Was geschah im Januar 1924

  • < 1923
  • 1.1924
  • 1925 >

Wetterstationen Januar 1924

1.1.1924, Dienstag

Als Nachfolgeorganisationen der verbotenen NSDAP werden die Großdeutsche Volksgemeinschaft (Alfred Rosenberg) und der Völkische Block (Erich Ludendorff) gegründet.

Politiker aus den Staaten Europas zeigen sich in ihren Neujahrsansprachen zurückhaltend optimistisch bezüglich des kommenden Jahres.

In Berlin wird die Krolloper als Dependance der Berliner Staatsoper eröffnet. Sie ist für avantgardistische Inszenierungen und die Aufführung moderner Werke bestimmt.

In Berlin wird der Film “Menschen und Masken” von und mit Harry Piel uraufgeführt.

Mit derzeit 1306 Schiffen (2,6 Millionen Bruttoregistertonnen) liegt die deutsche Handelsflotte weltweit an 20. Stelle. Im Jahre 1914 verfügte das Deutsche Reich über die zweitgrößte Handelsflotte in der Welt (5,6 Millionen BRT).

Im Deutschen Reich gibt es derzeit 1500 zahlende Rundfunkhörer. Zunächst als “Modetorheit” betrachtet, erfreut sich der Rundfunk, der im Deutschen Reich seit Oktober 1923 besteht, wachsender Beliebtheit. Die Jahresgebühr wird von 60 auf 24 Rentenmark gesenkt.

2.1.1924, Mittwoch

Als Antwort auf einen Streik gegen die Einführung des Neunstundentags werden die Berliner Metallarbeiter für eine Woche ausgesperrt. Nahezu die gesamte Berliner Metallindustrie wird im Verlauf dieses Arbeitskampfes lahmgelegt. In allen Bereichen der Industrie versuchen Unternehmensleitungen Anfang 1924, eine Arbeitszeitverlängerung durchzusetzen.

In Nord- und Mittelfrankreich kommt es infolge der Schneeschmelze und starker Regenfälle zu einer Überschwemmungskatastrophe. Seine, Loire und Marne treten über ihre Ufer und überschwemmen zahlreiche Ortschaften. Auch die tiefer gelegenen Pariser Stadtteile sind betroffen.

Bei einer Kundgebung des Republikanischen Reichsbundes in Berlin zum Thema “Das geistige Deutschland und die Republik” sprechen Konrad Hänisch, ehemaliger preußischer Kultusminister, und Staatsrechtslehrer Hugo Preuß. Letzterer war 1919 an der Erarbeitung der Weimarer Verfassung beteiligt.

3.1.1924, Donnerstag

Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) erhält vom Deutschen Friedenskartell, dem Spitzenverband der pazifistischen Organisationen, eine Eingabe über die geheime Aufrüstung der Reichswehrführung, die sog. Schwarze Reichswehr.

Großes Aufsehen erregt in der italienischen Öffentlichkeit ein Fall von Lynchjustiz in dem Abruzzenstädtchen Celano. Auf bestialische Weise wurde dort ein Kirchendieb von der aufgebrachten Bevölkerung des Ortes getötet.

4.1.1924, Freitag

In Japan kommt es zu einem Regierungswechsel. Der bisherige Ministerpräsident Gombei Jamamoto wird von Keigo Kiyoura abgelöst.

Das Lustspiel “Der Halbgott” von Friedrich Walther (Pseudonym für Walther von Eynern) wird im Schlossparktheater in Berlin-Steglitz uraufgeführt.

Großbritannien protestiert bei der US-Regierung gegen die Beschlagnahme des mit Schmuggelalkohol beladenen britischen Dampfers “Tomoka” durch die Prohibitionsbehörden der Vereinigten Staaten.

Mit der Verordnung über Gerichtsverfassung und Strafrechtspflege wird eine umfassende Justizreform im Deutschen Reich eingeleitet; u.a. sollen Gerichtsverfahren vereinfacht werden.

Die bayerische Regierung übermittelt der Reichsregierung eine Denkschrift, die eine Verfassungsreform anregt mit dem Ziel, die Stellung der Länder gegenüber dem Reich zu stärken.

Nach dem Rücktritt der sächsischen SPD-Minderheitsregierung unter Karl Fellisch bildet Max Heldt (SPD) eine Koalitionsregierung aus SPD, DDP und DVP. Damit ist der Konflikt zwischen dem Reich und Sachsen über die Beteiligung der KPD an der Landesregierung beigelegt.

5.1.1924, Samstag

Der polnische Ministerpräsident Wladyslaw Grabski wird vom Parlament zu einschneidenden wirtschaftlichen Sparmaßnahmen ermächtigt, die u.a. der Sanierung des Staatshaushalts dienen sollen. Vorgesehen ist zu diesem Zwecke auch eine Währungsreform.

Im französischen Finanzministerium findet eine Konferenz führender Finanzfachleute über eine Währungsstabilisierung statt. Nach Pressemeldungen soll die Konferenz Maßnahmen zur Bekämpfung der Spekulation erörtert haben. Vorausgegangen ist ein Kurssturz des Franc.

6.1.1924, Sonntag

Von der Mehrheit der sächsischen SPD wird die neue Koalition mit den bürgerlichen Parteien DDP und DVP abgelehnt. Der Landesparteitag fordert mit 77 gegen 16 Stimmen den Rücktritt des SPD-Ministerpräsidenten Max Heldt und die Auflösung des Landtags.

Bei einem Volksentscheid in Lübeck stimmt die Mehrheit der Stimmberechtigten gegen den Rücktritt des Senats, den die sozialdemokratisch-kommunistische Mehrheit der Bürgerschaft gefordert hatte. Bürgerschaftsneuwahlen werden auf den 10. Februar festgesetzt.

7.1.1924, Montag

Nachdem die Bemühungen um die Bildung eines neuen Kabinetts gescheitert sind, beendet Königin Wilhelmina die seit Oktober 1923 andauernde Regierungskrise in den Niederlanden. Sie lehnt das Demissionsgesuch der bisherigen Regierung unter Charles Joseph Maria Ruys de Beerenbrouck ab. Das Kabinett, eine Koalition der rechten Mehrheitsparteien, bleibt unverändert bestehen.

Erstmals legt eine Frau in Preußen die große juristische Staatsprüfung ab. Marie Munk ist daraufhin zur Assessorin ernannt worden.

Im Ufa-Palast am Zoo (Berlin) wird der Film “Die Finanzen des Großherzogs” von Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau uraufgeführt. Wichtige Rollen werden von Harry Liedtke, Ilka Grüning und Mady Christians gespielt. Das Drehbuch schrieb Thea von Harbou.

In den Londoner Docks richtet der größte Hafenbrand seit 50 Jahren schweren Schaden an.

Wie die Nachrichtenagentur Reuter aus New Orleans meldet, hat der mexikanische General Adolfo de la Huerta, der seit Ende 1923 einen Aufstand gegen das Regime von Präsident Alvaro Obregón anführt, umfangreiche Waffenkäufe in den USA veranlasst.

In Paris treffen die US-amerikanischen Finanzsachverständigen Charles Gates Dawes und Owen D. Young ein. Dawes soll den internationalen Ausschuss zur Erarbeitung eines Gutachtens über die Stabilisierung der deutschen Währung und eine neue Reparationsregelung leiten.

8.1.1924, Dienstag

Großbritannien wird von schweren Schneestürmen heimgesucht. Auch im Deutschen Reich fällt ungewöhnlich viel Schnee.

9.1.1924, Mittwoch

Separatistenführer Franz Josef Heinz (genannt Heinz-Orbis), Präsident der “Regierung der Autonomen Pfalz”, wird in Speyer von pfälzischen Nationalisten erschossen.

Als Nachfolger des am 3. Januar verstorbenen Arnold G. F. Diestel wird Carl Petersen, Vorsitzender der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), zum Ersten Bürgermeister der Stadt Hamburg gewählt.

Mit dem Hinweis auf die derzeitige Wirtschaftskrise begründet der Schlichtungsausschuss für die deutsche Kaliindustrie sein Votum für eine Verlängerung der Arbeitszeit. Arbeitgeber und Arbeitnehmer akzeptieren den Schlichtungsspruch.

10.1.1924, Donnerstag

Anlässlich der Wiederkehr des Jahrestags der Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen am 10. Januar 1923 erlässt Reichskanzler Wilhelm Marx eine Bekanntmachung, in der er die Besetzung und ihre Folgen aufs schärfste verurteilt.

Die Interalliierte Militärkontrollkommission nimmt ihre Tätigkeit im Deutschen Reich, die in Folge der Ruhrbesetzung unterbrochen worden war, wieder auf. Kontrolliert wird, ob das Deutsche Reich den Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrags (1919) nachkommt.

In Belgrad tagt die Konferenz der Kleinen Entente, einem Bündnissystem zwischen Rumänien, der Tschechoslowakei und dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien). Bei den Gesprächen, die bis zum 12. Januar dauern, wird insbesondere die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion erörtert.

11.1.1924, Freitag

Führende deutsche Politiker protestieren gegen die anhaltende Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich und Belgien.

Eleftherios Weniselos, der für eine Volksabstimmung über die Errichtung einer Republik in Griechenland eintritt, bildet nach der Demission von Ministerpräsident General Stilianos Gonatas am 17. Dezember 1923 die neue griechische Regierung (bis 6. 2.).

Im Primus-Palast in Berlin wird der Film “Die letzte Maske” von Emerich Hanus uraufgeführt.

12.1.1924, Samstag

Die nationalistische Wafd-Partei siegt bei den ersten Parlamentwahlen in Ägypten.

Gerhart Hauptmanns “Kaiser Maxens Brautfahrt” wird im Leipziger Schauspielhaus uraufgeführt.

13.1.1924, Sonntag

In Nürnberg endet das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Österreich 4:3.

Bei den Gemeinderatswahlen in Sachsen können die bürgerlichen Parteien ihren Stimmenanteil erheblich steigern. Das Wahlergebnis ist auch als Votum gegen linke SPD-Kreise zu werten, die auf Landesebene eine erneute Koalition mit der KPD anstreben.

14.1.1924, Montag

In Paris tritt das erste internationale Sachverständigenkomitee (Dawes-Komitee) zusammen. Es soll die deutsche Währungssituation begutachten und eine Neuregelung der deutschen Reparationszahlungen an die Alliierten erarbeiten. Der Ausschuss wird geleitet von dem US-amerikanischen Finanzpolitiker Charles Gates Dawes.

15.1.1924, Dienstag

In New York inszeniert Theaterintendant und -regisseur Max Reinhardt “Das Mirakel” von Karl Gustav Vollmoeller. Eugen Klöpfer spielt in dem Stück eine Doppelrolle. Wegen der großen Resonanz wird “Das Mirakel” in der Folgezeit 298mal aufgeführt.

Ein Brand zerstört das Landestheater Neustrelitz bis auf die Grundmauern. Dabei geht auch der wertvolle Theaterfundus in den Flammen auf.

In Berlin werden mehrere Rechtsradikale festgenommen, die im Verdacht stehen, ein Attentat auf Generaloberst Hans von Seeckt geplant zu haben. Der konservative von Seeckt ist seit 1920 Chef der Heeresleitung und seit 1923 Inhaber der Reichsexekutive.

16.1.1924, Mittwoch

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) erklärt seinen Austritt aus der am 15. November 1918 gegründeten Zentralarbeitsgemeinschaft mit den gewerblichen Unternehmern. Weite Teile der Unternehmerschaft haben sich nach Aussage des ADGB nicht an die Grundlagen der Zusammenarbeit gehalten.

Die unfreiwillige Sturmfahrt des US-amerikanischen Luftschiffs “Shenandoah” stellt die geplante Nordpolfahrt der “Shenandoah” in Frage. Das Luftschiff hat sich im Sturm als kaum navigierbar erwiesen.

17.1.1924, Donnerstag

Ein KPD-Misstrauensvotum im Anschluss an die Regierungserklärung des neuen sächsischen Ministerpräsidenten Max Heldt (SPD) wird vom Landtag abgelehnt.

Anlässlich der Aufführung von Ernst Tollers “Hinkemann” kommt es in Dresden zu Störungen durch Nationalsozialisten. Weitere Aufführungen des pazifistischen Stücks in Wien (10. Februar) und Berlin (11. April) finden deshalb unter Polizeischutz statt. In der Berliner Inszenierung spielt Heinrich George die Hauptrolle.

18.1.1924, Freitag

In Finnland kommt es zu einer Regierungskrise infolge der Meinungsverschiedenheiten zwischen Regierung und Staatspräsident Kaarlo Juho Ståhlberg über die Frage der Parlamentsauflösung, der sich die Regierung widersetzt. Ministerpräsident Kyösti Kallio tritt zurück; Aimo Kaarlo Cajander führt bis zu den Neuwahlen am 1. April eine Geschäftsregierung.

In Berlin wird der zweiteilige Film “Die große Unbekannte” von Willi Wolff mit Ellen Richter uraufgeführt.

19.1.1924, Samstag

Die Milchversorgung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets wird durch einen deutsch-niederländischen Milchlieferungsvertrag sichergestellt.

Der Deutschen Reichsbahn wird von verschiedenen Hypothekenbanken ein Darlehen in Höhe von 100 Millionen Goldmark gewährt.

20.1.1924, Sonntag

Internationales Aufsehen erregen Berichte niederländischer Zeitungen über einen angeblichen deutschen Kolonisierungsplan in Neuguinea. Nach diesen Meldungen sollen Herzog Adolf von Mecklenburg, Schwager der niederländischen Königin, und Philipp Helfferich, Bruder des DNVP-Politikers Karl Helfferich, die Initiatoren dieses Plans sein.

Zu schweren Störungen des Verkehrs führt der Streik der britischen Lokomotivführer. Bis zum 29. Januar wird lediglich ein Notfahrplan aufrechterhalten.

21.1.1924, Montag

Unter der Leitung des britischen Bankiers Reginald McKenna wird in Paris der zweite internationale Sachverständigenausschuss eröffnet. Er soll sich mit der Frage befassen, wie deutsche Kapitalien zu behandeln sind, die wegen der Inflation ins Ausland gebracht wurden.

Wladimir I. Lenin (eigentl. Wladimir I. Uljanow), Gründer und Regierungschef der Sowjetunion, stirbt in Gorki bei Moskau an einer Gehirnsklerose.

Im Mozartsaal in Berlin wird “Der Raub der Helena” von Manfred Noa uraufgeführt. Es handelt sich um den ersten Teil eines Filmwerks mit prominenter Besetzung (u.a. Adele Sandrock, Albert Bassermann). Der zweite Teil wird am 4. Februar unter dem Titel “Der Untergang Trojas” uraufgeführt.

Die italienische Fußball-Nationalelf besiegt in Genua Österreichs Auswahl 0:4.

22.1.1924, Dienstag

In einer Eingabe an Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) protestieren sämtliche Beamtenverbände gegen die Personalabbauverordnung vom 27. Oktober 1923. Die Verordnung sieht eine Reduzierung der Beamten-, Angestellten- und Arbeiterzahlen in der Reichsverwaltung um 24,9% bis zum 1. April 1924 vor.

Konrad Adenauer (Zentrum), Oberbürgermeister der Stadt Köln, wird zum Präsidenten des Preußischen Staatsrats gewählt.

Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht referiert vor dem Dawes-Ausschuss, der mit der Erstellung eines Gutachtens zur Neuregelung der Reparationsfrage beauftragt ist, über Fragen der staatlichen Finanzpolitik im Deutschen Reich. Zuvor hatte Schacht den Ausschuss über den Gesamtkomplex der deutschen Währung informiert.

In Estland führt eine umfangreiche Polizeirazzia zur Verhaftung von rd. 200 Kommunisten, denen die Vorbereitung eines Umsturzes vorgeworfen wird. Wegen enger Verbindungen der estnischen Kommunisten und der Revaler Sowjetvertretung kommt es im Februar zu einem diplomatischen Konflikt mit der Sowjetunion.

23.1.1924, Mittwoch

Erstmals in der britischen Parlamentsgeschichte wird eine Labour-Regierung gebildet. James Ramsey MacDonald, in dessen Kabinett vorwiegend Vertreter des rechten Parteiflügels eintreten, löst den konservativen Premierminister Stanley Baldwin ab.

Großbritannien und die USA unterzeichnen in Washington einen Alkoholvertrag zur Unterdrückung des Alkoholschmuggels. Danach können die US-Prohibitionsbehörden britische Schiffe innerhalb einer Zwölfmeilenzone nach Alkoholvorräten durchsuchen. Bei Verstößen gegen US-Alkoholeinfuhrgesetze können Schiffe beschlagnahmt werden.

24.1.1924, Donnerstag

Mit 51 gegen 37 Stimmen lehnt der sächsische Landtag den Antrag des linken Flügels der SPD-Fraktion auf Auflösung des Landtags ab. Die Koalition der SPD mit den bürgerlichen Parteien DDP und DVP führt innerhalb der SPD zu heftigen Flügelkämpfen.

25.1.1924, Freitag

Frankreich und die Tschechoslowakei schließen in Paris einen Bündnis- und Freundschaftsvertrag, der die “Kleine Entente” ergänzt, das Vertragssystem im Osten Europas.

In Chamonix-Mont-Blanc (Frankreich) beginnt die vom Internationalen Olympischen Komitee veranstaltete “Internationale Wintersportwoche”, der erst im nachhinein der Titel “I. Olympische Winterspiele” zugesprochen wird. Die Wettkämpfe dauern bis zum 4. Februar.

26.1.1924, Samstag

Auf dem II. Allunions-Sowjetkongress, der bis zum 2. Februar dauert, legt Parteichef Josef W. Stalin ein feierliches Gelöbnis auf den am 21. Januar verstorbenen Regierungschef Wladimir I. Lenin ab, womit er den Leninkult der folgenden Jahre einleitet.

In Japan wird die Vermählung des Prinzregenten und Kronprinzen Hirohito mit Prinzessin Nagako gefeiert.

Paul Klee hält anlässlich seiner Ausstellung im Kunstverein Japan einen vielbeachteten Vortrag über seine Kunstauffassung.

27.1.1924, Sonntag

In einem Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau wird der am 21. Januar verstorbene sowjetische Regierungschef Wladimir I. Lenin feierlich beigesetzt. Parteichef Josef W. Stalin hält die Gedenkrede. Am Tag zuvor war Petrograd zu Ehren des Verstorbenen in Leningrad umbenannt worden.

Italien und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien) unterzeichnen in Rom einen Freundschaftsvertrag. Ein weiteres Abkommen anerkennt die italienische Souveränität über Fiume (Rijeka). Damit ist der seit dem Ersten Weltkrieg schwelende Konflikt um die Stadt Fiume, auf deren Gebiet beide Staaten Anspruch erheben, im Sinne Italiens gelöst.

28.1.1924, Montag

In Konstantinopel (Istanbul) unterzeichnen Österreich und die Türkei einen Freundschaftsvertrag und einen Handelsvertrag.

Nach dem Sieg der nationalistischen Wafd-Partei bei den ersten ägyptischen Parlamentswahlen am 12. Januar bildet Wafd-Führer Sad Saghlul die neue Regierung. Die Wafd-Partei tritt für die vollständige Unabhängigkeit Ägyptens ein, das unter starkem Einfluss Großbritanniens steht.

29.1.1924, Dienstag

Die Mitglieder der beiden internationalen Sachverständigenausschüsse treffen in Berlin ein, wo sie bis zum 13. Februar mit deutschen Stellen die Voraussetzungen für eine Neuregelung der Reparationsfrage untersuchen. Der Plan für eine neue deutsche Geldnotenbank wird festgelegt.

Ein Kompromiss hinsichtlich des umstrittenen Lohnsystems führt zur Beendigung des Streiks der britischen Lokomotivführer (seit 20. 1.).

Um auf dem internationalen Markt die Konkurrenzfähigkeit herzustellen, werden im Deutschen Reich die Roheisenpreise um fünf bis zehn Rentenmark pro Tonne gesenkt.

30.1.1924, Mittwoch

Dänemark und Norwegen schließen das Grönlandabkommen. Danach soll die Ostküste Grönlands den Fischern und Walfängern beider Länder gleichermaßen offen stehen. Ungeklärt bleibt vorerst die seit Jahren umstrittene Frage der Souveränität über Ostgrönland, auf das beide Länder Anspruch erheben.

31.1.1924, Donnerstag

Vom bayerischen Landtag wird ein Landtagswahlgesetz verabschiedet, das die Zahl der Landtagsabgeordneten von 143 auf 114 reduziert.

Vom II. Allunions-Sowjetkongress wird die neue Verfassung der UdSSR endgültig bestätigt, durch die ein zentralistisch regierter Einheitsstaat geschaffen wird. Nur formell ist das föderalistische Prinzip bestimmend.