Was geschah im Januar 1908

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Wetterstationen Januar 1908

1.1.1908, Mittwoch

Ernst Brenner (freisinnig) wird nach 1901 zum zweiten Mal Bundespräsident der Schweiz. Turnusgemäß übernimmt er die Nachfolge von Eduard Müller (freisinnig-demokratisch).

Der deutsche Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow und der österreichisch-ungarische Minister des Äußeren Aloys Freiherr Lexa von Aehrenthal tauschen anlässlich des Jahreswechsels herzliche Glückwünsche aus, die dem engen Bündnis der beiden Staaten entsprechen.

In Frankreich tritt ein Gesetz in Kraft, wonach alle Fahrräder Nummernschilder haben müssen.

Der österreichische Komponist Gustav Mahler tritt sein Engagement als Dirigent der Metropolitan Opera in New York mit einer Aufführung von Richard Wagners Oper “Tristan und Isolde” an. Bis Ende 1907 leitete Mahler die Wiener Hofoper. Sein Nachfolger dort wird der Dirigent Felix von Weingartner.

Zwischen Österreich und Ungarn tritt der neue wirtschaftliche Ausgleich in Kraft. Damit übernimmt Ungarn 36,4% (bisher 30%) der gemeinsamen Ausgaben.

Die deutsche Interessengemeinschaft chemischer Werke (später I. G. Farben) übernimmt die Zeche Auguste Viktoria in Marl.

2.1.1908, Donnerstag

Ein Dekret von König Alfons XIII. von Spanien hebt einen Teil der verfassungsmäßigen Garantien für Barcelona auf. Jetzt kann die Polizei Verhaftungen und Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Bescheid vornehmen. Begründet wird die Maßnahme mit permanenten Terroranschlägen von Anarchisten. Zuletzt war in der Silvesternacht ein Polizeiagent durch eine Bombe getötet worden.

Der US-amerikanische Industrielle John D. Rockefeller schenkt der Universität Chicago 2,19 Mio. Dollar (9,32 Mio. Mark) zur Tilgung des Jahresdefizits von 1907. Rockefellers Spenden für die Universität Chicago, die er 1890 gegründet hat, betragen damit insgesamt bereits 23 Mio. Dollar (rund 98 Mio. Mark).

3.1.1908, Freitag

Der Schriftsteller Maximilian Harden wird in Berlin wegen Beleidigung des Stadtkommandanten Kuno Graf von Moltke, dem er homosexuelle Neigungen vorgeworfen hatte, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

In Vancouver (Kanada) kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Weißen und japanischen Einwanderern. Ein Mann wird getötet, mehrere erleiden Verletzungen. Am 7. Januar weist die kanadische Regierung alle Einwanderungsbehörden an, nur Personen ins Land zu lassen, die einen Arbeitsplatz oder sonstige Beziehungen zu Kanada nachweisen können. Wie in der USA führt die ständig steigende Zahl ostasiatischer Einwanderer auch in Kanada immer häufiger zu Konflikten mit der weißen Bevölkerung.

Im Pariser Bahnhof Saint-Lazare revoltieren die Fahrgäste gegen die miserablen Transportbedingungen. Es kommt zu Schlägereien mit der Polizei. 50 Personen werden verhaftet.

Über einem Teil des Pazifischen Ozeans kommt es zu einer totalen Sonnenfinsternis.

4.1.1908, Samstag

Nach dem Tod von Justizminister Jean Guyot-Dessaigne am 31. Dezember 1907 kommt es in Paris zu einer Regierungsumbildung. Der bisherige Unterrichtsminister Aristide Briand übernimmt das Justizministerium. Das Unterrichtsministerium leitet nun der frühere Handelsminister Gaston Doumergue, dessen alter Posten von Jean Cruppi besetzt wird.

In der Moschee von Fès wird der Sultan von Marokko, Abd Al Asis, wegen seiner Nachgiebigkeit gegenüber den Europäern, besonders den Franzosen, für abgesetzt erklärt. Zu seinem Nachfolger wird sein Bruder Abd Al Hafis ausgerufen.

5.1.1908, Sonntag

König Gustav V. von Schweden gibt in Stockholm bekannt, er wolle sich nicht krönen lassen. Eine Krönung widerspreche dem Zeitgeist und sei zu kostspielig.

6.1.1908, Montag

Der britische Zeitungsverleger Cyril Arthur Pearson wird geschäftsführender Direktor der traditionsreichen und angesehenen Londoner Tageszeitung “The Times”.

7.1.1908, Dienstag

Bei den Wahlen in der britischen Kapkolonie gewinnt der Afrikanderbond eine Mehrheit von sieben Stimmen. Daraufhin tritt der bisherige Ministerpräsident, Leander Starr Jameson, ein Mitglied der Progressisten, zurück.

Der russische Politiker und Führer der Bolschewiki Wladimir I. Lenin, trifft über Finnland, Stockholm und Berlin kommend, mit seiner Frau in Genf ein. Angesichts der massiven Sozialistenverfolgungen in Russland ist Lenin zum zweiten Mal gezwungen, in die Emigration zu gehen. Schon von 1900 bis 1905 hatte er sich im Ausland aufgehalten.

8.1.1908, Mittwoch

Als Nachfolger des am 31. Dezember 1907 verstorbenen Jules de Trooz wird der bisherige Kammerpräsident Frans Schollaert belgischer Ministerpräsident.

In New York wird die Teilstrecke der Untergrundbahn in Betrieb genommen, die Brooklyn und Manhattan verbindet. Das erste Teilstück der New Yorker U-Bahn wurde am 27. Oktober 1904 eröffnet.

9.1.1908, Donnerstag

Etwa 2000 Abessinier sind in Italienisch-Somaliland eingedrungen und belagern die Stadt Luq. Nach Protesten der italienischen Regierung bei König Menilek II. von Abessinien (Äthiopien) wird der Zwischenfall friedlich beigelegt.

Im Alter von 75 Jahren stirbt in Mechtshausen bei Seesen der Zeichner, Maler und Dichter Wilhelm Busch.

10.1.1908, Freitag

In Berlin organisieren die Sozialdemokraten, die im preußischen Abgeordnetenhaus nicht vertreten sind, Protestversammlungen gegen das Dreiklassenwahlrecht.

In Paris wird der französische Ingenieur Henri Lemoine verhaftet, der mit der Behauptung, aus Kohle Diamanten erzeugen zu können, einem Direktor des Diamantenkonzerns De Beers, Julius Wernher, 1,6 Mio. Francs (2 Mio. Mark) entlockt hatte. Lemoines Versuche, dem Gericht seine Kunst zu beweisen, schlagen fehl. Im Juni entkommt er ins Ausland.

In New York werden das 13 Stockwerke hohe Parker Building und einige umliegende Gebäude durch einen Brand zerstört. Die Spritzen der Feuerwehr reichen nur bis zum achten Stock und machen dadurch eine erfolgreiche Brandbekämpfung unmöglich.

Im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin wird ein Antrag der freisinnigen Parteien auf Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts gegen die Stimmen der Freisinnigen, der Polen und des Zentrums abgelehnt.

11.1.1908, Samstag

Im Berliner Lessingtheater wird Gerhart Hauptmanns Drama “Kaiser Karls Geisel” uraufgeführt. Die Titelrolle des 15-Jährigen Sachsenmädchens Gersuind, dem Karl der Große völlig verfällt, spielt Ida Orloff.

In Anwesenheit des deutschen Kaisers Wilhelm II. wird das neue Weimarer Hoftheater eröffnet.

In der britischen Ortschaft Barnsley (Grafschaft York) entsteht während einer Kinematographenvorstellung eine Panik unter den jugendlichen Zuschauern. 16 Kinder werden getötet, viele schwer verletzt.

12.1.1908, Sonntag

In Berlin finden wieder Demonstrationen für das allgemeine Wahlrecht statt. Dabei kommt es zu Zusammenstößen zwischen den Kundgebungsteilnehmern und der Polizei. 30 Demonstranten und vier Polizisten werden verletzt.

13.1.1908, Montag

Mit 61 gegen 8 Stimmen genehmigt der Gemeinderat von Rom die Abschaffung des Religionsunterrichts in den Volksschulen der italienischen Hauptstadt. Damit schließt sich Rom anderen italienischen Städten an, die bereits von dieser gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch gemacht haben.

Die Funkstation auf dem Pariser Eiffelturm empfängt zum ersten Mal eine drahtlose Depesche. Darin meldet der französische Kreuzer “Kleber” seine Ankunft in der marokkanischen Hafenstadt Casablanca.

Auf dem Exerzierplatz von Issy in Frankreich gelingt es dem französischen Flugpionier Henri Farman mit seiner Flugmaschine erstmals in Europa, einen vollständigen Kreis von etwa 1 km Umfang zu fliegen.

Beim Brand des Opernhauses in Boyertown im US-amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania kommen 167 Menschen ums Leben.

14.1.1908, Dienstag

Mit einer neuen Form des Ausdruckstanzes begeistern die Schwestern Grete, Else und Berta Wiesenthal im “Cabaret Fledermaus” das Wiener Publikum.

15.1.1908, Mittwoch

Der neue, von den Ungarn eingesetzte Banus (Statthalter) von Kroatien, Paul Freiherr Rauch von Nyék, wird bei seinem Amtsantritt in Agram von einer aufgebrachten Menge mit Steinen beworfen. Die Kroaten sind mit der ungarischen Nationalitätenpolitik unzufrieden.

16.1.1908, Donnerstag

Im Kampf gegen Anhänger des umstrittenen neuen Sultans Abd Al Hafis besetzen französische Truppen die marokkanische Stadt Settat, räumen sie jedoch am folgenden Tag wieder.

Die erste Ausgabe der Zeitschrift “Scouting for Boys” der britischen Pfadfinderbewegung erscheint. Die Jugendorganisation der Boy-Scouts war im Vorjahr von dem britischen General Robert Baden-Powell gegründet worden.

17.1.1908, Freitag

Angeführt von Emmeline Pankhurst demonstrieren in London Suffragetten für das Frauenstimmrecht. Fünf Frauen werden verhaftet.

18.1.1908, Samstag

Im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin wird die sog. Polenvorlage in dritter Lesung mit 198 gegen 119 Stimmen angenommen. Das Gesetz erlaubt die Enteignung polnischer Grundbesitzer in Ostpreußen.

In Engelberg (Kanton Obwalden) beginnen die dreitägigen Meisterschaften im Skirennen. Es sind die vierten seit Gründung des Schweizerischen Ski-Verbands 1904.

19.1.1908, Sonntag

Der Deutsche Flottenverein hält in Kassel eine Hauptversammlung ab, bei der der bisherige Leiter, General August Keim, seinen Rücktritt bekanntgibt.

In Genf werden 13 russische Emigranten unter dem Verdacht verhaftet, an einem bewaffneten Postraub beteiligt gewesen zu sein, der im Juni 1907 von Sozialrevolutionären in Tiflis verübt worden war.

Der literarische Verein “Phöbus” veranstaltet in München einen stark besuchten Festabend zugunsten der Errichtung eines Heinrich-Heine-Denkmals im Deutschen Reich. Den Aufruf dazu unterzeichneten u.a. so prominente Schriftsteller wie Ludwig Ganghofer und Thomas Mann. Der Literaturkritiker Alfred Kerr stellt in seiner Festrede den in Deutschland verpönten Heine auf eine Stufe mit Goethe.

In Berlin findet das erste deutsche Hallensportfest statt.

20.1.1908, Montag

Auf einer Eisenbahnbrücke bei Mailand kommt es infolge einer falschen Weichenstellung zu einem Zusammenstoß. Dabei werden neun Menschen getötet und 25 verletzt.

21.1.1908, Dienstag

In der britischen Stadt Hull findet eine Versammlung der Labour Party statt. Dabei wird ein sozialistischer Antrag, das Statut der Partei dahingehend abzuändern, dass als ihr letztes Ziel die Beseitigung des Kapitalismus und die Verstaatlichung des Eigentums zu setzen sei, mit knapper Mehrheit abgelehnt.

Im Bois de Boulogne in Paris wird das erste Automobildenkmal der Welt zu Ehren des französischen Autopioniers Emile Levassor errichtet. Die Devise des im Jahr 1897 gestorbenen, begeisterten Rennfahrers lautete: “Immer schneller!”

In Berlin kommt es nach Versammlungen von 12 000 Arbeitslosen, die von der Sozialdemokratischen Partei organisiert worden sind, zu Zusammenstößen mit der Polizei. Dabei werden zahlreiche Menschen verwundet.

Die Berliner Anwaltskammer lehnt den Antrag des Reichsanwalts ab, den sozialistischen Rechtsanwalt Karl Liebknecht aus dem Anwaltsstand auszuschließen.

Der Deutsche Reichstag in Berlin genehmigt in zweiter Lesung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten eine Gesetzesvorlage über die Bestrafung bei Majestätsbeleidigung. Ein Antrag der Sozialdemokraten, den Straftatbestand der Majestätsbeleidigung abzuschaffen, wird abgelehnt.

22.1.1908, Mittwoch

Im Deutschen Reichstag in Berlin wird aufgrund einer sozialdemokratischen Interpellation das preußische Dreiklassenwahlrecht behandelt. Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow lehnt es ab, auf Verhandlungen über die Gestaltung des preußischen Landtagswahlrechts einzugehen.

In Braunschweig finden Demonstrationen für das allgemeine Wahlrecht statt, die zu Zusammenstößen mit der Polizei führen.

Der Disziplinarrat der Pariser Advokatenkammer beschließt, den sozialistischen Antimilitaristen Gustave Hervé aus der Advokatenliste zu streichen. Hervé war wegen Beleidigung der Armee zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden.

Die Zechenunternehmer des Ruhrgebiets, die im Verein für die bergbaulichen Interessen organisiert sind, gründen den Zechenverband.

In Stockholm wird das dreiaktige Kammerspiel “Gespenstersonate” von August Strindberg uraufgeführt. Es übt (besonders in Deutschland) einen starken Einfluss auf die expressionistische Dramentechnik aus.

23.1.1908, Donnerstag

Der US-amerikanische Funktechniker Lee de Forest, der “Vater des Radios”, nimmt ein deutsches Patent auf seine Erfindung der Glühkathoden-Röhre.

Der frühere Reichskommissar von Ostafrika, Carl Peters, gewinnt einen aufsehenerregenden Ehrenbeleidigungsprozess gegen Rudolf von Benningsen, den ehemaligen Gouverneur von Neuguinea.

In Begleitung von 15 brasilianischen Kriegsschiffen verlässt die US-amerikanische Schlachtflotte, die sich auf einer Weltreise befindet, den Hafen von Rio de Janeiro.

Ein Kriegsgericht in Potsdam verurteilt Major a. D. Johannes Graf zu Lynar wegen Missbrauchs der Dienstgewalt und sittlicher Verfehlungen mit Untergebenen zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Der zweite Angeklagte, Generalleutnant Bernhard Graf von Hohenau, wird wegen nicht bewiesener Schuld freigesprochen. Das Verfahren steht in Zusammenhang mit der Eulenburg-Affäre.

24.1.1908, Freitag

In der französischen Abgeordnetenkammer in Paris kommt es zu einer Debatte über die Marokkopolitik. Dabei verteidigt der frühere Außenminister und Begründer der “Entente cordiale” zwischen Großbritannien und Frankreich, Théophile Delcassé, seine unnachgiebige Haltung gegenüber dem Deutschen Reich während der Marokkokrise 1905.

In Chicago finden Arbeitslosendemonstrationen statt. Es kommt zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei.

25.1.1908, Samstag

In der Königlichen Akademie der Künste in Berlin wird anlässlich des Geburtstags von Kaiser Wilhelm II. eine Ausstellung von Meisterwerken britischer Künstler aus dem 18. und beginnenden 19. Jahrhundert eröffnet. Das Prunkstück der Ausstellung, deren Objekte aus Privatbesitz stammen, ist Thomas Gainsboroughs Gemälde “The Blue Boy”.

26.1.1908, Sonntag

In der böhmischen Stadt Troppau (Opava) finden die Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf statt. Sieger bei den Herren wird der Stockholmer Ulrich Salchow.

In Bad Kohlgrub werden die ersten (inoffiziellen) deutschen Ski-Meisterschaften ausgetragen.

27.1.1908, Montag

Der ungarische Graf László Széchenyi heiratet in der New Yorker Fifth Avenue die Milliardärstochter Gladys Vanderbilt.

Die deutschen Bischöfe erlassen einen Hirtenbrief an den Klerus. Darin sprechen sie sich gemäß den Beschlüssen der Kölner Bischofskonferenz vom 10. Dezember des Vorjahrs gegen den Modernismus aus und erklären ihre rückhaltlose Zustimmung zur päpstlichen Enzyklika “Pascendi dominici gregis”.

Am heutigen 49. Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. hält ein französischer Pfarrer in Ars an der Mosel eine Predigt, in der er die preußische Polenpolitik angreift. Außerdem beschwert er sich über die Bevorzugung der Protestanten. Daraufhin wird er von der Metzer Strafkammer zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt und vom zuständigen Bischof seines Amts enthoben. Der Gemeinderat von Ars bewilligt ihm eine lebenslängliche Pension.

Der österreichisch-ungarische Außenminister Aloys Graf Lexa von Aehrenthal kündigt den Bau einer Eisenbahnlinie durch den Sandschak Novi Pazar an.

28.1.1908, Dienstag

Nach der am 21. Januar eingereichten Demission des Kabinetts von Peter Josef Gudew erhält der Vorsitzende der Demokratischen Partei Bulgariens, Alexandr Malinow, von Fürst Ferdinand I. den Auftrag zur Regierungsbildung. Das neue Kabinett besteht ausschließlich aus Demokraten.

In der marokkanischen Stadt Tanger wird gemäß der Algeciras-Akte aus dem Jahr 1906 eine internationale Polizeitruppe aufgestellt. Die marokkanischen Einheiten werden von französischen und spanischen Offizieren geleitet.

Unter Direktor Eugen Robert wird in Berlin das neue Hebbel-Theater in der Königgrätzer Straße eröffnet.

29.1.1908, Mittwoch

Der Deutsche Reichstag in Berlin genehmigt gegen die Stimmen der Polen und der Sozialdemokraten in zweiter Lesung das neue Flottengesetz. Es sieht eine Beschleunigung des Flottenbaus in den nächsten vier Jahren und die Erhöhung der Wasserverdrängung der Schlachtschiffe von 13 000 t auf 18 000 t vor.

König Eduard VII. eröffnet die neue Sitzungsperiode des britischen Parlaments in London mit einer Thronrede. Dabei betont er besonders die freundschaftliche Beziehung zum deutschen Kaiser Wilhelm II.

30.1.1908, Donnerstag

In Transvaal wird der Rechtsanwalt Mohandas Karamchand (Mahatma) Gandhi, ein Führer des indischen Protests gegen die diskriminierende Apartheid-Politik in Südafrika, aus dem Gefängnis entlassen.

Ein plötzlicher Kälteeinbruch, durch den die Temperaturen bis auf minus 20 fallen, fordert in den Vereinigten Staaten zahlreiche Todesfälle unter den Armen.

Der US-amerikanische Finanzminister George B. Cortelyou legt dem Kongress in Washington einen Bericht über die seit Oktober 1907 herrschende Finanzkrise vor.

Die britischen Truppen, die während des Russisch-Japanischen Krieges in Tibet eingerückt waren, ziehen ab. Seit 1907 besitzt China die von Großbritannien und Russland anerkannte Oberhoheit über Tibet.

31.1.1908, Freitag

US-Präsident Theodore Roosevelt wendet sich in einer Spezialbotschaft an den Kongress gegen die Macht und politische Einflussnahme der Trusts.