Was geschah im Januar 1990

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1.1.1990, Montag

In der Bundesrepublik Deutschland tritt ein neuer Bußgeldkatalog in Kraft, der die Strafen für Verkehrssünder erheblich verschärft. In einem Bundeszentralregister werden die Verstöße auf einem Punktekonto gesammelt. Bei 18 Punkten wird ein Fahrverbot verhängt.

Über 500 000 Menschen bejubeln bei den Silvesterfeiern in Berlin die friedliche Revolution in der DDR und den Fall der Mauer. Die Stimmung wird von einem schweren Unfall überschattet, als am Brandenburger Tor ein Gerüst zusammenbricht.

Der nordkoreanische Staats- und Parteichef Kim Il Sung bietet Südkorea Gespräche über eine Grenzöffnung und Reisefreiheit zwischen den beiden Teilen der Halbinsel an. Der südkoreanische Staatspräsident Roh Tae Woh spricht sich daraufhin am 10. Januar für ein Gipfeltreffen mit Kim Il Sung aus, das noch in diesem Jahr stattfinden soll.

In Polen steigen die Preise zum neuen Jahr erheblich: Kohle etwa um 600, Gas um 400%. Damit wird der im Dezember verabschiedete Wirtschaftspakt umgesetzt, der den Aufbau einer Marktwirtschaft voranbringen soll. Am 17. Januar kommt es zu weiteren Preisanhebungen.

2.1.1990, Dienstag

Der neue tschechoslowakische Staatspräsident Václav Hável trifft im Rahmen seines ersten offiziellen Auslandsbesuchs, der ihn in die DDR führte, auch zu einer Visite in München ein. Zu seinen Gesprächspartnern zählen Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl.

Der Maler Anselm Kiefer erhält den Kunstpreis der israelischen Wolf-Stiftung, der mit 100 000 US-Dollar dotiert ist. Am 5. Januar wird Kiefer auch der Kaiserring der Stadt Goslar zugesprochen.

3.1.1990, Mittwoch

Aserbaidschanische Demonstranten zerstören die Anlagen an der sowjetischen Grenze in den Iran. Sie fordern die Vereinigung der Sowjetrepublik mit ihren Volksangehörigen im Iran. Die sowjetische Führung reagiert auf die Unruhen mit einer Verstärkung der Grenzanlagen.

General Manuel Noriega, gestürzter Diktator Panamas, verlässt die vatikanische Botschaft, in die er sich nach der Invasion von US-Truppen am 24. Dezember 1989 geflüchtet hatte. In den USA erwartet ihn ein Prozess wegen Drogenschmuggels.

In Berlin (Ost) demonstrieren rund 250 000 Menschen gegen den Rechtsradikalismus. Die SED-PDS fordert dabei die Gründung eines neuen DDR-Geheimdienstes.

In der bulgarischen Hauptstadt Sofia beginnen Verhandlungen zwischen der Kommunistischen Partei (KP) und der Opposition über die Lage des Landes. Als Ergebnis der Gespräche am 15. Januar streicht das Parlament die Führungsrolle der KP aus der Verfassung.

4.1.1990, Donnerstag

Die DDR-Opposition schließt sich für die kommenden Wahlen zur Volkskammer in einem Bündnis zusammen, aus dem sich aber die Sozialdemokraten nur wenige Tage später wieder zurückziehen. Das Bündnis vereinigt u.a. das Neue Forum und den Demokratischen Aufbruch.

Die neue rumänische Führung erlässt eine Amnestie für alle politischen Gefangenen, die in der Diktatur seit 1947 abgeurteilt wurden.

5.1.1990, Freitag

Insgesamt 343 854 Übersiedler aus der DDR sind im Vorjahr in die Bundesrepublik abgewandert, teilt die Bundesregierung mit.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel an der Unterelbe muss kurz nach der erneuten Inbetriebnahme wieder abgeschaltet werden, nachdem es zuvor drei Monate lang außer Betrieb war. Grund sei ein Sicherheitsventil, das sich bei einem Test nicht geschlossen habe, erklären die Hamburgischen Elektrizitätswerke als Betreiber der Anlage.

6.1.1990, Samstag

In Leipzig schließen sich die “Christlich-Soziale Union/Freie Demokratische Union” (CSU/FDU) als neue DDR-Partei zusammen.

Der sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse sichert der rumänischen Führung bei einem Besuch in Bukarest höhere Gas- und Öllieferungen als Soforthilfe zu.

Als erster westdeutscher Skispringer seit 30 Jahren gewinnt der Hinterzartener Dieter Thoma die Vierschanzentournee.

7.1.1990, Sonntag

Der Staatspräsident von El Salvador, Alfredo Christiani, gibt die Ermordung von sechs Jesuitenpadres und zwei Frauen durch neun Soldaten zu. Die Tat geschah bereits am 16. November des Vorjahres.

8.1.1990, Montag

Die DDR-Opposition kritisiert einen Bericht des Regierungsbeauftragten zur Auflösung des Staatssicherheitsdienstes, Peter Koch, als “völlig unzureichend”. Die Regierung Hans Modrow wird zur umgehenden Stellungnahme aufgefordert.

In Ungarn werden die Preise für Lebensmittel drastisch um ein Viertel angehoben. Die Mieten steigen um 35%. Auch Alkoholika, Benzin, Autos und Zigaretten werden erheblich teurer.

9.1.1990, Dienstag

Die tschechoslowakische Regierung fordert die UdSSR auf, ihre im Lande stationierten Truppen bis Ende des Jahres abzuziehen. Am 15. Januar beginnen in Prag Verhandlungen über diese Frage.

Der ehemalige DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski wird aus der West-Berliner Haft entlassen. Der Generalstaatsanwalt lehnt eine Auslieferung an die DDR ab. Die dortigen Behörden werfen Schalck-Golodkowski Untreue vor.

In der bulgarischen Hauptstadt Sofia treffen sich erstmals seit den politischen Umwälzungen in Osteuropa die Regierungschefs des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW / Comecon). Sie einigen sich auf die Einsetzung einer Kommission, mit der eine durchdringende Reform des Rates eingeleitet werden soll.

10.1.1990, Mittwoch

Die chinesische Führung hebt den Ausnahmezustand über Teile der Hauptstadt Peking wieder auf. Er war bei der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 20. Mai 1989 verhängt worden.

Der größte deutsche Elektro-Konzern, die Münchener Siemens AG, übernimmt den Paderborner Computer-Hersteller Nixdorf AG. 5000 Beschäftigte werden entlassen.

11.1.1990, Donnerstag

Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow appelliert bei einem Staatsbesuch in Litauen an die Bevölkerung, die Einheit der Union zu bewahren. Etwa 500 000 Menschen demonstrieren für die Unabhängigkeit des Landes.

In Lettland streicht das Parlament die führende Rolle der Kommunistischen Partei aus der Verfassung. Der Oberste Sowjet macht so den Weg zu einem Mehrparteiensystem frei.

Erstmals in Europa pflanzen Hannoveraner Chirurgen einem Menschen zwei neue Lungenflügel ein.

Rudi Lochner und Markus Zimmermann werden in Königssee Deutsche Meister im Zweierbob. Am 14. Januar feiern Lochner und Zimmermann zusammen mit Uwe Höring und Mathias Zieschang auch den Titel im Viererbob.

12.1.1990, Freitag

DDR-Ministerpräsident Hans Modrow (SED-PDS) will darauf verzichten, in der DDR einen neuen Geheimdienst einzurichten. Damit soll verhindert werden, dass seine Koalition mit den ehemaligen SED-Blockparteien zusammenbricht.

Nach tagelangen Unruhen verkündet in Rumänien die regierende “Front der nationalen Rettung” ein Verbot der Kommunistischen Partei, das aber bereits am 28. Januar wieder zurückgezogen wird.

13.1.1990, Samstag

Die “Sozialdemokratische Partei der DDR” (SDP) beschließt bei ihrer ersten landesweiten Konferenz die Umbenennung in SPD. Die 450 Delegierten, die insgesamt 72 000 Mitglieder vertreten, bekennen sich zur baldigen Vollendung der deutschen Einheit.

Das Deutsche Theater in Berlin (Ost) bringt Ulrich Plenzdorfs Stück “Kein Runter, kein Fern” als Uraufführung auf die Bühne.

Bei der Notlandung eines sowjetischen Verkehrsflugzeugs im südlichen Uralgebiet kommen 23 Menschen ums Leben.

14.1.1990, Sonntag

Aserbaidschanische Nationalisten verfolgen in der Hauptstadt Baku und anderen Orten der Kaukasus-Republik Armenier. Hintergrund ist der Streit um die Enklave Berg-Karabach. Bei den Ausschreitungen werden 100 Menschen getötet. Tags darauf verhängt das Präsidium des Obersten Sowjets den Ausnahmezustand über Berg-Karabach und andere Teile Aserbaidschans.

43 Menschen ersticken bei einem Diskotheken-Brand in der spanischen Stadt Zaragoza. Sie finden die Notausgänge nicht und werden bei der ausbrechenden Panik von anderen Flüchtenden z.T. niedergetrampelt.

5000 Menschen demonstrieren in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator gegen die Herrschaft der kommunistischen Mongolischen Revolutionären Volkspartei und für eine Demokratisierung. Die Regierung kündigt eine Woche später umfassende Reformen zur Verbesserung der Lebensumstände an.

15.1.1990, Montag

2000 Personen stürmen die Zentrale des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR in Berlin (Ost) und verwüsten einige Räume. In zahlreichen Städten demonstrieren 100 000 Anhänger des Neuen Forums gegen die zögerliche Auflösung der Geheimpolizei.

Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher spricht bei seinem Besuch in Rumänien sowohl mit der neuen politischen Führung des Landes als auch mit Vertretern der deutschen Minderheit. 80% der rund 220 000 Rumäniendeutschen haben Ausreiseanträge gestellt.

In Genf beginnt die 6. Runde der sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen über die Begrenzung von Atomtests.

Das bulgarische Parlament garantiert die religiösen und kulturellen Rechte der türkischen Minderheit im Lande, lehnt aber eine Autonomie ihres Gebietes ab. Die Abgeordneten streichen die führende Rolle der Kommunistischen Partei aus der Verfassung. Am Tag darauf beginnen Verhandlungen am “Runden Tisch” zwischen der Regierung und der Opposition über die Zukunft des Landes.

16.1.1990, Dienstag

Der Finne Ari Vatanen gewinnt die Rallye Paris- Dakar zum dritten Mal. Sein Vorsprung beträgt 1:09 h. Bei der Wüstenrallye sterben mehrere Menschen, darunter ein finnischer Journalist.

Die Vereinten Nationen übernehmen die Verwaltung Kambodschas bis zu den kommenden freien Wahlen. Darauf verständigen sich die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates (USA, UdSSR, China, Großbritannien und Frankreich) in New York. Auf die Vereinten Nationen kommt damit die größte Friedensaktion ihrer Geschichte zu, die erst im Mai 1993 abgeschlossen wird.

Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg (CDU) versetzt Flottillenadmiral Elmar Schmähling ohne Angabe von Gründen in den einstweiligen Ruhestand. Schmähling gilt als Kritiker des offiziellen verteidigungspolitischen Kurses der Bonner Bundesregierung.

17.1.1990, Mittwoch

Die kolumbianische Drogenmafia will mit der Regierung verhandeln und bietet ein Ende ihres “totalen Krieges” mit der Regierung an, die Führung lehnt allerdings das Angebot noch am gleichen Tag ab..

Ein Ölteppich verseucht die Küsten der portugiesischen Inseln Porto Santo und Madeira im Atlantik. Der am 29. Dezember 1989 leckgeschlagene spanische Tanker “Aragon” ist Verursacher der Umweltverschmutzung.

Das Europäische Parlament in Straßburg verleiht dem tschechoslowakischen Parlamentspräsidenten Alexander Dubcek den Sacharow-Preis. Dubcek ist die Symbolfigur des “Prager Frühlings” von 1968, bei dem sowjetische Panzer die erste Demokratisierungswelle im Ostblock niederschlugen.

18.1.1990, Donnerstag

Der frühere bulgarische Staats- und Parteichef Todor Schiwkow wird verhaftet. Schiwkow wird die Aufwiegelung zum Haß gegen Volksgruppen und unrechtmäßige Bereicherung am Volkseigentum vorgeworfen.

Der tschechoslowakische Ministerpräsident Marian Kalfa tritt aus der Kommunistischen Partei aus.

Nach einem Bericht der US-Menschenrechtsorganisation “African Watch” sind im somalischen Bürgerkrieg seit 1988 bis zu 60 000 Menschen umgekommen. 400 000 seien ins Ausland geflohen.

Der Washingtoner Oberbürgermeister Marion Barry wird wegen Drogenmissbrauchs verhaftet.

19.1.1990, Freitag

Der langjährige SPD-Fraktionschef im Bundestag, Herbert Wehner, stirbt im Alter von 83 Jahren in Bonn.

Die indischen Unionsstaaten Jammu und Kaschmir werden nach blutigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Moslems der Zentralregierung direkt unterstellt Die Kämpfe haben bis zu 200 Todesopfer gefordert.

20.1.1990, Samstag

Der Parteivorstand der in SED-PDS umbenannten, ehemaligen DDR-Staatspartei lehnt eine Selbstauflösung ab. Der kurzzeitige Staats- und Parteichef Egon Krenz wird aus der Partei ausgeschlossen. Die SED-PDS hat noch 1,2 Mio. Mitglieder.

In Leipzig schließen sich zwölf Oppositionsgruppen zur konservativen Deutschen Sozialen Union (DSU) zusammen. Erster Vorsitzender ist der Pfarrer Hans-Wilhelm Ebeling. Die DSU wird von der bayerischen CSU unterstützt.

Einheiten der sowjetischen Armee marschieren in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ein, um dort die blutigen Auseinandersetzungen um die Enklave Berg-Karabach zu beenden.

21.1.1990, Sonntag

Der haitianische Diktator General Prosper Avril verhängt den Ausnahmezustand über sein Land und geht massiv gegen Oppositionelle vor. Proteste aus dem In- und Ausland erzwingen am 29. Januar das Ende des Ausnahmezustandes.

In der Ukraine demonstrieren 100 000 Teilnehmer mit einer 500 km langen Menschenkette für die Unabhängigkeit von der UdSSR.

Als erster Spieler in der fast 100-Jährigen Geschichte der offenen australischen Tennismeisterschaften in Melbourne wird mit dem US-Amerikaner John McEnroe ein Spieler wegen “ungebührlichen Benehmens” disqualifiziert.

22.1.1990, Montag

Die Grenzen zwischen der Arabischen Republik Jemen und der Demokratischen Volksrepublik Jemen werden ab sofort geöffnet. Damit vollziehen die beiden Staaten den ersten Schritt auf dem Weg zur Einheit.

DDR-Ministerpräsident Hans Modrow schlägt den Oppositionsgruppen vor, sich an einer neuen Regierungskoalition zu beteiligen.

DDR-Finanzministerin Uta Nickel (SED-PDS) tritt wegen des Vorwurfs der Untreue zurück. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen ihrer Tätigkeit als Finanzverantwortliche im Amtsbezirk Leipzig. Uta Nickel bestreitet die Vorwürfe.

Die DDR-Behörden bestätigen einen Bericht des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel”, nach dem 1976 im DDR-Kernkraftwerk Lubmin bei Greifswald eine Kernschmelze nur knapp vermieden werden konnte. Am 14. und 26. Februar werden zwei Blöcke des Atomkraftwerkes abgeschaltet Schwere Zwischenfälle werden bald darauf auch aus anderen DDR-Kraftwerken bekannt.

23.1.1990, Dienstag

Der ungarische Ministerpräsident Miklos Németh gibt bekannt, dass die sowjetischen Truppen bis Ende 1991 das Land verlassen sollen. Die UdSSR ist zum Abzug der 52 000 Mann bereit.

Die slowenischen Delegierten verlassen den Parteitag des jugoslawischen Bundes der Kommunisten. Damit zeichnet sich die Lähmung der Partei und die Auflösung Jugoslawiens ab.

24.1.1990, Mittwoch

Bis zu 40 000 Albaner beteiligen sich an Demonstrationen im jugoslawischen Provinz Kosovo. Die Sicherheitskräfte gehen mit Gewalt gegen die Demonstranten vor. Rund 30 Menschen werden getötet.

Der japanische Regierungschef Toshiki Kaifu löst das Parlament auf und setzt für den 18. Februar Neuwahlen an.

Der deutsche Komponist Hans Werner Henze erhält den mit 150 000 DM dotierten Ernst-von-Siemens-Musikpreis.

25.1.1990, Donnerstag

US-Präsident George Bush gibt ein Hilfsprogramm für Panama in Höhe von 1 Mrd. US-Dollar (1,6 Mrd. DM) bekannt. Die bei der amerikanischen Intervention am Ende des Vorjahres verursachten Schäden werden auf 2 Mrd. US-Dollar (3,2 Mrd. DM) geschätzt.

Die DDR-Regierung gibt die Einführung der Gewerbefreiheit bekannt. Ausländische Unternehmen können sich zukünftig in der Regel mit bis zu 49% an “joint-ventures” mit DDR-Betrieben beteiligen.

Ein Orkan richtet in West- und Mitteleuropa schwere Schäden an. 90 Menschen kommen ums Leben.

26.1.1990, Freitag

Die DDR-Regierung zieht ihre Genehmigung zurück, Giftmüll aus Berlin (West) und der Bundesrepublik Deutschland auf den Deponien Schöneiche und Vorketzin zu lagern.

In der pakistanischen Hauptstadt Karachi demonstrieren mehrere hunderttausend Menschen gegen “Korruption und Inkompetenz” der Regierung.

27.1.1990, Samstag

In Warschau beginnt der 11. Parteitag der ” Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei” (PVAP). Die Mehrheit der Delegierten beschließt am 28. Januar die Auflösung der PVAP und die Neugründung als “Sozialdemokratie der Republik Polen”. Daneben entstehen zwei weitere Nachfolgeparteien.

Der Wolfsburger Automobil-Konzern VW und das Kombinat Personenwagen in Karl-Marx-Stadt vereinbaren ein sog. joint-venture.

Der hessische Ministerpräsident Walter Wallmann wird auf dem Landesparteitag der CDU in Friedberg von 93% der Delegierten als Landesvorsitzender bestätigt.

Die Bürgerbewegung “Neues Forum” der DDR-Oppositionellen beschließt in Berlin (Ost), bei den kommenden Wahlen mit eigenen Kandidaten anzutreten. Das “Neue Forum” will sich allerdings nicht zur politischen Partei umformen, sondern eine Bürgerbewegung bleiben.

28.1.1990, Sonntag

Die SPD unter Oskar Lafontaine baut bei den Landtagswahlen an der Saar mit 54,4% der Stimmen ihre absolute Mehrheit aus.

DDR-Ministerpräsident Hans Modrow und die Oppositionsparteien am “Runden Tisch” einigen sich auf eine Allparteienregierung in der DDR bis zu den Volkskammerwahlen, die vom 6. Mai auf den 18. März vorgezogen werden.

In Bukarest folgen rund 40 000 Menschen einer entsprechenden Aufforderung von den Sozialdemokraten, der Bauernpartei und den Liberalen; sie fordern in der rumänischen Hauptstadt den Rücktritt der politischen Führung. Am 29. Januar demonstrieren dagegen etwa 25 000 Menschen für Präsident Ion Illiescu. Dabei kommt es zu Ausschreitungen gegen die Opposition.

Bei den Australian Open in Melbourne schlägt der Tschechoslowake Ivan Lendl den Schweden Stefan Edberg. Am Vortag besiegte Steffi Graf die US-Amerikanerin Mary Joe Fernandez.

29.1.1990, Montag

Der SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel schlägt den saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine als Kanzlerkandidat seiner Partei für die Bundestagswahlen vor.

Vor der Volkskammer in Berlin (Ost) zeichnet DDR-Ministerpräsident Hans Modrow ein katastrophales Bild der Wirtschaft im Land.

30.1.1990, Dienstag

DDR-Ministerpräsident Hans Modrow und der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow sprechen sich erstmals für ein vereintes Deutschland aus.

In Wien beginnt der Prozess gegen den sog. “Hofzuckerbäcker”. Er soll für die Sprengung des Schiffes “Lucona” im Indischen Ozean 1977 verantwortlich sein, dessen wertlose Ladung als Uranaufbereitungsanlage versichert worden war. Dabei kamen sechs Menschen ums Leben.

31.1.1990, Mittwoch

Im christlichen Teil der libanesischen Hauptstadt Beirut liefern sich rivalisierende christliche Milizen die schwersten Kämpfe seit Beginn des Bürgerkriegs. Bis zum Waffenstillstand am 17. Februar kommen zahlreiche Zivilisten ums Leben.