Was geschah im Januar 1936

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1.1.1936, Mittwoch

Der deutsche Propagandaminister, Joseph Goebbels, verliest im Rundfunk die Neujahrsbotschaft des Führers und Reichskanzlers, Adolf Hitler.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1936 werden nur noch Mitglieder der Hitlerjugend für die Beamtenlaufbahn zugelassen.

Der Reichsjugendführer der NSDAP, Baldur von Schirach, proklamiert das Jahr 1936 zum “Jahr des Jungvolkes” und fordert den Eintritt aller 10- bis 14-Jährigen in die Jugendorganisation der Partei.

In einem Telegramm des Kaisers von Abessinien (Äthiopien), Haile Selassie I., an den Völkerbund wird Protest erhoben gegen den Einsatz von Giftgas und die Bombardierung abessinischer Truppen durch die italienische Luftwaffe.

Die große Olympia-Schanze in Garmisch-Partenkirchen wird mit einem internationalen Skispringen eröffnet.

Der britische Schriftsteller Aldous Huxley behandelt in einem Aufsatz das Problem der ungleichen Gebietsverteilung auf der Erde. Zu den unbefriedigten Großmächten zählt er das Deutsche Reich, Italien und Japan. Er sieht in dieser Tatsache eine Gefahr für den Weltfrieden und fordert die Einberufung einer Weltkonferenz zur Lösung dieser Probleme.

2.1.1936, Donnerstag

In Berlin findet eine Reichstagung der Nationalsozialistischen Kulturgemeinde statt.

Der Flüchtlingkommissar des Völkerbunds, James MacDonald, gibt in einem Schreiben an das Völkerbundssekretariat seine Enttäuschung über die unzureichenden Reaktionen des Völkerbunds auf die antisemitischen “Nürnberger Gesetze” (15. 9. 1935) als Grund für seinen Rücktritt am 31. Dezember 1935 an.

In der Berliner Staatsoper wird die Operette “Die große Sünderin” des deutschen Komponisten Eduard Kühne uraufgeführt.

3.1.1936, Freitag

In einer Rede vor dem amerikanischen Bundeskongress spricht sich US-Präsident Franklin Dekan Roosevelt für ein neues Neutralitätsgesetz und die Verstärkung der Landesverteidigung aus.

Die Deutsche Reichsbahn legt ihren Jahresbericht für 1935 vor.

Nach Meldungen des Winterhilfswerks des deutschen Volkes (WHIG) werden im Winter 1935/36 12,5 Millionen Deutsche vom WHIG unterstützt.

Anhaltende Niederschläge führen in Frankreich und Großbritannien zu Hochwasserschäden.

In der “Münchener Medizinischen Wochenschrift” wird über gesundheitliche Nachteile durch das Rollerfahren berichtet.

4.1.1936, Samstag

Italienische Bomberverbände fliegen massive Einsätze gegen die abessinische Stadt Harrar.

Die Deutsche Reichsbahn erhöht – trotz im Jahr 1935 erwirtschafteter Überschüsse – die Gütertarife um 5%.

5.1.1936, Sonntag

Die französische Öffentlichkeit äußert sich besorgt über die Neutralitätsabsichten der USA, da befürchtet wird, auch ein angegriffenes Land könne aufgrund der von US-Präsident Franklin Dekan Roosevelt geplanten Bestimmungen nicht mit der Unterstützung der Amerikaner rechnen.

Auf Beschluss der niederländischen Regierung soll der Nordpole der Zuidersee für 126 Millionen Gulden (170 Millionen RM) trockenlegen werden.

Die Uraufführung der komischen Oper “Leon und Ädrig” von Charles Flick-Stege findet am Stadttheater Krefeld statt.

Greta Garbe und Charles Laughton werden von New Yorker Filmkritiken zu den besten Filmschauspielern des Jahres 1935 erklärt.

6.1.1936, Montag

In Wilhelmshaven wird das deutsche Panzerschiff “Admiral Graf Spe” in Dienst gestellt.

Ein Erlass der deutschen Geheimen Staatspolizei (Gestapo) ordnet die Überwachung der “Mischlinge 1. Grades” an.

Das Oberste Bundesgericht der USA erklärt die Agrargesetzgebung der Regierung Roosevelt für verfassungswidrig.

In Paris wird das französisch-sowjetische Handelsabkommen von 1934 erneuert.

Die Deutsche Reichsbahn zeichnet eine Anleihe über 500 Millionen Reichsmark zur Konsolidierung von kurzfristig aufgenommenen Krediten.

Die Lufthansa feiert ihr zehnjähriges Jubiläum.

7.1.1936, Dienstag

Das deutsche Reichspropagandaministerium verbietet allen Tageszeitungen Bilder über Jagdveranstaltungen des preußischen Ministerpräsidenten, Hermann Göring, zu veröffentlichen.

Das spanische Parlament wird mit sofortiger Wirkung aufgelöst.

Die US-amerikanische Zentralgewerkschaft spricht sich für eine Änderung der Verfassung zum Schutz der Farmer und Arbeitnehmer aus.

Ein neues Lastkraftwagenwerk der Firma Opel wird in Brandenburg an der Havel in Betrieb genommen.

Die mittelalterliche Handschrift des Heinrich von München geht in den Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek über.

In Hildesheim wird der Spielfilm “Fährmann Maria” von Frank Wysbar uraufgeführt.

8.1.1936, Mittwoch

Nach einer Verordnung des sächsischen Finanzministeriums sollen in erster Linie Mitglieder der HJ, der SA, SS und NSDAP als Lehrlinge in den öffentlichen Dienst eingestellt werden.

Wegen angeblichen Devisenschmuggels nach Österreich werden drei katholische Geistliche in Kempten zu Gefängnisstrafen und Geldstrafen von insgesamt 56 000 Reichsmark verurteilt.

Im Deutschen Reich wird die Fortbildungspflicht für Großstadtärzte eingeführt.

In Dresden wird der Spielfilm “Die ewige Maske” von Werner Hochbau uraufgeführt. Hauptdarsteller sind Peter Pelerine, Ölgas Tscheche und Mathias Winken.

9.1.1936, Donnerstag

Bei einem Zwischenfall an der mandschurisch-sowjetischen Grenze werden zwei japanische Piloten von sowjetischen Soldaten gefangengenommen.

Die Ernst-Henkel-Flugzeugwerke stellen ihr neues Schnellverkehrsflugzeug He 111 vor.

Die deutsche Reichsautobahndirektion meldet, dass sich derzeit rund 1900 km Autobahnstrecke im Bau befinden.

10.1.1936, Freitag

Die Jubiläumstagung zum 25-Jährigen Bestehen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (10.1.- 12.1.1936) beginnt in Berlin.

Der Leipziger Georg Thieme Verlag feiert sein 50-Jähriges Bestehen.

Ein schweres Unwetter über Düsseldorf und Neuss fordert drei Todesopfer und 13 Schwerverletzte. Hunderte von Menschen werden obdachlos.

11.1.1936, Samstag

Die erste Arbeitstagung der deutsch-englischen Gesellschaft, die sich der Förderung der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit und Verständigung widmet, findet in Berlin statt.

An der abessinischen Nordern kommt es zwischen Italienern und Abessiniern zu erbitterten Kämpfen um die Stadt Makalle. Beide Seiten melden Erfolge.

12.1.1936, Sonntag

Überall im Deutschen Reich werden Razzien in Sinti-Siedlungen durchgeführt. Es werden 16 Sinti verhaftet, die angeblich mehrere 100 000 Reichsmark Devisen verschoben haben sollen.

Per Gesetz wird die unerlaubte Einwanderung nach Palästina bzw. deren Begünstigung von der britischen Mandatsregierung in Palästina mit strengen Strafen belegt. 1935 betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer 66 500.

Im Neuen Theater in Leipzig wird die Oper “Till Eulenspiegel” von Hans Stieber uraufgeführt.

Im Londoner Westminster Theatre wird das expressionistische Drama “Der Hund unter der Haut oder Wo ist Francis?” von Wystan Hugh Auden und Christopher Isherwood uraufgeführt.

13.1.1936, Montag

Der deutsche Reichsinnenminister, Wilhelm Frick, benennt die Stadt Saarlouis bei einer Feierstunde zur Saargebietsabstimmung in Saarlautern um.

Der Vorsitzende des sowjetischen Rates der Volkskommissare, Wjatscheslaw M. Molotow, fordert eine Erhöhung der sowjetischen Rüstungsausgaben.

14.1.1936, Dienstag

Der deutsche Reichsjuristenführer, Hans Frank, gibt Leitsätze für die deutsche Rechtsprechung bekannt.

In einem Hochverratsprozess in Wien werden 13 österreichische Nationalsozialisten wegen der Verbreitung illegaler Druckschriften und aufrührerischer Aktionen zu langen Kerkerstrafen verurteilt.

Der Deutschlandsender überträgt erstmals ein Wunschkonzert unter dem Motto: “Sie wünschen – wir spielen, geholfen wird vielen!”

Bei den deutschen Eiskunstlaufmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen gewinnt Ernst Baier den Titel bei den Herren, Viktoria Lintpainter bei den Damen. Maxi Herber/Ernst Baier siegen beim Paarlaufen.

15.1.1936, Mittwoch

Die japanische Delegation verlässt aus Protest die Flottenkonferenz in London.

16.1.1936, Donnerstag

In der Berliner Deutschlandhalle fordert der Reichsminister und Stellvertreter des Führers. Rudolf Heß, die Parteigenossen auf, ihre Geschwindigkeit beim Autofahren zu verringern.

In Moskau verkündet der sowjetische Marschall, Michail N. Tuchatschewski, dass die Stärke der Roten Armee 1936 auf 1,3 Millionen Mann gestiegen sei.

Der deutsch-französische Spielfilm “Die klugen Frauen” erlebt in Berlin seine deutsche Erstaufführung.

Ebenfalls in Berlin läuft erstmals der Spielfilm “Der Dschungel ruft” mit Harry Piel (auch Regie), Gerda Maurus, Eric Ode und Paul Henckels.

17.1.1936, Freitag

Auf dem Berliner Gautag spielt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels die Versorgungslücken bei Lebensmitteln herunter.

Zum Abschluss eines Besuchs in Prag bekräftigt der österreichische Bundeskanzler, Kurt Schuschnigg, nach Gesprächen mit dem tschechoslowakischen Ministerpräsidenten, Milan Hodža, die Übereinstimmung beider Staatsmänner in Fragen der Donauraum-Politik.

Der seit zwei Monaten als verschollen gemeldete Polarflieger Lincoln Ellsworth wird von dem britischen Expeditionsschiff “Discovery 11” in der antarktischen Walfischbay entdeckt und gerettet.

Das deutsche Reichsinstitut für Erziehung und Unterricht beendet die Überarbeitung der deutschen Fibeln und Lesebücher.

18.1.1936, Samstag

In ganz Österreich verteilt die “Nationalsozialistische Bewegung Österreichs” ein Flugblatt, in dem die Regierung aufgefordert wird, sich einer allgemeinen Volksabstimmung über ihre Politik zu stellen.

Der Hochkommissar des Völkerbunds in Danzig, Sean Lester, wirft der Danziger Regierung die Verletzung der Verfassung im Zusammenhang mit der letzten Volkstagswahl vor.

Der deutsche Reichsärzteführer, Gerhard Wagner, fordert eine Synthese zwischen Medizin und Naturheilkunde.

19.1.1936, Sonntag

Die Olympiastraße zwischen München und Garmisch-Partenkirchen wird vom Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, eröffnet und zur “Reichsmusterstraße” erklärt.

Der deutsche Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten, Hanns Kerrl, äußert sich in einem Zeitungsinterview über die Kirche im Deutschen Reich.

Bei einem Bundesappell der Amtswalter der Vaterländischen Front Österreichs in Wien spricht sich deren Bundesführer, Ernst Rüdiger Starhemberg, gegen eine Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich aus.

In Madrid besiegt die österreichische Fußballmannschaft die spanische Elf 5:4.

20.1.1936, Montag

Der japanische Außenminister, Koki Hirota, erklärt die Erhaltung des Friedens im Fernen Osten zur wichtigsten Aufgabe und äußert den Wunsch Tokios nach einem Dreiländerblock Japan-China-Mandschukuo.

In Genf tritt der Völkerbund zusammen. Hauptthema ist der italienisch-abessinische Krieg. Forderungen nach einer Vermittlungsaktion und Entsendung einer Untersuchungskommission finden keine Mehrheit in der Konferenz.

21.1.1936, Dienstag

In Japan wird der Reichstag aufgelöst, um einem Misstrauensantrag der Seiyukai-Partei zuvorzukommen. Neuwahlen werden auf den 20. 2. 1936 festgelegt.

Ende Januar 1936 beträgt die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in Österreich 317 200, das sind 17 100 weniger als Ende Januar 1935.

22.1.1936, Mittwoch

Der Gauleiter für Mittelfranken, Julius Streicher, propagiert bei einer Ansprache in Nürnberg die Rassentrennung und die Notwendigkeit der Reinhaltung deutschen Blutes.

In Frankreich tritt das gesamte Kabinett Pierre Laval zurück, nachdem vier Minister ihren Rücktritt angemeldet haben.

Der Danziger Senatspräsident, Arthur Greiser, versichert vor dem Völkerbund, dass die Regierung der Freien Stadt nicht die Absicht habe, sich gegen die Verfassung zu wenden.

In der Preußischen Akademie in Berlin findet eine Ausstellung “Der künstlerische Buchumschlag” statt.

23.1.1936, Donnerstag

Der Leichnam des britischen Königs, Georg V., wird nach London überführt und in der Westminster Hall aufgebahrt.

Der tarifliche Stundenlohn für einen männlichen Facharbeiter liegt Anfang 1936 im Deutschen Reich bei 78,3 Reichspfennig und für weibliche Facharbeiter bei 51,6 Reichspfennig.

24.1.1936, Freitag

Der Völkerbundsrat in Genf entscheidet sich nach tagelangen Auseinandersetzungen gegen eine Überprüfung der Landtagswahlen in Danzig.

Nach dem Rücktritt der Regierung Pierre Laval in Frankreich übernimmt der Radikalsozialist Albert Sarraut die Bildung eines neuen Kabinetts.

In verschiedenen deutschen Städten werden Spielfilme uraufgeführt: In Königsberg der Streifen “Junges Blut”, in Berlin die Komödie “Herbstmanöver” mit Hans Söhnker und Susi Lanner und ebenfalls in Berlin der Spielfilm “Donogoo Tonga” mit Anny Ondra, Rudolf Platte, Oskar Sima, Viktor Staal und Aribert Wäscher in den Hauptrollen.

25.1.1936, Samstag

Die Grüne Woche in Berlin öffnet ihre Tore. Parallel dazu wird die Deutsche Jagdausstellung veranstaltet, in deren Ehrenraum die Jagdtrophäen des deutschen Reichsjägermeisters Hermann Göring ausgestellt sind.

In einem Interview mit der französischen Zeitung “Paris Soir” betont der deutsche Führer und Reichskanzler, Adolf Hitler, den Anspruch des Deutschen Reichs auf Ausdehnung seines Territoriums und die Rückgewinnung der Kolonien.

Der deutsche Dirigent Wilhelm Furtwängler feiert unter großer Anteilnahme von Presse und Politik seinen 50. Geburtstag.

26.1.1936, Sonntag

Zur Sicherung der Fluglinie Großbritannien-Australien setzt die britische Regierung einen Rettungsdampfer in der Timorsee ein.

Im Züricher Kunsthaus wird eine Ausstellung (bis 1. 3. 1936) mit Gemälden des Malers Gustave Courbet eröffnet.

Bei den Europameisterschaften im Eiskunstlauf siegen die Norwegerin Sonja Henie bei den Damen, der Österreicher Karl Schäfer bei den Herren und die Deutschen Maxi Herber/Ernst Baier im Paarlaufen.

27.1.1936, Montag

Das soziale Ehrengericht in Weimar verurteilt eine Landarbeiterin zur strafweisen Entfernung vom Arbeitsplatz. Sie hatte die Arbeit auf einem mitteldeutschen Gutshof verweigert, nachdem ihr Akkordlohn pro Zentner geernteter Zuckerrüben von 40 auf 30 Reichspfennig gesenkt worden war.

Nach der amtlichen Betriebsstatistik gibt es im Deutschen Reich gegenwärtig 9873 Buchhandlungen mit 38 158 Beschäftigten.

Im Deutschen Reich beginnt der Inventurverkauf.

28.1.1936, Dienstag

Der französische Ingenieur Bernard Dubos legt Pläne für den Bau einer Regenfabrik vor.

Infolge der großen Kältewelle in den Vereinigten Staaten sind die Niagarafälle zugefroren.

29.1.1936, Mittwoch

Ein geheimer Lagebericht der Gestapo über die Situation in Berlin zeichnet ein pessimistisches Bild von der Stimmung in der Bevölkerung und berichtet über Aktivitäten des politischen Widerstands in der Reichshauptstadt.

Die chilenische Gesandtschaft in Berlin wird aufgrund der guten Beziehungen zwischen der deutschen und der chilenischen Regierung in eine Botschaft umgewandelt.

Die Firma Krupp stiftet 3500 Fackelschäfte für den Transport des olympischen Feuers von Griechenland nach Berlin.

Der italienische Ministerpräsident und Duce, Benito Mussolini, legt in Rom den Grundstein für Europas größte Filmstadt.

30.1.1936, Donnerstag

Im Deutschen Reich wird der Jahrestag der nationalsozialistischen Machtergreifung (30. 1. 1933) gefeiert.

Die Reichsarbeitsgemeinschaft für deutsche Buchwerbung startet einen Werbefeldzug für Lehr- und Fachbücher, der drei Monate dauern soll. Anlass dafür ist der große Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften in der Industrie, der sich besonders durch die enorme Steigerung der Rüstungsproduktion ergeben hat.