Was geschah im Januar 1906

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Wetterstationen Januar 1906

1.1.1906, Montag

Helmuth von Moltke wird preußischer Generalstabschef als Nachfolger von Alfred Graf von Schlieffen.

Die russische Regierung in Petersburg (Leningrad) veröffentlicht eine optimistische Darstellung der innenpolitischen Lage: Der Moskauer Dezemberaufstand sei niedergeschlagen.

Die serbische Regierung veröffentlicht den Entwurf eines Zollunionsvertrags mit Bulgarien. Als sich Serbien weigert, den Plan einer Zollunion aufzugeben, kommt es zu einem Handelskrieg mit Österreich-Ungarn.

Im Deutschen Reich wird die Beschäftigung von Kindern unter zehn Jahren in familieneigenen Betrieben erlaubt.

Ludwig Forrer tritt sein Amt als Bundespräsident der Schweiz an. Er übernimmt turnusgemäß die Nachfolge von Marc-Emile Ruchet.

Nach einer in Berlin verbreiteten offiziellen Meldung haben sich in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika bis Neujahr 1400 Hottentotten und 737 Herero der deutschen Schutztruppe ergeben. Der 1904 ausgebrochene Aufstand ist jedoch noch nicht beendet.

Das offiziöse k. k. Telegraphenkorrespondenzbureau gibt bekannt, dass es künftig für Böhmen und Mähren alle Nachrichten, die bisher nur in Deutsch verbreitet wurden, auch in tschechischer Sprache herausbringt. Hintergrund ist der Nationalitätenstreit zwischen Deutschen und Tschechen im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn.

Die Königreiche Bayern und Württemberg bestehen 100 Jahre.

2.1.1906, Dienstag

Die Sobranje in Sofia, das Parlament des Fürstentums Bulgarien, genehmigt durch Akklamation den Vertrag über die Zollunion mit dem Königreich Serbien.

In der ungarischen Stadt Debreczin (Debrecen) wird der von der ungarischen Regierung ernannte Obergespan Gustav Kovacs von nationalistischen Magyaren schwer misshandelt. Budapest reagiert mit der Entsendung eines Truppenaufgebots in das vom Nationalitätenkonflikt erschütterte Gebiet.

In den Werkstätten der Preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft wird der Neunstundentag eingeführt. Die Regel im Deutschen Reich ist ein Zehn- bis 14-Stunden-Tag.

3.1.1906, Mittwoch

Der Telegrafenverkehr zwischen Moskau und dem Ausland wird nach dem Ende des Dezemberaufstands wiederhergestellt. Auch die Eisenbahnen im Umkreis von Moskau fahren wieder.

Im russischen Teil Polens (Großherzogtum Warschau) verbieten die Behörden zahlreiche Zeitungen. Redakteure, die mit dem Dezemberaufstand von 1905 sympathisiert haben, werden verhaftet.

4.1.1906, Donnerstag

Der Heilige Synod, das oberste Organ der russisch-orthodoxen Kirche, ordnet an, dass Geistliche, die während des Dezemberaufstands “die Regierungsmaßnahmen ihren Gemeindemitgliedern gegenüber in gesetzwidriger Weise beleuchtet” hätten, aus dem Amt zu entfernen seien.

5.1.1906, Freitag

In Riga werden 100 Arbeiter von Militärangehörigen erschossen. Sie haben sich geweigert, Revolutionäre zu denunzieren.

6.1.1906, Samstag

In Daressalam, der Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika, werden während des Eingeborenenaufstands fünf angebliche Rädelsführer durch den Strang hingerichtet. Sie sollen maßgeblich zum Ausbruch des Aufstands gegen die Kolonialmacht beigetragen haben.

Nach der Erhebung neuer Steuern bricht in Albanien ein antiosmanischer Aufstand aus.

7.1.1906, Sonntag

Im weißrussischen Gouvernement Grodno beginnen blutige Bauernrevolten.

In Österreich-Ungarn werden die ersten Kennzeichen für Kraftfahrzeuge ausgegeben: Weiße Tafeln mit schwarzen Bezeichnungen.

8.1.1906, Montag

In Brüssel wird die Nachricht verbreitet, dass im Kongostaat, der Privatkolonie des belgischen Königs Leopold II., “unruhige Neger” die katholische Mission in Kwango überfallen, “einen Missionar und acht Katecheten getötet und ihre Leichen verzehrt” haben.

9.1.1906, Dienstag

In der bayerischen Abgeordnetenkammer in München tadeln sozialdemokratische Abgeordnete die Praxis, dass preußische Offiziere die bayerischen Truppen inspizieren. Kriegsminister Karl Freiherr von Horn stellt klar, dass das Recht der Inspizierung dem deutschen Kaiser zustehe, “der bei der Ausübung dieses Rechts Bayern gegenüber mit dem größten Wohlwollen verfährt”.

Die deutsche Gesandtschaft in Tokio und die japanische Gesandtschaft in Berlin werden zu Botschaften erhoben.

10.1.1906, Mittwoch

Der persische Schah Mosaffar Od Din stimmt während sozialrevolutionärer Unruhen im Land der Berufung eines Gremiums aus Geistlichen, Kaufleuten und Großgrundbesitzern zu, das administrative und legislative Tätigkeiten übernehmen soll. Eine der Forderungen der Revolutionäre ist die Errichtung eines Parlaments.

11.1.1906, Donnerstag

Der Sozialdemokrat Paul Löbe, Schriftleiter der Breslauer “Volkswacht”, wird zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er hatte am 5. Dezember 1905 geschrieben, die Arbeiterschaft lasse sich nicht länger rechtlos halten, und zum Kampf gegen das Unrecht aufgefordert.

Die Rheinuferbahn zwischen Köln und Bonn wird für den Personenverkehr eröffnet.

Carl Diem, Sekretär des Deutschen Athleten-Bundes, organisiert in Berlin-Grunewald den ersten Waldlauf in Deutschland (84 Teilnehmer).

Gustav Adolf Graf von Götzen, seit 1901 Gouverneur der Kolonie Deutsch-Ostafrika, bezeichnet in Daressalam den 1905 ausgebrochenen Eingeborenenaufstand als weitgehend niedergeschlagen.

12.1.1906, Freitag

Der Bürgerkrieg in der Dominikanischen Republik endet mit dem Rücktritt des seit 1904 amtierenden Präsidenten Carlos Morales. Nachfolger wird Ramón Cáceres. Die USA hatten Morales 1905 gezwungen, die Zolleinnahmen an die Vereinigten Staaten abzutreten und das Land der absoluten Finanzkontrolle von Washington zu unterstellen.

In Madrid heiratet die spanische Infantin Maria Theresia Prinz Ferdinand von Bayern. Die 23-Jährige ist die Schwester von König Alfons XIII.

13.1.1906, Samstag

Aus dem Kaukasus werden blutige Kämpfe zwischen Armeniern und Tataren gemeldet.

14.1.1906, Sonntag

In mehreren Distrikten Ungarns, vor allem in den Komitaten Bereg und Krasso-Szöreny, kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen nationalistischen Magyaren und der Gendarmerie.

15.1.1906, Montag

Bei einer Duelldebatte im Deutschen Reichstag in Berlin erklärt der preußische Kriegsminister Karl von Einem im Namen von Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow, die Armee könne niemanden in ihren Reihen dulden, der nicht mit der Waffe in der Hand für seine Ehre eintrete.

Serbien lehnt die Forderung Österreich-Ungarns ab, die Pläne für einen serbisch-bulgarischen Zollunionsvertrag auszusetzen.

16.1.1906, Dienstag

In Algeciras wird die Marokko-Konferenz eröffnet. Auf Initiative des Deutschen Reichs verhandeln 13 Staaten bis zum 7. April über den Status von Marokko.

In Petersburg (Leningrad) werden die 22 Mitglieder des Arbeiterdelegiertenrats verhaftet. Nach Angaben der Regierung unter Ministerpräsident Sergei Graf Witte handelt es sich um Revolutionäre, die dem Arbeiterstand gar nicht angehören.

Bei der Beratung des Nachtragshaushalts im Deutschen Reichstag in Berlin betont Ernst Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, der Leiter der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts, der Aufstand in der Kolonie Deutsch-Ostafrika habe wenig Blut und Gut gekostet, weil die “kultiviertesten Teile der einheimischen Bevölkerung” ruhig geblieben seien.

Das Gesetz über die Neuorganisation der Schweizerischen Nationalbank tritt in Kraft. Der Bund überträgt der Bank zunächst für die Dauer von 20 Jahren das ausschließliche Recht zur Ausgabe von Banknoten.

17.1.1906, Mittwoch

In Berlin wird die deutsche Heimarbeiter-Ausstellung eröffnet. Sie gibt einen Einblick in die katastrophale Lage der Heimarbeiter.

Der Deutsche Reichstag in Berlin genehmigt Anträge zur Gewährung von Abgeordnetendiäten.

Oswald Freiherr von Richthofen, der seit 1900 als Staatssekretär des Auswärtigen die deutsche Außenpolitik leitete, stirbt im Alter von 58 Jahren in Berlin. Sein Nachfolger wird Heinrich Leonhard von Tschirschky und Bögendorff, der bisherige preußische Gesandte bei den Hansestädten.

In Hamburg kommt es zum ersten politischen Massenstreik in der deutschen Geschichte.

Armand Fallières wird als Nachfolger von Emile Loubet zum französischen Staatspräsidenten gewählt.

18.1.1906, Donnerstag

Ernst Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Leiter der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts, mahnt im Reichstag in Berlin dazu, beim Wechsel leitender Kolonialbeamter vorsichtig zu verfahren, um nicht unter den Schwarzen, die von den Aufständen in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika gehört hätten, “die Neigung zur Widersetzlichkeit zu stärken”.

Der zweite Parteikongress der “Kadetten” (Konstitutionelle Demokratische Partei) in Petersburg (Leningrad) erkennt die monarchische Regierungsform an, spricht sich für eine Einschränkung der Landenteignungen aus und verurteilt revolutionäre Kampfmethoden.

19.1.1906, Freitag

Im Berliner Lessingtheater wird das im Untertitel als “Glashüttenmärchen” bezeichnete Schauspiel “Und Pippa tanzt!” von Gerhart Hauptmann uraufgeführt.

20.1.1906, Samstag

Österreich-Ungarn bricht die Handelsvertragsverhandlungen mit dem Königreich Serbien ab. Die serbische Regierung unter Ministerpräsident Ljubomir Stojanovic weigert sich, von einer Zollunion mit Bulgarien Abstand zu nehmen.

Die französische Regierung erlässt ein Dekret über die Pfarrerpensionen. Danach muss sich jeder Geistliche, der eine Pension beansprucht, an den Präfekten seines Departements wenden. Die Katholiken lehnen das Dekret als Verschärfung des Gesetzes über die Trennung von Kirche und Staat (1905) ab.

21.1.1906, Sonntag

196 Menschen sterben, als das brasilianische Linienschiff “Aquidaban” südlich der Insel Ilha Grande bei Rio de Janeiro nach einer Explosion sinkt. Ursache der Katastrophe war vermutlich ein Kurzschluss.

Die preußischen Sozialdemokraten demonstrieren auf Kundgebungen in 31 Städten gegen das Dreiklassenwahlrecht.

In vielen Ländern finden Solidaritätskundgebungen aus Anlass des Jahrestags des Beginns der Revolution in Russland statt.

22.1.1906, Montag

Laut einer amtlichen Mitteilung der russischen Regierung konnte die Polizei seit Anfang Dezember 1905 acht Laboratorien und Bombenwerkstätten von Revolutionären ausheben. Darüber hinaus seien 2000 Pfund Pulver, über 400 Pfund Dynamit, Gewehre, Revolver und blanke Waffen sowie drei britische Maschinengewehre sichergestellt worden.

Der preußische Kultusminister Konrad von Studt erklärt im Abgeordnetenhaus in Berlin, katholische Geistliche würden von der Polizei und anderen Verwaltungsorganen ebenso überwacht wie Staatsbeamte.

In Daytona beginnt das dritte Florida-Meeting. Auf der bis zum 28. Januar dauernden Veranstaltung stellt der US-Amerikaner Mariott mit einem Dampfwagen zwei Weltrekorde auf: 195,652 km/h über 1 km und 205,404 km/h über die Meile mit fliegendem Start.

23.1.1906, Dienstag

Unter dem Vorsitz von Kultusminister Konrad von Studt tritt in Berlin eine Kommission zusammen, um über die Reform des höheren Mädchenunterrichts zu beraten. Der Kommission gehören Schulmänner, Beamte und Gelehrte sowie einige Frauen an.

24.1.1906, Mittwoch

Im Deutschen Reichstag in Berlin beginnt die Beratung des vom Zentrum 1902 eingebrachten Toleranzantrags. Dieser zielt darauf ab, die noch bestehenden Beschränkungen der katholischen Religionsausübung im Reich zu beseitigen.

In der Berliner Nationalgalerie wird die Deutsche Jahrhundertausstellung von Werken deutscher Maler des 19. Jahrhunderts eröffnet.

25.1.1906, Donnerstag

Das Repräsentantenhaus in Washington beschließt mit 194 zu 150 Stimmen, die Gebiete Arizona und New Mexico unter dem Namen Arizona sowie die Indianergebiete und Oklahoma unter dem Namen Oklahoma als Bundesstaaten anzuerkennen. Oklahoma wird 1907, Arizona 1912 US-amerikanischer Bundesstaat.

Zur Wiederherstellung der Ruhe im Land mobilisiert die Regierung in Petersburg weitere sechs Kosakenregimenter. Der größte Unruheherd ist der Kaukasus. Im Bezirk Tiraspol im Gouvernement Cherson ist eine Bauernrevolte ausgebrochen.

Bernhard Fürst von Bülow, seit 1900 preußischer Ministerpräsident und deutscher Reichskanzler, sagt im preußischen Herrenhaus in Berlin, die Regierung halte eine Vermehrung ihrer Befugnisse zur Bekämpfung der Sozialdemokratie nicht für notwendig. Bülow gibt für die Regierung und alle bürgerlichen Parteien die Parole “Gegen die revolutionäre Sozialdemokratie” aus.

Aus Deutsch-Südwestafrika wird amtlich gemeldet, dass der aufständische Häuptling Cornelius in der Gegend der Uribansaspforte in den Tirasbergen von einem deutschen Streifkorps nach dreistündigem Gefecht in die Flucht geschlagen worden sei.

26.1.1906, Freitag

Der Innenminister von Baden Karl Schenkel, erklärt in der Abgeordnetenkammer in Karlsruhe auf eine Anfrage über die seit 1905 andauernde Fleischteuerung, alle Staaten des Deutschen Reichs und auch das Ausland seien von einer Teuerung “in ungewöhnlicher Höhe” betroffen.

In Petersburg (Leningrad) beginnt der zweite russische Moslem-Kongress. Auf der zehntägigen Veranstaltung beschließen die Delegierten, sich keiner der bestehenden politischen Parteien anzuschließen, und fordern einen moslemischen Abgeordneten je 1 Mio. moslemischer Einwohner bei den Wahlen zum ersten Parlament, der Duma.

27.1.1906, Samstag

Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. empfängt als König von Ungarn in Wien den Führer der ungarischen Opposition, Gyula Graf Andrássy d. J., zu Verhandlungen über eine größere Unabhängigkeit Ungarns im Rahmen der Doppelmonarchie.

Der Kongress der Associations viticoles, der vor zwei Tagen unter dem Vorsitz von Jean Dupuy in Paris eröffnet wurde, endet mit der Annahme einer Resolution, in der die Regierung zu Verhandlungen mit dem Ausland über Einfuhrerleichterungen für französische Weine aufgefordert wird. So sollen sich alle Staaten auf gemeinsame Maßregeln zum Schutz der Hygiene, der Weinanalyse, der Bestimmung der wesentlichsten Elemente der Naturweine sowie der notwendigen Konservierungsmittel einigen.

Die Sudan-Eisenbahn von Berber nach Suakin wird eröffnet. Neben dem Nil ist diese Eisenbahnlinie die Hauptverkehrsader des unter angloägyptischer Verwaltung stehenden Landes.

Ein Erlass von Kaiser Wilhelm II. bestimmt, dass die Hälfte der Oberlehrer an den höheren Schulen zu Professoren charakterisiert und nach zwölfjähriger Schulzeit den persönlichen Rang als Räte vierter Klasse erhalten können.

28.1.1906, Sonntag

Die bulgarische Regierung weist eine Protestnote des Osmanischen Reichs gegen die serbisch-bulgarische Zollunion als Einmischung in innere Angelegenheiten zurück.

In der serbischen Hauptstadt Belgrad kommt es zu Massendemonstrationen gegen König Peter I. Karadordevi c, nachdem das Gerücht bekannt geworden war, dass der König den Forderungen Österreich-Ungarns im Konflikt um die serbisch-bulgarische Zollunion nachgeben wolle.

In Davos enden die Eiskunstlauf-Europameisterschaften der Herren. Sieger ist der Schwede Ulrich Salchow. Bei den gleichzeitig stattfindenden Eisschnelllauf-Europameisterschaften lief der Norweger Rudolf Gundersen Weltrekord über 500 m in 44,8 sec. Erste Weltmeisterin im Eiskunstlauf der Damen wird die Britin Madge Syers.

Der Verbandstag des Schweizerischen Lebens- und Genussmittelarbeiterverbands in Bern erklärt, “dass die Revision des nun bald 30-Jährigen eidgenössischen Fabrikgesetzes eine unwandelbar dringende Notwendigkeit geworden ist”, und fordert eine gesetzliche Regelung des Schutzes der Arbeiter.

Während der Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungstruppen im russischen Teil Asiens reißt die Verbindung zur Regierung in Petersburg (Leningrad) ab. Nach Berichten europäischer Zeitungen ist der Oberbefehlshaber Lunewitsch der Meinung, dass Zar Nikolaus II. gestürzt sei, und vermeidet deshalb energisches Vorgehen gegen Meuterer.

30.1.1906, Dienstag

Die Unterhauswahlen in Großbritannien enden mit einer vernichtenden Niederlage der Konservativen und einem Sieg der Liberalen.

Der seit März 1905 amtierende italienische Ministerpräsident Alessandro Fortis, der am 27. Dezember sein zweites Kabinett gebildet hat, verliest vor der Abgeordnetenkammer in Rom sein Regierungsprogramm. Für die Innenpolitik erhebt Fortis, der Führer der unabhängigen Linken, die “Freiheit” zur Richtschnur.

In Riga werden fünf im Polizeigebäude inhaftierte Revolutionäre trotz der Bewachung durch eine halbe Kompanie gewaltsam befreit.

31.1.1906, Mittwoch

Die Hamburger Bürgerschaft verabschiedet mit 120 zu 35 Stimmen die umstrittene Wahlrechtsvorlage. Danach fällt die Hälfte der 160 Mandate automatisch den Notabeln, höheren Beamten und Grundbesitzern zu. Die restlichen 80 Mandate werden durch Wahlen vergeben. Bei der Wahlberechtigung wird unterschieden zwischen Bürgern mit einem jährlichen Einkommen von mehr als 2500 Mark und den weniger Verdienenden.

Ein Kongress von Tabakarbeitern aller Branchen der Tabakindustrie in Berlin spricht sich mit Nachdruck gegen die geplante Einführung der Tabaksteuer aus. Die Folge einer solchen Steuer seien Lohnabzüge und Arbeitslosigkeit.

Prinz Ludwig von Bayern lehnt im Reichsrat in München die geplante Einführung von Schifffahrtsabgaben auf deutschen Flüssen und Kanälen ab. Hierdurch würden Zustände herbeigeführt, “die erst im vorigen Jahrhundert beseitigt worden” seien. Durch die Erhebung solcher Abgaben und durch den Eisenbahnbau würde der Wasserverkehr vernichtet.

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris verabschiedet ein Gesetz, das eine Mindestrente für Arbeiter garantiert.