Was geschah im Januar 1955

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1.1.1955, Samstag

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Walter Freitag, bezeichnet in einer Neujahrs-Grußbotschaft an die Mitglieder des DGB die Einführung der 40-Stunden-Woche als “Hauptforderung für 1955”.

In Marl wird das Volksbildungswerk “Insel” eröffnet, das erste Zentrum für Erwachsenenbildung in der Bundesrepublik.

Die deutsche Eishockeynationalmannschaft verliert in Garmisch-Partenkirchen ein Freundschaftsspiel gegen die Mannschaft der CSSR mit 0:8.

Der finnische Skispringer Aulis Kallakorpi gewinnt in Garmisch-Partenkirchen das traditionelle Neujahrsspringen.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beträgt die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik Deutschland z. Z. rund 1 288 000. Davon sind rund 842 000 Männer. Gegenüber Januar des Vorjahres ist die Arbeitslosenzahl um rund 237 000 gesunken.

2.1.1955, Sonntag

In Panama-Stadt erliegt der panamesische Präsident José Antonio Ramón Cantero den Folgen eines Attentats linksgerichteter Rebellen. Die Amtsgeschäfte übernimmt vorübergehend Vizepräsident José Ramón Guizado.

Der deutsche Bergsteiger Hans Ertl entdeckt im südamerikanischen Urwald in der Nähe des Flusses Rio Chinijo das Inka-Heiligtum Paititi. Der aus dem 14. Jahrhundert stammende und in vielen Legenden erwähnte Tempel war in den letzten Jahrzehnten vergeblich von Forschern gesucht worden.

3.1.1955, Montag

Die US-amerikanische Regierung in Washington verfügt für sowjetische Staatsbürger, die sich in den Vereinigten Staaten aufhalten, Reisebeschränkungen. Sowjetbürger, die über einen gewöhnlichen oder einen Diplomatenpassverfügen, müssen Reisen innerhalb der USA 48 Stunden vor Antritt den Behörden melden.

Weite Regionen Mittel- und Südeuropas werden von einer Kältewelle heimgesucht. In Südfrankreich sinken die Temperaturen auf minus 18

4.1.1955, Dienstag

Nach Angaben des Innenministeriums in Bonn wird die Versorgung von Ordensträgern aufgenommen. Für den “Ehrensold”, in dessen Genuss verdiente Soldaten des Ersten Weltkrieges kommen, sind im Haushalt für das Jahr 1955 1 Mio. DM vorgesehen. Die SPD protestiert scharf gegen diese Maßnahme.

Die Berliner Dienststelle der Care-Hilfe beginnt mit der Verteilung von 170 000 Lebensmittelpaketen, die von der US-Bevölkerung für Bedürftige gespendet wurden.

5.1.1955, Mittwoch

In Berlin (Ost) fordert der Ausschuss für Deutsche Einheit in der DDR in einer “Erklärung an alle Deutschen” zum außerparlamentarischen Kampf gegen die Pariser Verträge auf. In ihnen ist u.a. die Wiederbewaffnung sowie der Eintritt der Bundesrepublik Deutschland in die NATO vereinbart worden.

Regierungsvertreter der USA und Jugoslawiens unterzeichnen in Washington ein Handels- und Hilfsabkommen; u.a. werden die USA 425 000 t Weizen an Jugoslawien liefern.

Bei Santa Cruz wird das letzte Teilstück der Eisenbahnverbindung Chile-Brasilien dem Verkehr übergeben. Damit ist die erste durchgehende Bahnstrecke Südamerikas zwischen Pazifik und Atlantik fertiggestellt.

6.1.1955, Donnerstag

Der Sicherheitsbeauftragte der Bundesregierung, Theodor Blank (CDU), lehnt vor der Presse in Bonn die von verschiedenen Seiten gemachten Vorschläge zum Aufbau eines kleinen stehenden Heeres und einer starken Miliz als ungenügend ab. Es sei ein ausreichend dimensioniertes Heer mit modern ausgerüsteten Streitkräften erforderlich.

In seiner “State of the Union”-Botschaft an den Kongress fordert US-Präsident Dwight D. Eisenhower eine Stärkung der Verteidigungsbereitschaft und kündigt eine umfassende Modernisierung der US-Armee an.

In Washington billigt der US-amerikanische Senat den am 2. Dezember 1954 zwischen den Vereinigten Staaten und Formosa geschlossenen Beistandspakt, der u.a. Angriffe Formosas auf das chinesische Festland von der Zustimmung der USA abhängig macht. Am 14. Januar billigt die Nationalversammlung Formosas den Vertrag.

In Alamogordo (US-Bundesstaat New Mexico) stellt John P. Stapp einen Geschwindigkeitsweltrekord für Landfahrzeuge auf. Mit einem raketengetriebenen Schlitten erreicht er eine Höchstgeschwindigkeit von 1012 km/h.

In München wird der deutsche Spielfilm “Die Stadt ist voller Geheimnisse” uraufgeführt. Regie führt Fritz Kortner, eine der Hauptrollen spielt Grete Weiser.

7.1.1955, Freitag

Der Ministerrat der DDR verfügt in Berlin (Ost) eine Reihe von strukturellen Änderungen im Regierungsapparat, u.a. wird das Staatssekretariat für Berufsausbildung mit dem Ministerium für Arbeit und Berufsausbildung zusammengelegt.

An der New Yorker Metropolitan Opera tritt als erste Schwarze die Sängerin Marian Anderson auf. Die Altistin singt die Rolle der Wahrsagerin Ulrica in Verdis “Maskenball”.

Nach Angaben der Bundesregierung sind in den letzten zwölf Monaten rund 200 000 Menschen aus der DDR geflüchtet, davon 104 000 nach Berlin (West).

Die Landespostdirektion Berlin (West) trennt sämtliche in den Ostteil der Stadt führende Telefonleitungen, nachdem am Vortag ein Beamter der Vermittlungstelle Charlottenburg der Spionage für den DDR-Staatssicherheitsdienst überführt wurde.

8.1.1955, Samstag

Die italienische Regierung gibt in Rom ein Zehn-Jahres-Programm zur Gesundung der Wirtschaft und zur Schaffung von Arbeitsplätzen bekannt. In den Straßen-, Wohnungs- und Kraftwerksbau sowie die Urbarmachung von 4 Mio. ha Land sollen mit US-amerikanischer Hilfe rund 200 Mrd. DM investiert werden.

In Hannover beginnt ein Großversuch zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Gefährliche Kreuzungen werden mit einem neuartigen gelben Licht ausgeleuchtet, um die Kraftfahrer nachts frühzeitig vor Gefahrenstellen zu warnen.

9.1.1955, Sonntag

In Bonn erklärt Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard im Vorfeld der Verhandlungen über einen Rüstungspool der Westeuropäischen Union, die Bundesregierung werde auf ihrem Recht bestehen, sämtliche Rüstungsgüter, auf deren Produktion sie vertraglich nicht ausdrücklich verzichtet hat, in der Bundesrepublik fertigen zu lassen.

Auf dem Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart übt der frühere Ministerpräsident von Württemberg-Baden und Baden-Württemberg, Reinhold Maier, Kritik an der Außenpolitik der Bundesregierung. Nach seiner Ansicht fehle es am Willen zur Wiedervereinigung, diese müsse endlich konkret verfolgt werden.

Die Regierung der DDR verhängt in Berlin (Ost) drastische Beschränkungen im Lebensmittelverkauf an Westberliner und Westdeutsche. Dadurch soll das “Spekulanten- und Schiebertum” bekämpft werden.

10.1.1955, Montag

In Washington kündigt der US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower soziale Verbesserungen und die vermehrte Vergabe von öffentlichen Arbeiten an. Insgesamt sollen rund zwölf Mrd. US-Dollar (50,4 Mrd. DM) aufgewendet werden.

11.1.1955, Dienstag

In Berlin (West) wählt das Abgeordnetenhaus mit den Stimmen von SPD und CDU den Sozialdemokraten Otto Suhr als Nachfolger Walther Schreibers (CDU) zum Regierenden Bürgermeister der Stadt. Präsident des Abgeordnetenhauses wird Willy Brandt (SPD).

Die japanische Regierung in Tokio erlässt ein Zehn-Jahres-Programm zur Auswanderung. Japaner, die in ihrem übervölkerten Heimatland keine Arbeit finden können, sollen mit finanzieller Unterstützung durch den Staat nach Südamerika auswandern können. Bis 1955 sollen rund 400 000 Japaner ausgesiedelt werden.

Das Opium-Komitee in Genf, eine Einrichtung der Vereinten Nationen, warnt vor einem Anstieg des Rauschgiftkonsums in den USA und Westeuropa. Der Verbrauch an Opium, Heroin und Morphium sei seit 1949 besorgniserregend gestiegen.

12.1.1955, Mittwoch

Der bayerische Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) verliest vor dem Landtag in München die Regierungserklärung des neuen Koalitionskabinetts von SPD, FDP, BHE und Bayernpartei. Kernpunkte der Erklärung sind die Absage an zentralistische Tendenzen sowie die Förderung des Mittelstandes.

In Bagdad trifft der türkische Ministerpräsident Adnan Menderes mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri As Said zusammen. Die beiden Politiker verhandeln während ihrer Zusammenkunft über den Abschluss eines Verteidigungsbündnisses zwischen den beiden Staaten.

US-Präsident Eisenhower spricht sich gegenüber dem Kongress für die Bildung einer Freiwilligen-Reserve von 100 000 Mann sowie einer allgemeinen Reserve von 3 Mio. Mann zur Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft aus.

13.1.1955, Donnerstag

Robert Ernst, der ehemalige Bürgermeister von Straßburg während der deutschen Besetzung Frankreichs, wird in Metz wegen Kollaboration zu acht Jahren Zwangsarbeit, zur Herausgabe seines Vermögens und zu einem 20-Jährigen Aufenthaltsverbot verurteilt. Da Ernst bereits seit neun Jahren in Haft ist, wird er nach der Urteilsverkündung auf freien Fuß gesetzt.

14.1.1955, Freitag

In München wird der deutsche Spielfilm “Ludwig II.” uraufgeführt. Unter der Regie von Helmut Käutner spielt O. W. Fischer die Rolle des bayerischen Monarchen. In weiteren Hauptrollen sind Ruth Leuwerik, Marianne Koch und Klaus Kinski zu sehen.

Bundespräsident Theodor Heuss verleiht in der Bundeshauptstadt Bonn dem Schriftsteller Hermann Hesse, dem Arzt, Philosophen und Musiker Albert Schweitzer sowie dem schweizerischen Schriftsteller und Diplomaten Carl Jacob Burckhardt den deutschen Pour-le-mérite-Orden der Friedensklasse.

In Baden-Baden erörtert Bundeskanzler Konrad Adenauer mit dem französischen Ministerpräsidenten Pierre Mendès-France Fragen der Rüstungsproduktion, der Durchführung des Saarabkommens und der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.

Der geschäftsführende Präsident Panamas, José Ramón Guizado, wird unter dem Vorwurf der Mitwisserschaft am Mord des Amtsvorgängers José Antonio Ramón Cantero verhaftet. Die panamesische Nationalversammlung vereidigt den bisherigen Außenminister Ricardo Arias Espinosa zum neuen Präsidenten.

15.1.1955, Samstag

In München wird unter Beteiligung von deutscher Filmprominenz der “Gloria-Filmball” veranstaltet.

Die sowjetische Regierung warnt in einer Erklärung zur Deutschlandfrage die deutsche Bundesregierung nachdrücklich vor dem Eintritt in die NATO. Nur wenn die Bundesrepublik nicht in das westliche Verteidigungsbündnis eintrete, könnten über freie Wahlen in der DDR sowie über die deutsche Wiedervereinigung verhandelt werden.

16.1.1955, Sonntag

Der Bayerische Gewerkschaftsbund fordert in München den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) auf, Maßnahmen gegen die deutsche Wiederbewaffnung zu ergreifen; u.a. sollen Unterschriften gesammelt, Volksbegehren beantragt, eine Abstimmung der rund 6 Mio. DGB-Mitglieder durchgeführt sowie Protestaktionen veranstaltet werden.

Im Berliner Sportpalast wird der Düsseldorfer Tilo Gutzeit Deutscher Eiskunstlaufmeister. Den Titel der Damen gewinnt Rosl Pettinger; Deutsche Meister im Paarlauf werden nach einer umstrittenen Kampfrichterwertung Marika Kilius und Franz Ningel.

Der argentinische Rennfahrer Juan Manuel Fangio gewinnt auf Mercedes in Buenos Aires den Großen Preis von Argentinien.

17.1.1955, Montag

In Moskau erklärt die sowjetische Staatsführung ihre grundsätzliche Bereitschaft, Erkenntnisse über die friedliche Nutzung der Kernenergie an andere Länder weiterzugeben.

In Groton (US-Bundesstaat Connecticut) startet der “Nautilus”, das erste atomgetriebene Unterseeboot, zu seiner Jungfernfahrt.

18.1.1955, Dienstag

In Costa Rica schlägt die Armee eine Invasion in Nicaragua ausgebildeter Rebellen zurück. Die Rebellen hatten am 10. Januar, von Luftstreitkräften unterstützt, die Grenze überschritten und konnten nur mit Hilfe von aus den USA, Mexiko und Uruguay zur Verfügung gestellten Kampfflugzeugen gestoppt werden.

Die Rote Armee der Volksrepublik China besetzt nach einem heftigen Gefecht, an dem mehr als 60 Flugzeuge beteiligt waren, einen nördlich von Formosa (heute: Taiwan) gelegenen nationalchinesischen Stützpunkt auf der Insel Jikiangschan.

In Madrid stellt der spanische Staatschef Francisco Franco Bahamonde der Öffentlichkeit Prinz Juan Carlos als künftigen spanischen Thronfolger vor.

19.1.1955, Mittwoch

Der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn stellt in Wiesbaden sein Kabinett vor, dem Minister der SPD und des Gesamtdeutschen Blocks (BHE) angehören. Der Landtag spricht der Regierung mit 50 gegen 44 Stimmen das Vertrauen aus.

In den Dingolfinger Hans-Glas-Werken laufen die ersten Exemplare des neuentwickelten Kleinwagens “Goggomobil” vom Band.

20.1.1955, Donnerstag

Der Ministerrat der DDR betont in einer Stellungnahme zur Deutschland-Erklärung der UdSSR vom 15. Januar seine grundsätzliche Bereitschaft, Verhandlungen über die Wiedervereinigung aufzunehmen.

Die sowjetische Regierung übermittelt den Regierungen Frankreichs und Großbritanniens eine Note, in der sie für den Fall der Ratifizierung der Pariser Verträge mit der Kündigung der 1944 geschlossenen französisch-sowjetischen bzw. britisch-sowjetischen Bündnisverträge droht.

21.1.1955, Freitag

Der tschechoslowakische Außenminister Vaclav David erklärt vor der Nationalversammlung in Prag, die Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland könnten erweitert und normalisiert werden. Im Falle einer deutschen Wiedervereinigung bestünden große Möglichkeiten zu einer engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der CSSR und Deutschland.

Die Deutsche Bundesbahn nimmt die ersten Diesel-Triebwagen einer neuentwickelten Baureihe für den Nahverkehr in Betrieb. Die Züge erreichen eine Geschwindigkeit von 90 km/h und bieten 180 Reisenden Platz.

22.1.1955, Samstag

Im Durchgangslager Friedland bei Göttingen trifft nach dreimonatiger Pause erstmals wieder eine Gruppe von 108 Heimkehrern aus der Sowjetunion ein.

König Håkon von Norwegen ernennt den Sozialdemokraten Einar Gerhardsen zum Ministerpräsidenten des Landes. Gerhardsen tritt die Amtsnachfolge seines Parteigenossen Oscar Torp an, der am 14. Januar nach innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten seinen Rücktritt erklärt hatte.

Im Ruhrgebiet treten rund 79 000 Bergleute in einen Generalstreik, um vor einem Abbau des Mitbestimmungsrechts zu warnen. Der Streik bricht aus, nachdem der Generaldirektor der Gutehoffnungshütte, Hermann Reusch, das Mitbestimmungsrecht in der Montanindustrie als Ergebnis einer Erpressung durch die Gewerkschaften bezeichnet hatte.

Die Landesversammlung der CSU wählt in München den früheren bayerischen Wirtschaftsminister Hanns Seidel zum Landesvorsitzenden.

23.1.1955, Sonntag

In der französischen Hauptstadt Paris endet der V. Kongress der Union der Europäischen Föderalisten. Während der zweitägigen Konferenz beklagten die Teilnehmer, dass durch die Pariser Verträge die europäische Einigungspolitik gescheitert sei.

Im schweizerischen Wintersportort St. Moritz wird Fritz Feierabend zum sechsten Mal Weltmeister im Zweierbob.

24.1.1955, Montag

In einer Botschaft an den Kongress über den Konflikt zwischen der Volksrepublik China und Formosa erklärt der US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower, die Vereinigten Staaten müssten militärische Maßnahmen zum Schutz Nationalchinas erwägen.

Der chinesische Außenminister und Vorsitzende des Staatsrates der Volksrepublik, Zhou Enlai, lehnt einen Waffenstillstand mit Formosa ab, da die Insel Bestandteil des chinesischen Staatsgebietes sei. Jegliche Aktionen Dritter seien eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Volksrepublik China.

Paris wird infolge des seit Tagen anhaltenden Hochwassers der Seine von einer Rattenplage heimgesucht. Nach Angaben des Magistrats flüchteten rund 500 000 Ratten aus der überschwemmten Kanalisation in die Stadt.

25.1.1955, Dienstag

In Moskau erklärt das Präsidium des Obersten Sowjet offiziell den Kriegszustand mit Deutschland für beendet. Der Oberste Sowjet bezeichnet die Wiedervereinigung als eine rein deutsche Angelegenheit und kündigt an, die Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland normalisieren zu wollen.

Der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Jugoslawiens, Milovan Djilas, wird in Belgrad unter dem Vorwurf staatsfeindlicher Aktivitäten zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, nachdem er sich in Interviews mit westlichen Zeitungen für eine Demokratisierung in Jugoslawien ausgesprochen hatte.

26.1.1955, Mittwoch

Nach Angaben der Bundesregierung betreibt die DDR auf ihrem Staatsgebiet 343 Rundfunksender, mehr als jedes andere Land in Europa. Allerdings dienen nur fünf Sender der Verbreitung von Hörfunkprogrammen, 338 Sender würden zum Zwecke der Störung von westlichen Rundfunksendern arbeiten.

Der französische Ministerpräsident Mendès-France ernennt in Paris Jacques Soustelle zum Generalgouverneur von Algerien. Soustelle gilt als ein Verfechter von Reformen zugunsten der algerischen Bevölkerung.

27.1.1955, Donnerstag

In London erklärt die britische Regierung ihre Bereitschaft, innerhalb der nächsten sechs Jahre die Gleichstellung der im öffentlichen Dienst beschäftigten Männer und Frauen einzuführen. Dies betrifft sowohl die Bezahlung als auch die Vergabe von Ämtern.

Im Deutschen Bundestag in Bonn werden neue Protokollarien eingeführt. Zur Eröffnung einer Plenarsitzung erscheint der Vizepräsident des Parlamentes, Carlo Schmid, in einem Cut, begleitet vom Bundestagsdirektor und zwei Parlamentsdienern. Die Abgeordneten erheben sich von den Plätzen. Dadurch soll die Würde des Parlamentes unterstrichen werden.

28.1.1955, Freitag

Die US-Armee verlegt Streitkräfte, darunter ein Geschwader mit 75 Düsenjägern, von Japan nach Formosa.

29.1.1955, Samstag

In der Frankfurter Paulskirche wird auf einer Kundgebung, an der u.a. der Soziologe Alfred Weber, der Theologe Helmut Gollwitzer und die Politiker Gustav Heinemann, Erich Ollenhauer und Carlo Schmid teilnehmen, das “Deutsche Manifest” verabschiedet. Darin wird gefordert, Viermächteverhandlungen über die Wiedervereinigung den Vorrang gegenüber dem Beitritt zum westlichen Verteidigungsbündnis einzuräumen.

In Berlin (West) eröffnet Bundespräsident Theodor Heuss die Landwirtschaftsausstellung “Grüne Woche”.

30.1.1955, Sonntag

Nach der Abspaltung der neuen Demokratischen Partei von der Liberalen Partei löst der japanische Ministerpräsident Ijiro Hatoyama das Parlament auf und schreibt für den 27. Februar Neuwahlen aus.

Nach neun Jahren stellt in Berlin “Die Neue Zeitung” ihr Erscheinen ein. Die von den US-Besatzungsbehörden gegründete Zeitung litt seit Anfang der 50er Jahre unter starkem Auflagenschwund.

Bei der Eiskunstlauf-Europameisterschaft in Budapest erringt die 15-Jährige Hanna Eigl aus Österreich den Titel. Europameister der Herren wird Alain Giletti (Frankreich). Das Paarlaufen gewinnen die Geschwister Marianne und László Nagy (Ungarn) vor den Tschechoslowaken Suchankova/Dolezal und den Deutschen Marika Kilius und Franz Ningel.

Nach seinem 4:1-Erfolg über den SC Riessersee gewinnt der EV Füssen die Deutsche Meisterschaft im Eishockey.

31.1.1955, Montag

Nach Angaben des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen ist in der DDR die Kasernierte Volkspolizei (KVP) auf 100 000 Mann verstärkt worden. Damit habe die KVP die Truppenstärke der früheren deutschen Reichswehr erreicht.