Was geschah im Januar 1930

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Wetterstationen Januar 1930

1.1.1930, Mittwoch

Neuer Bundespräsident der Schweiz wird Jean-Mary Musy. Er löst Robert Haab ab und ist nach 1925 zum zweiten Mal Bundespräsident.

Bei seinem Neujahrsempfang in Berlin fordert Reichspräsident Paul von Hindenburg “politische Freiheit und wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeit” für das Deutsche Reich. Nur so könnten die Deutschen die ihnen zugeteilte “Aufgabe im Kreis der Nationen erfüllen”.

Die Nacht zum 1. Januar verläuft im Deutschen Reich insgesamt ruhig. Das trockene und milde Wetter gibt vielen Menschen Gelegenheit, die Feuerwerke zum Jahreswechsel im Freien zu beobachten.

In Großbritannien erscheint die erste Nummer der kommunistischen Tageszeitung “Daily Worker”. Die bürgerliche Presse sieht darin einen Bruch einer sowjetischen Zusicherung, sich jeder politischen Propaganda in Großbritannien zu enthalten.

Im Deutschen Reich tritt die Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von 3,0 auf 3,5% in Kraft. Grund für die Erhöhung ist der Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 1 899 000 zum Ende des Jahres 1929.

Die Deutsche Reichsbahn teilt mit, dass sie Ende 1929 mit 412 Mio. Zugkilometern und 61 500 Wagen den Vorkriegsstand des Jahres 1913 nahezu wieder erreicht habe.

In Lahore endet der sog. Allindische Kongress mit einer Rede des Führers der indischen Unabhängigkeitsbewegung, Mohandas Karamchand “Mahatma” Gandhi. Vor rund 2800 Delegierten fordert Gandhi, die Durchsetzung der indischen Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft unter allen Umständen gewaltlos voranzutreiben.

2.1.1930, Donnerstag

In China führt die sog. Nanking-Regierung, die in den Händen der Nationalchinesischen Volkspartei Kuomintang (KMT) ist, eine Gewaltentrennung durch. Der seit 1928 regierende Präsident Chiang Kai-shek behält die Leitung der Zivilgewalt inne, Yen Hsi-schan übernimmt von ihm den Oberbefehl über die Streitkräfte.

Léon Daudet, einer der einflussreichsten Vertreter der rechtsradikalen französischen “Action Française”, darf auf Erlaubnis der Regierung in Paris aus dem belgischen Exil nach Frankreich zurückkehren.

Um der zunehmenden Radikalisierung in der öffentlichen Verwaltung zu begegnen, fordert Reichsinnenminister Carl Severing (SPD), “dass in Zukunft Angehörige von Parteien und Organisationen, die offen erklären, das heutige Regierungssystem mit Gewalt beseitigen zu wollen, als Beamte weder neu angestellt, noch bestätigt werden sollen.”

3.1.1930, Freitag

In Den Haag wird die Zweite Haager Konferenz über die deutschen Reparationszahlungen für den Weltkrieg eröffnet. Anwesend sind Vertreter des Deutschen Reiches, Belgiens, Großbritanniens, Frankreichs, Griechenlands, Italiens, Japans, Polens, Portugals, Rumäniens, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens. Die Verhandlungen dauern bis zum 20. Januar.

4.1.1930, Samstag

Reichswehrminister Wilhelm Groener (parteilos) spricht in einem Privatbrief an Gerold von Gleich davon, dass General Kurt von Schleicher eine Konzeption für eine “Präsidialregierung” erarbeite, in der die Regierung ausschließlich von Reichspräsident Paul von Hindenburg abhängig sei. Wie viele nationalkonservative Politiker seiner Zeit glaubt Schleicher, das parlamentarische System müsse zur Bewältigung der aktuellen Probleme durch eine autoritäre Regierungsform ersetzt werden.

5.1.1930, Sonntag

In Moskau beschließt das Zentralkomitee (ZK) der KPdSU, die Kollektivierung der Landwirtschaft durch zusätzliche Hilfsmaßnahmen für den Aufbau von Kolchosen (Kollektivwirtschaften) voranzutreiben. Die Errichtung von Kolchosen war vom KPdSU-Parteitag schon 1929 vorgesehen worden.

6.1.1930, Montag

Im Internationalen Arbeitsamt in Genf tritt die internationale Kohlenkonferenz zusammen, die vom Völkerbund ins Leben gerufen wurde. Ihre Aufgabe ist es, Grundlagen für die Regelung der Arbeitszeit und der Lohnverhältnisse in den Kohleindustrien der Mitgliedsländer auszuarbeiten. Konferenzteilnehmer sind das Deutsche Reich, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Belgien, die Niederlande, Spanien, die Tschechoslowakei und Polen.

In Berlin-Moabit beginnt die Hauptverhandlung gegen die sog. Tscherwonzenfälscher (Tschwerwonez = russisches Goldstück oder Geldnote). Hauptangeklagte sind zwei georgische Nationalisten, die geplant hatten, durch die Verbreitung von falschen Noten die sowjetische Währung zu unterhöhlen und damit das Sowjetregime zu stürzen. Der Prozess gegen die Fälscher dauert bis zum 8. Februar.

7.1.1930, Dienstag

In Tel Aviv, im britischen Mandatsgebiet Palästina, gründen David Ben Gurion und Isaac Ben Zwi die Arbeiterpartei Israels (Mapai).

Der britische Postminister Hastings Bertrand Lees-Smith eröffnet die erste öffentliche Bildtelegrafie-Linie zwischen Berlin und London.

Die Zeitschrift “Weltbühne” veröffentlicht eine Diskussion der Journalisten Martha Maria Gerke und Rudolf Arnheim über die Gefahren und Auswirkungen des Rundfunks.

In Weimar wird der 150. Jahrestag der Eröffnung des Weimarer Schauspielhauses feierlich begangen.

Drei Frankfurter Juweliere kaufen den Reliquienschatz des Hauses Braunschweig-Lüneburg, den sog. Welfenschatz. Sie verhindern damit, dass die Kunstgegenstände an ausländische Interessenten veräußert werden.

In Davos beginnen die II. Akademischen Welt-Winterspiele, an denen Studenten aus 15 Nationen teilnehmen. Die Spiele enden am 12. Januar.

8.1.1930, Mittwoch

Der schweizerische Pilot Walter Mittelholzer überfliegt als erster den höchsten Gipfel Afrikas, den 5895 m hohen Kibo, der zum Massiv des Kilimandscharo gehört.

Im Beisein von Vertretern aus Adel, Diplomatie und Klerus sowie von Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini werden in Rom Kronprinz Umberto von Italien und Prinzessin Maria José von Belgien getraut.

Reichssparkommissar Friedrich Ernst Moritz Saemisch fordert in einem Gutachten das Land Thüringen auf, “entbehrliche Vermögenswerte zu verkaufen, um die hohen Schulden des Landes abzubauen”. Die meisten Länder des Deutschen Reiches haben mit großen Finanzproblemen zu kämpfen, da die Steuereinnahmen ständig zurückgegangen sind.

In Berlin wird eine Ausstellung der Werke des deutschen Bildhauers Ernst Barlach eröffnet, der am 2. Januar 60 Jahre alt geworden ist. Barlach, der hauptsächlich Holzplastiken ausstellt, ist ein wichtiger Vertreter des Expressionismus.

9.1.1930, Donnerstag

Unter der musikalischen Leitung des Komponisten findet im Kölner Opernhaus die Uraufführung der Operette “Das Spielzeug ihrer Majestät” von Josef Königsberger statt.

10.1.1930, Freitag

Im polnischen Parlament, dem Sejm, hält Ministerpräsident Kazimierz Bartel eine mehrstündige Programmrede, in der er ankündigt, dass die Regierung eine verfassungsmäßige Zusammenarbeit mit dem Sejm anstrebe. Seit 1926 wird Polen unter weitgehender Missachtung des Parlaments autoritär regiert. Beherrschende Figur ist Marschall Jósef Klemens Pilsudski, der dem Kabinett Bartel als Kriegsminister angehört.

11.1.1930, Samstag

In Portugal tritt das Kabinett unter Ministerpräsident Arturo Ivens Ferraz zurück. Anlass sind Meinungsverschiedenheiten zwischen Ferraz und Wirtschaftsminister António de Oliveira Salazar.

Eine arktische Kältewelle im Norden der Republik China fordert Hunderte von Todesopfern.

12.1.1930, Sonntag

Im Kleinen Theater in Leningrad wird die Oper “Die Nase” des sowjetischen Komponisten Dmitri D. Schostakowitsch uraufgeführt und vom Publikum stürmisch gefeiert.

13.1.1930, Montag

Bei einem schweren Wintersturm auf den Britischen Inseln kommen 36 Menschen ums Leben.

Im Deutschen Reich beginnt der Winterschlussverkauf.

Auf der Zweiten Haager Konferenz zur Regelung der deutschen Reparationszahlungen für den Weltkrieg kommt es zu Streitigkeiten innerhalb der deutschen Delegation. Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht lehnt die Teilnahme der Reichsbank an der Bank für Internationale Zahlungen in Basel (BlZ) ab. Er will damit seinen grundsätzlichen Widerstand gegen die Reparationsvereinbarungen demonstrieren.

14.1.1930, Dienstag

In seiner Wohnung in Berlin-Friedrichshain wird der SA-Sturmführer Horst Wessel beim Überfall eines kommunistischen Rollkommandos niedergeschossen. Am 23. Februar stirbt er an seinen Verletzungen.

15.1.1930, Mittwoch

In Hamburg beginnt die Einschiffung von insgesamt 380 deutsch-russischen Bauernfamilien nach Brasilien. Die Bauern hatten die UdSSR aus Angst vor der dort vorangetriebenen Zwangskollektivierung verlassen.

16.1.1930, Donnerstag

In Berlin verbietet der preußische Innenminister Albert Grzesinski (SPD) für ganz Preußen Demonstrationen und Versammlungen unter freiem Himmel. Damit sollen gewalttätige Auseinandersetzungen verhindert werden, zu denen es bei Kundgebungen rechts- und linksgerichteter Organisationen in den vergangenen Wochen gekommen ist.

Der Senat der Münchner Technischen Hochschule erklärt einen Beschlus des Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) für unwirksam, eine Zulassungsbeschränkung für jüdische Studierende einzuführen. Der AStA hatte im Sommer 1929 auf Betreiben nationalsozialistischer Studenten einen entsprechenden Antrag gestellt.

In Berlin treffen sich Fachärzte zu einem Erfahrungsaustausch über die sog. Papageienkrankheit (Vogelkrankheit). In den letzten Wochen waren in mehreren europäischen Ländern und in den USA Menschen an der Infektionskrankheit gestorben.

In Berlin wird in der Inszenierung von Gustaf Gründgens die Dramatisierung von Vicki Baums Roman “Menschen im Hotel” uraufgeführt.

17.1.1930, Freitag

Eine Kältewelle im US-amerikanischen Westen und Mittelwesten fordert über hundert Todesopfer. In Chicago werden Temperaturen von – 37 in Montana werden bis zu – 55 gemessen.

In Österreich gründet der Landbund republikanische Bauernwehren. Sie sollen ein Gegengewicht zu der immer einflussreicheren antidemokratischen Heimwehr unter Bundesführer Richard Steidle bilden, die sich zu faschistischen Grundsätzen bekennt.

Im Badischen Landtag in Karlsruhe befürwortet Innenminister Josef Wittemann (Zentrum) eine Vereinigung Badens und Württembergs zu einem Staat.

Die Durchfahrt zweier sowjetischer Kriegsschiffe durch die Dardanellen, die das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbinden, ruft international Protest hervor. Die Meerenge ist seit dem Lausanner Frieden von 1923 für Kriegsschiffe gesperrt.

18.1.1930, Samstag

Vertreter der Stadt Köln und des US-amerikanischen Automobilunternehmens Ford unterzeichnen in Köln einen Vertrag über die Errichtung einer großen Automobilfabrik.

Leopold Jessner, Intendant des Berliner Staatstheaters und des Schillertheaters, tritt nach anhaltender Kritik an seiner Arbeit und seiner Person von seinem Amt zurück.

Im Freiburger Stadttheater findet ein Austausch-Gastspiel des Straßburger Stadttheaters statt, das erste offizielle Gastspiel eines französischen Theaterensembles auf deutschem Boden nach dem Weltkrieg.

Im Düsseldorfer Opernhaus zeigt die deutsche Choreographin und Tänzerin Mary Wigman zum ersten Mal ihr Tanzopus “Schwingende Landschaft”.

In Essen findet ein von 1142 Delegierten aus dem Ruhrgebiet besuchter Bezirkskongress der kommunistischen Revolutionären Gewerkschaftsopposition statt. Während des Kongresses kommt es in mehreren Revierstädten zu Demonstrationen gegen Hunger und wachsende Arbeitslosigkeit.

19.1.1930, Sonntag

Die “Frankfurter Zeitung” berichtet über eine Hungersnot in China. Allein im Norden des Landes sollen dabei bisher zwei Mio. Menschen ums Leben gekommen sein.

In Libyen, das seit dem italienisch-türkischen Krieg von 1911-12 eine Kolonie Italiens ist, schlagen italienische Truppen einen Aufstand von Nomadenstämmen nieder.

Walther Brügmann leitet die Uraufführung der Oper “Das Leben des Orest” von Ernst Krenek in Leipzig.

Die Deutschen Winterkampfspiele in Krummhübel im Riesengebirge enden nach einwöchiger Dauer. Walter Glaß aus Klingenthal gewinnt das Skispringen.

20.1.1930, Montag

In Den Haag endet die Zweite Haager Konferenz zur Regelung der deutschen Reparationszahlungen für den Weltkrieg mit der Unterzeichnung der sog. Haager Schlussakte.

21.1.1930, Dienstag

In London wird die Flottenkonferenz über die Abgrenzung der Interessen der Seemächte eröffnet, die bis zum 22. April dauert. Teilnehmer sind Großbritannien, USA, Frankreich, Italien, Japan, Australien, Kanada und Indien.

Der japanische Kaiser Hirohito löst das Parlament in Tokio auf, um den Weg für Neuwahlen freizumachen. Die Regierung unter Juko Hamaguchi hatte zuletzt keine ausreichende Mehrheit.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) gibt auf seiner Hauptversammlung in Würzburg bekannt, dass die Mitgliederzahl 1929 um 34 000 auf 118 000 Mitglieder gestiegen ist.

Bei der Eröffnung der Tischtennis-Weltmeisterschaften in Berlin unterliegt Deutschland im Eröffnungsspiel Österreich. In der Finalrunde wird Ungarn am 24. Januar vor Schweden zum vierten Mal Weltmeister.

22.1.1930, Mittwoch

Das Reichskabinett billigt die Ergebnisse der Zweiten Haager Konferenz über die deutschen Reparationszahlungen.

In einem Erlass des Reichswehrministeriums werden NSDAP und KPD als Parteien bezeichnet, die eine “gewaltsame Zerschlagung des heutigen Staates und die Diktatur ihrer Partei” anstrebten. Die Truppenkommandeure seien daher verpflichtet, innerhalb der Reichswehr gegen jegliche Sympathiebekundungen für eine der Parteien vorzugehen.

Deutsche Truppen beginnen bei Kehl am Rhein mit dem Abbruch von Festungswerken. Der Abbau der Befestigungen war im Versailler Vertrag von 1919, der den Weltkrieg beendete, festgelegt worden.

Der US-amerikanische Admiral Richard Evelyn Byrd schließt seine 1. Antarktisexpedition ab, zu der er 1928 aufgebrochen war. Vom Flugzeug aus hat er dabei einen Großteil der Antarktis kartographiert.

23.1.1930, Donnerstag

In der neuen thüringischen Koalitionsregierung unter Ministerpräsident Erwin Baum (Landbund) übernimmt Wilhelm Frick (NSDAP) das Ministerium für Inneres und Volksbildung. Frick ist damit der erste nationalsozialistische Minister im Deutschen Reich.

24.1.1930, Freitag

In einem Beleidigungsprozess zwischen Adolf Hitler und der “Münchner Telegrammzeitung” werden beide Parteien zu einer Geldstrafe von 400 RM verurteilt. In mehreren Artikeln hatte die Zeitung behauptet, Hitler habe den bayerischen Kronprinz Rupprecht bedroht. Hitler hatte seinerseits die Zeitung öffentlich als “Mistblatt” beschimpft.

Der Preußische Landtag in Berlin verlängert die Einführungsfrist für das rheinisch-westfälische Umgemeindungsgesetz bis zum 1. August 1930. Die umfangreichen Neuerungen, die das am 29. Juli 1929 verabschiedete Gesetz beinhaltet, sind bislang noch nicht vollständig verwirklicht worden.

25.1.1930, Samstag

Der Völkerbund ruft in einer Depesche Bolivien und Paraguay zu Verhandlungen auf. Beide Staaten werfen sich gegenseitig vor, den seit Jahren schwelenden Grenzkonflikt um das Gran-Chaco-Gebiet zu schüren. Bei einem Feuergefecht zwischen Grenzsoldaten waren am 18. Januar mehrere Menschen ums Leben gekommen.

In Königsberg wird das Stück “Heute Abend wird aus dem Stegreif gespielt” des italienischen Dichters Luigi Pirandello uraufgeführt.

26.1.1930, Sonntag

Die Viererbob-Weltmeisterschaften im schweizerischen Caux enden mit dem Sieg von Bob Italien I vor Schweiz II und Deutschland II.

Die Österreicherin Fritzi Burger gewinnt die Europameisterschaft im Eiskunstlaufen.

Am Kölner Opernhaus wird die Oper “Galatea” des deutschen Komponisten Walter Braunfels uraufgeführt.

In Paris verschwindet unter mysteriösen Umständen der Führer der in Frankreich lebenden Exilrussen, General Kutjepow.

In New York wird eine Bittschrift um Abrüstung veröffentlicht, die von 200 000 US-amerikanischen Frauen unterzeichnet wurde. Die Bittschrift, die der Londoner Flottenkonferenz überreicht werden soll, fordert wirksame Flottenabrüstung als ersten Schritt zum Frieden.

Mit dem überall in Indien gefeierten symbolischen “Unabhängigkeitstag” beginnt eine neue Kampagne des zivilen Ungehorsams der indischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Kolonialmacht.

27.1.1930, Montag

In den USA veröffentlichte Statistiken belegen einen Anstieg der Todesfälle durch Alkoholismus um 600% seit dem Beginn der Prohibition (Verbot von Herstellung, Transport und Handel mit Alkoholika) vor zehn Jahren.

28.1.1930, Dienstag

In Madrid tritt der spanische Ministerpräsident und Diktator Miguel Primo de Rivera y Orbaneja zurück.

Der Reichstag nimmt in dritter Lesung mit 240 gegen 215 Stimmen das Zündwaren-Monopolgesetz an.

Die zwölf aus der DNVP ausgetretenen Mitglieder des Reichstags proklamieren im Preußischen Herrenhaus in Berlin die Gründung der Volkskonservativen Vereinigung die sich als Partei der bürgerlichen Mitte versteht. Vorsitzender wird der ehemalige Marineoffizier Gottfried Reinhold Treviranus.

29.1.1930, Mittwoch

Der Vierakter “Der Verräter Gottes” des deutschen Schriftstellers Franz Anton Dietzenschmidt wird am Ulmer Stadttheater uraufgeführt.

30.1.1930, Donnerstag

In der UdSSR beschließt das Zentralkomitee (ZK) der KPdSU Maßnahmen zur Liquidierung der Kulakenwirtschaft (Großbauernwirtschaft) und zur Durchsetzung der Kollektivwirtschaft. Im Zuge dieser Maßnahmen werden bis Mitte des Jahres 1930 über 320 000 Bauernbetriebe in der UdSSR “entkulakisiert”.

Adolf Grimme (SPD) wird als Nachfolger von Carl Heinrich Becker (parteilos) preußischer Kultusminister.

31.1.1930, Freitag

In Berlin verhaftet die Polizei in einem Lokal 76 Teilnehmer einer kommunistischen Versammlung und beschlagnahmt mehrere Waffen.

Der thüringische Ministerpräsident und Finanzminister Erwin Baum (Landbund) spricht sich gegen die Annahme der Beschlüsse der Zweiten Haager Konferenz vom 20. Januar aus. Die darin festgelegten Reparationsforderungen an das Deutsche Reich seien zu hoch und daher nicht tragbar.