlung der Deutschen Volkspartei in Stuttgart einen Zusammenschluss aller politisch links orientierten Kräfte unter Ausschluss der Sozialdemokratie.

Das US-Repräsentantenhaus verabschiedet das Gesetz über die militärische Befestigung der Häfen. Bisher sind 31 Häfen befestigt.

Bei einem politischen Streik der Naphta-Arbeiter im russischen Baku kommt es zu Unruhen und Zusammenstößen mit der Polizei. Die Streikenden zerstören zahlreiche Bohrtürme.

7.1.1905, Samstag

In einem Abkommen zwischen den USA und der Dominikanischen Republik garantieren die Vereinigten Staaten die Unversehrtheit des karibischen Inselstaates.

Die Morgenschicht der Schachtanlage “Bruchstraße” in Bochum-Langendreer tritt in Streik.

8.1.1905, Sonntag

In Nürnberg verabschieden die liberalen Parteien Bayerns ein gemeinsames Aktionsprogramm gegen Sozialdemokratie und Zentrum.

An der gesamten Nordseeküste verursacht eine Sturmflut schwere Schäden.

9.1.1905, Montag

Der Zentrumspolitiker Georg Heim proklamiert auf dem Parteitag des bayerischen Zentrums in München ein Zusammengehen von Zentrum und Sozialdemokratie mit dem Ziel, eine Änderung des Wahlgesetzes herbeizuführen.

In Berlin treten Regierungskommissionen der Länder Bayern, Baden, Württemberg, Sachsen, Oldenburg und Mecklenburg zusammen, um mit Preußen über die Schaffung einer Eisenbahngemeinschaft zu beraten.

In Caltagirone auf Sizilien beschließt eine Wählerversammlung die Gründung einer katholischen Partei, die die italienische Verfassung anerkennen will. Von kirchlicher Seite ist Katholiken in Italien die Teilnahme an Wahlen verboten.

10.1.1905, Dienstag

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris wählt den Radikalen Paul Doumer zum Kammerpräsidenten. Sie votiert gegen die Regierung Emile Combes, die Henri Brisson favorisiert hat.

11.1.1905, Mittwoch

Ein Gericht spricht in Hamburg vier Fabrikantensöhne trotz erwiesener Tat vom Vorwurf der Notzucht frei. Sie hatten nacheinander ein 15-Jähriges Dienstmädchen missbraucht. Die Presse bezeichnet den Freispruch, angesichts der gesellschaftlichen Stellung der Angeklagten, als “Klassenjustiz”.

12.1.1905, Donnerstag

Zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Parlamentariern und Regierung kommt es in der Budgetkommission des Deutschen Reichstags. Die Regierung fordert Indemnität (Straffreiheit) für Ausgaben, die sie ohne Bewilligung des Reichstags im Hottentottenkrieg getätigt hat. In den bis zum 20. Januar dauernden Beratungen wird der Regierung vorgeworfen, das Budgetrecht des Reichstags schmälern zu wollen, indem sie Gelder ohne Zustimmung des Parlaments für den Krieg bereitstellt.

Der bisherige dänische Kultusminister Jens Christian Christensen bildet in Kopenhagen als Nachfolger des zurückgetretenen Johann Heinrich Deuntzer ein linksliberales Kabinett Als dringendste Aufgaben bezeichnet er die Einführung des allgemeinen Wahlrechts zur Gemeindevertretung und die Ordnung des Landesverteidigungswesens auf der Grundlage der dänischen Neutralität.

Der britische Premierminister Arthur James Balfour (konservativ) bezeichnet in Glasgow in einer Rede über die militärische Stärke Großbritanniens den Nordwesten Britisch-Indiens als den derzeit einzigen Konfliktherd. Die Gefahren für den Frieden lägen außerhalb Europas in den Regionen, die noch nicht zivilisatorisch entwickelt seien und wo die zivilisierten großen Nationen um die Vorherrschaft rängen.

13.1.1905, Freitag

Hermann Freiherr von Stengel, der Staatssekretär des Reichsschatzamts, beziffert vor der Budgetkommission des Reichstags in Berlin die bisherigen Kosten des Hottentottenkriegs in Deutsch-Südwestafrika auf 42 Mio. Mark. Derzeit befänden sich 510 Offiziere und 11 068 Mann auf dem Kriegsschauplatz.

Der Anatom Wilhelm von Waldeyer hält im Berliner Rathaussaal einen Vortrag über Umweltverschmutzung. Dabei weist er u.a. auf den Zusammenhang zwischen Großstadtlärm und Krankheiten hin.

14.1.1905, Samstag

ln der französischen Abgeordnetenkammer erhält die Regierung Emile Combes ein Vertrauensvotum mit nur sechs Stimmen Mehrheit. Das Kabinett reicht daraufhin seinen Rücktritt ein.

Mit dem “Rattenball” im Neuen Königlichen Operntheater wird in Berlin offiziell die Karnevalsaison eröffnet. Das Auftreten von Teilen der besten Gesellschaft erregt vor allem in der Presse großes Aufsehen.

15.1.1905, Sonntag

In Daressalam, der Hauptstadt der Kolonie Deutsch-Ostafrika, wird die Deutsch-Ostafrikanische Bank mit eigenem Notenprivileg gegründet. Am 15. Juni gibt sie die erste deutsche Kolonialbanknote im Wert von fünf Rupien (6,65 Mark) heraus.

ln Kellers Festsälen in Berlin findet das 14. Stiftungsfest der Arbeiterbildungsschule statt. Die Festrede hält Rudolf Steiner, der besonders auf den SPD-Politiker Wilhelm Liebknecht als Gründer der Schule eingeht.

16.1.1905, Montag

Bei orkanartigen Stürmen über dem Ärmelkanal sinken zahlreiche Schiffe und Fähren. Über 15 Menschen sterben in den Fluten.

Am Magdeburger Stadttheater findet die Premiere der endgültigen Fassung von Eugen d’Alberts Oper “Tiefland” (erste Fassung 1903) statt. Die Oper gilt als Hauptwerk des Verismus in Deutschland.

Im größten Rüstungsbetrieb von Petersburg, dem Putilow-Werk, bricht ein Streik aus.

17.1.1905, Dienstag

Am Ramnefjell in Loen am norwegischen Nordfjord kommen 59 Menschen durch eine Flutwelle ums Leben. Mehrere Höfe werden zerstört.

Großherzogin Karoline von Sachsen-Weimar stirbt im Alter von 20 Jahren in Weimar an einer Grippe. Die Großherzogin ist das prominenteste Opfer der in Europa grassierenden Grippewelle.

18.1.1905, Mittwoch

Die britische Regierung teilt mit, dass sich während des Hottentottenkriegs mehrere Häuptlinge und 1800 Hottentottenkrieger sowie Hereros auf britisches Territorium in Südafrika geflüchtet haben.

19.1.1905, Donnerstag

Beim Salutschießen anlässlich des russisch-orthodoxen Jordansfestes gibt ein Unbekannter einen scharfen Schuss auf das Winterpalais in Petersburg ab. Mehrere Kartätschkugeln schlagen in einem Zimmer ein. Bei dem Vorfall soll es sich nicht um einen revolutionären Akt, sondern um ein “Versehen” gehandelt haben.

Reinhold Kraetke, der Staatssekretär des Reichspostamts beziffert vor dem Reichstag in Berlin das im Post-“Gesamtbetrieb” steckende Kapital mit 652 Mio. Mark. Davon “arbeiten” in der Post 230, in der Telegrafie 143 und im Fernsprechwesen 279 Mio. Der Telefonbetrieb erwirtschafte bereits geringe Überschüsse.

20.1.1905, Freitag

Der britische Unterstaatssekretär im Foreign Office, Sanderson, bezeichnet in einem Memorandum an Außenminister Henry Charles Keith Petty-Fitzmaurice Marquess of Lansdowne den Dreibund als kaum noch wirksam. Österreich sei durch den Nationalitätenkonflikt geschwächt und arbeite mit Russland auf dem Balkan zusammen, Italien habe aus finanziellen und anderen Gründen mit Frankreich Freundschaft geschlossen.

Reichskanzler Bernhard Graf von Bülow äußert sich in einer Grundsatzrede vor dem Reichstag in Berlin über den Ruhrbergarbeiterstreik.

Die Botschafter Russlands und Österreich-Ungarns fordern vom Osmanischen Reich, die makedonischen Provinzen einer europäischen Finanzkontrolle zu unterstellen.

Im Rittersaal des Königlichen Schlosses zu Berlin findet die Defiliercour statt. Traditionsgemäß werden dabei junge Damen aus besseren Häusern der Hofgesellschaft vorgestellt.

21.1.1905, Samstag

Das Trauerspiel “Das gerettete Venedig” von Hugo von Hofmannsthal erlebt am Berliner Lessingtheater seine Uraufführung.

In Glarus finden vor 6000 Zuschauern die ersten Schweizer Skimeisterschaften statt. Erster Sieger wird Fred Iselin. Sein Bruder Christoph hatte 1904 den Schweizer Ski-Verband gegründet.

Der als liberal geltende König Alfons XIII. von Spanien erlässt anlässlich seines Namenstags eine Amnestie, die auch für Parlamentsabgeordnete gilt, die aus politischen Gründen gerichtlich verfolgt werden.

22.1.1905, Sonntag

Eine friedliche Demonstration für soziale Gerechtigkeit und politische Reformen in Petersburg wird vom Militär blutig niedergeschlagen (“Blutsonntag”).

Eine Versammlung der Pfälzer Nationalliberalen in Neustadt an der Weinstraße beschließt, für eine Vereinigung aller liberalen Parteien im Kampf gegen Zentrum und Sozialdemokratie zu arbeiten.

Der Norweger Leif Berg erzielt in Glarus mit 27 m die größte bis dahin im Skispringen in der Schweiz erzielte Weite. Er war mit seinem Landsmann Thorleif Björnstadt zu den ersten Schweizer Skimeisterschaften eingeladen worden.

23.1.1905, Montag

Die von dem Geistlichen Georgi A. Gapon gegründete “Vereinigung russischer Fabrikarbeiter von St. Petersburg” wird nach dem “Blutsonntag” vom Tag zuvor aufgelöst.

In Florida beginnt das Zweite Automobil-Meeting. Sieger der bis zum 31. Januar dauernden Veranstaltung wird William Kisson Vanderbilt jr. in einem Daytona-Handicap.

24.1.1905, Dienstag

Der mecklenburgische Bundesratsbevollmächtigte Dietrich von Oertzen protestiert im Reichstag in Berlin gegen eine Anfrage der Nationalliberalen, wann das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin gedenke, eine moderne Verfassung einzuführen.

Der österreichische Ministerpräsident Paul Freiherr Gautsch von Frankenthurn bezeichnet in seiner Regierungserklärung die Annäherung und Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen als dringlichste Aufgabe.

Zar Nikolaus II. errichtet in Petersburg eine Militärdiktatur. Zum Generalgouverneur beruft er den bisherigen Oberpolizeimeister von Moskau, General Dmitri F. Trepow.

Der bisherige französische Finanzminister Maurice Rouvier von der gemäßigten Linken wird als Nachfolger des zurückgetretenen Emile Combes zum Ministerpräsidenten gewählt. Sein Regierungsprogramm nennt als zentrale Punkte die Trennung von Staat und Kirche sowie die Einführung von Einkommensteuer und Altersversicherung.

25.1.1905, Mittwoch

Der preußische Landtag in Berlin bewilligt 2 Mio. Mark für die innere Kolonisation in Ostpreußen und Pommern.

In Berlin wird der Handelsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn unterzeichnet.

26.1.1905, Donnerstag

Bei den ungarischen Parlamentswahlen erreichen die oppositionellen Kossuthisten die Mehrheit.

Der spanische Ministerpräsident Marcelo de Azcárraga y Palmero tritt wegen Differenzen innerhalb seines Kabinetts zurück. Nachfolger wird Raimundo Fernandez Villaverde (konservativ). Dies ist der erste von vier Regierungswechseln in diesem Jahr.

Die für den Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. am 27. Januar geplanten Hoffestlichkeiten werden abgesagt, da Prinz Eitel Friedrich in Potsdam im Verlauf einer Grippe an Lungenentzündung erkrankt ist.

Die sinfonische Dichtung “Pelleas und Melisande” von Arnold Schönberg wird in Wien unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt.

27.1.1905, Freitag

Bei wiederholten Zusammenstößen zwischen Streikenden und russischpolnischen Soldaten in Lodz und Warschau werden mehrere hundert Arbeiter getötet. Aus Helsingfors (Helsinki) und Riga werden ebenfalls blutige Kämpfe gemeldet.

Im Rigaer Neuen Theater wird das Drama “Der silberne Schleier” von Aspazija (eigentlich Elza Rozenberga) uraufgeführt. Das lettische Publikum versteht es als Aufruf zur Befreiung von russischer Fremdherrschaft, weil die Heldin des Stücks dem Gewaltregime eines Königs ein Ende setzt.

28.1.1905, Samstag

In nahezu allen größeren Städten des Russischen Reiches, u.a. in Petersburg, Moskau, Riga, Warschau, Baku, Tiflis, Batum, erscheinen wegen der Unruhen und Streiks keine Zeitungen.

Der erste “Prix Fémina” wird an die Schriftstellerin Myriam Harry für ihren 1903 erschienenen Roman “Die Eroberung Jerusalems” vergeben. Der Preis war 1904 von der Zeitschrift “La Vie heureuse” (Glückliches Leben) gestiftet worden. Die Jury setzt sich nur aus Frauen zusammen.

Japan beginnt während des Russisch-Japanischen Kriegs mit der Blockade von Wladiwostok.

29.1.1905, Sonntag

Der Moskauer Stadthauptmann führt in einer öffentlichen Erklärung die revolutionären Unruhen auf britische und japanische “Machenschaften” zurück. Nach einem Protest der britischen Botschaft wird diese Erklärung zurückgezogen.

30.1.1905, Montag

Der Oberste Gerichtshof der USA in New York erklärt den “Beef Trust” für illegal.

Der preußische Handelsminister Theodor von Möller kündigt im Abgeordnetenhaus eine Novelle des Berggesetzes als Reaktion auf den Ruhrbergarbeiterstreik an.

31.1.1905, Dienstag

Stübel, der Kolonialdirektor des Auswärtigen Amts, beziffert im Reichstag die Verluste, die deutsche Siedler während des Hottentottenkriegs in Deutsch-Südwestafrika erlitten haben auf 12 Mio. Mark. Der Reichstag bewilligt nur 3 statt der von der Regierung geforderten 5 Mio. Mark als Entschädigung für die Siedler.

Der württembergische Ministerpräsident Wilhelm August von Breitling kündigt vor der Abgeordnetenkammer in Stuttgart eine Verfassungs- und Wahlrechtsreform für das laufende Jahr an.

Im Januar wurden in London und 74 Provinzialstädten fast 40 000 Arbeitslose durch “Notstandsarbeiten” beschäftigt.

Am Deutschen Theater in Berlin wird die Komödie “Ein Sommernachtstraum” von William Shakespeare in der Regie von Max Reinhardt erstmals aufgeführt. Die Inszenierung erregt, wegen des virtuosen Einsatzes einer Drehbühne, großes Aufsehen.