Was geschah im Januar 1933

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Wetterstationen Januar 1933

1.1.1933, Sonntag

Die “Frankfurter Zeitung” schreibt in einer Betrachtung zur Jahreswende: “Der gewaltige nationalsozialistische Angriff auf den Staat ist abgeschlagen”.

Reichspräsident Paul von Hindenburg gibt in Berlin einen Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps.

Die deutsche Fußball-Nationalelf unterliegt Italien in Bologna 1:3 (1:2).

Edmund Schulthess löst Giuseppe Motta in Bern als Bundespräsident ab. Schulthess ist damit nach 1917, 1921 und 1928 zum vierten Mal Schweizer Staatsoberhaupt.

In der Münchner “Bonbonniere” eröffnet Erika Mann das politische Kabarett “Die Pfeffermühle”.

2.1.1933, Montag

Im Hannah Theatre in Cleveland/Ohio wird die Liebeskomödie “Unter uns vielen” (“Design for Living”) des britischen Autors Noël Coward uraufgeführt.

Die letzten US-Truppen verlassen nach 20-Jähriger Besetzung Nicaragua.

3.1.1933, Dienstag

Japanische Truppen erobern die Stadt Shanhaikwan an der Grenze zur Mandschurei.

4.1.1933, Mittwoch

Im Haus des Bankiers Kurt von Schröder in Köln sprechen NSDAP-Führer Adolf Hitler und Ex-Reichskanzler Franz von Papen über eine gemeinsame Regierungsbildung.

Reichspräsident Paul von Hindenburg empfängt den früheren NSDAP-Funktionär Gregor Strasser und billigt den Plan Reichskanzler Kurt von Schleichers, Strasser zum Reichsarbeitsminister und Vizekanzler zu berufen.

Ein Brand auf dem französischen Passagierdampfer “L’Atlantique” im Ärmelkanal fordert 20 Tote.

5.1.1933, Donnerstag

Die Reichsregierung bestätigt Berichte aus Washington, wonach sie einen Stundungsantrag für die am 31. März fälligen Zahlungen für Kriegsschäden und Besatzungskosten in Höhe von 33 Mio. Reichsmark gestellt hat.

6.1.1933, Freitag

Der am 20. Juli 1932 durch eine Notverordnung für abgesetzt erklärte preußische Ministerpräsident Otto Braun (SPD) fordert von Reichskanzler Kurt von Schleicher, wieder ins Amt eingesetzt zu werden. Er regt an, vorübergehend ohne Parlament zu regieren.

Im Namen des SPD-Vorstandes rät Rudolf Breitscheid dem Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Theodor Leipart, die Gespräche mit Reichskanzler Kurt von Schleicher über einen Regierungseintritt abzubrechen.

Der deutsche Filmregisseur Ernst Lubitsch und die britische Schauspielerin Lilian Harvey reisen von Berlin nach Hollywood. Lubitsch bleibt nach dem 30. Januar dort, während Lilian Harvey nach Deutschland zurückkehrt.

7.1.1933, Samstag

In Moskau beginnt ein bis zum 12. Januar dauerndes Plenum des Zentralkomitees und der Zentralen Kontrollkommission der KPdSU. Josef W. Stalin, der Generalsekretär der KPdSU, berichtet über den ersten Fünfjahrplan, der in vier Jahren und drei Monaten erfüllt worden sei.

8.1.1933, Sonntag

Die in Wien erscheinende sozialdemokratische “Arbeiter-Zeitung” berichtet über die sog. Hirtenberger Waffenaffäre, einen großangelegten Waffenschmuggel aus Italien via Österreich nach Ungarn.

In Rumänien gründet der Rechtsanwalt Petru Groza die Landarbeiterfront, eine antifaschistische bäuerliche Partei.

In Barcelona und anderen spanischen Städten werden anarchistische Putschversuche niedergeschlagen.

9.1.1933, Montag

Reichspräsident Paul von Hindenburg beauftragt Ex-Reichskanzler Franz von Papen zur Fortsetzung der am 4. Januar begonnenen Gespräche mit der NSDAP über die Bildung einer Reichsregierung.

Kolumbien verlangt vom Völkerbund eine Lösung der Leticia-Frage. Die Stadt Leticia an der Grenze zu Brasilien und Peru ist Mitte 1932 von peruanischen Truppen besetzt worden.

10.1.1933, Dienstag

Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk (parteilos) informiert den Haushaltsausschuss des Deutschen Reichstages über die Finanzlage. Die Schulden des Reiches betrugen am 31. Dezember 1932 12,264 Mrd. RM, das sind rund 112 Mio. RM mehr als am 31. März 1932.

Auf dem Danziger Langen Markt demonstriert die deutsche Danziger Jugend für die Wiedervereinigung der Freien Stadt mit dem Deutschen Reich.

Japanische Truppen fallen in die chinesische Provinz Jehol ein.

11.1.1933, Mittwoch

Das Präsidium des Reichslandbundes kritisiert die Agrarpolitik der von Kurt von Schleicher geführten Reichsregierung.

12.1.1933, Donnerstag

Als Oberster SA-Führer bestätigt Adolf Hitler die von SA-Stabschef Ernst Röhm veranlasste Enthebung des Nürnberger Reichstagsabgeordneten Wilhelm Stegmann von seinem Posten als SA-Gruppenführer. Allerdings verfügt Stegmann, dem Verstöße gegen die Parteidisziplin vorgeworfen werden, im NSDAP-Gau Franken über erheblichen Anhang.

Der Reichsverband der Deutschen Industrie weist die Erklärung des Reichslandbundes vom 11. Januar zurück. Darin werde wider besseres Wissen die Industrie der Mithilfe an der “Ausplünderung der Landwirtschaft” beschuldigt.

In Spanien gründet Antonio Goicoechea die Partei Spanische Erneuerung (Renovación Española), die eine Wiedereinsetzung der 1931 gestürzten Monarchie zum Ziel hat.

In Lippe suchen NSDAP-Führer Adolf Hitler und der frühere NSDAP-Spitzenfunktionär Gregor Strasser ohne Erfolg eine Verständigung.

13.1.1933, Freitag

Reichskanzler Kurt von Schleicher empfängt Alfred Hugenberg (DNVP). Dieser will als “Wirtschaftsdiktator” ins Kabinett eintreten, was Schleicher ablehnt.

Vor dem Haushaltsausschuss des Reichstages beziffert Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk den vermutlichen Haushaltsfehlbetrag der Länder Ende 1932 auf 520 Mio. Reichsmark.

US-Präsident Herbert Hoover legt gegen das Gesetz über die Unabhängigkeit der seit 1898 von den USA verwalteten Philippinen sein Veto ein, wird jedoch vom Kongress mit Zweidrittelmehrheit überstimmt.

Die Direktoren des Deutschen Theaters in Berlin, Karl Heinz Martin und Rudolf Beer, beenden ihre Tätigkeit. Theaterleiter Max Reinhardt beruft Heinrich Neft und Carl-Ludwig Achaz (eigtl. Duisberg) zu ihren Nachfolgern. Zu den Ursachen für den Wechsel gehören finanzielle Probleme des Theaters.

14.1.1933, Samstag

Die Reichsregierung warnt vor aufreizender Agitation und verweist dabei u.a. auf eine Erklärung vom Vorstand des Pommerschen Landbundes, der seine Mitglieder dazu aufgerufen hat, “seine Scholle und seine Arbeitsstelle mit den letzten Mitteln zu verteidigen”.

15.1.1933, Sonntag

Im Berliner Sportpalast feiert der Kriegerverband Kyffhäuserbund die Reichsgründung. Als Gast versichert Reichskanzler Kurt von Schleicher den Teilnehmern, die Reichswehr sei von demselben Geist beseelt wie das alte Heer.

Papst Pius XI. erlässt eine Bulle zum Heiligen Jahr 1933/34 anlässlich des 1900. Todestages Jesu Christi.

In Berlin führt die KPD eine Kundgebung zu Ehren der 1919 ermordeten KPD-Führer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch. Die Hauptredner sind der Komintern-Vertreter Wilhelm Pieck und der Generalsekretär der französischen KP, Maurice Thorez.

Bei den Landtagswahlen im ostwestfälischen Lippe wird die NSDAP mit 39,6% der Stimmen und neun von 21 Sitzen stärkste Partei vor der SPD (sieben Sitze, minus zwei).

16.1.1933, Montag

Reichskanzler Kurt von Schleicher empfängt Prälat Ludwig Kaas (Zentrum), der eine Regierungsbeteiligung jedoch ablehnt.

Das Reichskabinett billigt den Plan Kurt von Schleichers, die zu erwartende Abkehr der NSDAP von ihrer Tolerierungspolitik mit der Auflösung des Reichstages und der Verzögerung der Neuwahlen zu beantworten.

Vor den in Weimar versammelten NSDAP-Gauleitern rechnet Adolf Hitler mit dem “abtrünnigen” Gregor Strasser, seinem ehemaligen Reichsorganisationsleiter, ab. Die Gauleiter geloben Hitler unbedingte Gefolgschaft.

17.1.1933, Dienstag

Der sozialpolitische Ausschuss des Reichstages lehnt die von der NSDAP geforderte Arbeitsdienstpflicht ab. Er nimmt eine Resolution der Zentrumspartei an, die eine Fortführung des freiwilligen Arbeitsdienstes vorsieht.

18.1.1933, Mittwoch

Vor dem Haushaltsausschuss des Reichstages beziffert Reichswirtschaftsminister Hermann Warmbold (parteilos) die Verschuldung der deutschen Landwirtschaft für Ende 1932 auf rund 11,4 Mrd. RM und die jährlichen Kreditzinsen auf rund 620 Mio. RM.

19.1.1933, Donnerstag

Im Haushaltsausschuss des Reichstages verlangt Joseph Ersing (Zentrum) eine Untersuchung über die Verwendung der Osthilfegelder durch die Großgrundbesitzer.

Mit enthusiastischen Kommentaren meldet der “Völkische Beobachter” am 31. Januar die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler. Dieses in München erscheinende “Kampfblatt” etabliert sich nach der Machtergreifung Hitlers als unkritisches Regierungsorgan.

20.1.1933, Freitag

Der Ältestenrat des Reichstages vertagt auf Antrag der Zentrumsfraktion die Eröffnung des Parlaments vom 24. auf den 31. Januar. Bis dahin sollen gemäß einer am selben Tag getroffenen Absprache zwischen Reichskanzler Kurt von Schleicher und dem Zentrum weitere Gespräche über eine Regierungsbildung geführt werden.

Das SPD-Zentralorgan “Vorwärts” kommentiert die Intrigen um die Regierungsbildung mit den Worten: “Wer findet sich noch zurecht in der Geheimpolitik, die ohne das deutsche Volk getrieben wird?”

21.1.1933, Samstag

Die Reichstagsfraktion der DNVP kündigt dem Kabinett von Kurt von Schleicher offene Opposition an und fordert eine “starke Staatsführung”. Die Erklärung wird auf Bitten des Kanzlers erst am 24. Januar veröffentlicht.

Im Vortrag bei Reichspräsident Paul von Hindenburg erklärt Theodor Leipart, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, unter Hinweis auf die über sechs Mio. Arbeitslosen: “Die Verelendung hat ihren schlimmsten Grad erreicht”.

22.1.1933, Sonntag

In Berlin spricht NSDAP-Führer Adolf Hitler mit Ex-Reichskanzler Franz von Papen und Oskar von Hindenburg, dem Sohn des Reichspräsidenten, über eine Regierungsbildung. Er betont, die demokratischen Spielregeln achten zu wollen.

Ohne Zwischenfälle verläuft eine von der Polizei geschützte nationalsozialistische Großdemonstration auf dem Bülowplatz vor dem Karl-Liebknecht-Haus, dem Sitz der KPD-Leitung in Berlin.

Rund 50 tschechoslowakische Faschisten dringen in die Kaserne des Infanterieregiments 43 in Zedenice bei Brünn ein, werden aber nach kurzem Gefecht überwältigt.

Zum Auftakt des Betriebsrätewahlkampfes organisiert der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund in Berlin eine Konferenz von 400 Betriebsräten. Unter der Parole “Sachliche Arbeit im Interesse der Arbeiterklasse” sollen KPD und NSDAP gleichermaßen bekämpft werden.

Am Staatlichen Schauspielhaus in Berlin wird unter der Regie von Gustav Lindemann Johann Wolfgang von Goethes Drama “Faust II” aufgeführt. In der Rolle des Mephisto erfährt Gustaf Gründgens besonderes Lob.

Der Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes berät in Berlin ohne Ergebnis über die Einführung des Berufsspielertums.

In Amsterdam schlägt die Fußballnationalelf der Schweiz die Auswahl der Niederlande vor 30 000 Zuschauern 2:0.

23.1.1933, Montag

Als 36. Bundesstaat der USA ratifiziert Missouri den 20. Zusatzartikel (Amendment) zur Bundesverfassung, der die Eröffnung eines neugewählten Kongresses und die Amtseinführung des Präsidenten wesentlich früher als bisher ansetzt.

Reichspräsident Paul von Hindenburg empfängt Reichskanzler Kurt von Schleicher und lehnt dessen Wunsch nach Auflösung des Reichstages und Ausrufung des Staatsnotstandes ab.

24.1.1933, Dienstag

Reichskanzler Kurt von Schleicher, dessen Pläne zur Ausrufung eines Staatsnotstandes und des Verbots von NSDAP und KPD bekanntgeworden sind, dementiert derartige Überlegungen und erklärt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Verfassung erhalten zu wollen.

Das Präsidium der in Genf tagenden Abrüstungsversammlung billigt eine Konvention über Rüstungskontrolle und regelmäßige Überprüfungen. Vier Staaten, darunter das Deutsche Reich, melden gegen dieses Regelwerk einen Generalvorbehalt an, da jede Kontrolle abhängig von einer grundlegenden Übereinstimmung in der Abrüstungsfrage sein müsse.

Bei den Parlamentswahlen in Irland erhöht die Fianna Fáil, die Partei von Premierminister Eamon de Valera, die Zahl ihrer Sitze im Parlament (Dáil Eireann) um fünf auf 77 und verfügt damit über die absolute Mehrheit.

Unter Führung von Theodor Lewald wird in Berlin das Organisationskomitee für die Olympischen Sommerspiele 1936 gegründet. Die dafür nötigen Geldmittel will man durch eine Lotterie und einen Olympia-Groschen, der bei jeder Sportveranstaltung erhoben wird, aufbringen.

25.1.1933, Mittwoch

Bei der Auflösung einer Kundgebung des kommunistischen Kampfbundes gegen den Faschismus in Dresden durch die Polizei, werden sieben Personen durch Schüsse getötet und zwei weitere infolge einer Panik zu Tode getrampelt.

Auf einer Versammlung des Parteiaktivs der Moskauer Garnison berichtet Kliment J. Woroschilow, der Volkskommissar für das Heerwesen, dass der aktive Teil der Roten Armee mittlerweile bereits zu 59% aus Mitgliedern der KPdSU oder Jungkommunisten bestehe.

Die Berliner Akademie der Künste bestätigt den Architekten Hans Poelzig, gegen den der nationalsozialistische Kampfbund für deutsche Kultur eine Hetzkampagne begonnen hat, in seinem Amt als stellvertretenden Präsidenten.

Sieger der am 21. Januar gestarteten Rallye Monte Carlo wird Vorjahressieger Maurice Vasselle (Frankreich) auf einem Hotchkiss.

26.1.1933, Donnerstag

Die anhaltende Kältewelle im Deutschen Reich führt in Breslau zu Temperaturen von minus 32

Reichspräsident Paul von Hindenburg verweigert Reichskanzler Kurt von Schleicher die erbetenen Vollmachten erneut. Schleicher verlangte, mit “der gesamten vollziehenden Gewalt im Reichsgebiet ohne Einschränkung und Befristung” betraut zu werden.

Bei einem Empfang des Chefs der Heeresleitung, Generaloberst Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord, erklärt Reichspräsident Paul von Hindenburg in bezug auf Adolf Hitler: “Sie werden mir doch nicht zutrauen, dass ich diesen böhmischen Gefreiten zum Reichskanzler berufe”.

27.1.1933, Freitag

Der preußische SPD-Politiker Otto Braun warnt Reichskanzler Kurt von Schleicher in einem offenen Brief vor dem Versuch, den Reichstag ausschalten zu wollen.

Wegen der hohen Benzinsteuern blockieren die Wiener Taxifahrer für mehrere Stunden die Innenstadt.

28.1.1933, Samstag

Nachdem Reichspräsident Paul von Hindenburg eine Auflösung des Reichstages abgelehnt hat, erklärt Reichskanzler Kurt von Schleicher mit dem gesamten Kabinett seinen Rücktritt.

In einem Telegramm an den Reichspräsidenten warnen die Spitzenverbände der Gewerkschaften vor der Berufung einer “arbeiterfeindlichen Regierung”.

Das Sekretariat der KPD ruft die Bezirksleitungen der Partei auf, den für den 12. März angesetzten Parteitag der SPD zu nutzen, um “die Rolle und den Charakter der SPD als soziale Hauptstütze der Bourgeoisie” zu entlarven.

Im Restaurant Zoologischer Garten in Berlin findet der traditionelle Ball des Vereins Berliner Presse statt.

Unter Mitwirkung des Komponisten wird in Frankfurt am Main das 2. Klavierkonzert von Bela Bartok uraufgeführt. Es dirigiert Hans Rosbaud.

29.1.1933, Sonntag

Durch ein 6:1, 7:9, 6:1 und 6:2 über den Franzosen Pierre Landry wird Gottfried von Cramm in Bremen Internationaler deutscher Hallentennismeister.

Reichspräsident Paul von Hindenburg beruft den in Genf weilenden General Werner vom Blomberg telegraphisch nach Berlin. Er will ihn zum Reichswehrminister ernennen.

In Berlin lehnt der am Vortag von seinem Posten als Reichskanzler und Wehrminister zurückgetretene Kurt von Schleicher vor hohen Reichswehr-Offizieren einen Militärputsch ab.

30.1.1933, Montag

Reichspräsident Paul von Hindenburg beruft Adolf Hitler zum Reichskanzler. Neben Hitler gehören dem Kabinett mit Wilhelm Frick (Inneres) und Hermann Göring (ohne Geschäftsbereich) zwei weitere NSDAP-Mitglieder an.

In Berlin feiert die NSDAP die Machtübernahme mit einem Fackelzug.

Die KPD proklamiert den sofortigen Generalstreik und die Bildung einer “proletarischen Einheitsfront gegen die faschistische Hitlerdiktatur”.

In Stellungnahmen zur Kanzlerschaft Adolf Hitlers warnen SPD und freie Gewerkschaften vor “voreiligen Einzelaktionen”.

In vielen Städten des Reichsgebietes kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und ihren politischen Gegnern.

31.1.1933, Dienstag

Durch zwei am 31. Januar bzw. 2. Februar in Kraft tretende Notverordnungen des Reichspräsidenten werden Franz von Papen zum Reichskommissar für Preußen und Hermann Göring (NSDAP) zum Reichskommissar für die Luftfahrt ernannt.

Auf einer Sitzung des SPD-Parteiausschusses in Berlin sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Rudolf Breitscheid, man müsse auf ein Ende der Hitler-Regierung hinarbeiten.

Vor dem Bundesausschuss des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes erklärt der Vorsitzende Theodor Leipart auch die Hitler-Regierung werde nicht: “die deutsche Arbeiterschaft und deren Organisationen überwältigen können”. Als Nachfolger für den am 29. Januar zurückgetretenen Joseph Paul-Boncour bildet der Radikalsozialist Edouard Daladier in Frankreich eine neue Regierung.

Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beziffert die Zahl der Arbeitslosen im Deutschen Reich mit 6 013 612 Personen.

In London dirigiert Benjamin Britten die Uraufführung seiner Sinfonietta für Kammerorchester op.1.

In London enden nach zweitägiger Dauer die Eiskunstlauf-Europameisterschaften. Die Einzeltitel gehen an Karl Schäfer (Österreich) und Sonja Henie aus Norwegen.