Was geschah im Januar 1921

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Wetterstationen Januar 1921

1.1.1921, Samstag

Winston Churchill wird als Nachfolger von Alfred Viscount Milner britischer Kolonialminister.

In der Schweiz löst Edmund Schultheß für 1921 Giuseppe Motta als Bundespräsident ab. Schultheß hat das Amt nach 1917 zum zweiten Mal inne.

Das US-Marineflugzeug NC-5 fliegt mit fünf Passagieren an Bord 702 Meilen (1129,50 km) in einer Rekordzeit von 9:15 h, d. h. mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 123,44 km/h.

In ihren Neujahrsansprachen beschwören die deutschen Politiker im Hinblick auf die bevorstehenden Reparationsverhandlungen die Notwendigkeit des Zusammenhalts der Nation.

2.1.1921, Sonntag

Der frühere deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg stirbt auf seinem Gut Hohenfinow.

Im Deutschen Reich wird der Arbeitslohn für Sträflinge erhöht: Zuchthausgefangene bekommen für einen Arbeitstag 1 Mark statt bisher 20 Pfennig, die anderen Gefangenen 1,50 Mark statt 30 Pfennig ausgezahlt.

3.1.1921, Montag

Der deutsche Botschafter Friedrich Sthamer und der britische Außenminister Lord George Curzon unterzeichnen in London ein Abkommen, das die Rückgabe bzw. Vergütung von britischem Eigentum gewährleistet, das während des Weltkriegs beschlagnahmt wurde.

In Berlin wird das polizeiliche Aufführungsverbot für Arthur Schnitzlers Drama “Reigen”, das wegen angeblicher Unsittlichkeit beanstandet worden war, aufgehoben.

4.1.1921, Dienstag

In Flensburg kommt es bei der Beisetzung des Kommunisten Paul Hoffmann, der bei einem Fluchtversuch von Polizisten erschossen wurde, zu schweren Zusammenstößen zwischen der Schutzpolizei und Demonstranten. Die Protestierenden erinnern an die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs. Im Laufe der gewalttätigen Auseinandersetzungen werden zehn Demonstranten getötet und 20 weitere verletzt.

Das Direktionskomitee der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF), die am 29. Dezember 1920 in Tours gegründet wurde, tritt erstmals zusammen. Die 1904 gegründete Tageszeitung “L’Humanité” wird Parteiorgan.

Der Deutsche Luft-Lloyd richtet zwischen Hamburg, Magdeburg und Breslau einen täglichen Flugpostdienst ein. Die Deutsche Luft-Reederei (DLR) eröffnet den Linienflugverkehr zwischen Berlin und München.

5.1.1921, Mittwoch

Nach einer Meldung der “Düsseldorfer Nachrichten” ist der Austausch von deutschen und russischen Kriegsgefangenen in vollem Gang. Bislang sind aus Sowjetrussland 29 000 reichsdeutsche Kriegs- und Zivilgefangene zurückgekehrt, aus den anderen Kriegsteilnehmerstaaten beträgt die Zahl der Heimkehrer 70 000. Rund 132 000 kriegsgefangene Russen sind aus deutschen Lagern in ihre Heimat zurückgekommen.

Die Oper “Walküre” wird als erste Wagner-Inszenierung seit 1914 an der Pariser Oper aufgeführt.

In Essen macht die Kriminalpolizei eine Bande von zehn bewaffneten Eisenbahnräubern und zwölf Hehlern dingfest. Die Bande hat seit 1920 Güterzüge im nördlichen Ruhrgebiet beraubt. Bei Hausdurchsuchungen in den Wohnungen der Täter findet man große Posten an Schuhen, Leder, Stoffen, Wäsche, Wolldecken und Seifen.

Anlässlich drohender Streiks erhöht die Reichsregierung die Bezüge der Eisenbahner um 55 bis 70%.

6.1.1921, Donnerstag

Im sächsischen Landtag fordert die KPD eine Verdoppelung der Arbeitslosenunterstützung sowie die sofortige Anhörung einer vor dem Landtag in Dresden versammelten Gruppe von Arbeitslosen. Als der Antrag abgelehnt wird, kommt es zu starken Tumulten innerhalb der Reihen der KPD.

Das Berliner Gesundheitsamt meldet, dass von 485 000 Kindern der Stadt 29 000 (6%) an Tuberkulose erkrankt sind. Insgesamt sind 120 000 (24,7%) Kinder unterernährt, 77 000 (15,9%) krank und stark unterernährt.

Der argentinische Staatspräsident Hipólito Irigoyen erklärt in Buenos Aires, sein Land habe den Völkerbund verlassen, weil nicht alle Länder der Welt in ihn aufgenommen wurden.

In Hamburg wird das Rembrandt-Gemälde “Abziehendes Gewitter in Herbstlandschaft” (entstanden um 1639) gestohlen. Es hat einen Wert von 2 Mio. Mark und wurde aus dem Kontor der Privatbank Heckscher entwendet.

7.1.1921, Freitag

Die Finanzminister der deutschen Länder tagen in Bamberg unter dem Vorsitz des bayerischen Finanzministers Wilhelm Krausneck (BVP), um die finanzielle Notlage der Länder sowie die Neuregelung der Beamtenbesoldung und der Arbeitslosenfürsorge zu beratschlagen.

Der Kriminalfilm “Der Mord ohne Täter”, in der Regie von Ewald Andre Dupont, wird in Berlin uraufgeführt.

8.1.1921, Samstag

In Frankfurt am Main wird die Akademie für Arbeit als erste Hochschule “für das Volk der Arbeit” gegründet.

Der Industrie-Konzern von Hugo Stinnes eröffnet einen Schiffsliniendienst von Danzig nach Südamerika.

Der britische Politiker Rufus D. Reading wird neuer Vizekönig von Indien.

In Paris findet unter dem Vorsitz von Alexandr F. Kerenski, der von Juli 1917 bis zur Oktoberrevolution Ministerpräsident Russlands war, ein Exilrussentreffen statt.

9.1.1921, Sonntag

In Köln findet der rheinische Zentrumsparteitag statt. Die Redner betonen ihre Ablehnung des preußischen Zentralismus in der Partei, wenden sich aber gleichzeitig gegen eine Loslösung aus dem preußischen Staatsverband. Zudem fordern sie die Revision des Versailler Vertrages, da mit seiner Erfüllung eine wirtschaftliche Gesundung des Deutschen Reiches unmöglich sei.

10.1.1921, Montag

Die ersten Urteile gegen Kriegsverbrecher werden vor dem Reichsgericht in Leipzig ausgesprochen. Für Plünderungen gibt es Zuchthausstrafen.

11.1.1921, Dienstag

In Moskau wird unter der Leitung von Dawid B. Rjazanov das Karl Marx-Friedrich Engels-Institut gegründet. Das Institut ist eine wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung und Pflege der Werke der beiden Begründer des Kommunismus.

In Danzig, das seit dem Versailler Vertrag als “Freie Stadt” unter dem Schutz des Völkerbundes steht, aber zu Polens Zollgebiet gehört, läuft das erste polnische Kriegsschiff vom Stapel. Es wird nach dem Staatspräsidenten von Polen “Marschall Pilsudski” getauft.

12.1.1921, Mittwoch

Unter der Leitung der sowjetischen Volkskommissare Leo D. Trotzki und Georgi W. Tschitscherin sowie des Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets, Michail I. Kalinin, findet in Moskau eine Tagung statt, auf der Maßnahmen zur Eindämmung der antibolschewistischen Kräfte in Sowjetrussland beschlossen werden.

In Berlin beginnt eine zweitägige Konferenz der Länderfinanzminister. Unter dem Vorsitz von Reichsfinanzminister Joseph Wirth (Zentrum) wird über die Deckung der Mehrausgaben, die durch die geplante Erhöhung der Beamtenbesoldung entstehen, beraten.

Der preußische Kultusminister Konrad Haenisch (SPD) beschließt in Berlin, dass Examenskandidaten wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage bei Prüfungen nicht mehr wie bislang üblich im Frack erscheinen müssen.

13.1.1921, Donnerstag

Das Strafgericht in Paris verbietet die 1895 gegründete, marxistisch ausgerichtete Gewerkschaft CGT (Confédération Génerale du Travail) aufgrund ihrer Beteiligung an einem Eisenbahnerstreik im Vorjahr.

Der italienische Dichter Gabriele D’Annunzio wird von König Viktor Emanuel III. amnestiert. Als sich die Entente nach dem Friedensschluss von St.-Germain-en-Laye vom 10. September 1919 unschlüssig zeigte, ob Fiume (Rijeka) in den Besitz des neugegründeten jugoslawischen Staates fallen sollte, belagerte D’Annunzio als Führer einer Freischar am 12. September die Stadt und errichtete dort innerhalb der folgenden 15 Monate einen korporativen Freistaat. Erst im Dezember 1920 konnte ihn die italienische Regierung mit Waffengewalt zum Abzug zwingen.

Brasilien übernimmt für die nächste einjährige Amtsperiode den Vorsitz im Völkerbund in Genf.

Die US-amerikanische Militärbehörde im Deutschen Reich vermindert die Stärke der Besatzungstruppen im Rheinland von 15 000 auf 8000 Mann.

14.1.1921, Freitag

Die Regierung und der Landtag von Braunschweig, die sich mehrheitlich aus Sozialdemokraten zusammensetzen, sprechen offiziell ihre Ablehnung der Feiern zum 50. Reichsgründungstag aus. Sie weichen damit von der offiziellen Linie der SPD ab.

Mit knapper Mehrheit wird in Mecklenburg-Schwerin Johannes Stelling (SPD) zum Ministerpräsidenten gewählt. Er löst Hermann Reincke-Bloch (DVP) im Amt ab und bildet ein rein sozialdemokratisches Kabinett.

In Großbritannien hat die Arbeitslosenzahl mit 927 000 ihren bisherigen Höchststand erreicht. Damit sind rund 15% aller Beschäftigten ohne Arbeit.

Die 1919 gegründete Universität in Hamburg bekommt durch die Hamburger Bürgerschaft eine Verfassung, in der ihre Selbstverwaltung geregelt ist.

15.1.1921, Samstag

In Dresden wird die Konferenz der Ernährungsminister unter Vorsitz von Reichsernährungsminister Andreas Hermes (Zentrum) eröffnet. Die achttägigen Beratungen befassen sich mit der Festsetzung der Mindestpreise für Getreide und dem Einsatz von Düngemitteln. So soll zukünftig ein Mindestertrag von 4 Doppelzentnern Getreide pro Hektar erzielt werden.

US-amerikanische Archäologen entdecken in der Nähe von Theben den ca. 4000 Jahre alten Grabschatz eines ägyptischen Prinzen.

Der erste Deutsche Arbeiter-Sport-Kongress findet in Jena statt. Ziel ist ein organisatorischer Zusammenschluss der Arbeitersportbewegung zu einem Einheitsverband.

16.1.1921, Sonntag

Nach einem Misstrauensvotum der französischen Nationalversammlung gegen die Regierung löst der Sozialrepublikaner Aristide Briand Georges Leygues als Ministerpräsident ab.

17.1.1921, Montag

In Berlin fasst der Reichsbund der Kriegsbeschädigten eine Entschließung gegen das neue Reichsversorgungsgesetz, da er die Kriegsopfer und Hinterbliebenen benachteiligt sieht.

Das preußische Justizministerium in Berlin verfügt, dass Frauen unter den gleichen Bedingungen wie Männer zur ersten juristischen Staatsprüfung zugelassen werden können.

Nach Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und den Einzelstaaten gehen die Wasserstraßen auf das Deutsche Reich über.

Der sozialdemokratisch ausgerichtete Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) in Berlin meldet seine bisher höchste Mitgliederzahl von acht Millionen.

18.1.1921, Dienstag

Das “Königshütter Tageblatt” und die “Kattowitzer Zeitung” werden in Oppeln (Oberschlesien) von der Interalliierten Kommission für acht Tage verboten. Die Zeitungen unterstützen deutsche Interessen in Oberschlesien, wo die Abstimmung über die Volkszugehörigkeit zu Polen oder dem Deutschen Reich noch aussteht.

Die armenische Sowjetregierung und die Regierung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) richten ein Ultimatum an die nationaltürkische Regierung in Ankara. Sie fordern die Räumung des besetzten Kars in der Türkei und den Rückzug der türkischen Truppen hinter die Grenzen von 1914.

Der 50. Reichsgründungstag wird überall im Deutschen Reich feierlich begangen.

19.1.1921, Mittwoch

Theodor Leipart (SPD) wird in Berlin als Nachfolger des verstorbenen Karl Legien zum neuen Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) gewählt.

In San José (Costa Rica) wird ein Abkommen über den Zentralamerikanischen Bund, eine Vereinigung der unabhängigen zentralamerikanischen Staaten durch Bevollmächtigte aus Costa Rica, Guatemala, Honduras, Nicaragua und San Salvador unterzeichnet. Die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich zu gegenseitiger militärischer und wirtschaftlicher Unterstützung.

20.1.1921, Donnerstag

In Berlin wird der bisherige Stadtkämmerer Gustav Böß (DDP) als Nachfolger Adolf Wermuths (parteilos) zum neuen Oberbürgermeister gewählt.

Im Ruhrgebiet werden Hausdurchsuchungen und Festnahmen von Führern einer kommunistischen Kampforganisation, die sich aus Mitgliedern der Kommunistischen Partei (KPD) rekrutiert, vorgenommen, da die Behörden die Aufstellung einer “Roten Armee” befürchten.

Die westlich des Kaspischen Meers gelegene Dagestanische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (ASSR) wird nach dem Sieg bolschewistischer Truppen über weißgardistische Verbände gebildet.

Das Auswärtige Amt in Berlin verbietet eine Reihe von Theatervorstellungen, die das Polnische Nationalkomitee in der Reichshauptstadt geplant hat. Als Begründung wird die deutschfeindliche Haltung der polnischen Organisation angegeben, da diese für die Loslösung Oberschlesiens vom Deutschen Reich eintritt.

Der “Oberdada” Johannes Baader lädt den Reichspräsidenten Friedrich Ebert und alle politischen Repräsentanten im Deutschen Reich zum ersten Dada-Faschingsball in Berlin ein.

21.1.1921, Freitag

In München findet eine Generalmitgliederversammlung der NSDAP statt. Der Vorsitzende Anton Drexler und sein Stellvertreter Oskar Körner werden wiedergewählt.

In New York stiftet der US-amerikanische Industrielle John Davidson Rockefeller eine Million US-Dollar (64 Mio. Mark) für den Hilfsfond zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit in Europa.

Ministerpräsident Aristide Briand stellt im französischen Parlament die Vertrauensfrage. Die große Mehrheit der Abgeordneten spricht sich für die von ihm eingeschlagene Politik aus, die bei der bevorstehenden Pariser Konferenz vom 24. bis zum 29. Januar die Reparationsforderungen an der Zahlungsfähigkeit der Deutschen messen will.

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) fordert in Berlin die sofortige Sozialisierung des Kohlebergbaus sowie die tarifliche Festsetzung der Bergarbeiterlöhne.

22.1.1921, Samstag

Der Reichsrat billigt den siebenten Notetat im laufenden Haushaltsjahr. Darin sind 7,7 Mrd. Mark zur Verbesserung der Volksernährung vorgesehen, weiterhin 400 Mio. Mark für neue Handelsschiffe, 3 Mrd. Mark zur Ausführung des Friedensvertrages und 1 Mrd. Mark zur Deckung des Defizits bei der Reichsbahn.

Auf dem italienischen Sozialistenkongress in Livorno spaltet sich der extreme linke Flügel als Kommunistische Partei Italiens (KPI) ab.

Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage wird in Sowjetrussland die Brotzuteilung in den Großstädten um ein Drittel gekürzt.

Bei einer Berliner Aufführung von Arthur Schnitzlers Drama “Reigen” kommt es zu einem Stinkbombenattentat, das vom antisemitischen deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbund verübt wird.

23.1.1921, Sonntag

Eine Sturmflut auf Sylt richtet Millionenschäden an. Menschen kommen nicht zu Schaden.

In Berlin veranstaltet der Klub der Filmindustrie einen Wohltätigkeitsball. Zu den prominenten Gästen zählen Pola Negri, Lil Dagover und Ernst Lubitsch.

Die Landtagswahlen in Lippe-Detmold bringen nur geringe Verschiebungen. Trotz eines Verlustes von drei Mandaten bleibt die SPD stärkste Partei.

24.1.1921, Montag

Die Konferenz der Alliierten in Paris zur Festlegung der Höhe der deutschen Reparationen sowie deren Zahlungsmodus tritt zusammen. Sie dauert bis zum 29. Januar.

Die chinesische Regierung schließt mit vier US-amerikanischen Banken ein Abkommen über eine Anleihe von 4 Mio. US-Dollar (256 Mio. Mark) zur Abhilfe einer großen Hungersnot.

Die deutschen Benediktiner beziehen wieder den Zionsberg in Jerusalem, den sie 1918 verlassen mussten.

Bei einem Grubenunglück aufgrund einer Schlagwetterexplosion verunglücken in Oelsnitz im Erzgebirge 38 Bergleute tödlich.

25.1.1921, Dienstag

Bei der Beratung des Justizetats im Reichstag in Berlin kritisiert der Abgeordnete Gustav Radbruch (SPD) die deutsche Justiz, die rechte und linke politische Straftaten ungleich beurteile. Er erinnert u.a. daran, dass die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht noch immer ungesühnt seien.

Wie die “New York Times” mitteilt, ist die Zahl der Erwerbslosen in den USA auf knapp 3,5 Mio. angestiegen. Um die bestehenden Arbeitsplätze erhalten zu können, kürzen zahlreiche Industriezweige die Löhne ihrer Beschäftigten. In der Textilindustrie z. B. beläuft sich die Herabsetzung der Löhne auf 22,5%.

26.1.1921, Mittwoch

Der Oberste Rat der Alliierten in Paris erkennt Estland und Lettland als unabhängige Republiken an.

Die sozialdemokratische Partei der Schweiz spricht sich in einer Urabstimmung für den Beitritt zur Dritten Internationale, dem Zusammenschluss aller sozialistischer Parteien, aus.

27.1.1921, Donnerstag

In der Sowjetunion beschließt der Rat der Volkskomissare, Einnahmen aufgrund von Hausbesitz abzuschaffen. Darunter fallen sowohl Mieten in verstaatlichten Häusern als auch die Gebühren für öffentliche Versorgungsleistungen (Wasser, Gas, Strom, Kanalisation).

In Schweden wird vom Reichstag in Stockholm eine Verfassungsänderung zum uneingeschränkten Frauenwahlrecht angenommen.

Adolf Hitler, Propagandaleiter der NSDAP, veröffentlicht seinen ersten Leitartikel im “Völkischen Beobachter”.

28.1.1921, Freitag

Der Landesausschuss der Einwohnerwehren Bayerns streicht auf alliierten Beschluss die Satzungspunkte, die ihnen freien Kontakt zur Reichswehr erlaubten. Damit soll der Wehr der militärische Charakter genommen werden.

Das US-amerikanische Außenministerium gibt bekannt, dass es die Anerkennung der Republiken Estland und Lettland durch den Obersten Alliierten Rat nicht akzeptiere, da die USA eine Konfrontation mit Sowjetrussland vermeiden wollten.

Ein Sprecher des Verbandes des deutschen Einzelhandels erklärt in Berlin, dass unter Verzicht auf eigenen Gewinn ein Hilfswerk zur Linderung der Bekleidungsnot im Deutschen Reich eingerichtet werden soll.

29.1.1921, Samstag

In der Schweiz finden zwei Volksabstimmungen statt. Die sozialistische Initiative für die Abschaffung des Militärstrafrechts wird abgelehnt. Die zweite Initiative, die alle Staatsverträge mit einer Dauer von mehr als 15 Jahren der Volksabstimmung unterstellt, wird dagegen angenommen.

30.1.1921, Sonntag

In Berlin beginnen Verhandlungen mit der tschechoslowakischen Regierung über den Abschluss eines Wirtschaftsabkommens. Ein Ergebnis der Gespräche ist die Verlängerung des gerade abgelaufenen Kohlenabkommens.

Die von Alfred Flechtheim gegründete Kulturzeitschrift “Der Querschnitt” erscheint erstmals.

31.1.1921, Montag

Das Reichsministerium für Wirtschaft in Berlin gibt bekannt, dass die Arbeitslosenzahl im Deutschen Reich auf 357 000 gestiegen ist. Auf 100 offene Stellen kommen knapp 400 Bewerbungen.

In München verbietet der Staatskommissar der Polizei die Kampforganisation Republikanischer Schutzbund mit der Begründung, dass sie ein militärischer Verband sei.

Chroniknet