Was geschah im Januar 1947

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1.1.1947, Mittwoch

Zwischen dem Saarland und der französischen Besatzungszone Deutschlands wird eine Zollgrenze errichtet.

Die US-amerikanische und die britische Besatzungszone Deutschlands werden zum Vereinigten Wirtschaftsgebiet (Bizone) zusammengefasst. Frankreich lehnt den Anschluss seiner Zone ab.

Britische Luftlandetruppen und die Polizei Tel Avivs besetzen die größeren Küstenstädte Palästinas. 2000 Personen werden verhaftet. Die Aktion richtet sich hauptsächlich gegen die jüdische Untergrundorganisation Irgun.

In Großbritannien werden die Bergwerke verstaatlicht.

Nigeria erhält von der britischen Kolonialmacht eine modifizierte Selbstverwaltung, in der die Einrichtung eines föderalistischen Legislativrates vorgesehen ist.

2.1.1947, Donnerstag

In Ungarn werden hohe Funktionäre unter der Beschuldigung einer Verschwörung gegen die Republik verhaftet.

Die jüdische Untergrundorganisation Irgun erklärt Großbritannien den Krieg und verübt in und um Tel Aviv zahlreiche Anschläge.

Vor dem US-amerikanischen Militärgericht in Nürnberg wird der Prozess gegen den ehemaligen deutschen Luftwaffengeneral, Marschall Erhard Milch, eröffnet. Er ist wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Das Urteil wird am 17. April verkündet.

3.1.1947, Freitag

Die USA können in Melbourne das Davis-Cup-Finale (Saison 1946) im Tennis gegen Titelverteidiger Australien 5:0 für sich entscheiden. Die hochfavorisierten Gastgeber gewinnen lediglich einen einzigen Satz.

4.1.1947, Samstag

Der US-amerikanische Militärgouverneur in Deutschland, General Joseph T. McNarney, tritt zurück. Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter, Generalleutnant Lucius D. Clay.

In Hannover erscheint das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel”.

Der Führer der polnischen Volkspartei, Stanislaw Mikolajczyk, droht an, seine Partei werde die Wahlen zum polnischen Parlament boykottieren. Er begründet dies mit der Streichung zahlreicher Kandidaten seiner Partei von den Wahllisten.

Der Chef des britischen Generalstabes, Feldmarschall Lord Bernard L. Viscount Montgomery, trifft zu einem Freundschaftsbesuch in Moskau ein.

5.1.1947, Sonntag

Die französische Militärregierung in Deutschland verhängt eine totale Nachrichtensperre über das Saargebiet. Damit soll die Einfuhr von Zeitungen aus der US-amerikanischen und britischen Besatzungszone verhindert werden.

Teile der Hawaii-Inselgruppe im Pazifischen Ozean werden von einer Flutwelle heimgesucht.

6.1.1947, Montag

In Hessen wird der SPD-Politiker Christian Stock zum Ministerpräsidenten des Landes gewählt. SPD und CDU bilden eine Koalitionsregierung.

In Jugoslawien werden der ehemalige Präsident der Exilregierung in London Milos Trifunovic, zu acht Jahren Zuchthaus sowie zwei Mitangeklagte zum Tode verurteilt.

US-Präsident Harry S. Truman fordert vor dem US-amerikanischen Kongress in Washington eine erneute militärische Aufrüstung. Zuvor hatten die USA große Teile ihrer Streitkräfte demobilisiert.

7.1.1947, Dienstag

Durch eine Bombenexplosion wird das Gebäude der Nürnberger Spruchkammer völlig zerstört. Trotz einer sofort eingeleiteten Untersuchung bleiben die Täter wie die Hintergründe des Anschlags unbekannt.

US-Außenminister James F. Byrnes tritt von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger wird George C. Marshall.

Der rechte Flügel der Sozialistischen Partei Italiens unter Giuseppe Saragat tritt aus der Partei aus und bildet die Italienische Sozialistische Partei. Die verbliebene Mehrheitsgruppe unter Pietro Nenni tritt für die Zusammenarbeit mit den Kommunisten ein.

8.1.1947, Mittwoch

Der Koordinierungsausschuss des Alliierten Kontrollrats in Deutschland legt Richtlinien für den Bau von Küsten- und Binnenschiffen fest. Danach dürfen Küstenmotorschiffe nicht mehr als 500 BRT Gewicht haben, ihr Aktionsradius darf nur 2000 sm (rund 3600 km) betragen.

Erstmals wird den in den drei Westzonen lebenden Deutschen der Film “Todesmühlen” gezeigt. Er wurde von den Alliierten in den ehemaligen Konzentrationslagern Buchenwald, Dachau und Bergen Belsen gedreht.

Für die Rekordsumme von 27 500 Pfund Sterling wechselt der irische Fußballspieler Peter Doherty vom englischen Verein Derby County zu Huddersfield Town.

9.1.1947, Donnerstag

Der Präsident des französischen Tennisverbandes, Pierre Gillou, veröffentlicht eine offizielle Tennis-Weltrangliste: Bei den Herren führt Jack Kramer, bei den Damen Pauline Betz (beide USA).

30 000 weibliche Angehörige der ehemaligen deutschen Wehrmacht befinden sich noch in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Die UdSSR richtet an Norwegen die Bitte um Genehmigung zur Truppenstationierung auf Spitzbergen.

Die Vereinten Nationen übernehmen die Aufsicht über die Freie Stadt Triest.

11.1.1947, Samstag

Jugoslawien schickt rund 3500 deutsche und österreichische Kriegsgefangene, die krank und arbeitsunfähig sind, in ihre Heimat zurück.

12.1.1947, Sonntag

Der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher wirft auf einer Versammlung in München den Alliierten vor, ohne Konzept 1945 die politische Verantwortung für Deutschland übernommen zu haben.

Die “Stern-Bande”, eine jüdische Untergrundorganisation, verübt in Haifa einen Sprengstoffanschlag, bei dem fünf Menschen getötet und 104 verletzt werden.

In Österreich bildet Bundespräsident Karl Renner die Regierung um.

13.1.1947, Montag

Der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg, Otto Dibelius, bittet den Alliierten Kontrollrat um Heizmaterial für die deutsche Bevölkerung und um Einstellung der Flüchtlingstransporte aus dem Osten.

14.1.1947, Dienstag

Der österreichische Bundeskanzler Leopold Figl legt die Richtlinien für die Haltung seiner Regierung bei Verhandlungen mit den Besatzungsmächten über den Staatsvertrag fest.

Während der Kältewelle in Mitteleuropa sind z. B. in Hamburg 30 Menschen erfroren. Etwa 100 erlitten erhebliche Erfrierungen.

15.1.1947, Mittwoch

Der britische Premierminister Clement Attlee kündigt eine britisch-französische Militärallianz an.

Der Oberste Chef der sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland Marschall Wassili D. Sokolowski, gibt eine Erklärung zur Demokratisierung, Demilitarisierung und Entmilitarisierung Deutschlands sowie zu Fragen der Reparationen und der wirtschaftlichen Entwicklung ab.

Vincent Auriol wird zum ersten Präsidenten der Vierten Republik Frankreichs gewählt. Ministerpräsident Leon Blum reicht den Rücktritt seiner sozialistischen Übergangsregierung ein.

Alfred Braun kehrt aus der Emigration nach Berlin zurück. Braun war dort bis 1933 als Radiosprecher, Sendeleiter und Schauspieler tätig.

In der Rekordzeit von 21:11 Min. fliegt eine Gloster-Meteor-Maschine von Paris nach London. Die erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 1020 km/h.

17.1.1947, Freitag

Das französische Außenministerium in Paris veröffentlicht ein Memorandum über die Zukunft Deutschlands.

Vertreter von Großbritannien Frankreich, der USA und der UdSSR einigen sich auf einer Konferenz in London am 14. Januar auf die Präambel eines Staatsvertrags für Österreich.

In Essen vereinbaren der Industrieverband Bergbau und die Alliierte Kohlebehörde eine Sonderzuteilung für Bergarbeiter.

Der ehemalige Kommandant des Konzentrationslagers Dachau, Alexander Piorkowski, wird von einem US-Militärgericht in Dachau zum Tode verurteilt.

Unter dem Vorsitz des ehemaligen britischen Premierministers Winston Churchill wird in London ein Komitee für die Vereinigten Staaten von Europa gebildet.

In der Pariser Galerie de France wird eine Ausstellung eröffnet, die den Einfluss des Malers Paul Cézanne auf die Entwicklung des französischen Impressionismus zeigt.

18.1.1947, Samstag

Die Chinesische Kommunistische Partei lehnt das Angebot der Kuomintang-Regierung ab, an Friedensverhandlungen teilzunehmen.

Eine von der US-Regierung nach Japan entsandte Kommission zur Prüfung der Nachwirkungen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki erstattet ihren ersten Bericht.

19.1.1947, Sonntag

In Polen finden Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung statt. Durch Wahlmanipulation geht der Demokratische Block als Sieger hervor und schaltet die nichtkommunistische Volkspartei aus. Die Westmächte protestieren.

Bei der Einfahrt in den Golf von Peulia sinkt der griechische Dampfer “Himara”. 392 Menschen finden dabei den Tod.

In Stuttgart tagen die Ernährungsminister der Länder der deutschen Bizone.

Zwischen der Bizone und der Ostzone wird ein Handelsabkommen zum gegenseitigen Austausch lebensnotwendiger Rohstoffe und Fertigwaren im Wert von 210 Millionen Mark abgeschlossen.

20.1.1947, Montag

Das Kabinett Alcide De Gasperi in Rom tritt nach der Spaltung der Italienischen Sozialistischen Partei zurück.

Das Land Lippe wird an Nordrhein-Westfalen angegliedert.

21.1.1947, Dienstag

Nach Angaben des österreichischen Innenministeriums sind von 1,2 Millionen österreichischen Kriegsgefangenen bisher 800 000 zurückgekehrt.

Der Premierminister der Südafrikanischen Union, Feldmarschall Jan Christiaan Smuts, erklärt, Südafrika werde der UNO keinen Treuhänderschaftsvertrag für Südwestafrika unterbreiten.

22.1.1947, Mittwoch

450 Hamburger Kinder kehren von einem dreimonatigen Aufenthalt in der Schweiz zurück.

Der ehemalige deutsche Boxweltmeister im Schwergewicht, Max Schmeling, erhält von der US-Militärregierung in Deutschland eine Boxerlaubnis für die US-amerikanische Zone.

Paul Ramadier bildet ein neues französisches Kabinett unter Beteiligung aller führenden Parteien. Georges Bidault gehört der Regierung wieder als Außenminister an.

15 ehemalige Aufseher im Konzentrationslager Flossenbürg werden von einem US-amerikanischen Militärgericht in Dachau zum Tode verurteilt.

Nach einem am 1. Januar gefassten Beschluss der US-amerikanischen Militärregierung in Deutschland wird das Land Bremen aus dem Land- und Stadtgebiet Bremen sowie dem Stadtkreis Wesermünde (heute Bremerhaven) gebildet.

23.1.1947, Donnerstag

Vor dem Rat der Außenminister der Siegermächte in London überreicht die polnische Delegation ein Memorandum zum Friedensvertragsentwurf mit Deutschland.

Zwischen den Regierungen Großbritanniens und der Sowjetunion findet ein Telegrammwechsel über den Bündnisvertrag aus dem Jahre 1943 statt. Eine Verlängerung wird von beiden Seiten mit einer Reihe von Bedingungen verknüpft.

Der sowjetische Partei- und Regierungschef Josef W. Stalin gibt dem Sohn des verstorbenen US-amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, Elliot, ein Interview.

In der indischen Hafenstadt Bombay kommt es zu schweren Unruhen zwischen Hindus und Moslems. Die dort stationierten britischen Truppen werden in Alarmbereitschaft versetzt.

Die Philosophische Fakultät der Universität in Bonn widerruft die 1936 erfolgte Entziehung der Ehrendoktorwürde für den Schriftsteller Thomas Mann.

24.1.1947, Freitag

Die neue griechische Regierung unter Führung des Ministerpräsidenten Demetrios Maximos wird in Athen durch König Georg II. vereidigt.

Die spanische Botschaft in Paris erklärt, dass alle spanischen Emigranten, die binnen eines halben Jahres nach Spanien zurückkehren, amnestiert werden.

Zwischen der US-amerikanischen und britischen Besatzungszone Deutschlands und den Niederlanden wird ein Handelsabkommen abgeschlossen.

25.1.1947, Samstag

Beim Absturz eines philippinischen Flugzeugs in Hongkong kommen vier Insassen ums Leben. Die Maschine hatte außerdem Goldbarren und Münzen im Wert von einer Million Pfund Sterling an Bord, die beim Absturz über ein weites Gebiet verstreut werden.

Der Landtag von Nordrhein-Westfalen beschließt die Enteignung des Kohlebergbaus. Dieser Beschluss wird jedoch nicht durchgeführt.

Polnischen Angaben zufolge sind 2 091 949 Deutsche aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße ausgesiedelt worden.

26.1.1947, Sonntag

Eine britische Delegation christlicher Kirchen, die im Oktober 1946 Deutschland bereist hatte, veröffentlicht einen Bericht. Darin fordert sie u.a., dass die Siegermächte besondere Anstrengungen unternehmen sollen, um der Bevölkerung das Überleben zu sichern.

Auf dem Kopenhagener Flughafen Kastrup stürzt ein niederländisches Flugzeug ab. Unter den Toten befindet sich auch der schwedische Erbprinz Gustav Adolf.

Beim Titelkampf um die Deutsche Mittelgewichtsmeisterschaft der Berufsboxer unterliegt Gustav Eder in der ersten Runde Dietrich Hucks durch K. o.

27.1.1947, Montag

In der US-amerikanischen Besatzungszone Deutschlands sind 143 000 Mann Land- und 38 000 Angehörige der Luftwaffe stationiert.

In Hamburg wird der Zweite Deutsche Studententag der britischen Besatzungszone eröffnet. An ihm nehmen u.a. auch studentische Vertreter aus der US-amerikanischen und aus der Ostzone teil.

Vertreter der dänischen Minorität in Südschleswig überreichen der britischen Besatzungsmacht ein Memorandum, in dem gefordert wird, dass die Region von Deutschland getrennt und autonom verwaltet werden soll.

In London wird die Palästina-Konferenz wieder aufgenommen. An ihr nehmen u.a. acht arabische Staaten teil. Eine Delegation der Jewish Agency ist nicht erschienen.

Eine Kälteweile in Zentraleuropa führt von London bis Rom zu Tiefsttemperaturen von 20 Grad unter Null. Wegen der Kälte müssen in der US-amerikanischen Besatzungszone 75% aller Industriebetriebe stillgelegt werden. In Berlin werden pro Tag bis zu 1000 Menschen mit Erfrierungen in die Krankenhäuser eingeliefert.

In Garmisch-Partenkirchen legen die Eishockey-Spartenleiter der US-amerikanischen, der britischen und der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands den Termin für die Deutsche Eishockeymeisterschaft fest.

28.1.1947, Dienstag

Die Französische Nationalversammlung spricht in Paris dem Kabinett von Paul Ramadier das Vertrauen aus.

Die Veröffentlichung des Buches von Viktor Gollancz, “ln Darkest Germany”, findet in der gesamten Weltpresse große Beachtung. Gollancz stellt einen 14-Punkte-Plan für die britische Politik gegenüber Deutschland auf.

US-Außenminister George C. Marshall protestiert gegen die Manipulationen bei den polnischen Parlamentswahlen.

In einer Rede in Berlin wendet sich der Vorsitzende der SPD, Kurt Schumacher, gegen eine Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze.

29.1.1947, Mittwoch

Vor dem Britischen Oberhaus in London erläutert Unterstaatssekretär Lord Francis Aungier Pakenham die Ziele seiner Regierung gegenüber Österreich. Danach soll es dem Land untersagt werden, sich mit Deutschland zu vereinigen. Außerdem soll Südtirol nicht in Österreich eingegliedert werden.

Das Verteidigungsministerium der USA stellt seine Bemühungen um Vermittlung eines Friedens in China ein.

Arthur Millers Schauspiel “Alle meine Söhne” wird in New York uraufgeführt.

Die fortdauernde Kältewelle in weiten Teilen Europas führt in der Nacht zu Rekordwerten. Während in Deutschland die Temperaturen auf bis zu minus 17 sinken, meldet Nizza an der französischen Riviera minus 28

30.1.1947, Donnerstag

Der Alliierte Kontrollrat in Berlin beschließt die Schaffung von Dienststellen für deutsche Angelegenheiten in neutralen Ländern. Für die Durchführung dieser Aufgaben sind die diplomatischen Vertreter der vier Besatzungsmächte verantwortlich.

Der Schriftsteller und Journalist Alfred Kantorowicz kehrt aus dem Exil in den USA nach Berlin zurück.

31.1.1947, Freitag

In Nürnberg verurteilt eine deutsche Spruchkammer den ehemaligen Sprecher des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda Hans Fritzsche, zu neun Jahren Zwangsarbeit.

Der Vatikan wird von der jugoslawischen Regierung beschuldigt, Kriegsverbrecher zu verstecken und heimlich nach Südamerika zu geleiten.

In Japan verbietet der US-amerikanische Militärgouverneur, General Douglas MacArthur, einen angekündigten Generalstreik von mehr als zwei Millionen Angestellten des öffentlichen Dienstes.

In der US-amerikanischen Besatzungszone sind seit Kriegsende insgesamt 8150 lizenzierte Buchtitel und 245 Zeitschriften verlegt worden.